Desk Sharing heißt für viele Beschäftigte, morgens den Laptop an einem fremden Platz anzudocken und abends alles wieder wegzuräumen. Ein Drittel der knapp 2.000 Befragten einer DGUV-Studie empfindet dieses tägliche Umräumen als störend. Mehr als 70 Prozent arbeiten trotzdem in Büros mit Plätzen für höchstens drei Viertel der Belegschaft.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAngenommen, Sie leiten ein wachsendes Start-up mit Teams in Berlin, Barcelona und Singapur. Jeden Monat kommen neue Leute dazu, und trotzdem bleibt im Büro jeder zweite Schreibtisch leer, weil ein Teil der Belegschaft im Homeoffice arbeitet, beim Kunden sitzt oder aus einer anderen Zeitzone zugeschaltet ist. Ob dann noch jede Person einen eigenen Platz braucht, entscheidet über Miete und Stimmung im Team.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Desk Sharing teilen sich mehrere Beschäftigte die vorhandenen Plätze und buchen ihren Tisch per App, weil nie alle gleichzeitig im Büro sind
- In einer DGUV-Befragung mit 1.996 Teilnehmenden bevorzugt die Hälfte weiterhin einen festen Arbeitsplatz, ein Viertel das Desk Sharing
- Die Bewertung dreht nach der Einführung: Laut Fraunhofer IBP sehen 44,4 % der Befragten in Unternehmen mit erfolgreich eingeführtem Desk Sharing das Modell positiv
- Der Erfolg hängt an einer Buchungssoftware, verbindlichen Spielregeln und Führungskräften, die selbst keinen festen Platz beanspruchen
Was bedeutet Desk Sharing konkret für Ihr Unternehmen?

Desk Sharing bedeutet, dass sich mehrere Beschäftigte die vorhandenen Arbeitsplätze teilen, statt dass jede Person einen festen Schreibtisch zugewiesen bekommt. Beschäftigte, die ins Büro kommen, buchen vorab per App einen freien Platz; die anderen bleiben im Homeoffice und blockieren keinen Tisch.
Ein Rechenbeispiel macht die Idee greifbar. Angenommen, das erfundene Start-up NovaBridge hätte seinen Hauptsitz in Berlin-Kreuzberg, eine Entwicklungsabteilung in Barcelona und ein Vertriebsteam in Singapur, insgesamt 180 Mitarbeitende. Das Berliner Büro böte Platz für 120 Personen. An einem durchschnittlichen Dienstag wären aber nur 75 Schreibtische besetzt.
Leere Plätze sind kein Gedankenspiel. In einer Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV mit 1.996 Teilnehmenden gaben nur 17 % an, dass ihr Arbeitgeber genauso viele Arbeitsplätze wie Beschäftigte vorhält. Bei über 70 % reicht der Platz für höchstens drei Viertel der Belegschaft.
Ein ähnliches Prinzip kennt die Seefahrt seit Langem. Auf Schiffen mit Schichtbetrieb teilen sich Besatzungsmitglieder mitunter eine Koje, im Englischen heißt das Hot Bunking. Die Bürovariante kommt immerhin ohne geteilte Bettdecke aus.
Welche Vorteile bringt Desk Sharing gerade für multinationale Start-ups?

Desk Sharing senkt die Kosten für Fläche, erleichtert das Recruiting und bringt Teams zusammen, die sich sonst selten begegnen. Für ein Unternehmen wie NovaBridge, das schnell wächst und an drei Standorten arbeitet, zählen alle drei Effekte.
Die harte Währung: Kostenersparnis
Der offensichtlichste Vorteil liegt im Budget. Laut einer CBRE-Studie aus dem Jahr 2024 erwarten knapp 60 % der befragten Unternehmen in Europa, ihr Flächenportfolio in den nächsten drei Jahren zu verkleinern, ein Viertel rechnet dagegen mit mehr Fläche. 61 % der Unternehmen melden eine durchschnittliche Auslastung ihrer Büros zwischen 41 und 80 %.
Jeder leere Schreibtisch kostet trotzdem Miete, Strom und Möbel. Weniger Plätze senken die Mietkosten und den Energieverbrauch, die Ausgaben für Büromöbel schrumpfen im gleichen Verhältnis. Das eingesparte Geld kann in Produktentwicklung oder Gehälter fließen.
Flexibilität als Recruiting-Vorteil
Drei von vier Befragten einer McKinsey-Umfrage bevorzugen ein hybrides Arbeitsmodell. Mehr als zwei Drittel dieser Gruppe würden sich nach eigener Aussage wahrscheinlich nach einer neuen Stelle umsehen, falls der Arbeitgeber die volle Rückkehr ins Büro verlangt. Für ein Start-up, das in Berlin, Barcelona und Singapur um Talente konkurriert, gehört Flexibilität deshalb in jede Stellenanzeige.
Desk Sharing signalisiert Bewerberinnen und Bewerbern, dass im Unternehmen das Ergebnis zählt und nicht die Anwesenheit um 8:47 Uhr. Ein Freifahrtschein ist das Modell nicht: Ohne eigenen Platz verlieren manche Beschäftigte ein Stück Zugehörigkeit, wie das Kapitel zu den Herausforderungen zeigt.
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Kreativität durch Perspektivwechsel
Jeden Tag neben denselben Kolleginnen und Kollegen zu sitzen, schafft Vertrauen, verfestigt aber auch Routinen. Desk Sharing bricht diese Gewohnheiten auf: Beschäftigte, die heute neben der Entwicklung und morgen neben dem Marketing sitzen, bekommen andere Fragen mit. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP hält fest, dass eine kompaktere Bürofläche mit weniger Arbeitsplätzen Kommunikation, Vernetzung und Zusammenarbeit über Team- und Abteilungsgrenzen hinaus erleichtern kann.
Für NovaBridge hieße das konkret: Die Produktmanagerin aus Barcelona, die für zwei Wochen nach Berlin kommt, bucht einen Platz neben dem deutschen Vertriebsteam und hört live mit, welche Kundenwünsche gerade drängen.
Wie funktioniert Desk Sharing in der Praxis?

Desk Sharing funktioniert über ein Buchungsmodell, eine passende Platzquote und eine Software, die freie Plätze in Echtzeit anzeigt. Welches Modell passt, hängt vor allem von der Teamgröße ab.
Hot Desking, Hotelling oder Teamzonen?
Drei Modelle haben sich durchgesetzt. Hot Desking folgt dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“: Niemand reserviert, jede Person setzt sich spontan an einen freien Tisch. Spontanes Platznehmen klappt in kleinen Teams und gerät mit wachsender Belegschaft schnell durcheinander. Beim Hotelling reservieren Beschäftigte ihren Platz vorab per App oder Webportal, was Planbarkeit schafft und Frust am Morgen vermeidet. Teamzonen weisen Abteilungen feste Bereiche zu, in denen die Mitglieder frei wählen.
Für ein multinationales Start-up wie NovaBridge bietet sich eine Kombination an: Teamzonen für die Kernteams, ergänzt durch freie Bereiche für die standortübergreifende Zusammenarbeit, gesteuert über eine zentrale Buchungssoftware.
Die richtige Desk-Sharing-Quote
Die Desk-Sharing-Quote beschreibt das Verhältnis zwischen Arbeitsplätzen und Beschäftigten. Eine Quote von 0,75 bedeutet: Für vier Beschäftigte stehen drei Schreibtische bereit. In der DGUV-Befragung liegt die Quote bei über 70 % der Teilnehmenden bei höchstens 0,75, nur 17 % arbeiten in Büros mit einem Platz pro Kopf.
Ein Rechenbeispiel für NovaBridge: Angenommen, von 120 Beschäftigten in Berlin wären im Schnitt 60 % gleichzeitig im Büro. Der Bedarf läge dann bei 72 Arbeitsplätzen. Mit einem Puffer von 10 % für Spitzentage käme das Unternehmen auf rund 80 Schreibtische statt 120, also auf eine Quote von etwa 0,67.
Ohne Software läuft nichts
Ab einer gewissen Größe braucht Desk Sharing ein digitales Buchungssystem. Excel-Listen und Zuruf führen zuverlässig zu Frust. Professionelle Lösungen wie eine Desk Sharing App zeigen freie Plätze in Echtzeit, nehmen Reservierungen per Smartphone an und bilden auch Besprechungsräume sowie Parkplätze ab.
Für multinationale Teams zählt außerdem, dass die Software Zeitzonen automatisch berücksichtigt und eine mehrsprachige Oberfläche bietet. Über standortübergreifende Buchungen sichern sich reisende Beschäftigte auch am fremden Standort vorab einen Platz.
Welche Herausforderungen sollten Sie kennen?

Die größten Hürden sind der Verlust des eigenen Platzes, Lärm und Unterbrechungen sowie Führungskräfte, die sich selbst ausnehmen. Wie stark diese Faktoren wiegen, beziffert die Studie des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV.
Die vier häufigsten Belastungen
Haltung zum geteilten Schreibtisch
Online-Befragung von März bis Juli 2023, veröffentlicht im DGUV forum 9/2024. Karten mit rotem Rand: Befunde, die die Akzeptanz senken.
Der Verlust des eigenen Schreibtischs
Die psychologische Bindung an den eigenen Arbeitsplatz wird häufig unterschätzt. Viele Beschäftigte empfinden ihren Schreibtisch als persönliches Revier, mit Familienfoto, Lieblingspflanze und dem perfekt eingestellten Stuhl. In der DGUV-Befragung bevorzugt rund die Hälfte einen festen, persönlichen Arbeitsplatz, nur ein Viertel zieht Desk Sharing vor. Je ein Drittel empfindet den fehlenden festen Platz oder das tägliche Umräumen als störend.
Persönliche Schließfächer oder mobile Rollcontainer, in denen Headset, Fotos und Lieblingsbecher über Nacht bleiben, mildern den Verlust. Auch die DGUV empfiehlt abschließbare und ausreichend große Aufbewahrungsmöglichkeiten.
Lärm und Unterbrechungen
Offene Flächen mit wechselnden Nachbarn haben ihren Preis. Ein Viertel der DGUV-Befragten wird häufig gestört, unterbrochen oder durch vorbeilaufende Personen abgelenkt. Ebenfalls ein Viertel kann wegen der Lautstärke nicht konzentriert arbeiten. Die Autorinnen der Studie raten deshalb zu Rückzugsorten und einem ausgereiften Lärmschutzkonzept.
Kulturelle Unterschiede an internationalen Standorten
Je nach Land unterscheiden sich die Erwartungen an Hierarchie, persönlichen Raum und Geselligkeit im Büro. Eine offene Fläche, die in Berlin reibungslos funktioniert, kann in Singapur oder Barcelona auf andere Gewohnheiten treffen.
Für NovaBridge hieße das: Globale Standards für Buchung und Clean-Desk-Policy gelten überall, die Gestaltung der Flächen darf sich unterscheiden. Ein Standort mit viel Fokusarbeit bekäme mehr Einzelkabinen, ein Standort mit viel Teamarbeit großzügigere Gemeinschaftsbereiche.
Führungskräfte müssen mitmachen
Bei knapp 30 % der DGUV-Befragten sind Führungskräfte vom Desk Sharing ausgenommen. Eine solche Ausnahme untergräbt das gesamte Konzept, denn die Regel überzeugt nur, sobald sie für alle gilt. Bei NovaBridge würde die Geschäftsführung ihren Platz deshalb genauso per App buchen wie die Werkstudentin.
Bei knapp 30 Prozent der Befragten behalten Führungskräfte feste Plätze, und Flexibilität wird zum Sparprogramm für die Belegschaft.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Regeln braucht erfolgreiches Desk Sharing?

Erfolgreiches Desk Sharing braucht fünf verbindliche Regeln: aufgeräumte Plätze, identische Ausstattung, Buchungspflicht, ergonomische Möbel und aktiven Datenschutz. Jede dieser Regeln beugt einem typischen Streit im geteilten Büro vor.
Clean-Desk-Policy
Die wichtigste Regel lautet: Jeder Arbeitsplatz wird so hinterlassen, wie die nächste Person ihn vorfinden möchte. Kaffeetassen, offene Dokumente und vergessene Ladekabel haben am Feierabend auf dem Tisch nichts mehr verloren. Die Regel klingt selbstverständlich, verlangt aber klare Kommunikation und konsequente Umsetzung.
Identische Ausstattung
Jeder Schreibtisch braucht dieselbe Grundausstattung: Dockingstation, externer Bildschirm, Tastatur und Ladekabel. Unterschiedliche Ausstattung führt dazu, dass bestimmte Plätze begehrt sind und andere gemieden werden, und erzeugt genau die Konflikte, die Desk Sharing abschaffen soll. Das fest verdrahtete Tischtelefon fehlt in dieser Liste mit Absicht: Eine Telefonanlage aus der Cloud bindet die Durchwahl an die Person statt an den Platz, und Anrufe kommen per App auf Laptop oder Smartphone an, egal an welchem Tisch oder im Homeoffice. Vor dem Umzug an geteilte Schreibtische lohnt sich deshalb ein Blick in unseren Vergleich der Cloud-Telefonanlagen.
Buchung ist Pflicht
Spontanes Platznehmen stößt mit wachsender Belegschaft an Grenzen. Verbindliche Vorab-Reservierungen über die Buchungssoftware schaffen Klarheit. Erscheint jemand nicht, gibt das System den Platz nach einer festgelegten Frist automatisch frei.
Ergonomie nicht vergessen
Höhenverstellbare Schreibtische und einstellbare Bürostühle sind beim Desk Sharing Pflicht, keine Luxusausstattung, denn jeder Körper braucht andere Einstellungen. Die DGUV empfiehlt ausdrücklich ergonomische, anpassbare Arbeitsmittel. Beschäftigte, die sich morgens erst fünf Minuten mit einem klemmenden Stuhl abmühen, starten frustriert in den Tag.
Datenschutz aktiv managen
Offene Arbeitsplätze verlangen Disziplin. Beschäftigte sperren beim Verlassen ihren Bildschirm, schließen vertrauliche Unterlagen weg und holen Ausdrucke sofort ab. Gerade in einem multinationalen Start-up mit Standorten in mehreren Ländern und unterschiedlichen Datenschutzgesetzen gehört das Thema in jede Onboarding-Schulung.
Welche typischen Fehler vermeiden kluge Start-ups?

Die teuersten Fehler sind eine Einführung ohne Beteiligung, zu knapp kalkulierte Flächen und fehlende Rückzugsorte. Jeder dieser Fehler kostet Akzeptanz, die sich später nur mühsam zurückgewinnen lässt.
Einführung ohne Change Management
Desk Sharing verändert vor allem die Arbeitskultur, die Technik ist der kleinere Teil. Eine E-Mail am Freitagnachmittag mit dem Betreff „Ab Montag keine festen Plätze mehr“ lässt die Stimmung zuverlässig kippen. Mehr als die Hälfte der DGUV-Befragten hatte keine Möglichkeit, sich an der Einführung zu beteiligen, und genau diese Gruppe war weniger zufrieden. Das Fraunhofer IBP rät zu frühzeitiger, transparenter Kommunikation und zur Beteiligung der Beschäftigten an der Gestaltung der Flächen.
Zu aggressive Flächenreduktion
Eine zu knapp kalkulierte Quote spart auf dem Papier Miete und füllt an Spitzentagen die Flure mit Beschäftigten, die keinen Tisch finden. Spitzentage entstehen, sobald viele Teams ihre gemeinsamen Bürotage auf dieselben Wochentage legen. Eine Planung nach der durchschnittlichen Auslastung übersieht genau diese Tage, deshalb gehört ein Puffer wie im Rechenbeispiel oben in jede Kalkulation.
Fehlende Rückzugsorte
Nicht jede Aufgabe eignet sich für den offenen Schreibtisch. Vertrauliche Telefonate, konzentrierte Fokusarbeit und schwierige Personalgespräche brauchen geschlossene Räume. Activity-Based Working löst das Problem mit verschiedenen Zonen für verschiedene Tätigkeiten, von der Telefonkabine bis zum Projektraum.
Wie gelingt die Einführung Schritt für Schritt?

Die Einführung gelingt in vier Phasen: Analyse, Pilotprojekt, Rollout und laufende Optimierung. Mit der Erfahrung wächst auch die Akzeptanz.
Phase 1: Analyse
Messen Sie die tatsächliche Auslastung Ihrer Büroflächen über mindestens vier Wochen. Wie viele Plätze sind montags besetzt, wie viele freitags, und welche Abteilungen kommen häufiger ins Büro? Ohne belastbare Daten planen Sie ins Blaue.
Phase 2: Pilotprojekt
Starten Sie mit einem Team oder einer Etage. Sammeln Sie Erfahrungen, holen Sie Feedback ein und passen Sie Buchungssoftware sowie Spielregeln an. Die Fraunhofer-Studie „Raumwechsel“ zeigt, wie stark sich das Bild nach der Einführung dreht: In Unternehmen vor der Umstellung bewerteten 45,8 % der Befragten Desk Sharing als schlecht oder sehr schlecht. In Unternehmen nach erfolgreicher Einführung bewerteten 44,4 % das Modell als positiv oder sehr positiv.
Phase 3: Rollout
Übertragen Sie die Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt auf alle Standorte und passen Sie lokale Besonderheiten an. Schulen Sie Führungskräfte als Vorbilder und berichten Sie offen über Fortschritte wie Probleme.
Phase 4: Kontinuierliche Optimierung
Desk Sharing hat kein Enddatum. Werten Sie regelmäßig die Buchungsdaten aus, befragen Sie die Beschäftigten, passen Sie Quote sowie Zonen an veränderte Teamgrößen und Arbeitsrhythmen an.
Akzeptanz vor und nach der Einführung
Werte aus der Studie „Raumwechsel“ des Fraunhofer IBP, Bezugsjahr 2022. Das Tempo der Umstellung spielte für die spätere Bewertung nach Einschätzung des Instituts keine erkennbare Rolle.
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Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Desk Sharing

Activity-Based Working
Activity-Based Working (ABW) beschreibt ein Bürokonzept, bei dem Beschäftigte ihren Arbeitsplatz je nach Tätigkeit wählen. Stille Zonen für Fokusarbeit, offene Bereiche für die Zusammenarbeit im Team und Räume für Besprechungen ergänzen sich dabei zu einer gemeinsamen Fläche. ABW geht über reines Desk Sharing hinaus und plant die gesamte Bürofläche nach Tätigkeiten.
Clean-Desk-Policy
Die Clean-Desk-Policy verpflichtet Beschäftigte, ihren Arbeitsplatz am Ende des Tages vollständig zu räumen. Persönliche Gegenstände, Dokumente und Arbeitsmaterial wandern in Schließfächer. Ohne diese Regel funktioniert Desk Sharing nicht, zugleich schützt die Clean-Desk-Policy vertrauliche Unterlagen.
Desk-Sharing-Quote
Die Desk-Sharing-Quote gibt das Verhältnis zwischen verfügbaren Arbeitsplätzen und der Zahl der Beschäftigten an, die sich diese Plätze im Alltag teilen. Eine Quote von 0,75 bedeutet: Für vier Beschäftigte stehen drei Schreibtische bereit. Die passende Quote richtet sich nach der Anwesenheit an Spitzentagen und dem Hybridmodell des Unternehmens.
Dockingstation
Eine Dockingstation verbindet einen Laptop mit wenigen Handgriffen mit der Peripherie am Arbeitsplatz. Bildschirm, Tastatur, Maus und Netzwerk hängen an einem einzigen Kabel. Einheitliche Dockingstationen an jedem Schreibtisch verkürzen beim Desk Sharing die Zeit für das Einrichten am Morgen.
Homezone
Homezones sind festgelegte Bereiche innerhalb eines Büros, die bestimmten Teams oder Abteilungen zugewiesen werden. Innerhalb dieser Zone wählen die Teammitglieder ihren Platz frei. Homezones verbinden die Zugehörigkeit zum Team mit der Flexibilität des Desk Sharing.
Hot Desking
Hot Desking ist die flexibelste Form des Desk Sharing. Beschäftigte wählen jeden Tag spontan einen freien Arbeitsplatz, Reservierungen sind nicht vorgesehen. Das Modell passt zu kleinen Teams.
Hotelling
Beim Hotelling reservieren Beschäftigte ihren Arbeitsplatz im Voraus über eine Buchungssoftware. Das Prinzip ähnelt einer Hotelreservierung und bietet mehr Planbarkeit als Hot Desking. Größere Unternehmen setzen bevorzugt auf dieses Modell.
Hybrides Arbeiten
Hybrides Arbeiten kombiniert Präsenzarbeit im Büro mit Arbeit im Homeoffice oder an dritten Orten. Desk Sharing ist die räumliche Konsequenz hybrider Modelle, weil nie alle Beschäftigten gleichzeitig im Büro sind und feste Plätze an vielen Tagen leer bleiben.
New Work
New Work bezeichnet ein Bündel moderner Arbeitskonzepte, die auf Selbstbestimmung, Flexibilität und Sinnhaftigkeit setzen. Desk Sharing ist ein operatives Element dieser Denkschule. Weitere Bausteine sind mobiles Arbeiten, agile Methoden und flache Hierarchien, die Entscheidungen näher an die Teams verlagern.
No-Show-Management
No-Show-Management beschreibt den automatisierten Umgang mit nicht wahrgenommenen Buchungen. Erscheint eine Person nicht innerhalb einer festgelegten Frist, gibt das System den reservierten Platz frei. Die Funktion verhindert leere Schreibtische trotz voller Buchungslisten.
Shared Desk
Shared Desk bezeichnet einen Arbeitsplatz, den mehrere Personen zu unterschiedlichen Zeiten nutzen. Der Begriff wird oft gleichbedeutend mit Desk Sharing verwendet, betont den Aspekt des Teilens und begegnet Ihnen vor allem in internationalen Unternehmen.
Workplace Management Software
Workplace Management Software ist der Oberbegriff für digitale Lösungen zur Verwaltung von Arbeitsplätzen, Besprechungsräumen und Büroflächen. Diese Programme bilden das technische Rückgrat für Desk Sharing und liefern Auslastungsdaten für Entscheidungen über die Fläche.
FAQ: Desk Sharing im Start-up: Braucht wirklich jeder einen Schreibtisch?

Darf ein Arbeitgeber Desk Sharing einfach anordnen?
Grundsätzlich ja, die Zuweisung des Arbeitsplatzes gehört zum Weisungsrecht des Arbeitgebers nach § 106 Gewerbeordnung, solange der Arbeitsvertrag keinen bestimmten Platz zusichert. Die Arbeitsstättenverordnung gilt weiter. Besteht ein Betriebsrat, bestimmt das Gremium bei Nutzungsregeln und bei einer Buchungssoftware mit, die Verhalten oder Leistung erfassen kann.
Wie viele Schreibtische braucht ein Unternehmen beim Desk Sharing?
So viele, wie an Spitzentagen gleichzeitig belegt werden, plus einen Puffer. In einer DGUV-Befragung mit 1.996 Teilnehmenden arbeiten über 70 Prozent in Büros mit Plätzen für höchstens drei Viertel der Belegschaft, nur 17 Prozent haben einen Platz pro Kopf.
Was ist der Unterschied zwischen Desk Sharing und Hot Desking?
Desk Sharing ist der Oberbegriff für geteilte Arbeitsplätze, Hot Desking eine Variante ohne Reservierung. Beim Hot Desking setzen sich Beschäftigte spontan an einen freien Platz, beim Hotelling buchen sie ihren Platz vorab per App oder Webportal.
Welche Ausstattung braucht ein Desk-Sharing-Arbeitsplatz?
Jeder Platz braucht dieselbe Grundausstattung aus Dockingstation, externem Bildschirm, Tastatur und Maus, dazu einen höhenverstellbaren Tisch und einen einstellbaren Stuhl. Persönliche Dinge wie das Headset gehören in ein abschließbares Fach, das auch die DGUV empfiehlt.
Bevorzugen Beschäftigte einen festen Arbeitsplatz?
Rund die Hälfte schon: In einer Befragung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV bevorzugte etwa jede zweite Person einen festen, persönlichen Arbeitsplatz, ein Viertel zog Desk Sharing vor. Zufriedener waren Beschäftigte, die sich an der Einführung beteiligen konnten.
Hängt die Akzeptanz vom Tempo der Einführung ab?
Nein, laut der Studie „Raumwechsel“ des Fraunhofer IBP spielt die Geschwindigkeit der Umstellung für die spätere positive Bewertung offenbar keine Rolle. Wichtiger sind frühzeitige, transparente Kommunikation, die Beteiligung der Beschäftigten an der Gestaltung der Flächen und konsequent umgesetzte Nutzungsregeln.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 14.10.2026
- Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBPDesk-Sharing erfolgreich implementieren (Studie „Raumwechsel“)
- Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (DGUV forum 9/2024)Desk-Sharing: Studie zu psychischen Belastungsfaktoren und Ansätze für die Gestaltung
- CBREEuropean Office Occupier Sentiment Survey 2024
- McKinsey & CompanyHybrid work: Making it fit with your diversity, equity, and inclusion strategy
