Jack Dorsey greift mit einer offenen Plattform zwei Platzhirsche auf einmal an: Slack und GitHub. Buzz führt Team-Chat, Git-Hosting und KI-Agenten in einem Arbeitsraum zusammen, in dem jeder Beteiligte eine eigene kryptografische Identität trägt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBuzz ist am 21. Juli als fertige Desktop-App für macOS, Windows und Linux erschienen, Versionsnummer 0.4.21, Lizenz Apache 2.0.[1] Hinter dem Projekt steht Block, der Finanzkonzern von Jack Dorsey. Neu ist vor allem, was unter der Oberfläche läuft: Buzz baut komplett auf dem dezentralen Protokoll Nostr auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Block hat Buzz am 21. Juli 2026 als quelloffene Slack- und GitHub-Alternative veröffentlicht (Apache 2.0, Version 0.4.21).
- Die Plattform läuft auf dem dezentralen Protokoll Nostr; jeder Nutzer und jeder KI-Agent besitzt ein eigenes Schlüsselpaar.
- KI-Agenten treten als eigenständige Mitglieder auf, schreiben Nachrichten, reichen Code ein und lösen Workflows aus, angebunden über das Agent Client Protocol.
- Teams betreiben einen eigenen Nostr-Relay selbst oder nutzen Blocks kostenlosen Relay.
Was steckt hinter Buzz?

Buzz ist ein quelloffener Arbeitsraum, der Team-Chat, Git-Hosting und KI-Agenten unter einer Identität bündelt. Die Basis bildet das dezentrale Protokoll Nostr, auf dem jeder Beteiligte ein eigenes kryptografisches Schlüsselpaar besitzt statt eines Kontos beim Anbieter.
Funktional deckt die App ab, was Teams von Slack und GitHub kennen: Kanäle, Threads, Direktnachrichten, Sprach- und Medienfunktionen, dazu Git-Repositories und automatisierte Abläufe. Dorsey selbst hat den Start auf X mit dem Satz begleitet, Buzz sei „modellagnostisch, dezentral, selbstsouverän und quelloffen“ und solle die Abhängigkeit von Slack und GitHub verringern.[2]
Der Bruch mit dem gewohnten Modell steckt im Wort selbstsouverän. Auf Nostr gehört das Schlüsselpaar dem Nutzer, nicht der Plattform. Identität, Verlauf und Reputation eines Kontos lassen sich deshalb über jedes Nostr-kompatible System hinweg mitnehmen.
Warum bekommen KI-Agenten eine eigene Identität?
Ein Agent mit Schreibrechten handelt sonst unter fremdem Namen. Bekommt jeder Agent ein eigenes Schlüsselpaar, ist jede Nachricht und jeder Commit einer nachvollziehbaren Instanz zugeordnet, statt im Sammelkonto eines Menschen zu verschwinden.
Genau hier liegt der Nutzwert für Entscheider. In Buzz binden Teams ihre autonomen KI-Agenten über das Agent Client Protocol an, darunter Claude Code, Codex und Blocks eigenes Framework Goose. Jeder dieser Agenten tritt als eigenes Mitglied auf und hinterlässt eine signierte Spur.
Damit trifft Buzz einen wunden Punkt der Branche. Sobald KI-Agenten Schreibzugriff auf Code und Konten bekommen, wird die Frage nach Identität und Berechtigung zur eigentlichen Sicherheitslücke. Autonome Agenten rücken längst überall dorthin, wo sie eigenständig handeln, von der Bedrohungsanalyse bei Amazon bis zur Fehlersuche im Quellcode bei Cisco. Buzz setzt bei der Identität an, nicht bei der einzelnen Aufgabe.
Nicht das nächste Chat-Fenster entscheidet über Buzz, sondern die Idee, jedem KI-Agenten eine eigene, überprüfbare Identität zu geben. Genau daran hängt, ob Unternehmen autonome Agenten je verantworten können.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zwei Modelle der Identität
Was heißt das für Teams im DACH-Raum?
Ein quelloffener, selbst hostbarer Arbeitsraum passt zur europäischen Debatte um digitale Souveränität. Ein eigener Nostr-Relay im Rechenzentrum hält den gesamten Datenverkehr unter eigener Kontrolle, statt ihn US-Diensten anzuvertrauen.
Der Reiz liegt im Selbsthosten. Teams betreiben ihren eigenen Nostr-Relay und behalten damit die volle Kontrolle über die Infrastruktur, oder sie nutzen Blocks kostenlosen Relay. Damit rückt Buzz in dieselbe Bewegung wie souveräne KI-Angebote für regulierte Branchen oder der Ausstieg aus teuren SaaS-Abos.
Die Souveränität hat allerdings eine Grenze. Modellagnostisch heißt in der Praxis, dass die angebundenen Agenten weiter auf US-Modelle wie Claude oder Codex zugreifen. Unter dem EU AI Act bleibt zudem der Betreiber für das verantwortlich, was ein Agent auslöst, und eine kryptografische Identität ist die Voraussetzung dafür, diese Verantwortung überhaupt zuzuordnen.
Für einen Produktivumzug ist Version 0.4.21 zu früh. Sinnvoll ist jetzt ein Testaufbau mit eigenem Relay, um zu prüfen, wie sich Agenten-Identitäten in bestehende Berechtigungskonzepte einfügen, bevor ein Agent echten Schreibzugriff auf Repositories erhält.
Quellen
[1] Block: „Buzz“ auf GitHub (Apache-2.0-Lizenz) ↩
[2] Buzz: Projektseite ↩
Mehr Newshunger?
- KI im abgeschotteten Rechenzentrum: Microsoft und Mistral zielen auf Europas regulierte Branchen
- Von Stunden auf Minuten: Amazons KI-Agent übernimmt die erste Bedrohungsanalyse
- 172-mal günstiger: Ciscos offene Mini-KI spürt Sicherheitslücken im Code auf
- Salesforce gekündigt, CRM selbst gebaut: Der Angriff der KI aufs SaaS-Abo
- 88 Kerne für KI-Agenten: Nvidias Vera-CPU nimmt Intel und AMD ins Visier
- KI-Modelle lokal auf dem Mac: Was das quelloffene Tool Nativ leistet