Das Start-up PSI sagt, ein unveröffentlichtes Anthropic-Modell habe die Aaronson-Ambainis-Vermutung bewiesen, eine seit 2008 offene Frage der Quanteninformatik. Der Beweisassistent Lean hat jeden Schritt als korrekt bestätigt. Ob der Beweis auch Fachleuten standhält, ist noch offen.
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Das KI-Start-up Physical Superintelligence (PSI) hat am 6. November einen Beweis der Aaronson-Ambainis-Vermutung veröffentlicht.[1] Gefunden hat ihn ein eigenes Forschungssystem, in dem mehrere Exemplare eines unveröffentlichten Anthropic-Modells arbeiteten. Stand: Freitag, 6. November 2026, 23 Uhr: Unabhängige Gutachter haben den Beweis noch nicht bestätigt, und eine Stellungnahme von Anthropic ist uns nicht bekannt.
Das Wichtigste in Kürze
- PSI meldet den Beweis einer Vermutung, die klärt, wann Quantencomputer bei zufälligen Eingaben exponentiell schneller sein können als klassische Rechner.
- Das System hatte den vollständigen Beweis laut PSI am dritten Tag eines Laufs, der Beweisassistent Lean bestätigte ihn als korrekt.
- Forschende der Stanford University lesen den Beweis und schreiben eine kürzere Darstellung für Fachleute.
Was besagt die Aaronson-Ambainis-Vermutung?

Peter Shor zeigte 1994, dass ein Quantenalgorithmus große Zahlen sehr viel schneller zerlegt als alle bekannten Verfahren auf klassischen Rechnern, weil das Problem ein verborgenes Muster enthält. Fast alle bekannten Geschwindigkeitsvorteile von Quantencomputern beruhen auf solcher Struktur.[1] Ob Quantencomputer auch bei zufälligen Eingaben ohne Muster exponentiell schneller sein können, war offen.
Scott Aaronson und Andris Ambainis formulierten dazu eine Vermutung über Polynome.[2] Stimmt sie, kann ein klassischer Rechner jeden Quantenalgorithmus bei zufälligen Eingaben simulieren, ohne dafür exponentiell mehr Zugriffe auf die Eingabe zu brauchen. PSI nennt sie einen bewiesenen Satz.[1]
Wie belastbar ist ein maschinell erzeugter Beweis?
Laut PSI lag der vollständige Beweis am dritten Tag eines Laufs auf eigener Infrastruktur vor, danach verbesserte das System das Ergebnis zweimal.[1] Lean prüft jeden Schritt mechanisch, ein Fehler im Beweisgang fiele auf. Offen bleibt etwas anderes: Lean kontrolliert nur, ob der Beweis zur formalen Aussage passt, die jemand eingegeben hat. Ob diese Aussage der Vermutung entspricht, müssen Menschen klären. PSI nennt als Berater Jim Halverson, der den Beweis geprüft habe, und Phiala Shanahan, die die Formalisierung in Lean kommentiert habe.[1]
Guy Blanc und weitere Forschende der Stanford University hatten im August einen Sonderfall der Vermutung bewiesen und lesen den neuen Beweis.[3] Laut PSI schrieben sie dem Start-up: „Dieses Ergebnis ist gewaltig. Es löst eine jahrzehntealte Vermutung mit wichtigen Folgen für die Frage, welche Probleme sich durch Quantencomputer beschleunigen lassen.“[1]
Ein Rechner prüft jeden Schritt, aber ob der Beweis trägt, entscheiden am Ende Menschen.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Ist das der nächste KI-Beweis mit Fragezeichen?
Im Oktober hatte OpenAI über 700 KI-erzeugte Manuskripte veröffentlicht, nur rund 42 Prozent der Hauptergebnisse waren in Lean geprüft, drei Arbeiten zog das Unternehmen wegen eines Vorzeichenfehlers zurück. Der Zahlentheoretiker Frank Calegari verlangt seither, jede mathematische Arbeit so zu bewerten, als sei sie mit KI entstanden. Bei PSI liegt der Beweis dagegen vollständig in Lean vor, den Code hat das Start-up auf GitHub veröffentlicht.[4] Dass KI in der Mathematik die Grundlagen des Fachs erschüttert, beschrieb Dr. Web schon im Juni.
Was heißt das für Unternehmen im deutschsprachigen Raum?
Direkte Folgen hat der Beweis nicht. Verschlüsselung, die ein Quantencomputer brechen könnte, beruht wie Shors Algorithmus auf Problemen mit Struktur, und genau dort bleiben Beschleunigungen möglich. Die Umstellung auf quantensichere Verfahren sollten Sie deshalb nicht aufschieben. Wie aufwendig der Umstieg ist, zeigt IBM am eigenen Code: Mit seinen Werkzeugen für quantensichere Verschlüsselung fand der Konzern über 3.900 Schwachstellen.
Bei der Wahl eines KI-Modells ist wichtig: Dieses Modell ist unveröffentlicht, Sie können es weder nutzen noch testen. Planen Sie Budgets und Verträge nur mit Modellen, die Sie vor dem Kauf von Lizenzen selbst prüfen können.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- PSI (Physical Superintelligence)A proof of the Aaronson-Ambainis conjecture
- Scott Aaronson und Andris Ambainis (arXiv)The Need for Structure in Quantum Speedups
- Guy Blanc, Jordan Docter, Carmen Strassle und Li-Yang Tan (arXiv)Quantum Speedups Require Structure or Depth
- PSI (GitHub)aaronson-ambainis, Beweis, Lean-Dateien und Code
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