Mehr als 100 ausgediente Fahrzeugakkus speisen in Rivians Werk in Normal, Illinois, bereits einen Stromspeicher mit 10 Megawattstunden. Künftig übernimmt Redwood Materials auch den Batterieschrott aus der Fertigung und jeden Altakku, der nicht mehr ins Auto taugt. In der EU legt die Batterieverordnung ab Ende 2027 fest, wie viel Lithium aus solchen Akkus zurückkommen muss.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Jeder Rivian-Akku, der zu uns zurückkommt, ist eine mögliche Quelle für heimische Netzspeicher und für kritische Rohstoffe“, sagt JB Straubel, Gründer von Redwood Materials. Mit diesem Satz kündigten der US-Elektroautobauer und der Recycler am 14. Oktober die Erweiterung ihrer Partnerschaft an.[1] Der Vertrag umfasst damit den gesamten Lebenslauf eines Akkus, von der Fertigung bis zur Rohstoffrückgewinnung.
Das Wichtigste in Kürze
- Redwood recycelt künftig auch den Batterieschrott aus Rivians Fertigung.
- Altakkus sammelt Rivian über seine Servicezentren in den USA, Redwood prüft jeden auf eine Zweitnutzung als Speicher.
- In der EU gelten ab Ende 2027 Quoten für die Lithium-Rückgewinnung, ab 2031 Pflichtanteile an recyceltem Material.
Was übernimmt Redwood künftig?

Bisher lieferte Rivian gebrauchte Fahrzeugakkus nur für den Werksspeicher in Normal, wo die Modelle R1T, R1S, R2 und der Elektrotransporter vom Band laufen. Den Speicher hatten beide Firmen im April vorgestellt.[2] Mit der Erweiterung holt Redwood auch den Ausschuss aus der Akkufertigung ab und recycelt ihn.
Die Altakkus kommen über Rivians Servicenetz. Taugt ein Akku nicht mehr fürs Auto, schickt ihn das Servicezentrum an Redwood. Dort entscheidet eine Prüfung, ob er als stationärer Speicher weiterarbeitet oder gleich ins Recycling geht. Lithium, Nickel, Kobalt und Kupfer gewinnt Redwood nach eigenen Angaben zu mehr als 95 Prozent zurück.[1]
Warum lohnt der Umweg über den Speicher?
Ein Fahrzeugakku fällt meist aus dem Auto, lange bevor seine Zellen verschlissen sind. Oft versagt nur ein einzelnes Modul, die Hersteller tauschen aus Kostengründen trotzdem den ganzen Akku. Die übrigen Module halten im stationären Betrieb noch lange durch, weil ein Speicher sie gleichmäßiger und mit geringeren Strömen belastet als ein Antrieb beim Beschleunigen.
Den eigentlichen Engpass benennt Straubel im Redwood-Blog: Neue Netzanschlüsse dauern in den USA Jahre, Transformatoren und Schaltanlagen sind knapp.[3] Der Speicher aus Altakkus lädt in Schwachlastzeiten und deckt die Lastspitzen der Fabrik. Akkus verschiedener Baujahre bündelt Redwood mit eigenen Gleichspannungswandlern zu einer Anlage. Speicher nach demselben Prinzip liefert Redwood auch an Rechenzentren, mit General Motors plant der Recycler ähnliche Anlagen. Beides passt zum Speicherboom in den USA.
Der ausgediente Akku spart im Werksspeicher noch Stromkosten, bevor der Recycler ihn zerlegt. Erst danach zählt er als Rohstoff.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
In der EU gibt die Batterieverordnung den Kreislauf vor. Recycler müssen bis Ende 2027 die Hälfte des Lithiums aus Altakkus zurückgewinnen, bis Ende 2031 dann 80 Prozent. Ab August 2031 müssen neue Antriebsakkus zudem 6 Prozent recyceltes Lithium und 16 Prozent recyceltes Kobalt enthalten.[4] Ein umgenutzter Akku bekommt einen eigenen Batteriepass, die Pflichten gehen auf das Unternehmen über, das ihn umbaut.
Deutsche Hersteller bauen den Kreislauf bisher von der Recyclingseite her auf. Mercedes-Benz betreibt seit Oktober 2024 in Kuppenheim eine eigene Recyclingfabrik, BMW testet im Forschungsprojekt Car2Car, wie viel Altmaterial zurück ins Auto findet. Das Aachener Start-up Cylib holt Lithium nasschemisch zurück. Recycling stellt mit 19 Vorhaben die größte Gruppe unter den neuen strategischen EU-Rohstoffprojekten.
Für Flottenbetreiber und Industriebetriebe lohnt der Blick auf beide Enden. Regeln Sie in Leasing- und Flottenverträgen, wer ausgediente Akkus zurücknimmt und ob sie ein zweites Leben bekommen dürfen. Prüfen Sie außerdem, ob ein Speicher aus Altakkus die Lastspitzen am eigenen Standort abfängt, denn auch hierzulande lassen neue Netzanschlüsse lange auf sich warten.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Rivian NewsroomRivian and Redwood Materials Expand Partnership to Span the Lifecycle of the Battery
- Redwood MaterialsRivian and Redwood Materials announce energy storage partnership for manufacturing
- Redwood Materials, JB StraubelThe Redwood Energy Ecosystem
- Amtsblatt der Europäischen UnionVerordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien, Artikel 8, Artikel 77 und Anhang XII
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