Beim Frühstück drehen Sie das Honigglas aus dem Supermarkt und lesen auf dem Etikett neuerdings Länder mit Prozentzahlen: Argentinien, Ukraine, Mexiko. Deutschland steht nicht immer dabei. Deutsche Imker ernteten 2026 laut Deutschem Imkerbund im Schnitt 39,5 Kilo Honig je Bienenvolk, so viel wie nie, während Deutschland 2025 nach Eurostat-Daten knapp 68.000 Tonnen Honig einführte.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 16. Oktober haben sieben Imkerverbände aus sieben Ländern in der „Dresdner Erklärung“ ein europäisches Referenzzentrum gegen Lebensmittelbetrug gefordert. Bei der letzten großen Kontrolle der EU-Kommission galt fast jede zweite Honigprobe an den Außengrenzen als verdächtig, mit Zuckersirup gestreckt zu sein.
Diese Stoffgeschichte folgt dem Honig von einer Felsmalerei in Spanien über die Zeidler im Nürnberger Reichswald und ein Patent aus Philadelphia bis zu den Laboren, die heute über echt und falsch entscheiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anlass: Deutsche Imker melden für 2026 eine Rekordernte von 39,5 Kilo je Volk. Gleichzeitig fordern sieben Verbände in der Dresdner Erklärung vom 16. Oktober schärfere Kontrollen gegen gefälschten Honig.
- Der Rohstoff: Honig entsteht aus Nektar oder Honigtau, den Bienen sammeln, eindicken und in Waben reifen lassen. Die Welt erzeugte 2024 nach Zahlen der FAO rund 1,85 Millionen Tonnen.
- Der Markt: China erzeugt ein Viertel der Weltmenge und verkaufte 2025 Honig für 1,21 Euro je Kilo in die EU. Die EU deckt nur 63 Prozent ihres Bedarfs selbst.
- Die deutsche Lage: Deutschland ist der größte Importeur von Honig aus Drittländern in der EU. Seit dem 14. Juni 2026 muss jedes Glas mit Mischhonig alle Herkunftsländer mit Prozentanteil nennen.
Bluff oder Wissen? Der Honig-Check
1 Wie viel Honig ernteten deutsche Imker 2026 im Schnitt je Bienenvolk? Aufklappen ↓
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2 Welches Land erzeugte 2024 ein Viertel des Honigs der Welt? Aufklappen ↓
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3 Welcher Anteil der Honigproben an den EU-Außengrenzen galt bei der Aktion „From the Hives“ als verdächtig? Aufklappen ↓
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4 Wer meldete 1852 eine Bienenbeute mit beweglichen Rähmchen zum Patent an? Aufklappen ↓
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5 Seit wann muss Mischhonig in Deutschland jedes Herkunftsland mit Prozentanteil nennen? Aufklappen ↓
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Was ist Honig und wie entsteht er?
Honig ist ein süßer Stoff, den Honigbienen aus Nektar oder aus Honigtau erzeugen. Die Bienen saugen die Flüssigkeit auf, reichern sie mit körpereigenen Stoffen an, entziehen ihr Wasser und lagern sie in Waben, bis der Honig reif ist.
Diese Definition steht in der deutschen Honigverordnung, und nur dieses Bienenprodukt darf im Handel „Honig“ heißen. Blütenhonig stammt überwiegend aus dem Nektar der Blüten. Waldhonig, amtlich Honigtauhonig, entsteht aus den süßen Ausscheidungen von Läusen und anderen Insekten, die an Nadelbäumen und Laubbäumen saugen. Chemisch ist Honig vor allem Zucker. Blütenhonig muss nach Anlage 2 der Verordnung mindestens 60 Gramm Fruchtzucker und Traubenzucker je 100 Gramm enthalten, Honigtauhonig mindestens 45 Gramm. Der Wassergehalt darf höchstens 20 Prozent betragen, Haushaltszucker in der Regel höchstens 5 Gramm.
Die Bienen spalten den Haushaltszucker aus dem Nektar mit eigenen Enzymen in Frucht- und Traubenzucker. Nektar enthält anfangs viel Wasser, der fertige Honig in Deutschland lag 2025 laut Fachzentrum Mayen im Mittel bei 17,1 Prozent Wassergehalt. Erst wenn die Bienen eine Wabe mit Wachs verdeckeln, gilt der Honig als reif.
Der Geschmack hängt von der Tracht ab, also von dem, was die Bienen in der Umgebung finden. Im Frühjahr prägen Raps und Obstblüte die Ernte, im Sommer Linde, Brombeere, Klee und in manchen Regionen die Tanne, beschreibt das Mayener Fachzentrum für 2025.
Die Ernte aus der Frühtracht lag 2026 bei 20,5 Kilo je Volk, aus der Sommertracht bei 19,0 Kilo.
Als Sortenhonig darf ein Glas nur verkauft werden, wenn der Honig ganz oder überwiegend aus einer Pflanze stammt. Rapshonig etwa stammt aus der ersten großen Tracht des Jahres: Im April blühen die Rapsfelder, deren Saat zu Speiseöl und Biodiesel wird. Ob die Sorte stimmt, prüfen Labore mit der Pollenanalyse unter dem Mikroskop.
Ein Maß für Frische ist der Stoff HMF, der entsteht, wenn Honig erhitzt wird oder lange lagert. Die Verordnung erlaubt höchstens 40 Milligramm je Kilo, bei Honig aus tropischen Ländern 80 Milligramm.
Reserven im Sinne einer Lagerstätte hat Honig nicht. Wie viel die Welt erntet, hängt von der Zahl der Bienenvölker, vom Wetter und vom Angebot an Blüten ab. In der EU standen 2024 rund 20,3 Millionen Bienenvölker, in Deutschland nach der letzten Meldung an die EU-Kommission rund 1,01 Millionen.
Die Erzeugung eines Kilos Honig kostete 2024 nach den Meldungen der Mitgliedstaaten an die EU-Kommission im EU-Mittel rund 5,40 Euro, in Deutschland rund 10 Euro.
Honig ist eingedickter Nektar oder Honigtau, den Bienen in Waben reifen lassen. Reif ist er erst unter dem Wachsdeckel, mit höchstens 20 Prozent Wasser.
Wer entdeckte Honig und wie wurde er zur Massenware?

Entdeckt hat Honig niemand, Menschen sammeln ihn seit Jahrtausenden. Zur Massenware wurde er erst, als der Amerikaner Lorenzo L. Langstroth 1852 eine Beute mit herausnehmbaren Rähmchen patentierte. Im selben Jahrhundert verlor Honig seine Rolle als wichtigstes Süßungsmittel an den Rübenzucker.
An der Felswand der Cuevas de la Araña bei Bicorp in der spanischen Provinz Valencia klettert eine gemalte Gestalt an Seilen zu einem Bienennest, umschwirrt von Bienen. Fachleute schätzen das Bild meist auf rund 8.000 Jahre, das genaue Alter ist umstritten. Die Felsbilder der Region gehören zum Unesco-Welterbe.
In Mitteleuropa holten im Mittelalter die Zeidler den Honig aus dem Wald, indem sie Bienen in Höhlungen lebender Bäume hielten und die Waben herausschnitten. Im Nürnberger Reichswald bildeten die Waldimker einen eigenen Stand mit eigener Gerichtsbarkeit, berichtet der Markt Feucht. König Karl IV. bestätigte den Waldimkern 1350 ihre Rechte, im Gegenzug mussten die Zeidler als Armbrustschützen dienen. Das Zeidelgericht in Feucht bestand bis 1796.
Der Pfarrer Lorenzo L. Langstroth erhielt am 5. Oktober 1852 das US-Patent Nr. 9.300 für eine Beute mit beweglichen Rähmchen. Die Waben hingen nun in Holzrahmen mit genau so viel Abstand, dass die Bienen sie weder miteinander noch mit der Kastenwand verbauten. Der Imker konnte jede Wabe herausnehmen, prüfen und ausschleudern, ohne Wabe und Volk zu zerstören.
Das Prinzip der beweglichen Rähmchen setzte sich weltweit durch. Erst damit ließ sich Honig in großen Mengen und Jahr für Jahr aus denselben Völkern gewinnen.
Der Berliner Chemiker Andreas Sigismund Marggraf wies 1747 Zucker in der Runkelrübe nach, sein Schüler Franz Carl Achard eröffnete 1801 im schlesischen Cunern die erste Rübenzuckerfabrik, verzeichnet die Neue Deutsche Biographie. Mit dem Rübenzucker, der im 19. Jahrhundert immer billiger wurde, verlor Honig seine Rolle als wichtigstes Süßungsmittel.
Unsere Stoffgeschichte über Zucker und seine Schattenseiten erzählt, wie der weiße Zucker später selbst zum Streitfall wurde.
Die Zeidler im Reichswald ernteten Honig über Jahrhunderte aus Baumhöhlen. Erst Langstroths Rähmchen von 1852 machten daraus eine planbare Ernte, als der Rübenzucker Honig schon vom Platz des wichtigsten Süßungsmittels verdrängte.
Wie hat Honig die Weltkarte verändert?

Honig hat keine Grenze verschoben und keinen Krieg ausgelöst. Seine Geopolitik findet am Zoll statt: China erzeugt ein Viertel der Weltmenge, die USA belegen Honig aus vier Ländern mit Strafzöllen, und die EU öffnet ihren Markt für die Ukraine und Südamerika.
Kolonialreiche, Verstaatlichungen und Kartelle wie beim Öl oder Kupfer kennt die Geschichte des Honigs nicht. Bienen lassen sich auf jedem Kontinent halten, kein Land kann den Stoff verknappen. Abhängig macht Honig trotzdem, über Preis und Herkunft.
China setzt den Preis
Nach FAO-Zahlen, die die EU-Kommission in ihrer Marktübersicht vom Januar 2026 ausweist, erzeugte die Welt 2024 rund 1,85 Millionen Tonnen Honig. China kam auf 456.000 Tonnen, ein Viertel der Weltmenge. Die EU folgt mit 246.000 Tonnen vor der Türkei mit 95.000 Tonnen, Äthiopien mit 86.000 Tonnen und dem Iran mit 80.000 Tonnen.
China führte 2024 laut Trade Data Monitor 169.573 Tonnen aus, 22,4 Prozent der weltweiten Exporte, im Schnitt zu rund 1,45 Euro je Kilo.
In die EU lieferte China 2025 nach Eurostat-Daten 66.194 Tonnen zu durchschnittlich 1,21 Euro je Kilo.
Europäische Imker erzielen im Großhandel mit Mehrblütenhonig im EU-Mittel 2,92 Euro je Kilo, meldet die Kommission für 2024. Der Abstand zum chinesischen Einfuhrpreis ist der Kern jedes Streits um Honig.
Die USA bauen Zollmauern
Größter Importeur der Welt sind die USA mit 255.045 Tonnen im Jahr 2024, gut ein Drittel der weltweiten Einfuhren. Nachdem das Handelsministerium Dumping festgestellt hatte, belegten die USA ab 2022 Honig aus Argentinien, Brasilien, Indien und Vietnam mit Antidumpingzöllen. Die Sätze reichten von 5,52 Prozent für einen indischen Exporteur bis 61,27 Prozent für einen vietnamesischen.
Für einen brasilianischen Exporteur setzte Washington sogar 83,72 Prozent fest. Exporteure, deren Ware in den USA teurer wird, suchen sich nach unserer Einschätzung andere Abnehmer, etwa in Europa.
Die EU öffnet die Tür nach Osten und Süden
Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine strich die EU 2022 die Zölle auf ukrainische Agrarwaren. Die Ukraine wurde nach Menge zum zweitgrößten und nach Wert zum größten Honiglieferanten der EU: 2024 kamen 54.019 Tonnen im Wert von 95 Millionen Euro. Die Sonderregeln liefen am 5. Juni 2025 aus, seit dem 30. Oktober 2025 gilt ein überarbeitetes Handelsabkommen mit festen Mengen für empfindliche Waren wie Honig.
Deutschland bezog 2025 nur noch 8.225 Tonnen ukrainischen Honig, nach 14.579 Tonnen im Jahr davor.
Seit dem 1. Mai 2026 wendet die EU das Abkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur vorläufig an. Das Abkommen öffnet eine zollfreie Quote für Honig, die über fünf Jahre auf 45.000 Tonnen anwächst. Nach Angaben der EU-Kommission entspricht das rund 10 Prozent des EU-Verbrauchs, 2024 kamen aus den Mercosur-Ländern 24.000 Tonnen. Bisher galt ein Zoll von 17,3 Prozent.
Der Betrug kennt keine Grenzen
Für die EU-Aktion „From the Hives“ zogen Behörden von November 2021 bis Februar 2022 an den EU-Grenzen 320 Proben. Davon galten 147 oder 46 Prozent als verdächtig, mit Zuckersirup gestreckt zu sein, meldete die Kommission im März 2023. Bei Honig aus China waren 66 von 89 Proben auffällig, bei Honig aus der Türkei 14 von 15.
Alle zehn Proben aus dem Vereinigten Königreich fielen auf, nach Vermutung der Kommission, weil dort Honig anderer Herkunft verarbeitet wurde.
Die EU erzeugt nur 63 Prozent ihres Bedarfs und ergänzt den Rest mit billiger Ware von außen.
Eine einheitliche amtliche Methode, die jeden Sirup zuverlässig erkennt, hat die Union bis heute nicht. Das Projekt HarmHoney der Gemeinsamen Forschungsstelle soll eine massenspektrometrische Methode vereinheitlichen, ein weiterer Ringversuch steht nach Aussage von Bertolt Kranz vom Nationalen Referenzzentrum für authentische Lebensmittel noch aus.
Warum ist Honig für die Weltwirtschaft so wichtig?

Der Welthandel mit Honig ist klein: Die Welt führte 2024 rund 723.000 Tonnen im Wert von 1,6 Milliarden Euro ein. Wirtschaftlich zählt die Bestäubung durch Bienen und andere Insekten mehr, der Weltbiodiversitätsrat beziffert den Wert der davon abhängigen Ernten auf bis zu 513 Milliarden Euro im Jahr.
Laut Trade Data Monitor entfiel 2024 gut ein Drittel der weltweiten Einfuhren auf die USA, knapp ein Viertel auf die EU, Japan 45.416 Tonnen. Exportiert wird vor allem aus Asien und Südamerika. Eine Börse für Honig existiert nicht, gehandelt wird direkt zwischen Exporteuren, Importeuren und Abfüllern.
Frank Filodda, Vorsitzender des Honig-Verbands und Geschäftsführer eines Abfüllers, nannte beim Imkerkongress in Dresden am 15. Oktober Preisschwankungen von 50 bis 100 Prozent innerhalb eines Jahres. Über Einkaufspreise schwieg er: „Es gehört zu den Gepflogenheiten im Handel, nicht über Preise zu sprechen.“ Im EU-Schnitt kostete importierter Honig 2024 an der Grenze 1,94 Euro je Kilo, exportierter Honig aus der EU dagegen 5,63 Euro, weist die Kommission aus.
Weit mehr wert als der Honighandel ist die Bestäubung auf den Feldern. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES schätzte 2016 den Wert der Ernten, die direkt von Bestäubern abhängen, auf 209 bis 513 Milliarden Euro im Jahr, umgerechnet zum aktuellen Kurs aus Dollarwerten von 2015. Mehr als drei Viertel der wichtigsten Nahrungspflanzen sind zumindest teilweise auf Bestäubung durch Tiere angewiesen.
Für die Mandelblüte in Kalifornien zahlten Farmer 2025 laut US-Landwirtschaftsministerium im Schnitt umgerechnet 186 Euro je gemietetem Bienenvolk, 15 Prozent mehr als im Vorjahr.
Die Mandelplantagen Kaliforniens brauchen neben Bienen vor allem Wasser, beschreibt unsere Stoffgeschichte zur Mandel.
Deutschland kauft am meisten ein
Deutschland ist der größte Abnehmer von Honig aus Drittländern in der EU. 2024 kamen 46.120 Tonnen von außerhalb der EU, 26,4 Prozent aller Drittlandseinfuhren der Union. Nach den Eurostat-Daten führte Deutschland 2025 insgesamt 67.966 Tonnen Honig im Wert von 208 Millionen Euro ein, davon 43.332 Tonnen aus Drittländern zu durchschnittlich 2,73 Euro je Kilo.
Größter Lieferant war 2025 Argentinien mit 11.434 Tonnen, vor der Ukraine mit 8.225 Tonnen.
Zugleich exportierte Deutschland 2025 rund 19.600 Tonnen Honig, zu durchschnittlich 5,10 Euro je Kilo. Nach unserer Einschätzung verlässt ein Teil der eingeführten Ware das Land abgefüllt oder gemischt wieder, zu einem fast doppelt so hohen Kilopreis wie beim Einkauf aus Drittländern. Deutsche Abfüller verdienen am Mischen, Prüfen und Verpacken.
Wie viel Honig Deutschland selbst erzeugt, ist umstritten. Der Deutsche Imkerbund beziffert die Eigenversorgung nach der Rekordernte 2026 auf 50 bis 60 Prozent. Eine aktuelle amtliche Versorgungsbilanz für Honig haben wir nicht gefunden.
Der Honighandel ist rund 1,6 Milliarden Euro im Jahr wert, die Bestäubung durch Bienen und andere Bestäuber ein Vielfaches davon. 46.120 Tonnen oder 26,4 Prozent aller EU-Drittlandseinfuhren gingen 2024 nach Deutschland.
In welchen Produkten steckt Honig und was verschwindet ohne ihn?

Honig steckt im Frühstücksglas, im Müsli, in Lebkuchen, Met, Honiglikör und Kosmetik. Ersetzen lässt sich der Honig selbst leicht durch Zucker und Sirup. Ohne Bienen fiele dagegen ein großer Teil von Obst, Gemüse und Nüssen weg.
Wo der Honig drinsteckt
Für die Industrie sieht die Honigverordnung eine eigene Kategorie vor: Backhonig darf etwas mehr Wasser enthalten oder leicht gegoren sein und muss den Hinweis „nur zum Kochen und Backen“ tragen. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau nennt als Einsatzfelder Brotaufstrich, Joghurt, Müsli, Getränke und Salate. Außerdem führt die Landesanstalt Honigkuchen, Met, Likör und Hautpflege auf.
| Produkt | Wofür Honig dient | Ersatz |
|---|---|---|
| Brotaufstrich und Tee | Süße und Geschmack der Tracht | Marmelade, Zuckerrübensirup, Agavendicksaft |
| Lebkuchen und Honigkuchen | Süße, Feuchtigkeit, Bräunung beim Backen | Zuckersirup, mit verändertem Geschmack |
| Joghurt, Quark und Müsli | Süße und Geschmack | Zucker, Ahornsirup, Glukosesirup |
| Honiglikör | Süße und Aroma | Zuckersirup, mit anderem Geschmack |
| Met | vergorener Rohstoff | kein Ersatz, ohne Honig kein Met |
| Kosmetik | pflegender Zusatz, etwa in der Quark-Honig-Maske | Glycerin und andere Feuchthaltemittel |
Pflanzliche Nachbauten aus Fruchtzucker, Traubenzucker und Pflanzenextrakten müssen unter anderem Namen verkauft werden. Ein Kilo deutscher Honig im Imkerglas kostete 2025 im Direktverkauf im Schnitt 13,44 Euro.
Was ohne Honig wegfiele und was ohne Bienen
Fiele der Honig weg, verschwände nur ein Produkt aus dem Regal: der Met, das Honigwein genannte Getränk. Lebkuchen, Müsli und Likör ließen sich mit Sirup süßen, sie schmeckten nur anders.
Die größere Lücke entstünde ohne Bienen. Ohne Honigbienen und wilde Bestäuber träfe der Ausfall vor allem Obst, Gemüse und Nüsse.
Äpfel, Kirschen, Erdbeeren, Mandeln, Raps und Sonnenblumen brächten weniger oder schlechtere Früchte. Getreide wie Weizen, Mais und Reis bestäubt der Wind, die Grundversorgung mit Kalorien bliebe also erhalten. Teurer und eintöniger würde vor allem die Obstschale.
Wie setzt sich der Preis eines Glases Honig zusammen?

Ein 500-Gramm-Glas vom deutschen Imker kostete 2025 im Schnitt 6,72 Euro. Nach unserer Rechnung entfallen davon 44 Cent auf die Mehrwertsteuer und rund 5 Euro auf die Erzeugung. Unverpackter Importhonig für dieselbe Menge kostet an der Grenze dagegen 1,37 Euro, aus China 61 Cent.
Mehr als drei Viertel der deutschen Imker verkaufen ihren Honig an der eigenen Haustür, berichtet das Fachzentrum Mayen in seinem Jahresrückblick vom 19. Dezember 2025.
Der Durchschnittspreis lag bei 6,72 Euro ohne Glaspfand, in Hamburg zahlten Kunden im Schnitt 7,67 Euro, in Thüringen 5,90 Euro.
Ein Rechenbeispiel: Honig unterliegt dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Von 6,72 Euro gehen also rund 44 Cent an den Staat, beim Imker bleiben 6,28 Euro netto. Die Produktionskosten für ein Kilo Honig lagen in Deutschland 2024 nach den Meldungen an die EU-Kommission bei rund 10 Euro, für 500 Gramm also bei rund 5 Euro.
Übrig blieben rund 1,28 Euro je Glas. Ob die Kostenmeldung die Arbeitszeit der Imker vollständig enthält, geht aus der Übersicht der Kommission nicht hervor. Der Deutsche Imkerbund stellt Kalkulationshilfen bereit, mit denen Imkereien ihre Kosten selbst ermitteln.
| Bestandteil | Euro je 500-g-Glas (Rechenbeispiel) | Anteil | Empfänger |
|---|---|---|---|
| Produktionskosten | rund 5,00 Euro | 74,4 Prozent | Imkerei (Durchschnitt Deutschland laut EU-Kommission) |
| Überschuss | rund 1,28 Euro | 19,1 Prozent | Imker |
| Mehrwertsteuer (Satz 7 Prozent) | rund 0,44 Euro | 6,5 Prozent | Staat |
| Ladenpreis beim Imker | 6,72 Euro | 100 Prozent | Kunde |
Importierter Honig aus Drittländern kostete 2025 an der deutschen Grenze im Schnitt 2,73 Euro je Kilo, 500 Gramm also 1,37 Euro. Honig aus der Ukraine kam in der EU auf 2,04 Euro je Kilo, Honig aus China auf 1,21 Euro. Für ein halbes Kilo chinesischen Honig zahlt ein Importeur damit rund 61 Cent.
Was danach für Prüfung, Mischung, Glas, Etikett, Transport und Handelsspanne hinzukommt, legen Abfüller und Händler nicht offen.
Die EU-Kommission meldet für 2024 einen durchschnittlichen Einfuhrpreis von 1,94 Euro je Kilo, nach 2,65 Euro im Jahr 2022. Ob die Abfüller den gesunkenen Einkaufspreis an die Kunden weitergaben, bleibt offen.
Auch der Wechselkurs wirkt. Für Exporteure in Argentinien oder China ist der Euro eine Fremdwährung, je mehr Dollar ein Euro wert ist, desto günstiger kaufen europäische Abfüller ein. Am 16. Oktober kostete ein Euro laut EZB 1,1253 Dollar.
Wer verdient an Honig und wer zahlt drauf?

Am meisten verdienen am Honig Exporteure mit großen Mengen und niedrigen Kosten sowie die Abfüller, die prüfen, mischen und verpacken. Das Nachsehen haben Imker in Europa, deren Kosten oft über dem Weltmarktpreis liegen, und Kunden, die für gestreckten Honig den Preis von echtem bezahlen.
Wer zu Kosten erzeugt, die einen Kilopreis von gut einem Euro erlauben, kann auf jedem Markt mithalten. Argentinien, das 2025 zum wichtigsten Lieferland Deutschlands wurde, profitiert zusätzlich von der zollfreien Mercosur-Quote. Bei den Abfüllern in Deutschland gilt Langnese Honig aus Bargteheide seit Jahrzehnten als Marktführer, die IHK Schleswig-Holstein nannte 2018 einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent. Aktuelle Zahlen veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Ein Ressourcenfluch wie beim Erdöl entsteht beim Honig nicht. Kein Land lebt von seinen Honigexporten, und die Erlöse verteilen sich auf sehr viele Imker. Der Preisdruck trifft stattdessen die Erzeuger in Hochkostenländern. In Deutschland liegen die Produktionskosten nach den Meldungen an die Kommission bei rund 10 Euro je Kilo, ein Großhändler zahlt für Mehrblütenhonig im EU-Mittel 2,92 Euro. Im Großhandel kann ein deutscher Imker zu diesem Preis nicht verkaufen, ihm bleibt der Direktverkauf.
Solange Brüssel an einer Prüfmethode feilt, kauft die EU 66.000 Tonnen chinesischen Honig im Jahr ohne verlässlichen Sirup-Test.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Ein Imker, der mit gestrecktem Honig konkurriert, erzielt schlechtere Preise und verliert Kundschaft. Laut EU-Kommission prüften die Behörden nach „From the Hives“ 123 Exporteure, bei 70 waren Lieferungen auffällig. Von 44 untersuchten Unternehmen in der EU wurden 7 sanktioniert, 340 Tonnen verfälschter Honig wurden zurückgewiesen, zurückgerufen oder zu Industriesirup herabgestuft.
Das Gesundheitsrisiko durch gestreckten Honig stuft die Kommission als sehr gering ein, der Schaden ist wirtschaftlich.
Thorsten Wilkens, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbunds, formulierte das beim Treffen von vier Imkerverbänden am 17. Oktober knapp: „Gefälschter Honig zerstört Preise und Vertrauen.“ Am anderen Ende der Kette sagte Filodda vom Honig-Verband in Dresden, sein Unternehmen arbeite nicht mit Firmen in China zusammen. Jede Fälschung zu erkennen, könne aber niemand garantieren.
| Akteur | Rolle | Bilanz |
|---|---|---|
| Exporteure in China | größte Erzeuger und Lieferanten | 66.194 Tonnen in die EU 2025, zu 1,21 Euro je Kilo |
| Exporteure in Argentinien | wichtigster Lieferant Deutschlands 2025 | 11.434 Tonnen nach Deutschland, zollfreie Mercosur-Quote seit Mai 2026 |
| Abfüller in Deutschland | Prüfen, Mischen, Verpacken | Ausfuhrpreis aus Deutschland 2025: 5,10 Euro je Kilo |
| Imker in Deutschland | Erzeuger mit hohen Kosten | rund 10 Euro Produktionskosten je Kilo, Großhandelspreis im EU-Mittel 2,92 Euro |
| Kunden | Käufer im Supermarkt | bei verfälschter Ware Honigpreis für Sirup |
Nach der EU-Aktion „From the Hives“ wurden 7 von 44 geprüften Unternehmen in der EU sanktioniert, 340 Tonnen Honig zurückgewiesen, zurückgerufen oder herabgestuft.
Wie mächtig ist die Honig-Lobby?

Eine mächtige Honig-Lobby existiert nicht. Zwei Lager streiten: Imkerverbände, die Herkunft und Echtheit streng prüfen lassen wollen, gegen Importeure und Abfüller, die auf Mischungen aus vielen Ländern setzen. Beim Etikett haben 2026 die Imker gewonnen.
Auf der einen Seite stehen der Deutsche Imkerbund, der 134.307 Mitglieder zählt, der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund und zwei kleinere Verbände. Auf EU-Ebene forderte der Bauernverband Copa-Cogeca 2023 eine strenge Herkunftskennzeichnung.
Auf der anderen Seite steht der Honig-Verband, der die Importeure und Abfüller vertritt.
Der größte Streitpunkt war das Etikett. Bis Juni 2026 durften Abfüller auf ein Mischglas schreiben: „Mischung von Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern“. Woher der Honig genau kam, erfuhr der Kunde nicht.
Die EU-Frühstücksrichtlinie von 2024 verlangt nun die Ursprungsländer mit Prozentanteil. Bei Mischungen aus mehr als vier Ländern dürfen die Mitgliedstaaten Prozentangaben nur für die vier größten Anteile verlangen, sofern diese zusammen mehr als die Hälfte ausmachen. Deutschland hat diese Ausnahme nicht übernommen: Die geänderte Honigverordnung verlangt seit dem 14. Juni 2026 jedes Herkunftsland absteigend mit Gewichtsanteil im Hauptsichtfeld, mit einer Toleranz von 5 Prozent je Anteil.
In der Dresdner Erklärung vom 16. Oktober fordern sieben Imkerverbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Südtirol, Liechtenstein, Belgien und den Niederlanden wirksame Kontrollen und ein europäisches Referenzzentrum gegen Lebensmittelbetrug. Zugleich kritisieren die Verbände Brüsseler Pläne, Pflanzenschutzmittel länger zuzulassen und per Drohne auszubringen.
Bertolt Kranz vom Nationalen Referenzzentrum für authentische Lebensmittel sieht die Behörden bei der Analytik im Rückstand und sagte in Dresden: „Die Privatwirtschaft ist uns in der Analytik einige Jahre voraus.“ Behörden müssten ihre Nachweise vor Gericht offenlegen können, Firmenlabore täten das nicht immer. Kontrolliert wird in Deutschland von den Ländern, das Referenzzentrum unterstützt sie fachlich.
Vom 3. bis 9. September 2029 findet der Weltimkerkongress Apimondia in Leipzig statt, Schirmherr ist Bundesagrarminister Alois Rainer.
Verlässliche Summen für Subventionen der Imkerei in Deutschland haben wir nicht gefunden, weder beim Bund noch gebündelt für die Länder.
- Etikett: Seit Juni 2026 jedes Herkunftsland mit Prozentanteil, auch bei mehr als vier Ländern
- Kontrolle: Imkerverbände fordern ein EU-Referenzzentrum gegen Lebensmittelbetrug
- Labor: Behörden liegen bei der Analytik laut Referenzzentrum Jahre zurück
Wie kommen wir von Honig los?

Vom Honig selbst loszukommen fiele leicht, Zucker und Sirup ersetzen ihn fast überall. Schwer zu ersetzen sind die Bienen, und um sie geht die eigentliche Sorge: Varroamilbe, Klimawandel und die Asiatische Hornisse setzen den Völkern zu.
In Brotaufstrichen, Backwaren und Süßwaren stehen Zuckerrübensirup, Glukosesirup und Agavendicksaft bereit. Am schnellsten unabhängig würde nach unserer Einschätzung die Lebensmittelindustrie, die Honig vor allem für Geschmack und Werbung einsetzt. Nur der Met käme ohne Honig nicht aus.
Die Varroamilbe kam 1977 nach Deutschland, eingeschleppt mit Völkern der Östlichen Honigbiene für die Forschung, beschreibt das Bieneninstitut des Landesamts LAVES in Celle. Die Milbe saugt an Bienen und Brut, zudem überträgt der Parasit Viren.
Über den Winter 2024/25 überlebten nur knapp 80 Prozent der eingewinterten Völker, meldet der Jahresrückblick des Fachzentrums Mayen.
Die Verluste gehen nach Einschätzung der Bienenkundler in den meisten Fällen auf eine erhöhte Varroabelastung zurück. Für den Winter 2025/26 sagten sie im Dezember 2025 Verluste von 15 bis 17 Prozent voraus.
Die Asiatische Hornisse jagt Honigbienen und wurde im August 2026 erstmals in Sachsen nachgewiesen.
Welche Rolle die Hornisse bei zunehmender Nestdichte spielen werde, müsse sich zeigen, schreiben die Bienenkundler im selben Rückblick: Geschwächte Völker fielen der Hornisse zuerst zum Opfer.
Die Dresdner Erklärung fordert deshalb mehr Förderung für die Zucht varroaresistenter Bienen und für biotechnische Verfahren gegen die Milbe.
Realistisch ist nur ein Ausweg aus der Abhängigkeit von billiger, schlecht geprüfter Importware. Dafür braucht die EU eine anerkannte Prüfmethode. Die EU-Frühstücksrichtlinie verpflichtet die Kommission, bis zum 14. Juni 2028 einheitliche Analysemethoden gegen verfälschten Honig festzulegen. Bis die Methode aus dem Projekt HarmHoney genormt ist, prüfen Abfüller mit eigenen oder beauftragten Laboren, deren Daten Behörden laut Referenzzentrum nicht immer gerichtsfest nutzen können.
Honig lässt sich durch Zucker und Sirup ersetzen, Bienen durch nichts. Varroa, Hitze und die Asiatische Hornisse setzen den Völkern zu, über den Winter 2024/25 überlebten nur knapp 80 Prozent.
Was bedeutet die Rekordernte für Deutschland?

Die Rekordernte von 39,5 Kilo je Volk ändert wenig an der Abhängigkeit. Deutschland führte 2025 knapp 68.000 Tonnen Honig ein, die Zahl der Bienenvölker sinkt, und die Mercosur-Quote bringt ab 2026 mehr zollfreien Honig aus Südamerika.
Der Deutsche Imkerbund meldete am 25. September so viel Honig je Volk wie nie zuvor, nach 37,5 Kilo im bisherigen Rekordjahr 2025. Besonders ergiebig war das Frühjahr im Norden und Osten, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein kamen im Schnitt auf 28 Kilo je Volk. Im Sommer brach die Tracht vielerorts ein, weil Kleewiesen in der Hitze verdorrten.
Der Verband warnt zugleich, dass die Zahl der Bienenvölker seit einigen Jahren zurückgeht, und fordert mehr Klimaschutz.
Für Verbraucher bringt die neue Kennzeichnung die größte Veränderung. Auf jedem neu abgefüllten Mischglas steht jetzt, wie viel Prozent aus welchem Land kommen. Kunden, die Honig aus Deutschland suchen, sehen das auf einen Blick. Gläser mit der alten Sammelangabe dürfen noch abverkauft werden, bis die Bestände erschöpft sind.
Abfüller müssen für jede Mischung die Anteile dokumentieren, damit die Angaben auf dem Etikett innerhalb der Toleranz von 5 Prozent stimmen. Lebensmittelhersteller, die Honig als Zutat einsetzen, können von zollfreier Ware aus der Mercosur-Quote profitieren. Deutsche Imker verkaufen weiter vor allem direkt, mit 12,56 Euro je Kilo netto gut 2,50 Euro über den eigenen Kosten.
Am Zug ist jetzt Brüssel. Die Frist der Kommission für einheitliche Prüfmethoden bis Juni 2028 ist den Imkerverbänden zu lang, ihre Dresdner Erklärung schließt mit dem Satz: „Ankündigungen allein reichen nicht“.
Drei Szenarien bis 2028
Optimistisch: Der Ringversuch im Projekt HarmHoney gelingt, die EU normt die massenspektrometrische Methode früher als geplant. Grenzkontrollen erkennen gestreckten Honig zuverlässiger, der Preisdruck auf europäische Imker lässt nach, und die vollständige Herkunftsangabe stärkt den deutschen Honig im Regal.
Realistisch: Die Normierung zieht sich bis 2028, die Mercosur-Quote wächst Jahr für Jahr, und deutsche Imker halten ihre Kundschaft über den Direktverkauf.
Pessimistisch: Ein verlustreicher Winter, mehr Asiatische Hornissen und ein trockener Sommer kosten 2027 viele Völker. Die Ernte bricht ein, die Eigenversorgung sinkt deutlich, und billige Importware füllt die Lücke, ohne dass die Kontrollen Schritt halten.
Was Sie jetzt tun können
- Etikett lesen: Neue Gläser nennen jedes Herkunftsland mit Prozentanteil, alte Gläser nur „EU- und Nicht-EU-Länder“
- Beim Imker kaufen: Honig im Direktverkauf kostete 2025 im Schnitt 6,72 Euro je 500 Gramm und bringt dem Erzeuger den größten Anteil
- Auf Sortenangaben achten: Sortenhonig muss überwiegend aus einer Pflanze stammen, geprüft per Pollenanalyse
- Hornissennester melden: Die Naturschutzbehörden der Länder nehmen Sichtungen der Asiatischen Hornisse entgegen
Lebensmittelhersteller sollten bei Honig als Zutat Analysezertifikate unabhängiger Labore verlangen und die Herkunft vertraglich festschreiben. Händler können mit der vollständigen Herkunftsangabe offensiv werben, statt die Pflicht nur zu erfüllen. Die Rekordernte zeigt, dass deutsche Bienen liefern können, solange genug Völker überleben.
Die Rekordernte 2026 ersetzt keinen Import, sie verschafft deutschen Imkern nur ein gutes Jahr. Entscheidend wird, ob die EU gestreckten Honig an der Grenze bald zuverlässig erkennt.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Honig

Backhonig
Backhonig ist Honig für industrielle Zwecke oder als Zutat, der von Speisehonig abweicht, etwa durch höheren Wassergehalt, beginnende Gärung oder Erhitzung. Er muss laut Honigverordnung den Hinweis „nur zum Kochen und Backen“ in Verbindung mit der Bezeichnung tragen und darf keine Sortenangabe führen.
Beute
Die Beute ist in der Imkersprache die Behausung eines Bienenvolks, heute meist ein Kasten aus Holz oder Kunststoff. Moderne Beuten folgen dem Prinzip von Lorenzo L. Langstroth aus dem Jahr 1852: Die Waben hängen in beweglichen Rähmchen und lassen sich einzeln entnehmen.
Bienenabstand
Der Bienenabstand ist der Zwischenraum von knapp einem Zentimeter, den Bienen frei lassen, statt ihn mit Wachs zu füllen oder zu verkitten. Langstroth nutzte dieses Maß für seine Rähmchen. Hält das Rähmchen diesen Abstand zur Kastenwand ein, verbauen die Bienen die Wabe nicht mit dem Kasten.
Blütenhonig
Blütenhonig, auch Nektarhonig genannt, stammt ganz oder überwiegend aus dem Nektar von Blüten. Er muss nach der Honigverordnung mindestens 60 Gramm Frucht- und Traubenzucker je 100 Gramm enthalten. Typische Sorten in Deutschland sind Raps-, Linden- und Robinienhonig.
Herkunftskennzeichnung
Die Herkunftskennzeichnung nennt das Land, in dem der Honig erzeugt wurde. Seit dem 14. Juni 2026 müssen Mischungen in Deutschland alle Ursprungsländer absteigend mit Prozentanteil im Hauptsichtfeld angeben. Packungen unter 30 Gramm dürfen zweibuchstabige Ländercodes verwenden.
HMF (Hydroxymethylfurfural)
HMF (Hydroxymethylfurfural) ist ein Stoff, der sich beim Erhitzen und langen Lagern von Honig bildet. Ein hoher Wert zeigt, dass der Honig nicht mehr frisch ist oder zu stark erwärmt wurde. Die Honigverordnung erlaubt höchstens 40 Milligramm je Kilo, bei tropischer Herkunft 80 Milligramm.
Honigtauhonig
Honigtauhonig, im Handel meist Waldhonig genannt, stammt aus den zuckerhaltigen Ausscheidungen von Läusen und anderen Insekten, die an Pflanzen saugen. Er ist dunkler und weniger süß als Blütenhonig. Die Verordnung verlangt mindestens 45 Gramm Frucht- und Traubenzucker je 100 Gramm.
Pollenanalyse
Die Pollenanalyse, fachlich Melissopalynologie, bestimmt unter dem Mikroskop, welche Blütenpollen ein Honig enthält. Labore prüfen damit Sortenangaben und Herkunftsregionen. Gegen Zuckersirup hilft die Methode nur begrenzt, weil Fälscher Pollen gezielt zusetzen können.
Rähmchen
Das Rähmchen ist ein Holzrahmen, in dem die Bienen ihre Wabe bauen. Der Imker kann jedes Rähmchen einzeln aus der Beute heben, das Volk kontrollieren und den Honig ausschleudern, ohne Wabe und Volk zu zerstören. Das Prinzip setzte sich nach Langstroths Patent von 1852 weltweit durch.
Tracht
Die Tracht ist das Angebot an Nektar, Pollen und Honigtau, das Bienen in ihrer Umgebung finden. Imker unterscheiden Frühtracht, etwa aus Raps und Obstblüte, und Sommertracht, etwa aus Linde und Klee. Fällt die Tracht in Hitzeperioden aus, sinkt die Ernte.
Varroamilbe
Die Varroamilbe (Varroa destructor) ist ein Parasit, der Honigbienen und ihre Brut befällt und Viren überträgt. Der Parasit kam 1977 nach Deutschland und gilt als Hauptursache für Winterverluste. Imker behandeln ihre Völker deshalb jedes Jahr gegen die Milbe.
Zeidler
Die Zeidler waren mittelalterliche Waldimker, die Bienen in Höhlungen lebender Bäume hielten und den Honig herausschnitten. Im Nürnberger Reichswald bildeten die Zeidler einen eigenen Stand mit Zeidelgericht in Feucht, das bis 1796 bestand. Karl IV. bestätigte ihre Rechte im Jahr 1350.
FAQ: Warum bleibt Honig trotz Rekordernte ein Importgut?

Ist Honig aus dem Supermarkt gepanscht?
Nicht jeder Supermarkthonig ist gepanscht, aber bei der EU-Aktion „From the Hives“ galten 46 Prozent der Proben an den Außengrenzen als verdächtig, mit Zuckersirup gestreckt zu sein. Ein Verdacht ist kein Nachweis. Seriöse Abfüller lassen jede Lieferung im Labor prüfen.
Woran erkenne ich echten Honig?
Am sichersten ist Honig direkt vom Imker oder ein Glas mit klarer Herkunftsangabe. Im Haushalt lässt sich Sirup nicht zuverlässig erkennen, Tests mit Wasser oder Feuer sagen wenig. Echtheit prüfen nur Labore, etwa mit Pollenanalyse und Massenspektrometrie.
Was bedeutet Mischung von Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern?
Die Angabe stand bis Juni 2026 auf Gläsern mit Honig aus mehreren Ländern und verriet nicht, woher der Honig genau kam. Seit dem 14. Juni 2026 muss jedes Herkunftsland mit Prozentanteil genannt werden. Ältere Gläser dürfen noch abverkauft werden.
Dürfen Babys Honig essen?
Nein, Säuglinge bis zu einem Jahr sollten keinen Honig bekommen, rät die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Sonst besteht die Gefahr von Säuglingsbotulismus, einer seltenen bakteriellen Vergiftung.
Warum ist deutscher Honig so teuer?
Deutscher Honig ist teuer, weil die Erzeugung hierzulande nach Meldungen an die EU-Kommission rund 10 Euro je Kilo kostet. Importhonig aus Drittländern kam 2025 für durchschnittlich 2,73 Euro je Kilo an die deutsche Grenze, aus China für 1,21 Euro in die EU.
Kann Honig schlecht werden?
Honig verdirbt bei richtiger Lagerung kaum, weil er wenig Wasser und viel Zucker enthält. Mit der Zeit kristallisiert er und verliert Aroma. Liegt der Wassergehalt über 20 Prozent, kann Honig gären. Kühl, trocken und dunkel gelagert hält er sich lange.
Quellen
27 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 18.10.2026
- Deutscher ImkerbundGute Honigernte trotz schwierigen Sommers
- Deutscher ImkerbundDresdner Erklärung der deutschsprachigen Partnerverbände
- Deutscher ImkerbundHonigqualität, Preise und Fälschungen
- Deutscher ImkerbundVier Verbände, ein Ziel
- Deutscher ImkerbundStartseite (Mitglieder und Völker)
- Fachzentrum für Bienen und Imkerei Mayen (DLR Westerwald-Osteifel)Bienen@Imkerei 29/2025, Jahresrückblick
- bienen&naturHonigernte 2026: Deutsche Imker melden neuen Rekord
- Europäische Kommission, GD LandwirtschaftHoney Market Presentation
- EurostatComext, Datensatz DS-045409, KN 0409 Honig (Datenstand 16.10.2026)
- Europäische Kommission, GD GesundheitEU coordinated action: From the Hives (Honey 2021-2022)
- Europäische Kommission, GD HandelFactsheet: EU-Mercosur partnership agreement, opening opportunities for European farmers
- HouthoffHandelsovereenkomst EU-Mercosur: voorlopige toepassing vanaf 1 mei 2026
- Werchowna Rada der UkraineAktualisiertes Handelsabkommen mit der EU in Kraft
- U.S. Department of Commerce, International Trade AdministrationFinal Determinations in the Antidumping Duty Investigations of Raw Honey from Argentina, Brazil, India, and Vietnam
- IPBESPollinators Vital to Our Food Supply Under Threat
- USDA National Agricultural Statistics ServiceCost of Pollination 2025
- Bundesministerium der JustizHonigverordnung (HonigV)
- Bundesministerium der JustizUmsatzsteuergesetz, Anlage 2
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und GartenbauHonigverwendung
- Google PatentsUS9300A: Bee-hive (Lorenzo L. Langstroth, 5.10.1852)
- Markt FeuchtZeidlerschloss
- Neue Deutsche BiographieAchard, Franz Carl
- American Bee JournalRevisiting Prehistoric Honey Hunting at Bicorp, Spain
- LAVES Institut für Bienenkunde CelleDie Varroa-Milbe: vom Nobody zum weltweiten Imker-Schreck
- Volksstimme (dpa)Asiatische Hornisse erstmals in Sachsen nachgewiesen
- IHK Schleswig-HolsteinErnährungswirtschaft: Langnese Honig
- Europäische ZentralbankEuro foreign exchange reference rates
