Ubisoft verhandelt mit den Betriebsräten seiner deutschen Studios über ein Freiwilligenprogramm. Nach einem Bericht des US-Branchendienstes Game File sollen damit rund 100 Stellen in Düsseldorf, Mainz und Berlin wegfallen, mehr als die Hälfte davon in Düsseldorf. Eine Zahl nennt der Spielekonzern selbst nicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBei zuletzt rund 580 Beschäftigten in Deutschland wäre das etwa jede sechste Stelle.[2] Beschlossen ist der Abbau noch nicht: Eine Vereinbarung mit den Betriebsräten gibt es bisher nicht, die Gespräche laufen.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Game File sollen in den deutschen Ubisoft-Studios rund 100 Stellen wegfallen, Ubisoft bestätigt nur Verhandlungen.
- Im Gespräch ist eine Abfindung von 1,5 Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr für alle, die freiwillig gehen.
- Anfang 2025 hatte Ubisoft in Düsseldorf bereits rund 65 Stellen gestrichen, damals per Kündigung.
- Das Mainzer Spiel Anno 117 erhielt rund 6,5 Millionen Euro aus der Games-Förderung des Bundes.
Was plant Ubisoft an den drei Standorten?

Das Freiwilligenprogramm sei die „wichtigste Maßnahme zur Unterstützung der geplanten organisatorischen Veränderungen“, teilt Ubisoft dem Portal GamesWirtschaft mit.[2] Zu Umfang und Stand der Gespräche äußert sich das Unternehmen nicht. Laut Game File erhalten Beschäftigte, die freiwillig gehen, 1,5 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr. Die Formel ist noch Teil der Verhandlungen.[1]
Benedikt Grindel, Geschäftsführer der deutschen Studios, begründete den Schritt laut Game File auf einer Betriebsversammlung mit einem „klareren Fokus auf die Rolle, die Fähigkeiten und die organisatorische Aufstellung“. Welche Teams der Abbau trifft, ist offen. Düsseldorf ist mit mehr als 300 Beschäftigten der größte Standort und arbeitet unter anderem an Rainbow Six Siege mit. In Mainz entwickeln 165 Menschen die Aufbauspiel-Reihe Anno, in Berlin arbeiten etwa 100.[2] Eine Stellungnahme der Betriebsräte, die es erst seit dem Vorjahr gibt, lag bis Donnerstagmittag nicht vor.
Warum spart Ubisoft jetzt auch in Deutschland?
Der französische Konzern schrumpft seit Jahren. Ende September 2022 beschäftigte Ubisoft 20.729 Menschen, Ende März 2026 waren es noch 16.590.[1] Seit 2022 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben fast 325 Millionen Euro an Kosten eingespart, bis 2028 sollen weitere 180 Millionen Euro folgen. Parallel zum deutschen Abbau will Ubisoft das finnische Studio RedLynx schließen, im Juni hatte der Konzern die Schließung der Studios in Winnipeg und Belgrad angekündigt.
Im Januar 2026 teilte sich Ubisoft in fünf Einheiten nach Spielegenres auf und strich sechs Spiele. Die größte Einheit, Vantage Studios mit Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six, gehört zu rund einem Viertel dem chinesischen Tencent-Konzern. Jede Einheit verantwortet ihr Budget selbst.
Was bedeutet der Abbau für die Standorte?
Für Mainz berührt der Abbau auch die Games-Förderung des Bundes. Anno 117: Pax Romana erhielt daraus rund 5,7 Millionen Euro, ein Viertel des Budgets von 22,8 Millionen Euro, für eine Erweiterung kamen 0,8 Millionen Euro hinzu.[3] Gefördert werden einzelne Spieleprojekte, nicht Arbeitsplätze. Im Haushalt 2026 stehen für das Programm rund 120 Millionen Euro bereit.
Die diskutierte Abfindung läge beim Dreifachen dessen, was Paragraf 1a des Kündigungsschutzgesetzes bei betriebsbedingten Kündigungen vorsieht: einen halben Monatsverdienst pro Beschäftigungsjahr. Anfang 2025 fielen in Düsseldorf laut Game File rund 65 Stellen weg, damals per Kündigung.[1] Ob Ubisoft diesmal ohne Kündigungen auskommt, hängt davon ab, wie viele Beschäftigte das Angebot annehmen.
Andere Studios in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Berlin finden in den kommenden Monaten womöglich Entwickler mit Erfahrung aus großen Produktionen auf dem Arbeitsmarkt. Für ihre Personalplanung lohnt der Blick auf den Ausgang der Gespräche, denn danach steht fest, welche Teams sich verkleinern.
Quellen
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