Die Herkunft des Namens „Zork“ galt jahrelang als geklärt, beruhte aber auf einer unbelegten Wikipedia-Behauptung. Ein Hobby-Forscher hat die Quellenlage des legendären Textadventures aufgearbeitet und am 18. Juni 2026 eine Korrektur im Wikipedia-Artikel durchgesetzt. Für alle, die Software-Geschichte ernst nehmen, zeigt der Fall, wie schnell eine ungeprüfte Fußnote zur vermeintlichen Tatsache wird.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDie Namensherkunft von Zork wurde lange so erzählt: „zork“ sei in der Dynamic Modeling Group am MIT der 1970er ein Jargonwort für ein noch unfertiges Programm gewesen. Diese Erklärung stand seit 2001 in der Wikipedia, ganze 13 Jahre ohne jeden Beleg.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Wikipedia behauptete jahrelang, „Zork“ sei MIT-Jargon für unfertige Programme gewesen.
- Ein Hobby-Forscher arbeitete die widersprüchliche Quellenlage auf und fand keinen sauberen Beleg.
- Mehrere Originalquellen bezeichnen „Zork“ schlicht als Nonsens-Wort wie „foobar“.
- Am 18. Juni 2026 übernahm die Wikipedia die Korrektur, die Jargon-These gilt nun als unbelegt.
Woher kam die Jargon-These überhaupt?

Die Behauptung tauchte 2001 ohne Quelle im Wikipedia-Artikel auf und blieb dort unangefochten stehen. Erst 2014 erhielt sie einen Beleg, einen Artikel aus der „New Zork Times“ von 1985, in dem Mitentwickler Tim Anderson schreibt, das Team habe seine Programme bis zur Installation „zork“ genannt. Spätere Bearbeitungen ergänzten weitere Quellen, von denen die meisten den Jargon-Gebrauch jedoch nicht stützen.
Genau hier liegt das Problem. Andere Originaltexte beschreiben „zork“ nur als allgemeines Unsinnswort. Mitentwickler Marc Blank sagte schon 1984: „Eigentlich ist es nur ein Nonsens-Wort“, vergleichbar mit Hacker-Vokabeln wie „frob“.
Wie hat der Forscher den Widerspruch aufgelöst?

David Polakovic durchforstete die Wikipedia-Versionsgeschichte, verglich die zitierten Quellen und stieß auf einen klaren Widerspruch zwischen Andersons Version und mehreren früheren Texten. Ein IEEE-Computer-Artikel von 1979 etwa nennt „Zork“ ausdrücklich ein verbreitetes Nonsens-Wort, vergleichbar mit „foobar“.
Für eine Erstquelle schrieb der Forscher zwei Zeitzeugen vom MIT an, Richard Stallman und Richard P. Gabriel. Keiner der beiden kannte „zork“ als Jargon für unfertigen Code. Nach fast einem Monat ohne Gegenbeleg schlug Polakovic die Korrektur auf der Diskussionsseite vor, woraufhin die Wikipedia den Artikel anpasste.
Eine unbelegte Fußnote überlebt im Netz oft länger als manches Betriebssystem. Wer Technikgeschichte ernst nimmt, prüft die Quelle und glaubt nicht der hundertfach kopierten Behauptung.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum ist so eine Detailfrage relevant?

Zork prägte die Frühzeit des Heimcomputers, und gerade darum erstaunt, dass ein zugehöriger Jargon-Begriff bis heute nicht weiterlebt, anders als „hack“ oder „foobar“. Genau diese Lücke machte den Forscher misstrauisch gegenüber der gängigen Erzählung. Die Episode steht stellvertretend dafür, wie Software-Geschichte entsteht: aus Erinnerungen, Wiederholungen und selten geprüften Belegen.
Für die eigene Recherchepraxis lohnt der Blick auf die Quelle hinter der Behauptung, nicht nur auf die Behauptung selbst. Wie alte Technik bis heute nachwirkt, zeigt auch unser Beitrag dazu, dass Code öfter betrieben als gelesen wird. Die vollständige Spurensuche dokumentiert der Forscher in seinem eigenen Blog.
