
Fehlen Ihrem Unternehmen auch Ingenieure?
Der neue VDI-Ingenieurmonitor offenbart ein Paradoxon: Trotz Wirtschaftsflaute bleiben über 106.000 Ingenieurs-Stellen unbesetzt. Besonders dramatisch ist die Lage im Bauwesen und der Elektrotechnik. Warum der Fachkräftemangel strukturell bleibt und was das für Ihr Recruiting bedeutet.
Warum sinken die Stellenangebote, aber der Mangel bleibt?
Die offenen Stellen für Ingenieur- und Informatikberufe sanken im zweiten Quartal 2025 um 22,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Klingt zunächst nach Entspannung. Doch 106.310 Arbeitsplätze bleiben weiterhin unbesetzt. Kommt Ihnen das bekannt vor? Ihr Unternehmen sucht händeringend Fachkräfte, während die Wirtschaftsnachrichten von Stellenabbau berichten.
Das vermeintliche Paradoxon erklärt sich bei genauerer Betrachtung. Gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen in diesen Berufszweigen um 19,1 Prozent auf 54.926 Personen. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2011. Die Konjunkturflaute trifft also durchaus auch Ingenieure. Aber sie trifft sie ungleich verteilt.
Wo sind die Engpässe am größten?
Die größten Engpässe bestehen in den Ingenieurberufen Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur mit 314 offenen Stellen pro 100 Arbeitslose. In der Energie- und Elektrotechnik sind es 284 offene Stellen, in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik 222. Wenn Sie in einer dieser Branchen rekrutieren, wissen Sie: Der Wettbewerb um Talente bleibt brutal.
Besonders stark betroffen ist derzeit die Technische Forschung und Produktsteuerung. Hier stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent. Das zeigt: Während manche Bereiche Ingenieure entlassen, suchen andere verzweifelt. Eine klassische Mismatching-Situation am Arbeitsmarkt.
Was sagen die Experten?
„Die schwächelnde Wirtschaft beeinflusst auch den Ingenieurarbeitsmarkt, die Lücke bei den Fachkräften schließt sich damit jedoch nicht“, erklärt VDI-Arbeitsmarktexperte Ingo Rauhut. „In wichtigen Branchen wie Bau, Energie- und Elektrotechnik oder Maschinenbau sind qualifizierte Fachkräfte weiterhin sehr gesucht.“
In wichtigen Branchen wie Bau, Energie- und Elektrotechnik oder Maschinenbau sind qualifizierte Fachkräfte weiterhin sehr gesucht. _VDI-Arbeitsmarktexperte Ingo Rauhut.
VDI-Direktor Adrian Willig betont die langfristige Perspektive: „Ingenieurinnen und Ingenieure sind und bleiben der Schlüssel für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. Deshalb müssen wir internationale Fachkräfte langfristig integrieren und gleichzeitig junge Menschen früh für Technik begeistern, um den Nachwuchs zu sichern.“
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Wie wichtig sind internationale Fachkräfte geworden?

Der langfristige Trend zeigt die strukturelle Dimension des Problems. Seit 2012 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Ingenieur- und Informatikberufen um 58,5 Prozent auf 1,53 Millionen. Besonders stark entwickelten sich die Branchen Informatik mit einem Plus von 151 Prozent und Bauwesen mit 54 Prozent.
Rund ein Viertel des gesamten Beschäftigungszuwachses in Ingenieurberufen entfällt auf internationale Fachkräfte. Die größten Gruppen stellen Fachkräfte aus Indien mit 13.893, Türkei mit 9.136, Italien mit 6.916 und China mit 6.690. Ohne diese Zuwanderung wäre die Lücke noch dramatisch größer.
Was muss sich ändern?
Der Anteil internationaler Studierender in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen stieg von 15 Prozent im Jahr 2010 auf 33 Prozent im Jahr 2023. Die Hochschulen liefern also Nachwuchs. Die Frage ist: Gelingt die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt?
Der VDI fordert in seinem Impulspapier „Impulse zur Bildung und Qualifikation der Zukunft“ konkrete Maßnahmen: die systematische Verankerung von Future Skills, die Förderung innovativer Lehrmethoden sowie eine stärkere Verzahnung von Hochschule und Wirtschaft. „Mit den richtigen Kompetenzen sichern wir nicht nur die Innovationskraft Deutschlands, sondern auch die wirtschaftliche Stärke unseres Standortes“, so Willig.
Quelle: Mehr zu VDI-Ingenieurmonitor
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