Audi bietet Beschäftigten in Ingolstadt an, bis zu 24 Monate bei Rüstungsfirmen zu arbeiten. Zur Wahl stehen Diehl, Airbus, MBDA und KNDS, Arbeitgeber bleibt Audi. Gedacht ist das Angebot zunächst für Entwicklung und Qualitätssicherung, zwei der indirekten Bereiche, in denen Audi bis 2029 bis zu 7.500 Stellen abbauen will.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Audi-Stammwerk in Ingolstadt und der Airbus-Standort Manching, wo die Rüstungssparte des Konzerns Militärflugzeuge betreut, liegen nur wenige Kilometer auseinander. Über diese kurze Strecke sollen jetzt auch Fachkräfte wechseln. Das Angebot zur Arbeitnehmerüberlassung wurde am Mittwoch bekannt,[1] für Ende Oktober plant Audi Informationsveranstaltungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Audi verleiht Beschäftigte aus Ingolstadt auf freiwilliger Basis für bis zu 24 Monate an Diehl, Airbus, MBDA und KNDS, eine Rückkehr ist danach möglich.
- Angesprochen sind zunächst Ingenieure, Qualitätsingenieure, Projektmanager und Werkstattbeschäftigte aus technischer Entwicklung und Qualitätssicherung.
- Grundlage ist ein Tarifvertrag der IG Metall Bayern vom April 2026, das bisherige Entgelt läuft weiter.
- Wie viele Plätze die Rüstungsfirmen anbieten und ob Neckarsulm folgt, ist offen.
Wie funktioniert die Leihe zwischen Audi und den Rüstungsfirmen?

Teilnehmen dürfen nur Beschäftigte, die zustimmen, und eine Ablehnung darf ihnen nach Darstellung der IG Metall keine Nachteile bringen.[1] Bezirksleiter Horst Ott begründete das Modell mit einem Ungleichgewicht: Manchen Betrieben fehle derzeit Arbeit, anderen fehlten die Fachkräfte für ihre Auftragsbücher. Während des Einsatzes erhalten die Verliehenen ihr bisheriges Entgelt.
Für 24 Monate braucht das Modell eine tarifliche Ausnahme. Das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz begrenzt den Einsatz desselben Leiharbeitnehmers beim selben Entleiher grundsätzlich auf 18 aufeinanderfolgende Monate, ein Tarifvertrag der Einsatzbranche darf davon abweichen.[2] Die IG Metall Bayern verweist auf einen Tarifvertrag, den sie im April 2026 eigens für solche Wechsel abgeschlossen hat.
Warum verleiht Audi Personal, statt schneller abzubauen?
Eine Beschäftigungssicherung schließt bei Audi in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2033 aus. Im März 2025 verlängerten Vorstand und Betriebsrat diese Zusage mit der Zukunftsvereinbarung, die zugleich den Abbau von bis zu 7.500 Stellen in indirekten Bereichen bis 2029 vorsieht.[3] Die Gehälter laufen also weiter, auch dort, wo die Arbeit fehlt. In der Arbeitnehmerüberlassung bezahlt üblicherweise der Entleiher die geliehene Arbeitszeit.
Auch die Fertigung im Stammwerk ist nicht ausgelastet. In Ingolstadt entstehen 2026 laut Handelsblatt nur rund 325.000 Autos, ausgelegt ist das Werk auf 450.000. Trotzdem plant Audi laut demselben Bericht ein eigenes Werk in den USA. Im Juli senkte der Autobauer zudem die Prognose für 2026, weil der Gewinn aus China einbrach.
Die Rüstungsindustrie dagegen sucht Ingenieure. MBDA Deutschland hat seinen Sitz im nahen Schrobenhausen und baut dort die Fertigung von Lenkflugkörpern aus. Für Projekte mit Verschlusssachen brauchen Beschäftigte allerdings eine Sicherheitsüberprüfung, die Wochen bis Monate dauern kann. Bei einem Einsatz von höchstens zwei Jahren schmälert diese Wartezeit den Nutzen spürbar.
Was folgt aus dem Modell für Autobauer und Zulieferer?
Ende September begann ZF, Fachkräfte an Diehl Defence in Überlingen zu verleihen, ebenfalls unter dem Schutz einer Beschäftigungssicherung. Continental vereinbarte 2024 mit Rheinmetall einen festen Arbeitgeberwechsel für bis zu 100 Beschäftigte aus Gifhorn ins Werk Unterlüß. Mercedes-Benz setzt dagegen auf Abfindungen und startet im Dezember die zweite Runde seines Programms.
Bis 2033 zahlt Audi die Ingenieure ohnehin. Die Leihe macht aus bezahlter Wartezeit bezahlte Arbeit, nur eben für Diehl und Airbus.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zulieferer mit eigener Beschäftigungssicherung sollten prüfen, ob ihr Tarifvertrag ähnliche Wechsel zulässt, und mit Rüstungsfirmen in Pendeldistanz früh über Sicherheitsüberprüfungen sprechen. Erste Hinweise auf die Größe des Programms dürften die Informationsveranstaltungen Ende Oktober liefern. Einen Überblick über die Lage der Branche bietet unser Vergleich der deutschen Autoindustrie.
Quellen
[1] Heilbronner Stimme: „Rüstung statt Autos: Audi will Mitarbeiter verleihen“ (07.10.2026)
[2] Bundesministerium der Justiz: „§ 1 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz“
[3] Audi: „Unternehmensleitung und Betriebsrat schließen Zukunftsvereinbarung“ (17.03.2025)
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