Kupferhütten bekommen seit fast zwei Jahren am Spotmarkt kein Geld mehr dafür, Erzkonzentrat zu verarbeiten, sie zahlen drauf: Am 30. Oktober lag der Schmelzlohn bei minus 246,40 Dollar je Tonne, umgerechnet rund 221 Euro. Zwei namentlich nicht genannte Manager chinesischer Hütten sagten Reuters, Kürzungen stünden bevor. Aus dem Schlamm von Kupferraffinerien stammen weltweit mehr als 80 Prozent des Selens, das in Tierfutter, Flaschenglas und Mammografie-Geräten steckt.
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- Was ist Selen und warum entsteht es nur nebenbei?
- Wer entdeckte Selen und wie wurde daraus ein Technikstoff?
- Wie hat Selen die Weltkarte verändert?
- Warum ist Selen für die Weltwirtschaft so wichtig?
- Wo steckt Selen im Alltag und was fällt ohne das Element weg?
- Wie setzt sich der Selenpreis zusammen?
- Wer verdient an Selen und wer zahlt drauf?
- Wie mächtig ist die Selenlobby?
- Wie kommt die Industrie davon los?
- Was bedeutet der Druck auf die Kupferhütten für Deutschland?
- Glossar: 12 Fachbegriffe vom Anodenschlamm bis zur Selenhefe
- FAQ: Knappheit, Versorgung und Gesundheit
In keiner Hütte ist Selen der Grund, warum der Ofen läuft. Es sammelt sich beim Raffinieren von Kupfer als Rückstand, und die Hütten liefern es nur, solange sie Kupfer raffinieren. Der Weg führt vom roten Schlamm einer schwedischen Fabrik bis zu den Auktionen, auf denen chinesische Hütten in diesen Wochen Rohselen verkaufen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anlass: Reuters meldet am 5. November Rekord-Minuswerte bei den Schmelzlöhnen und fallende Schwefelsäurepreise. Damit schrumpft bei chinesischen Hütten ein wichtiges Zusatzgeschäft.
- Die Abhängigkeit: Laut US Geological Survey raffinierte China 2025 rund 53 Prozent der Weltmenge von 3.800 Tonnen. Eigene Selenminen in nennenswertem Umfang weisen die Statistiken nicht aus.
- Der blinde Fleck: Weder die EU noch die USA führen Selen als kritischen Rohstoff, und in den Übersichten zu Chinas Exportkontrollen fehlt es. Eine Knappheit hat bisher niemand ausgerufen.
- Der Ausweg: In Glas und Legierungen lässt sich Selen ersetzen, im Tierfutter nicht. Das Recycling bleibt unbedeutend, weil das meiste nach dem Gebrauch verstreut ist.
Angeberwissen in fünf Fragen
1 Wonach benannte Berzelius das neue Element? Aufklappen ↓
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2 Woher stammen laut US Geological Survey mehr als 80 Prozent des weltweit gewonnenen Selens? Aufklappen ↓
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3 Wie viel Selen darf ein Kilogramm Alleinfutter in der EU höchstens enthalten? Aufklappen ↓
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4 Welches Gerät machte Selen in den 1960er-Jahren in vielen Büros zum Alltag? Aufklappen ↓
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5 Welchen Anteil an der weltweit raffinierten Menge hatte China 2025? Aufklappen ↓
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Was ist Selen und warum entsteht es nur nebenbei?
Selen ist ein seltenes Element, das sich chemisch fast wie Schwefel verhält. Es steckt in Sulfiderzen und wird weltweit vor allem als Nebenprodukt der Kupferraffination gewonnen.
Die obere Erdkruste enthält nach Angaben des US Geological Survey (USGS) im Schnitt rund 0,09 Milligramm je Kilogramm. Schiefer kommt auf 0,3 Milligramm, Granit und Kalkstein auf 0,025.
Auf eine Tonne Granit kommen damit 25 Milligramm.
Weil die Atome dem Schwefel so ähneln, nehmen sie in Sulfidmineralen dessen Platz ein. So gelangt das Element in dieselben Erze, aus denen auch Kupfer stammt, und landet mit dem Konzentrat in der Hütte.
Dort wird das geschmolzene Rohkupfer zu Anoden gegossen, die in der Elektrolyse langsam in Lösung gehen. Das Selen geht nicht mit in die Kathode, es sammelt sich im Anodenschlamm. Mehr als 80 Prozent der Weltmenge entstehen laut USGS auf diesem Weg.
Aurubis beschreibt in einem Bericht von 2024, wie es weitergeht: Im Ofen der Edelmetallanlage verflüchtigt sich das Selen, die Gaswäsche fängt es auf, danach fällt es als Rohselen aus.
Wie viel davon je Tonne Kupfer anfällt, steht in keiner von uns gelesenen Fachquelle. Unsere Überschlagsrechnung aus den USGS-Zahlen ergibt rund 130 Gramm je Tonne Raffinadekupfer, als Untergrenze, weil nicht jede Hütte das Element zurückgewinnt.
Der USGS beziffert auch keine Reserven. Die Vorräte ließen sich „nicht verlässlich“ erfassen, heißt es in seinem Bericht vom Februar 2026.
| Kennwert | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Gehalt in der oberen Erdkruste | rund 0,09 mg/kg | USGS |
| Anteil aus Anodenschlamm | über 80 Prozent | USGS |
| Raffinierte Weltmenge 2025, ohne USA | rund 3.800 Tonnen | USGS |
| Raffineriekapazität | rund 5.100 Tonnen, rechnerisch 75 Prozent ausgelastet | USGS, eigene Rechnung |
| Reserven | nicht bezifferbar | USGS |
Selen hat keinen eigenen Förderplan. Steigt sein Preis, baut deshalb niemand eine Kupferhütte, sinkt der Kupferausstoß, schrumpft das Angebot mit, ganz gleich, wie groß der Bedarf gerade ist.
Wer entdeckte Selen und wie wurde daraus ein Technikstoff?

Jöns Jacob Berzelius stieß 1817 in einer schwedischen Schwefelsäurefabrik auf den roten Schlamm und erkannte Anfang 1818 ein neues Element. Zum Technikstoff machte es erst eine spätere Entdeckung: Unter Licht leitet es Strom besser.
Im August 1817 trafen sich Berzelius und sein Kollege Gahn in Gripsholm. Berzelius hielt Anteile an der dortigen Säurefabrik. In der Bleikammer lag roter Schlamm, aber nur, wenn die Fabrik Pyrit aus Falun verbrannte. Der frühere Besitzer hatte Arsen vermutet und das Erz deshalb gemieden.
Aus 200 Kilogramm Schwefel gewannen die beiden rund drei Gramm Niederschlag.
Der Stoff roch stark nach Meerrettich, typisch für Tellur, und Berzelius schrieb 1817 tatsächlich von Tellur. Im Stockholmer Labor wiederholte er die Versuche und kam Anfang 1818 zu einem anderen Schluss. Weil Tellur nach der Erde benannt ist, taufte er das neue Element nach Selene, dem griechischen Wort für Mond.
Die Probe hinterließ Spuren am Forscher. Laut Royal Society of Chemistry drang Selen über die Haut ein und bescherte ihm üblen Mundgeruch, Freunde sollen ihn gemieden haben.
Licht macht aus dem Kuriosum ein Bauteil
Im Februar 1873 ging eine Mitteilung an die Londoner Telegrafen-Ingenieure: Selenstäbe, die für Messungen an Seekabeln dienten, verloren bei Sonne ihren hohen Widerstand. Ein Assistent namens May hatte das auf der irischen Kabelstation Valentia beobachtet, sein Chef Willoughby Smith meldete es. Werner Siemens erzeugte durch Erhitzen auf 210 Grad eine besonders empfindliche Sorte. Alexander Graham Bell berichtete 1880 in Boston, wie er mit Selen Schall per Licht übertrug. 1883 baute der Amerikaner Charles Fritts die ersten Solarzellen aus Selen, mit weniger als einem Prozent Wirkungsgrad, und schickte ein Modul an Siemens.
Auch in Deutschland entstand daraus Technik. Arthur Korn übertrug 1904 mit seiner Selenmaschine ein Foto von München nach Nürnberg, 24 Minuten dauerte ein Bild im Format 12 mal 18 Zentimeter. In Nürnberg entstand 1930 die Süddeutsche Apparatefabrik, die Selen-Gleichrichter in großer Stückzahl baute: Ein britischer Nachkriegsbericht nennt 36 Millionen im Jahr.
Seinen größten Auftritt hatte das Element im Büro. Chester Carlson machte am 22. Oktober 1938 in Queens die erste Xerokopie. Im Dunkeln isoliert Selen, im Licht leitet es, darauf beruhte das Verfahren. 1959 setzte Haloid Xerox alles auf den Kopierer 914, ein Gerät von 295 Kilogramm mit Selen auf der Trommel.
Silizium hat die Selen-Gleichrichter weitgehend verdrängt, Kopierer arbeiten heute meist mit organischen Fotoleitern.
Erst Gift, dann Nährstoff
1937 identifizierte der Wissenschaftler Moxon in South Dakota Selen als Ursache der „Alkali-Krankheit“, bei der Weidetiere Mähnenhaare und Hufe verloren. Zwanzig Jahre später wendete sich das Blatt: Der aus Deutschland ausgewanderte Biochemiker Klaus Schwarz wies 1957 in den USA an Ratten nach, dass Spuren davon Leberschäden verhindern.
Die Keshan-Krankheit, ein Herzleiden, das 1935 erstmals in Nordostchina beschrieben wurde, lieferte den Beleg am Menschen. In einer Studie in Sichuan erkrankten 1974 in der Kindergruppe ohne Gabe 13,5 Prozent, mit Natriumselenit 2,2 Prozent.
Finnland beschloss 1984, seinen Dünger damit anzureichern.
Wie hat Selen die Weltkarte verändert?

Selen selbst hat keine Grenze verschoben. Es folgt dem Kupfer, und dessen Karte haben Kolonialmächte, Verstaatlichungen und zuletzt Chinas Hüttenbau gezeichnet. Die Kupferhütten bestimmen damit, wie viel Selen überhaupt anfallen kann.
Katanga, Hoboken und das koloniale Muster
Die 1906 gegründete Union Minière du Haut-Katanga förderte im belgischen Kongo und verschiffte das verhüttete Erz zum Raffinieren nach Belgien. Rohstoff im Süden, Veredelung im Norden: So sah die koloniale Arbeitsteilung aus. Ob in der belgischen Raffinerie Hoboken, die heute zu Umicore gehört, auch Selen aus Erz von Katanga entstand, konnten wir nicht belegen. Der USGS führt Belgien 2025 mit 200 Tonnen, Umicore nennt eine Kapazität von 300 Tonnen im Jahr.
Sambia und Chile verstaatlichen ihr Kupfer
Sambia verstaatlichte seine Kupferminen ab 1969, damals brachte das Metall mehr als die Hälfte der Staatseinnahmen. Chile verstaatlichte die drei größten Kupferfirmen am 16. Juli 1971 per Verfassungsänderung. Anaconda und Kennecott gingen bei der Entschädigung leer aus, 1976 entstand die Staatsfirma Codelco.
Ob die beiden Länder damit auch beim Selen an Einfluss gewannen, belegen unsere Quellen nicht. Die USA beziehen heute immerhin einen Teil ihres Selens aus Chile.
Chinas Hütten ändern das Kräfteverhältnis
Laut Internationaler Energieagentur (IEA) entfielen seit 2005 mehr als 90 Prozent des weltweiten Zuwachses der Kupferverhüttung auf China. Der Anteil des Landes stieg von rund 15 auf 50 Prozent im Jahr 2025.
Beim Selen liegt Chinas Anteil noch etwas höher.
Bei so vielen Öfen fehlt weltweit das Konzentrat. Der Schmelzlohn, die Gebühr der Minen an die Hütten, sank im Jahresvertrag von rund 72 Euro je Tonne im Jahr 2024 über 19 Euro auf null für 2026. 16 große Produzenten haben sich zum China Smelters Purchase Team zusammengeschlossen und zugesagt, 2026 mehr als 10 Prozent weniger zu erzeugen.
Eine Reuters-Kolumne meldete für Januar bis April trotzdem 7,4 Prozent mehr Ausstoß. Die IEA hält die Kürzungen für zu gering.
Standorte außerhalb Chinas geraten unter Druck
Außerhalb Chinas lag die Auslastung 2025 laut IEA unter 70 Prozent, im Land selbst bei rund 85. Vier Standorte eines einzigen Konzerns, Glencore, zeigen den Druck, wobei Horne vor allem an Emissionsauflagen hängt. Keiner der Berichte nennt Selen, der Zusammenhang ergibt sich allein daraus, dass es als Nebenprodukt anfällt.
| Standort | Stand | Quelle |
|---|---|---|
| Pasar, Philippinen | Anfang 2025 stillgelegt, Verkauf laut Bericht vom Juli 2025 vereinbart | Bloomberg via Swissinfo |
| Altonorte, Chile | im März 2025 vorübergehend gestoppt, Wiederanlauf von uns nicht belegt | Mining.com |
| Mount Isa, Australien | Hütte läuft dank Staatshilfe weiter, Stand Oktober 2025 | Argus |
| Horne, Kanada | Februar 2026: Umweltinvestitionen gestoppt, Lage wird neu bewertet | Mining.com |
In den USA liefern zwei Elektrolysen in Texas und Utah Rohselen und Schlämme, raffiniert wird das Selen laut USGS aber nicht im Land. Die Importe stammten 2021 bis 2024 vor allem von den Philippinen, aus Mexiko und Chile.
Selen bleibt auf den Kontrolllisten außen vor
Am 4. Februar 2025 stellte China Wolfram, Tellur, Bismut, Molybdän und Indium unter Exportkontrolle, zuvor schon Gallium und Germanium. In diesen Listen und den von uns geprüften Übersichten fehlt Selen. Der Preis zeigt den Unterschied: Tellur, das aus demselben Schlamm stammt, verteuerte sich 2025 in Europa um 84 Prozent, Selen um 17.
Auch die westlichen Listen lassen es aus. Die EU-Studie von 2023 sieht die wirtschaftliche Bedeutung mit 4,8 über der Schwelle von 2,8, das Versorgungsrisiko mit 0,3 aber klar unter der Marke von 1,0. Die US-Liste vom November 2025 zählt 60 Minerale, Selen ist keines davon.
Aus unserer Sicht bildet dieser Risikowert die Abhängigkeit vom Betrieb der Kupferhütten nicht ausreichend ab.
Warum ist Selen für die Weltwirtschaft so wichtig?

Gemessen am Geld ist der Markt winzig, nach unserer Rechnung rund 100 Millionen Euro im Jahr. Er ist trotzdem wichtig, weil Stahl über das Elektrolyse-Mangan, Flaschenglas, Tierfutter und Medizintechnik an ihm hängen.
Die Zahl ergibt sich aus 3.800 Tonnen und dem europäischen Durchschnittspreis von 2025, rund 26 Euro je Kilogramm.
Eine Börse gibt es nicht. Der Preisdienst Fastmarkets notiert seit 2001 Selen mit 99,5 Prozent Reinheit ab Lager Rotterdam in Dollar, in China liefern Ausschreibungen der Hütten und die Notierungen von Shanghai Metals Market (SMM) die Orientierung. Einzelverträge bestimmen den Rest.
Wie schnell das kippt, zeigte 2011. Chinesische Manganhersteller kauften damals so viel, dass der Preis in New York bis Ende März auf umgerechnet rund 148 Euro je Kilogramm stieg. Im Dezember 2016 lag er bei rund 17 Euro. Nach unserer Einschätzung schwankt der Preis so stark, weil die Grundmenge am Kupfer hängt. Kurzfristig reagieren können nur die Rückgewinnung in den Hütten und deren Lager.
| Zeitpunkt | Preis je Kilogramm, umgerechnet | Quelle |
|---|---|---|
| Jahresschnitt 2011, New York | rund 131 Euro | USGS |
| März 2011, Spitze | rund 148 Euro | USGS |
| Dezember 2016, Tief | rund 17 Euro | USGS |
| Europa 2021 | rund 17 Euro | USGS |
| Europa 2024 | rund 22 Euro | USGS |
| Europa 2025, geschätzt | rund 26 Euro | USGS |
Die Reihen aus New York und Europa sind nicht direkt vergleichbar, alle Werte rechnen wir zum Kurs vom 6. November 2026 um.
Für Deutschland widersprechen sich die Zahlen. Der USGS führt 47 Tonnen und eine Kapazität von 60 Tonnen, das EU-Infoblatt SCRREEN nennt 300 Tonnen für 2022. Den Unterschied um den Faktor sechs können wir nicht klären. SCRREEN nennt für die EU von 2016 bis 2020 rund 815 Tonnen Erzeugung, 835 Tonnen Verbrauch und 2 Prozent Importabhängigkeit. Die EU-Länder in der USGS-Tabelle kommen für 2025 auf 353 Tonnen.
Das Risiko sehen wir weniger bei den Lieferländern als beim Weiterbetrieb der europäischen Hütten, auch wenn Aurubis derzeit gut verdient.
Wo steckt Selen im Alltag und was fällt ohne das Element weg?

Selen steckt in Flaschen, Stahl, Tierfutter, Schuppenshampoo und Mammografie-Geräten. Bei einem Ausfall ließe sich das meiste ersetzen, oft ohne Mehrkosten. Beim Futter gibt es keinen Ersatz.
Im Glas neutralisiert das Element den Grünstich, den Eisen hinterlässt. Außerdem färbt es Glas rot. Deutsche Milchkühe bekommen es als Natriumselenit im Mineralfutter, weil Futterpflanzen in Deutschland und der EU laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von Natur aus zu wenig liefern. Über Milch, Fleisch und Eier landet es dann beim Menschen.
Den größten Sektor, die Metallurgie, prägt Elektrolyse-Mangan für die Stahlherstellung. 2008 nannte der USGS dafür rund zwei Kilogramm Selendioxid je Tonne Metall. In Pigmenten verschiebt das Element den Farbton von Cadmium zu Orange und Rot.
Im Krankenhaus arbeiten Flachdetektoren mit einer Schicht aus amorphem Selen, etwa bei Fujifilm. Hologic kaufte um 2005 für mehr als 21 Millionen Euro die AEG Elektrofotografie in Warstein, den alleinigen Lieferanten seiner Selenbeschichtung. Nur wenige Betriebe weltweit schafften damals die Qualität.
| Produkt | Aufgabe des Selens | Ersatz bei Ausfall |
|---|---|---|
| Flaschenglas | entfärbt den Grünstich | Ceroxid, ähnliche oder geringere Kosten |
| Rotes Glas | färbt | Goldchlorid, mehr als doppelt so teuer |
| Elektrolyse-Mangan | Zusatz in der Elektrolyse | Schwefeldioxid, ähnliche Kosten, weniger energieeffizient |
| Messing, Automatenstahl | erleichtert das Zerspanen | Bismut, Blei, Tellur |
| CIGS-Solarmodule | Teil der Halbleiterschicht | kristallines Silizium |
| Tierfutter | Spurennährstoff | kein Ersatzstoff, nur andere Selenform |
Beim Schuppenshampoo zieht die EU eine enge Grenze. Selen und seine Verbindungen sind in Kosmetik verboten, nur Selendisulfid ist bis 1 Prozent erlaubt, ausschließlich gegen Schuppen und mit Warnhinweis. In Deutschland gibt es zudem ein apothekenpflichtiges Präparat.
Technisch am härtesten träfe ein Ausfall das Futter. Zu einer Ersatztechnik für die Detektoren lasen wir nichts. Avancis nennt in Torgau eine CIGS-Fertigung, aber keine Mengen.
Wie setzt sich der Selenpreis zusammen?

Der Preis folgt keiner Kostenrechnung, denn die Hütte würde das Kupfer ohnehin raffinieren. Den Sprung macht die Reinheit: Ein Kilogramm Selen mit 99,999 Prozent kostet fast dreimal so viel wie Ware mit 99,9 Prozent.
Die Tagesnotierung von SMM vom 6. November zeigt die Preisstaffel. Der Aufschlag entsteht durch die Reinigung, nicht durch das Material selbst.
| Stufe | Preis je Kilogramm, umgerechnet |
|---|---|
| Rohselen, China | rund 16,90 Euro |
| Pulver, 99,9 Prozent, China | rund 22,50 Euro |
| 99,5 Prozent, Europa | rund 23,60 Euro |
| Pulver, 99,99 Prozent, China | rund 34,70 Euro |
| 99,999 Prozent (5N), China | rund 63 Euro |
| 99,9999 Prozent (6N), China | rund 222 Euro |
Die Auktionen liegen etwas höher als die Rohselen-Notierung. Tongling verkaufte laut SMM-Meldung vom 5. November 32 Tonnen für mehr als 18,80 Euro je Kilogramm. Eine Hütte im Südwesten erzielte im Oktober für 25 Tonnen rund 19,50 Euro. Wir vermuten, dass die Mehrwertsteuer in den chinesischen Preisen den Abstand erklärt, bestätigt hat das niemand.
Das Rossmann-Präparat mit 60 Tabletten zu je 100 Mikrogramm kostet 2,99 Euro und enthält zusammen 6 Milligramm. Bei 26 Euro je Kilogramm steckt darin Selen für 0,016 Cent. Nach unserer Rechnung ist schon die Mehrwertsteuer, rund 20 Cent bei angenommenen 7 Prozent, mehr als tausendmal so hoch.
Im Regal kostet das Kilogramm damit rein rechnerisch 498.000 Euro.
Beim Tierfutter entspricht der EU-Höchstgehalt von 0,5 Gramm je Tonne einem Metallwert von 1,3 Cent. Ein teureres Selen träfe die Hersteller, die große Mengen kaufen, aber kaum das Ei im Supermarkt.
Wer verdient an Selen und wer zahlt drauf?

Am Selen selbst verdient kaum jemand sichtbar. Beim Kupfer gewinnen vorerst die Minen, die Kosten tragen Hütten und Anwohner von Bergbauregionen, im Elk Valley durch Selen, am Kafue durch andere Bergbaufolgen.
Reuters berichtet von „starken Rückgängen“ der Quartalsgewinne bei Jiangxi Copper und Yunnan Copper gegenüber dem Vorquartal. Daye Nonferrous warnt, die Lage werde noch schwieriger. Der Analyst Tom Price von Panmure Liberum nennt Nebenprodukte die einzige finanzielle Entlastung der Hütten, und auch die gerieten nun in die Klemme. Der Schwefelsäurepreis in China fiel von rund 283 Euro je Tonne im Juli auf rund 199 Euro. Peking hat den Export der Säure laut Berichten seit Mai befristet gestoppt.
Aurubis steht anders da. Der Hamburger Konzern steigerte das operative Ergebnis vor Steuern in den neun Monaten bis Ende Juni um 31 Prozent auf 374 Millionen Euro, auch dank deutlich höherer Erlöse aus Schwefelsäure. Die IEA hebt die Mischung aus Verhüttung und Weiterverarbeitung als Sonderfall hervor. Selen weist Aurubis im Quartalsbericht nicht gesondert aus.
Die Tochter Retorte in Röthenbach an der Pegnitz ist nach eigener Darstellung Weltmarktführer bei hochreinen Selenprodukten und hat 2025 rund 7 Millionen Euro in eine neue Anlage gesteckt.
Die EU stuft das Versorgungsrisiko bei Selen als gering ein, über das Angebot entscheidet aber die Bilanz der Kupferhütten.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Elk Valley: Selen, das niemand haben will
Im kanadischen Elk Valley wäscht Regen das Element aus den teils über 100 Meter hohen Abraumhalden des Kohlebergbaus. Bei Fischen führt es zu Missbildungen und ausbleibender Fortpflanzung. 2021 verhängte ein Gericht gegen Teck Coal umgerechnet 38 Millionen Euro, die bis dahin höchste Strafe nach dem kanadischen Fischereigesetz.
1985 flossen knapp zwei Tonnen im Jahr in den Lake Koocanusa, zuletzt fast elf. Teck gab rund 890 Millionen Euro für Wasseraufbereitung aus und will so mindestens 95 Prozent des laufenden Betriebs erfassen, Montana misst im See seit 2012 stabile Werte. Das Magazin The Narwhal berichtet dagegen, der Großteil bleibe ungereinigt.
Heute gehören die Minen Elk Valley Resources, an der Glencore und Nippon Steel beteiligt sind. Ein Gericht in Montana bestätigte im April 2026 nach Angaben der Klägerseite den Grenzwert von 0,8 Mikrogramm je Liter, und die Internationale Grenzgewässerkommission verschob ihren Berichtsentwurf auf Ende November. Die Ktunaxa Nation beklagt Schäden, denen sie nicht zugestimmt hat.
Kalifornien kennt das aus der Landwirtschaft. Im Kesterson Reservoir fanden Biologen 1983 Vogelembryonen mit fehlenden oder verformten Schnäbeln und Augen, in jedem zehnten beobachteten Nest. 1985 ließ das Innenministerium die Anlage schließen.
Sambia und der Fluch des Kupfers
Der Ressourcenfluch lässt sich am Selen nicht messen, am Kupfer schon. In Sambia wuchs der Bergbau, während die Landwirtschaft stagnierte, und die Devisen aus dem Boom drückten andere Exporte. Dieses Muster heißt Holländische Krankheit, ein Vortrag beim UN-Institut WIDER beschrieb es 2023 so für Sambia.
Warum die Förderung bis 1998 auf 255.000 Tonnen fiel, ist umstritten: Die Weltbank machte die Verstaatlichung verantwortlich, Kritiker den Preisverfall.
Im Februar 2025 brach bei Sino-Metals in Chambishi ein Damm. Die Firma sprach von rund 50 Millionen Litern, der Entwurf eines Gutachtens von mindestens 1,5 Millionen Tonnen. Am Fluss Kafue hängt die Versorgung von rund der Hälfte des Landes. Selen spielt dabei keine Rolle, es geht um Kupferfolgen.
| Beteiligte | Lage | Beleg |
|---|---|---|
| Minen mit Konzentrat | erhalten von Hütten Geld, statt zu zahlen | Argus via Reuters |
| Chinesische Hütten | Gewinnrückgang, Drosselung angekündigt | Reuters |
| Aurubis | Ergebnis plus 31 Prozent in neun Monaten | Quartalsbericht |
| Ktunaxa Nation, Fischerei | Selenbelastung im Grenzgebiet | The Narwhal, CBC |
| Anwohner am Kafue | 176 Kläger nach dem Dammbruch, keine Selenfolge | Mongabay |
Wie mächtig ist die Selenlobby?

Eine schlagkräftige Selenlobby konnten wir nicht finden. Hörbar sind eher die Nachbarn: Kupferhütten mit Forderungen zu Strompreis und Schrott, dazu Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln im Streit um Höchstmengen.
Die Selenium Tellurium Development Association arbeitet seit 1938 und will nach eigener Darstellung bekannt machen, dass das Element unentbehrlich ist. Mitglieder sind etwa Glencore, Boliden und Retorte. Einen Eintrag im EU-Transparenzregister konnten wir weder finden noch ausschließen.
Food Supplements Europe wehrte sich gegen die neue Obergrenze der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Die EFSA hatte den Wert 2023 von 300 auf 255 Mikrogramm am Tag gesenkt, der Verband wollte das auf eine Selenform beschränken und scheiterte.
Seit Jahren streiten die EU-Staaten über verbindliche Höchstmengen. Die Kommission begründet das Ausbleiben eines Vorschlags mit „unterschiedlichen Ansichten“, Deutschland forderte im Dezember 2025 mit 16 anderen Staaten eine Regelung für 2026. Das BfR schlägt unverbindlich 40 Mikrogramm je Tagesdosis vor, die erwähnte Drogeriepackung liegt mit 100 Mikrogramm darüber.
Aurubis nennt im Lobbyregister des Bundestags seine Forderung: Die Strompreiskompensation solle auf 100 Prozent steigen und alle Strommengen erfassen. Der Konzern wirbt außerdem für EU-Exportgrenzen bei Recyclingmaterial, die Industrie- und Handelskammern warnen vor Ausfuhrzöllen.
Einen Beleg, dass eine der genannten Positionen das Fehlen von Selen auf Rohstofflisten bewirkt hätte, fanden wir nicht. Die niedrigen Risikowerte erklären es auch ohne Lobby.
Wie kommt die Industrie davon los?

Beim Glas und in vielen Legierungen ginge das heute, beim Mangan mit Abstrichen. Vom Nährstoff kommt niemand los, und auch beim Recycling ist wenig zu holen: Das meiste Selen verteilt sich beim Gebrauch.
Die Glasindustrie hat mit Ceroxid eine Alternative, die laut SCRREEN nicht mehr kostet. Bei Mangan kann Schwefeldioxid das Selendioxid ablösen, laut SCRREEN zu ähnlichen oder geringeren Kosten, laut USGS aber weniger energieeffizient. Andere selenfreie Verfahren aus Südafrika und China kosten mehr als das Doppelte. In der Solarbranche ist die Lage entspannt, kristallines Silizium steht als Alternative bereit. Reine Selenzellen bleiben Forschung, und Lithium-Selen-Akkus kämpfen laut einer Übersichtsarbeit von 2024 mit wandernden Polyseleniden und Dendriten und haben es bisher nicht in die Serie geschafft.
Der USGS nennt das Recycling „unbedeutend“. Die Zahlen dazu gehen auseinander, weil sie Verschiedenes messen: Eurostat kommt auf unter 1 Prozent, die UN-Studie von 2011 auf weniger als 5 Prozent bei Altprodukten, SCRREEN mit Neuschrott auf 1 bis 10 Prozent der Versorgung. In Flaschen, Stahl und Kuhmägen bleibt das Element dauerhaft verstreut, und eine Kuh lässt sich nicht recyceln.
Blei-, Nickel- und Zinkerze enthalten ebenfalls Selen. Flugasche dürfte sich laut USGS nicht lohnen. In China lagern 200.000 Tonnen Rückstände der Antimonindustrie mit rund 0,18 Prozent Selen, nach unserer Rechnung rund 360 Tonnen und damit weniger als ein Zehntel einer Jahresproduktion.
Bei Futter bringt Selenhefe nur eine andere Form. Die EU erlaubt sie mit bis zu 0,2 Milligramm je Kilogramm, das Element selbst bleibt nötig.
Zu einem Ausstieg nennt keine von uns gelesene Quelle eine Jahreszahl. Wir halten die Frage auch für falsch gestellt: Beim Selen geht es um Ersatz für Teilmärkte, die Abhängigkeit von Kupferhütten bleibt.
Glashütten und Manganwerke haben eine Ausweichmöglichkeit, die Tierernährung hat keine. Dort kostet Selen fast nichts, ist aber unersetzlich.
Was bedeutet der Druck auf die Kupferhütten für Deutschland?

Kurzfristig wenig für Verbraucher, denn eine Knappheit hat niemand ausgerufen, und der Selenanteil am Endpreis ist verschwindend klein. Ein höherer Preis träfe vor allem Einkäufer in Metallurgie, Futter, Glas und Medizintechnik.
Der Marktdienst Mysteel erwartet für die Hütten „enormen Druck“ im Jahr 2027. Rohselen lag in China im Oktober und November bei rund 18,50 bis 19,50 Euro je Kilogramm, SMM wertet die Ausschreibungen als Zeichen von Zuversicht.
Ein direkter Beleg, dass Drosselungen das Selenangebot schon senken, fehlt. Der USGS nennt den Zusammenhang nur allgemein: Das Angebot hänge unmittelbar an dem Material, aus dem es als Nebenprodukt entsteht. Dass die Hütten stark drosseln, ist nicht sicher. Frühere Zusagen zeigten sich lange kaum in den Zahlen, Reuters berichtet im November aber von verlängerten Wartungen und dem langsamsten Ausstoßtempo seit Jahrzehnten.
Drei Szenarien
Wir rechnen mit einer Kürzung um 10 Prozent, der Marke der chinesischen Hütten. Die Tonnen sind unsere Rechnung, Prognosen zum Preis lassen wir weg, weil die Lagerbestände unbekannt sind.
- Optimistisch: Die Hütten drosseln wieder kaum, das Angebot bleibt bei rund 3.800 Tonnen.
- Mittleres Szenario: China setzt die zugesagten 10 Prozent tatsächlich um, dann fehlen höchstens 200 Tonnen, rund 5 Prozent der Weltmenge.
- Pessimistisch: Alle Primärhütten kürzen um 10 Prozent, es fehlen 300 bis 340 Tonnen, fast so viel, wie Elektronik und Photovoltaik im Jahr verbrauchen.
Was das für Sie heißt
Als Verbraucher müssen Sie nichts tun. Eine Unterversorgung ist bei Mischkost laut BfR sehr selten, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt 70 Mikrogramm am Tag für Männer und 60 für Frauen als Schätzwert. Für Veganer sieht das BfR ein mögliches Risiko, hoch dosierte Tabletten können aber zur Überversorgung beitragen. Die Fachleute raten von größeren Mengen Paranüsse ab, sie enthalten auch Radium.
Als Einkäufer sollten Sie die Lieferkette prüfen. Fragen Sie Ihre Lieferanten gerne, aus welcher Hütte das Selen stammt und ob ein zweiter Bezugsweg besteht. Glashersteller können Ceroxid-Rezepturen vorab testen, Hersteller von Mineralfutter sich die Mengen früher vertraglich sichern.
Medizintechnik-Hersteller sollten bei den Detektorlieferanten nach der Selenbeschichtung fragen. Um 2005 beherrschten sie nur wenige Betriebe, einen neueren Stand kennen wir nicht.
Was die Politik tut
Der deutsche Rohstofffonds der KfW verlangt, dass ein Rohstoff auf der EU-Liste steht oder bei der Deutschen Rohstoffagentur als hohes Risiko gilt. Selen erfüllt das nach unserer Lesart nicht. In den Haushaltsberatungen für 2027 geht es um eine Aufstockung auf 1,5 Milliarden Euro, die ersten Mittel gingen an die Projekte Vulcan und Arafura.
Aus unserer Sicht braucht Selen keinen eigenen Förderposten. Die Versorgung hängt daran, wie es den europäischen Hütten geht, und darüber streiten Politik und Branche gerade, von der Strompreishilfe bis zum Schrottexport. Ob Hilfen der richtige Weg sind, bleibt umstritten.
Glossar: 12 Fachbegriffe vom Anodenschlamm bis zur Selenhefe

Anodenschlamm
Anodenschlamm ist der Rückstand, der sich in der Kupferelektrolyse unter den Anoden absetzt. Er enthält neben Selen auch Tellur. Das Material wird in der Hütte weiterverarbeitet oder als Vorprodukt verkauft, die USA etwa führen es aus.
Benchmark
Der Benchmark ist der Schmelzlohn, auf den sich große Minen und Hütten jedes Jahr einigen. Er dient vielen Lieferverträgen als Richtwert. Für 2026 lag er bei null, dem niedrigsten je ausgehandelten Wert.
CIGS
CIGS steht für Kupfer-Indium-Gallium-Diselenid, ein Halbleitermaterial für Dünnschicht-Solarzellen. Bei einem Selenausfall ließen sie sich laut EU-Infoblatt durch kristallines Silizium ersetzen, zu ähnlichen oder geringeren Kosten. Im Inland nennt Avancis eine Fertigung.
Elektrolyse-Mangan
Elektrolyse-Mangan ist hochreines Metall, das in die Stahlherstellung geht. Selendioxid dient dabei als Zusatz in der Elektrolyse. Dadurch zählt die Metallurgie zu den größten Abnehmern von Selen, obwohl das Endprodukt nichts davon verrät.
Fotoleitung
Fotoleitung beschreibt, dass ein Stoff unter Licht besser Strom leitet. Das Verhalten wurde 1873 an Selen bekannt und war die Grundlage von Bildtelegrafie und Kopierer. Heute nutzen Röntgendetektoren die Eigenschaft weiter, Kopierer dagegen haben sie aufgegeben.
Keshan-Krankheit
Die Keshan-Krankheit ist ein Herzleiden, das nach einem Kreis in Nordostchina benannt ist. Es trat in bestimmten Regionen Chinas auf. Gaben von Natriumselenit senkten in einer Studie der 1970er-Jahre die Erkrankungsrate deutlich.
Natriumselenit
Natriumselenit ist die anorganische Verbindung, die in Mineralfutter und in Drogerie-Tabletten steckt. In der EU darf Alleinfutter insgesamt höchstens 0,5 Milligramm Selen je Kilogramm enthalten. Damit gelangt der Nährstoff über Milch, Fleisch und Eier zum Menschen.
Nebenprodukt
Ein Nebenprodukt entsteht, während ein Betrieb eigentlich etwas anderes herstellt. Seine Menge richtet sich daher nach dem Hauptgeschäft, nicht nach der eigenen Nachfrage. Bei Selen ist das Kupfer, weshalb höhere Preise allein kaum zusätzliches Angebot schaffen.
Rohselen
Rohselen ist das noch ungereinigte Vorprodukt, das Hütten aus Anodenschlamm abtrennen. In China wird es in Tonnen Metallinhalt ausgeschrieben. Spezialbetriebe reinigen es anschließend zu Pulver, Granulat und Verbindungen weiter, wobei der Preis mit jeder Stufe steigt.
Schmelzlohn
Der Schmelzlohn ist die Gebühr, die Minen den Hütten für das Verarbeiten von Konzentrat zahlen, oft als TC/RC abgekürzt. Am Spotmarkt ist er seit fast zwei Jahren negativ. Die Hütten zahlen dort also dafür, Konzentrat zu bekommen, und müssen über Nebenprodukte verdienen.
Selendioxid
Selendioxid ist eine Sauerstoffverbindung des Elements, die vor allem die Manganelektrolyse braucht. Laut SMM kostet sie umgerechnet rund 14 Euro je Kilogramm. Schwefeldioxid kann sie ersetzen, verbraucht nach Angaben des USGS aber mehr Energie.
Selenhefe
Selenhefe ist Hefe, die beim Wachsen Selen eingebaut hat und in organischer Form ans Tier abgibt. Die EU lässt je nach Stamm 2.000 bis 3.500 Milligramm je Kilogramm Hefe zu. Sie ersetzt das Element nicht, sie liefert es nur anders.
FAQ: Knappheit, Versorgung und Gesundheit

Wird Selen gerade knapp?
Eine ausgerufene Knappheit gibt es bisher nicht, der Druck kommt von den Kupferhütten. Rohselen wurde in China im Oktober und November zu rund 18,50 bis 19,50 Euro je Kilogramm versteigert. Ob angekündigte Drosselungen das Angebot senken, belegt noch keine Quelle, der Zusammenhang ergibt sich aus der Herkunft als Nebenprodukt.
Warum steht Selen nicht auf der EU-Liste kritischer Rohstoffe?
Weil die EU das Versorgungsrisiko mit 0,3 bewertet, die Schwelle liegt bei 1,0. Die Importabhängigkeit lag nach dem EU-Infoblatt SCRREEN bei 2 Prozent. Auch die US-Liste vom November 2025 führt das Element nicht.
Brauche ich Selentabletten?
In der Regel nicht. Eine Unterversorgung ist bei Mischkost laut BfR sehr selten, tierische Lebensmittel liefern dank angereichertem Futter zuverlässig. Für Veganer sieht das BfR ein mögliches Risiko. Es schlägt höchstens 40 Mikrogramm je Tagesdosis vor, Packungen mit 100 Mikrogramm liegen darüber.
Wie viele Paranüsse sind unbedenklich?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt höchstens zwei Stück. Der Grund ist neben dem hohen Gehalt auch Radium, das sich in den Nüssen anreichert. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät davon ab, sich gezielt über Paranüsse zu versorgen.
Ist Selen giftig?
In größeren Mengen ja, in Spuren ist es lebenswichtig. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA senkte die tolerierbare Tagesmenge 2023 auf 255 Mikrogramm. In Gewässern schädigt es Fische und Vögel, wie das Elk Valley in Kanada und das Kesterson Reservoir in Kalifornien zeigen.
Lässt sich Selen recyceln?
Kaum. Der USGS nennt das Recycling unbedeutend, Eurostat kommt auf unter 1 Prozent. In Glas, Stahl und Futter verteilt sich das Element und lässt sich nicht zurückholen. Zurückgewinnen lässt es sich vor allem aus Elektronikschrott und Solarmodulen, deren Mengen klein sind.
Quellen
94 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 07.11.2026
- Reuters via KitcoFalling sulphuric acid prices deepen China’s copper smelter squeeze
- US Geological SurveyMineral Commodity Summaries 2026: Selenium
- US Geological SurveyMineral Commodity Summaries 2026: Copper
- US Geological SurveyMineral Commodity Summaries 2026: Tellurium
- US Geological SurveySelenium: Scientific Investigations Report 2017-5118
- US Geological SurveyMineral Commodity Summaries 2013: Selenium
- US Geological SurveyMinerals Yearbook 2011: Selenium and Tellurium
- US Geological SurveyMinerals Yearbook 2018: Selenium and Tellurium
- US Geological SurveyMinerals Yearbook 2008: Selenium and Tellurium
- Internationale EnergieagenturGlobal Critical Minerals Outlook 2026: Executive Summary
- Internationale EnergieagenturCopper prices have hit record highs, but smelters face mounting strategic pressures
- Internationale EnergieagenturDecision to implement export controls on tungsten, tellurium, bismuth, molybdenum and indium
- Shanghai Metals MarketTongling Nonferrous Sells 32 Tons of Crude Selenium
- Shanghai Metals MarketGroßwerk Nordwest: Rohselen über 140.000 Yuan je Tonne
- Shanghai Metals MarketGroßwerk Nordwest: Rohselen rund 138.000 Yuan je Tonne
- Shanghai Metals MarketGroßwerk Südwest: 25 Tonnen Rohselen
- Shanghai Metals MarketBismuth, Selenium, Tellurium: Tagesnotierungen
- Shanghai Metals MarketSelenium industry development and application
- FastmarketsSelenium 99.5% Se min, in-whs Rotterdam
- Europäische ZentralbankReferenzkurse
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- AurubisQuarterly Report Q3 2025/26
- Retorte via PresseportalNeue Anlage in Röthenbach
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- American Physical SocietyBell Labs Demonstrates the First Practical Silicon Solar Cell
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- Africa is a CountryThe World Bank has a terrible memory
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- Selenium Tellurium Development AssociationMembers and Officers
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- Reuters via KitcoAurubis seeks curbs to keep metal recycling materials in EU
- DIHKExport restrictions on scrap metal
- LobbyFactsEurometaux
- Battery EnergyReview zu Lithium-Selen-Akkus
- KfWRohstofffonds
- Deutscher Bundestaghib 767/2026
