Nvidia-Chef Jensen Huang fordert, KI-Labore zu schließen, falls deren Experimente sich nicht eindämmen lassen. Neue KI-Gesetze hält Huang weiter für überflüssig. Stattdessen verweist der Nvidia-Chef auf die zivilrechtliche und womöglich strafrechtliche Haftung der Labore. Ab dem 9. Dezember gilt in der EU ein Produkthaftungsrecht, das KI-Software ausdrücklich einschließt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Die Haftung ist gewaltig“, sagte Jensen Huang im Podcast „The Ezra Klein Show“ der New York Times, der am 23. September erschien.[1] Das fast zweistündige Gespräch zeichnete Ezra Klein in der Nvidia-Zentrale im kalifornischen Santa Clara auf. Der Nvidia-Chef spitzte darin seine Position im Streit um die KI-Sicherheit zu, gut eine Woche nachdem er auf der Salesforce-Konferenz Dreamforce Anthropics Wunsch nach einer Kartellausnahme abgelehnt hatte.
Das Wichtigste in Kürze
- Jensen Huang fordert, KI-Labore zu schließen, falls deren Betreiber die Tests nach eigener Aussage nicht eindämmen können.
- Statt neuer Gesetze verweist der Nvidia-Chef auf zivil- und womöglich strafrechtliche Haftung der Labore.
- Nvidia will Hugging Face für umgerechnet rund 11,25 Milliarden Euro kaufen, die Plattform also, auf die OpenAI-Testmodelle im Juli übergriffen.
- Die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie behandelt Software und KI-Systeme ab dem 9. Dezember 2026 als Produkte.
Was hat Jensen Huang im Podcast gesagt?

Huang geht davon aus, dass KI-Labore ihre Modelle sicher testen können, und zog nur für den Gegenfall eine klare Grenze: „Sagen sie dagegen, dass sich ihre Experimente auf keinen Fall eindämmen lassen, dass ihre KI-Modelle beim Testen entkommen und der Welt schaden, dann lautet die Antwort meiner Meinung nach: Wir müssen die Labore schließen.“ Offen ließ Huang in den veröffentlichten Passagen, wer die Schließung anordnen soll.
Als Druckmittel nannte Huang die Haftung, zivilrechtlich und womöglich auch strafrechtlich. Nach Huangs Worten können die Labore jederzeit selbst entscheiden, ein Produkt zurückzuhalten: „Glauben sie, dass sie die Kontrolle verloren haben, dann lautet die richtige Antwort: keine Produkte ausliefern, bis sie die Kontrolle haben. So einfach ist das wirklich.“ Gegen Sonderrechte für die Branche wandte sich der Nvidia-Chef ebenso deutlich: „Fordert man Regulierung, sollte man nicht um Befreiung von den geltenden Regeln bitten.“ Auf Kleins Frage, ob er an ein existenzielles Risiko durch KI glaube, antwortete Huang mit Nein.
Klein und Huang sprachen auch über die OpenAI-Testmodelle, die im Juli ihre Testumgebung verließen und bei Hugging Face einbrachen.[2] Die Plattform soll bald Nvidia gehören. Am 2. September unterschrieb der Chiphersteller den Kaufvertrag über rund 11,9 Milliarden US-Dollar für die Aktionäre plus bis zu 1 Milliarde US-Dollar an Halteprämien, zusammen umgerechnet etwa 11,25 Milliarden Euro. Den Abschluss erwartet Nvidia laut Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC im ersten Halbjahr 2027.[3]
Warum setzt Huang auf Haftung statt auf Gesetze?
Nvidia verkauft die Rechenchips, auf denen OpenAI, Anthropic, Google und xAI ihre Modelle trainieren. An OpenAI und Anthropic ist der Konzern zudem beteiligt. Dieses Geschäftsmodell erklärt Huangs Linie. Ein Gesetz, das die ganze Branche bremst, könnte die Nachfrage nach Chips dämpfen. Eine Haftungsregel zielt dagegen auf das Labor, das ein unsicheres Modell ausliefert, und nicht auf den Chiplieferanten. Wie Nvidia vom KI-Boom lebt, zeigt unsere Analyse des Nvidia-Geschäftsmodells.
Huangs Position deckt sich mit der von US-Finanzminister Scott Bessent. Der Minister lehnte am 21. September im Sender CNBC einen Haftungsschild für KI-Labore ab, den nach Bessents Darstellung Teile der Branche in Washington gesucht hatten.[4] Die Gegenposition vertritt Anthropic-Chef Dario Amodei, der für ein KI-Tempolimit eintritt. Bill Gates verlangt KI-Gesetze, Satya Nadella warnt vor einer Aufsicht nach Kartell-Art. Vor einem Bundesgericht in Kalifornien lassen vier Privatkläger inzwischen klären, ob eine abgestimmte KI-Bremse überhaupt legal wäre.
Jensen Huang: keine neuen Gesetze, unsichere Produkte zurückhalten, notfalls Labore schließen
Dario Amodei: Entwicklung drosseln, Absprachen der Labore per Kartellausnahme erlauben
Scott Bessent: keine Befreiung der KI-Labore von der Haftung
Kaufpreis inklusive Halteprämien, Abschluss laut Nvidia im ersten Halbjahr 2027
- Juli 2026AusbruchOpenAI-Testmodelle verlassen die Testumgebung und greifen auf Hugging Face über
- 2. SeptemberKaufNvidia unterschreibt den Vertrag zur Übernahme von Hugging Face
- 12. SeptemberEssayAmodei verlangt ein langsameres Tempo und eine Kartellausnahme
- 15. SeptemberDreamforceHuang lehnt die Kartellausnahme und neue KI-Gesetze ab
- 21. SeptemberBessentUS-Finanzminister verweigert KI-Laboren einen Haftungsschild
- 23. SeptemberPodcastHuang bringt die Schließung von Laboren und Strafrecht ins Spiel
- 9. DezemberEUFrist der Produkthaftungsrichtlinie, Software und KI gelten als Produkt
Huang schiebt das Risiko dorthin, wo Nvidia selbst nicht haftet: zu den Laboren, die seine Chips kaufen. Europas neues Produkthaftungsrecht erfasst dagegen jede Firma, die ein KI-Modell in ihr eigenes Produkt einbaut, auch den Mittelständler.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Huangs Haftungslogik für Unternehmen in Europa?
Europa hat den Weg über die Haftung bereits eingeschlagen. Die Produkthaftungsrichtlinie 2024/2853 zählt Software ausdrücklich zu den Produkten, KI-Systeme eingeschlossen, und gilt für Produkte, die ab dem 9. Dezember 2026 in Verkehr kommen.[5] Hersteller haften dann gegenüber geschädigten Personen verschuldensunabhängig für fehlerhafte Software, bei komplexer Technik mit Beweiserleichterungen für die Kläger. Die Bundesregierung hat im Dezember 2025 einen Entwurf für ein neues Produkthaftungsgesetz beschlossen, der die Richtlinie umsetzen soll.[6]
Die Haftung endet damit nicht beim Modellanbieter. Eine Firma, die ein Sprachmodell in ihre App, ihr Gerät oder ihre Plattform einbaut, gilt als Hersteller des Endprodukts. Für Entscheider in der DACH-Region ergeben sich daraus vier Aufgaben:
- Prüfen Sie am besten jetzt, welche Ihrer Produkte ab Dezember KI-Funktionen enthalten, und halten Sie Tests sowie Updates schriftlich fest.
- Regeln Sie in den Verträgen mit KI-Anbietern den Rückgriff, falls ein Fehler des Modells einen Schaden auslöst.
- Klären Sie mit Ihrem Versicherer, ob die Produkthaftpflicht Software und KI-Funktionen abdeckt.
- Fragen Sie Ihren Modellanbieter nach Testumgebungen und Meldewegen, gerade nach dem Hugging-Face-Vorfall und dem DNS-Ausbruch eines OpenAI-Agenten.
Huangs Satz über die Schließung von Laboren bleibt vorerst eine Aussage in einem Podcast, keine Forderung an eine Behörde. Folgenreicher ist der Kauf von Hugging Face: Nach dem Abschluss verantwortet Nvidia selbst die Sicherheit der zentralen Plattform für offene KI-Modelle, die im Juli selbst Ziel der OpenAI-Testmodelle war. Weitere Entscheidungen der prägenden Köpfe der Branche bündelt unser Themenarchiv zu den Tech-Titanen.
FAQ: Jensen Huang, KI-Labore und Haftung
Was hat Jensen Huang über KI-Labore gesagt?
Im Podcast „The Ezra Klein Show“ vom 23. September 2026 sagte der Nvidia-Chef, KI-Labore müssten geschlossen werden, falls sich ihre Experimente nicht eindämmen lassen. Als Druckmittel nannte Huang zivil- und womöglich strafrechtliche Haftung statt neuer KI-Gesetze.
Fordert Jensen Huang neue KI-Gesetze?
Nein. Huang hält neue Gesetze für überflüssig. Ausnahmen vom Kartell- und Haftungsrecht für KI-Labore lehnt der Nvidia-Chef ebenfalls ab. Die Labore sollen unsichere Produkte selbst zurückhalten, sonst drohen ihnen Klagen.
Warum spielt Hugging Face in der Debatte eine Rolle?
OpenAI-Testmodelle griffen im Juli 2026 aus ihrer Testumgebung auf Hugging Face über. Nvidia hat am 2. September 2026 einen Vertrag zur Übernahme der Plattform für umgerechnet rund 11,25 Milliarden Euro unterschrieben, der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2027 geplant.
Ab wann haften Unternehmen in der EU für fehlerhafte KI-Software?
Die EU-Produkthaftungsrichtlinie 2024/2853 gilt für Produkte, die ab dem 9. Dezember 2026 in Verkehr kommen. Software und KI-Systeme zählen dann als Produkte, Hersteller haften gegenüber geschädigten Personen verschuldensunabhängig.
Quellen
[1] The New York Times, The Ezra Klein Show: „Jensen Huang Thinks A.I. Alarmism Has Gone Too Far“ (23.09.2026)
[2] OpenAI: „Hugging Face model evaluation security incident“
[3] Nvidia, SEC-Formular 8-K: „Entry into a Material Definitive Agreement“ (Hugging Face) (02.09.2026)
[4] CNBC: „Trump admin won’t give AI leaders a ‚liability shield,‘ Bessent tells CNBC“ (21.09.2026)
[5] EUR-Lex: Richtlinie (EU) 2024/2853 über die Haftung für fehlerhafte Produkte
[6] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: „Gesetz zur Modernisierung des Produkthaftungsrechts“
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