Porsche arbeitet an einem Antriebskonzept, das die Grenzen zwischen Antriebsarten verwischt. Die beim Deutschen Patent- und Markenamt eingereichte Schrift mit dem Aktenzeichen 10 2024 135 567.0 beschreibt eine Verbrennungskraftmaschine, die im Hybridfahrzeug zwischen vier Betriebsmodi wechseln kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Porsche hat im Dezember 2024 ein Patent für ein variables Hybridantriebskonzept beim DPMA angemeldet, die Offenlegungsschrift erschien im Juni 2026.
- Das Konzept sieht vier Betriebsmodi vor: vollelektrisch, Hybrid, Range-Extender und reiner Verbrenner.
- Im Range-Extender-Modus läuft vermutlich nur eine der beiden V8-Zylinderbänke, um den Verbrauch zu senken.
- Ob das System je in Serie geht, lässt die Offenlegungsschrift offen.
Im vollständig elektrischen Modus bleibt der Verbrenner mechanisch entkoppelt, das Fahrzeug läuft rein batteriebetrieben. Im Hybridbetrieb treibt der Verbrenner das Fahrwerk direkt an, während die E-Maschine unterstützend wirkt. Ein dritter Modus schaltet den Verbrenner als Range-Extender, der über einen Generator Strom für Antrieb und Akku liefert. Und als vierter Modus bleibt der klassische Verbrennerbetrieb ohne Beteiligung des Elektroantriebs.
Technisch interessant ist vor allem der Range-Extender-Betrieb. Dem Patent zufolge arbeitet dabei nur ein Teil der Zylinder, während der Rest mitläuft, ohne zur Leistung beizutragen. Die aktiven Zylinder sind konstruktiv angepasst, etwa durch reibungsärmere Beschichtungen und modifizierte Kolbendesigns, um Energieverluste im Teillastbetrieb gering zu halten.
Der im Patent beschriebene Motor ist ein V8 mit zwei Zylinderbänken zu je vier Zylindern. Im Range-Extender-Modus dürfte vermutlich eine der beiden Bänke deaktiviert werden, sodass nur vier Zylinder laufen. Für den reinen Verbrennerbetrieb stünde dann die volle Achtzylinder-Leistung zur Verfügung. Aktuell baut Porsche V8-Motoren in die sportlicheren Versionen von Cayenne und Panamera ein.
Porsche testet hier eine Antwort auf eine Frage, die der Markt noch nicht einheitlich beantwortet hat: Wie viel Verbrenner braucht ein Sportwagen, wenn der Strom nicht reicht?
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ob das Konzept je in ein Serienfahrzeug mündet, verrät die Offenlegungsschrift nicht. Patente beschreiben Erfindungen, keine Produktpläne. Porsche könnte das System zurückstellen, modifizieren oder auch einfach nicht weiterverfolgen. Was das Dokument allerdings zeigt: Der Stuttgarter Sportwagenbauer hält sich bei der Antriebsfrage bewusst alle Wege offen. Bereits im Juli 2024 hatte Porsche das ursprüngliche Ziel, bis 2030 mehr als 80 Prozent der Fahrzeuge elektrisch auszuliefern, zur Kann-Aussage abgeschwächt. Gleichzeitig ist eine neue SUV-Baureihe namens „M1″ als Verbrenner und Plug-in-Hybrid für die Fertigung ab 2028 in Leipzig angekündigt, konzipiert als Antwort auf die verhaltene E-Auto-Nachfrage in Märkten wie den USA.
Der Wert eines solchen Patents liegt auch darin, was er über die strategische Richtung aussagt. Während andere Hersteller die Modellpalette elektrifizieren, sichert Porsche parallel den verbrennungstechnischen Spielraum für den Fall, dass der Markt länger braucht als erwartet. Wie die Förderkulisse in Deutschland die Kaufentscheidung beeinflusst, lässt sich in der Analyse zu den aktuellen Verbrenner-Rabatten im Vergleich zur E-Auto-Prämie nachvollziehen. Die Langstreckentauglichkeit aktueller Elektromodelle, die im Patent implizit mitgedacht wird, hat der ADAC-Wintertest mit 14 Fahrzeugen einschließlich des Porsche Macan konkret bewertet, nachzulesen in der Reichweiten-Analyse für Elektroautos im Winter.
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