Artikel teilen

Fünf der besten KI-Modelle bekommen tausend echte Faktenchecks vorgelegt, und bei zwei Dritteln sind sie sich uneinig. Für jeden, der Sprachmodelle für Recherche, Recht oder Finanzanalysen einsetzt, ist dieser Befund ein Warnsignal.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen
Inhalt 4 Abschnitte
  1. Wie kam die Studie zu ihrem Ergebnis?
  2. Was bedeutet das für den Einsatz im Unternehmen?
  3. Wie sichern Sie sich gegen die Streuung ab?
  4. Mehr Newshunger?

Die LLM-Uneinigkeit bei realen Faktenchecks hat eine Studie der Lenz Research messbar gemacht. Auf 672 von 1.000 Aussagen wich mindestens ein Modell vom Mehrheitsurteil ab, oder es bildete sich gar keine klare Mehrheit.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Fünf Spitzenmodelle bewerteten 1.000 echte Nutzer-Faktenchecks nach vier Stufen von wahr bis falsch.
  • Auf 67 Prozent der Aussagen gab es Uneinigkeit, einstimmig waren nur 328 Fälle.
  • Bei 34 Prozent klafften die Urteile um mindestens zwei Stufen auseinander, ein Modell sagte wahr, ein anderes falsch.
  • Die Übereinstimmung lag bei einem Krippendorff-Alpha von 0,639 und damit unter der üblichen Verlässlichkeitsschwelle von 0,8.

Wie kam die Studie zu ihrem Ergebnis?

Fünf blaue Karten fächerförmig ausgelegt mit Haken, Kreuzen, Fragezeichen und Beschriftung
Kosta Jordanov von Lenz testete fünf KI-Modelle mit 1.000 Aussagen auf ihre Fähigkeit zur Faktenprüfung anhand vierstufiger Bewertungen

Geleitet hat die am 21. Mai veröffentlichte Untersuchung Kosta Jordanov, Gründer von Lenz. Sein Team legte fünf führenden Modellen dieselben 1.000 Aussagen vor: GPT-5.4, Claude Opus 4.7, Gemini 3 Pro, Gemini 3 Pro mit Suche sowie Sonar Pro. Jedes Modell musste pro Aussage genau ein Urteil aus vier Stufen wählen, von wahr über überwiegend wahr und irreführend bis falsch. Die Aussagen stammen aus echten Nutzeranfragen an die Faktencheck-Plattform Lenz, gesammelt seit dem 15. Februar 2026.

Der entscheidende Unterschied zu üblichen Benchmarks liegt darin, dass die Modelle diese Aussagen im Training nicht gesehen haben. Jordanov beschreibt das Material als frisches Korpus aus Wissenschaft, Gesundheit, Politik und Recht.

Wer ein einziges Modell als Schiedsrichter über Wahrheit einsetzt, verwechselt eine Stimme mit einem Konsens. Bei wichtigen Entscheidungen gehört mehr als eine Quelle auf den Tisch.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Was bedeutet das für den Einsatz im Unternehmen?

Fünf gestapelte Tassen mit Text; kleine Figur hängt an oberster Tasse
Studie zeigt: Mehrheitsurteil von KI-Modellen entspricht nicht automatisch der Wahrheit. Modellwahl beeinflusst Ergebnisse bei automatisierter Klassifizierung kritischer Daten

Die Studie warnt ausdrücklich davor, das Mehrheitsurteil mit der Wahrheit gleichzusetzen. Mal liegt die Mehrheit falsch, mal hat das einzelne abweichende Modell recht. Für die Praxis heißt das, dass die Wahl des Modells das Ergebnis verschiebt, sobald Sprachmodelle automatisiert Aussagen einordnen oder Daten annotieren. In rechtlichen, finanziellen oder anderen heiklen Produktionsumgebungen kann diese Streuung teuer werden.

Ein ergänzendes akademisches Papier von Eddie Yang und Dashun Wang stützt die Richtung. Bei vergleichbarer Benchmark-Genauigkeit weichen Modelle dort auf 16 bis 38 Prozent der Aufgaben voneinander ab, und ein Wechsel des Annotationsmodells veränderte geschätzte Effekte in nachgerechneten Studien teils um mehr als 80 Prozent. Wer die Grundlagen dazu sucht, findet sie in unserem LLMs-Ratgeber.

Wie sichern Sie sich gegen die Streuung ab?

Ein Kompass zeigt auf
Mehrere KI-Modelle kombinieren und bei Abweichungen durch menschliche Prüfung validieren für faktenkritische Aufgaben

Verlassen Sie sich bei faktenkritischen Aufgaben nicht auf ein einzelnes Modell. Sinnvoll ist ein Panel aus mehreren Modellen mit einer klaren Regel für den Umgang mit Abweichungen, etwa eine menschliche Prüfung bei Uneinigkeit. Die Diskussion um die Rolle automatisierter Systeme zeigt sich auch beim Thema KI-Agenten mit eigener Handlungsvollmacht, wo die Frage nach Verantwortung ähnlich drängt. Den vollständigen Datensatz der Studie stellt Lenz öffentlich bereit, eine eigene Stichprobe lohnt sich.

Mehr Newshunger?

Eine Balkenwaage mit einer Ente, Sprachblasen und Texttafel über Faktenchecks
Large Language Models für Entscheider erklärt: KI-Agenten, Jobchancen und KI in Photoshop
4,4 23 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dr. Web Newsletter

Jede Woche ein bisschen klüger.

Der Dr. Web Newsletter: die besten Artikel, Anbieter-Tipps und neue Tools, kompakt zusammengefasst, jeden Donnerstag. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.