Das US-Handelsministerium hat laut New York Times rund zwei Dutzend chinesische Firmen für Nvidias KI-Chip H200 freigegeben. Bei zwei davon fanden die Reporter leere Büros vor, und die Eigentümer einer der beiden sind mit einem Fonds auf der US-Sperrliste verbunden.
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Die New York Times hat am Samstag die H200-Lizenznehmer in China ausgewertet und Firmen vor Ort besucht.[1] Neben Baidu, BYD und Tesla Shanghai stehen darauf Unternehmen, die vor allem auf dem Papier existieren. Dass Chips an Chinas Militär gelangt sind, belegt der Bericht nicht (Stand: Samstag, 7. November 2026, 17:30 Uhr).
Das Wichtigste in Kürze
- Die Büros der Lizenznehmer New Matrix und Maginfra fanden die Reporter leer vor.
- New Matrix ist über seine Eigentümer mit dem Fonds Wise Road verbunden, Maginfra mit Inspur. Wise Road und Inspur stehen auf der US-Sperrliste Entity List.
- Die US-Vorschrift, die Tochterunternehmen von Firmen auf der Liste automatisch erfassen soll, ist bis zum 10. Januar 2027 ausgesetzt.
Wen hat Washington für den H200 freigegeben?

Donald Trump hatte im Dezember 2025 den Verkauf des H200 an genehmigte Kunden in China erlaubt, im Gegenzug gehen 25 % der Erlöse an die US-Regierung. Jede lizenzierte Firma darf laut New York Times Zehntausende Chips abnehmen. New Matrix aus Peking, gegründet vor 17 Monaten, soll H200 zu KI-Servern montieren. An der angegebenen Adresse stießen die Reporter auf ein leeres Gebäude.[1]
Zwei Haupteigentümer von New Matrix sind laut chinesischen Unternehmensregistern mit dem Umfeld von Wise Road verbunden, einem Beteiligungsfonds, den die USA 2024 auf die Entity List setzten. Maginfra, ebenfalls mit verlassenem Büro, hat laut der Zeitung Personal und Patente mit dem Serverhersteller Inspur gemeinsam. Die Exportbehörde BIS hatte Inspur im März 2023 auf die Liste gesetzt, weil der Konzern US-Technik für die Modernisierung von Chinas Militär beschafft habe.[3] Zwei weitere Lizenznehmer sind laut der Zeitung über ihre Eigentümer mit Zulieferern des Militärs verbunden. Die Firmen haben nicht geantwortet.
Die BIS prüft laut New York Times jeden Antrag sorgfältig auf Sicherheitsrisiken. Nvidia-Sprecher John Rizzo sagte, es ergebe keinen Sinn, dass sich Chinas Militär auf US-Technik verlasse.
Warum fällt eine solche Firma durch das Raster?
Die Entity List sperrt Firmen namentlich. Eine junge Gesellschaft, deren Eigentümer mit Firmen auf der Liste verbunden sind, steht selbst nicht darauf. Diese Lücke sollte die Affiliates-Regel schließen: Seit Ende September 2025 sollten Firmen, die zu mindestens 50 % Unternehmen auf der Liste gehören, automatisch dieselben Beschränkungen treffen. Die BIS setzte die Regel im November 2025 für ein Jahr aus und hat die Aussetzung in dieser Woche bis zum 10. Januar 2027 verlängert.[2] Ob die Regel New Matrix oder Maginfra erfassen würde, ist offen, weil die Beteiligungsquoten nicht öffentlich sind.
Die Recherche ist nicht der erste Hinweis auf Kontrolllücken. Im Fall des Nvidia-Kunden Megaspeed, dessen frühere Managerin US-Geheimdienste für eine Informantin Pekings halten, verteidigte Jensen Huang die Geschäfte. Am 18. November soll er dem Kongress dazu Auskunft geben. Im Oktober nahm die US-Justiz einen Händler fest, der Nvidia-Server für rund 261 Mio. Euro nach China geschleust haben soll.
Eine Exportlizenz für eine leere Adresse zeigt, dass Washington Formulare prüft, aber nicht den Empfänger der Chips.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen in Europa?
Die US-Ausfuhrvorschriften gelten auch für Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sobald diese US-Technik weiterverkaufen, etwa Server mit Nvidia-Chips. Für EU-Ware gilt zusätzlich die Dual-Use-Verordnung (EU) 2021/821, in Deutschland überwacht vom BAFA. Ein Namensabgleich mit der Entity List genügt nach diesem Befund nicht.
Liefern oder vermieten Sie Hardware mit US-Chips an Kunden in China, prüfen Sie die Eigentümerkette bis zur obersten Gesellschaft, die angegebene Adresse und den tatsächlichen Einsatzort. Ab dem 11. Januar 2027 kann die 50-Prozent-Regel greifen. Offen ist bis zum Abend, ob an die beiden Firmen bereits H200 geliefert wurden.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- The New York TimesU.S. Cleared Nvidia Chips to Chinese Firms With Empty Offices and Troubling Ties (7. November 2026), eigene Recherche, hinter Bezahlschranke
- Bureau of Industry and Security, Federal RegisterExtension of the Suspension of Expansion of End-User Controls for Affiliates of Certain Listed Entities (Dokument 2026-22793, Veröffentlichung)
- Bureau of Industry and Security, Federal RegisterAdditions and Revisions of Entities to the Entity List
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