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Auf dem Vileda-Mopp, den Sie über dem Eimer auswringen, steht nirgends der Name Freudenberg. Der Konzern verkauft vieles unter anderen Namen. Mehr als 400 Nachkommen des Gründers einer Weinheimer Gerberei besitzen ihn, und 2025 halbierte sich sein Gewinn auf 361,9 Millionen Euro.

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Inhalt 12 Abschnitte
  1. Wer steckt hinter Freudenberg und wie fing alles an?
  2. Wie wurde aus der Gerberei ein Konzern mit 51.000 Beschäftigten?
  3. Wie verdient Freudenberg tatsächlich sein Geld?
  4. Wie groß ist die Marktmacht von Freudenberg?
  5. Wer ist bei Freudenberg eigentlich das Produkt?
  6. Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?
  7. Wer profitiert und wer zahlt drauf?
  8. Wie politisch ist Freudenberg?
  9. Was könnte Freudenberg zu Fall bringen?
  10. Was bedeutet Freudenberg für deutsche Unternehmer und Verbraucher?
  11. Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zu Freudenberg
  12. FAQ: Womit verdient Freudenberg seine 11,7 Milliarden Euro?

Freudenberg hat am 2. Oktober den Tod von Wolfram Freudenberg mitgeteilt. Er starb am 29. September mit 85 Jahren, gehörte zur fünften Generation der Gründerfamilie und führte von 2005 bis 2014 den Gesellschafterausschuss, das Kontrollgremium der Eigentümer. In seine Amtszeit fielen der rechtliche Umbau zur Freudenberg SE und Regeln dafür, wann Familienmitglieder im Unternehmen arbeiten dürfen.

Im September kündigte Freudenberg an, das weltweite Geschäft mit Ersatzteilen für Autos vom 1. Januar 2027 an in einer neuen Geschäftsgruppe namens Freudenberg Aftermarket zu bündeln, also das Ersatzteilgeschäft für Werkstätten und Teilehändler.

Zum 1. Januar 2026 hatte der Konzern seine Geschäftsgruppe für Batterien und Brennstoffzellen aufgelöst. Die Schließung belastete das Ergebnis 2025 mit 445,6 Millionen Euro, der Konzerngewinn fiel von 724,8 auf 361,9 Millionen Euro. Im April 2026 übernahm Freudenberg den dänischen Reinigungsmaschinenhersteller Nilfisk, der 2025 knapp eine Milliarde Euro umsetzte.

Dichtungen, Schwingungsdämpfer, Vliesstoffe, Wischmopps, Schmierstoffe, Aromen und Katheter: Welche dieser Sparten das Geld verdienen, entscheidet über die Zukunft eines Konzerns mit 51.000 Beschäftigten, der viel größer ist als die meisten heimlichen Weltmarktführer.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Freudenberg-Gruppe setzte 2025 rund 11,73 Milliarden Euro um, 1,8 Prozent weniger als 2024. Das Betriebsergebnis sank auf 1,09 Milliarden Euro, der Konzerngewinn halbierte sich wegen des Ausstiegs aus Batterien und Brennstoffzellen.
  • Rund 40 Prozent des Umsatzes stammen von Autoherstellern in der Erstausrüstung. Dichtungen von Freudenberg Sealing Technologies und Schwingungstechnik von Vibracoustic machen zusammen gut zwei Fünftel des Konzernumsatzes aus.
  • Das zweite Standbein sind Endverbraucher: Die Geschäftsgruppe mit Vileda, O-Cedar und Wettex setzte 2025 rund 1,35 Milliarden Euro um, mit Nilfisk kommt seit 2026 knapp eine weitere Milliarde dazu.
  • Freudenberg gehört mehr als 400 Nachkommen des Gründers und ist nicht an der Börse. Gewinne nach Sparten veröffentlicht der Konzern nicht, nur Umsätze.
  • Mit 11,7 Milliarden Euro liegt Freudenberg weit über der Grenze von 5 Milliarden Euro, die für einen Hidden Champion gilt. In die Reihe gehört der Konzern über seine Geschäftsgruppen, die einzeln deutlich darunter bleiben.

Fünf Fragen zu Simmerring, Mopp und Weinheim

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Freudenberg?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 In welchem Jahr kam der Simmerring heraus, der Radialwellendichtring nach Walther Simmer? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Freudenberg war damals noch eine Gerberei und suchte in der Weltwirtschaftskrise neue Produkte. 1849 wurde die Firma gegründet, 1960 begann die Partnerschaft mit NOK.
2 Welchen Anteil am Umsatz 2025 hatten Autohersteller in der Erstausrüstung ungefähr? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Automobil-Erstausrüster zahlten 4.660,8 Millionen Euro, das sind 39,7 Prozent des Umsatzes. 2024 waren es noch 41 Prozent.
3 Wie stark belastete die Auflösung der Batterie- und Brennstoffzellensparte das Ergebnis 2025? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Wertminderungen, Vertragsauflösungen und Restrukturierung summierten sich auf 445,6 Millionen Euro. Der Konzerngewinn halbierte sich auf 361,9 Millionen Euro.
4 Wie viel Prozent hält Freudenberg am japanischen Partner NOK? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Die Partnerschaft besteht seit 1960. Umgekehrt hält NOK ein Viertel der US-Tochter Freudenberg-NOK, Freudenberg also drei Viertel.
5 Wie viele Nachkommen des Gründers besaßen Freudenberg Ende 2025? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Die Familie hält ihre Anteile über die Freudenberg & Co. KG in Weinheim, der alle Aktien der Freudenberg SE gehören. An der Börse ist der Konzern nicht.

Wer steckt hinter Freudenberg und wie fing alles an?

Hinter Freudenberg steht eine Familie, der seit 1849 ein Unternehmen in Weinheim gehört. Es begann als Gerberei für feines Kalb- und Lackleder, wechselte in der Weltwirtschaftskrise zu Dichtungen und gehört heute mehr als 400 Nachkommen des Gründers Carl Johann Freudenberg.

Eine Gerberei an der Bergstraße

Am Anfang stand eine Liquidation. Die Mannheimer Lederhandlung Heintze und Sammet musste nach der Revolution von 1848 liquidieren, wie die frühere Firmenarchivarin Sibylla Schuster in einem Beitrag für das Deutsche Historische Museum beschreibt. Der Kaufmann Heintze und der junge Carl Johann Freudenberg übernahmen zu gleichen Teilen die Gerberei der Firma in Weinheim.

Am 9. Februar 1849 nahm die Firma Heintze & Freudenberg mit rund 50 Arbeitern den Betrieb auf. Die Gerberei verarbeitete feines Kalbleder für den Export, 1850 kam Lackleder dazu, das erste neue Produkt der jungen Gerberei.

1874 starb Heintze, seine Erben ließen sich auszahlen, und die Firma hieß von da an Carl Freudenberg. 1887 nahm der Gründer seine Söhne Friedrich Carl und Hermann Ernst als Teilhaber auf und schrieb seine geschäftlichen Grundsätze nieder.

Als er 1898 starb, zählte sein Betrieb zu den größten Gerbereien Europas, so Schuster. Wie sich das Handwerk zur Industrie wandelte, erzählt unsere Stoffgeschichte über das Leder und seine Gerber.

Der Wechsel zur Dichtung

In der Weltwirtschaftskrise von 1929 suchte die Geschäftsleitung neue Erzeugnisse, weil Leder allein nicht mehr reichte. Die Lösung fand sie in Manschettendichtungen aus Leder für die Autoindustrie.

1932 kam der Simmerring hinzu, ein Radialwellendichtring nach dem Entwickler Walther Simmer. Er dichtet die Stelle ab, an der eine drehende Welle aus einem Gehäuse tritt, im Getriebe ebenso wie im Motor. Vier Jahre später ersetzte Freudenberg die Lederlippe durch synthetischen Kautschuk, und damit war das Unternehmen in der Gummitechnik angekommen, von der es bis heute lebt.

1938 begann die Produktion von Vliesstoffen, also Textilien, die nicht gewebt, sondern aus Fasern verfestigt werden. Daraus entstanden zehn Jahre später die ersten Vileda-Tücher.

Geschichte
Von der Gerberei zum Mischkonzern
Stationen der Freudenberg-Gruppe seit der Gründung 1849.
  • 1849Heintze und Carl Johann Freudenberg übernehmen eine Gerberei in Weinheim, rund 50 Arbeiter.
  • 1898Beim Tod des Gründers zählt die Firma zu den größten Gerbereien Europas.
  • 1929In der Weltwirtschaftskrise beginnt die Fertigung von Dichtungen für die Autoindustrie.
  • 1932Der Simmerring kommt auf den Markt, ein Radialwellendichtring nach Walther Simmer.
  • 1933–1945Übernahme jüdischer Betriebe, Tests auf der Schuhprüfstrecke im KZ Sachsenhausen, Einsatz von Zwangsarbeitern.
  • 1948Erste Vileda-Tücher aus Vliesstoff, mehr als 5.000 Beschäftigte.
  • 1960Partnerschaft mit dem japanischen Dichtungshersteller NOK, Gründung der Japan Vilene Company.
  • 2004Kauf von Burgmann (Gleitringdichtungen) und Chem-Trend (Trennmittel).
  • 2016Freudenberg übernimmt die Hälfte von Trelleborg und besitzt Vibracoustic allein.
  • 2026Batteriesparte aufgelöst, Nilfisk übernommen, Tod von Wolfram Freudenberg.

Ein Kapitel, über das die Firma heute selbst schreibt

Zwischen 1933 und 1938 übernahm Freudenberg mehrere Schuh- und Lederbetriebe jüdischer Eigentümer, darunter 1933 die Schuhfabrik und Ladenkette Conrad Tack in Burg bei Magdeburg. Die eigene Firmenchronik spricht bei diesen Käufen von Arisierungen.

Die Unternehmensleitung habe Hitler anfangs kritisiert, sich dann aber zunehmend angepasst und von der Wirtschaftspolitik profitiert, heißt es dort.

Ab Mai 1940 testeten mindestens 79 Unternehmen, Freudenberg eingeschlossen, auf einer Schuhprüfstrecke im Konzentrationslager Sachsenhausen Sohlen und Ersatzstoffe. Häftlinge mussten die Sohlen dort im Dauermarsch erproben, die SS betrieb die Strecke bis zum Frühjahr 1945 als Strafkommando. Von 1940 bis 1945 setzte Freudenberg zudem Zwangsarbeiter ein. Der Historiker Joachim Scholtyseck hat diese Jahre 2016 in einem Buch über die Firmengeschichte aufgearbeitet.

Die Familie als Eigentümerin

Aus den beiden Söhnen des Gründers wurde über mehrere Generationen ein großer Kreis. Ende 2025 gehörte Freudenberg mehr als 400 Nachkommen von Carl Johann Freudenberg. Ihre gemeinsame Gesellschaft ist die Freudenberg & Co. KG in Weinheim, die alle Aktien der operativ führenden Freudenberg SE hält. Die Familie besetzt Gremien, führt aber das Tagesgeschäft nicht. Vorstandschef ist seit Juli 2025 Claus Möhlenkamp, der früher die Dichtungssparte geleitet hat und auf Mohsen Sohi folgte. Im Aufsichtsrat sitzt mit der Biologin Maria Freudenberg-Beetz eine Namensträgerin, den Vorsitz hat der Rechtsanwalt Mathias Thielen.

Wie wurde aus der Gerberei ein Konzern mit 51.000 Beschäftigten?

Ein schwarzer Wellendichtring steht auf braunem Leder, das auf einem weißen Sockel liegt
Aus einer Gerberei mit rund 50 Arbeitern wurde ein Konzern mit 459 Gesellschaften in 55 Ländern.

Freudenberg wuchs über Partnerschaften und Zukäufe: 1960 mit dem japanischen Dichtungshersteller NOK, später mit Klüber, Burgmann, Chem-Trend und der vollen Übernahme von Vibracoustic 2016. Ende 2025 umfasste die Gruppe 459 Gesellschaften in 55 Ländern und 50.968 Beschäftigte.

Japan als zweite Heimat

1948 arbeiteten mehr als 5.000 Menschen für Freudenberg, 1950 eröffnete die erste Fabrik im Ausland, in Lowell im US-Bundesstaat Massachusetts.

1960 ging Freudenberg eine Partnerschaft mit dem japanischen Dichtungshersteller NOK ein und gründete mit einem japanischen Partner die Japan Vilene Company für Vliesstoffe.

Die Verbindung mit NOK hält seit 65 Jahren: Freudenberg besitzt 26,2 Prozent an NOK und drei Viertel der gemeinsamen US-Tochter Freudenberg-NOK.

1957 kamen Schwingungstechnik und Filter hinzu, 1966 der Schmierstoffhersteller Klüber Lubrication. Mit diesen Schritten stand das Prinzip fest, nach dem Freudenberg bis heute wächst: Ein Werkstoff oder eine Technik, die das Unternehmen beherrscht, wird auf einen neuen Markt übertragen, oft über den Kauf eines Spezialisten.

Kaufen statt neu erfinden

2002 gab Freudenberg das Ledergeschäft auf, mit dem alles begonnen hatte. Zwei Jahre später kaufte der Konzern den Gleitringdichtungs-Hersteller Burgmann aus Wolfratshausen, der heute zusammen mit dem japanischen Partner Eagle Industry als EagleBurgmann auftritt. Im selben Jahr kam Chem-Trend dazu, ein Hersteller von Trennmitteln, mit denen sich Gussteile aus der Form lösen lassen.

2012 legte Freudenberg seine Schwingungstechnik mit dem Autogeschäft des schwedischen Konzerns Trelleborg zu einem Gemeinschaftsunternehmen zusammen. Im Juli 2016 übernahm Freudenberg die Hälfte von Trelleborg und besitzt Vibracoustic seither allein. Der Geschäfts- oder Firmenwert dieser Sparte steht mit 835,9 Millionen Euro in der Bilanz, mehr als bei jeder anderen Geschäftsgruppe.

Seit 2013 gilt das Führungskonzept Strategic Guide: Der Vorstand legt Strategie und große Investitionen fest, die Geschäftsgruppen führen ihr Geschäft selbst.

Umsatz und Ergebnis
Umsatz stabil, Gewinn halbiert
Umsatz und Konzernergebnis der Freudenberg-Gruppe in Millionen Euro, 2021 bis 2025.
Umsatz
  • 202110.039
  • 202211.753
  • 202311.903
  • 202411.947
  • 202511.732
Konzernergebnis
  • 2021587
  • 2022640
  • 2023831
  • 2024725
  • 2025362
50.968
Beschäftigte Ende 2025, rund 1.100 weniger als 2024
57,1 %
Eigenkapitalquote Ende 2025
459
Gesellschaften in 55 Ländern

Ein Riese in einer Reihe für Mittelständler

Ende 2025 umfasste Freudenberg 459 Gesellschaften in 55 Ländern, darunter 183 Produktionsgesellschaften. Der Umsatz wuchs von 10,04 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 11,95 Milliarden Euro im Rekordjahr 2024 und lag 2025 bei 11,73 Milliarden Euro. Die Belegschaft stieg zwischen 2001 und 2025 von rund 30.000 auf 50.968 Beschäftigte.

Für die Definition von Hermann Simon ist das zu viel. Unsere Übersicht über die Hidden Champions in Deutschland nennt eine Umsatzgrenze von 5 Milliarden Euro.

Freudenberg liegt mehr als doppelt so hoch. Wir porträtieren den Konzern trotzdem in dieser Reihe, weil er nach demselben Muster arbeitet wie ein Hidden Champion, nur zehnmal nebeneinander. Die größte Geschäftsgruppe, Vibracoustic, setzte 2025 rund 2,56 Milliarden Euro um, die Dichtungssparte 2,40 Milliarden Euro, Freudenberg Flow Technologies mit der Marke EagleBurgmann 1,05 Milliarden Euro. Jede für sich bliebe unter der Grenze, und mehrere treten unter eigenem Namen auf.

Wie verdient Freudenberg tatsächlich sein Geld?

Waage mit Dichtringen und Schild vs. Mopkopf, im Gleichgewicht, weißer Hintergrund
Dichtungen und Schwingungsdämpfer bringen die Hälfte des Umsatzes, Reinigungsprodukte gut ein Zehntel.

Freudenberg verdient vor allem an Gummi- und Kunststoffteilen für Autos und Maschinen: Dichtungs- und Schwingungstechnik brachten 2025 rund 6,0 Milliarden Euro, die Hälfte des Umsatzes. Außerdem verkauft der Konzern Vliesstoffe, Filter, Putzmittel und Spezialchemie. Gewinne je Sparte veröffentlicht er nicht.

Vier Geschäftsfelder, zehn Gruppen

Der Geschäftsbericht 2025 ordnet die zehn Geschäftsgruppen vier Feldern zu. Die Dichtungs- und Schwingungstechnik mit Freudenberg Sealing Technologies, Freudenberg Flow Technologies und Vibracoustic setzte 6.008,6 Millionen Euro um, 2,6 Prozent weniger als 2024. Technische Textilien und Filtration kamen auf 2.550,4 Millionen Euro, die Reinigungsprodukte auf 1.352,9 Millionen Euro.

Das vierte Feld heißt Spezialitäten und brachte 2.083,6 Millionen Euro. Dazu zählen die Spezialchemie mit Klüber, Chem-Trend und dem Lebensmittelzulieferer Capol, die Medizintechnik und die inzwischen aufgelöste Batteriesparte.

Zusammengerechnet ergeben die vier Felder 11.995,5 Millionen Euro, etwas mehr als der Konzernumsatz von 11.731,9 Millionen Euro. Freudenberg erläutert die Differenz im Bericht nicht. Am Bild ändert das nichts: Die Hälfte des Geschäfts hängt an Dichtungen und Schwingungsdämpfern.

Erlösmodell
Zehn Geschäftsgruppen, ein Schwerpunkt
Umsatz der Geschäftsgruppen 2025 in Millionen Euro.
  • Vibracoustic (Schwingungstechnik)2.562,9
  • Freudenberg Sealing Technologies2.395,6
  • Freudenberg Chemical Specialities1.509,2
  • Freudenberg Performance Materials1.419,8
  • Home and Cleaning Solutions (Vileda)1.352,9
  • Freudenberg Flow Technologies (EagleBurgmann)1.050,1
  • Freudenberg Filtration Technologies634,6
  • Japan Vilene Company496,0
  • Freudenberg Medical393,7
  • e-Power Systems (aufgelöst)37,6
9,3 %
Umsatzrendite 2025 auf Basis des Betriebsergebnisses
4,9 %
Anteil von Forschung und Entwicklung am Umsatz
31,5 %
Umsatzanteil von Produkten, die jünger als vier Jahre sind

Die Kunden hinter dem Umsatz

Aufschlussreicher als die Spartenliste ist die Aufteilung nach Kunden. Automobil-Erstausrüster zahlten 2025 genau 4.660,8 Millionen Euro an Freudenberg, 39,7 Prozent des Umsatzes. Ein Jahr zuvor waren es 41 Prozent.

Endverbraucher, also Käufer von Mopps, Tüchern und Wäscheständern, steuerten 1.474,7 Millionen Euro bei, der Maschinenbau 1.110,0 Millionen Euro. Medizin und Pharma brachten 592,2 Millionen Euro, Energie und Wasserversorgung 565,9 Millionen Euro. Beide Bereiche wuchsen 2025, während die Autoindustrie und die Bauwirtschaft weniger bestellten.

Kunden
Wer bei Freudenberg die Rechnungen zahlt
Umsatz 2025 nach Branchen der Kunden in Millionen Euro.
  • Automobil-Erstausrüster4.660,8
  • Endverbraucher1.474,7
  • Sonstige Industrien1.356,7
  • Maschinen- und Anlagenbau1.110,0
  • Bauwirtschaft643,6
  • Ersatzteilgeschäft617,3
  • Medizin und Pharma592,2
  • Energie und Wasserversorgung565,9
  • Textil und Bekleidung455,4
  • Chemie255,3
39,7 %
Anteil der Autohersteller am Umsatz, 2024 noch 41 %
29,6 %
Umsatzanteil Nordamerika, größte Region
14,6 %
Umsatzanteil Deutschland

Die stillen Einnahmen

Ein Teil des Geldes taucht im Umsatz gar nicht auf. Freudenberg hält 26,2 Prozent an NOK, und der japanische Partner überwies 2025 eine Dividende von 29,7 Millionen Euro. Das Gemeinschaftsunternehmen NOK-Freudenberg in Singapur zahlte 31,2 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Für Forschung, Entwicklung und Lizenzen nahm der Konzern 2025 weitere 81,4 Millionen Euro ein. Die Holding Freudenberg SE kassierte zudem 15,2 Millionen Euro dafür, dass die Töchter die Dachmarke Freudenberg benutzen dürfen. Gemessen am Umsatz sind das kleine Summen, sie kosten aber kaum Material.

Eine dritte, unterschätzte Einnahmequelle ist das Ersatzteilgeschäft. 617,3 Millionen Euro setzte Freudenberg 2025 mit Teilen für Werkstätten und Händler um, vor allem über die Marke Corteco. Diese Kunden kaufen Ersatz für Autos, die längst gebaut sind, und bleiben auch dann, wenn die Neuwagenproduktion schwächelt. Ab 2027 bekommt dieses Geschäft eine eigene Geschäftsgruppe.

Die Marge bleibt im Dunkeln

Freudenberg veröffentlicht für den Konzern ein Betriebsergebnis von 1.092,7 Millionen Euro und eine Umsatzrendite von 9,3 Prozent, für die einzelnen Gruppen aber nur Umsatz und Beschäftigte. Welche Sparte am meisten verdient, verrät das Unternehmen nicht.

Die US-Dichtungstochter Freudenberg-NOK, an der NOK ein Viertel hält, verdiente 2025 bei 790,6 Millionen Euro Umsatz 107,5 Millionen Euro nach Steuern, eine Nettomarge von 13,6 Prozent. Das Gemeinschaftsunternehmen in Singapur kam auf 47,0 Millionen Euro Ergebnis bei 488,2 Millionen Euro Umsatz, also 9,6 Prozent. Der ganze Konzern kam 2025 auf 3,1 Prozent nach Steuern, im besseren Jahr 2024 auf 6,1 Prozent. Klassische Dichtungen werfen also offenbar mehr ab als der Durchschnitt.

Ein zweiter Hinweis steckt in den Kapitalkosten, die Freudenberg für den Werthaltigkeitstest ansetzt. Für Vibracoustic rechnet der Konzern mit 10,1 Prozent, für die Chemie mit 11,7 Prozent, für die Dichtungen mit 11,4 Prozent. Ein höherer Satz heißt: Der Konzern verlangt dort mehr Rendite, weil er das Geschäft für riskanter hält.

EinheitKennzahl 2025Wert
Freudenberg-GruppeUmsatzrendite (Betriebsergebnis in Prozent des Umsatzes)9,3 %
Freudenberg-GruppeGewinn nach Steuern in Prozent des Umsatzes3,1 % (2024: 6,1 %)
Freudenberg-NOK (USA, Dichtungen)Gewinn nach Steuern in Prozent des Umsatzes13,6 %
NOK-Freudenberg (Singapur, Dichtungen)Ergebnis in Prozent des Umsatzes9,6 %
VibracousticKapitalkostensatz im Werthaltigkeitstest10,1 %
Freudenberg Sealing TechnologiesKapitalkostensatz im Werthaltigkeitstest11,4 %
Freudenberg Chemical SpecialitiesKapitalkostensatz im Werthaltigkeitstest11,7 %

Das Geld, das in Batterien versickerte

Die einzige Sparte, die nachweislich Geld verlor, war Freudenberg e-Power Systems. 2018 stieg Freudenberg in Brennstoffzellen und Batterien ein, unter anderem mit dem Kauf des US-Batterieherstellers XALT Energy, 2022 wurde daraus eine eigene Geschäftsgruppe. Ihr Umsatz sank von 82,4 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 37,6 Millionen Euro 2025. Die Auflösung kostete 445,6 Millionen Euro, verteilt auf Wertminderungen, Vertragsauflösungen, Restrukturierung und Vereinbarungen mit Kunden und Lieferanten. Rund 600 Beschäftigte, die meisten in den USA, waren betroffen. Weiter betreibt Freudenberg nur das Geschäft mit Wasserstoffkomponenten, angedockt an die Dichtungssparte, mit 70 Stellen in München.

Unsere Einordnung: Die Batteriesparte war eine Wette auf Lastwagen, Busse und Schiffe mit Batterie oder Brennstoffzelle, und das Dichtungsgeschäft hat sie über Jahre mitbezahlt. Möhlenkamp wird im April vom Fachdienst Electrive mit dem Satz zitiert, die Technologie sei reif, der Markt aber noch nicht. Freudenberg kann den Verlust verkraften: Die Eigenkapitalquote stieg 2025 sogar auf 57,1 Prozent.

Größe, die sich rechnet

Freudenberg zählt rund 40 Marktsegmente, die der Konzern beliefert. Die Breite verschafft ihm einen Vorteil, den ein Spezialist nicht hat: Ein neues Mischwerk für Elastomere in Weinheim soll die Autoindustrie und die übrige Industrie zugleich versorgen. 2025 flossen 579,5 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung, 4,9 Prozent des Umsatzes.

Produkte, die jünger als vier Jahre sind, machten 31,5 Prozent des Umsatzes aus.

Wohin sich das Modell verschiebt

In den vergangenen fünf Jahren verlagerte Freudenberg sein Gewicht langsam weg vom Auto. 2025 kaufte der Konzern für rund 800 Millionen Euro zu: den japanischen Röhrchenhersteller Fuji Seiko für die Medizintechnik, mehrere Hersteller von Aromen, Ölen und Fetten für die Marke Capol, darunter Curt Georgi aus Böblingen, und für die Dichtungssparte die österreichische DMH-Gruppe und den US-Kupplungsteilehersteller Alto.

Im Dezember 2025 bot Freudenberg Home and Cleaning Solutions 140 dänische Kronen je Nilfisk-Aktie, zusammen rund 3,8 Milliarden Kronen oder umgerechnet etwa 508 Millionen Euro für alle Aktien. Im April hielt Freudenberg mehr als 90 Prozent, im Mai verschwand Nilfisk von der Kopenhagener Börse. Rechnet man den Nilfisk-Umsatz von 2025 hinzu, wächst das Reinigungsgeschäft auf gut 2,3 Milliarden Euro.

Seit Ende 2025 gehört Freudenberg zudem die Japan Vilene Company allein, nachdem der Konzern die restlichen 25 Prozent vom japanischen Partner Toray übernommen hat.

Die Richtung ist klar: mehr Reinigung, Medizin und Lebensmittelchemie, weniger Abhängigkeit von der Autoindustrie.

Auf den PunktWoran Freudenberg verdient
  • Gummi und Kunststoff: Dichtungen und Schwingungsdämpfer bringen die Hälfte des Geschäfts, mit dem Auto als größtem Kunden.
  • Beteiligungen und Lizenzen: Japanische Partner und die Dachmarke liefern Geld, das kaum Material kostet.
  • Umbau: Reinigung, Medizin und Lebensmittelchemie sollen das Autogeschäft ausgleichen.

Wie groß ist die Marktmacht von Freudenberg?

Metallwelle auf Halterungen mit O-Ring und dem Etikett „Freigegeben“
Ist ein Teil beim Kunden freigegeben, wechselt der Autohersteller den Lieferanten nur ungern.

Freudenberg gehört in mehreren Nischen zur Spitze, ein unabhängiger Beleg für einen Weltmarktführer-Titel fehlt aber. Die Macht des Konzerns liegt weniger im Marktanteil als in der Bindung, die mit jeder Freigabe eines Teils beim Kunden entsteht.

Viele Spitzenplätze, wenige Belege

Die Geschäftsgruppen beschreiben sich im Geschäftsbericht gern als führend. Freudenberg Sealing Technologies sei „weltweit führend“ bei Dichtungen, Vibracoustic ein „weltweit führender“ Spezialist für Geräusche und Schwingungen im Auto, Freudenberg Performance Materials ein „weltweit führender Anbieter“ technischer Textilien. Eine unabhängige Marktanteilsstatistik, die eine dieser Aussagen stützt, haben wir für 2025 nicht gefunden.

Im Vorwort des Vorstands heißt es, die verkaufte Menge sei seit drei Jahren rückläufig, der Gesamtmarktanteil aber stabil geblieben. Eine Zahl dazu nennt der Vorstand nicht.

Die Gegner sind kleiner, aber spezialisierter

Kein direkter Wettbewerber deckt dieselbe Breite ab. In der Gummitechnik für Autos und Industrie steht der schwedische Konzern Trelleborg, der 2025 umgerechnet rund 3,13 Milliarden Euro umsetzte. Der frühere Partner bei Vibracoustic konzentriert sich heute auf Dichtungen und andere Produkte aus Gummi und Kunststoff für die Industrie. ElringKlinger aus Dettingen an der Erms, ein Spezialist für Zylinderkopfdichtungen und Batterieteile, kam auf 1,64 Milliarden Euro.

Bei Reinigungsgeräten trifft Freudenberg auf Kärcher aus Winnenden, der 2025 mit 3,48 Milliarden Euro einen Rekordumsatz meldete. Erst mit Nilfisk rückt Freudenbergs Reinigungssparte in dieselbe Größenordnung.

UnternehmenSitzUmsatz 2025Berührung mit Freudenberg
Freudenberg-GruppeWeinheim11,73 Mrd. €Dichtungen, Schwingungstechnik, Vliesstoffe, Reinigung, Chemie
NOK CorporationTokio4,34 Mrd. €Partner und Beteiligung (26,2 %), Dichtungen in Asien
KärcherWinnenden3,48 Mrd. €Reinigungsgeräte für Haushalt und Gewerbe
TrelleborgTrelleborg (Schweden)rund 3,13 Mrd. €Dichtungen und Polymerprodukte, früher Partner bei Vibracoustic
ElringKlingerDettingen an der Erms1,64 Mrd. €Dichtungen und Teile für Verbrenner und Elektroautos
Nilfisk (seit 2026 Freudenberg)Kopenhagen1,00 Mrd. €professionelle Reinigungsmaschinen

Freudenberg weist den NOK-Wert im eigenen Konzernanhang für das Kalenderjahr aus, Trelleborg ist zum EZB-Kurs vom 4. November 2026 umgerechnet.

Die Tabelle zeigt, dass Freudenberg in jeder Nische auf einen Gegner trifft, der dort fokussierter auftritt. Der Konzern holt sich den Vorteil über die Breite seiner Kunden zurück: Ein schwacher Automarkt trifft den Autozulieferer ElringKlinger im Kern, Freudenberg bei rund zwei Fünfteln des Umsatzes.

Bindung statt Kartell

Die eigentliche Macht entsteht in der Entwicklung. Ein Autohersteller gibt eine Dichtung für ein bestimmtes Getriebe oder einen Motor frei, nachdem er sie geprüft hat. Danach wechselt er den Lieferanten nur ungern, weil jede neue Freigabe Zeit, Prüfstände und Haftungsfragen kostet. Für Gleitringdichtungen in Raffinerien und Chemieanlagen gilt Ähnliches, dort kommen Ersatzteile und Service dazu.

Ein laufendes Kartellverfahren gegen Freudenberg haben wir bei der Recherche nicht gefunden.

Das Ersatzteilgeschäft verlängert diese Bindung über das Ende der Serie hinaus. Ein Auto, das zehn oder fünfzehn Jahre fährt, braucht in der Werkstatt passende Dichtungen, und Corteco liefert sie aus neuen Zentrallagern in Weinheim und im US-Ort Milan.

Wer ist bei Freudenberg eigentlich das Produkt?

Drei ineinander verschlungene schwarze O-Ringe mit hellblauem Etikett auf weißem Podest
Autohersteller, japanische Partner und die Familie: Bei Freudenberg hängt jeder an jemandem.

Bei Freudenberg zahlen vor allem die Autohersteller, sie bringen 40 Prozent des Umsatzes. Zur Ware wird niemand, aber jeder hängt an jemandem: der Konzern an den Herstellern. Die Hersteller hängen an freigegebenen Teilen, die sie nicht über Nacht ersetzen können. Und die Familie ist zugleich Eigentümerin und Bank.

Das Auto als größter Kunde

Freudenberg verkauft den größten Teil seiner Ware an Unternehmen, nicht an Menschen. Ein Autofahrer sieht weder den Simmerring im Getriebe noch das Gummilager unter dem Motor. Der Einkauf des Autoherstellers handelt den Preis aus, und die Menge richtet sich danach, wie viele Autos er selbst verkauft. 2025 bauten die Hersteller in Europa und Nordamerika weniger Autos, die EU-Produktion sank nach Zahlen des Marktforschers GlobalData um 1,2 Prozent, die nordamerikanische um 1,0 Prozent. Vibracoustic setzte 2,7 Prozent weniger um, die Dichtungssparte 3,6 Prozent weniger. Vibracoustic legte in Europa und Nordamerika Produktionskapazitäten zusammen.

Umgekehrt hängen auch die Hersteller an Freudenberg. Vibracoustic beliefert fast alle wichtigen Auto- und Nutzfahrzeughersteller weltweit, und ein freigegebenes Teil lässt sich nicht ohne neue Prüfungen austauschen.

Der japanische Partner

Die Abhängigkeit von NOK ist besonders eng. Die Japaner halten ein Viertel der US-Dichtungstochter Freudenberg-NOK und bekamen dafür 2025 einen Gewinnanteil von 20,5 Millionen Euro zugerechnet. In Asien vertreibt das gemeinsame Unternehmen in Singapur Dichtungen für China und Indien. Freudenberg wiederum besitzt 26,2 Prozent an NOK, ein Anteil, den die Tokioter Börse Ende 2025 mit 662,9 Millionen Euro bewertete.

Bei EagleBurgmann gilt Ähnliches: Eagle Industry hält mittelbar 25 Prozent der deutschen Gesellschaft, Freudenberg 25 Prozent der japanischen, und ein Vertrag sichert Freudenberg die Kontrolle.

Werhängt anGrößenordnung 2025
FreudenbergAutoherstellern in der Erstausrüstung4.660,8 Mio. € Umsatz, 39,7 %
NOKFreudenberg-NOK in den USA25 % Anteil, 20,5 Mio. € Gewinnanteil
FreudenbergNOK in Tokio26,2 % Anteil, Börsenwert 662,9 Mio. €
KonzernGeld der Familie1,39 Mrd. € Darlehen und Guthaben
KonzernBanken172,2 Mio. € Bankverbindlichkeiten

Die Familie als Geldgeberin

Die Gesellschafter finanzieren den Konzern nicht nur über ihr Eigenkapital. Ende 2025 schuldete die Gruppe der Freudenberg & Co. KG ein Darlehen von 759,0 Millionen Euro, und die Gesellschafter der KG hatten dort weitere 631,0 Millionen Euro als Guthaben stehen. Zusammen sind das rund 1,39 Milliarden Euro, gut drei Fünftel aller Finanzschulden.

Bankkredite spielen dagegen kaum eine Rolle: 172,2 Millionen Euro.

Für die Familie ist das ein bequemes Modell, weil sie Zinsen bekommt und die Kontrolle behält. Für die Beschäftigten bedeutet es, dass keine Bank und keine Börse mitredet, wenn der Konzern umbaut. Entschieden wird in Weinheim, im Gesellschafterausschuss und im Aufsichtsrat, die mit denselben Personen besetzt sind.

Und die Verbraucher?

Nur in einer Sparte kauft der Endkunde selbst. Mopps, Eimer, Tücher und Wäscheständer von Vileda, O-Cedar, Gimi oder Wettex kommen über den Handel in den Haushalt. Freudenberg Home and Cleaning Solutions unterhält dafür ein eigenes Vertriebsnetz in mehr als 35 Ländern. Hier zahlt der Kunde selbst, und hier muss Freudenberg mit einer Marke überzeugen statt mit einer technischen Freigabe.

Auf den PunktWer von wem abhängt
  • Autohersteller: Bestimmen Menge und Preis, brauchen aber freigegebene Teile.
  • NOK und Eagle Industry: Partner über Kreuz, mit Anteilen an den jeweils anderen Gesellschaften.
  • Familie: Eigentümerin und größte Geldgeberin des Konzerns zugleich.

Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Zwei Geldstapel und Gummiring auf Block. Kleinerer Stapel mit Aufschrift „Kleinstbetrag“
Von 100 Euro Umsatz blieben 2025 vor Sondereffekten 9,31 Euro Betriebsergebnis.

Von 100 Euro Umsatz gingen bei Freudenberg 2025 rund 70 Euro für Herstellung, Material und Werkslöhne weg, gut 14 Euro für den Vertrieb. Am Ende blieben vor Sondereffekten 9,31 Euro Betriebsergebnis. Die Kosten der gescheiterten Batteriesparte zahlten Eigentümer und Belegschaft, die steigenden Preise die Kunden.

Wohin 100 Euro Umsatz fließen

Preislisten für Dichtungen oder Schwingungsdämpfer veröffentlicht Freudenberg nicht, die Preise verhandelt jede Geschäftsgruppe mit ihren Kunden. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt aber, wie sich der Umsatz verteilt, hier umgerechnet auf 100 Euro.

Posten 2025Millionen Euroje 100 € Umsatz
Umsatz11.731,9100,00 €
Herstellungskosten (Umsatzkosten)8.240,670,24 €
Vertrieb (Personal, Werbung, Fracht, Verpackung)1.691,514,42 €
Verwaltung768,46,55 €
Forschung und Entwicklung632,55,39 €
Sonstiges und Gemeinschaftsunternehmen (Saldo)+79,2+0,68 €
Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit478,14,08 €
in den Kosten oben enthalten: Aus der Batteriesparte445,63,80 €
Betriebsergebnis vor Sondereffekten (Freudenberg-Kennzahl)1.092,79,31 €

Material und bezogene Leistungen kosteten 2025 zusammen 5.013,5 Millionen Euro, das sind 42,7 Prozent des Umsatzes. Für Personal gab Freudenberg 3.397,1 Millionen Euro aus, 29,0 Prozent. Die Abschreibungen stiegen wegen der Wertminderungen bei e-Power von 557,3 auf 750,4 Millionen Euro.

Die Lücke zwischen 478,1 und 1.092,7 Millionen Euro entsteht, weil Freudenberg sich am Ergebnis ohne Sondereffekte misst. Die Kennzahl ist zulässig, schmeichelt aber.

Wer die Rechnung bezahlt

Die Kunden zahlten mehr. Der Vorstand schreibt, Produktivität und positive Preiseffekte hätten das geringere Volumen, steigende Löhne und die Belastungen durch Wechselkurse und Zölle größtenteils ausgeglichen. Mit anderen Worten: Freudenberg verkaufte weniger Stück, aber teurer.

Die Wechselkurse kosteten allein 281,6 Millionen Euro Umsatz, vor allem durch den schwächeren Dollar und den chinesischen Renminbi.

Für die Belegschaft ging es um Stellen. Alle zehn Geschäftsgruppen starteten 2025 Restrukturierungsprogramme, mit Schließungen und Teilschließungen von Werken, Verlagerungen und dem Ausbau zentraler Servicefunktionen. Unterm Strich arbeiteten Ende 2025 rund 1.100 Menschen weniger für Freudenberg als ein Jahr zuvor, obwohl durch Zukäufe neue Kollegen dazukamen. Viele Programme sind auf mehrere Jahre angelegt.

Die Eigentümer zahlten mit einem halbierten Gewinn. Ihr Anteil am Konzernergebnis sank auf rechnerisch 280,9 Millionen Euro, nachdem 81,0 Millionen Euro auf Minderheitsgesellschafter wie NOK entfielen. Trotzdem zahlte Freudenberg 2025 mehr Ertragsteuern als im Rekordjahr: 312,5 Millionen Euro nach 298,3 Millionen Euro.

Ob Preiserhöhungen wieder fallen, wenn Rohstoffe billiger werden, lässt sich aus dem Bericht nicht ablesen. Freudenberg nennt Produktivitätsverbesserungen und höhere Verkaufspreise als Ausgleich, beziffert aber keines von beiden.

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Bonsai mit Gummiringen statt Blättern und Schild „Gummibaum“ in blauer Schale vor weiß
Mehr als 400 Nachkommen des Gründers besitzen den Konzern und lassen den größten Teil der Gewinne darin.

Am meisten profitiert die Familie, die 2025 eine Ausschüttung von 134,6 Millionen Euro erhielt und den größeren Teil der Gewinne im Unternehmen stehen lässt. Verloren haben die Beschäftigten der Batteriesparte in den USA und ein Teil der deutschen Belegschaft, die um 761 Köpfe schrumpfte.

Die Gewinner

Die Freudenberg SE zahlte 2025 an ihre einzige Aktionärin, die Familiengesellschaft Freudenberg & Co. KG, 134,6 Millionen Euro aus, 0,30 Euro je Aktie wie im Jahr zuvor. Gemessen am Gewinn des Rekordjahres 2024, der den Gesellschaftern zustand, sind das gut ein Fünftel. Der Konzern behält den Rest als Eigenkapital, das Ende 2025 bei 7,93 Milliarden Euro lag.

Diese Zurückhaltung ist der eigentliche Vorteil eines Familienkonzerns: Eine Eigenkapitalquote von 57,1 Prozent und ein A3-Rating von Moody’s erlauben Zukäufe wie Nilfisk aus eigener Kraft.

Die Familiengesellschaft verdient zudem an ihrem Darlehen von 759,0 Millionen Euro, das der Konzern zu Marktzinsen plus Aufschlag verzinst. Auch die Partner verdienen mit. Auf Minderheitsgesellschafter wie NOK und Eagle Industry entfielen 2025 Gewinne von 81,0 Millionen Euro. Der Vorstand erhielt laufende Bezüge von 6,1 Millionen Euro und 1,6 Millionen Euro für langfristige Boni, deutlich weniger als die 9,9 Millionen Euro des Vorjahres.

Weinheim gewinnt Investitionen. In Deutschland flossen 2025 rund 142,9 Millionen Euro in Anlagen, fast ein Drittel aller Investitionen. Ein Teil ging in das neue automatisierte Zentrallager für Corteco und ein neues Mischwerk für Elastomere am Stammsitz. Im Industriepark Weinheim sind rund 38 Unternehmen ansässig, darunter zahlreiche Freudenberg-Gesellschaften.

Die Verlierer

Die Belegschaft in Deutschland schrumpfte 2025 von 13.064 auf 12.303 Beschäftigte. Knapp ein Viertel der Beschäftigten arbeitet also in Deutschland, obwohl dort nur 14,6 Prozent des Umsatzes entstehen. Das Verhältnis erklärt, warum der Druck auf deutsche Standorte nicht nachlassen wird.

Freudenberg Performance Materials schloss nach dem Kauf der Heytex-Gruppe den Standort in Fulda.

Am härtesten traf es die Batteriesparte. Rund 600 Beschäftigte waren von ihrer Auflösung betroffen, die meisten in den USA, wo Freudenberg Batteriesysteme gebaut hatte. Für sie endete eine Wette, die der Konzern acht Jahre lang finanziert hatte, mit dem Aus.

GruppeWas sie bekommtWas sie riskiert
Familie über die Freudenberg & Co. KG134,6 Mio. € Ausschüttung 2025, Zinsen auf ein Darlehen von 759 Mio. €halbierter Gewinn, Abhängigkeit vom Autogeschäft
NOK und Eagle Industry81,0 Mio. € Gewinnanteile an gemeinsamen GesellschaftenFreudenberg hat die Kontrolle
Vorstand6,1 Mio. € laufende Bezüge, 1,6 Mio. € langfristige BoniBonus hängt an Umsatz und Betriebsergebnis
Standort WeinheimZentrallager, neues Mischwerk, KonzernzentraleRestrukturierung in allen Geschäftsgruppen
Belegschaft in Deutschland12.303 Arbeitsplätze, 429 Auszubildende761 Beschäftigte weniger als 2024
Beschäftigte der Batteriesparte70 Arbeitsplätze in München bleiben erhaltenrund 600 Betroffene, vor allem in den USA
Autohersteller als Kundenfreigegebene Teile aus einer Handhöhere Preise, aufwendiger Wechsel des Lieferanten

Unser Urteil: Freudenberg verteilt die Lasten ungleich, aber nicht rücksichtslos. Die Familie verzichtet auf hohe Ausschüttungen und finanziert den Umbau mit eigenem Geld, die Beschäftigten tragen das Risiko an den teuren Standorten.

Bei Freudenberg verdienen mehr als 400 Erben an Dichtungen, die niemand sieht, und an Mopps, die jeder kennt.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Wie politisch ist Freudenberg?

Modellschranke mit blauem Schild und Aufschrift ZOLL auf grauem Sockel
Zölle in Nordamerika, Geschäft in China, Kredit der EIB: Politik trifft Freudenberg vor allem über den Handel.

Freudenberg tritt politisch leise auf: Einen eigenen Eintrag im Lobbyregister des Bundestags haben wir nicht gefunden. Politisch wird der Konzern über Zölle, China und Fördergeld: Knapp 30 Prozent des Umsatzes entstehen in Nordamerika, ein Fünftel in Asien, und die Europäische Investitionsbank leiht Geld für Forschung.

Kein Lobbyist mit eigenem Eintrag

Bei unserer Suche am 5. November 2026 haben wir im Lobbyregister des Bundestags keinen Eintrag für die Freudenberg SE, die Freudenberg & Co. KG, Vibracoustic oder EagleBurgmann gefunden.

Das schließt nicht aus, dass Verbände, in denen Freudenberg-Gesellschaften Mitglied sind, für sie sprechen.

Im Aufsichtsrat sitzen neben Familienmitgliedern Anna Maria Braun, Vorstandschefin des Medizintechnikherstellers B. Braun, und seit 2025 Zhiqiang Zhang aus Peking, Präsident der Schweizer Handelskammer in Peking und Partner beim Finanzinvestor CITIC Capital. Eine der acht Sitzungen des Jahres 2025 fand im Regionalzentrum in Schanghai statt.

Zölle und zwei Kontinente

Nordamerika ist für Freudenberg die größte Einzelregion. 2025 setzte der Konzern dort 3.467 Millionen Euro um, 29,6 Prozent des Umsatzes und mehr als doppelt so viel wie in Deutschland.

Die US-Zölle trafen damit einen Kernmarkt. Freudenberg Home and Cleaning Solutions nennt die Zollpolitik ausdrücklich als einen Grund für sinkende Umsätze in Amerika.

Die Antwort des Konzerns sind Werke nahe am Kunden. Die Dichtungssparte und Vibracoustic investierten 2025 jeweils in einen neuen Standort im mexikanischen Querétaro, Freudenberg Medical baute in Costa Rica eine zweite Fertigung. Das Urteil des US Supreme Court vom Februar 2026 zur Rechtmäßigkeit der Zölle ändert nach Einschätzung des Vorstands nichts Grundlegendes an der Risikolage.

Asien brachte 2025 genau 2.325 Millionen Euro, 19,8 Prozent des Umsatzes. In China arbeitet Freudenberg über eigene Gesellschaften und über das Gemeinschaftsunternehmen mit NOK in Singapur, das ausdrücklich für den chinesischen und den indischen Markt gegründet wurde. Der Lagebericht nennt die Exportkontrolle unter den rechtlichen Risiken, ohne einen konkreten Fall zu beschreiben.

Eigentum und Politik
Wem Freudenberg gehört und wer mitredet
Eigentümer, Partner und politische Bezüge, Stand Herbst 2026.
Eigentümer
Familie Freudenberg
Mehr als 400 Nachkommen des Gründers, gebündelt in der Freudenberg & Co. KG in Weinheim.
Holding
Freudenberg SE
100 % Tochter der KG, operative Führung, Moody’s-Rating A3.
Partner
NOK und Eagle Industry
26,2 % an NOK, je 25 % Minderheit bei Freudenberg-NOK und EagleBurgmann Germany.
Finanzierung
Familie als Geldgeberin
759 Mio. € Darlehen der KG, 631 Mio. € Guthaben der Gesellschafter.
Förderung
Europäische Investitionsbank
100 Mio. € Kredit für ein Forschungsprogramm von rund 214 Mio. €.
Steuern
Steuerquote 23,1 %
Erwartet waren 30 %, niedrigere Sätze im Ausland sparten 43,6 Mio. €.

Fördergeld und Steuern

Im Oktober 2025 sagte die Europäische Investitionsbank Freudenberg einen Kredit über 100 Millionen Euro zu. Er soll ein Programm von rund 214 Millionen Euro für Forschung, Automatisierung und künstliche Intelligenz bis 2028 mitfinanzieren, vor allem an europäischen Standorten.

Direkte Zuschüsse für Forschung waren 2025 klein: 2,9 Millionen Euro nach 11,7 Millionen Euro. Hinzu kommen Steuergutschriften aus Zuschüssen und Subventionen von 19,9 Millionen Euro.

Die Steuerquote lag 2025 bei 23,1 Prozent, nach 28,8 Prozent im Jahr davor. Freudenberg rechnet intern mit einem gewichteten Satz von 30 Prozent, niedrigere Sätze im Ausland drückten die Belastung um 43,6 Millionen Euro. Die globale Mindeststeuer von 15 Prozent fällt kaum ins Gewicht, weil die Gruppe fast überall die Übergangsregeln erfüllt.

Nachfolge ohne Börse

Die heikelste politische Frage eines Familienkonzerns stellt sich nach innen, nämlich die nach Führung und Mitsprache der Familie. Freudenberg hat dafür zwei Ebenen geschaffen. Die Kommanditgesellschaft der Familie gibt die Strategie vor, die Freudenberg SE führt das Geschäft. Gesellschafterausschuss und Aufsichtsrat sind personengleich besetzt, ebenso Unternehmensleitung und Vorstand.

Laut dem Nachruf des Unternehmens begleitete Wolfram Freudenberg den Umbau zur SE. Familienfremde Manager führen den Vorstand, seit Juli 2025 Claus Möhlenkamp.

Was könnte Freudenberg zu Fall bringen?

Metallischer Zylinder auf Podest neben schwarzem Ring mit blauem Heftpflaster
Autoflaute, Zölle und hohe Firmenwerte: die größten Risiken für Freudenberg.

Die größte Gefahr für Freudenberg ist ein dauerhaft schrumpfendes Autogeschäft in Europa und Nordamerika, zusammen mit teuren Zukäufen, die sich nicht auszahlen. Ein Absturz ist unwahrscheinlich, dafür ist die Bilanz zu stark. Wahrscheinlicher ist ein langsames Abschmelzen der alten Kernsparten.

Das Auto als Klumpenrisiko

Knapp 40 Prozent des Umsatzes hängen an der Erstausrüstung von Autos. Für 2026 rechnet Freudenberg mit einer weltweiten Produktion von 92,6 Millionen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen, 0,4 Prozent weniger als 2025 und weiter unter dem Stand von 2017. In Nordamerika, der umsatzstärksten Region in der Konzernstatistik, erwartet der Vorstand ein Minus von 2,2 Prozent.

Vollelektrische Fahrzeuge machten 2025 laut GlobalData 15,8 Prozent der Weltproduktion aus. Ein Elektroauto hat keine Kurbelwelle und keinen Verbrennungsmotor, der Dichtungen und Lager braucht, dafür ein Batteriegehäuse, das dicht sein muss.

Die Dichtungssparte meldet erste Aufträge für Zellkappen, Stromschienen und Hitzeschilde in Batterien. Ob diese Teile so viel abwerfen wie das alte Geschäft, ist offen.

Unsere Analyse zu den Bruchstellen der deutschen Autoindustrie zeigt, wie Hersteller und Zulieferer an mehreren Stellen zugleich unter Druck stehen, vom Stellenabbau bei ZF bis zum Wandel im Ersatzteilmarkt. Freudenberg ist breiter aufgestellt als ein reiner Zulieferer, kann sich dem Trend aber nicht entziehen.

Abschreibungen und Zukäufe

Für Vibracoustic stehen 835,9 Millionen Euro Firmenwert in der Bilanz, und für 2026 rechnet der Konzern dort mit weniger Umsatz. Bleiben die Stückzahlen niedrig, droht eine Wertminderung.

Der Firmenwert der Chemiesparte stieg durch die Zukäufe 2025 von 207,3 auf 736,5 Millionen Euro. Nilfisk kommt 2026 hinzu. Jeder dieser Käufe muss erst beweisen, dass er die gezahlten Preise wert ist, und die Integration bindet Management, während das Autogeschäft Aufmerksamkeit verlangt.

Wechselkurse und Handelskonflikte

Freudenberg erzielt gut drei Fünftel seines Umsatzes außerhalb der EU. 2025 kosteten Wechselkurse den Konzern 281,6 Millionen Euro Umsatz. Ein dauerhaft schwacher Dollar oder neue Zölle zwischen den USA, China und Europa würden das Ergebnis erneut belasten, der Vorstand nennt Handelskonflikte im Lagebericht ausdrücklich als erhebliches Risiko.

Risiken
Was Freudenberg gefährlich werden könnte
Die wichtigsten Risiken nach Einschätzung der Redaktion, Stand 05.11.2026.
hoch
Autogeschäft
39,7 % des Umsatzes, Prognose für 2026: Weltproduktion minus 0,4 %, Nordamerika minus 2,2 %.
hoch
Handel und Zölle
Gut drei Fünftel des Umsatzes außerhalb der EU, Wechselkurse kosteten 2025 281,6 Mio. €.
mittel
Firmenwerte
835,9 Mio. € für Vibracoustic, 736,5 Mio. € für die Chemie nach den Zukäufen.
mittel
Integration
Nilfisk mit knapp 1 Mrd. € Umsatz und weitere Zukäufe für rund 800 Mio. € im Jahr 2025.
gering
Bilanz
Eigenkapitalquote 57,1 %, ungenutzte Kreditlinien von rund 950 Mio. €.
offen
Neue Autoteile
Erste Aufträge für Batterieteile, ob sie das Verbrennergeschäft ersetzen, ist unklar.

Drei Szenarien bis 2031

Im günstigen Fall stabilisiert sich die Autoproduktion, die neuen Teile für Elektroautos und Hybride gleichen den Verlust bei Verbrennern aus, und Nilfisk macht die Reinigungssparte zum zweiten großen Standbein. Freudenberg wüchse dann wieder über 12 Milliarden Euro Umsatz, mit einem Autoanteil spürbar unter 40 Prozent.

Wir halten einen Mittelweg für realistisch: Das Autogeschäft schrumpft langsam, Medizin, Lebensmittelchemie und Reinigung wachsen, der Umsatz bleibt um 12 Milliarden Euro. Restrukturierungen kosten weiter Stellen in Deutschland.

Im ungünstigen Fall fallen ein Einbruch in Nordamerika, ein Handelskonflikt und eine Abschreibung auf Vibracoustic zusammen. Selbst dann bliebe Freudenberg mit einer Eigenkapitalquote von 57 Prozent zahlungsfähig, könnte aber gezwungen sein, Sparten zu verkaufen.

Was bedeutet Freudenberg für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Karton mit O-Ring, Tuch und Notiz: „Bloß nicht wegwerfen! (Keine Ahnung wofür)“
Für Verbraucher, Werkstätten und Mittelständler ist Freudenberg Hersteller, Lieferant und Käufer zugleich.

Für Verbraucher ist Freudenberg der unsichtbare Hersteller hinter Vileda, Wettex und vielen Autoteilen. Für Unternehmer ist der Konzern Kunde, Lieferant und Käufer zugleich: 2025 übernahm er unter anderem zwei Spezialisten aus Deutschland. Für 12.303 Beschäftigte in Deutschland bleibt der Umbau das wichtigste Thema.

Für Verbraucher

Ein Vileda-Mopp, ein Wettex-Tuch oder ein Gimi-Wäscheständer kommt von Freudenberg. Preise für einzelne Produkte veröffentlicht der Konzern nicht, und die Geschäftsgruppe begründet ihr Wachstum 2025 unter anderem mit neuen Produkten für die Bodenreinigung. Mit Nilfisk gehört seit 2026 auch ein großer Hersteller von Reinigungsmaschinen für Gewerbe und Kommunen zum Konzern.

Autofahrer begegnen Freudenberg in der Werkstatt, wo Corteco Dichtungen und Schwingungsteile für den freien Ersatzteilmarkt liefert. Unser Rat: Lassen Sie sich bei Reparaturen Hersteller und Teilenummer auf die Rechnung schreiben.

Für Werkstätten und Teilehändler

Freudenberg will Werkstätten mit der neuen Geschäftsgruppe den Zugang zu einem breiteren Sortiment erleichtern. Für freie Werkstätten und Teilehändler heißt das: ein Ansprechpartner für mehr Produkte, aber auch ein größerer Lieferant mit mehr Verhandlungsmacht. Betriebe, die heute über Corteco beziehen, sollten Konditionen und Lieferzeiten schriftlich festhalten, bevor die neue Gruppe im Januar 2027 startet.

Für Mittelständler

Freudenberg kauft Spezialisten. 2025 übernahm Klüber Lubrication den Hersteller automatischer Schmiersysteme TriboServ aus Geldersheim, Capol den Aromenhersteller Curt Georgi aus Böblingen. Für Eigentümer kleiner Technologiefirmen ohne Nachfolger ist der Konzern damit ein naheliegender Käufer, der langfristig denkt und nicht an die Börse muss.

Zukauf 2025SitzGeschäftKäufer bei Freudenberg
TriboServGeldersheimautomatische SchmiersystemeKlüber Lubrication
Curt GeorgiBöblingenAromen für Süß- und BackwarenCapol
DMH-GruppeTraboch (Österreich)Dichtungen aus Thermoplasten und ElastomerenFreudenberg Sealing Technologies
EulipParma (Italien)pflanzliche Öle und FetteFreudenberg Chemical Specialities
Fuji SeikoYaita (Japan)Mikroröhrchen für MedizingeräteFreudenberg Medical
Alto ProductsAtmore (USA)Kupplungsscheiben für AutomatikgetriebeFreudenberg-NOK

Für Zulieferer ist die Lage gemischter: Alle Geschäftsgruppen restrukturieren, und Lieferanten deutscher Werke sollten damit rechnen, dass Mengen an Standorte wie Querétaro in Mexiko gehen.

Als Kunde ist Freudenberg verlässlich. Moody’s bewertet den Konzern mit A3, die Eigenkapitalquote liegt bei 57,1 Prozent, und die Gruppe verfügt über ungenutzte Kreditlinien von rund 950 Millionen Euro. Das Risiko eines Zahlungsausfalls ist gering, das Risiko eines Preisdrucks nicht.

Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate

Optimistisch: Die Sparprogramme wirken, das Betriebsergebnis steigt so stark wie angekündigt, und Nilfisk liefert seinen ersten großen Umsatzbeitrag. Freudenberg meldet im Frühjahr 2027 deutlich mehr Gewinn.

Realistisch: Der Umsatz liegt leicht über dem Vorjahr, wie der Konzern selbst plant, vor allem durch Zukäufe. Das Autogeschäft bleibt schwach, die Restrukturierung kostet weitere Stellen, und die neue Geschäftsgruppe für Ersatzteile startet planmäßig.

Pessimistisch: Die Autoproduktion in Nordamerika fällt stärker als die erwarteten 2,2 Prozent, neue Zölle kommen hinzu, und der Dollar bleibt schwach. Dann verfehlt Freudenberg wie 2025 seine eigene Prognose.

Unser Fazit: Freudenberg verdient sein Geld weiterhin vor allem mit Gummi für Autos und Maschinen, auch wenn Mopps und Katheter sichtbarer werden. Der Ausstieg aus der Batterie war teuer und richtig. Ob der Umbau gelingt, entscheidet sich an der Frage, wie schnell Reinigung, Medizin und Chemie das Autogeschäft ersetzen können.

Auf den PunktKurz gesagt
  • Verbraucher: Hinter Vileda, Wettex und Gimi steht derselbe Konzern wie hinter vielen Autodichtungen.
  • Werkstätten: Konditionen mit Corteco sichern, bevor die neue Geschäftsgruppe für Ersatzteile übernimmt.
  • Mittelständler: Freudenberg kauft Spezialisten und verlagert Mengen, beides kann Ihr Geschäft verändern.

Glossar: 16 wichtige Fachbegriffe zu Freudenberg

Geöffnetes Buch mit Leseband und Gummiband auf Sockel
Von Abhängigkeitsbericht bis Wertminderung: die wichtigsten Fachbegriffe zu Freudenberg.

Abhängigkeitsbericht

Der Abhängigkeitsbericht ist ein Pflichtbericht des Vorstands einer Aktiengesellschaft, die von einem anderen Unternehmen beherrscht wird. Er listet die Geschäfte mit dem herrschenden Unternehmen auf und erklärt, ob die Gesellschaft angemessene Gegenleistungen erhalten hat. Die Freudenberg SE erstellt ihn, weil sie vollständig der Freudenberg & Co. KG gehört.

At-Equity-Methode

Die At-Equity-Methode ist ein Verfahren, mit dem ein Konzern Beteiligungen bilanziert, die er nicht beherrscht. Statt Umsatz und Kosten zu übernehmen, bucht er nur seinen Anteil am Eigenkapital und am Gewinn. Freudenberg führt so seine 26,2 Prozent an NOK und das Gemeinschaftsunternehmen mit NOK in Singapur.

Betriebsergebnis

Das Betriebsergebnis ist bei Freudenberg die zentrale Steuerungsgröße. Es zeigt das Ergebnis vor Ertragsteuern ohne Sondereffekte wie große Restrukturierungen, Abschreibungen auf Firmenwerte oder Ergebnisse wichtiger Beteiligungen. 2025 lag es bei 1.092,7 Millionen Euro, deutlich über dem Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit von 478,1 Millionen Euro.

Eigenkapitalquote

Die Eigenkapitalquote setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Die Kennzahl zeigt, wie viel des Vermögens die Eigentümer selbst finanzieren und wie unabhängig ein Unternehmen von Banken und Anleihegläubigern ist. Freudenberg kam Ende 2025 auf 57,1 Prozent, nach 56,8 Prozent ein Jahr zuvor.

Erstausrüstung

Die Erstausrüstung ist das Geschäft mit Teilen, die ein Zulieferer direkt an einen Fahrzeug- oder Maschinenhersteller für die Serienfertigung liefert. Im Gegensatz zum Ersatzteilgeschäft hängt die Menge an den Produktionszahlen des Kunden. Bei Freudenberg stammten 2025 knapp 40 Prozent des Umsatzes von Automobil-Erstausrüstern.

Geschäfts- oder Firmenwert

Der Geschäfts- oder Firmenwert entsteht, wenn ein Unternehmen ein anderes über dessen Buchwert hinaus kauft, etwa für Kundenbeziehungen oder Know-how. Er wird jährlich auf Werthaltigkeit geprüft und bei schlechteren Aussichten abgeschrieben. Bei Freudenberg entfallen 835,9 Millionen Euro davon auf Vibracoustic.

Gesellschafterausschuss

Der Gesellschafterausschuss ist das Kontrollgremium der Freudenberg & Co. KG, in dem die Interessen der Familieneigentümer gebündelt werden. Bei Freudenberg ist er personengleich mit dem Aufsichtsrat der Freudenberg SE besetzt. Vorsitzender ist derzeit Mathias Thielen, von 2005 bis 2014 führte ihn Wolfram Freudenberg.

Gleitringdichtung

Eine Gleitringdichtung dichtet rotierende Wellen in Pumpen, Rührwerken und Kompressoren ab, indem zwei sehr ebene Ringe aufeinander gleiten. Die Dichtung kommt dort zum Einsatz, wo Flüssigkeiten oder Gase unter Druck nicht austreten dürfen, etwa in Raffinerien. Bei Freudenberg stellt die Geschäftsgruppe Flow Technologies sie unter der Marke EagleBurgmann her.

Kommanditgesellschaft

Die Kommanditgesellschaft, kurz KG, ist eine Personengesellschaft mit mindestens einem unbeschränkt haftenden Gesellschafter und Kommanditisten, die nur mit ihrer Einlage haften. Familien nutzen die Rechtsform, um viele Eigentümer unter einem Dach zu bündeln. Die Freudenberg & Co. KG hält alle Aktien der Freudenberg SE.

Nicht beherrschende Anteile

Nicht beherrschende Anteile, auch Minderheitsanteile genannt, sind die Teile einer Tochtergesellschaft, die nicht dem Mutterkonzern gehören. Im Konzernabschluss stehen sie gesondert im Eigenkapital, der auf sie entfallende Gewinn wird abgezogen. Bei Freudenberg gehören dazu die Anteile von NOK an Freudenberg-NOK.

Radialwellendichtring

Ein Radialwellendichtring dichtet die Stelle ab, an der eine drehende Welle aus einem Gehäuse austritt, etwa am Getriebe. Eine elastische Dichtlippe liegt dabei ringförmig auf der Welle und hält Öl im Gehäuse und Schmutz draußen. Der Simmerring von Freudenberg ist die bekannteste Ausführung.

Squeeze-out

Der Squeeze-out ist der Zwangsausschluss von Minderheitsaktionären gegen eine Barabfindung. Er ist möglich, sobald ein Großaktionär einen gesetzlich festgelegten Anteil hält, in Dänemark mehr als 90 Prozent. Freudenberg nutzte das Verfahren 2026 nach dem Übernahmeangebot, um die restlichen Nilfisk-Aktien zu übernehmen.

Steuerquote

Die Steuerquote, genauer die effektive Steuerquote, setzt den Steueraufwand ins Verhältnis zum Ergebnis vor Steuern. Die Quote zeigt, wie viel vom Gewinn tatsächlich an den Fiskus geht. Freudenberg kam 2025 auf 23,1 Prozent, unter anderem, weil Gesellschaften in Ländern mit niedrigeren Steuersätzen einen Teil des Ergebnisses erzielten.

Umsatzrendite

Die Umsatzrendite setzt ein Ergebnis ins Verhältnis zum Umsatz und zeigt, wie viel von jedem Euro Umsatz als Gewinn übrig bleibt. Freudenberg berechnet sie mit dem Betriebsergebnis vor Sondereffekten. 2025 lag der Wert bei 9,3 Prozent, nach 9,5 Prozent im Jahr davor.

Vliesstoff

Ein Vliesstoff ist ein textiles Flächengebilde aus Fasern, die nicht gewebt oder gestrickt, sondern mechanisch, thermisch oder chemisch verfestigt werden. Vliesstoffe stecken in Putztüchern, Filtern, Einlagen für Kleidung und Wundauflagen. Freudenberg stellt sie seit 1938 her, die ersten Vileda-Tücher folgten zehn Jahre später.

Wertminderung

Eine Wertminderung ist eine außerplanmäßige Abschreibung, wenn ein Vermögenswert weniger erwirtschaften wird als sein Buchwert. Nach den Regeln der IFRS prüfen Unternehmen das regelmäßig. Freudenberg schrieb 2025 große Teile des Vermögens der aufgelösten Batteriesparte ab, die Abschreibungen stiegen auf 750,4 Millionen Euro.

FAQ: Womit verdient Freudenberg seine 11,7 Milliarden Euro?

Ein Mop steht in einem Ring auf einem Sockel, mit einem „FAQ“-Anhänger am Stiel
Häufige Fragen zu Freudenberg: Eigentümer, Börse, Marken, Umsatz, Beschäftigte und das Batteriegeschäft.

Wem gehört Freudenberg?

Freudenberg gehört mehr als 400 Nachkommen des Gründers Carl Johann Freudenberg. Die Nachkommen halten ihre Anteile über die Freudenberg und Co. KG in Weinheim, der alle Aktien der operativ führenden Freudenberg SE gehören. Ein Finanzinvestor oder Großaktionär von außen ist nicht beteiligt.

Ist Freudenberg an der Börse notiert?

Nein. Die Freudenberg-Gruppe ist ein Familienunternehmen ohne Börsennotierung. Die Gruppe veröffentlicht trotzdem jedes Jahr einen ausführlichen Geschäftsbericht mit geprüftem Konzernabschluss, und die Ratingagentur Moody’s bewertet sie mit A3.

Welche Marken gehören zu Freudenberg?

Zu Freudenberg gehören unter anderem Vileda, O-Cedar, Wettex, Gimi und Vermop für den Haushalt, seit 2026 auch Nilfisk für Reinigungsmaschinen. In der Industrie treten EagleBurgmann, Vibracoustic, Corteco, Klüber Lubrication, Chem-Trend und SurTec unter eigenem Namen auf, dazu der Simmerring als bekanntestes Produkt.

Wie viel Umsatz macht Freudenberg?

Die Freudenberg-Gruppe setzte 2025 rund 11,73 Milliarden Euro um, nach 11,95 Milliarden Euro im Rekordjahr 2024. Das Betriebsergebnis lag 2025 bei 1,09 Milliarden Euro, der Konzerngewinn nach Steuern bei 361,9 Millionen Euro.

Wie viele Mitarbeiter hat Freudenberg?

Ende 2025 arbeiteten 50.968 Menschen aus 147 Nationen in rund 60 Ländern für die Freudenberg-Gruppe, rund 1.100 weniger als ein Jahr zuvor. In Deutschland waren es 12.303 Beschäftigte, dazu 429 Auszubildende.

Warum hat Freudenberg das Batteriegeschäft aufgegeben?

Der Markt für Batterie- und Brennstoffzellensysteme für Lastwagen, Busse und Schiffe entwickelte sich vor allem in den USA viel langsamer als erwartet. Freudenberg löste die Geschäftsgruppe e-Power Systems zum 1. Januar 2026 auf und behält nur das Geschäft mit Wasserstoffkomponenten.

Quellen

21 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 05.11.2026
  1. Freudenberg-GruppeGeschäftsbericht 2025 mit zusammengefasstem Lagebericht und Konzernabschluss
  2. Freudenberg & Co. KGPresseinformation: Freudenberg legt Geschäftszahlen für 2025 vor30.03.2026
  3. Freudenberg & Co. KGFreudenberg mourns the passing of Dr. Wolfram Freudenberg02.10.2026
  4. Parts & Service NewsFreudenberg bündelt Aftermarket-Geschäft in neuer Geschäftsgruppe11.09.2026
  5. Freudenberg-GruppeOur Company History in Fast Motion
  6. Freudenberg-GruppeFirmengeschichte und Bücher zur Unternehmensgeschichte
  7. Deutsches Historisches MuseumSibylla Schuster: Feines Leder. Die Firma Carl Freudenberg zwischen Handwerk und Welthandel
  8. electrive.netFreudenberg begräbt Geschäft mit Batterie- und Brennstoffzellensystemen02.04.2026
  9. Freudenberg Home and Cleaning SolutionsFreudenberg Home and Cleaning Solutions schließt Übernahmeangebot für Nilfisk erfolgreich ab15.04.2026
  10. Freudenberg Home and Cleaning SolutionsFreudenberg to acquire Nilfisk through an all-cash, Board-recommended offer
  11. NilfiskNilfisk delisted following acquisition by Freudenberg12.05.2026
  12. Nilfisk HoldingNilfisk today reports its financial results for 2025
  13. Europäische InvestitionsbankEuropean Investment Bank supports Freudenberg’s investment in innovation and technology23.10.2025
  14. TrelleborgTrelleborg’s divestment of shares in Vibracoustic finalized05.07.2016
  15. TrelleborgInterim report and year-end report 2025
  16. ElringKlingerFinancial year 2025: ElringKlinger enhances profitability while advancing its transformation
  17. IndustrieanzeigerKärcher erreicht Umsatzhöchstmarke von 3,483 Mrd. Euro
  18. Freudenberg Sealing TechnologiesInterview mit Claus Möhlenkamp zur ElektromobilitätApril 2017
  19. Deutscher BundestagLobbyregister, Suche nach Freudenberg
  20. Industriepark WeinheimDer Industriepark Weinheim
  21. Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse vom 04.11.2026
4,2 21 Bewertungen

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