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Desk Sharing heißt für viele Beschäftigte, morgens den Laptop an einem fremden Platz anzudocken und abends alles wieder wegzuräumen. Ein Drittel der knapp 2.000 Befragten einer DGUV-Studie empfindet dieses tägliche Umräumen als störend. Mehr als 70 Prozent arbeiten trotzdem in Büros mit Plätzen für höchstens drei Viertel der Belegschaft.

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Angenommen, Sie leiten ein wachsendes Start-up mit Teams in Berlin, Barcelona und Singapur. Jeden Monat kommen neue Leute dazu, und trotzdem bleibt im Büro jeder zweite Schreibtisch leer, weil ein Teil der Belegschaft im Homeoffice arbeitet, beim Kunden sitzt oder aus einer anderen Zeitzone zugeschaltet ist. Ob dann noch jede Person einen eigenen Platz braucht, entscheidet über Miete und Stimmung im Team.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Desk Sharing teilen sich mehrere Beschäftigte die vorhandenen Plätze und buchen ihren Tisch per App, weil nie alle gleichzeitig im Büro sind
  • In einer DGUV-Befragung mit 1.996 Teilnehmenden bevorzugt die Hälfte weiterhin einen festen Arbeitsplatz, ein Viertel das Desk Sharing
  • Die Bewertung dreht nach der Einführung: Laut Fraunhofer IBP sehen 44,4 % der Befragten in Unternehmen mit erfolgreich eingeführtem Desk Sharing das Modell positiv
  • Der Erfolg hängt an einer Buchungssoftware, verbindlichen Spielregeln und Führungskräften, die selbst keinen festen Platz beanspruchen

Was bedeutet Desk Sharing konkret für Ihr Unternehmen?

Drehstuhl mit Ticketautomat und Nummer 7, Text: Hier anstellen für Beförderung
Mehrere Mitarbeiter teilen sich Arbeitsplätze. Wer ins Büro kommt, reserviert vorab per App einen freien Schreibtisch, während andere im Homeoffice arbeiten

Desk Sharing bedeutet, dass sich mehrere Beschäftigte die vorhandenen Arbeitsplätze teilen, statt dass jede Person einen festen Schreibtisch zugewiesen bekommt. Beschäftigte, die ins Büro kommen, buchen vorab per App einen freien Platz; die anderen bleiben im Homeoffice und blockieren keinen Tisch.

Ein Rechenbeispiel macht die Idee greifbar. Angenommen, das erfundene Start-up NovaBridge hätte seinen Hauptsitz in Berlin-Kreuzberg, eine Entwicklungsabteilung in Barcelona und ein Vertriebsteam in Singapur, insgesamt 180 Mitarbeitende. Das Berliner Büro böte Platz für 120 Personen. An einem durchschnittlichen Dienstag wären aber nur 75 Schreibtische besetzt.

Leere Plätze sind kein Gedankenspiel. In einer Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV mit 1.996 Teilnehmenden gaben nur 17 % an, dass ihr Arbeitgeber genauso viele Arbeitsplätze wie Beschäftigte vorhält. Bei über 70 % reicht der Platz für höchstens drei Viertel der Belegschaft.

Ein ähnliches Prinzip kennt die Seefahrt seit Langem. Auf Schiffen mit Schichtbetrieb teilen sich Besatzungsmitglieder mitunter eine Koje, im Englischen heißt das Hot Bunking. Die Bürovariante kommt immerhin ohne geteilte Bettdecke aus.

Welche Vorteile bringt Desk Sharing gerade für multinationale Start-ups?

Sparschwein mit Bürostuhl darauf und Anhänger mit der Aufschrift „Miete“
Knapp 60 Prozent der befragten Unternehmen in Europa erwarten laut CBRE, ihre Büroflächen in den nächsten drei Jahren zu verkleinern.

Desk Sharing senkt die Kosten für Fläche, erleichtert das Recruiting und bringt Teams zusammen, die sich sonst selten begegnen. Für ein Unternehmen wie NovaBridge, das schnell wächst und an drei Standorten arbeitet, zählen alle drei Effekte.

Die harte Währung: Kostenersparnis

Der offensichtlichste Vorteil liegt im Budget. Laut einer CBRE-Studie aus dem Jahr 2024 erwarten knapp 60 % der befragten Unternehmen in Europa, ihr Flächenportfolio in den nächsten drei Jahren zu verkleinern, ein Viertel rechnet dagegen mit mehr Fläche. 61 % der Unternehmen melden eine durchschnittliche Auslastung ihrer Büros zwischen 41 und 80 %.

Jeder leere Schreibtisch kostet trotzdem Miete, Strom und Möbel. Weniger Plätze senken die Mietkosten und den Energieverbrauch, die Ausgaben für Büromöbel schrumpfen im gleichen Verhältnis. Das eingesparte Geld kann in Produktentwicklung oder Gehälter fließen.

Flexibilität als Recruiting-Vorteil

Drei von vier Befragten einer McKinsey-Umfrage bevorzugen ein hybrides Arbeitsmodell. Mehr als zwei Drittel dieser Gruppe würden sich nach eigener Aussage wahrscheinlich nach einer neuen Stelle umsehen, falls der Arbeitgeber die volle Rückkehr ins Büro verlangt. Für ein Start-up, das in Berlin, Barcelona und Singapur um Talente konkurriert, gehört Flexibilität deshalb in jede Stellenanzeige.

Desk Sharing signalisiert Bewerberinnen und Bewerbern, dass im Unternehmen das Ergebnis zählt und nicht die Anwesenheit um 8:47 Uhr. Ein Freifahrtschein ist das Modell nicht: Ohne eigenen Platz verlieren manche Beschäftigte ein Stück Zugehörigkeit, wie das Kapitel zu den Herausforderungen zeigt.

Lesetipps: KI-hart: Welchen Kurs nach dem Abi wählen? + PDF in E-Rechnung umwandeln: Geht das?

Kreativität durch Perspektivwechsel

Jeden Tag neben denselben Kolleginnen und Kollegen zu sitzen, schafft Vertrauen, verfestigt aber auch Routinen. Desk Sharing bricht diese Gewohnheiten auf: Beschäftigte, die heute neben der Entwicklung und morgen neben dem Marketing sitzen, bekommen andere Fragen mit. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP hält fest, dass eine kompaktere Bürofläche mit weniger Arbeitsplätzen Kommunikation, Vernetzung und Zusammenarbeit über Team- und Abteilungsgrenzen hinaus erleichtern kann.

Für NovaBridge hieße das konkret: Die Produktmanagerin aus Barcelona, die für zwei Wochen nach Berlin kommt, bucht einen Platz neben dem deutschen Vertriebsteam und hört live mit, welche Kundenwünsche gerade drängen.

#Workplace Talk #8: 10 Dinge, die Sie bei der Einführung von Desk-Sharing Software beachten sollten
Welche Kriterien zählen bei der Auswahl einer Desk Sharing Software wirklich? Dieses kompakte Video fasst die zehn wichtigsten Punkte zusammen, von Benutzerfreundlichkeit bis smarte Technologie.

Wie funktioniert Desk Sharing in der Praxis?

Grüne Schlüsselleiste mit sechs Haken, daran hängen ein Schlüssel und ein Schlüsselbund mit der Nummer 12. Darunter befindet sich ein kleines Schild mit der Aufschrift „Rezeption“ und „Schlüsselmanagement“
Beim Hotelling reservieren Beschäftigte ihren Arbeitsplatz vorab, ähnlich wie ein Hotelzimmer.

Desk Sharing funktioniert über ein Buchungsmodell, eine passende Platzquote und eine Software, die freie Plätze in Echtzeit anzeigt. Welches Modell passt, hängt vor allem von der Teamgröße ab.

Hot Desking, Hotelling oder Teamzonen?

Drei Modelle haben sich durchgesetzt. Hot Desking folgt dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“: Niemand reserviert, jede Person setzt sich spontan an einen freien Tisch. Spontanes Platznehmen klappt in kleinen Teams und gerät mit wachsender Belegschaft schnell durcheinander. Beim Hotelling reservieren Beschäftigte ihren Platz vorab per App oder Webportal, was Planbarkeit schafft und Frust am Morgen vermeidet. Teamzonen weisen Abteilungen feste Bereiche zu, in denen die Mitglieder frei wählen.

Für ein multinationales Start-up wie NovaBridge bietet sich eine Kombination an: Teamzonen für die Kernteams, ergänzt durch freie Bereiche für die standortübergreifende Zusammenarbeit, gesteuert über eine zentrale Buchungssoftware.

Die richtige Desk-Sharing-Quote

Die Desk-Sharing-Quote beschreibt das Verhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Beschäftigten. Eine Quote von 0,75 bedeutet: Für vier Beschäftigte stehen drei Schreibtische bereit. In der DGUV-Befragung liegt die Quote bei über 70 % der Teilnehmenden bei höchstens 0,75, nur 17 % arbeiten in Büros mit einem Platz pro Kopf.

Ein Rechenbeispiel für NovaBridge: Angenommen, von 120 Beschäftigten in Berlin wären im Schnitt 60 % gleichzeitig im Büro. Der Bedarf läge dann bei 72 Arbeitsplätzen. Mit einem Puffer von 10 % für Spitzentage käme das Unternehmen auf rund 80 Schreibtische statt 120, also auf eine Quote von etwa 0,67.

Ohne Software läuft nichts

Ab einer gewissen Größe braucht Desk Sharing ein digitales Buchungssystem. Excel-Listen und Zuruf führen zuverlässig zu Frust. Professionelle Lösungen wie eine Desk Sharing App zeigen freie Plätze in Echtzeit, nehmen Reservierungen per Smartphone an und bilden auch Besprechungsräume sowie Parkplätze ab.

Für multinationale Teams zählt außerdem, dass die Software Zeitzonen automatisch berücksichtigt und eine mehrsprachige Oberfläche bietet. Über standortübergreifende Buchungen sichern sich reisende Beschäftigte auch am fremden Standort vorab einen Platz.

Welche Herausforderungen sollten Sie kennen?

Bogenhanf in grünem Topf auf Rollcontainer mit Anhänger „Umzug“ auf weiß
Rund die Hälfte der DGUV-Befragten bevorzugt einen festen Arbeitsplatz, nur ein Viertel das Desk Sharing.

Die größten Hürden sind der Verlust des eigenen Platzes, Lärm und Unterbrechungen sowie Führungskräfte, die sich selbst ausnehmen. Wie stark diese Faktoren wiegen, beziffert die Studie des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV.

Was Beschäftigte am Desk Sharing belastet
Ergebnisse einer Befragung von 1.996 Beschäftigten und Führungskräften aus Betrieben mit Desk Sharing. Die Balken zeigen den Anteil der Befragten.

Die vier häufigsten Belastungen

Fehlender fester Platz
ein Drittel
empfindet den fehlenden eigenen Schreibtisch als störend
Tägliches Umräumen
ein Drittel
stört das Ein- und Ausräumen des Platzes an jedem Bürotag
Störungen
25 %
werden häufig unterbrochen oder durch vorbeilaufende Personen abgelenkt
Lautstärke
25 %
können wegen des Lärms nicht konzentriert arbeiten

Haltung zum geteilten Schreibtisch

1.996
Beschäftigte und Führungskräfte befragte das Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV 2023
50 %
bevorzugen einen festen, persönlichen Arbeitsplatz
25 %
ziehen Desk Sharing dem festen Platz vor
17 %
arbeiten in Büros mit einem Platz für jede beschäftigte Person
knapp 30 %
melden, dass ihre Führungskräfte vom Desk Sharing ausgenommen sind
über 50 %
konnten sich an der Einführung nicht beteiligen und waren weniger zufrieden

Online-Befragung von März bis Juli 2023, veröffentlicht im DGUV forum 9/2024. Karten mit rotem Rand: Befunde, die die Akzeptanz senken.

Der Verlust des eigenen Schreibtischs

Die psychologische Bindung an den eigenen Arbeitsplatz wird häufig unterschätzt. Viele Beschäftigte empfinden ihren Schreibtisch als persönliches Revier, mit Familienfoto, Lieblingspflanze und dem perfekt eingestellten Stuhl. In der DGUV-Befragung bevorzugt rund die Hälfte einen festen, persönlichen Arbeitsplatz, nur ein Viertel zieht Desk Sharing vor. Je ein Drittel empfindet den fehlenden festen Platz oder das tägliche Umräumen als störend.

Persönliche Schließfächer oder mobile Rollcontainer, in denen Headset, Fotos und Lieblingsbecher über Nacht bleiben, mildern den Verlust. Auch die DGUV empfiehlt abschließbare und ausreichend große Aufbewahrungsmöglichkeiten.

Lärm und Unterbrechungen

Offene Flächen mit wechselnden Nachbarn haben ihren Preis. Ein Viertel der DGUV-Befragten wird häufig gestört, unterbrochen oder durch vorbeilaufende Personen abgelenkt. Ebenfalls ein Viertel kann wegen der Lautstärke nicht konzentriert arbeiten. Die Autorinnen der Studie raten deshalb zu Rückzugsorten und einem ausgereiften Lärmschutzkonzept.

Kulturelle Unterschiede an internationalen Standorten

Je nach Land unterscheiden sich die Erwartungen an Hierarchie, persönlichen Raum und Geselligkeit im Büro. Eine offene Fläche, die in Berlin reibungslos funktioniert, kann in Singapur oder Barcelona auf andere Gewohnheiten treffen.

Für NovaBridge hieße das: Globale Standards für Buchung und Clean-Desk-Policy gelten überall, die Gestaltung der Flächen darf sich unterscheiden. Ein Standort mit viel Fokusarbeit bekäme mehr Einzelkabinen, ein Standort mit viel Teamarbeit großzügigere Gemeinschaftsbereiche.

Führungskräfte müssen mitmachen

Bei knapp 30 % der DGUV-Befragten sind Führungskräfte vom Desk Sharing ausgenommen. Eine solche Ausnahme untergräbt das gesamte Konzept, denn die Regel überzeugt nur, sobald sie für alle gilt. Bei NovaBridge würde die Geschäftsführung ihren Platz deshalb genauso per App buchen wie die Werkstudentin.

Bei knapp 30 Prozent der Befragten behalten Führungskräfte feste Plätze, und Flexibilität wird zum Sparprogramm für die Belegschaft.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Welche Regeln braucht erfolgreiches Desk Sharing?

Draufsicht auf einen grünen Becher mit Aufschrift und einen weißen leeren Teller
Eine Clean-Desk-Policy verlangt, jeden Platz so zu hinterlassen, wie die nächste Person ihn vorfinden möchte.

Erfolgreiches Desk Sharing braucht fünf verbindliche Regeln: aufgeräumte Plätze, identische Ausstattung, Buchungspflicht, ergonomische Möbel und aktiven Datenschutz. Jede dieser Regeln beugt einem typischen Streit im geteilten Büro vor.

Clean-Desk-Policy

Die wichtigste Regel lautet: Jeder Arbeitsplatz wird so hinterlassen, wie die nächste Person ihn vorfinden möchte. Kaffeetassen, offene Dokumente und vergessene Ladekabel haben am Feierabend auf dem Tisch nichts mehr verloren. Die Regel klingt selbstverständlich, verlangt aber klare Kommunikation und konsequente Umsetzung.

Identische Ausstattung

Jeder Schreibtisch braucht dieselbe Grundausstattung: Dockingstation, externer Bildschirm, Tastatur und Ladekabel. Unterschiedliche Ausstattung führt dazu, dass bestimmte Plätze begehrt sind und andere gemieden werden, und erzeugt genau die Konflikte, die Desk Sharing abschaffen soll. Das fest verdrahtete Tischtelefon fehlt in dieser Liste mit Absicht: Eine Telefonanlage aus der Cloud bindet die Durchwahl an die Person statt an den Platz, und Anrufe kommen per App auf Laptop oder Smartphone an, egal an welchem Tisch oder im Homeoffice. Vor dem Umzug an geteilte Schreibtische lohnt sich deshalb ein Blick in unseren Vergleich der Cloud-Telefonanlagen.

Buchung ist Pflicht

Spontanes Platznehmen stößt mit wachsender Belegschaft an Grenzen. Verbindliche Vorab-Reservierungen über die Buchungssoftware schaffen Klarheit. Erscheint jemand nicht, gibt das System den Platz nach einer festgelegten Frist automatisch frei.

Ergonomie nicht vergessen

Höhenverstellbare Schreibtische und einstellbare Bürostühle sind beim Desk Sharing Pflicht, keine Luxusausstattung, denn jeder Körper braucht andere Einstellungen. Die DGUV empfiehlt ausdrücklich ergonomische, anpassbare Arbeitsmittel. Beschäftigte, die sich morgens erst fünf Minuten mit einem klemmenden Stuhl abmühen, starten frustriert in den Tag.

Datenschutz aktiv managen

Offene Arbeitsplätze verlangen Disziplin. Beschäftigte sperren beim Verlassen ihren Bildschirm, schließen vertrauliche Unterlagen weg und holen Ausdrucke sofort ab. Gerade in einem multinationalen Start-up mit Standorten in mehreren Ländern und unterschiedlichen Datenschutzgesetzen gehört das Thema in jede Onboarding-Schulung.

Welche typischen Fehler vermeiden kluge Start-ups?

Ein weißer Klappstuhl steht vor weißem Hintergrund. Darauf liegen zwei grüne Schilder mit
Eine zu knapp kalkulierte Platzquote spart auf dem Papier Miete und rächt sich an Spitzentagen.

Die teuersten Fehler sind eine Einführung ohne Beteiligung, zu knapp kalkulierte Flächen und fehlende Rückzugsorte. Jeder dieser Fehler kostet Akzeptanz, die sich später nur mühsam zurückgewinnen lässt.

Einführung ohne Change Management

Desk Sharing verändert vor allem die Arbeitskultur, die Technik ist der kleinere Teil. Eine E-Mail am Freitagnachmittag mit dem Betreff „Ab Montag keine festen Plätze mehr“ lässt die Stimmung zuverlässig kippen. Mehr als die Hälfte der DGUV-Befragten hatte keine Möglichkeit, sich an der Einführung zu beteiligen, und genau diese Gruppe war weniger zufrieden. Das Fraunhofer IBP rät zu frühzeitiger, transparenter Kommunikation und zur Beteiligung der Beschäftigten an der Gestaltung der Flächen.

Zu aggressive Flächenreduktion

Eine zu knapp kalkulierte Quote spart auf dem Papier Miete und füllt an Spitzentagen die Flure mit Beschäftigten, die keinen Tisch finden. Spitzentage entstehen, sobald viele Teams ihre gemeinsamen Bürotage auf dieselben Wochentage legen. Eine Planung nach der durchschnittlichen Auslastung übersieht genau diese Tage, deshalb gehört ein Puffer wie im Rechenbeispiel oben in jede Kalkulation.

Fehlende Rückzugsorte

Nicht jede Aufgabe eignet sich für den offenen Schreibtisch. Vertrauliche Telefonate, konzentrierte Fokusarbeit und schwierige Personalgespräche brauchen geschlossene Räume. Activity-Based Working löst das Problem mit verschiedenen Zonen für verschiedene Tätigkeiten, von der Telefonkabine bis zum Projektraum.

Hybrides Arbeiten — Was ist das eigentlich?
Desk Sharing ist die räumliche Konsequenz hybrider Arbeitsmodelle. Das Video von Schäfer Shop erklärt die verschiedenen Varianten und zeigt, warum flexible Bürokonzepte zur neuen Normalität gehören.

Wie gelingt die Einführung Schritt für Schritt?

Grüner Bürostuhl oben auf einer weißen Holztreppe mit der Ziffer Eins unten
In Unternehmen nach erfolgreicher Einführung bewerten 44,4 Prozent der Befragten Desk Sharing positiv, so die Fraunhofer-Studie Raumwechsel.

Die Einführung gelingt in vier Phasen: Analyse, Pilotprojekt, Rollout und laufende Optimierung. Mit der Erfahrung wächst auch die Akzeptanz.

Phase 1: Analyse

Messen Sie die tatsächliche Auslastung Ihrer Büroflächen über mindestens vier Wochen. Wie viele Plätze sind montags besetzt, wie viele freitags, und welche Abteilungen kommen häufiger ins Büro? Ohne belastbare Daten planen Sie ins Blaue.

Phase 2: Pilotprojekt

Starten Sie mit einem Team oder einer Etage. Sammeln Sie Erfahrungen, holen Sie Feedback ein und passen Sie Buchungssoftware sowie Spielregeln an. Die Fraunhofer-Studie „Raumwechsel“ zeigt, wie stark sich das Bild nach der Einführung dreht: In Unternehmen vor der Umstellung bewerteten 45,8 % der Befragten Desk Sharing als schlecht oder sehr schlecht. In Unternehmen nach erfolgreicher Einführung bewerteten 44,4 % das Modell als positiv oder sehr positiv.

Phase 3: Rollout

Übertragen Sie die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt auf alle Standorte und passen Sie lokale Besonderheiten an. Schulen Sie Führungskräfte als Vorbilder und berichten Sie offen über Fortschritte wie Probleme.

Phase 4: Kontinuierliche Optimierung

Desk Sharing hat kein Enddatum. Werten Sie regelmäßig die Buchungsdaten aus, befragen Sie die Beschäftigten, passen Sie Quote sowie Zonen an veränderte Teamgrößen und Arbeitsrhythmen an.

Desk Sharing in vier Phasen einführen
Der Fahrplan für die Umstellung und wie sich die Bewertung durch die Beschäftigten nach der Einführung verändert.
Phase 1
Analyse
Auslastung der Büroflächen mindestens vier Wochen lang messen, getrennt nach Wochentag und Abteilung.
Phase 2
Pilotprojekt
Mit einem Team oder einer Etage starten, Feedback einholen, Buchungssoftware sowie Spielregeln anpassen.
Phase 3
Rollout
Erkenntnisse auf alle Standorte übertragen, lokale Besonderheiten berücksichtigen, Führungskräfte als Vorbilder schulen.
Phase 4
Optimierung
Buchungsdaten regelmäßig auswerten und Quote sowie Zonen an neue Teamgrößen anpassen.

Akzeptanz vor und nach der Einführung

45,8 %
der Befragten in Unternehmen vor der Umstellung bewerten Desk Sharing als schlecht oder sehr schlecht
44,4 %
der Befragten in Unternehmen nach erfolgreicher Einführung bewerten Desk Sharing als positiv oder sehr positiv
24,4 %
der Unternehmen planten 2022 Desk Sharing oder steckten mitten in der Einführung
16,9 %
der Unternehmen hatten Desk Sharing während der Covid-19-Pandemie eingeführt

Werte aus der Studie „Raumwechsel“ des Fraunhofer IBP, Bezugsjahr 2022. Das Tempo der Umstellung spielte für die spätere Bewertung nach Einschätzung des Instituts keine erkennbare Rolle.

Lesetipps

Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Desk Sharing

Geöffnetes Buch mit grauen Seiten, darauf ein kleiner grüner Bürostuhl aus Plastik
Von Activity-Based Working bis Workplace Management Software: die wichtigsten Begriffe zum Desk Sharing.

Activity-Based Working

Activity-Based Working (ABW) beschreibt ein Bürokonzept, bei dem Beschäftigte ihren Arbeitsplatz je nach Tätigkeit wählen. Stille Zonen für Fokusarbeit, offene Bereiche für die Zusammenarbeit im Team und Räume für Besprechungen ergänzen sich dabei zu einer gemeinsamen Fläche. ABW geht über reines Desk Sharing hinaus und plant die gesamte Bürofläche nach Tätigkeiten.

Clean-Desk-Policy

Die Clean-Desk-Policy verpflichtet Beschäftigte, ihren Arbeitsplatz am Ende des Tages vollständig zu räumen. Persönliche Gegenstände, Dokumente und Arbeitsmaterial wandern in Schließfächer. Ohne diese Regel funktioniert Desk Sharing nicht, zugleich schützt die Clean-Desk-Policy vertrauliche Unterlagen.

Desk-Sharing-Quote

Die Desk-Sharing-Quote gibt das Verhältnis zwischen verfügbaren Arbeitsplätzen und der Zahl der Beschäftigten an, die sich diese Plätze im Alltag teilen. Eine Quote von 0,75 bedeutet: Für vier Beschäftigte stehen drei Schreibtische bereit. Die passende Quote richtet sich nach der Anwesenheit an Spitzentagen und dem Hybridmodell des Unternehmens.

Dockingstation

Eine Dockingstation verbindet einen Laptop mit wenigen Handgriffen mit der Peripherie am Arbeitsplatz. Bildschirm, Tastatur, Maus und Netzwerk hängen an einem einzigen Kabel. Einheitliche Dockingstationen an jedem Schreibtisch verkürzen beim Desk Sharing die Zeit für das Einrichten am Morgen.

Homezone

Homezones sind festgelegte Bereiche innerhalb eines Büros, die bestimmten Teams oder Abteilungen zugewiesen werden. Innerhalb dieser Zone wählen die Teammitglieder ihren Platz frei. Homezones verbinden die Zugehörigkeit zum Team mit der Flexibilität des Desk Sharing.

Hot Desking

Hot Desking ist die flexibelste Form des Desk Sharing. Beschäftigte wählen jeden Tag spontan einen freien Arbeitsplatz, Reservierungen sind nicht vorgesehen. Das Modell passt zu kleinen Teams.

Hotelling

Beim Hotelling reservieren Beschäftigte ihren Arbeitsplatz im Voraus über eine Buchungssoftware. Das Prinzip ähnelt einer Hotelreservierung und bietet mehr Planbarkeit als Hot Desking. Größere Unternehmen setzen bevorzugt auf dieses Modell.

Hybrides Arbeiten

Hybrides Arbeiten kombiniert Präsenzarbeit im Büro mit Arbeit im Homeoffice oder an dritten Orten. Desk Sharing ist die räumliche Konsequenz hybrider Modelle, weil nie alle Beschäftigten gleichzeitig im Büro sind und feste Plätze an vielen Tagen leer bleiben.

New Work

New Work bezeichnet ein Bündel moderner Arbeitskonzepte, die auf Selbstbestimmung, Flexibilität und Sinnhaftigkeit setzen. Desk Sharing ist ein operatives Element dieser Denkschule. Weitere Bausteine sind mobiles Arbeiten, agile Methoden und flache Hierarchien, die Entscheidungen näher an die Teams verlagern.

No-Show-Management

No-Show-Management beschreibt den automatisierten Umgang mit nicht wahrgenommenen Buchungen. Erscheint eine Person nicht innerhalb einer festgelegten Frist, gibt das System den reservierten Platz frei. Die Funktion verhindert leere Schreibtische trotz voller Buchungslisten.

Shared Desk

Shared Desk bezeichnet einen Arbeitsplatz, den mehrere Personen zu unterschiedlichen Zeiten nutzen. Der Begriff wird oft gleichbedeutend mit Desk Sharing verwendet, betont den Aspekt des Teilens und begegnet Ihnen vor allem in internationalen Unternehmen.

Workplace Management Software

Workplace Management Software ist der Oberbegriff für digitale Lösungen zur Verwaltung von Arbeitsplätzen, Besprechungsräumen und Büroflächen. Diese Programme bilden das technische Rückgrat für Desk Sharing und liefern Auslastungsdaten für Entscheidungen über die Fläche.

FAQ: Desk Sharing im Start-up: Braucht wirklich jeder einen Schreibtisch?

Weißer Bürostuhl mit grünem FAQ-Wartemarkenspender auf dem Sitz vor weißem Hintergrund
Häufige Fragen zu Weisungsrecht, Platzquote, Ausstattung und Akzeptanz beim Desk Sharing.

Darf ein Arbeitgeber Desk Sharing einfach anordnen?

Grundsätzlich ja, die Zuweisung des Arbeitsplatzes gehört zum Weisungsrecht des Arbeitgebers nach § 106 Gewerbeordnung, solange der Arbeitsvertrag keinen bestimmten Platz zusichert. Die Arbeitsstättenverordnung gilt weiter. Besteht ein Betriebsrat, bestimmt das Gremium bei Nutzungsregeln und bei einer Buchungssoftware mit, die Verhalten oder Leistung erfassen kann.

Wie viele Schreibtische braucht ein Unternehmen beim Desk Sharing?

So viele, wie an Spitzentagen gleichzeitig belegt werden, plus einen Puffer. In einer DGUV-Befragung mit 1.996 Teilnehmenden arbeiten über 70 Prozent in Büros mit Plätzen für höchstens drei Viertel der Belegschaft, nur 17 Prozent haben einen Platz pro Kopf.

Was ist der Unterschied zwischen Desk Sharing und Hot Desking?

Desk Sharing ist der Oberbegriff für geteilte Arbeitsplätze, Hot Desking eine Variante ohne Reservierung. Beim Hot Desking setzen sich Beschäftigte spontan an einen freien Platz, beim Hotelling buchen sie ihren Platz vorab per App oder Webportal.

Welche Ausstattung braucht ein Desk-Sharing-Arbeitsplatz?

Jeder Platz braucht dieselbe Grundausstattung aus Dockingstation, externem Bildschirm, Tastatur und Maus, dazu einen höhenverstellbaren Tisch und einen einstellbaren Stuhl. Persönliche Dinge wie das Headset gehören in ein abschließbares Fach, das auch die DGUV empfiehlt.

Bevorzugen Beschäftigte einen festen Arbeitsplatz?

Rund die Hälfte schon: In einer Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV bevorzugte etwa jede zweite Person einen festen, persönlichen Arbeitsplatz, ein Viertel zog Desk Sharing vor. Zufriedener waren Beschäftigte, die sich an der Einführung beteiligen konnten.

Hängt die Akzeptanz vom Tempo der Einführung ab?

Nein, laut der Studie „Raumwechsel“ des Fraunhofer IBP spielt die Geschwindigkeit der Umstellung für die spätere positive Bewertung offenbar keine Rolle. Wichtiger sind frühzeitige, transparente Kommunikation, die Beteiligung der Beschäftigten an der Gestaltung der Flächen und konsequent umgesetzte Nutzungsregeln.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 14.10.2026
  1. Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBPDesk-Sharing erfolgreich implementieren (Studie „Raumwechsel“)
  2. Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (DGUV forum 9/2024)Desk-Sharing: Studie zu psychischen Belastungsfaktoren und Ansätze für die Gestaltung
  3. CBREEuropean Office Occupier Sentiment Survey 2024
  4. McKinsey & CompanyHybrid work: Making it fit with your diversity, equity, and inclusion strategy
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