
Lernen KI-Roboter jetzt von YouTube? Definitiv.
Michael Dobler
Autor Dr. WebRhoda AI trainiert Industrieroboter mit Millionen frei zugänglicher Internetvideos statt teurer Fernsteuerung. Die Bewertung nach 18 Monaten im Stealth-Modus: rund 1,5 Milliarden Euro.
Stellen Sie sich vor, Ihr Roboter schaut sich erst ein paar YouTube-Videos an, bevor er ans Werk geht. Was nach Science-Fiction klingt, macht das Palo-Alto-Startup Rhoda AI zur industriellen Realität. Seit 18 Monaten arbeitete das Team um CEO Jagdeep Singh im Verborgenen. Jetzt kommt es mit 390 Millionen Euro frischem Kapital aus der Deckung.
Das Wichtigste in Kürze
- Rhoda AI trainiert Roboter mit Hunderten Millionen frei zugänglicher Internetvideos statt teurer Teleoperation.
- Das Startup sammelt 390 Millionen Euro in einer Series-A-Runde ein. Bewertung: rund 1,5 Milliarden Euro.
- Neue Aufgaben lernt das System mit nur zehn Stunden manueller Steuerungsdaten.
- Erste Tests in der Automobilfertigung übertreffen die Leistungsvorgaben der Industriepartner.

Warum ist der Trainingsansatz ein Paradigmenwechsel?
Bisher lernen Industrieroboter vor allem durch Teleoperation: Menschen steuern die Maschinen per Fernbedienung, Sensoren zeichnen jede Bewegung auf. Das liefert brauchbare Daten, ist aber teuer, langsam und kaum skalierbar. Rhoda AI geht einen radikal anderen Weg.
Das Unternehmen trainiert sein KI-Modell namens FutureVision auf Hunderten Millionen öffentlich zugänglicher Videos. Daraus lernt die KI-Architektur Physik, Bewegungsmuster und Objektinteraktionen, bevor sie jemals einen echten Roboter steuert. Anschließend genügen nur zehn Stunden Feinabstimmung mit echten Roboterdaten.
Wie funktioniert das Direct-Video-Action-Modell?
Rhodas proprietäres DVA-Modell (Direct Video Action) beobachtet seine Umgebung, sagt den nächsten physischen Zustand als Video voraus und wandelt diese Prognose in Roboterbewegungen um. Alle paar hundert Millisekunden wiederholt sich der Zyklus. Anders als herkömmliche Systeme, die einen Plan einmal erstellen und blind abarbeiten, korrigiert sich Rhodas Modell ständig selbst.
„Die nächste Ära der Robotik braucht Modelle, die verstehen, wie sich die Welt bewegt, nicht nur, wie sie aussieht“, sagt Jagdeep Singh, Mitgründer und CEO von Rhoda AI. Singh gründete zuvor QuantumScape (Festkörperbatterien) und Infinera (von Nokia für 2,3 Milliarden Dollar übernommen).
„Roboter, die YouTube-Videos verstehen, machen teure Trainingsstudios überflüssig. Das ist nicht Evolution, das ist ein Sprung.“
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für die Industrie?
In einem Test bei einem Automobilhersteller erledigte Rhodas System eine komplexe Bauteilverarbeitung in unter zwei Minuten pro Zyklus, ganz ohne menschliches Eingreifen. Die Leistungsvorgaben des Partners wurden übertroffen.
„Aufgaben mit hoher Variabilität haben sich in der Fertigung historisch der Automatisierung entzogen. Rhodas Ansatz kann den Umfang dessen, was automatisierbar ist, dramatisch erweitern“, sagt Jens Wiese, Managing Partner bei Leitmotif und ehemaliger Volkswagen-Manager.
Die Series-A-Runde führte Premji Invest an, beteiligt sind außerdem Khosla Ventures, Temasek und John Doerr. Rhoda AI plant, seine Software zu lizenzieren und parallel eigene humanoide Roboter zu entwickeln.
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