Vom Wohnheim-Schreibtisch zur Million: die nice!nano-Story

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Vom Wohnheim-Schreibtisch zur Million: die nice!nano-Story

Ein Student entwirft an einem einzigen Wochenende eine drahtlose Platine für Tastatur-Bastler. Fünf Jahre später stehen über 50.000 verkaufte Exemplare und mehr als 870.000 Euro Umsatz in den Büchern. Die Geschichte des nice!nano zeigt, wie aus einem Nischenprojekt ein tragfähiges Hardware-Geschäft wird.

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Das nice!nano ist ein drahtloser Mikrocontroller im Pro-Micro-Format, den Nick Winans 2020 im ersten Studienjahr am Schreibtisch seines Wohnheims entwarf. Aus Frust über lahme Funktastaturen wollte er eine Platine bauen, die niedrige Latenz und lange Akkulaufzeit verbindet. Der Markt für selbstgebaute Tastaturen kannte bis dahin keine bezahlbare, offene Lösung dieser Art.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nick Winans entwarf das nice!nano an einem Wochenende mit der freien Software KiCad.
  • Die erste Charge von 1.000 Stück verkaufte sich über einen Group Buy in nur sieben Stunden.
  • Bis 2025 gingen mehr als 50.000 Platinen über die Ladentheken, gut 870.000 Euro Umsatz.
  • Den offenen Schaltplan kopierten 2023 zwei Hersteller aus China, ohne dass Winans dagegen vorgehen konnte.

Wie wird aus einem Wochenendprojekt ein Produkt?

Eine kleine goldene Krone auf einer grünen, quadratischen Taste vor weißem Hintergrund
Winans entwarf Schaltplan und Platinenlayout übers Wochenende, ließ fünf Prototypen für 87 Euro fertigen. Eine Testtastatur mit 110-mAh-Akku hielt mehrere Wochen, während das Vorgängerprojekt schneller erschöpft war

Schneller Prototyp. Winans zeichnete Schaltplan und Platinenlayout an einem Wochenende und ließ fünf Muster für rund 87 Euro fertigen. Die Boards funktionierten auf Anhieb. Eine Testtastatur hielt mit einem winzigen 110-mAh-Akku mehrere Wochen durch, während sein Vorgängerprojekt mit einem zwanzigfach größeren Akku schon nach wenigen Tagen den Geist aufgab.

Offene Pläne. Den Schaltplan veröffentlichte Winans frei. Diese Offenheit machte das nice!nano zur Referenz im ZMK-Ökosystem, einer quelloffenen Tastatur-Firmware, und inspirierte zahlreiche Nachbauten. Eine wachsende Community trug das Projekt von Anfang an mit.

Wie finanziert man Hardware ohne Kapital?

Miniaturfiguren erklimmen einen orangen nice!nano USB-Mikrocontroller vor weißem Hintergrund
Student Winans finanzierte 1.000 Platinen über Sammelbestellung vor. Mindestmenge erreicht in Minuten, alle Stücke nach sieben Stunden verkauft. Familie bewältigte Versand von über 400 Bestellungen

Group Buy. Als Student konnte Winans keine Produktion von 1.000 Platinen vorfinanzieren. Über eine Sammelbestellung kassierte er das Geld vorab, die Mindestmenge fiel binnen Minuten, nach sieben Stunden waren alle 1.000 Stück verkauft. Den Versand der mehr als 400 Bestellungen stemmte die Familie gemeinsam.

Eigener Handel. 2022 gründete Winans mit seinem Vater den Shop Typeractive und übernahm den Verkauf selbst. Heute zählt der Laden zu den größten Anbietern für geteilte Tastaturen. Für den Sprung in die eigene Firma liefert der Leitfaden zur Unternehmensgründung die nötigen Schritte.

Ein offener Schaltplan zieht eine Community an, die das Produkt trägt. Beim nice!nano verkauft sich das Original trotz chinesischer Klone weiter, weil ihm diese Community gehört.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Für Gründer im DACH-Raum steckt darin eine klare Lehre. Prüfen Sie, ob Offenheit Ihr Produkt schützt statt es preiszugeben, denn eine aktive Community wiegt oft schwerer als ein Patent. Trifft Ihr Produkt eine Nische mit echtem Bedarf, brauchen Sie für den Start weniger Kapital als gedacht. Dass hierzulande wieder mehr Menschen gründen, belegen die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts. Den vollständigen Rückblick hat Nick Winans in seinem Blog veröffentlicht.

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Michael Dobler
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Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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