Der Verkauf des Mercedes-Werks in Ludwigsfelde an den Panzerbauer KNDS kommt nicht voran. Laut Handelsblatt sind sich beide Unternehmen weitgehend einig, doch KNDS wartet auf die Großbestellung von Boxer-Radpanzern durch die Bundeswehr. Für die rund 1.800 Beschäftigten südlich von Berlin endet die Beschäftigungssicherung Ende 2029.

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Mercedes-Benz will die Serienfertigung des Sprinters in Ludwigsfelde bis Ende 2029 beenden, der Transporter soll künftig im polnischen Jawor entstehen. Das Handelsblatt beruft sich auf Industriekreise, weder Mercedes noch KNDS haben den Stand öffentlich bestätigt. Der Verkauf könne sich verzögern oder ganz scheitern, schreibt die Zeitung.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Mercedes will die Van-Fabrik Ludwigsfelde abgeben, KNDS hat Interesse, ein Vertrag fehlt.
  • Laut Handelsblatt hängt die Übernahme am Bundeswehr-Auftrag „Arminius“ über rund 1.800 Boxer für etwa 25 Milliarden Euro.
  • Der Haushaltsausschuss soll das Projekt laut Fachpresse erst am 9. Dezember 2026 freigeben.
  • Bei früheren Umbauten zu Rüstungsstandorten blieb nur ein Teil der Belegschaft.

Woran hängt der Verkauf an KNDS?

Zwei Spielzeuge vor weißem Hintergrund: ein Transporter und ein Schützenpanzer
KNDS plant Bau von 1.800 Militärfahrzeugen vom Typ Boxer in Ludwigsfelde für rund 25 Milliarden Euro

Erst der Auftrag. KNDS will in Ludwigsfelde Militärfahrzeuge bauen, anfangs womöglich auf einem Teil der Fläche neben den Mercedes-Vans. Für neue Kapazitäten hatte der Konzern bis zu eine Milliarde Euro in Aussicht gestellt.[2] Diese Rechnung geht nur mit dem Auftrag „Arminius“ auf. Laut dem Fachportal hartpunkt umfasst die Festbestellung rund 1.800 Boxer für etwa 25 Milliarden Euro, mit Optionen bis zu 5.500 Fahrzeuge. KNDS und Rheinmetall teilen die Boxer-Umsätze je zur Hälfte.[3]

Termin im Dezember. Nach hartpunkt-Angaben soll der Haushaltsausschuss des Bundestags das Projekt am 9. Dezember 2026 billigen.[3] In den Sitzungen am 23. und 24. September stand der Boxer nicht unter den Beschaffungsvorlagen.[4] Das Vorhaben steht damit auf der Stufe der Verhandlung: Es gibt weder einen Kaufvertrag noch eine Standortentscheidung von KNDS.

Wie viele der 1.800 Stellen bleiben?

Umbau mit Abschlag. Beim Wechsel vom Zivil- ins Rüstungsgeschäft bleiben selten alle Arbeitsplätze erhalten. In Görlitz übernahm KNDS 2025 das Alstom-Werk und von rund 700 Beschäftigten 350 bis 400.[5] Beim VW-Werk Osnabrück, das an den Investor Aurelius geht, erhalten laut Betriebsrat rund 1.400 von 1.800 Stellen eine Perspektive. Die IG Metall befürchtete schon im Juni, dass in Ludwigsfelde nur 200 Arbeitsplätze übrig bleiben.[2]

Weniger Auswahl. Osnabrück galt lange als Alternative für KNDS. Mit der Einigung von VW, Niedersachsen und Aurelius vom 7. September ist dieses Werk vergeben, der Markt für freie Autofabriken wird kleiner.

Ludwigsfelde wartet auf den Boxer
Was am Verkauf des Mercedes-Werks an KNDS hängt
1.800
Beschäftigte im Mercedes-Werk Ludwigsfelde, gesichert bis Ende 2029
1.800 Boxer
Festbestellung „Arminius“ für rund 25 Mrd. €, Optionen bis 5.500 Fahrzeuge
bis 1 Mrd. €
von KNDS angekündigte Investition in neue Kapazitäten
350 bis 400
von rund 700 Stellen übernahm KNDS 2025 im Ex-Alstom-Werk Görlitz
Juni 2026
Gespräche zwischen Mercedes und KNDS werden bekannt
28.09.2026
Handelsblatt: Verkauf stockt, Auftrag fehlt
9.12.2026
geplante Freigabe von „Arminius“ im Haushaltsausschuss
Ende 2029
Aus für die Sprinter-Serie, Beschäftigungssicherung endet

Ein Rüstungskonzern kauft kein Autowerk auf Verdacht. Solange der Bundestag den Boxer-Auftrag nicht freigibt, hat Ludwigsfelde nach 2029 keine gesicherte Zukunft.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet der Stillstand für Brandenburg?

Kosten als Treiber. Mercedes begründet den Abzug der Sprinter-Fertigung mit höheren Produktionskosten und dem Wettbewerb aus China. Parallel stellt der Konzern zwei weitere deutsche Werke unter Vorbehalt. Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) hatte das Ende der Serienfertigung in Ludwigsfelde bereits im September 2025 öffentlich gemacht.[6]

Vorlauf einplanen. Zulieferer im Umland sollten ihren Umsatzanteil am Sprinter jetzt beziffern, denn ohne Nachfolger endet die Fertigung in gut drei Jahren. Ein Rüstungsbetrieb verlangt andere Zertifizierungen und Sicherheitsüberprüfungen, der Wechsel braucht deshalb Zeit. Kommt der Boxer-Vertrag im Dezember zustande, dürfte die Entscheidung über das Werk frühestens danach fallen.

Quellen

[1] Handelsblatt: Mercedes-Werksverkauf an Rüstungskonzern KNDS gerät ins Stocken (28.09.2026)

[2] nd: Mercedes Ludwigsfelde: Folgt Boxer-Panzer auf Sprinter-Van? (03.06.2026)

[3] hartpunkt: Arminius ante portas: Großvertrag für Boxer-Radpanzer soll im Dezember geschlossen werden (06.08.2026)

[4] ESUT: Bundeswehr-Beschaffung: Zwölf 25-Mio-Vorlagen im Haushaltsausschuss (18.09.2026)

[5] KNDS: Alstom and KNDS have reached agreement: Secure future for the industrial site in Görlitz (05.02.2025)

[6] Autohaus: Transporter-Werk: Brandenburg sieht Unsicherheit für Mercedes in Ludwigsfelde (03.09.2025)

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