Artikel teilen

In einer Berliner Klinik reichten im Januar 2026 die 1.800 Liter Diesel für den Notstrom nur rund 20 Stunden. Die Batteriepuffer der Mobilfunkmasten hielten etwa 30 Minuten. Der Ausfall im Südwesten der Hauptstadt dauerte vom 3. bis zum 7. Januar und betraf 45.000 Haushalte. Eine Expertenkommission des Regierenden Bürgermeisters plant seither für zehn Tage und mehrere Bezirke gleichzeitig.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Der Bundestag ließ schon 2011 durchrechnen, was ein langer und großflächiger Stromausfall auslöst, und hielt fest: Schon nach wenigen Tagen ist mit ernsthaften Engpässen bei der Lebensmittelversorgung zu rechnen. Hier lesen Sie, was bei einem Blackout in welcher Stunde ausfällt, wer im Ernstfall zuständig ist und warum Ihre eigene Vorbereitung zur Staatsaufgabe gehört.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag hielt 2011 fest, dass bei einem langandauernden und großflächigen Stromausfall ein Kollaps der gesamten Gesellschaft kaum zu verhindern wäre. Schon nach wenigen Tagen sei mit ernsthaften Engpässen bei der Lebensmittelversorgung zu rechnen.
  • Im Berliner Stromausfall vom 3. bis 7. Januar 2026 reichten 1.800 Liter Diesel in einer Klinik rund 20 Stunden, und rund 95 Prozent der Solaranlagen lieferten trotz Dachmodulen keinen Strom.
  • Das KRITIS-Dachgesetz gilt im Regelfall erst ab 500.000 versorgten Menschen, die ersten Resilienzpläne sind frühestens zehn Monate nach einer Registrierung ab 17. Juli 2026 fällig. Der Bund will bis 2029 zehn Milliarden Euro in den Bevölkerungsschutz investieren, davon 150 Millionen Euro in die Trinkwasserversorgung.
  • Das BBK rät zu einem Vorrat für möglichst zehn Tage, mindestens aber drei Tage. Die Berliner Expertenkommission erwartet von den Menschen eine Selbsthilfefähigkeit von mindestens 72 Stunden.
Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Was wissen Sie über den Blackout?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie lange reicht laut der Berliner Expertenkommission der Batteriepuffer der Mobilfunkmasten? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Die Masten halten nur rund 30 Minuten durch, deshalb bricht der Mobilfunk bei längeren Ausfällen großflächig zusammen. Gefordert sind künftig mindestens 72 Stunden.
2 Wie viele Stunden reichten in einer Berliner Klinik im Januar 2026 die 1.800 Liter Diesel für den Notstrom? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Die Klinik kam mit dem Diesel nur rund 20 Stunden aus. Die Tanklogistik war nicht vorgeplant, später half die Bundeswehr im Wege der Amtshilfe.
3 Wie viele Minuten war 2024 jeder Letztverbraucher in Deutschland im Durchschnitt ohne Strom? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Die Bundesnetzagentur nennt 11,7 Minuten für 2024, in Berlin waren es 8,6 Minuten. Die Statistik zählt ungeplante Unterbrechungen über drei Minuten und lässt höhere Gewalt außen vor.
4 Für wie viele Tage sollen Haushalte laut BBK möglichst vorsorgen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Das BBK rät zu möglichst 10 Tagen Selbstversorgung. Ein Vorrat für zumindest 3 Tage hilft nach dem Ratgeber schon sehr.
5 Wie viel Prozent der Berliner Photovoltaikanlagen lieferten im Januar trotz Dachmodulen keinen Strom? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Rund 95 Prozent lieferten keinen Strom, weil ihnen die Inselbetriebsfähigkeit fehlt. Die Kommission nennt das ein bis dahin kaum bekanntes Versorgungsdefizit.

Was fällt in den ersten 24 Stunden eines Blackouts aus?

Modell-Sendemast mit Zeitschaltuhr und Schild „AKKU LEER“ vor weißem Hintergrund
Stromausfall legt Bahnen und Wasserpumpen lahm, nach 24 Stunden ist das Gesundheitswesen erheblich beeinträchtigt – Szenario des Bundestags-Büros für Technikfolgen-Abschätzung

Zuerst stehen Bahnen und Wasserpumpen still, nach 24 Stunden ist das Gesundheitswesen erheblich beeinträchtigt. Diesen Ablauf beschreibt das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag in einem Bericht von 2011.

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) untersuchte, wie ein langandauernder und großflächiger Stromausfall die kritische Infrastruktur trifft. Der Bericht erschien im April 2011 als Drucksache 17/5672.

Im Verkehr stoppt der stromversorgte Schienenverkehr abrupt, viele Menschen sitzen in U-Bahnen und Zügen fest. Kreuzungen, Tunnel und Schrankenanlagen sind blockiert, in Großstädten entstehen lange Staus und zahlreiche Unfälle. Weil alle Tankstellen ausfallen, bleiben zunehmend Fahrzeuge liegen, und der Autoverkehr nimmt nach den ersten 24 Stunden stark ab. Auch die Häfen stocken, denn Kräne und Förderbänder laufen nicht mehr: Der Ausfall der Seehäfen als Umschlagplätze ist laut TAB deutschland- und sogar europaweit zu spüren.

Die Wasserversorgung hängt an elektrischen Pumpen. Ohne Strom steht die Grundwasserförderung still, und höher gelegene Gebiete lassen sich nicht mehr beliefern. Die Speicher für Trink- und Abwasser sowie die Notstromkapazitäten reichen nach dem Bericht allenfalls für wenige Stunden.

Im Haushalt entfällt das warme Wasser, die Toilettenspülung versagt, und die Brandbekämpfung leidet unter dem Wassermangel.

Nach 24 Stunden ist das Gesundheitswesen erheblich beeinträchtigt. Krankenhäuser arbeiten mit Notstromaggregaten eingeschränkt weiter, Dialysezentren und Pflegeheime müssen zumindest teilweise geräumt werden. Die meisten Arztpraxen und Apotheken schließen.

In der Tierhaltung ist der Treibstoff der Notstromaggregate meist nach 24 Stunden aufgebraucht. Schweine und Geflügel in Beständen mit mehreren Tausend Tieren überleben ohne Futter, Wasser und Frischluft oft schon die ersten Stunden nicht.

Die weiterverarbeitende Lebensmittelindustrie fällt zumeist sofort aus. Die Lager des Handels halten ihre Bestände überwiegend als Kühl- und Tiefkühlware, und nur wenige betreiben ihren Notstrom länger als zwei Tage. Die Regale der Filialen leeren sich deshalb innerhalb weniger Tage.

Berlin liefert die Zahlen dazu. Nach der Berliner Expertenkommission kommen 90 bis 95 Prozent der Lebensmittel aus Zentrallagern in Brandenburg, die Versorgung läuft just in time, und staatliche oder städtische Reserven fehlen. Im Januar 2026 spielte die Ernährung nur eine untergeordnete Rolle, weil die Betroffenen im Schnitt keine drei Kilometer zur nächsten Einkaufsmöglichkeit hatten. Bei einem flächendeckenden Ausfall ohne Hilfe von außen reichten weder die häuslichen Vorräte noch die Reserven der Versorger oder der Stadt für zehn Tage.

Mit dem statistischen Selbstversorgungsgrad bei Lebensmitteln hat das wenig zu tun: Die Ware muss vom Lager in die Filiale, und jeder Transport braucht Diesel, jede Kasse Strom.

Banken, die nach Beginn des Ausfalls noch öffnen, schließen nach einigen Tagen. Geldautomaten und elektronische Zahlung fallen aus, die Bargeldversorgung droht zu kollabieren. Das TAB rechnet mit Unmut und teils aggressiven Auseinandersetzungen, weil niemand mehr bezahlen kann.

Spätestens am Ende der ersten Woche erwartet das TAB eine Katastrophe: Schädigung oder Tod sehr vieler Menschen. Der Satz stammt aus einer Bundestagsdrucksache, nicht aus einem Endzeit-Ratgeber.

Blackout: was nach welcher Zeit ausfällt
Der Ablauf folgt dem Bundestagsbericht von 2011. Die Berliner Zahlen aus dem Januar 2026 ergänzen ihn. Hervorgehoben sind die drei Stufen, an denen die Versorgung kippt.
30 Min.
hielt der Batteriepuffer der Mobilfunkmasten in Berlin (Januar 2026)
20 Std.
reichten 1.800 Liter Diesel in einer Berliner Klinik
24 Std.
bis das Gesundheitswesen erheblich beeinträchtigt ist (TAB 2011)
7 Tage
bis laut TAB eine Katastrophe im Gesundheitswesen droht
Minuten
Mobilfunk
Basisstationen sind binnen weniger Minuten überlastet oder fallen wegen kurzer Notstromzeit ganz aus.
Stunden
Schiene und Wasser
Der stromversorgte Schienenverkehr steht still, Wasserspeicher und Notstrom sind auf wenige Stunden ausgelegt.
24 Stunden
Tankstellen und Kliniken
Der Autoverkehr nimmt ab, Dialysezentren und Pflegeheime werden zum Teil geräumt, die meisten Praxen und Apotheken schließen.
2 Tage
Handelslager
Nur wenige Lager halten den Notstrom länger, die Regale in den Filialen leeren sich.
Mehrere Tage
Bargeld
Banken schließen, Geldautomaten fallen aus, die Bargeldversorgung droht zu kollabieren.
Ende Woche 1
Medizin
Spätestens dann droht die gesundheitliche Schädigung oder der Tod sehr vieler Menschen.

Die Zeitangaben des TAB sind Szenario-Aussagen für einen langandauernden und großflächigen Stromausfall, keine Messwerte. Die 30 Minuten und die 20 Stunden stammen aus dem Berliner Ausfall vom 3. bis 7. Januar 2026.

Warum bricht die Kommunikation im Blackout als Erstes zusammen?

Ein weißes Kurbelradio mit Antenne und einem Schild „Sendet weiter“ vor weißem Hintergrund
Radiosender senden weiter, wenn Mobilfunk und Internet ausfallen.

Mobilfunkmasten überbrücken nach den Berliner Erfahrungen von 2026 nur rund 30 Minuten, und das Festnetz fällt aus, weil Router Strom brauchen. Warnungen erreichen die Menschen dann vor allem über batteriebetriebene Radios.

Die Expertenkommission des Regierenden Bürgermeisters von Berlin (Albrecht Broemme, Heyo Kroemer, Uwe Nerger, Sigrid Nikutta) wertete im Juni 2026 den Stromausfall vom Januar aus. Die Mobilfunkmasten haben demnach nur einen Batteriepuffer von rund 30 Minuten, sodass der Mobilfunk bei längeren Ausfällen großflächig zusammenbricht, ausgerechnet dann, wenn der Informationsbedarf am höchsten ist.

Auch das Festnetz fiel aus, weil die Router am Strom hängen.

Die erste Warnung über das Modulare Warnsystem (MoWaS) ging in Berlin um 8:45 Uhr hinaus, gut zweieinhalb Stunden nach dem ersten Feuerwehralarm um 6:12 Uhr. Warnung und Entwarnung über Cell Broadcast zeigten laut Kommission Schwächen, und die Abhängigkeit vom Handynetz blieb ein Risiko.

Eine direkte Information über das UKW-Radio fand nicht statt. Die Lautsprecherdurchsagen der Polizei erfolgten nur auf Deutsch und erreichten auch aus akustischen Gründen nur einen Teil der Betroffenen. In sozialen Netzwerken kursierte zudem die Behauptung, die Notstromaggregate des THW seien an die Ukraine geliefert worden, die dann in Berlin fehlten. Die Kommission nennt solche Desinformationskampagnen kritisch.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt den Rückfallkanal: Fallen Mobilfunknetz und Internet aus, fallen auch Warn-Apps und Handy-Warnungen aus, Radiosender senden aber weiter. Auto- und Kurbelradios sowie batteriebetriebene Radios empfangen Sender ohne Steckdose. Sind die Notrufnummern 110 und 112 nicht erreichbar, rät das BBK, zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus zu gehen.

Die TAB-Autoren hielten schon 2011 fest, dass die Rettungsdienste von Notrufen der Bevölkerung weitgehend abgeschnitten wären.

Eine Absicherung der Kommunikationsnetze, die über Wochen ein umfassendes Angebot stabil hält, nannte das TAB damals wirtschaftlich und technisch nicht realisierbar. Die Berliner Kommission fordert deshalb einen bundeseinheitlichen Mindeststandard für die Pufferbatterien von mindestens 72 Stunden. Das Bundesinnenministerium kündigte im Mai 2026 an, die Sirenen bis 2027 zentral über das Warnsystem ansteuerbar zu machen.

Auf den Punkt
  • Mobilfunk: Der Batteriepuffer der Masten hielt in Berlin rund 30 Minuten, gefordert sind künftig 72 Stunden.
  • Warnung: Die erste MoWaS-Meldung kam gut zweieinhalb Stunden nach dem ersten Feuerwehralarm.
  • Rückfall: Ein batteriebetriebenes Radio empfängt Durchsagen auch ohne Handynetz.

Was zeigte der Berliner Stromausfall im Januar 2026?

Ein weißer Kanister mit 1.800 Liter Aufschrift neben einem mechanischen Kurzzeitwecker
1.800 Liter Diesel reichten in einer Berliner Klinik rund 20 Stunden.

Er zeigte eine Stadt, die einen Ausfall für 45.000 Haushalte bewältigte, aber an der Belastungsgrenze. Notstrom, Treibstoff, Warnung und die Eigenvorsorge der Bevölkerung reichten für größere Lagen nicht aus.

Am Samstag, dem 3. Januar 2026, zerstörte ein Anschlag auf eine Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde mehrere Hochspannungskabel. Betroffen waren im Bezirk Steglitz-Zehlendorf rund 45.000 Haushalte mit mehr als 100.000 Menschen sowie 2.200 Gewerbebetriebe, bei Schnee und Frost. Die Expertenkommission spricht von einem Terroranschlag. Der Ausfall traf auch Krankenhäuser, Pflege- und Seniorenheime, Schulen und Kitas, Flüchtlingsunterkünfte, Arztpraxen, Apotheken und diverse Mobilfunkstandorte.

Die Innensenatorin stellte am Sonntag um 15 Uhr die Großschadenslage fest. Ab Montag entstanden Notunterkünfte, und das THW betrieb neun Notrufannahmestellen, die zugleich als Wärme- und Ladepunkte dienten. Am Mittwoch, dem 7. Januar, war die Versorgung wiederhergestellt. Personenschäden nennt der Bericht keine.

Schon am 9. September 2025 hatte ein Brandanschlag auf zwei Strommasten im Südosten Berlins rund 50.000 Kunden vom Netz getrennt.

Die Kommission nennt den Januar dennoch kein Muster für künftige Krisen. Der Ausfall betraf weniger als fünf Prozent der Fläche und drei Prozent der Menschen Berlins, lineare Schlüsse auf einen berlinweiten Krisenfall seien nicht sachgerecht. Als Maßstab gelten ihr Ereignisse, die mehrere Bezirke betreffen und zehn Tage dauern.

BereichBefund im Januar 2026Lücke
NotstromIn einer Klinik reichten 1.800 Liter Diesel rund 20 StundenDie Tanklogistik war nicht vorgeplant, anfangs versorgte sich jede Organisation selbst
SolarstromRund 95 Prozent der Berliner Photovoltaikanlagen lieferten keinen StromDen Anlagen fehlt die Inselbetriebsfähigkeit
WärmeFernwärme und Gas standen an fast allen Häusern anEs fehlten 20 bis 30 Watt für die Umwälzpumpe
PflegeMehr als 70 Pflegeeinrichtungen lagen im SchadensgebietEine Datenbank vulnerabler Personen, Bevorratung und aufsuchende Erreichbarkeit fehlten
WarnungCell Broadcast zeigte Schwächen, Durchsagen der Polizei erfolgten nur auf DeutschEine direkte Information über das UKW-Radio fand nicht statt
Was im Berliner Stromausfall vom 3. bis 7. Januar 2026 fehlte. Quelle: Expertenkommission des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Juni 2026.

Die Zahlen darin sind der eigentliche Befund. In einer Klinik reichten 1.800 Liter Diesel nur rund 20 Stunden, und die Tanklogistik war nicht vorgeplant: Anfangs versorgte sich jede Organisation selbst, später half die Bundeswehr im Wege der Amtshilfe. Rund 95 Prozent der Berliner Solaranlagen lieferten keinen Strom, weil ihnen die Inselbetriebsfähigkeit fehlt, ein bis dahin kaum bekanntes Versorgungsdefizit.

Besonders bitter ist die Wärme: Fernwärme und Gas standen an fast allen Häusern an, nur der Zündfunke beziehungsweise 20 bis 30 Watt für die Umwälzpumpe fehlten.

Mangelhaft nennt die Kommission die Eigenvorsorge der Bevölkerung. Der Befund gilt nicht nur für Berlin: Wo kein Notvorrat im Schrank steht, kann ihn auch keine Senatskanzlei nachliefern.

Auf den Punkt

Der Ausfall im Januar dauerte vier Tage, betraf einen Bezirk und verlief ohne Personenschäden. Die Kommission plant für zehn Tage in mehreren Bezirken.

Wer ist im Blackout zuständig und wer bezahlt die Vorsorge?

Senkrecht stehender weißer Aktenordner mit orangefarbenem Aufkleber
Katastrophenschutz liegt bei den Ländern, Zivilschutz beim Bund, und die Anlagen gehören großenteils privaten Betreibern.

Zuerst sind die örtlichen Behörden zuständig, dann steigen Land und Bund ein. Bezahlt wird die Vorsorge von Ländern, Bund und Betreibern, in Berlin fehlten im Januar dafür die Haushaltstitel.

Das Grundgesetz teilt die Aufgaben: Den Zivilschutz im Verteidigungsfall übernimmt der Bund, den Katastrophenschutz im Frieden die Länder. Beim Stromausfall obliegt die Bewältigung laut TAB zunächst den örtlichen Behörden, bei regional übergreifender Lage werden sukzessive die höheren Ebenen bis zu den Bundesministerien tätig, und auf jeder Ebene tagen eigene Krisenstäbe. Berlin trägt als Bundesland die volle Verantwortung für den Katastrophenschutz, wie die Expertenkommission festhält, und beherbergt zugleich die Verfassungsorgane des Bundes.

Ein Eigentumsproblem kommt hinzu: Nach Schätzungen, die das TAB 2011 wiedergab, befinden sich 80 Prozent der kritischen Infrastrukturen in Privateigentum.

Wasserwerke, Netze, Lager und Rechenzentren gehören also großenteils Unternehmen, die der Staat nur über Auflagen erreicht. Wie zäh die Abstimmung läuft, zeigt der Januar: Einige Ressourcen kamen laut Kommission erst mit der formalen Feststellung der Großschadenslage zum Tragen, denn bis dahin blieben Zuständigkeiten und Freistellungen vielerorts unklar. Haushaltstitel und eine eingeplante Finanzierung der erheblichen Vorsorgekosten fehlten.

Von 10 Milliarden Euro für den Bevölkerungsschutz bis 2029 gehen nur 150 Millionen in die Trinkwasserversorgung, also 1,5 Prozent.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Zitat teilen

Am 20. Mai 2026 beschloss das Bundeskabinett die Eckpunkte eines Pakts für den Bevölkerungsschutz. Das Bundesinnenministerium will bis 2029 zehn Milliarden Euro investieren, ein Bauprogramm für das THW von rund drei Milliarden Euro ist der größte genannte Posten. Hinzu kommen über 1.000 Spezialfahrzeuge von BBK und THW, 61 Standorte der Medizinischen Task Force und zehntausende Schutzanzüge gegen chemische, biologische und radiologische Gefahren. Das Ministerium stellt die Umsetzung ausdrücklich unter den Vorbehalt der konsentierten Haushalts- und mittelfristigen Finanzplanung.

Für die Wasserversorgung sind 150 Millionen Euro bis 2029 vorgesehen. Das Geld soll die Leitungsnetze härten, mobile Komponenten ausbauen und die Trinkwassernotbrunnen robuster machen. Eine erste Stufe der Nationalen Reserve Notstrom legt das BBK bis 2029 auf, einen Betrag nennt das Papier dafür nicht.

Erst die Haushaltsgesetze der Jahre bis 2029 entscheiden, wie viel von den zehn Milliarden Euro ankommt.

Die Berliner Kommission empfiehlt sieben Maßnahmen, darunter einen Chief Resilience Officer in der Senatskanzlei, ein Lage- und Krisenzentrum, Resilienzhubs und eine empfängerorientierte Notfallkommunikation. Kommune, Land, Bund und private Betreiber müssen im Ernstfall gleichzeitig handeln, und der Vorrat im Haushalt bildet die fünfte Ebene. Wir halten diese Verteilung für die eigentliche Schwachstelle: Wo vier Ebenen zuständig sind, braucht jede Entscheidung einen Zuständigen, der sie auch treffen darf.

Zehn Milliarden Euro bis 2029: wohin das Geld fließt
Der Pakt für den Bevölkerungsschutz nennt nur wenige Einzelbeträge. Die Balken zeigen die beiden größten genannten Posten im Verhältnis zum Gesamtpaket.
10 Mrd.
Euro bis 2029 für den Bevölkerungsschutz geplant
1.000+
Spezialfahrzeuge von BBK und THW bis 2029
150 Mio.
Euro bis 2029 für die Trinkwasserversorgung
k. A.
Betrag für die Notstrom-Reserve nicht genannt
Gesamtpaket bis 2029
10.000 Mio. €
Pakt für den Bevölkerungsschutz, Kabinett am 20. Mai 2026
THW-Bauprogramm
3.000 Mio. €
rund 3 Milliarden Euro für Neubauten bis 2030
Trinkwasserversorgung
150 Mio. € bis 2029, das sind 1,5 Prozent des Pakets

Die Umsetzung steht laut Eckpunkten unter dem Vorbehalt der Haushalts- und mittelfristigen Finanzplanung. Für weitere Posten wie Medizinische Task Force, Schutzanzüge, Warnsystem und Kommunikation nennt das Papier keine Beträge.

Was verlangt das KRITIS-Dachgesetz von den Betreibern?

Modell eines Drehkreuzes mit einem Schild, auf dem
Kritisch ist im Regelfall nur, was mindestens 500.000 Menschen versorgt.

Betreiber kritischer Anlagen müssen sich registrieren, Risiken analysieren, einen Resilienzplan vorlegen und erhebliche Störungen binnen 24 Stunden melden. Als kritisch gilt eine Anlage im Regelfall erst ab 500.000 versorgten Menschen.

Der Bundestag beschloss das KRITIS-Dachgesetz am 29. Januar 2026, der Bundesrat stimmte am 6. März 2026 zu. Das Gesetz setzt die EU-Richtlinie über die Resilienz kritischer Einrichtungen um, deren Umsetzungsfrist im Oktober 2024 abgelaufen war. Neben die IT-Sicherheitsregeln von NIS2 tritt damit erstmals ein Rahmen für den physischen Schutz von Anlagen, Personal und Lieferketten. Zentrale Anlaufstelle ist das BBK, die Aufsicht teilen sich Bundesfachbehörden und Landesbehörden.

Bußgelder reichen je nach Verstoß bis zu einer Million Euro.

PflichtParagrafFrist
Registrierung§ 8binnen drei Monaten nach Einstufung als kritische Anlage, frühestens ab 17. Juli 2026
Risikoanalyse§ 12erstmals neun Monate nach der Registrierung, danach mindestens alle vier Jahre
Resilienzplan§ 13erstmals zehn Monate nach der Registrierung
Störungsmeldung§ 18Erstmeldung binnen 24 Stunden, die Pflicht beginnt zehn Monate nach der Registrierung
Bußgelder§ 24je nach Verstoß bis zu 100.000, 200.000, 500.000 oder 1 Million Euro
Die Pflichten des KRITIS-Dachgesetzes im Überblick. Quellen: GÖRG (09.03.2026), DIHK, Bundesrat (06.03.2026).

Registriert sich ein Betreiber am 17. Juli 2026, wäre der erste Resilienzplan rund zehn Monate später fällig, also Mitte Mai 2027. Auch die Meldepflicht für Störungen beginnt erst zehn Monate nach der Registrierung. Auf die Anlagen wirkt das Gesetz vom Frühjahr 2026 damit frühestens im Jahr 2027.

Die Schwelle von 500.000 versorgten Menschen verteidigte die Bundesregierung, der Bundesrat wollte 150.000. Ein Stadtwerk, das 200.000 Menschen versorgt, bliebe im Regelfall außerhalb, eine einzelne Filiale erreicht die Schwelle ohnehin nicht. Weitere Anlagen können die Länder bestimmen (§ 5 Abs. 7), das liegt in deren Ermessen.

Die Berliner Kommission verlangt mehr. Alle Betreiber kritischer Infrastruktur sollen sich zu einer Autarkiepflicht von 72 Stunden für den Notbetrieb verpflichten, mittelfristig zu zehn Tagen. Bis spätestens 2029 sollen alle Beteiligten ihre Kernfunktionen zehn Tage autonom betreiben können.

Das TAB hatte 2011 geschrieben, eine Absicherung der Kommunikationsnetze über Wochen sei wirtschaftlich und technisch nicht zu realisieren. Heute verlangt die Kommission für die Funkmasten 72 Stunden statt 30 Minuten, also das 144-Fache der Pufferzeit, und hält dafür eine bundeseinheitliche Regelung für erforderlich. Wir sehen darin den Rückstand: Fünfzehn Jahre nach dem Bundestagsbericht steht der Mindeststandard für die einfachste Stufe noch als Forderung auf dem Papier.

Auf den Punkt
  • Schwelle: Kritisch ist im Regelfall, was mindestens 500.000 Menschen versorgt.
  • Fristen: Die ersten Resilienzpläne sind frühestens zehn Monate nach einer Registrierung ab 17. Juli 2026 fällig.
  • Forderung: Berlin will 72 Stunden Autarkie sofort und zehn Tage bis 2029.

Muss ein Angreifer den Strom abschalten, um die Kühlkette zu brechen?

Rundes, weißes Analog-Thermometer auf Standfuß mit Aufschrift „Tiefkühlware“, Zeiger steht ca. auf 48
Auf 50 Grad stellten Angreifer die Kühlmöbel in Frankreich laut Les Mousquetaires, Tiefkühlware braucht minus 18 Grad.

Nein, der Zugriff auf die Steuerung genügt. In Frankreich lösten Angreifer in der Nacht zum 12. Oktober 2026 über Fernsteuerungen das Abtauen von Kühlmöbeln aus, das BSI warnte am 13. Oktober vor Nachahmern.

Ein Blackout im Wortsinn braucht keinen Totalausfall des Netzes. Fällt die Kühlung in einer Filiale aus, verdirbt die Ware auch bei intakter Steckdose. Die Handelsgruppe Les Mousquetaires beziffert die von den Angreifern eingestellte Temperatur auf 50 Grad, Tiefkühlware braucht minus 18 Grad.

Das BSI rief Betreiber kleiner Anlagen am 13. Oktober dazu auf, den direkten Zugriff aus dem Internet auf Steuerungssysteme zu unterbinden, den Fernzugriff nur über ein VPN mit Mehrfaktor-Schutz zuzulassen und Updates zeitnah einzuspielen. Welche Maßnahmen die Behörde im Einzelnen empfiehlt, steht in unserer Folgenews, wie das BSI Betreiber kleiner Kühlanlagen vor Nachahmern warnt. Das französische CERT-FR ergänzt, dass ein Werksreset bei Geräten ohne Sicherheitsupdates nicht genügt, weil sie erneut übernommen werden dürften. Öffentlich bestätigt war bis zum 14. Oktober kein Fall in Deutschland.

Der Fall steht nicht allein. Das Bundeskriminalamt zählte nach einem vertraulichen Lagebild, über das Spiegel, NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichteten, bis Ende August 2026 rund 165 mutmaßliche Sabotagefälle, im gesamten Jahr 2025 zählte das BKA 320. Am 1. September 2026 verlor RWE nach einem vorsätzlichen Eingriff an einem Amprion-Umspannwerk fünf Kraftwerksblöcke mit rund 3.000 Megawatt, die Versorgung blieb stabil, und die Polizei Essen schloss einen technischen Defekt aus.

Das Muster dahinter heißt Kaskade: Ein einzelner Knoten, etwa ein Umspannwerk oder ein Systemregler, zieht die Verbraucher nach, die an ihm hängen. Das TAB beschrieb 2011 dieselbe Mechanik für die Lebensmittelkette. Fehlt die Kühlung im Zentrallager, fehlt die Ware in allen Filialen, die das Lager beliefert.

Weg zum AusfallFallWirkung
Brandanschlag auf eine KabelbrückeBerlin-Lichterfelde, 3. Januar 202645.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden ohne Strom bis zum 7. Januar
Eingriff an einem UmspannwerkAmprion und RWE, 1. September 2026Fünf Kraftwerksblöcke mit rund 3.000 Megawatt gehen vom Netz, die Versorgung bleibt stabil
Zugriff auf FernsteuerungenKälteanlagen in Frankreich, Nacht zum 12. Oktober 2026Kühlmöbel tauen ab, BSI und CERT-FR warnen am 13. Oktober
Fehler im NetzSpanien und Portugal, 28. April 2025, 12:33 UhrTotalausfall beider Stromsysteme, Abschlussbericht vom 20. März 2026 mit 22 Empfehlungen
SoftwarefehlerSamsung-Kühlschränke, Südkorea, 22. September 2026Die Kühlung stand still, die Reparatur erfolgt durch Techniker vor Ort
Fünf Wege zum Ausfall. Quellen: Senat Berlin, RWE Power, BSI, CERT-FR, ENTSO-E, pv magazine, Dr. Web.

Selbst ohne Angreifer genügt ein Fehler. Am 28. April 2025 um 12:33 Uhr fiel das Stromsystem von Spanien und Portugal vollständig aus. Der Abschlussbericht des europäischen Verbunds ENTSO-E vom 20. März 2026 nennt systemische Mängel bei Spannungsregelung und Blindleistung als Ursache und gibt 22 Empfehlungen. Ein fehlerhaftes Software-Update ließ im September 2026 in Südkorea Samsung-Kühlschränke ohne Kühlung zurück.

Die deutsche Rechtslage lässt die Filiale dabei außen vor. Anlage 2 des BSI-Gesetzes nennt im Sektor Lebensmittel nur Unternehmen im Großhandel sowie in der industriellen Produktion und Verarbeitung, der Einzelhandel fehlt. Das KRITIS-Dachgesetz setzt im Regelfall bei 500.000 versorgten Menschen an, und eine einzelne Filiale versorgt weit weniger. Das Kühlregal ist trotzdem das Erste, was in einer Lage fehlt.

Auf den Punkt

Eine Kühlkette bricht an der Steuerung genauso wie am Netz. Der Einzelhandel fällt in Deutschland durch das Raster von KRITIS-Dachgesetz und NIS2.

Was sollten Haushalte und Betriebe für die ersten 72 Stunden vorbereiten?

Ein weißer Kanister mit Etikett und ein Kurbelradio stehen auf weißem Untergrund
Wasser und Radio stehen oben auf der Liste: 2 Liter pro Person und Tag rät das BBK.

Das BBK rät zu einem Vorrat für möglichst zehn Tage, mindestens aber für drei Tage, mit 2 Litern Trinkwasser pro Person und Tag. Auf die Liste gehören außerdem ein batteriebetriebenes Radio und Bargeld.

Alle Haushalte sollten sich laut BBK möglichst zehn Tage selbst versorgen können, ein Vorrat für zumindest drei Tage hilft nach dem Ratgeber schon sehr. Für drei Personen ergibt das 18 Liter Wasser für drei Tage und 60 Liter für zehn Tage. Trinkwasser nennt das BBK wichtiger als Essen.

Beim Essen zählen haltbare Lebensmittel ohne Kühlung, denn der Kühlschrank geht mit dem Strom aus. Wie ein Vorrat für eine dreiköpfige Familie auf 30 Tage wächst, rechnet unser Beitrag zum Notvorrat vor.

Die Berliner Kommission verlangt von den Menschen eine Selbsthilfefähigkeit von mindestens 72 Stunden und die Bereitschaft zur Nachbarschaftshilfe. Je selbstständiger Haushalte und Nachbarschaften in den ersten 72 Stunden handeln, desto mehr Kapazität bleibt den Einsatzkräften für Menschen, die sich nicht selbst helfen können. Zugleich verschafft die Vorsorge den Hilfsorganisationen die Zeit, die sie brauchen, um ihre Abläufe aufzubauen.

BereichHaushaltBetrieb
Wasser2 Liter pro Person und Tag, für drei Personen 60 Liter über zehn TageTrinkwasser für die Belegschaft und für Prozesse, die ohne Leitungswasser nicht laufen
InformationBatteriebetriebenes oder KurbelradioWeg zur Belegschaft, der ohne Mobilfunk und Festnetz funktioniert
ZahlungBargeld im HausKassenabwicklung, die ohne Kartenterminals und Geldautomaten auskommt
KühlungHaltbare Lebensmittel, die keine Kühlung brauchenEigener Temperaturfühler mit Alarm, unabhängig von der Steuerung
StromPowerbank und Lampen mit BatterienAggregat mit durchgerechneter Reichweite in Stunden
Vorsorge in zwei Spalten. Quellen: BBK (Ratgeber Vorsorgen für Krisen und Katastrophen), BSI, Redaktion.

Für Betriebe gilt dieselbe Rechnung mit größeren Zahlen. Die Kommission will kleine und mittlere Unternehmen mit niedrigschwelliger Beratung und Förderung für die betriebliche Krisenvorsorge unterstützen. Bis dahin hilft ein ehrlicher Blick auf die eigenen Abhängigkeiten.

  1. Laufen Kasse, Kühlung und Telefon ohne Netzstrom, und wie lange?
  2. Wie erreichen sich Geschäftsführung und Belegschaft, wenn Mobilfunk und Festnetz ausfallen?
  3. Wie viele Stunden reicht der Treibstoff eines vorhandenen Aggregats?
  4. Ist die Steuerung von Kühlung oder Heizung direkt aus dem Internet erreichbar?
  5. Meldet ein eigener Temperaturfühler mit Alarm einen Kälteausfall unabhängig von der Steuerung?

Einer Berliner Klinik reichten 1.800 Liter Diesel nur rund 20 Stunden. Die Frage nach der Reichweite des eigenen Aggregats kostet nichts, die Antwort kann am vierten Tag über den Betrieb entscheiden.

Auf den Punkt

Zehn Tage sind das Ziel des BBK, 72 Stunden das Minimum, das auch die Berliner Behörden bei Ihnen voraussetzen. Betriebe rechnen zusätzlich Treibstoff, Kasse und Kühlung durch.

Was bleibt vom Staat, wenn der Strom zehn Tage fehlt?

Weiße Taschenlampe mit orangefarbenem Anhänger und Aufschrift „STAAT“ auf weißem Grund
In den ersten 72 Stunden beginnt der Bevölkerungsschutz im eigenen Haushalt.

Übrig bleiben Katastrophenschützer, Betreiber und Nachbarn, und jeder Haushalt zählt dazu. Die Berliner Kommission erwartet von den Menschen eine Selbsthilfefähigkeit von mindestens 72 Stunden.

Der Satz „Der Staat bin ich“ wird Ludwig XIV. zugeschrieben und stand lange für Hochmut. Im Blackout wird er zur Betriebsanleitung. Die Berliner Kommission schreibt: „Resilienz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Politik, Verwaltung, Unternehmen, Blaulichtorganisationen und Bevölkerung tragen sie gemeinsam. Keine dieser Gruppen kann die Verantwortung auf andere übertragen.“

Der Bund zieht dieselbe Linie. Das Bundesinnenministerium kündigt im Pakt für den Bevölkerungsschutz eine große Selbstschutzkampagne des BBK, einen neuen Notfall-Ratgeber und mehr Zivilschutz im Schulunterricht an. Ein Staat, der Kinder im Klassenzimmer auf den Stromausfall vorbereiten will, plant mit der Selbsthilfe der Bürger.

Hinter dem Versprechen, dass der Staat im Ernstfall hilft, steht in den Berichten eine Zeitangabe: 72 Stunden in Berlin, die erste Woche beim TAB. Bis dahin sind Sie der Staat vor Ihrer Haustür.

Wie Menschen auf ausfallende öffentliche Dienste reagieren, spielt unser Gedankenexperiment zur Stadt, die nicht mehr putzt, durch. Der Stromausfall ist dieselbe Lage in ernst.

Fragen Sie sich einmal, wer am vierten Tag die Wasserkanister in Ihre Straße fährt, wenn alle Tankstellen seit dem ersten Tag stehen. Das TAB beschrieb schon 2011, dass der Treibstoff für die Einsatzfahrzeuge dann knapp wird.

Beginnen Sie diese Woche mit zwei Dingen: 60 Liter Wasser für drei Personen und ein batteriebetriebenes Radio in den Keller. Fragen Sie in Ihrem Betrieb außerdem den Kälteservice, ob die Steuerung direkt aus dem Internet erreichbar ist, und rechnen Sie die Reichweite Ihres Aggregats in Stunden durch. Beides lässt sich an einem Nachmittag klären.

Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zum Blackout und zur kritischen Infrastruktur

Ein aufgeschlagenes Buch, in dem ein oranger Stecker mit Kabel als Lesezeichen liegt
Von Autarkiepflicht bis Zivilschutz: die wichtigsten Begriffe zum Blackout.

Autarkiepflicht

Autarkiepflicht bezeichnet die Vorgabe, dass ein Betreiber seinen Notbetrieb für eine festgelegte Zeit ohne Versorgung von außen aufrechterhält, etwa mit eigenem Notstrom und Treibstoff. Die Berliner Expertenkommission fordert von Betreibern kritischer Infrastruktur 72 Stunden als Sofortmaßnahme und mittelfristig zehn Tage.

Bevölkerungsschutz

Bevölkerungsschutz ist der Oberbegriff für Zivilschutz und Katastrophenschutz. Der Bund trägt den Zivilschutz im Verteidigungsfall, die Länder den Katastrophenschutz im Frieden. Kommunen, Feuerwehren, Hilfsorganisationen und das THW setzen die Aufgaben vor Ort um, großenteils im Ehrenamt.

Blackout

Blackout nennt man einen großflächigen und lange andauernden Stromausfall, der mehrere Regionen trifft. Die meisten Stromausfälle sind laut BBK nach wenigen Stunden behoben. Ein Blackout kann dagegen Tage dauern und legt Wasserversorgung, Mobilfunk und Zahlungsverkehr gleich mit lahm.

Cell Broadcast

Cell Broadcast ist ein Warnverfahren, bei dem Mobilfunkzellen eine Nachricht an alle eingebuchten Handys senden, ohne dass eine App nötig ist. Das Verfahren setzt funktionierende Funkzellen voraus und fällt deshalb aus, sobald die Basisstationen ohne Strom sind.

Großschadenslage

Großschadenslage heißt in Berlin der förmlich festgestellte Ausnahmezustand nach dem Katastrophenschutzgesetz. Die Feststellung macht Mittel frei und beschleunigt Entscheidungen. Im Januar 2026 stellte die Innensenatorin sie am Sonntag um 15 Uhr fest, einen Tag nach Beginn des Ausfalls.

Inselbetriebsfähigkeit

Inselbetriebsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit einer Anlage, ohne öffentliches Stromnetz weiterzulaufen. Solaranlagen schalten bei einem Netzausfall ab, sofern ihnen die Technik für den Inselbetrieb fehlt. In Berlin lieferten deshalb rund 95 Prozent der Anlagen im Januar keinen Strom.

KRITIS

KRITIS steht für kritische Infrastrukturen, also Einrichtungen, deren Ausfall die Versorgung vieler Menschen gefährdet, etwa Energie, Wasser, Ernährung, Gesundheit, Verkehr und Telekommunikation. Das KRITIS-Dachgesetz regelt ihren physischen Schutz und setzt im Regelfall bei 500.000 versorgten Menschen an.

MoWaS

MoWaS ist das Modulare Warnsystem des Bundes, über das Behörden Gefahrenmeldungen an Rundfunk, Warn-Apps wie NINA und weitere Kanäle verteilen. In Berlin ging die erste Warnung des Januar-Ausfalls um 8:45 Uhr hinaus. Bis 2027 sollen auch die Sirenen zentral darüber ansteuerbar sein.

Netzersatzanlage

Netzersatzanlage (NSA) heißt ein stationäres oder mobiles Stromaggregat, meist mit Dieselantrieb, das bei einem Netzausfall Krankenhäuser, Wasserwerke und andere kritische Einrichtungen versorgt. Der Treibstoffvorrat begrenzt die Laufzeit: Einer Berliner Klinik reichten 1.800 Liter Diesel rund 20 Stunden.

Resilienz

Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Systems, unter erheblicher Belastung zu funktionieren und danach schnell in einen stabilen Zustand zurückzukehren. Die Berliner Expertenkommission meint damit Strom, Wasser, Wärme, Nahrung, Kommunikation und Gesundheit. Resilienz kostet Geld, weil Reserven vorgehalten werden.

Schwarzstart

Schwarzstart nennt man das Hochfahren eines Kraftwerks ohne Strom aus dem Netz, etwa mit einem Dieselgenerator oder einer Batterie. Die Berliner Kommission schlägt eine zweite schwarzstartfähige Wärmeerzeugungsanlage vor, damit die Fernwärme nach einem Ausfall nicht vom Netzstrom abhängt.

Trinkwassernotbrunnen

Trinkwassernotbrunnen sind Brunnen, die bei einem Ausfall der öffentlichen Wasserversorgung Trinkwasser liefern. Das TAB zählte 2011 in Deutschland 5.200 Notbrunnen. Der Pakt für den Bevölkerungsschutz will sie mit 150 Millionen Euro für die Wasserversorgung robuster aufstellen.

Zivilschutz

Zivilschutz bezeichnet den Schutz der Bevölkerung im Verteidigungsfall und ist Aufgabe des Bundes. Im Frieden liegt der Katastrophenschutz bei den Ländern. Der Bund ergänzt deren Strukturen unter anderem durch das THW und das BBK, wie das TAB 2011 beschrieb.

FAQ: Was geschieht in Deutschland nach zehn Tagen ohne Strom?

Weißes Fragezeichen, brennende orange Kerze, Pappschild mit „FAQ“ vor weißem Hintergrund
Häufige Fragen zu Stromausfall, Blackout und Vorsorge.

Wie lange dauert ein Stromausfall in Deutschland im Durchschnitt?

Im Durchschnitt war 2024 jeder Letztverbraucher in Deutschland 11,7 Minuten ohne Strom. Die Bundesnetzagentur zählt dafür ungeplante Unterbrechungen über drei Minuten und lässt höhere Gewalt außen vor. 2023 lag der Wert bei 12,8 Minuten, das zehnjährige Mittel bei 12,7 Minuten.

Was ist der Unterschied zwischen Stromausfall und Blackout?

Ein Stromausfall ist laut BBK meist nach wenigen Stunden behoben, ein Blackout ist großflächig und dauert Tage. Dann fallen auch Wasserversorgung, Mobilfunk und Zahlungsverkehr aus, und das Gesundheitswesen ist nach 24 Stunden erheblich beeinträchtigt.

Wie viel Wasser brauche ich für zehn Tage ohne Strom?

Das BBK rechnet idealerweise mit 2 Litern pro Person und Tag, davon 0,5 Liter zum Kochen. Für drei Personen ergibt das 18 Liter für drei Tage und 60 Liter für zehn Tage. Trinkwasser nennt das BBK wichtiger als Essen.

Wie lange halten Mobilfunkmasten bei einem Stromausfall?

Die Mobilfunkmasten in Berlin hatten im Januar 2026 einen Batteriepuffer von rund 30 Minuten. Die Berliner Expertenkommission fordert dafür einen bundeseinheitlichen Mindeststandard von mindestens 72 Stunden. Ein batteriebetriebenes Radio empfängt Durchsagen auch ohne Handynetz.

Wer ist bei einem Blackout zuständig?

Zuerst sind die örtlichen Behörden zuständig, bei regional übergreifender Lage werden die höheren Ebenen bis zu den Bundesministerien tätig. Der Katastrophenschutz liegt bei den Ländern, den Zivilschutz im Verteidigungsfall übernimmt der Bund.

Welche Betreiber muss das KRITIS-Dachgesetz erfassen?

Als kritisch gilt eine Anlage im Regelfall, wenn sie mindestens 500.000 Menschen versorgt. Die Länder können weitere Anlagen bestimmen. Betreiber müssen sich registrieren, Risiken analysieren, einen Resilienzplan vorlegen und erhebliche Störungen binnen 24 Stunden melden.

Quellen

22 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 14.10.2026
  1. Deutscher BundestagDrucksache 17/5672: TA-Projekt Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften am Beispiel eines großräumigen und langandauernden Ausfalls der Stromversorgung27.04.2011
  2. Regierender Bürgermeister von Berlin, ExpertenkommissionResilienz in Berlin: Über die Funktionsfähigkeit der kritischen InfrastrukturJuni 2026
  3. Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe BerlinPressemitteilung: Stromausfall im Berliner Südwesten03.01.2026
  4. zfkAnschlag auf das Berliner Stromnetz: 50.000 Haushalte ohne Strom09.09.2025
  5. BundesnetzagenturPressemitteilung: Versorgungsqualität Strom, SAIDI 202409.10.2025
  6. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und KatastrophenhilfeVorsorgen für Krisen und Katastrophen
  7. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und KatastrophenhilfeVorsorge und Handeln bei Stromausfall
  8. Bundesministerium des InnernEckpunkte Pakt für den Bevölkerungsschutz20.05.2026
  9. BundesregierungAuf den Ernstfall gut vorbereitet sein: Pakt für den Bevölkerungsschutz
  10. DIHKBundestag verabschiedet KRITIS-Dachgesetz
  11. Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und VerkehrSitzung des Bundesrates am 6. März 2026: KRITIS-Dachgesetz
  12. GÖRGKRITIS-Dachgesetz: Neuer bundeseinheitlicher Rechtsrahmen für den physischen Schutz kritischer Infrastrukturen09.03.2026
  13. Bundesamt für Sicherheit in der InformationstechnikBSI rät dringend zur Absicherung vernetzter Steuerungssysteme13.10.2026
  14. CERT-FRCERTFR-2026-ALE-012: Sicherheitsvorfall bei Fernsteuerungen von Kälteanlagen
  15. Gesetze im InternetBSI-Gesetz, Anlage 2 (wichtige Einrichtungen)
  16. RWE PowerRWE-Kraftwerke von Vorfall im Umfeld eines Umspannwerks betroffen02.09.2026
  17. Der SpiegelSabotage: offenbar 165 Verdachtsfälle in Deutschland in diesem Jahr
  18. tagesschauVertrauliches BKA-Papier: Deutschland ist massives Ziel von Spionage und Sabotage
  19. ENTSO-E28 April 2025 Blackout
  20. pv magazineEntso-E report finds systemic failures behind 2025 Iberian blackout23.03.2026
  21. Dr. WebHacker schalten in Frankreichs Supermärkten das Abtauen der Kühlregale ein13.10.2026
  22. Dr. WebSamsung-Kühlschränke nach Firmware-Update lahmgelegt25.09.2026
4,3 15 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?