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Große Ladeparks bekommen ihren Stromanschluss bei Netze BW und den Netztöchtern von E.ON künftig nur noch in festen Vergaberunden nach Punkten. Fastned-Deutschlandchefin Linda Boll fürchtet dadurch anderthalb bis zwei Jahre Verzug. Viele Punkte bringt ausgerechnet die Baugenehmigung, die Fastned erst beantragt, sobald ein Anschluss absehbar ist.

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Bis zu 1,5 Millionen Euro investiert Fastned in einen einzelnen Schnellladestandort, Strom fließt dort aber erst nach dem Netzanschluss. „Wenn solche Verfahren kommen, können wir im Ausbau schnell anderthalb bis zwei Jahre verlieren“, sagte Linda Boll, Country Director Deutschland bei Fastned, im Interview mit electrive.[1] Der niederländische Betreiber kommt hierzulande auf rund 70 Standorte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Netzbetreiber vergeben Anschlüsse für große Verbraucher künftig in Runden nach Punkten.
  • Bei drei E.ON-Töchtern läuft die erste Runde seit dem 12. Oktober, bei Netze BW ab 1. November.
  • Ein neuer Ladepark ohne Baugenehmigung erreicht höchstens 47 von 100 Punkten.
  • Ladesäulen fehlen auf der Liste der Daseinsvorsorge, die ohne Vergaberunde auskommt.

Was ändert sich beim Netzanschluss?

Ein Ladestecker in einem Kalender mit Schild
Netzbetreiber verteilen Stromkapazität nach Stichtagsverfahren: Anträge werden gesammelt, bewertet und nach Rang vergeben statt nach Eingangsdatum

Bisher bekam im Verteilnetz die zuerst eingegangene Anfrage die freie Kapazität. Der Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW) empfiehlt seit August ein Stichtagsverfahren: Der Netzbetreiber sammelt die Anträge großer Verbraucher, vergibt Punkte und verteilt die Leistung nach Rang.[2] Empfohlen sind eine Runde pro Jahr und eine Grenze von 950 Kilowatt.

Als Grund nennt der Verband neben Rechenzentren und Speichern ausdrücklich die Ladeinfrastruktur. Netze BW meldete im August mehr als 20 Gigawatt offene Anfragen in der Hochspannung, über 90 Prozent davon für Großbatteriespeicher, bei 7,3 Gigawatt Höchstlast.

Netze BW nimmt Anträge vom 1. November bis 31. Dezember an und vergibt im März 2027. Bei Bayernwerk Netz, E.DIS Netz und Schleswig-Holstein Netz startet die erste Phase laut der Kanzlei Gleiss Lutz am 12. Oktober, für Verbraucher ab einem Megawatt zusätzlicher Leistung.[3]

Warum verliert ein neuer Ladepark im Punkteschema?

Die Hälfte der Punkte gibt die Projektreife: 16 für die gesicherte Fläche, 19 für den Genehmigungsstand, 15 für die Übergabestation. Weitere 34 Punkte bekommt die Ortsgebundenheit, etwa eine Erweiterung am selben Standort, höchstens 16 die frühe Anmeldung.[2] Boll widerspricht: „Wenn eine vorhandene Baugenehmigung zu einer höheren Priorisierung führt, passt das nicht zu unseren Planungsprozessen.“ Fastned beantragt die Genehmigung erst bei realistischer Aussicht auf Strom.

Ein neuer Standort ohne Genehmigung kommt so auf höchstens 47 von 100 Punkten, rechnet Dr. Web nach. Über der Schwelle liegt schon ein kleiner Schnellladepark: Vier Ladepunkte mit je 300 Kilowatt brauchen 1,2 Megawatt. Verpasst ein Antrag die Runde, wartet das Projekt bis zum nächsten Stichtag.

Netzanschluss nach Punkten: So rechnet das neue Verfahren
Stichtagsverfahren für große Stromverbraucher in Baden-Württemberg, Stand Oktober 2026
950 kW
Anschlussleistung, ab der Verbraucher ins Punkteverfahren fallen
1 Runde
pro Jahr empfiehlt der Branchenverband, jeder Antrag gilt nur für eine Runde
34 von 100
Punkten gibt die Ortsgebundenheit, etwa für die Erweiterung einer Anlage am selben Standort
47 von 100
Punkten bleiben höchstens für einen neuen Ladepark ohne Baugenehmigung

Gehören Ladesäulen zur Daseinsvorsorge?

Außerhalb der Runden bleiben Anlagen der Daseinsvorsorge nach § 53a Energiewirtschaftsgesetz. Die Liste des VfEW nennt Wohngebäude, Schulen, Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr, Ladeparks fehlen.[2] Boll hält dagegen: „Tankstellen werden seit Langem als Teil der Daseinsvorsorge betrachtet.“

Das Netzpaket der Bundesregierung soll Verteilnetzbetreiber laut Entwurf zu einheitlichen Vergabeverfahren verpflichten.[3] Am Netzanschluss hängen das Deutschlandnetz an der Autobahn ebenso wie neue Ladepunkte auf dem Land, wo der Ladesäulenatlas 2026 die größten Lücken zeigt.

Solange Ladesäulen nicht als Daseinsvorsorge zählen, stehen sie beim Netzanschluss hinter Wohnhaus und Kaserne in der Schlange.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Betroffen sind auch Unternehmen, die Depotladen für E-Lkw oder Dienstwagen planen. Diese Firmen sollten beim zuständigen Netzbetreiber Schwelle und Frist erfragen. Flächenvertrag und Angebot für die Übergabestation bringen schon vor der Genehmigung bis zu 31 Punkte. Was der Strom an der Säule kostet, zeigt unser Überblick über Ladetarife.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. electriveDa läuft gerade was ganz, ganz schief, : Fastned-Chefin Linda Boll zu Netzanschlüssen als Ausbau-Bremse10.10.2026
  2. Verband für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-WürttembergNetzanschluss: Vergabeverfahren und Priorisierung für Letztverbraucher, Handlungsempfehlung (5. August 2026, PDF)
  3. Gleiss LutzUpdate Netzanschluss: Neue Vergabeverfahren auf Verteilnetzebene03.09.2026

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