Freistellen mit Photoshop CC 2017 – Nie war es leichter, Haare freizustellen

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen...

Dank neuer Techniken, Funktionen und Kombinationen fällt es selbst dem Einsteiger leichter, Bildmaterial vom Hintergrund zu lösen. Freistellen: Haare sind da immer noch das Top-Thema. Feinste Strukturen zeigen auch ein großes Problem: sie lassen die Farbe des alten Hintergrunds durchschimmern. Doch auch dafür gibt es Lösungen. Gleich drei aktuelle Techniken für noch schönere Haare in Photoshop.

Technik zum Freistellen #1: Kanalberechnungen

Schritt 1: Körper freistellen

In diesem ersten Schritt geht es darum, alle anderen Bereiche auf klassischer Art freizustellen. Für die Haare nutzt du gleich eine eigene Methode. Kopiere die Hintergrundebene über Strg+J und blende die Hintergrundebene aus. Die Kopie erhält über Ebene > Ebenenmaske > Alle einblenden eine Maske.

Körper freistellen

In dieser arbeitest du zunächst mit dem Buntstift, schwarzer Vordergrundfarbe und einer größeren Werkzeugspitze, um das Model zunächst grob freizustellen. Aktiviere das Zoom-Werkzeug und rufe den Rand des Models groß auf. Tipp: Damit auch bei hohen Zoomstufen die Inhalte gut zu erkennen sind, kannst du über Ansicht > Anzeigen das Pixelraster deaktivieren.

Model freigestellt

Wer eine ruhige Hand hat, malt am Rand mit dem Pinsel und einer kleinen, nicht ganz so weichen Werkzeugspitze entlang. Für mich ist es leichter, mit dem Polygon-Lasso-Werkzeug zu arbeiten.

Die Hintergrundfarbe steht dabei auf Schwarz. Klick für Klick folgst du der Kontur des Models. Nach einem Abschnitt schließt du die Auswahl nach außen hin. Drücke die Entfernen-Taste, um den Bereich mit Schwarz zu füllen. Schritt für Schritt wird so das Model freigestellt. Die Haare dabei allerdings nur ganz grob.

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Schritt für Schritt auswählen

Schritt 2: Kanalberechnungen

Kopiere die Hintergrundebene und blende sie ein. Gehe im Menü auf Bild > Kanalberechnungen. Ändere die Kanäle bei beiden Quellen auf Blau ab und aktiviere auch jeweils Umkehren. Entdecke beim Mischmodus die Füllmethode, welche die Haare sehr weiß, den Rest aber schwarz darstellt. Wichtig ist noch, ganz unten bei Ergebnis Auswahl zu aktivieren.

Kanalberechnungen

Nach dem Bestätigen gehst du im Ebenenbedienfeld auf den Button Ebenenmaske hinzufügen. Die Haare wurde freigestellt. In Kombination mit der ersten Freistellung ergibt sich ein zufriedenstellendes Ergebnis, das allerdings noch optimiert werden kann.

Schritt 3: Ergebnis optimieren

Erstelle unterhalb der zwei Ebenen mit freigestellten Bildelementen eine neue Ebene, die du mit der Farbe des neuen Hintergrund füllst. Erst jetzt wird deutlich, wie gut (oder auch schlecht) du freigestellt hast.

Um das Ergebnis noch zu optimieren, wählst du die zwei freigestellten Ebenen bei gedrückter Strg-Taste aus und drückst Strg+G auf der Tastatur, für eine Gruppierung.

Farben angleichen

Erstelle eine neue Ebene darüber und gehe im Menü auf Ebene > Schnittmaske erstellen. Stelle den Modus dieser Ebene von Normal auf Farbe um. Aktiviere den Pinsel und nehme bei gehaltener I-Taste die neue Hintergrundfarbe auf.

Male dann über den Rand der Haare. Diese erhalten damit den Schein des neuen Hintergrunds. Reduziere bei Bedarf die Ebenendeckkraft.

Technik zum Freistellen #2: Auswählen und maskieren

Schritt 1: Auswahl vorbereiten

Auswahl und maskieren reagiert auf Kontrastsprünge zum Hintergrund. Um die Erzeugung der Maske zu vereinfachen, kopierst du die Hintergrundebene über Strg+J. Gehe dann im Menü auf Filter > Scharfzeichnungsfilter > Unscharf maskieren.

Stelle die Stärke auf 500% und den Radius auf 1 Pixel oder höher ein. Dickere Haarstränge sollen sich so deutlicher vom Hintergrund trennen. Es folgt der Filter > Stilisierungsfilter > Ölfarbe. Stilisierung und Reinheit stehen auf 1, Skalierung und Borstendetails auf dem kleinsten Wert. Damit werden die Haare geglättet.

Auswahl vorbereiten

Schritt 2: Schnellauswahl

Aktiviere das Schnellauswahlwerkzeug und male über alle Bereiche des Models. In der Optionsleiste kannst du die Größe der Werkzeugspitze kontrollieren, die sich auch auf die Feinheit der Umsetzung auswirkt. Bei gedrückter Alt-Taste werden Bereiche von der Auswahl subtrahiert.

Dein Ziel ist es, das Model so genau es möglich ist auszuwählen. Auch die Haare sollten dabei schon halbwegs gut selektiert sein.

Schnellauswahl nutzen

Schritt 3: Auswahl verfeinern

Gehe im Ebenenbedienfeld auf Ebenenmaske hinzufügen. Ein Doppelklick auf die Maske ruft den Dialog Auswählen und maskieren auf. Auf der linken Seite ist vermutlich schon das Werkzeug Kante-verbessern-Pinsel aktiv.

Stelle in der Optionsleiste dessen Größe ein und male über die Haare. Dabei sollte der Hintergrund immer zu 70% mit übermalt werden, damit Photoshop diesen leichter erkennen kann. Bei gehaltener Alt-Taste können auch wieder Bereiche eingezeichnet werden.

Ebenenmaske bearbeiten

So näherst du dich dem perfekten Ergebnis. Auf der rechten Seite könntest du noch die Regler Weiche Kante und Kontrast zusammenspielen lassen. Nach dem Bestätigen über OK kopierst du die Hintergrundebene ein zweites Mal. Ziehe die erstellte Maske per Drag & Drop auf diese Kopie. Lösche dann die Ebene, die scharfgezeichnet und mit dem Ölfilter behandelt wurde.

Kontrast und Weiche Kante

Auswahl verfeinern

Du kannst das Ergebnis wieder kontrollieren, in dem du unterhalb der Freistellung eine Ebene mit einer neuen Farbe füllst. Auch wurden die feineren Haare wie oben beschrieben optimiert, also eine neue Ebene über der Freistellung angelegt, diese per Ebenenmaske an die Form angepasst und im Modus Farbe mit passenden Farben gemalt.

Technik zum Freistellen #3: Techniken in Kombination

Schritt 1: Erst die Haare…

Zurecht könntest du anmerken, dass Haare vor einfarbigen Hintergrund eher leicht freizustellen sind. Dabei werden Fotos auch in freier Wildbahn (statt im Studio mit entsprechenden Hintergrundsystem) aufgenommen.

Und da ist der Hintergrund sehr unruhig und das Model bildet ein Ganzes mit der Umgebung. Hier ist es ratsam, die Haare und den Körper weitaus stärker getrennt zu bearbeiten.

Vorher

Haare einzeln freistellen

Kopiere dazu die Hintergrundebene über Strg+J. Nutze Bild > Korrekturen > Helligkeit/ Kontrast, um die Haare weiter vom Hintergrund zu trennen. Es folgt Bild > Kanalberechnungen, wie oben beschrieben.

Bearbeite die Maske mit dem Pinsel und schwarzer Farbe, so dass nur die Haare sichtbar bleiben. Kopiere die Hintergrundebene ein zweites Mal und ziehe die Maske darauf. Lösche die Ebene mit den starken Kontrasten.

Schritt 2: …und dann der Rest

Der Körper wird ganz klassisch freigestellt, die Haare dabei nur grob. Das kann mit Hilfe des Schnellauswahlwerkzeuges erfolgen oder gleich in der Maske mit dem Polygon-Lasso-Werkzeug. In Kombination ergibt sich das freigestellte Bildelement.

Körper sauber freistellen

Schritt 3: Optimierung

Oft ist an den Rändern freigestellter Elemente der alte Hintergrund noch leicht zu sehen. Kopiere zur Optimierung die Ebene mit dem Körper. Ein Rechtsklick auf die Ebenenmaske und Ebenenmaske anwenden rechnet die Maske ein. Gehe im Ebenenbedienfeld über die Linie zwischen den Ebenen bei gehaltener Alt-Taste und klicke. Damit wurde eine Schnittmaske umgesetzt.

Optimierung der Freistellung

Aktiviere das Wischfinger-Werkzeug, stelle in der Optionsleiste eine Stärke von ca. 30% ein und ziehe Material vom Rand nach außen. Achte darauf keine Unschärfen einzuarbeiten. So werden unschöne Ränder mit passenden Inhalten überdeckt.

Fazit

Photoshop bietet dir mehr und immer weiter optimierte Werkzeuge zum Freistellen an. Doch nur in Kombination können selbst schwierige Grundlagen gemeistert werden.

Dirk Metzmacher

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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Nina Niederschabbehard
Gast

Endlich, hat Adobe an diesem Tool weiter gearbeitet! Es ist zwar mit der Zeit immer etwas besser geworden, aber letztendlich war es oft doch nicht zu 100% zufriedenstellend. Beim nächsten Projekt werde ich es testen.
LG Nina – Fotograf Bielefeld

Marco
Gast

Ah, mein größtes Problemfeld… Vielen Dank für die Anleitung. Muss es mir mal am Wochenende nochmal in Ruhe anschauen…
Gruß aus Berlin
Marco

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