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Der Designer Michał Krztoń hat am 28. Oktober im UX Collective beschrieben, warum KI-Agenten eine eigene Gestaltung ihrer Grenzen brauchen. Sobald ein Modell nicht mehr nur antwortet, sondern bucht, versendet oder Datensätze ändert, entscheidet die Oberfläche, wann der Agent handelt, wann er fragt und wann er stoppt.[1]

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Inhalt 5 Abschnitte
  1. Warum liefert dasselbe Modell nicht dieselbe Antwort?
  2. Wie zuverlässig ist ein Ablauf aus zehn Schritten?
  3. Welche Schritte darf ein Agent allein erledigen?
  4. Was bedeutet das für Agenturen und Entscheider in der DACH-Region?
  5. Mehr Newshunger?

Dazu liefert er eine Rechnung, die erklärt, warum ein überzeugender Prototyp im Alltag oft scheitert.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Dasselbe Modell liefert auch bei Temperatur 0 nicht immer denselben Text: 80 verschiedene Antworten bei 1.000 Läufen.[2]
  • Zehn Schritte mit je 95 Prozent Trefferquote gelingen zusammen nur in rund 60 Prozent der Fälle.[1]
  • Krztoń sortiert jeden Arbeitsschritt als deterministisch, unscharf oder unumkehrbar.[1]
  • Für Hochrisiko-Systeme verlangt der AI Act ausdrücklich einen Stopp-Mechanismus.[4]

Warum liefert dasselbe Modell nicht dieselbe Antwort?

Ein oranger Druckknopf auf weißem Sockel mit dem Schild „Halt“ auf weißem Grund
Hohe Serverlast verändert Rechenwege und Ausgaben von KI-Modellen, auch bei konstanten Eingaben und Temperatur 0

Die Ursache liegt nicht in der Textauswahl, sondern in der Serverlast: Sie verändert die Rechenwege und damit die Zahlen im Modell.

Thinking Machines Lab ließ ein Modell 1.000-mal denselben Prompt mit Temperatur 0 beantworten, einer Einstellung, die den Zufall eigentlich ausschaltet. Das Ergebnis waren 80 verschiedene Texte. Die ersten 102 Tokens stimmten überall überein, ab dem 103. gingen sie auseinander.[2]

Laut den Autoren hängen die Ergebnisse von der Batch-Größe ab, die wiederum mit der Auslastung des Servers schwankt. Mit speziell gebauten, batch-invarianten Rechenkernen waren alle 1.000 Texte identisch.[2] Ein Testlauf, der einmal sauber durchging, garantiert den Ablauf von morgen also nicht.

Wie zuverlässig ist ein Ablauf aus zehn Schritten?

Bei zehn Schritten mit je 95 Prozent Trefferquote gelingt der Ablauf nur in rund 60 Prozent der Fälle, sofern die Schritte unabhängig voneinander sind.

Die Rechnung lautet 0,95 hoch zehn, also 59,9 Prozent. Krztoń nennt sie selbst ein vereinfachtes Beispiel, keine gemessene Fehlerrate, denn Wiederholungen und Prüfschritte verbessern das Ergebnis.[1] Ein Figma-Prototyp zeigt zudem nur den Idealfall, nicht den Fehler, der einmal in 50 Läufen auftritt.[1]

KI-Agenten: Warum Autonomie Grenzen braucht
Was die Zahlen hinter dem Stopp-Knopf zeigen

Eckdaten

80
verschiedene Texte bei 1.000 Läufen mit Temperatur 0
102
Tokens identisch, ab dem 103. gingen die Texte auseinander
59,9 %
Erfolg bei zehn Schritten mit je 95 % Trefferquote
3
Schrittklassen: deterministisch, unscharf, unumkehrbar

Wahrscheinlichkeit, dass ein Ablauf komplett gelingt (je Schritt 95 %)

1 Schritt
95,0 %
3 Schritte
85,7 %
5 Schritte
77,4 %
10 Schritte
59,9 %
20 Schritte
35,8 %

Ein Agent, den niemand anhalten kann, ist kein Produkt, sondern ein Risiko.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Welche Schritte darf ein Agent allein erledigen?

Krztoń schlägt vor, jeden Schritt eines Ablaufs einer von drei Klassen zuzuordnen: deterministisch, unscharf oder unumkehrbar.

Deterministisch sind Pflichtfelder, Berechtigungen und der Schutz vor Dubletten, das erledigt klassische Software. Unscharf sind Aufgaben wie das Lesen einer E-Mail oder das Einordnen einer Anfrage, dort hilft das Modell. Bei unumkehrbaren Schritten wie Zahlung oder externem Versand braucht es klare Freigabegrenzen.[1]

Sein Beispiel ist eine Flugbuchung: Der Tarif mit Erstattung für 398 € ist ausverkauft, übrig bleibt ein Ticket ohne Erstattung für 342 €. Statt den günstigeren Tarif zu wählen, gibt die Oberfläche die Entscheidung an den Nutzer zurück.[1]

Anthropic rät in seinem Leitfaden zu derselben Zurückhaltung: Feste Workflows sind berechenbarer, Agenten lohnen erst, wenn die einfachere Lösung nicht reicht. Als Stoppbedingung nennt der Leitfaden etwa eine Höchstzahl an Durchläufen.[3]

Was bedeutet das für Agenturen und Entscheider in der DACH-Region?

Bei Hochrisiko-Systemen schreibt der AI Act einen Stopp-Knopf vor, bei allen übrigen Produkten bleibt er eine Designentscheidung.

Artikel 14 der KI-Verordnung verlangt, dass Aufsichtspersonen eingreifen und das System etwa über eine Stopp-Taste in einen sicheren Zustand bringen können. Außerdem sollen sie die Neigung kennen, Ausgaben zu leichtgläubig zu übernehmen.[4] Ob ein Produkt als Hochrisiko-System gilt, klären Sie vor dem Projektstart.

Praktisch beginnt es mit einer Tabelle: Jeder Schritt Ihres Ablaufs bekommt eine der drei Klassen. Danach messen Sie, wie oft Menschen korrigieren müssen.[1] Grundlagen zu Sprachmodellen steht im LLMs-Ratgeber, Agenten im Dauerbetrieb zeigt Perplexity Teammates.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Michał KrztońEveryone is building AI agents. Who’s designing the stop button? (UX Collective)28.10.2026
  2. Thinking Machines LabDefeating Nondeterminism in LLM Inference (Horace He)10.09.2025
  3. AnthropicBuilding effective agents19.12.2024
  4. KI-Verordnung (AI Act)Artikel 14, Menschliche Aufsicht (Textfassung von artificialintelligenceact.eu)

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