Reichweite im Winter: Wer bleibt auf der Strecke?
Der ADAC hat 14 Elektroautos für Familien bei 0 °C getestet. Das Ergebnis: Bis zu 49 % weniger Reichweite als versprochen. Welche Modelle überzeugen trotzdem?

Markus Seyfferth
Autor Dr. WebDer ADAC hat die Reichweite im Winter von 14 Elektroautos für Familien auf der Strecke München-Berlin getestet. Bei 0 Grad und Autobahntempo zeigt sich: Zwei Ladestopps sind der Normalfall, aber die Unterschiede zwischen den Modellen sind enorm.
- Keines der 14 getesteten Elektroautos schafft die 580 km München nach Berlin ohne Ladestopp bei winterlichen Bedingungen
- Der Audi A6 e-tron fährt mit 441 km Reichweite am weitesten und lädt in 20 Minuten Strom für 300 km nach
- Der BYD Sealion 7 verbraucht mit 35,3 kWh pro 100 km am meisten, das sind 60 % höhere Stromkosten als beim sparsamsten Tesla
- Der Škoda Elroq kostet halb so viel wie der Porsche Macan und schneidet auf der Langstrecke kaum schlechter ab
Wintertest unter Laborbedingungen
Kälte und Autobahntempo sind für Elektroautos die härteste Kombination. Der ADAC wollte wissen, wie sich aktuelle Familienautos mit Elektroantrieb unter diesen Bedingungen schlagen, und hat 14 Modelle ins hauseigene Testlabor geholt.
Das Testszenario: Die Strecke München nach Berlin über die A9, aufgezeichnet bei einer Realfahrt mit allen Steigungen, Gefällen und realistischem Verkehrsgeschehen. Außentemperatur: 0 Grad. Alle Fahrzeuge mussten sich den exakt gleichen Bedingungen stellen, ohne Einfluss von Wetter oder Staus.
Die Auswahl folgte klaren Kriterien: Mindestens 500 km Reichweite nach WLTP, genug Platz für Familien (Note 3,0 oder besser im ADAC Familientest). Übrig blieben 14 Modelle von 43.900 Euro (Škoda Elroq) bis 91.700 Euro (Volvo EX90).
Wer kann am längsten?
14 Familienautos bei 0 °C und Autobahntempo getestet
Die Reichweiten-Champions
Nur 52 km weniger Reichweite
Keine 300 km pro Ladung
Die Winter-Reichweite im Vergleich
Die WLTP Angaben der Hersteller gelten als optimistisch, bei Kälte und Autobahntempo erst recht. Der Test zeigt, wie viel Reichweite unter realen Winterbedingungen tatsächlich übrig bleibt:
| Modell | WLTP Reichweite | Testreichweite | Differenz |
|---|---|---|---|
| Audi A6 Avant e-tron performance | 719 km | 441 km | minus 39 % |
| Tesla Model Y Premium AWD | 600 km | 406 km | minus 32 % |
| Polestar 4 Long Range SM | 600 km | 369 km | minus 39 % |
| Smart #5 Premium | 590 km | 361 km | minus 39 % |
| VW ID.7 Tourer Pro | 593 km | 360 km | minus 39 % |
| Volvo EX90 Twin Motor AWD | 611 km | 360 km | minus 41 % |
| BMW i5 Touring eDrive40 | 602 km | 351 km | minus 42 % |
| Opel Grandland Electric 97 kWh | 666 km | 332 km | minus 50 % |
| Porsche Macan | 617 km | 332 km | minus 46 % |
| Mercedes EQE SUV 350+ | 550 km | 331 km | minus 40 % |
| Hyundai IONIQ 5 84 kWh RWD | 570 km | 325 km | minus 43 % |
| Škoda Elroq 85 | 554 km | 315 km | minus 43 % |
| Kia EV6 84 kWh RWD | 560 km | 311 km | minus 44 % |
| BYD Sealion 7 Excellence AWD | 502 km | 293 km | minus 42 % |
Der Einbruch liegt je nach Modell zwischen 24 und 49 Prozent. Wer im Winter eine Reise plant, sollte grob die Hälfte der WLTP Angabe als realistische Reichweite kalkulieren. Unser Reichweiten-Rechner für E-Autos hilft bei der Planung und zeigt auch, wie viel eine Wärmepumpe im Winter tatsächlich bringt.
Audi A6 e-tron: Der König der Langstrecke
Der Audi A6 Avant e-tron Performance gewinnt den Test mit deutlichem Vorsprung. Nach 441 Kilometern und knapp vier Stunden Fahrt ist der erste Ladestopp fällig. Kein anderes Fahrzeug kommt so weit.
Was den Audi auszeichnet: sein 800 Volt System. An der Ladesäule zieht er in 20 Minuten genug Strom für weitere 300 Kilometer. Das ist Spitzenwert im Testfeld und macht ihn zum einzigen Fahrzeug neben dem Smart #5, das die komplette Strecke mit nur einem Ladestopp bewältigt.
Der Verbrauch von 23,2 kWh pro 100 Kilometer ist für ein Auto dieser Größe bemerkenswert niedrig. Zum Vergleich: Der direkte Konkurrent BMW i5 Touring verbraucht 2,4 kWh mehr, fährt 90 Kilometer weniger weit und lädt in 20 Minuten nur Strom für 184 Kilometer nach.
Der Haken: Mit 77.250 Euro Einstiegspreis ist der Audi kein Schnäppchen. Immerhin können Privatpersonen ab 2026 die neue E-Auto-Prämie nutzen und bis zu 5.000 Euro sparen.
BYD Sealion 7: Der Energiefresser
Am anderen Ende der Skala steht der BYD Sealion 7 AWD Excellence. Sein Verbrauch von 35,3 kWh pro 100 Kilometer ist der höchste im gesamten Testfeld und lässt sich nicht allein durch den Allradantrieb erklären.
Was das in der Praxis bedeutet: Mit einer Akkufüllung kommt der BYD keine 300 Kilometer weit. Für die Strecke München nach Berlin braucht er mindestens zwei längere Ladestopps. Die Stromkosten liegen 60 Prozent über denen des sparsamsten Testteilnehmers, dem Tesla Model Y. Wer viel unterwegs ist, sollte sich deshalb vorher über die günstigsten Ladetarife informieren.
Der BYD zeigt wie schon sein Schwestermodell Seal im Vorjahrestest: Bei Kälte arbeitet das Batteriesystem nicht optimal. Hier besteht Optimierungspotenzial.
Ebenfalls auffällig hoher Verbrauch: der Volvo EX90 mit 31,6 kWh pro 100 Kilometer. Der massive SUV verdankt seine akzeptable Reichweite von 360 Kilometern ausschließlich seinem riesigen 107 kWh Akku und kostet mit 91.700 Euro am meisten im Testfeld.
Tesla Model Y: Der Effizienzsieger
Das Tesla Model Y Premium AWD erweist sich als sparsamster Testteilnehmer. Trotz Allradantrieb verbraucht es nur 22,2 kWh pro 100 Kilometer, weniger als alle anderen.
Die Reichweite von 406 Kilometern reicht für Platz zwei im Gesamtklassement. Beim Laden kann das Model Y allerdings nicht mit den 800 Volt Fahrzeugen mithalten. In 20 Minuten lädt es Strom für 212 Kilometer nach, gut, aber nicht herausragend.
In der Praxis würde dem Tesla ein etwas längerer Ladestopp von 25 bis 30 Minuten reichen, um die komplette Strecke mit nur einem Halt zu schaffen. Das Testszenario mit starren 20 Minuten Stopps bildet diese Flexibilität nicht ab.
Mit 52.990 Euro bietet das Model Y das beste Verhältnis von Preis zu Leistung unter den Spitzenplatzierten. Die günstigere Version mit Heckantrieb hätte vermutlich noch besser abgeschnitten, stand aber nicht zum Test.
Škoda Elroq: Der smarte Kompromiss
Der Škoda Elroq ist mit 43.900 Euro das günstigste Fahrzeug im Test und schlägt sich erstaunlich gut. Seine Reichweite von 313 Kilometern liegt zwar im unteren Mittelfeld, der Verbrauch von 25,1 kWh pro 100 Kilometer ist aber völlig akzeptabel.
Der Vergleich mit dem Porsche Macan macht die Verhältnisse deutlich: Der Porsche kostet mit 80.700 Euro fast doppelt so viel, kommt aber nur 52 Kilometer weiter (365 km). Beide Fahrzeuge erhalten im ADAC Test die gleiche Gesamtnote befriedigend.
Für Familien, die ein solides Elektroauto für den Alltag suchen und gelegentliche Langstrecken mit zwei Ladestopps akzeptieren können, ist der Elroq eine wirtschaftlich vernünftige Wahl.
800 Volt Technik macht den Unterschied
Die Testergebnisse zeigen einen klaren Trend: Fahrzeuge mit 800 Volt Architektur laden deutlich schneller. Der Audi A6 lädt in 20 Minuten Strom für 300 Kilometer, der Smart #5 für 264 Kilometer. Wer tiefer in die Technik einsteigen will, findet in unserem Artikel 800V oder 400V Elektroauto: Was sind die Vor- und Nachteile? alle Details.
Ein Einwand: Der Smart hätte noch besser abschneiden können. Seine maximale Ladeleistung von 400 kW konnte er am Teststand nicht abrufen, die Ladesäule lieferte maximal 300 kW. Das entspricht zwar dem aktuellen Ausbaustand an den meisten Autobahnraststätten, benachteiligt aber Fahrzeuge, die mehr könnten.
Volkswagen zeigt mit dem ID.7 Tourer, dass auch 400 Volt Systeme konkurrenzfähig sein können. Als einziges Fahrzeug dieser Kategorie lädt er mehr als 200 Kilometer Reichweite in 20 Minuten nach. BMW, Mercedes und Volvo dürften mit ihren kommenden 800 Volt Modellen (BMW iX3 Neue Klasse, Mercedes GLC, Volvo EX60) bald aufholen.
Für den Lesehunger
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Fazit: Winterreisen sind machbar, mit Planung
Der ADAC Test räumt mit der Vorstellung auf, dass 500 Kilometer WLTP Reichweite auch 500 Kilometer Winterautobahn bedeuten. Die Realität liegt bei 250 bis 440 Kilometern, je nach Fahrzeug.
Für die Strecke München nach Berlin sollten Familien mit den meisten Elektroautos zwei Ladestopps einplanen. Das verlängert die Reisezeit um etwa 40 Minuten gegenüber einem Verbrenner, der einmal kurz tankt.
Wer das Budget hat und maximale Langstreckentauglichkeit will: Der Audi A6 e-tron ist aktuell die beste Wahl. Wer Effizienz und gutes Preis Leistungs Verhältnis priorisiert: Das Tesla Model Y überzeugt. Wer ein solides Familienauto ohne Premiumaufschlag sucht: Der Škoda Elroq bietet viel Auto fürs Geld.
Und wer einen BYD Sealion 7 in Betracht zieht, sollte die Stromkosten im Blick behalten. Bei häufigen Langstrecken summiert sich der Mehrverbrauch schnell zu einem vierstelligen Betrag pro Jahr.
Quelle: ADAC Winterreichweitentest 2026
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