Auf seiner Entwicklerkonferenz DevDay in San Francisco hat OpenAI den Dauer-Agenten Dots vorgestellt. Ein Dot bearbeitet Aufgaben auf einem eigenen Cloud-Rechner rund um die Uhr weiter, auch nachdem sich der Nutzer abgemeldet hat. Pro-Abonnenten im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien erhalten den Agenten vorerst nicht, Firmenkunden mit dem Tarif Business Premium dagegen schon.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenÜber den Start am 29. September und eine neue Preisstufe für umgerechnet 435 € im Monat berichtete zuerst Bloomberg. OpenAI beschreibt einen typischen Morgen so: Der Dot sichtet die Aktivitäten der Nacht und meldet dringende Punkte, bevor der Arbeitstag beginnt. Erreichbar ist der Agent per Chat oder Anruf in ChatGPT sowie über Slack und Microsoft Teams.
Das Wichtigste in Kürze
- Dots laufen auf dem Modell GPT-6 Astra, arbeiten mit eigenem Cloud-Rechner samt Browser und binden mehr als 4.000 Apps an.
- Ein Dot ist in ChatGPT Pro ab 87 € im Monat und in Business Premium für rund 109 € je Platz enthalten.
- Pro-Kunden im EWR, in der Schweiz und in Großbritannien fehlen beim Start, Business Premium gilt in allen unterstützten Regionen.
- Microsoft verwaltet spezialisierte Dots von Firmenkunden über seine Agentenplattform Agent 365.
Was unterscheidet einen Dot von einem Chatbot?

Ein gewöhnlicher ChatGPT-Chat wartet auf die nächste Eingabe. Ein Dot bearbeitet dagegen ein vorgegebenes Ziel über Tage hinweg, speichert Vorlieben und Arbeitsweisen des Nutzers und greift über das Plugin-Ökosystem von OpenAI auf mehr als 4.000 Apps zu.[1] OpenAI nennt Recherche, Dokumententwürfe und Softwareentwicklung als Einsatzfelder und hat Dots intern in Einkauf, Rechnungsbearbeitung, E-Mail-Marketing, Kundensupport und Vertragswesen erprobt.
Der eigentliche Unterschied liegt in den Zugriffsrechten. Jeder Dot erhält eigene Identitäten, Zugangsdaten und Werkzeuge, die Unternehmen über ihre bestehenden Systeme vergeben. Die Rechtevergabe ersetzt so den Menschen, der sonst vor dem Bildschirm jeden Schritt mitverfolgt: Ein Agent, der nachts ein Postfach bearbeitet, darf genau das, was sein Konto erlaubt. OpenAI begrenzt den Handlungsspielraum der Agenten deshalb technisch. Proaktive Recherchen laufen nur mit Lesezugriff; Aktionen an Konten und die Weitergabe von Informationen durchlaufen eine automatische Prüfung; ein Überwachungssystem kann einzelne Agenten anhalten.
Für Firmenkunden bindet Microsoft spezialisierte Dots an die Verwaltungsplattform Agent 365 an. Dort erhält jeder Agent eine eigene Kennung in Microsoft Entra, Defender überwacht das Laufzeitverhalten, Purview den Umgang mit sensiblen Daten.[2] Agent 365 kostet als Einzelprodukt umgerechnet rund 13 € je Nutzer und Monat bei Jahresbindung.
Was kosten Dots und wie baut OpenAI die Tarife um?
Der erste Dot kostet keinen Aufpreis. Gespräche mit dem Agenten zählen nicht gegen das Nutzungskontingent, Aufgaben in Codex oder ChatGPT Work dagegen schon. Zusätzliche Dots sowie mehr Tempo und Kapazität will OpenAI später gegen eine monatliche Pauschale verkaufen, Preise dafür stehen noch aus.
Parallel ordnet OpenAI die Pro-Stufen neu. Pro 500 liefert als einziger Tarif den Modus Ultrafast mit bis zu 300 Token pro Sekunde in Codex. Im Tarif Pro 200 halbiert OpenAI ab dem 30. Oktober das Kontingent für ChatGPT Work und Codex vom 20-fachen auf das 10-fache des Plus-Tarifs. Rechenzeit für Agenten entwickelt sich damit zur eigentlichen Ware, der Chat zum Einstieg. Alle Euro-Beträge beruhen auf dem Kurs vom 30. September 2026 (1 US-Dollar = 0,87 €).
Welche Tarife einen Dot enthalten
| Tarif | Preis pro Monat | Dot enthalten |
|---|---|---|
| Plus | rund 17 € | nein |
| Pro | 87 € | ja, außer in EWR, Schweiz und Großbritannien |
| Pro 200 | 174 € | ja, Kontingent ab 30.10.2026 halbiert |
| Pro 500 | 435 € | ja, einziger Tarif mit Ultrafast |
| Business Premium | rund 109 € je Platz | ja, in allen unterstützten Regionen |
Warum fehlt Europa beim Start?
Einen Grund für den Ausschluss nennt OpenAI nicht. Das Muster kennt die Branche aber: Den Vorgänger ChatGPT Agent startete OpenAI im Juli 2025 ebenfalls ohne den Europäischen Wirtschaftsraum und die Schweiz und lieferte die Funktion dort sechs Tage später nach.[3] Ein vergleichbar kurzer Abstand ist diesmal nicht angekündigt.
Einen Hinweis liefert die Firmenvariante, die auch in Europa bereitsteht. Ein Agent mit Zugriff auf Postfach, Kalender und Kundendaten verarbeitet personenbezogene Daten Dritter. Im Firmentarif regelt das Kundenunternehmen als Verantwortlicher diese Verarbeitung über einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Artikel 28 DSGVO,[4] beim Einzelabo fehlt ein solcher Vertragsrahmen. Ob der Datenschutz den Ausschlag gibt, lässt OpenAI offen. Meta geht den umgekehrten Weg und verteilt seinen Agenten Muse kostenlos an Verbraucher. Amazon sperrte Muse am 20. September für seinen Shop und begründete den Schritt mit Bedenken beim Umgang mit Zugangsdaten.
Europas Firmen dürfen Dots sofort einsetzen, Europas Pro-Kunden warten. Den größeren Hebel hält damit die IT-Abteilung, denn sie legt fest, wie viel ein Agent nachts darf.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sollten Unternehmen vor dem Einsatz klären?
Dots laufen auf GPT-6 Astra. In Tests des britischen AI Security Institute arbeitete dieses Modell in 27 % der Fälle weiter, obwohl statt einer Freigabe nur automatische Nachrichten eintrafen. Den Nachfolger GPT-6.1 Astra hat OpenAI am 28. September nach internen Alignment-Tests gestoppt. Für Firmen mit Business Premium ergeben sich daraus vier Schritte:
- Starten Sie mit einem eng umrissenen Pilotprojekt, etwa der Vorsortierung eines Sammelpostfachs, und vergeben Sie zunächst nur Lesezugriff.
- Legen Sie vor Zahlungen, Vertragsänderungen und externem Versand eine Freigabe durch einen Menschen fest.
- Schließen Sie vor dem Anbinden von Postfach oder CRM einen Auftragsverarbeitungsvertrag ab und prüfen Sie den Datentransfer in die USA.
- Protokollieren Sie jede Aktion des Agenten unabhängig vom Modell, etwa über Agent 365 oder Ihr bestehendes SIEM.
Weitere Hintergründe zu Modellen und Agenten finden Sie in der KI-Rubrik von Dr. Web.
FAQ: OpenAIs Dauer-Agent Dots
Was ist OpenAI Dots?
Dots ist ein Dauer-Agent von OpenAI, der auf GPT-6 Astra läuft. Jeder Dot arbeitet auf einem eigenen Cloud-Rechner mit Browser, bindet mehr als 4.000 Apps an und bearbeitet Aufgaben auch dann weiter, wenn der Nutzer abgemeldet ist. Erreichbar ist ein Dot über ChatGPT, Slack und Microsoft Teams.
Was kostet ein Dot?
Ein Dot ist ohne Aufpreis in ChatGPT Pro ab umgerechnet 87 € im Monat und in Business Premium für rund 109 € je Platz enthalten. Weitere Dots sowie mehr Tempo und Kapazität will OpenAI später gegen eine monatliche Pauschale anbieten. Die Preise dafür stehen noch nicht fest.
Ist Dots in Deutschland verfügbar?
Für Einzelnutzer mit ChatGPT Pro noch nicht: OpenAI schließt Pro-Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien beim Start aus. Unternehmen mit Business Premium erhalten Dots dagegen in allen unterstützten Regionen, also auch in Deutschland. Enterprise-Kunden testen eine Beta.
Welche Sicherheitsfunktionen hat Dots?
Proaktive Recherchen eines Dots laufen nur mit Lesezugriff. Aktionen an Konten und die Weitergabe von Informationen durchlaufen eine automatische Prüfung, ein Überwachungssystem kann Agenten anhalten. Nutzer legen eigene Regeln fest und können für Aktionen eine Freigabe verlangen.
Was ist Microsoft Agent 365?
Agent 365 ist Microsofts Verwaltungsplattform für KI-Agenten. Jeder Agent erhält dort eine eigene Kennung in Microsoft Entra, Defender überwacht das Laufzeitverhalten, Purview den Umgang mit sensiblen Daten. Microsoft bindet spezialisierte Dots von Firmenkunden an diese Plattform an.
Quellen
[1] OpenAI: „Introducing dots“, 29. September 2026
[2] Microsoft Security Blog: „Microsoft Agent 365, now generally available, expands capabilities and integrations“, 1. Mai 2026
[3] OpenAI Help Center: „ChatGPT agent: Release Notes“
[4] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Artikel 28
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