Der Ladesäulenatlas 2026 von 1Komma5° zählt in Stuttgart 2.107 öffentliche Ladepunkte je 100 Quadratkilometer, im brandenburgischen Landkreis Prignitz 3,5. Die Kreisdaten der Bundesnetzagentur zeigen hinter dem Gefälle ein zweites Muster: In der Prignitz ist jeder dritte Ladepunkt ein Schnelllader, in Stuttgart jeder zwanzigste.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Auf dem Land gibt es deutlich weniger öffentliche Ladepunkte, dafür sind die Bedingungen für eine eigene Wallbox häufig ideal“, sagt Jannik Schall, Mitgründer des Hamburger Solar- und Wallbox-Anbieters 1Komma5°.[1] Die Bundesnetzagentur zählt zum 1. September 2026 bundesweit 214.334 öffentliche Ladepunkte, 15,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.[2] Die 24 Prozent Wachstum, die der Atlas nennt, beziehen sich auf Juli 2025.
Das Wichtigste in Kürze
- Stuttgart führt bei den Städten, Mettmann bei den Landkreisen.
- Brandenburg kommt auf 17, Mecklenburg-Vorpommern auf 14 Ladepunkte je 100 km².
- Bundesweit kommen rechnerisch rund zehn reine Elektroautos auf einen öffentlichen Ladepunkt.
- Die EEG-Novelle soll die Einspeisung kleiner und mittlerer Solardächer auf 50 Prozent begrenzen.
Wo stehen die meisten Ladepunkte?

Hinter Stuttgart folgen Regensburg mit 1.452 und München mit 1.179 Ladepunkten je 100 Quadratkilometer. Unter den Landkreisen führt Mettmann bei Düsseldorf mit 344, ein Plus von 40 Prozent, vor Böblingen.[1]
Bei den Flächenländern klafft eine Ost-West-Lücke: Nordrhein-Westfalen erreicht 121 Ladepunkte je 100 Quadratkilometer, Baden-Württemberg 99, Thüringen 26. „Der Aufwärtstrend bei den Ladepunkten ist ein positives Signal. Die Ladeinfrastruktur wächst aber ungleichmäßig“, sagt Schall.[1]
Warum lädt das Land anders als die Stadt?
Stuttgart zählt laut Bundesnetzagentur 4.383 Ladepunkte, davon 220 Schnelllader. Die Prignitz kommt auf 79, darunter 26 Schnelllader.[2] In der Großstadt laden viele Fahrer ohne eigenen Stellplatz über Nacht an Normalladepunkten. Auf dem Land übernimmt die Wallbox am Eigenheim diese Aufgabe.
Eine Mindestdichte je Landkreis kennt das EU-Recht nicht. Die Verordnung AFIR verlangt seit April 2024 je zugelassenem reinen Elektroauto 1,3 Kilowatt öffentliche Ladeleistung, gerechnet für das ganze Land.[5] Zu Jahresbeginn teilten sich rechnerisch rund zehn reine Elektroautos einen öffentlichen Ladepunkt, 2,03 Millionen Fahrzeuge standen 198.382 Ladepunkten gegenüber.[2][4] Schnellladeparks an Autobahnen und in ländlichen Regionen lässt der Bund über das Deutschlandnetz bauen.
Was kostet das Laden zu Hause im Vergleich?
An einer öffentlichen Normalladesäule zahlen Fahrer nach der Aufstellung von 1Komma5° rund 58 Cent je Kilowattstunde, am Schnelllader 62 Cent. Haushaltsstrom kostet 2026 im Schnitt 37 Cent, Solarstrom vom eigenen Dach etwa 6 Cent.[1] Zur Einordnung: 1Komma5° verkauft Solaranlagen, Speicher und Wallboxen.
Das Bundeskabinett hat am 29. Juli eine EEG-Novelle beschlossen, nach der kleine und mittlere Solardächer höchstens die Hälfte ihrer Leistung ins Netz einspeisen dürfen.[3] Schall kritisiert: „Die geplante 50-Prozent-Kappung bestraft genau die Haushalte, die das unflexible Stromnetz durch bidirektionales Laden entlasten wollen.“ Zugleich soll die feste Einspeisevergütung für Neuanlagen ab 2027 entfallen.
Auf dem Land ersetzt die eigene Wallbox die Säule an der Ecke. Die geplante Einspeisegrenze macht den Solarstrom für genau diese Garage wertvoller.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Betriebe abseits der Ballungsräume planen den eigenen Parkplatz am besten als Ladeort für Beschäftigte ein. Solaranlage und Wallbox gehören in eine gemeinsame Planung, damit der Mittagsstrom im Auto landet, statt an der Einspeisegrenze verloren zu gehen. Fahrer ohne eigenen Stellplatz sparen über die Wahl der Ladetarife.
Quellen
[1] 1Komma5°: „Ladesäulenatlas 2026: Stuttgart hat die meisten Ladepunkte, Ladenetz wächst bundesweit um 24 Prozent“ (5. Oktober 2026, Datenstand 1. September 2026)
[2] Bundesnetzagentur: „E-Mobilität: Ladeinfrastruktur in Zahlen“ (Stand 1. September 2026, Kreisauswertung und historische Entwicklung)
[3] Bundesregierung: „Energiepolitik: Planbar, effizient und sicher“ (29. Juli 2026)
[4] Kraftfahrt-Bundesamt: „Fahrzeugbestand am 1. Januar 2026“ (Pressemitteilung Nr. 09/2026)
[5] Europäische Union: „Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe“ (AFIR, Artikel 3)
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