Elf Befunde schickte die Sicherheitsforscherin Erica Windisch am 24. Oktober an Tailscale, sieben davon behebt laut ihrem Bericht das Update auf Version 1.104.4. Die schwersten Sicherheitslücken steckten in Tailscale SSH: Ein einziges Gerät mit SSH-Freigabe genügte, um auf den erreichbaren Servern als Systemverwalter zu arbeiten.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Das sind ernste Sicherheitsprobleme und wir behandeln sie entsprechend“, schrieb Tailscale am 26. Oktober.[4] Zwei Tage zuvor hatte Windisch ihren Bericht „Tailworm“ veröffentlicht, nach Angaben des Herstellers nur zwei Stunden nachdem er bei Tailscale eingegangen war.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Betroffen ist der SSH-Server im Tailscale-Dienst tailscaled, die Korrekturen stecken in Version 1.104.4.
- Angreifer brauchen bereits ein Gerät im eigenen Tailscale-Netz, dem die Zugriffsregeln SSH erlauben.
- Über weitergeleitete Unix-Sockets erreichten sie etwa den Docker-Socket oder die lokale Verwaltungsschnittstelle von tailscaled.
- Für headscale, einen selbst betriebenen Koordinationsserver, der Geräte, Schlüssel und Zugriffsregeln verwaltet, fehlen laut Bericht noch Korrekturen.
Wie wird aus einer SSH-Sitzung ein Root-Zugang?

Tailscale SSH kennt keine eigene Anmeldung. Das Gerät weist sich über das verschlüsselte Netz aus, eine Regel in der Richtliniendatei entscheidet über den Zugang.[3] Der SSH-Server läuft dabei im Dienst tailscaled mit Root-Rechten. Leitete eine Sitzung Unix-Sockets weiter, prüfte der Server den Pfad nur anhand seines Namens und griff anschließend als Root darauf zu.[2]
Zwischen Prüfung und Zugriff blieb genug Zeit, den Pfad auszutauschen. Auf diesem Weg gelangte eine gewöhnliche Sitzung an Sockets, die nur Root öffnen darf.[2] Im Labor erlangte Windisch so volle Administratorrechte und erbeutete die Schlüssel, mit denen sich neue Geräte ins Netz einbinden lassen.[3] Version 1.104.4 leitet Sockets jetzt mit den Rechten des angemeldeten Kontos weiter.[2] Schon im Juli hatte in Tailscale SSH ein Bindestrich am Anfang eines Kontonamens für Root-Rechte genügt.
Wurm oder Bewegung durchs eigene Netz?
Von Gerät zu Gerät sprang der Angriff im Labor laut Bericht in unter einer Sekunde, ohne Passwort und ohne gestohlene Schlüssel.[3] Tailscale widerspricht der Bezeichnung als Wurm: Angreifer erreichen demnach nur Rechner, zu denen die Richtliniendatei SSH-Verbindungen erlaubt.[1] Den ersten Zugang verschaffen sich Angreifer laut Windisch auf gewohnten Wegen, etwa über eine angreifbare PHP-Seite oder ein manipuliertes Paket.[3] Beides kam im Oktober vor: Angriffe über PHP2Shell und das kompromittierte LiteLLM auf PyPI.
Beim SSH-Server Dropbear steckte bis Ende 2025 dieselbe Fehlerklasse im Code: Der Server leitete Sockets ebenfalls als Root weiter (CVE-2025-14282). Seit Version 2025.89 gibt Dropbear seine Rechte direkt nach der Anmeldung ab.[5] Tailscale musste zudem schon am 21. Oktober nachbessern, nachdem die privaten Schlüssel der Zwischenzertifikate von eMudhra bekannt geworden waren.
Vier Tage vom Bericht zum Update
Die Befunde in Zahlen
Eine SSH-Regel für alle Server ist bequem, bis ein gekapertes Notebook sie als Generalschlüssel nutzt.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sollten Unternehmen jetzt prüfen?
Für NIS2-Einrichtungen verlangt § 30 BSIG Konzepte für die Zugriffskontrolle und ein Management von Schwachstellen.[6] Breite SSH-Freigaben für ganze Gruppen passen dazu schlecht. Fünf Schritte helfen:
- Update einspielen: Bringen Sie jedes Gerät mit Tailscale SSH auf Version 1.104.4 oder neuer und schalten Sie gerne automatische Updates ein.
- Weiterleitung abschalten: Setzen Sie bis zum Update die Variable TS_SSH_DISABLE_FORWARDING=1 für den Dienst tailscaled und starten Sie ihn neu.[2]
- Regeln paarweise vergeben: Erlauben Sie SSH nur von bestimmten Geräten auf bestimmte Server. Laut Bericht stoppte allein diese Einschränkung die Ausbreitung.[3]
- Zusatzanmeldung verlangen: Für sensible Server verlangt Tailscale im Prüfmodus „check“ vor dem Zugang eine zusätzliche Anmeldung.[1]
- headscale gesondert behandeln: Mit dem Koordinationsserver headscale 0.29.5 lässt sich die Weiterleitung laut Bericht nicht abschalten. Bis alle Geräte aktualisiert sind, gilt dort jede SSH-Freigabe als Root-Zugang.[3]
Klassisches OpenSSH funktioniert über das Tailscale-Netz weiterhin.[1] Auf einem abgesicherten dedizierten Server genügt das oft. Alternativen zu Tailscale stellt der VPN-Vergleich von Dr. Web gegenüber.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- TailscaleTailscale SSH: Findings and fixes, Mike Shaver
- TailscaleSecurity Bulletins TS-2026-014 bis TS-2026-017
- TailwormSicherheitsbericht zu Tailscale v1.104.2 und headscale v0.29.5, Erica Windisch, Cyberdione Labs, Stand 28. Oktober 2026
- TailscaleTailscale SSH: Investigation and remediation update
- Dropbear SSHÄnderungsprotokoll, Version 2025.89
- Bundesministerium der Justiz§ 30 BSIG, Risikomanagementmaßnahmen besonders wichtiger Einrichtungen und wichtiger Einrichtungen
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