Forscher der Universität Stockholm haben Regenmessungen aus aller Welt mit dem US-Richtwert für die Ewigkeitschemikalie PFOA verglichen. Selbst im Hochland von Tibet, dem saubersten Messort der Studie, lag die Konzentration rund 14-mal darüber. Verschärft wurde vor allem der Richtwert: In den USA sank er binnen 20 Jahren um den Faktor 37,5 Millionen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIm Regen über Tibet wiesen Forscher im Median 55 Pikogramm PFOA je Liter nach, der Richtwert der US-Umweltbehörde EPA von 2022 lag bei 4 Pikogramm. „Nach den neuesten US-Richtlinien für PFOA im Trinkwasser wäre Regenwasser überall als nicht trinkbar einzustufen“, sagte Ian Cousins, Professor am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Stockholm, im August 2022.[2] Im Juli 2026 bestätigte eine Messreihe aus Australien den Befund.[3]
Das Wichtigste in Kürze
- Verbindliche Grenzwerte liegen 500- bis 5.000-mal über diesem Richtwert, in Deutschland ab 2028 bei 20 ng/l für vier PFAS zusammen.
- Die Belastung der Luft sinkt nicht nennenswert, obwohl der Hersteller 3M die Stoffe vor über 20 Jahren auslaufen ließ.
- Ab dem 23. Oktober 2026 dürfen die meisten tragbaren Schaumlöscher mit PFAS in der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden.
Warum gilt Regen nach US-Maßstab als nicht trinkbar?

PFAS bauen sich in der Umwelt praktisch nicht ab. Mit der Gischt gelangen die Stoffe aus dem Meer zurück in die Luft, der Regen spült sie wieder herunter. Deshalb sinken die Werte in der Atmosphäre laut dem Stockholmer Team nicht nennenswert, obwohl der Hauptproduzent 3M die Stoffe schon vor zwei Jahrzehnten aus dem Programm nahm.[2]
Die Messwerte sanken also kaum, der Richtwert dagegen fiel steil. Ein früherer Richtwert des US-Bundesstaats West Virginia erlaubte 150.000 Nanogramm PFOA je Liter, 37,5 Millionen Mal mehr als die EPA 2022.[1] Die Autoren schlagen deshalb eine eigene planetare Belastungsgrenze für PFAS vor und sehen sie bereits überschritten.
Wie belastet ist Trinkwasser in Deutschland?
An verbindlichen Grenzwerten gemessen, fällt der Befund milder aus. Die EPA legte im April 2024 für PFOA 4 Nanogramm je Liter fest, 1.000-mal mehr als der Richtwert.[4] In Deutschland gilt seit dem 12. Januar 2026, als auch die Frist für die letzten Bleirohre im Trinkwassernetz ablief, ein Grenzwert von 100 ng/l für 20 PFAS zusammen, ab 2028 kommen 20 ng/l für vier Stoffe hinzu, darunter PFOA und PFOS.[5] Der Median aus Tibet läge mit 0,055 ng/l weit darunter. Strenger ist Dänemark: Den dortigen Grenzwert von 2 ng/l für vier PFAS überschritt Regen laut der Stockholmer Studie häufig.[1]
In Südostaustralien überstieg PFOA im Regen 2024 und 2025 ebenfalls den US-Richtwert, blieb aber unter den australischen Trinkwasser-Leitlinien.[3]
Hierzulande rückt Trifluoressigsäure (TFA) in den Blick, ein kleines PFAS-Molekül aus Kältemitteln und Pflanzenschutzmitteln. Laut Umweltbundesamt steckt TFA inzwischen europaweit im Niederschlag. Im Juni 2026 empfahl der Ausschuss für Risikobeurteilung der EU-Chemikalienagentur ECHA, TFA als fortpflanzungsgefährdend einzustufen.[6]
Sauberer ist der Regen in 20 Jahren nicht geworden, strenger nur das Urteil über PFOA.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was erlaubt ist, was gemessen wurde
Was heißt das für Unternehmen?
Am Freitag endet eine Übergangsfrist: Ab dem 23. Oktober 2026 dürfen Schaumlöschmittel mit PFAS ab 1 Milligramm je Liter in tragbaren Feuerlöschern nicht mehr in Verkehr gebracht werden, für alkoholbeständige Schäume gilt der 23. April 2027. Vorhandene Geräte bleiben bis Ende 2030 erlaubt.[7]
Breiter greift das Beschränkungsverfahren, das Deutschland, die Niederlande, Dänemark, Schweden und Norwegen 2023 bei der ECHA angestoßen haben. Erfasst wären mehr als 10.000 Stoffe, mit Ausnahmen für einzelne Anwendungen.[8] Um solche Ausnahmen kämpft die Fluorchemie.
- Lassen Sie bei der nächsten Wartung gerne prüfen, welche Schaumlöscher im Betrieb PFAS enthalten, und bestellen Sie Ersatz fluorfrei.
- Fragen Sie Lieferanten von Beschichtungen, Dichtungen und Schmierstoffen nach PFAS-Gehalt und Ersatzstoffen, solange das EU-Verfahren läuft.
Quellen
8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Cousins, Johansson, Salter, Sha, ScheringerOutside the Safe Operating Space of a New Planetary Boundary for Per- and Polyfluoroalkyl Substances (PFAS), Environmental Science & Technology (2. August 2022, englisch)
- Universität StockholmIt’s raining PFAS: even in Antarctica and on the Tibetan plateau rainwater is unsafe to drink (August 2022, englisch)
- Singh u. a.Concentrations of Per- and Polyfluoroalkyl Substances in the Rainwater of South-Eastern Australia, Environmental Toxicology and Chemistry (22. Juli 2026, englisch)
- US-Umweltbehörde EPAPFAS National Primary Drinking Water Regulation, Federal Register (26. April 2024, englisch)
- Bundesministerium der JustizTrinkwasserverordnung, Anlage 2 (Chemische Parameter)
- UmweltbundesamtFAQ zur Ewigkeitschemikalie Trifluoressigsäure (TFA) (Stand 26. Juni 2026)
- EUR-LexVerordnung (EU) 2025/1988 zur Beschränkung von PFAS in Feuerlöschschäumen
- UmweltbundesamtNächster Meilenstein im PFAS-Beschränkungsverfahren erreicht
Mehr Newshunger?
- Google rodet Wald für Rechenzentren: Finnland verlangt einen Baustopp
- Wasserstrategie: Deutschland hat kein Mengenproblem
- Cadmium: Im Akkuschrauber verboten, auf dem Acker geduldet
- Arsen ist Gift im Reis und Rohstoff für Radarchips
- Klimawandel: Diese Branchen zahlen drauf
- Warum der Eichenprozessionsspinner Millionen kostet
