Der Genshin-Impact-Konzern miHoYo will in zwei bis drei Jahren zu den führenden KI-Modellbauern Chinas zählen. Für seine KI-Pläne hat Gründer Liu Wei bis zu 100 Milliarden Yuan über drei Jahre in Aussicht gestellt, umgerechnet rund 13 Milliarden Euro. Pro Jahr entspräche die Summe bis zu vier Fünfteln des geschätzten Jahresgewinns.

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„Ich bin sehr zuversichtlich, dass miHoYo in den nächsten zwei bis drei Jahren ein gewichtiges Mitglied unter den chinesischen Modellteams sein wird“, sagte Liu Wei, Gründer und Präsident von miHoYo, laut dem Schanghaier Nachrichtenportal The Paper.[1] Die Rede hielt Liu auf einer Recruiting-Veranstaltung für den Absolventenjahrgang 2027 an der Shanghai Jiao Tong University. Die Ansage gilt also auch dem knappsten Gut der Branche: KI-Forschern.

Das Wichtigste in Kürze

  • miHoYo-Gründer Liu Wei will binnen zwei bis drei Jahren zur Spitzengruppe der chinesischen Sprachmodell-Entwickler aufschließen.
  • Das KI-Budget beträgt laut Liu bis zu 100 Milliarden Yuan in drei Jahren, rund 13 Milliarden Euro.
  • Der Spielekonzern hält Anteile am Modellbauer MiniMax und baut trotzdem eigene Modelle.
  • Für Spiele auf dem EU-Markt würde ein eigenes Basismodell die Anbieterpflichten des EU AI Act auslösen.

Woher nimmt ein Spielekonzern das Geld für ein Spitzenmodell?

Weißer Controller, oranges Kabel, Minikühlschrank mit Text „Nächstes Level“, weißer Hintergrund
miHoYo finanziert Wette mit Cashflow aus drei erfolgreichen Spielen. 2025 geschätzter Umsatz: 78 Milliarden Yuan, Nettogewinn über 40 Milliarden Yuan

Der Cashflow aus drei Erfolgsspielen finanziert die Wette. miHoYo ist nicht börsennotiert und veröffentlicht keine Zahlen. Das Wirtschaftsportal TMTPost schätzt den Umsatz 2025 auf rund 78 Milliarden Yuan (etwa 10,2 Milliarden Euro), den Nettogewinn auf über 40 Milliarden Yuan (etwa 5,2 Milliarden Euro).[4] Bestätigt hat miHoYo diese Werte nicht. Verteilt auf drei Jahre, stünden jährlich bis zu 4,4 Milliarden Euro für KI bereit. Auf Aktionäre mit Renditeerwartungen muss der Konzern keine Rücksicht nehmen.

Rechenleistung hält Liu für den Engpass. Im Mai sagte er in Peking, kein Team schaffe ein Spitzenmodell, ohne konsequent in Rechenkapazität und Größe zu investieren. Scheitere miHoYo, habe man eben „ein großes Feuerwerk“ gezündet.[2] Wie teuer diese Größe wird, zeigt Xiaomi: Der Konzern streamte das Training seines Modells MiMo öffentlich, für rund 26.000 Euro pro Stunde. Hinzu kommt der knappe Zugang zu Nvidia-Chips, über den Peking gerade neu entscheidet, etwa bei Alibaba und ByteDance.

Warum reicht miHoYo die Beteiligung an MiniMax nicht?

Die Eigenentwicklung läuft seit Jahren. 2018 gründete miHoYo eine eigene KI-Forschungsabteilung, 2022 sprach eine KI-Stimme erstmals eine Spielfigur, deren Sprecher ausgefallen war. Im September 2024 ließ miHoYo das Sprachmodell Glossa bei den chinesischen Behörden registrieren.[1] Parallel stieg der Konzern 2022 als früher Geldgeber bei MiniMax ein und hielt vor dessen Börsengang laut Prospekt 7,34 Prozent. MiniMax-Technik steckt laut der Wirtschaftszeitung Mei Jing seit 2023 in den Figurendialogen von Honkai: Star Rail.[3]

Die Kontrolle über Kosten und Daten spricht für ein eigenes Modell. Liu nennt als Ziel ein Spielerlebnis, das sich jedem Spieler individuell anpasst. Dafür müssten Dialoge und Stimmen laufend neu entstehen. Jeder Abruf bei einem fremden Modellanbieter kostet Geld. Wie wertvoll die Stimmen der Figuren sind, zeigte ein Prozess, in dem miHoYo 96.000 Euro für geklonte Genshin-Stimmen erstritt. Der erste eigene Produktversuch lief allerdings holprig: Die KI-Begleiterin Olivia Lin nahm miHoYo nach 28 Tagen wieder vom Markt.

Geld hat miHoYo genug, Forscher nicht. Liu Wei kündigt den Aufstieg in die KI-Spitze folgerichtig im Hörsaal an und nicht auf einer Bilanzpressekonferenz.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
miHoYos Wette auf ein eigenes KI-Modell
Was der Genshin-Konzern investieren will und woher das Geld kommt
13 Mrd. €
KI-Budget in drei Jahren (bis zu 100 Mrd. Yuan), angekündigt im Mai 2026
2 bis 3 Jahre
bis zur Spitzengruppe der chinesischen Modellbauer, so das Ziel von Gründer Liu Wei
7,34 %
hielt miHoYo laut Börsenprospekt am Modellbauer MiniMax
Sept. 2024
registrierte miHoYo sein Sprachmodell Glossa bei den chinesischen Behörden
KI-Budget im Verhältnis zu Umsatz und Gewinn, in Milliarden Euro pro Jahr
Geschätzter Umsatz 202510,2
Geschätzter Nettogewinn 2025über 5,2
KI-Budget pro Jahr (Obergrenze)4,4

Umsatz und Gewinn sind Schätzungen von TMTPost, miHoYo veröffentlicht als nicht börsennotiertes Unternehmen keine Zahlen. Umrechnung zum EZB-Referenzkurs vom 25. September 2026 (1 Yuan = 0,1306 Euro).

Wie realistisch ist der Aufstieg in die Spitzengruppe?

Ein Präzedenzfall existiert. DeepSeek entstand aus dem Hedgefonds High-Flyer, der sein Modell ebenfalls aus fremdem Geschäft finanzierte. Auch der Lieferdienst Meituan und der Handyhersteller Xiaomi trainieren inzwischen eigene Basismodelle. Die Konkurrenz um DeepSeek, Alibaba, ByteDance und Moonshot spielt allerdings in einer anderen Größenklasse: Moonshot peilt beim Börsengang in Hongkong eine Bewertung von 43,5 Milliarden Euro an. Knapp sind vor allem erfahrene Forscher, für die Chinas Konzerne inzwischen Millionengehälter zahlen.

Was bedeutet das für Europa?

Für eigene Basismodelle sieht der EU AI Act klare Anbieterpflichten vor. Bringt miHoYo ein eigenes Basismodell in Spielen auf den europäischen Markt, gelten seit dem 2. August 2025 die Pflichten für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck: technische Dokumentation, eine Strategie zum Urheberrecht und eine öffentliche Zusammenfassung der Trainingsdaten.[5] Für personalisierte Dialoge verarbeitete das Modell zudem Chateingaben der Spieler, der Speicherort dieser Daten würde zur DSGVO-Frage.

Europäische Studios sollten nüchtern nachrechnen. Ein eigenes Spitzenmodell verlangt Milliarden pro Jahr über mehrere Jahre. Wirtschaftlicher ist die Nachschulung offener Modelle auf eigener Hardware. Wie Chinas Studios KI schon heute in der Produktion einsetzen, zeigte die ChinaJoy 2026 in Schanghai. Womit die Branche ihr Geld verdient, erklärt unser Überblick zu den Erlösquellen der Gaming-Industrie. Weitere Einordnungen bündelt unsere KI-Rubrik.

Was plant miHoYo im Bereich KI?

miHoYo will in zwei bis drei Jahren zu den führenden Entwicklern chinesischer Sprachmodelle zählen. Gründer Liu Wei stellte dafür bis zu 100 Milliarden Yuan über drei Jahre in Aussicht, rund 13 Milliarden Euro. Ziel sind Spiele, die sich jedem Spieler individuell anpassen.

Welche KI-Modelle hat miHoYo bereits?

Im September 2024 ließ miHoYo das Sprachmodell Glossa in China registrieren, ausgelegt auf die Spieleproduktion. Zudem ist der Konzern seit 2022 am Modellbauer MiniMax beteiligt, dessen Technik laut Mei Jing seit 2023 Figurendialoge in Honkai: Star Rail erzeugt.

Was bedeutet ein eigenes miHoYo-Modell für Spieler in der EU?

Setzt miHoYo ein eigenes Basismodell in Spielen für den EU-Markt ein, greifen die Anbieterpflichten des EU AI Act: technische Dokumentation, Urheberrechtsstrategie und eine Zusammenfassung der Trainingsdaten. Für Dialogdaten der Spieler gilt zusätzlich die DSGVO.

Quellen

[1] The Paper (澎湃新闻): „独家|米哈游创始人刘伟:希望在2-3年内进入国产大模型第一梯队“

[2] IT Home (IT之家): „刘伟:米哈游在 AI 方面投入规模“3 年最多 1000 亿”,如果没成算放一个大烟花“

[3] Mei Jing (每日经济新闻): „游戏主业增长承压 米哈游押注投资与AI,寻求新增长点“

[4] TMTPost (钛媒体): „扫货AI圈,游戏大厂的估值逻辑变了“

[5] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 53“

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