Schaeffler und das Münchner Softwarehaus Qorix wollen Plattformen für die Zentralrechner im Auto gemeinsam entwickeln und verkaufen. Als Grundlage dient S-CORE, ein quelloffener Software-Kern, den 32 Unternehmen von BMW bis Qualcomm unterstützen. Die ersten Fahrzeugprogramme auf dieser Basis sollen spätestens 2030 auf den Markt kommen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür softwaredefinierte Fahrzeuge rechnen der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Eclipse Foundation mit bis zu 40 Prozent weniger Aufwand, sobald die Branche ihre Basissoftware gemeinsam entwickelt.[2] Gemeint ist Code, mit dem sich kein Hersteller vom Wettbewerb abhebt, etwa für den Datenaustausch zwischen Programmen oder das Speichern von Protokollen. Schaeffler holt sich nun den Partner, der aus dem gemeinsamen Code ein Serienprodukt macht.
Das Wichtigste in Kürze
- Schaeffler und Qorix kündigten am 12. Oktober eine strategische Partnerschaft für softwaredefinierte Fahrzeugarchitekturen an, Finanzangaben nannten beide nicht.
- Schaeffler liefert Hardware-Plattformen und Steuergeräte für mehrere Fahrzeugdomänen, Qorix die Middleware samt funktionaler Sicherheit nach ISO 26262.
- Beide Partner bauen auf Eclipse S-CORE, einen Open-Source-Kern, den inzwischen 32 Unternehmen per Absichtserklärung unterstützen.
- Nach dem Auto wollen die Partner auch Robotik und Industrieautomatisierung beliefern.
Was liefern Schaeffler und Qorix?

Schaeffler bringt Hardware-Plattformen, Steuergeräte für mehrere Fahrzeugdomänen und seine Erfahrung in der Systemintegration ein. Qorix steuert die Middleware Qorix Performance bei, die Kommunikation, Lebenszyklus und funktionale Sicherheit nach ISO 26262 abdeckt.[1] Thomas Stierle, Vorstand E-Mobility bei Schaeffler, sagt: „Mit unserer Plattform- und Integrationskompetenz schafft Schaeffler die Grundlage“ für zentrale softwaredefinierte Fahrzeugarchitekturen.
Hinter Qorix stehen das indische Softwarehaus KPIT und der Zulieferer ZF, seit 2025 ist Qualcomm als Minderheitsgesellschafter beteiligt. Bei S-CORE gehört Qorix zu den Gründungsmitgliedern und entwickelt Kernmodule wie die Ablaufsteuerung mit. Perspektivisch wollen Schaeffler und Qorix auch Roboter und Industrieanlagen ausrüsten.
Warum verkauft Qorix, was quelloffen ist?
Den Quellcode von S-CORE kann jeder herunterladen, eine Gewähr für den Einsatz im Serienfahrzeug gibt ein Open-Source-Projekt aber nicht. Ein Hersteller, der Bremse oder Fahrassistent darauf aufsetzt, braucht einen Sicherheitsnachweis nach ISO 26262 und Pflege über die gesamte Lebensdauer des Autos. Qorix verkauft genau diese Nachweise als eigene Distribution, zusammen mit Werkzeugen und Support.
Red Hat verdient mit Linux nach demselben Muster, und im Fahrzeug setzt sich das Modell gerade durch. Traton baut sein Fahrzeug-Betriebssystem auf eine Linux-Variante von Red Hat. Im September wählte Coretura, das Software-Gemeinschaftsunternehmen von Daimler Truck und Volvo, die Plattform Alloy Kore von QNX und Vector. QNX, Vector, Red Hat und Traton haben die S-CORE-Absichtserklärung ebenfalls unterzeichnet.[2] Volkswagen rückt noch weiter vom Eigenbau ab und lässt die zonale Software für westliche Märkte von Rivian entwickeln.
Die Autobranche teilt sich den Software-Unterbau, weil ihn keiner allein bezahlen will. Verdienen werden die Firmen, die den Code zertifizieren.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Zulieferer im Mittelstand?
An der Verantwortung der Hersteller ändert der gemeinsame Code nichts. Die UN-Regelungen R155 und R156 verlangen für die Typgenehmigung ein Managementsystem für Cybersicherheit und eines für Software-Updates, gleich aus welcher Quelle der Code stammt. Knorr-Bremse bündelt diese Nachweispflicht für Nutzfahrzeuge bereits auf einer eigenen Plattform.
Schaeffler sammelt seit Monaten Software-Partner. Im Juni kündigte der Konzern mit dem kalifornischen Anbieter Sonatus eine Partnerschaft für KI-Modelle direkt auf dem Steuergerät an.
Mittelständische Zulieferer mit eigener Steuergeräte-Software prüfen am besten jetzt, ob ihre Funktionen auf den Schnittstellen von S-CORE laufen. Die vollständige Version ist für 2026 angekündigt, Fahrzeugprogramme mit Marktstart bis 2030 sind heute in der Entwicklung. Fragen Sie Ihre Kunden gerne konkret, welche Middleware deren nächste Plattform nutzt und wer die Sicherheitsnachweise liefert.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- SchaefflerSchaeffler und Qorix schließen strategische Partnerschaft für softwaredefinierte Fahrzeuge und Maschinen (Pressemitteilung)
- VDAInnovation im Automotive-Sektor durch offene Zusammenarbeit (Pressemitteilung)
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