Ein Mannheimer Start-up mit vier Läden übernimmt 35 Minimärkte ohne Personal aus dem Tegut-Verkauf. Edeka erhält mit der Tegut-Übernahme 41 dieser Teo-Märkte, gibt 35 davon an Yobsti weiter und liefert künftig nur noch die Ware.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenÜber den Wechsel berichtete die Lebensmittel Zeitung am Donnerstag, Edeka bestätigte die Vereinbarung. Yobsti übernimmt die Standorte zum 1. November, schließt sie für einige Tage zum Umbau und öffnet sie am 6. November unter eigenem Namen. Die Ware kommt von Edeka Foodservice, dazu Artikel der Eigenmarke Gut & Günstig. Offen bleibt, was mit den übrigen sechs Teo-Märkten geschieht.
Das Wichtigste in Kürze
- Yobsti übernimmt 35 von 41 Teo-Märkten, Edeka liefert die Ware.
- Die Läden öffnen am 6. November unter dem Namen Yobsti.
- Sieben Standorte liegen im Landkreis Fulda, sechs im Main-Kinzig-Kreis, vier im Kreis Darmstadt-Dieburg.
- Tegut hatte 2020 mehr als 300 Teo-Standorte angekündigt.
Wer ist Yobsti?

Yobsti eröffnete seinen ersten Laden im Sommer 2024 in einem Überseecontainer in Kandel. Inzwischen betreibt das Unternehmen vier Märkte im ländlichen Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg, darunter seit September 2025 einen in Schwanheim mit rund 600 Einwohnern. Mit den Teo-Märkten wächst das Filialnetz auf 39 Läden, nach Rechnung von Dr. Web auf fast das Zehnfache.
Yobsti stellt regionalen Erzeugern seine Läden als Verkaufsweg zur Verfügung. Daneben führt der Betreiber herkömmliche Handelsware und steuert die Märkte zentral. Das Sortiment will Yobsti nach der Nachfrage vor Ort ausrichten. Der Schwerpunkt der übernommenen Standorte liegt in Hessen, vor allem in Osthessen, wo Tegut seinen Sitz hatte.
Warum betreibt Edeka die Märkte nicht selbst?
Edeka hat bei Tegut vor allem Supermärkte gekauft. Beim Bundeskartellamt meldete der Verbund 202 Tegut-Märkte und 41 Teo-Standorte an, das Amt gab 178 Supermärkte frei. Mit der Weitergabe behält Edeka den Warenabsatz, während Technik und Betrieb der Minimärkte bei Yobsti liegen. Dazu kommt, dass Eigenmarken bei Edeka die Marge heben.
Tegut hatte Teo 2020 in Fulda gestartet: 50 Quadratmeter, rund 950 Artikel, Zutritt per App oder Bankkarte, kein Bargeld. Vertriebsleiter Thomas Stäb kündigte damals langfristig mehr als 300 Standorte an. Erreicht hat Tegut 41. Einen Teo in Gläserzell verlegte Tegut 2023, weil er hinter den erwarteten Umsätzen zurückblieb.
Edeka verdient an der Ware, das Risiko der Minimärkte trägt künftig ein Start-up mit vier Läden.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Hier startete Tegut 2020 den ersten Teo.
Zweitgrößte Gruppe der übernommenen Standorte.
Weitere Standorte verteilen sich auf andere Kreise.
Was bremste die Läden ohne Personal?
Die Stadt Fulda verfügte 2021, dass Teo-Märkte sonntags schließen müssen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof bestätigte das: Das Ladenöffnungsgesetz gilt auch für automatisierte Läden, weil das Gesetz neben den Beschäftigten auch den Sonntag als Ruhetag schützt. Tegut stoppte daraufhin vorläufig die Expansion. Erst seit Juli 2024 dürfen in Hessen digitale Kleinstsupermärkte bis 120 Quadratmeter rund um die Uhr öffnen, auch an Sonn- und Feiertagen.[1] Im März 2026 kündigte die Eigentümerin Migros Zürich den Verkauf von Tegut an.
Die Ladenöffnung regelt seit der Föderalismusreform 2006 jedes Bundesland selbst. Ein Betreiber wie Yobsti, der künftig in mehreren Ländern verkauft, muss sein Modell deshalb an unterschiedliche Regeln anpassen. Im Tegut-Verkauf kommen neben Edeka und Rewe, das 38 Märkte übernehmen darf, auch kleinere Anbieter zum Zug: Die Kette Tante Enso erhielt den Zuschlag für 36 Märkte.
Die großen Ketten automatisieren dagegen in ihren bestehenden Märkten, etwa mit Kameras an der Kasse bei Rewe und Penny oder mit Einkaufswagen mit Kamera bei Kaufland. Für Gemeinden in Osthessen ohne eigenen Supermarkt bleibt der Teo-Standort als Nahversorger erhalten. Ob sich ein Laden ohne Personal trägt, entscheidet der Umsatz je Standort. Zahlen dazu haben weder Edeka noch Yobsti genannt.
Quelle
1 Quelle anzeigenQuellen ausblenden
- Land HessenDrittes Gesetz zur Änderung des Hessischen Ladenöffnungsgesetzes (Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 33 vom 15.07.2024)
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