Alltag aufgeschraubt: Diese Website zerlegt Ihren Kugelschreiber

Michael Dobler
Autor Dr. Web
2 Min. Lesezeit
Alltag aufgeschraubt: Diese Website zerlegt Ihren Kugelschreiber

Irgendwann hat jeder schon mal auf einen Kugelschreiber gedrückt und gefragt, wo das Klicken eigentlich herkommt. Bryan Macomber, Maschinenbauingenieur bei Google und Illustrator aus San Francisco, hat daraus ein Webprojekt gemacht, das sich schwer in eine Schublade stecken lässt: halb technische Dokumentation, halb animiertes Kunstwerk.

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Das Wichtigste in Kürze

  • mechanical-pencil.com von Bryan Macomber zerlegt Alltagsgegenstände als interaktive CAD-Illustrationen
  • Aktuell vier Objekte: Pilot G2 Kugelschreiber, Zippo-Feuerzeug, BIC-Druckbleistift, Pez-Spender
  • Technisch: Framer-basiert, scrollgetriebene Animationen, kein JavaScript-Framework sichtbar
  • Kostenlos, browserbasiert, keine Anmeldung

Wie funktioniert das Projekt technisch?

Auseinandergebauter blauer Kugelschreiber mit Schraubendreher auf weißem Grund
Macombers Prozess: Produkt zerlegen, digital in CAD nachbauen, illustrieren und animieren. Auf mechanical-pencil.com zeigen scrollgetriebene Sequenzen Bauteile, die auseinanderfahren

Macombers Prozess beginnt am physischen Objekt. Das Produkt wird zerlegt, per CAD digital nachgebaut, jede Ansicht von Hand illustriert und schließlich für das Web animiert. Das Ergebnis sind scrollgetriebene Sequenzen, bei denen einzelne Bauteile mit dem Mausscrollen auseinanderfahren und wieder zusammensetzen. Die Website läuft auf mechanical-pencil.com und ist auf Framer gebaut, was den flüssigen Übergang zwischen Illustrationen und animierten Ebenen ohne externes JavaScript-Framework ermöglicht.

mechanical-pencil.com Screenshot: Startseite mit illustrierten Alltagsobjekten von Bryan Macomber
Die Startseite von mechanical-pencil.com zeigt vier aufgeschraubte Alltagsobjekte als interaktive CAD-Illustrationen.

Was hat das mit Webdesign zu tun?

Demontierter Kugelschreiber mit Lupe und Text
Scrollgetriebene Animation in Framer zeigt technisches Fachwissen interaktiv statt didaktisch vermittelnd

Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel dafür, was passiert, wenn jemand technisches Fachwissen direkt ins Medium Website überträgt, statt es in ein PDF oder eine Präsentation zu stecken. Die scrollgetriebene Animation folgt dem Nutzerverhalten und doziert nicht. Für Webdesigner ist das Projekt interessant, weil Macomber mit Framer erreicht, was viele mit GSAP oder komplexem Canvas-Code versuchen. Für alle anderen ist es schlicht ein Vergnügen, den Pilot G2 auf dem Bildschirm in seine 23 Einzelteile zerfallen zu sehen.

Das Web wird noch zu selten als Lernmedium mit echter Tiefe gebaut. Macomber zeigt, dass eine einzige gut animierte Seite mehr erklärt als ein zwanzigseitiges Handbuch.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Aktuell umfasst die Sammlung vier Objekte, der neuste Eintrag ist der Pilot G2 Retractable Pen von 1997. Macomber hat über Instagram angekündigt, die Auswahl weiter auszubauen. Wer sich für animierte SVGs als Webdesign-Technik interessiert, findet bei uns einen ausführlichen SVG-Ratgeber sowie eine Übersicht zu SVG-Animationstools.

Welche Objekte sind bereits online?

Zerlegter Kugelschreiber mit „Online verfügbar!“-Fahne auf weißem Grund
Kugelschreiber, Zippo-Feuerzeug, BIC-Bleistift und Pez-Spender mit detaillierten Explosionszeichnungen und vollständiger Bauteilbeschriftung

Neben dem Kugelschreiber sind ein Zippo-Feuerzeug (Baujahr 1933), ein BIC-Druckbleistift (1988) und ein Pez-Spender (1952) verfügbar. Jedes Objekt bekommt eine eigene Seite mit vollständiger Explosionsansicht und Bauteilbeschriftung. Die technische Präzision ist bemerkenswert: Beim Kugelschreiber ist sogar der Spannkegel mit Namen beschriftet, ein Teil, das die meisten täglich berühren, ohne es je bewusst wahrgenommen zu haben.

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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