Silver Lake verhandelt laut Reuters über die Übernahme von Workday, dem Börsenwert nach rund 37 Milliarden Euro. Der Kurs des Softwarehauses liegt mehr als 40 Prozent unter seinem Höchststand von 2024. Den Kredit für einen solchen Kauf trägt nicht das Wachstum, sondern ein Auftragsbestand von 23,7 Milliarden Euro.

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Am Donnerstagabend deutscher Zeit sprang die Workday-Aktie um rund 20 Prozent, nachdem Reuters über Gespräche mit dem Finanzinvestor Silver Lake berichtet hatte. Der Börsenwert von etwa 43 Milliarden US-Dollar entspricht zum Kurs von 0,87 am 13. August 2026 rund 37 Milliarden Euro. Beide Unternehmen äußerten sich nicht, ein Abschluss gilt als offen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Silver Lake verhandelt laut Reuters über die Übernahme von Workday, Börsenwert rund 37 Milliarden Euro.
  • Der Kurs liegt mehr als 40 Prozent unter dem Höchststand von 2024, im laufenden Jahr rund 15 Prozent im Minus.
  • Als Sicherheit für den Kredit dient der vertraglich gesicherte Auftragsbestand von 23,7 Milliarden Euro.
  • Ab dem 12. Januar 2027 verbietet die EU-Datenverordnung jedes Wechselentgelt für Cloud-Dienste.

Warum trifft der Druck ausgerechnet Workday?

Ein Tresor mit einem Anhänger
Workday rechnet Personal- und Finanzsoftware pro Nutzer ab. KI-Agenten übernehmen Aufgaben, die bisher separate Lizenzen erforderten, wodurch die Abrechnungsbasis sinkt

Abgerechnet wird pro Kopf. Workday führt 80 Millionen Nutzer unter Vertrag und stellt seine Personal- und Finanzsoftware je Beschäftigtem in Rechnung.[1] KI-Agenten übernehmen inzwischen Aufgaben, für die bisher ein Mensch eine eigene Lizenz brauchte. Die Abrechnungsbasis schrumpft damit, obwohl die Software dieselbe Leistung erbringt. Erste Anwender ersetzen teure Lizenzen bereits durch selbst gebaute Software.

In den Zahlen ist der Knick sichtbar. Die Abo-Erlöse wuchsen im Geschäftsjahr 2026 noch um 14,5 Prozent, für das laufende Jahr stellt Workday nur noch 12 bis 13 Prozent in Aussicht.[2] Der Aktivist Elliott Management hält seit September 2025 mehr als 1,7 Milliarden Euro an Anteilen und drängt auf Marge statt Tempo. Über den Rückzug von der Börse als Weg dorthin diskutiert auch der deutsche Markt, zuletzt bei Ströer.

Was macht Workday für einen Kredit attraktiv?

Der Auftragsbestand ist die Sicherheit. Workday setzte im Geschäftsjahr 2026 insgesamt 8,3 Milliarden Euro um und erwirtschaftete 2,4 Milliarden Euro freien Mittelzufluss, ein Plus von 26,7 Prozent.[1] Dazu kommt ein vertraglich gesicherter Auftragsbestand von 23,7 Milliarden Euro. Für einen Finanzinvestor zählt diese Kombination mehr als jede Wachstumsgeschichte: Mehrjährig gebundene Zahlungen decken den Schuldendienst auch bei stockendem Neugeschäft.

Silver Lake hat diesen Griff geübt. Gemeinsam mit dem saudischen Public Investment Fund und Affinity Partners nahm der Investor 2025 den Spieleentwickler Electronic Arts für rund 47,9 Milliarden Euro von der Börse. Der zweite Hebel liegt in der Kostenbasis: Workday nennt für das laufende Jahr eine operative Marge von 30,5 Prozent, jeder zusätzliche Prozentpunkt fließt direkt in die Tilgung.

Ein Finanzinvestor kauft bei Workday keine Wachstumsgeschichte, sondern einen Auftragsbestand. Kunden sollten deshalb heute klären, was ihr Vertrag in drei Jahren kostet.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was ein Finanzinvestor bei Workday kauft

Alle Beträge aus US-Dollar umgerechnet zum Kurs 0,87, Stichtag 13. August 2026. Geschäftszahlen aus Workdays eigenen Quartalsmitteilungen.

37 Mrd. €
Börsenwert von Workday, über den Silver Lake laut Reuters verhandelt
23,7 Mrd. €
Vertraglich gesicherter Auftragsbestand aus Abos, Stand 30. April 2026
80 Mio.
Nutzer unter Vertrag, die abrechnungsrelevante Basis des Geschäftsmodells
30,5 %
Operative Marge nach eigener Prognose für das Geschäftsjahr 2027, non-GAAP

Wachstum der Abo-Erlöse gegenüber dem Vorjahreszeitraum

Geschäftsjahr 2026
14,5 %
1. Quartal Geschäftsjahr 2027
14,3 %
Geschäftsjahr 2027, Prognose
12 bis 13 %

Was ändert sich für Kunden in Deutschland?

Der Ausstieg wird billiger. Nach einem fremdfinanzierten Kauf steigt der Druck auf die Preise, weil der Schuldendienst aus dem laufenden Geschäft kommt. Deutsche Anwender bekommen dagegen ein neues Werkzeug: Die EU-Datenverordnung gilt seit dem 12. September 2025 unmittelbar und lässt nach Artikel 29 Absatz 2 nur noch kostendeckende Wechselentgelte zu. Ab dem 12. Januar 2027 entfällt jedes Entgelt für den Anbieterwechsel.[3]

Für Personalabteilungen ergibt sich daraus ein Zeitfenster. Verlängerungen, die vor Januar 2027 anstehen, gehören auf den Prüfstand, ebenso die Exportformate für Stamm- und Abrechnungsdaten. Im Personalbereich decken SAP und Oracle vergleichbare Umfänge ab, ein Wechsel bleibt aber ein Projekt über viele Monate.

Entschieden ist bislang nichts. Testen Sie trotzdem in den kommenden Wochen einen vollständigen Datenexport aus Ihrem Mandanten und dokumentieren Sie das Ergebnis. Diese Probe kostet heute wenig und ist im Streit über eine Preiserhöhung das stärkste Argument.

Quellen

[1] Workday: „Workday Announces Fiscal 2027 First Quarter Financial Results“

[2] Workday: „Workday Announces Fiscal 2026 Fourth Quarter and Full Year Financial Results“

[3] Amtsblatt der Europäischen Union: „Verordnung (EU) 2023/2854 über harmonisierte Vorschriften für einen fairen Datenzugang und eine faire Datennutzung“

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