Schleifen, Zentrieren, Justieren: Alle acht Kerntätigkeiten des Feinoptikers könnten laut Job-Futuromat des IAB schon seit 2013 Maschinen erledigen. Die Zahl der Fachkräfte in der Feinoptik ist seitdem um 42 Prozent gestiegen, auf 4.069. Im KI-Resilienz-Check erhält der Beruf die Note 3,9.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 9 Abschnitte
- Was macht ein Feinoptiker und wie läuft die Ausbildung ab?
- Welche Note bekommt der Feinoptiker im KI-Resilienz-Check?
- Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?
- Welche Teilaufgaben verschwinden zuerst?
- Welche Teilaufgaben bleiben unersetzbar menschlich?
- Wie verändert sich der Arbeitsalltag konkret?
- Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?
- Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Feinoptiker
- FAQ: Feinoptiker: Seit 2013 ersetzbar, trotzdem 42 Prozent mehr Fachkräfte
Auf 105 neue Ausbildungsverträge kam der Beruf 2025 laut BIBB, zwei Jahre zuvor waren es noch 147. Die Bauteile stecken in Mikroskopen und Kameras, gebraucht werden sie auch in der Halbleiterfertigung, ihre Genauigkeit reicht bis zu millionstel Millimetern. Seit August 2024 lernen die Auszubildenden dafür nach einer neuen Verordnung mit mehr Automatisierung und Prozessdaten.
Wie viel von dieser Arbeit Software, Roboter und Automaten übernehmen können, prüft dieser Beitrag mit demselben Sechs-Kriterien-Raster wie der Basisartikel zur KI-Resilienz von Ausbildungsberufen. Die Note folgt der Schulnotenskala von 1 bis 6, eine 1 steht für sehr KI-sicher, eine 6 für leicht ersetzbar.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Beruf erreicht die Gesamtnote 3,9 und liegt damit nah beim Automatenfachmann mit 3,8, weit hinter dem Augenoptiker mit 2,4.
- Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre, läuft in Industrie und Handwerk und endet mit einer Prüfung in zwei Teilen.
- Die Einstiegsvergütung reicht im ersten Jahr von der gesetzlichen Untergrenze von 724 Euro bis zu 1.373 Euro nach dem Tarif der Metall- und Elektroindustrie.
- Der Job-Futuromat des IAB weist ein Substituierbarkeitspotenzial von 100 Prozent aus. Das Fraunhofer IPT spricht beim Schleifen und Polieren von Hochpräzisionslinsen dagegen von niedriger Automatisierung.
- Die Zahl der Fachkräfte stieg von 2.867 im Jahr 2013 auf 4.069 im Jahr 2024, der mittlere Bruttolohn lag zuletzt bei 4.148 Euro im Monat.
Erst raten, dann lesen: Wie KI-fest tippen Sie den Feinoptiker?
Fünf Fragen zu Linse, Lohn und Roboter, Vorwissen brauchen Sie keines.
1 Wie viele neue Ausbildungsverträge als Feinoptiker zählte das BIBB 2025 in ganz Deutschland? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
2 Feinoptik ist reine Handarbeit, da hat der Computer nichts verloren. Welchen Anteil der Kerntätigkeiten hält der Job-Futuromat des IAB für ersetzbar? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
3 Welche dieser Tätigkeiten führt der Job-Futuromat beim Feinoptiker als nicht ersetzbar? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
4 Wo beginnt die Tarifspanne der Metall- und Elektroindustrie im ersten Ausbildungsjahr? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
5 Welche KI-Resilienz-Note vergibt Dr. Web an den Feinoptiker? Aufklappen ↓
Lösung aufdecken ↓
Was macht ein Feinoptiker und wie läuft die Ausbildung ab?
Spanne
Spanne
Spanne
Spanne
Ein Feinoptiker fertigt Linsen, Prismen und Planglasplatten für Mikroskope, Ferngläser, Kameras und medizinische Diagnosegeräte und baut sie zu optischen Systemen zusammen. Aus Rohteilen entstehen durch Schleifen, Läppen und Polieren die Bauteile, die er anschließend zentriert, beschichtet oder entspiegelt und durch Feinkitten verbindet. Zwischendurch misst er immer wieder nach.
Gearbeitet wird in Werkstätten, in Produktionshallen und in Reinräumen, mit Schutzbrille, Gehörschutz und Baumwollhandschuhen, teils im Schichtbetrieb. Das BIBB nennt als wichtigste Einsatzfelder die Mess- und Vergrößerungstechnik, die Halbleiterfertigung und die Medizintechnik.
Rechtsgrundlage ist die Feinoptikerausbildungsverordnung vom 12. März 2024, in Kraft seit dem 1. August 2024. Sie löste die Fassung von 2002 ab. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und läuft im dualen System, in Betrieben der Industrie ebenso wie im Handwerk.
Die Prüfung ist zweigeteilt. Teil 1 liegt im vierten Ausbildungshalbjahr und geht mit 30 Prozent in die Note ein, das Prüfungsstück ist ein planoptisches Bauteil, für das samt Dokumentation sieben Stunden zur Verfügung stehen. Teil 2 steht am Ende der Ausbildung, allein die Arbeitsaufgabe darin dauert 14 Stunden. Wird die Ausbildung verkürzt, soll Teil 1 spätestens vier Monate vor Teil 2 stattfinden.
Der Beruf ist so klein, dass die Berufsschule teils zentral läuft. Länderübergreifende Fachklassen gibt es laut Bundesagentur für Arbeit in Zwiesel, Wetzlar und Jena-Göschwitz, je für mehrere Bundesländer.
Eine eigene Zeile für den Feinoptiker führt die Gesamtübersicht der BIBB-Datenbank Ausbildungsvergütungen nicht. Die Bundesagentur nennt deshalb zwei Beispiele, die weit auseinanderliegen: das Metallhandwerk und die Metall- und Elektroindustrie. Zum Vergleich weist das BIBB für den Feinwerkmechaniker im Handwerk einen Tarifschnitt von 1.032, 1.104, 1.183 und 1.255 Euro aus.
| Ausbildungsjahr | Gesetzliche Mindestvergütung (Beginn 2026) | Metallhandwerk (je nach Bundesland) | Metall- und Elektroindustrie (je nach Bundesland) |
|---|---|---|---|
| 1. Jahr | 724 € | 724 bis 1.130 € | 1.243 bis 1.373 € |
| 2. Jahr | 854 € | 854 bis 1.183 € | 1.298 bis 1.408 € |
| 3. Jahr | 977 € | 977 bis 1.307 € | 1.379 bis 1.489 € |
| 4. Jahr | 1.014 € | 1.014 bis 1.363 € | 1.461 bis 1.563 € |
Die Tarifspannen stammen aus dem Berufsportal der Bundesagentur, der BIBB-Schnitt aus dem Stand vom 1. Oktober 2025.
Einen bestimmten Schulabschluss schreibt das Recht nicht vor. Von den Anfängern des Jahres 2024 hatten laut Bundesagentur 67 Prozent einen mittleren Abschluss, 23 Prozent die Hochschulreife und 5 Prozent einen Hauptschulabschluss. Unter den neuen Verträgen des Jahres 2025 lag der Frauenanteil laut BIBB bei 45,3 Prozent.
Welche Note bekommt der Feinoptiker im KI-Resilienz-Check?
Punkte holt der Beruf mit Einzelstücken, Fehlersuche und Handarbeit an schwierigen Linsen, Punkte verliert er durch den fehlenden Kundenkontakt, die Zulassungsfreiheit und einen Routineanteil, den der Job-Futuromat seit 2013 komplett für ersetzbar hält.
Der Feinoptiker erhält im KI-Resilienz-Check die Note 3,9 und schneidet damit deutlich schlechter ab als der verwandte Augenoptiker mit 2,4. Die Arbeit findet in geschützten Hallen statt, ohne Publikum und ohne gesetzlichen Vorbehalt. Damit fehlt dem Beruf fast alles, was andere Berufe in dieser Serie schützt.
Der Automatenfachmann kam in dieser Serie auf 3,8, der Aufbereitungsmechaniker auf 4,0. Den Abstand zum Augenoptiker erklären zwei Dinge: Dort sitzt ein Kunde auf dem Stuhl. Außerdem ist das Handwerk nach Anlage A der Handwerksordnung zulassungspflichtig. Der Feinoptiker steht in Anlage B, ein Meisterbrief ist für die Selbstständigkeit nicht nötig.
Wo Handwerk, Büro und Gesundheit insgesamt stehen, zeigt unsere Übersicht der KI-resistenten Berufe.
Gegen eine noch schlechtere Note spricht der Stand in den Betrieben. Die IHK Erfurt schreibt, dass Feinoptiker den Großteil der Arbeitsschritte mit CNC-Maschinen erledigen, für viele Arbeitsgänge aber weiter Handarbeit gefragt ist. Das Fraunhofer IPT nennt Schleifen und Polieren von Hochpräzisionslinsen vor allem bei komplexen Formen wenig automatisiert und deshalb teuer.
Eine bessere Note verhindert der Futuromat. Er führt alle acht Kerntätigkeiten als ersetzbar, seit seiner ersten Auswertung 2013. Das IAB schränkt selbst ein: Ob ein Beruf tatsächlich automatisiert wird, sagt der Wert nicht, weil menschliche Arbeit flexibler, wirtschaftlicher oder besser sein kann. Beim Feinoptiker erklärt genau dieser Vorbehalt den Abstand zwischen Theorie und Werkhalle.
Die wachsende Beschäftigung rechnen wir nicht als Schutz an. Mehr Fachkräfte zeigen nach unserer Lesart, dass Halbleiter- und Medizintechnik Optik brauchen. Wie viele Hände eine Linse künftig braucht, zeigen sie nicht.
Wir halten 3,9 deshalb für fair.
Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?
Die Note 3,9 ergibt sich aus einer Drei für physische Präsenz, einer Fünf für Empathie, einer Drei für Urteilskraft, einer Fünf für die regulatorische Hürde, einer Vier für den Routineanteil und einer Drei für den Digitalisierungsgrad.
Physische Präsenz (Note 3)
Das Glas muss jemand kitten, spannen, in die Maschine setzen und von Hand reinigen, die Verordnung verlangt all das ausdrücklich. Gleichzeitig ist die Werkhalle das Gegenteil einer Baustelle: fester Platz, fester Aufbau, kein Wetter. Roboter haben es dort leichter, das Fraunhofer IOF setzt in seiner Fertigung bereits Roboterpolitur ein.
Anwesend sein muss also jemand, aber nicht an jedem Werkstück. Dr. Web vergibt für die physische Präsenz die Note 3.
Empathie und Vertrauen (Note 5)
Der Kunde eines Feinoptikers ist meist ein Hersteller. Mit ihm spricht nach unserer Einschätzung der Vertrieb. Der Futuromat führt die Kundenberatung zwar als nicht ersetzbar, allerdings nur unter den weiteren Tätigkeiten. Die Bundesagentur nennt auch den Einzelhandel mit optischen Erzeugnissen als Arbeitsplatz, dort zählt das Gespräch mehr.
Im Kern des Berufs steht es nicht. Dr. Web vergibt die Note 5.
Urteilskraft und Haftung (Note 3)
Die Verordnung verlangt, Abweichungen zu erkennen, Korrekturmaßnahmen einzuleiten und Messdaten auf Plausibilität zu prüfen. Das Polierwerkzeug stellt der Feinoptiker selbst her. Spannungen beim Fügen muss er vermeiden, bevor sie das Bauteil verziehen. Diese Entscheidungen fallen an der Maschine.
Für ein fehlerhaftes Gerät haftet nach dem Produkthaftungsrecht allerdings der Hersteller, nicht die einzelne Fachkraft. Dr. Web vergibt die Note 3.
Regulatorische Hürde (Note 5)
Feinoptiker steht in Anlage B, Abschnitt 1, Nummer 35 der Handwerksordnung und gilt damit als zulassungsfreies Gewerbe. Die Verordnung regelt, was Auszubildende lernen, sie reserviert aber keinen einzigen Handgriff für diesen Beruf. Einen gesetzlichen Vorbehalt haben wir nicht gefunden.
Ein Roboter dürfte also jede Linse polieren, sobald er es kann. Bei der Regulierung steht die Note 5.
Routineanteil (Note 4)
Der Job-Futuromat des IAB weist für den Beruf ein Substituierbarkeitspotenzial von 100 Prozent aus, in jeder Auswertung seit 2013. Als ersetzbar gelten Glasschleifen, Glasbeschichten, Optikvergüten, Justieren, Zentrieren, das Führen von Maschinen und das Herstellen plan- und rundoptischer Bauelemente.
Wiederholung prägt die Serie, bei Einzelstücken endet sie. Das Fraunhofer IOF fertigt etwa Spiegelsysteme für einzelne Forschungsprojekte. Beim Routineanteil steht die Note 4.
Digitalisierungsgrad (Note 3)
Seit 2024 steht im Ausbildungsrahmenplan, Programme für rechnergestützte Fertigung zu erstellen, automatisierte Prozesse zu überwachen und in der digital vernetzten Produktion zu arbeiten. Der Branchenverband SPECTARIS spricht vom Hightech-Beruf. Das Fraunhofer IPT bremst diesen Eindruck mit seinem Befund zur niedrigen Automatisierung bei komplexen Linsen.
Lehrplan und Halle liegen also noch auseinander. Beim Digitalisierungsgrad steht die Note 3.
Die gewichtete Gesamtrechnung
Physische Präsenz, Empathie, Urteilskraft und regulatorische Hürde zählen doppelt, Routineanteil und Digitalisierungsgrad einfach. Mit den sechs Einzelnoten ergibt die Rechnung (3×2) + (5×2) + (3×2) + (5×2) + (4×1) + (3×1) = 39 Punkte. Geteilt durch die Gewichtssumme 10 folgt ohne Rundung die Note 3,9.
Welche Teilaufgaben verschwinden zuerst?

Zuerst verschwinden das Schleifen und Polieren einfacher Bauteile von Hand, das manuelle Zentrieren und das Messen von Serienteilen. Für alle drei Aufgaben gibt es die Technik schon.
Am weitesten ist das Schleifen.
Laut IHK Erfurt erledigen CNC-Maschinen schon den Großteil der Arbeitsschritte. Das Fraunhofer IOF nennt neben Handarbeit und CNC-Maschinen auch die Roboterpolitur. Den Feinoptiker braucht es dann zum Programmieren, Einrichten und Prüfen, weniger für den Abtrag selbst.
Der Futuromat nennt als Beispiele automatische Zentriermaschinen, die automatische Vermessung von Linsen und die Prüfung von Prismen, die ein Roboter geschliffen hat.
| Teilaufgabe | Technik | Stand |
|---|---|---|
| Schleifen und Polieren | CNC-Maschinen, Roboterpolitur | Großteil laut IHK Erfurt auf CNC, Roboterpolitur am Fraunhofer IOF |
| Zentrieren | Automatische Zentriermaschinen | Im Futuromat seit 2013 als ersetzbar geführt |
| Linsen vermessen | Automatische Vermessung per Laserscan | Im Futuromat als Beispiel genannt |
| Prozesse auswerten | Echtzeitdaten, Maschinendatenerfassung | Seit 2024 Inhalt der Ausbildung |
| Linsen formen statt schleifen | KI-Modelle und Simulation der Glasumformung | Forschungsprojekt DigiGlas des Fraunhofer IPT |
Die eigentliche KI-Frage steckt in der letzten Zeile. Das Projekt DigiGlas will Linsen nicht schneller schleifen, es will Glas in Form pressen und den Prozess mit KI-Modellen vorab berechnen. Das Fraunhofer IPT stellt bis zu 90 Prozent weniger Materialeinsatz in Aussicht. Gelingt das, entfällt für solche Linsen nach unserer Einschätzung ein großer Teil des Schleifens.
Wir rechnen damit, dass Standardlinsen in größeren Stückzahlen bis zum Ende des Jahrzehnts fast ohne Handgriff am Werkstück entstehen. Für die Umformung hochpräziser Linsen nennen wir bewusst kein Datum, denn DigiGlas ist ein Forschungsprojekt und noch kein Serienverfahren.
Welche Teilaufgaben bleiben unersetzbar menschlich?
- −Standardbauteile schleifen und polieren
- −Linsen in der Serie zentrieren
- −Serienteile automatisch vermessen
- −Prozessdaten erfassen und auswerten
- +Einzelstücke und Kleinserien fertigen
- +Fehlerursachen an Werkzeug, Poliermittel und Kitt finden
- +Schwierige optische Systeme justieren
- +Anlagen einrichten und warten
Beim Menschen bleiben nach unserer Einschätzung vorerst Einzelstücke und Kleinserien, das Einrichten und Warten der Anlagen, die Fehlersuche sowie das Justieren schwieriger Systeme. Der Futuromat sieht das strenger: Als nicht ersetzbar führt er nur Arbeitsvorbereitung, Wartung und Kundenberatung.
Das stärkste Argument für den Menschen ist das Einzelstück. Das Fraunhofer IOF beschreibt die Arbeit seiner Auszubildenden als Fertigung einzigartiger Optiken für Forschungsprojekte und verlangt dafür ausdrücklich Feingefühl, Fingerfertigkeit und Ausdauer. Für ein einziges Teil lohnt sich das Programmieren eines Roboters nach unserer Einschätzung selten.
Weicht ein Messwert ab, kann das am Werkzeug, am Poliermittel, an der Temperatur oder am Kitt liegen. Die Verordnung verlangt, Eigenschaften der Betriebsstoffe während der Bearbeitung zu kontrollieren, Werkzeuge zu konditionieren und daraus Korrekturen abzuleiten. Künftig liefern Sensoren die Daten dazu, die Ursache sucht nach unserer Einschätzung weiter ein Mensch mit Erfahrung.
Beim Justieren widersprechen wir dem Futuromat teilweise. Einfache Baugruppen kann eine Maschine ausrichten, ein Mikroskopobjektiv aus vielen Linsen mit elektronischen Bauteilen ist schwieriger. Die Prüfung gewichtet genau diese Arbeit am stärksten: Das Herstellen optischer Baugruppen und Systeme macht 40 Prozent der Gesamtnote aus.
Die Wartung bleibt schon deshalb, weil mehr Automaten mehr Pflege brauchen. Die Verordnung gibt dem Instandhalten von Betriebsmitteln eine eigene Berufsbildposition.
Wie verändert sich der Arbeitsalltag konkret?
Nach unserer Einschätzung steht der Feinoptiker künftig weniger an der Polierspindel und häufiger am Bildschirm, an der Messstation und an der Anlage, die er einrichtet, überwacht und wartet.
Laut Job-Futuromat zählte die Berufsgruppe Feinoptik 2024 genau 4.069 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf Fachkraftniveau, 2013 waren es 2.867. Das ist ein Plus von 42 Prozent. Der mittlere Bruttolohn stieg von 2016 bis 2024 von 2.929 auf 4.148 Euro im Monat. Zuletzt ging es allerdings abwärts: 2023 lag die Beschäftigung mit 4.134 etwas höher, die neuen Verträge sanken seitdem von 147 auf 105.
Der Futuromat hat nicht unrecht, er ist nur früh dran. Solange eine Linse für ein einzelnes Teleskop gebraucht wird, rechnet sich der Mensch noch.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der Arbeitsmarkt ist klein und eng. 2024 standen in der Berufsgruppe 40 gemeldete Stellen 58 Arbeitslosen gegenüber, 2022 waren es noch 80 Stellen bei 47 Arbeitslosen.
Das BIBB bescheinigte den Auszubildenden im Frühjahr 2024 sehr gute Übernahmechancen.
Der Futuromat nennt vernetzte Fertigungsanlagen, die Feinoptiker per App überwachen, Maschinenwartung mit Datenbrille oder Tablet und die Arbeit mit kollaborierenden Robotern. Neu ist dazu die Elektronik: SPECTARIS verweist auf die Montage elektronischer Bauteile zusammen mit optischen Komponenten als neuen Schwerpunkt. Asphärische Linsen und Freiformflächen ersetzen laut Verband mehrere klassische Bauteile, ein Objektiv braucht dann weniger Komponenten. Nach unserer Einschätzung verschiebt das die Arbeit vom Bearbeiten des Werkstücks zur Messung, weil solche Flächen schwerer zu prüfen sind.
Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?

Angehende Azubis wählen mit diesem Beruf eine Note 3,9, gute Bezahlung in der Industrie und eine Arbeit, die sich vom Schleifen zum Steuern verschiebt.
Azubis sollten auf die Kriterien setzen, bei denen der Beruf noch Punkte holt: Urteilskraft und physische Präsenz. Messdaten lesen, Fehlerursachen finden und Anlagen einrichten stärken beide. Das Programmieren rechnergestützter Fertigung steht ohnehin im Rahmenplan und ist nach unserer Einschätzung der wichtigste Vorsprung gegenüber älteren Kollegen.
Zwischen Metallhandwerk und Metall- und Elektroindustrie liegen im ersten Jahr bis zu 649 Euro im Monat. Verwandte Berufe wie Augenoptiker oder Feinwerkmechaniker finden Sie im Ausbildungsberufe-Finder.
Ob für Sie eine Lehre oder ein Studium besser passt, klärt unser Beitrag zu Ausbildung oder Studium.
Nach der Ausbildung führt der Weg zum Feinoptikermeister oder zum Industriemeister der Fachrichtung Optik. Mit Hochschulzugang ist auch ein Bachelor in Photonik oder optischen Technologien möglich, die Bundesagentur nennt beides als naheliegend.
Ausbildende Betriebe sollten den Azubis früh Maschinendaten und Messprotokolle geben, statt sie jahrelang nur nach Vorgabe polieren zu lassen. Der Rahmenplan verlangt ohnehin, Arbeitsergebnisse auf Grundlage von Prozessdaten zu analysieren und zu optimieren. Die Handpolitur gehört trotzdem dazu, weil nur so ein Gefühl dafür entsteht, was eine Abweichung auf der Messkurve am Glas bedeutet.
Für einen Ausbildungsbeginn 2027 steigt die Mindestvergütung laut BIBB auf 764, 902, 1.031 und 1.070 Euro. Betriebe des Metallhandwerks mit niedrigem Tarif rücken damit näher an die Untergrenze. Bei 105 neuen Verträgen im Jahr zählt das im Wettbewerb um Bewerber, zumal die Industrie schon im ersten Jahr mehr als 1.200 Euro zahlt.
Laut Futuromat kann die Maschine seit 2013 alle Kerntätigkeiten dieses Berufs. Das Einzelstück, die Fehlersuche und die Wartung bleiben vorerst beim Menschen. Im KI-Resilienz-Check erhält der Feinoptiker die Note 3,9.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Feinoptiker
Asphäre
Eine Asphäre ist eine Linse, deren Oberfläche nicht einem Kugelausschnitt folgt. Sie korrigiert Abbildungsfehler, für die sonst mehrere Linsen nötig wären. Ihre Herstellung und Prüfung ist aufwendiger, weshalb die Ausbildung seit 2024 ausdrücklich auf solche Formen eingeht.
Feinkitten
Beim Feinkitten verbindet der Feinoptiker mehrere Linsen oder andere Bauteile mit einem durchsichtigen Klebstoff zu einer Baugruppe. Die Teile müssen dabei genau zueinander ausgerichtet sein, und im fertigen Verbund dürfen keine Spannungen entstehen, die das Bild verschlechtern.
Freiformfläche
Eine Freiformfläche ist eine optische Oberfläche ohne Symmetrieachse. Sie lässt sich nicht mehr durch einfaches Drehen des Werkstücks herstellen und verlangt eine rechnergesteuerte Bearbeitung. In bildgebenden Systemen spart sie laut SPECTARIS Bauteile ein und verbessert die Abbildungsqualität.
Gestreckte Prüfung
Die gestreckte Prüfung teilt die Abschlussprüfung in zwei Teile, die zeitlich auseinanderliegen und beide in die Endnote eingehen. Beim Feinoptiker liegt Teil 1 im vierten Ausbildungshalbjahr und geht mit 30 Prozent in die Note ein, Teil 2 am Ende der Ausbildung mit 70 Prozent.
Interferometer
Ein Interferometer vergleicht eine optische Oberfläche über die Überlagerung von Lichtwellen mit einer Referenz. Abweichungen im Bereich von Bruchteilen der Lichtwellenlänge werden so sichtbar. Die Ausbildungsverordnung nennt das Gerät ausdrücklich unter den Mess- und Prüfmitteln des Berufs.
Job-Futuromat
Der Job-Futuromat ist ein Werkzeug des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Er zeigt für jeden Beruf, welche Kerntätigkeiten nach dem Stand der Technik ersetzbar wären, und daraus das Substituierbarkeitspotenzial in Prozent, außerdem Daten zu Beschäftigung und Lohn.
Läppen
Das Läppen ist ein Feinbearbeitungsverfahren, bei dem loses Schleifkorn in einer Flüssigkeit zwischen Werkzeug und Werkstück Material abträgt. Es folgt in der Optik meist auf das Schleifen und bereitet die Oberfläche auf das Polieren vor. Läppmittel wählt der Feinoptiker je nach Auftrag und Rohstoff aus.
Planoptik
Die Planoptik umfasst Bauteile mit ebenen Flächen, etwa Prismen, Spiegel und Planglasplatten. Die Rundoptik fertigt dagegen gewölbte Linsen. Beide Bereiche gehören zur Ausbildung, das Prüfungsstück in Teil 1 der Abschlussprüfung ist ein planoptisches Bauteil.
Reinraum
Ein Reinraum ist ein Arbeitsraum, in dem die Luft gefiltert und die Zahl der Staubteilchen begrenzt wird. Staub auf einer optischen Oberfläche kann die Beschichtung oder das Bild stören. Die Bundesagentur für Arbeit nennt Reinräume neben Werkstätten und Hallen als Arbeitsort im Beruf.
Substituierbarkeitspotenzial
Das Substituierbarkeitspotenzial gibt an, welcher Anteil der Kerntätigkeiten eines Berufs schon heute von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden könnte. Für den Feinoptiker liegt er laut IAB bei 100 Prozent, Stand 2022. Das beschreibt eine technische Möglichkeit, keine Prognose über Arbeitsplätze.
Vergüten
Das Vergüten bezeichnet in der Optik das Aufbringen dünner Schichten auf eine Linse oder ein anderes Bauteil, um Reflexionen zu verringern oder gezielt zu verstärken. Nach dem Beschichten prüft der Feinoptiker Festigkeit, Reflexion und Transmission der Oberfläche.
Zentrieren
Beim Zentrieren richtet der Feinoptiker eine Linse nach ihrer optischen Achse aus und schleift den Rand so, dass mechanische und optische Mitte zusammenfallen. Automatische Zentriermaschinen übernehmen das in der Serie, der Fachmann richtet sie ein und programmiert sie.
FAQ: Feinoptiker: Seit 2013 ersetzbar, trotzdem 42 Prozent mehr Fachkräfte
Wie lange dauert die Ausbildung zum Feinoptiker?
Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre im dualen System aus Betrieb und Berufsschule, in Industrie und Handwerk. Der erste Teil der Abschlussprüfung liegt im vierten Ausbildungshalbjahr, der zweite am Ende der Ausbildung.
Was verdient man in der Ausbildung zum Feinoptiker?
Das hängt stark vom Tarif ab. Im ersten Jahr nennt die Bundesagentur für Arbeit im Metallhandwerk 724 bis 1.130 Euro, in der Metall- und Elektroindustrie 1.243 bis 1.373 Euro. Im vierten Jahr reicht die Spanne von 1.014 bis 1.563 Euro. Ohne Tarifbindung gilt die gesetzliche Mindestvergütung.
Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung verlangt?
Rechtlich ist kein bestimmter Abschluss vorgeschrieben, die Auswahl trifft der Betrieb. Von den Anfängern des Jahres 2024 hatten laut Bundesagentur für Arbeit 67 Prozent einen mittleren Abschluss und 23 Prozent die Hochschulreife. Mathematik, Physik und Technik helfen, weil Brechung und Reflexion berechnet werden.
Wo findet der Berufsschulunterricht statt?
Der Unterricht läuft teils in länderübergreifenden Fachklassen, derzeit in Zwiesel, Wetzlar und Jena-Göschwitz, je für mehrere Bundesländer. Die Schule findet an ein bis zwei Tagen pro Woche oder als Blockunterricht statt.
Welche Weiterbildung gibt es nach der Ausbildung?
Das BIBB nennt den Feinoptikermeister und den Industriemeister der Fachrichtung Optik als Aufstiegsfortbildung. Mit einer Hochschulzugangsberechtigung ist laut Bundesagentur für Arbeit auch ein Bachelor in Photonik oder optischen Technologien möglich.
Kann KI den Feinoptiker ersetzen?
Der Job-Futuromat des IAB hält alle acht Kerntätigkeiten technisch für ersetzbar, sagt aber nichts darüber, ob das auch geschieht. Das Fraunhofer IPT nennt die Fertigung komplexer Linsen wenig automatisiert. Im KI-Resilienz-Check ergibt das die Note 3,9: Die Serie wandert zu den Maschinen, Einzelstücke und Fehlersuche bleiben vorerst beim Menschen.
Quellen
19 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 06.11.2026
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Datenbank Ausbildungsvergütungen
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Tarifliche Ausbildungsvergütungen in dualen Ausbildungsberufen 2025, Bundesgebiet
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Rangliste der Ausbildungsberufe nach Anzahl der Neuabschlüsse 2025, Tabelle 67
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2025, Tabelle 66
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Pressemitteilung Vom Feinsten! Ausbildungsordnung für Feinoptiker/-innen modernisiert
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Pressemitteilung 28/2025 Mindestausbildungsvergütung 2026
- Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)Pressemitteilung 31/2026 Mindestausbildungsvergütung 2027
- Bundesamt für JustizFeinoptikerausbildungsverordnung (FeinOAusbV) vom 12. März 2024
- Bundesamt für JustizHandwerksordnung, Anlage A: Verzeichnis der zulassungspflichtigen Handwerke
- Bundesamt für JustizHandwerksordnung, Anlage B: Verzeichnis der zulassungsfreien Handwerke
- Bundesamt für JustizBerufsbildungsgesetz, § 17 Vergütungsanspruch und Mindestvergütung
- Bundesagentur für ArbeitBERUFENET: Feinoptiker/in, Ausbildung (Tätigkeit, Lernorte, länderübergreifende Fachklassen, Ausbildungsvergütung, Ausbildungsanfänger 2024, Weiterbildung)
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)Job-Futuromat, Feinoptiker/in (Kerntätigkeiten, Berufsgruppe Fachkräfte in der Feinoptik, digitale Technologien)
- Fraunhofer IPTProjekt DigiGlas: Digital optimierte Glasumformung
- Fraunhofer IOFBerufsausbildung Feinoptiker*in
- SPECTARISPresseinformation Der Feinoptiker wird zum Hightech-Beruf, 26.03.2024
- IHK ErfurtBerufsbild Feinoptiker
- Dr. WebAusbildung oder Studium KI: Schulnote für 30 Berufe
- Dr. WebKI-resistente Berufe 2026
