Der französische Blutspendedienst EFS lagert Plasma bei minus 25 Grad, in der Nacht zum Montag stellten Angreifer seine Kühlräume an drei Standorten auf extreme Hitze. Angegriffen war laut Le Canard enchaîné der Kältedienstleister Coolworld. Kein Blutprodukt ging verloren, weil die eigene Temperaturüberwachung des EFS Alarm schlug.
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Das Établissement français du sang (EFS) hat am Dienstag den Angriff auf die Steuerung von Kühlräumen an drei seiner Standorte bestätigt, in der Region Bourgogne-Franche-Comté betrifft er Besançon.[2] In den Kammern lagerten Proben von Spendern und Plasmabeutel für Transfusionen und für die Herstellung von Medikamenten. Drei Wochen nach dem Angriff auf die Kühlung französischer Supermärkte trifft die Manipulation von Kälteanlagen damit die Blutversorgung.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Le Canard enchaîné waren die Kühlräume auf 110 Grad programmiert.
- Das EFS meldet weder Folgen für Patienten noch verlorene Blutprodukte.
- Coolworld führt die Schwachstelle auf eine Komponente eines Drittanbieters in seiner Software zur Fernüberwachung zurück.
- Einfallstor, Täter und die Zahl betroffener Geräte sind laut Gesundheitsministerium noch offen.
Was ist in den Kühlräumen passiert?

Ein Techniker im Bereitschaftsdienst bemerkte in der Nacht von Sonntag auf Montag steigende Temperaturen, so zitiert Le Canard enchaîné das EFS. Die Kammern waren laut der Zeitung auf 110 Grad programmiert.[1] Das EFS spricht in seiner Mitteilung von Schwellenwerten für Temperatur und Abtauen, die auf sehr hohe Werte gestellt worden seien.
Christophe Barisien, beim EFS für Blutspende und Herstellung zuständig, sagte dem Sender ICI, die Temperaturen seien auf 110, sogar auf 150 Grad gestiegen, die Proben seien aber unversehrt geblieben.[2] Ob er die Werte der Steuerung meint oder die Luft in den Kammern, sagte er nicht.
Warum fiel der Angriff hier rechtzeitig auf?
In deutschen Supermärkten fiel der Angriff erst am Morgen auf. Im Rewe-Markt in Raesfeld lösten die geänderten Einstellungen nach Angaben des Betreibers keinen Alarm aus, die Ware verdarb über Nacht. Beim EFS meldeten dagegen eigene Messgeräte die Hitze, getrennt von der angegriffenen Steuerung. „Diese Geräte haben funktioniert“, sagte Barisien. Die Beschäftigten brachten die Produkte in andere Kühlräume oder übernahmen die Steuerung wieder.[2]
Das Einfallstor lag nach Angaben des EFS beim Dienstleister. Coolworld bestätigte am Mittwoch einen Vorfall mit einer Software zur Fernüberwachung von Kälteanlagen. Die Schwachstelle stecke in einer Komponente eines Drittanbieters, die Coolworld nicht selbst kontrolliere, betroffen sei nur eine begrenzte Zahl eigener Geräte.[3] Das EFS nennt den Dienstleister nicht beim Namen, Coolworld nennt seinen Kunden nicht. Die französische Cyberabwehr CERT-FR hatte im Oktober vor fernwartbaren Reglern von Danfoss, Copeland und Dixell gewarnt, die offen im Internet hängen.[4] Der Angriff auf die Kühlräume des EFS fiel in dieselbe Nacht wie die Angriffe auf Supermärkte in Belgien und Schweden. Ob Coolworld solche Regler einsetzt und ob dieselben Täter dahinterstecken, ist offen.
Ein Temperaturalarm, der an derselben Steuerung hängt, die der Angreifer verstellt, bleibt im entscheidenden Moment stumm.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Angriffe auf Kälteanlagen seit Oktober
Was sollten Kliniken und Labore in Deutschland prüfen?
Das BSI-Gesetz verlangt von wichtigen und besonders wichtigen Einrichtungen, ihre Lieferkette abzusichern, auch die Beziehungen zu unmittelbaren Anbietern und Dienstleistern.[5] Lagerräume für Blutspenden und Plasmaderivate zählen nach der BSI-Kritisverordnung zu den kritischen Anlagen, sobald sie 4,65 Millionen Packungen im Jahr umschlagen.[6] Beim EFS steckte die Schwachstelle sogar beim Zulieferer des Kältedienstleisters. Fragen Sie Ihren Dienstleister deshalb jetzt:
- Erreicht er die Regler über das Internet? CERT-FR rät, nur noch über ein VPN oder ein geschütztes Netz zu warten,[4] etwa hinter einer eigenen Hardware-Firewall.
- Meldet ein eigenes Messsystem die Temperatur, auch wenn jemand die Steuerung verstellt?
- Regelt der Vertrag, wer die Software samt Komponenten von Drittanbietern aktualisiert und binnen welcher Frist ein Vorfall gemeldet wird?
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Le Canard enchaînéCyberattaque d’un prestataire de l’EFS: Les hackers ont du sang sur les mains (3. November 2026, hinter Bezahlschranke)
- ICI (Radio France)Cyberattaque: des chambres froides de l’Établissement français du sang victimes d’un piratage informatique
- CoolworldMise à jour sur la cybersécurité
- CERT-FRIncident de sécurité ciblant les contrôleurs à distance des installations de réfrigération, CERTFR-2026-ALE-012 (12. Oktober 2026, zuletzt aktualisiert am 16. Oktober 2026)
- BSI-Gesetz§ 30 Risikomanagementmaßnahmen besonders wichtiger Einrichtungen und wichtiger Einrichtungen, Absatz 2 Nummer 4
- BSI-KritisverordnungAnhang 5, Anlagenkategorien und Schwellenwerte im Sektor Gesundheit, Teil 3, Nummer 3.2.1
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