Bertelsmann legt seine brasilianische Hochschulgruppe Afya mit dem Wettbewerber YDUQS zusammen und hält am neuen Unternehmen 47 Prozent.[1] Mit 1,6 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 900.000 Studierenden entsteht einer der größten Bildungskonzerne Brasiliens.

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Den Fusionsvertrag von Afya und YDUQS unterzeichneten beide Hochschulgruppen am 23. September, einen Tag später meldete Bertelsmann die Transaktion aus Gütersloh.[2] Vorstandschef Thomas Rabe stärkt damit das Bildungsgeschäft, die dritte Säule des Konzerns neben Medien und Dienstleistungen. Zustimmen muss allerdings noch Brasiliens Kartellbehörde Cade, die schon einmal eine Übernahme des heutigen YDUQS stoppte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Afya-Aktionäre erhalten 69 Prozent des neuen Unternehmens, YDUQS-Aktionäre 31 Prozent; Bertelsmann kommt auf 47 Prozent.
  • Die Gruppe zählt 40.000 Medizinstudierende und 440.000 Online-Studierende.
  • Afya verlässt die Nasdaq, das neue Unternehmen notiert nur noch an der Börse B3 in São Paulo.
  • Abschließen wollen die Partner den Zusammenschluss spätestens bis zum 31. März 2028.

Warum setzt Bertelsmann auf Medizinstudienplätze in Brasilien?

Doktorhut, Stethoskop und Anhänger mit „900.000 STUDIERENDE“ vor weißem Hintergrund
Brasiliens Programm „Mais Médicos“ reguliert private Medizinstudiengänge seit 2013. Bertelsmann erhöhte nach Übernahme von Afya 2022 die Studentenzahl von 18.000 auf 26.000

Knappe Plätze. Das Programm „Mais Médicos“ bindet seit 2013 jeden neuen privaten Medizinstudiengang an eine staatliche Ausschreibung, zwischen 2018 und 2023 galt zusätzlich ein Moratorium. Private Anbieter wachsen deshalb vor allem durch Zukäufe. Seit der Mehrheitsübernahme durch Bertelsmann 2022 stieg die Zahl der Medizinstudierenden bei Afya von 18.000 auf 26.000, sagt Carsten Coesfeld, im Bertelsmann-Vorstand für Bildung zuständig.[1]

Präsenzpflicht. YDUQS ergänzt die Medizin um Studiengänge in Wirtschaft, Recht und Naturwissenschaften, zusammen kommen beide Gruppen auf 440.000 Online-Studierende. Für das Fernstudium verschärfte Brasilien im Mai 2025 die Regeln: Hochschulen dürfen Medizin, Recht, Zahnmedizin, Pflege und Psychologie nur noch in Präsenz anbieten, die Übergangsfrist endet im Mai 2027.[3] Im Kernfach Medizin bleibt die Online-Konkurrenz damit ausgesperrt und jeder zugelassene Studienplatz gewinnt an Wert.

Was gewinnt Bertelsmann durch den Aktientausch?

Kein Bargeld. Bertelsmann zahlt für den Zusammenschluss kein Geld: Für jede Afya-Aktie gibt YDUQS 6,408347 neue eigene Aktien aus.[2] Der Gütersloher Konzern verwässert seinen Anteil und behält trotzdem die Kontrolle über ein deutlich größeres Unternehmen. Die nächstgrößten Aktionäre kommen laut dem Wirtschaftsportal The Rio Times auf jeweils weniger als acht Prozent.

Bekanntes Muster. Nach demselben Rezept bündelte Bertelsmann 2013 seine Verlage mit Penguin zu Penguin Random House. Zuletzt folgten die Fusion von BMG und Concord sowie die Übernahme von Sky Deutschland durch RTL. „Das Bildungsgeschäft wird damit immer mehr zu einer tragenden Säule in unserem Portfolio“, sagt Rabe.[1]

Synergien. Den Barwert der erwarteten Kostenvorteile beziffern die beiden Hochschulgruppen nach Angaben von The Rio Times auf umgerechnet 340 bis 370 Millionen Euro, rund 80 Prozent davon sollen innerhalb von drei Jahren anfallen. Vorstandschef des neuen Unternehmens wird der bisherige Afya-Chef Virgilio Gibbon, den Vorsitz im Verwaltungsrat übernimmt Kay Krafft, CEO der Bertelsmann Education Group.[1]

Bertelsmann sammelt in Brasilien nicht Hörsäle, sondern staatlich begrenzte Studienplätze in einem Fach, das kein Fernstudium ersetzen darf. Solange Brasilien neue Medizinstudiengänge nur per Ausschreibung zulässt, bleibt jeder dieser Plätze ein knappes Gut.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Afya und YDUQS in Zahlen
Was der Zusammenschluss in Brasilien bündelt
1,6 Mrd. €
Gesamtumsatz der zusammengeführten Hochschulgruppe
900.000+
Studierende, davon 440.000 im Online-Studium
40.000
Medizinstudierende; neue Studienplätze vergibt der Staat nur per Ausschreibung
47 %
Anteil von Bertelsmann am neuen Unternehmen nach dem Aktientausch

Woran kann die Fusion von Afya und YDUQS noch scheitern?

Kartellprüfung. 2017 untersagte die Cade dem Bildungskonzern Kroton die Übernahme von Estácio, dem heutigen YDUQS. Analysten von JPMorgan sehen laut The Rio Times auch diesmal Überschneidungen von mehr als 45 Prozent in einzelnen Städten, darunter Rio de Janeiro und Teresina. Die lange Frist bis Ende März 2028 lässt Raum für Auflagen wie den Verkauf einzelner Standorte.[2]

Portfolio-Umbau. Bertelsmann baut sein Portfolio weiter um: Erst im September beendete der Konzern den Farbbuchdruck bei Mohn Media, jetzt wächst die Bildung. Für Entscheider im DACH-Raum ergeben sich daraus zwei Punkte:

  • Anleihegläubiger von Bertelsmann sollten die Kartellentscheidung verfolgen, denn mit der Fusion gewinnt das Geschäft in brasilianischen Real deutlich an Gewicht.
  • Bildungsanbieter sehen an der Präsenzpflicht für Medizin, Recht und Pflege, wie schnell ein Staat das Online-Geschäft einzelner Fächer begrenzen kann.

Häufige Fragen zum Zusammenschluss von Afya und YDUQS

Wie viel vom neuen Unternehmen gehört Bertelsmann?

Bertelsmann hält nach dem Zusammenschluss 47 Prozent. Grundlage ist das Umtauschverhältnis: Afya-Aktionäre erhalten 69 Prozent, YDUQS-Aktionäre 31 Prozent. Afya gehört Bertelsmann bereits seit 2022 mehrheitlich.

Wann ist die Fusion von Afya und YDUQS abgeschlossen?

Spätestens bis zum 31. März 2028, so haben die Partner den Vollzug vereinbart. Zustimmen müssen vorher die brasilianische Kartellbehörde Cade und die Hauptversammlungen beider Unternehmen.

Was passiert mit der Afya-Aktie an der Nasdaq?

Afya-Aktionäre erhalten für jede Aktie 6,408347 neue YDUQS-Aktien. Die Afya-Aktie verschwindet danach von der Nasdaq, das zusammengeführte Unternehmen notiert nur noch im Segment Novo Mercado der Börse B3 in São Paulo.

Quellen

[1] Bertelsmann SE & Co. KGaA: „Bertelsmann treibt mit Zusammenschluss von Afya und YDUQS Ausbau seines Bildungsgeschäfts voran“ (24.09.2026)

[2] Afya Limited und Yduqs Participações S.A.: „Afya Limited and Yduqs Participações S.A. Enter Into Merger Agreement“ (23.09.2026)

[3] Presidência da República: „Decreto nº 12.456, de 19 de maio de 2025“

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