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Viele Messreihen zur Lage des Planeten zeigen seit 2015 ein höheres Tempo. Laut einer Studie von Grant Foster und Stefan Rahmstorf erwärmt sich die Erde inzwischen um rund 0,35 Grad pro Jahrzehnt, und 2025 stieß die Welt aus Kohle, Öl und Gas so viel CO2 aus wie nie, 38,1 Milliarden Tonnen. In Deutschland lassen sich die Folgen an Rhein-Pegeln, Hitzetagen und sinkendem Grundwasser ablesen.

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Die Erde hat kein Fieberthermometer, aber Tausende Messstationen, Satelliten und Bojen sowie regelmäßige Bestandszählungen. Ihre Daten liegen bei Dutzenden Instituten und stehen selten nebeneinander. Hier lesen Sie, wie Klima, Meere, Eis, Artenvielfalt und Gesundheit dastehen, was in Deutschland zu spüren ist und wo Fortschritte gelingen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sieben von neun planetaren Belastungsgrenzen sind überschritten. Die Erde erwärmt sich seit 2015 fast doppelt so schnell wie von 1970 bis 2015, das CO2-Budget für 1,5 Grad reichte ab Anfang 2026 nur gut drei Jahre.
  • Die Meere speichern so viel Wärme wie nie, von 2023 bis 2025 standen 84 Prozent der weltweiten Rifffläche unter Hitzestress, Warmwasserriffe haben ihren Kipppunkt überschritten.
  • Die beobachteten Wildtierbestände sind seit 1970 um 73 Prozent geschrumpft. Hitze tötet weltweit rund 546.000 Menschen pro Jahr.
  • Deutschland ist 2,5 Grad wärmer als vor der Industrialisierung. Ozonschicht und Solarstrom zeigen, dass Gegensteuern wirkt, doch weltweit steigen die Emissionen weiter.
Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Was wissen Sie über den Zustand der Erde?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Wie viele der neun planetaren Belastungsgrenzen sind überschritten? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Nach dem Planetary Health Check des Potsdam-Instituts vom September 2025 sind sieben Grenzen überschritten. Nur bei Ozonschicht und Schwebteilchen in der Luft liegen die Werte im sicheren Bereich.
2 Wo lag die CO2-Konzentration 2025 im Jahresmittel am Mauna Loa? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Die US-Behörde NOAA maß 2025 im Jahresmittel 427 ppm. Vor der Industrialisierung lag der Wert bei rund 280 ppm.
3 Welcher Anteil der weltweiten Rifffläche stand von 2023 bis 2025 unter Hitzestress, der zur Korallenbleiche führt? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Laut NOAA Coral Reef Watch standen 84,4 Prozent der weltweiten Rifffläche unter Hitzestress, der Korallen ausbleichen lässt.
4 Wie viel Prozent der Bäume in Deutschland zeigen keinen Kronenschaden? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Laut Waldzustandserhebung 2025 sind nur 21 Prozent der Bäume ohne Schäden an der Krone, 35 Prozent zeigen eine deutliche Verlichtung.
5 Aus welchen Quellen stammte 2025 weltweit erstmals mehr Strom als aus Kohle? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Nach Daten der Energie-Denkfabrik Ember lieferten erneuerbare Energien 2025 weltweit 33,8 Prozent des Stroms, Kohle 33,0 Prozent.

Wie misst man den Zustand der Erde?

Horizontal liegendes Glasthermometer mit Anhänger „Patient: Erde“ auf weißem Hintergrund
Patient Erde: Sieben von neun planetaren Belastungsgrenzen sind bereits überschritten.

Forschende messen den Zustand der Erde an neun planetaren Belastungsgrenzen und an langen Messreihen. Die Grenzen beschreiben den sicheren Spielraum der Menschheit bei Klima, Artenvielfalt, Wasser, Böden und Chemikalien. Nach der jüngsten Prüfung des Potsdam-Instituts sind sieben der neun Grenzen überschritten.

Ein internationales Forscherteam um Johan Rockström hat das Konzept 2009 am Stockholm Resilience Centre entwickelt, heute leitet Rockström das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Jede Grenze markiert den Rand des Bereichs, in dem die Erde so stabil bleibt wie seit dem Ende der letzten Eiszeit. Jenseits davon steigt das Risiko, dass Teile des Erdsystems kippen.

Im September 2025 kam die siebte Überschreitung hinzu, die Versauerung der Meere. Seitdem liegen nur noch die Ozonschicht und die Belastung der Luft mit Schwebteilchen im sicheren Bereich.

Überschritten sind die Grenzen für Klimawandel, Artenvielfalt, Landnutzung, Süßwasser, die Kreisläufe von Stickstoff und Phosphor, neuartige Stoffe wie Plastik und Chemikalien sowie die Ozeanversauerung. Ein Grenzwert allein sagt allerdings noch nicht, wie schnell sich die Lage verändert. Das Tempo zeigen erst die einzelnen Messreihen zu Temperatur, Kohlendioxid, Meeren, Eis, Tierbeständen, Wäldern und Gesundheit. Fast alle weisen auf eine Verschlechterung hin, mehrere mit wachsender Geschwindigkeit.

BereichMesswertRichtungQuelle
Temperatur1,60 Grad über vorindustriellem Niveau (2024)steigt, seit 2015 fast doppelt so schnellCopernicus, Foster und Rahmstorf
CO2 in der Luft427 ppm (2025), vorindustriell rund 280steigtNOAA
Wärme im OzeanRekord zum neunten Mal in Folge (2025)steigtCheng et al.
Meeresspiegelrund 11 cm über dem Stand von 1993steigt, Rate fast verdoppeltWMO
Gletscherminus 408 Mrd. Tonnen Eis (2025)schrumpfenWorld Glacier Monitoring Service
Wildtierbestände73 % weniger als 1970sinkenWWF
Tropischer Urwald4,3 Mio. ha verloren (2025)Verlust hoch, zuletzt rückläufigWorld Resources Institute
OzonschichtErholung bis etwa 2066erholt sichWMO
Die Lage in acht Messreihen: Sieben zeigen eine Verschlechterung, nur die Ozonschicht erholt sich.
Neun Grenzen, sieben überschritten
Die planetaren Belastungsgrenzen nach dem Planetary Health Check des Potsdam-Instituts vom September 2025. Tippen Sie auf eine Grenze, um zu sehen, was sie misst und wie es um sie steht.
7 überschritten, 2 im sicheren Bereich
Klimawandel
Grenze überschritten
Was sie misstdie Konzentration von Kohlendioxid in der Luft, die Grenze liegt bei 350 ppm
Stand427 ppm im Jahresmittel 2025 am Mauna Loa, vor der Industrialisierung rund 280 ppm
Tempo2024 stieg der CO2-Gehalt um 3,76 ppm, so stark wie nie in einem Jahr
Artenvielfalt
Grenze überschritten
Was sie misstwie intakt die Biosphäre ist, also wie viele Arten verschwinden und wie viel Natur erhalten bleibt
StandDie beobachteten Bestände wild lebender Wirbeltiere sind seit 1970 um 73 Prozent geschrumpft.
Rote Liste49.505 Arten gelten als bedroht, 28 Prozent aller bewerteten
Landnutzung
Grenze überschritten
Was sie misstwie viel der ursprünglichen Waldfläche der Erde erhalten ist
Stand2025 verschwanden weltweit 25,5 Millionen Hektar Baumbestand, 42 Prozent davon durch Feuer.
Urwald4,3 Millionen Hektar tropischer Primärwald gingen 2025 verloren, 2024 waren es 6,7 Millionen.
Süßwasser
Grenze überschritten
Was sie misstwie stark der Mensch den Wasserfluss in Flüssen und die Feuchte der Böden verändert
WeltDrei Viertel der Weltbevölkerung leben in Ländern, deren Süßwasservorräte schrumpfen.
DeutschlandIn Bayern zeigten im August 2026 81 Prozent der oberflächennahen Messstellen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände.
Stickstoff und Phosphor
Grenze überschritten
Was sie misstwie viel Stickstoff und Phosphor, vor allem aus Dünger, in Böden und Gewässer gelangen
FolgeÜberdüngte Gewässer neigen zu Algenblüten, abgestorbene Algen zehren Sauerstoff auf.
BeispielVor Rostock sank die Sauerstoffsättigung am Grund der Ostsee im September 2025 unter 1 Prozent, Fische starben.
Neuartige Stoffe
Grenze überschritten
Was sie misstStoffe, die der Mensch neu in die Umwelt bringt, etwa Plastik und synthetische Chemikalien
StandProduktion und Freisetzung wachsen schneller, als sich die Stoffe auf ihre Sicherheit prüfen lassen.
Ozeanversauerung
Grenze überschritten seit September 2025
Was sie misstwie sauer das Meer wird, weil es Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt
StandDer pH-Wert der Meeresoberfläche ist seit Beginn der Industrialisierung um rund 0,1 gesunken, der Säuregehalt um 30 bis 40 Prozent gestiegen.
FolgeMuscheln, Schnecken und Korallen bilden ihre Kalkschalen und -skelette schlechter.
Ozonschicht
im sicheren Bereich
Was sie misstwie viel Ozon die obere Atmosphäre enthält, die Schicht schützt vor UV-Strahlung
StandNach dem Montrealer Protokoll sind fast 99 Prozent der verbotenen Stoffe aus dem Verkehr gezogen.
AusblickÜber der Antarktis erreicht die Ozonschicht um 2066 wieder die Werte von 1980, über der Arktis um 2045.
Schwebteilchen
im sicheren Bereich
Was sie misstdie Belastung der Luft mit Schwebteilchen, die Sonnenlicht und Niederschläge beeinflussen
StandWeltweit gemittelt liegt der Wert im sicheren Bereich.
GesundheitFür Menschen bleibt schmutzige Luft gefährlich: Nach Schätzung der WHO sterben jährlich 6,7 Millionen Menschen vorzeitig an Luftverschmutzung.

Planetary Health Check 2025 des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung; CO2-Werte der NOAA; WWF Living Planet Report 2026; IUCN, Juli 2026; Global Forest Watch; Science Advances; Landesamt für Umwelt Bayern; WMO; WHO.

Auf den Punkt

Grenzwerte markieren die kritische Schwelle, Messreihen zeigen das Tempo: Sieben von acht Messreihen weisen auf eine Verschlechterung hin, nur die Ozonschicht erholt sich.

Wie schnell heizt sich die Erde auf?

Ein weißer, dampfender Wasserkocher steht auf einer weißen Oberfläche
Im August 2026 lag die globale Temperatur 1,65 Grad über dem vorindustriellen Niveau, gleichauf mit dem Rekordmonat Juli 2023.

Die Erde erwärmt sich heute fast doppelt so schnell wie vor 2015. Von 1970 bis 2015 stieg die globale Temperatur um rund 0,2 Grad pro Jahrzehnt, seit etwa 2015 steigt sie um rund 0,35 Grad. Die Jahre 2015 bis 2025 waren die elf wärmsten seit Beginn der Messungen.

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut und der US-Statistiker Grant Foster haben die Beschleunigung im März 2026 in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters nachgewiesen. Die beiden haben aus fünf großen Temperaturreihen die natürlichen Schwankungen herausgerechnet, also El Niño, Vulkanausbrüche und den Sonnenzyklus. Übrig bleibt der menschengemachte Trend, und seine Beschleunigung ist mit über 98 Prozent Wahrscheinlichkeit statistisch gesichert.

2024 war mit 1,60 Grad über dem vorindustriellen Niveau das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, so der EU-Klimadienst Copernicus.

Die Weltwetterorganisation WMO beziffert die Erwärmung 2025 auf 1,43 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Im August 2026 lag die globale Temperatur 1,65 Grad darüber, gleichauf mit dem bisher heißesten Monat, dem Juli 2023. Im Pazifik baut sich ein starker El Niño auf, der nach der Prognose der US-Wetterbehörde NOAA vom 8. Oktober bis ins Frühjahr 2027 anhält und die Temperaturen zusätzlich nach oben treibt.

Hauptursache der Erwärmung ist das Kohlendioxid, das Wärme in der Atmosphäre festhält, und seine Konzentration steigt weiter.

An der Messstation Mauna Loa auf Hawaii lag der CO2-Gehalt der Luft 2025 im Jahresmittel bei 427 Teilchen pro Million, vor der Industrialisierung bei rund 280. Im weltweiten Mittel der NOAA stieg der Wert 2024 um 3,76 Teilchen pro Million, so stark wie nie in einem Jahr.

Die CO2-Emissionen aus Kohle, Öl und Gas erreichten 2025 nach dem Global Carbon Project mit 38,1 Milliarden Tonnen einen neuen Rekord, 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Das Forscherteam um Piers Forster von der Universität Leeds beziffert den menschengemachten Anteil der Erwärmung für 2025 auf 1,37 Grad und das verbleibende CO2-Budget ab Anfang 2026 auf 130 Milliarden Tonnen, bei 50 Prozent Wahrscheinlichkeit. Beim heutigen Ausstoß wäre dieses Budget in gut drei Jahren aufgebraucht.

Mit der derzeitigen Politik steuert die Welt laut Emissions Gap Report 2025 des UN-Umweltprogramms auf bis zu 2,8 Grad Erwärmung bis 2100 zu. Bei voller Umsetzung aller Klimazusagen läge die Erwärmung bei 2,3 bis 2,5 Grad.

Schon bei der heutigen Erwärmung kostet der Klimawandel in Deutschland ganze Branchen Milliarden, von der Landwirtschaft bis zur Binnenschifffahrt.

Seit 2015 erwärmt sich die Erde fast doppelt so schnell
Erwärmung pro Jahrzehnt, bereinigt um El Niño, Vulkane und Sonne. Der helle Balken zeigt den Trend bis 2015, die übrigen die Rate seit 2015 in fünf Temperaturreihen.
1970 bis 2015
0,20 °C
langjähriger Trend vor der Beschleunigung
HadCRUT, seit 2015
0,34 °C
britischer Datensatz
NASA, NOAA, Berkeley Earth, seit 2015
0,36 °C
drei Datensätze, gleicher Wert
ERA5 (Copernicus), seit 2015
0,42 °C
höchster Wert der fünf Reihen
427 ppm
CO2 in der Luft 2025, vor der Industrialisierung rund 280 ppm
38,1 Mrd. t
CO2 aus Kohle, Öl und Gas im Jahr 2025, ein Rekord
gut 3 Jahre
reichte das CO2-Budget für 1,5 Grad ab Anfang 2026 beim heutigen Ausstoß
bis 2,8 °C
Erwärmung bis 2100 bei der derzeitigen Politik laut UN-Umweltprogramm

Raten nach Foster und Rahmstorf (Geophysical Research Letters, März 2026), Werte je Datensatz nach Carbon Brief. CO2-Jahresmittel am Mauna Loa (NOAA). Restbudget bei 50 Prozent Wahrscheinlichkeit ab Anfang 2026 nach Forster et al. (2026).

Was passiert in den Meeren?

Kugelglas mit halbgebleichter Koralle, Thermometer und Strichmännchen, das nach Sonnencreme ruft
Rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme, die Treibhausgase zurückhalten, landen im Ozean.

Die Meere speichern so viel Wärme wie nie zuvor gemessen; 2025 stellte der Wärmeinhalt zum neunten Mal in Folge einen Rekord auf. Der Meeresspiegel steigt fast doppelt so schnell wie in den 1990er-Jahren, und von 2023 bis 2025 standen 84 Prozent der weltweiten Rifffläche unter gefährlichem Hitzestress.

Rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme, die Treibhausgase zurückhalten, landen im Ozean. Ein Team um den chinesischen Ozeanografen Lijing Cheng misst den Wärmeinhalt der oberen 2.000 Meter jedes Jahr neu. 2025 stieg der Wärmeinhalt um 23 Zettajoule, ein Vielfaches des weltweiten Energieverbrauchs der Menschheit.

Laut WMO erlebten 2025 rund 90 Prozent der Meeresoberfläche mindestens eine marine Hitzewelle. Solche Hitzewellen setzen Fische, Muscheln und Seegras unter Stress, oft über Wochen.

Wärmeres Wasser dehnt sich aus, und Schmelzwasser von Gletschern und Eisschilden kommt hinzu. Der globale Meeresspiegel liegt inzwischen rund 11 Zentimeter über dem Stand von 1993. Von 1993 bis 2011 stieg der Pegel laut WMO um 2,65 Millimeter pro Jahr, seit 2012 steigt er um 4,75 Millimeter. Die NASA kommt mit eigener Rechnung zu einem noch deutlicheren Befund: Die jährliche Rate hat sich in 30 Jahren mehr als verdoppelt.

Am härtesten trifft die Hitze die Korallenriffe. Von Januar 2023 bis September 2025 standen nach Daten der NOAA 84,4 Prozent der weltweiten Rifffläche unter Hitzestress, der Korallen ausbleichen lässt. In mindestens 83 Ländern und Territorien bleichten Riffe massenhaft aus. Beim vorigen Ereignis von 2014 bis 2017 waren 68 Prozent betroffen. Der Global Tipping Points Report 2025, an dem über 160 Forschende aus 87 Institutionen mitgearbeitet haben, kommt zu einem drastischen Befund: Warmwasser-Korallenriffe haben ihren Kipppunkt überschritten. Die zentrale Schätzung für diesen Kipppunkt liegt bei 1,2 Grad Erwärmung, erreicht sind rund 1,4 Grad.

Zum ersten Mal ist damit ein Kipppunkt im Erdsystem überschritten. Die NOAA hält die jüngste Massenbleiche seit Mitte 2025 für beendet, die Schäden an den Riffen bleiben.

Zugleich wird das Meer saurer, weil das Wasser Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt. Der pH-Wert der Meeresoberfläche ist seit Beginn der Industrialisierung um rund 0,1 gesunken, der Säuregehalt hat um 30 bis 40 Prozent zugenommen. Muscheln, Schnecken und Korallen können ihre Kalkschalen oder -skelette schlechter bilden.

Drei Messreihen, ein Muster: Das Tempo zieht an
Schalten Sie zwischen dem früheren Zeitraum und heute um. Die Balkenlänge zeigt jeweils, wie schnell sich der Wert verändert oder wie viel betroffen ist.
Erwärmung der Erde pro Jahrzehnt
0,20 °C0,35 °C
Früher 0,20 °C (1970 bis 2015), heute rund 0,35 °C (seit 2015): fast doppelt so schnell
Anstieg des Meeresspiegels pro Jahr
2,65 mm4,75 mm
Früher 2,65 mm (1993 bis 2011), heute 4,75 mm (seit 2012): fast doppelt so schnell
Rifffläche unter Hitzestress bei einer Massenbleiche
68 %84,4 %
Früher 68 Prozent (2014 bis 2017), heute 84,4 Prozent (2023 bis 2025): Massenbleiche in mindestens 83 Ländern und Territorien

Erwärmung bereinigt um El Niño, Vulkane und Sonne nach Foster und Rahmstorf (Geophysical Research Letters, März 2026). Meeresspiegel nach WMO. Rifffläche unter Bleich-Hitzestress nach NOAA Coral Reef Watch, Massenbleichen 2014 bis 2017 und Januar 2023 bis September 2025. Balkenskalen je Zeile verschieden.

Auf den Punkt
  • Hitzewellen: 2025 erlebten rund 90 Prozent der Meeresoberfläche mindestens eine marine Hitzewelle.
  • Säure: Der pH-Wert ist seit Beginn der Industrialisierung um rund 0,1 gesunken, der Säuregehalt um 30 bis 40 Prozent gestiegen.
  • Korallen: Warmwasserriffe haben als erstes System der Erde ihren Kipppunkt überschritten.

Wie schnell schwindet das Eis?

Eisbergförmiger Eiswürfel in Soße auf Teller mit „Rest“-Fähnchen
Am Großen Aletsch und am Rhonegletscher maßen Glaziologen 2026 die stärkste Schmelze ihrer Messreihen.

In den Gebirgen schmilzt das Eis seit einigen Jahren in Rekordtempo, an den Polen schwanken die Werte. Die Gletscher der Welt verloren 2025 rund 408 Milliarden Tonnen Eis, die Schweizer Gletscher 2026 über 5 Prozent ihres Volumens. Das arktische Meereis erreichte 2025 das niedrigste Wintermaximum der Satellitenära.

Der World Glacier Monitoring Service in Zürich führt die weltweite Gletscherbilanz. 2025 war mit einem Verlust von 408 Milliarden Tonnen das sechstschlechteste Jahr seit Beginn der Messungen, das Schmelzwasser hob den Meeresspiegel um 1,1 Millimeter. Sechs der verlustreichsten Jahre seit Beginn der Messungen fielen in die vergangenen sieben Jahre.

Die Schweizer Gletscher verloren 2026 über 5 Prozent ihres Eises, in fünf Jahren fast ein Fünftel.

Die Zahlen stammen vom Schweizer Gletschermessnetz GLAMOS, das an der Universität Zürich angesiedelt ist. Nur das Rekordjahr 2022 brachte einen noch größeren Verlust. Am Allalin, am Clariden, am Großen Aletsch und am Rhonegletscher maßen die Glaziologen 2026 die stärkste Schmelze ihrer Messreihen.

Im August 2026 folgte auf einen Gletscherabbruch eine Flut in Nepal und Tibet. Bis Ende August meldete die nepalesische Polizei 734 Tote und 2.498 Vermisste. Ob die Erwärmung den Abbruch begünstigt hat, haben Forschende noch nicht untersucht.

Das arktische Meereis erreichte im März 2025 mit rund 14,19 Millionen Quadratkilometern das niedrigste Wintermaximum, das je gemessen wurde. Das Sommerminimum 2026 lag am 12. September bei 4,60 Millionen Quadratkilometern, Rang zehn der niedrigsten Werte.

Rund um die Antarktis schwankt das Meereis stärker als in der Arktis: Das Wintermaximum 2026 war das drittniedrigste der Messreihe, das Sommerminimum lag nahe am Durchschnitt.

Auch Grönland verliert weiter Eis, 2025 netto rund 129 Milliarden Tonnen, etwas weniger als im Schnitt der Vorjahre.

Nach einer Studie in der Fachzeitschrift Science Advances, die Satellitendaten von 2002 bis 2024 ausgewertet hat, tragen die Kontinente inzwischen mehr zum Anstieg des Meeresspiegels bei als die Eisschilde, weil Böden, Seen und Grundwasser austrocknen. Drei Viertel der Weltbevölkerung leben in Ländern, deren Süßwasservorräte schrumpfen.

Wo das Eis schwindet
Fünf Eisregionen im Vergleich. Wählen Sie eine Region: Rot steht für Verlust in Rekordnähe, Ocker für schwankende oder zuletzt geringere Verluste.
Gletscher weltweit
Verlust in Rekordtempo
408 Mrd. t
Eis verloren die Gletscher der Welt im Jahr 2025, das sechstschlechteste Jahr seit Beginn der Messungen
Das Schmelzwasser hob den Meeresspiegel um 1,1 Millimeter. Sechs der verlustreichsten Jahre seit Beginn der Messungen fielen in die vergangenen sieben Jahre.
Schweizer Gletscher
Verlust in Rekordtempo
über 5 %
ihres Eisvolumens verloren die Schweizer Gletscher im Jahr 2026, in fünf Jahren fast ein Fünftel
Nur das Rekordjahr 2022 brachte einen noch größeren Verlust. Am Allalin, am Clariden, am Großen Aletsch und am Rhonegletscher maßen die Glaziologen 2026 die stärkste Schmelze ihrer Messreihen.
Arktisches Meereis
Tiefstwerte
14,19 Mio. km²
maß das Wintermaximum im März 2025, das niedrigste der Satellitenära
Das Sommerminimum 2026 lag am 12. September bei 4,60 Millionen Quadratkilometern, Rang zehn der niedrigsten Werte.
Antarktisches Meereis
stark schwankend
Rang 3
der niedrigsten Werte: So tief lag das Wintermaximum 2026 in der Messreihe
Das Sommerminimum lag dagegen nahe am Durchschnitt. Rund um die Antarktis schwankt das Meereis stärker als in der Arktis.
Grönländischer Eisschild
Verlust, zuletzt geringer
129 Mrd. t
Eis verlor Grönland im Jahr 2025 netto
Das ist etwas weniger als im Schnitt der Vorjahre, der Eisschild schrumpft aber weiter.

World Glacier Monitoring Service; GLAMOS (Gletschermessnetz Schweiz); National Snow and Ice Data Center (Meereis); NOAA Arctic Report Card 2025 (Grönland).

Auf den Punkt

Gebirgsgletscher verlieren seit einigen Jahren Eis in Rekordtempo, in der Schweiz verschwand in fünf Jahren fast ein Fünftel des Eises. An den Polen schwanken die Werte, der Trend zeigt nach unten.

Wie stark schrumpfen Tierbestände und Wälder?

Setzkasten mit Frosch, Vogel, Schmetterling und der Aufschrift „73 % leer“
Die beobachteten Bestände wild lebender Wirbeltiere sind seit 1970 im Schnitt um 73 Prozent geschrumpft.

Drastisch: Die beobachteten Bestände wild lebender Wirbeltiere sind seit 1970 im Schnitt um 73 Prozent geschrumpft, 28 Prozent aller bewerteten Arten gelten als bedroht. 2024 verlor die Welt so viel tropischen Urwald wie nie zuvor gemessen.

Der Living Planet Report des WWF, erschienen am 8. Oktober 2026, wertet 35.803 Populationen von 5.790 Wirbeltierarten aus. Zwischen 1970 und 2022 sanken die Bestände im Schnitt um 73 Prozent, bei Süßwasserarten um 85 Prozent. Am stärksten traf der Rückgang Lateinamerika und die Karibik mit 95 Prozent.

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN führt seit Juli 2026 genau 49.505 bedrohte Arten, 28 Prozent der 175.909 bewerteten.

Bedroht sind 41 Prozent der Amphibien, 44 Prozent der Riffkorallen und 26 Prozent der Säugetiere. Bei 61 Prozent der Vogelarten schrumpfen nach der IUCN-Auswertung vom Oktober 2025 inzwischen die Bestände, 2016 lag der Anteil noch bei 44 Prozent.

Ein Team des israelischen Weizmann-Instituts hat in Nature Communications berechnet, wie der Mensch die Tierwelt umgebaut hat. Die Biomasse wilder Landsäugetiere ist seit 1850 von rund 50 auf 20 Millionen Tonnen gesunken, die der Meeressäuger um 70 Prozent. Nutztiere wiegen inzwischen rund 650 Millionen Tonnen, fünfmal so viel wie 1850, die Menschen selbst rund 420 Millionen Tonnen.

Was der Natur verloren geht
Rückgang von Tierbeständen und Biomasse in Prozent, jeweils für den angegebenen Zeitraum. Die Balkenlänge zeigt die Höhe des Verlusts.
Süßwasserarten, 1970 bis 2022
−85 %
beobachtete Bestände, WWF
Fluginsekten in deutschen Schutzgebieten, 1989 bis 2016
−76 %
Biomasse, Krefelder Studie
Wild lebende Wirbeltiere, 1970 bis 2022
−73 %
beobachtete Bestände, WWF
Meeressäuger seit 1850
−70 %
Biomasse, Weizmann-Institut
Wilde Landsäugetiere seit 1850
rund −60 %
Biomasse von rund 50 auf 20 Mio. t
Agrarvögel in Europa, 1990 bis 2024
−41 %
Index der Europäischen Umweltagentur
49.505
Arten führt die Rote Liste der IUCN als bedroht, 28 Prozent aller bewerteten
650 Mio. t
wiegen die Nutztiere der Welt, fünfmal so viel wie 1850
6,7 Mio. ha
tropischer Urwald gingen 2024 verloren, so viel wie nie
61 %
der Vogelarten haben schrumpfende Bestände (IUCN, Oktober 2025)

WWF Living Planet Report 2026; Hallmann et al. (PLOS ONE 2017); Greenspoon et al. (Nature Communications 2025), Biomasse als Frischmasse; Europäische Umweltagentur, Common Bird Index; IUCN-Aktualisierung vom Juli 2026; Global Forest Watch; IUCN-Auswertung zu Vögeln vom Oktober 2025.

In 63 deutschen Schutzgebieten ging die Biomasse fliegender Insekten von 1989 bis 2016 um 76 Prozent zurück, belegt durch die sogenannte Krefelder Studie. Der europäische Index der Agrarvögel liegt laut Europäischer Umweltagentur 41 Prozent unter dem Wert von 1990.

Andere Arten profitieren vom wärmeren Klima. Der Eichenprozessionsspinner etwa breitet sich in warmen, trockenen Jahren aus und kostet Kommunen Millionen.

2024 gingen nach Daten der Plattform Global Forest Watch 6,7 Millionen Hektar tropischer Primärwald verloren, so viel wie nie seit Beginn der Auswertung und fast doppelt so viel wie 2023. Rund die Hälfte fiel Bränden zum Opfer. 2025 sank der Verlust auf 4,3 Millionen Hektar, lag damit aber noch 46 Prozent über dem Wert von vor zehn Jahren.

Weltweit verschwanden 2025 insgesamt 25,5 Millionen Hektar Baumbestand, eine Fläche größer als Großbritannien, 42 Prozent davon durch Feuer.

Auf den Punkt
  • Nutztiere: Mit rund 650 Millionen Tonnen wiegen Nutztiere fünfmal so viel wie 1850, wilde Landsäugetiere nur noch rund 20 Millionen Tonnen.
  • Insekten: In deutschen Schutzgebieten ging die Biomasse fliegender Insekten von 1989 bis 2016 um 76 Prozent zurück.
  • Wälder: 2025 verschwanden 25,5 Millionen Hektar Baumbestand, 42 Prozent davon durch Feuer.

Was kostet die Krise an Menschenleben und Geld?

Weißer Ventilator, orangefarbenes Rad, Schild „100 Mrd. €“ am Gitter, weißer Hintergrund
Naturkatastrophen verursachten im ersten Halbjahr 2026 Schäden von rund 100 Milliarden Euro, 60 Prozent waren nicht versichert.

Die Krise kostet jedes Jahr Hunderttausende Leben und dreistellige Milliardenbeträge. Hitze tötet laut Lancet Countdown weltweit im Schnitt rund 546.000 Menschen jährlich. Naturkatastrophen verursachten allein im ersten Halbjahr 2026 Schäden von rund 100 Milliarden Euro.

Die Zahl der Hitzetoten stammt aus dem Lancet Countdown 2025, einer jährlichen Auswertung, an der über hundert Forschende mitarbeiten, und gilt für die Jahre 2012 bis 2021. Die Sterberate durch Hitze liegt laut Weltgesundheitsorganisation 23 Prozent über dem Wert der 1990er-Jahre.

Für Europa hat das Barcelona Institute for Global Health den Sommer 2024 ausgewertet. Zwischen Juni und September starben in 32 Ländern 62.775 Menschen an den Folgen der Hitze, in Deutschland 6.282.

Für 2026 meldet Copernicus in Westeuropa den wärmsten Sommer seit Beginn der Messungen, mit einer Rekordzahl von 41 Tagen starker Hitzebelastung.

Rhein, Donau, Po, Loire, Rhône und Seine führten so wenig Wasser wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen des europäischen Hochwasserwarnsystems EFAS im Jahr 1992, und in der EU brannte fast doppelt so viel Fläche wie im langjährigen Durchschnitt.

Zur Hitze kommt die verschmutzte Luft: Nach Schätzung der WHO sterben jedes Jahr 6,7 Millionen Menschen vorzeitig an Luftverschmutzung im Freien und in Innenräumen, die zu einem großen Teil aus denselben fossilen Brennstoffen stammt, die das Klima aufheizen.

Von rund 100 Milliarden Euro Katastrophenschäden im ersten Halbjahr 2026 waren nach Zahlen des Rückversicherers Munich Re nur rund 39 Milliarden versichert.

Für die Versicherungslücke von rund 60 Prozent kommen Haushalte, Unternehmen und Staaten selbst auf. Langfristig steht mehr auf dem Spiel als Gebäude und Ernten: Bis zu 40 Prozent der weltweiten Landfläche sind nach dem Global Land Outlook der UN-Wüstenkonvention bereits degradiert, also in ihrer Fruchtbarkeit geschädigt.

Was die Krise kostet: weltweit, in Europa, in Deutschland
Wählen Sie die Ebene. Die Karten zeigen Todesfälle durch Hitze und Luftverschmutzung sowie die Schäden durch Extremwetter.
Katastrophenschäden im ersten Halbjahr 2026: rund 100 Mrd. Euro
39 Mrd. €rund 61 Mrd. €
versichertunversichert, trägt jeder selbst
546.000
Menschen sterben weltweit im Schnitt jährlich an Hitze (2012 bis 2021)
+23 %
höher liegt die Sterberate durch Hitze als in den 1990er-Jahren
6,7 Mio.
Menschen sterben jedes Jahr vorzeitig an Luftverschmutzung
bis 40 %
der weltweiten Landfläche sind bereits degradiert, also in ihrer Fruchtbarkeit geschädigt
62.775
Hitzetote im Sommer 2024 in 32 europäischen Ländern
41 Tage
mit starker Hitzebelastung in Westeuropa im Sommer 2026, ein Rekord
6 Flüsse
führten 2026 so wenig Wasser wie nie seit 1992: Rhein, Donau, Po, Loire, Rhône und Seine
fast 2×
so viel Fläche wie im langjährigen Durchschnitt brannte 2026 in der EU
rund 16.000
hitzebedingte Sterbefälle im Sommer 2026 bis Mitte September, vorläufige Schätzung des RKI
6.282
Hitzetote im Sommer 2024 nach der Auswertung des Barcelona Institute for Global Health
145 Mrd. €
Schäden durch Extremwetter von 2000 bis 2021, mindestens
280 bis 900 Mrd. €
Schäden drohen bis 2050, je nachdem, wie stark sich die Erde erwärmt

Lancet Countdown 2025 und WHO; WHO zur Luftqualität; Global Land Outlook der UN-Wüstenkonvention; Munich Re, Halbjahresbilanz 2026; Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal); Copernicus, Sommer 2026; Robert Koch-Institut; Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums.

Auf den Punkt

Die Sterberate durch Hitze liegt 23 Prozent über dem Wert der 1990er-Jahre, und bis zu 40 Prozent der weltweiten Landfläche sind bereits degradiert.

Deutschland senkte seine Emissionen 2025 um ganze 0,1 Prozent, 2026 fiel der Rheinpegel Kaub unter null.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Wie steht Deutschland da?

Glas mit Messstab und Flüssigkeit, daneben kleines Containerschiff auf weißem Grund
Der Pegel Kaub fiel Ende September 2026 erstmals unter null, der Sommer war der zweitwärmste in Deutschland seit 1881.

Deutschland erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt. Seit Beginn der Industrialisierung ist das Land laut Deutschem Wetterdienst um 2,5 Grad wärmer geworden. Der Sommer 2026 war der zweitwärmste seit 1881, und Flüsse, Grundwasser und Wälder zeigen die Folgen.

Seit den 1970er-Jahren steigt die Temperatur in Deutschland um 0,41 Grad pro Jahrzehnt. Wärmstes Jahr war 2024 mit 10,9 Grad im Mittel, 2,7 Grad mehr als in der Vergleichsperiode 1961 bis 1990.

Der Sommer 2026 lag mit 19,6 Grad nur knapp hinter dem Rekordsommer 2003. Der DWD zählte rund 22 Tage mit mindestens 30 Grad, am 27. Juni maß die Station Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt 41,8 Grad, einen vorläufigen deutschen Rekord. In der Nacht darauf sank das Thermometer in Kubschütz in der Oberlausitz nicht unter 29,4 Grad, so warm war in Deutschland noch keine Nacht.

Die Hitze traf auf ein trockenes Land: Seit 1882 war die Zeit von November bis Juli nur zweimal trockener als 2025/26.

Im Süden waren die Böden trockener als in den Dürrejahren 2018 und 2022, der DWD sprach von einer „extremen Niedrigwasserlage in Flüssen und im Grundwasser“. In Bayern zeigten im August 81 Prozent der oberflächennahen Messstellen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände, im Vorjahr 44 Prozent.

Am Rhein fiel der Pegel Kaub Ende September erstmals unter null, am Bodensee meldete die Messstelle Konstanz am 7. Oktober nur noch 247 Zentimeter, rund einen Meter unter dem langjährigen Mittel für diese Jahreszeit.

Bundesumweltminister Carsten Schneider bezifferte das Defizit der deutschen Wasservorräte im Frühsommer auf 25 Milliarden Tonnen gegenüber dem langjährigen Mittel. Am 5. Oktober sagte der Minister in Berlin: „Wenn Wasser knapp ist, kann es nicht sein, dass die Grundbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger mit Großverbrauchern wie Rechenzentren konkurrieren müssen.“ Ob Deutschland insgesamt zu wenig Wasser hat, ist umstritten. Im Jahresmittel entnimmt das Land nur rund ein Zehntel seines Wasserdargebots, wie der Dr.-Web-Beitrag zur Wasserstrategie für Deutschland zeigt. Knapp wird das Wasser regional und in Trockenphasen, und genau diese Phasen werden häufiger.

Deutschland im Klimastress
Wärme, Wasser, Wald und Natur, Meer und Küste: Wählen Sie einen Bereich, um die wichtigsten Messwerte der Jahre 2025 und 2026 zu sehen.
+2,5 °C
wärmer ist Deutschland seit Beginn der Industrialisierung
Welt 2025: +1,43 °C
41,8 °C
maß die Station Möckern-Drewitz am 27. Juni 2026, ein vorläufiger deutscher Rekord
wärmste Nacht: 29,4 °C in Kubschütz
19,6 °C
im Mittel brachte der Sommer 2026, der zweitwärmste seit 1881, mit rund 22 Tagen über 30 Grad
nur 2003 war wärmer
81 %
der oberflächennahen Grundwasser-Messstellen in Bayern zeigten im August 2026 niedrige oder sehr niedrige Stände
ein Jahr zuvor: 44 %
−6 cm
zeigte der Rhein-Pegel Kaub am 1. Oktober 2026, erstmals lag er unter null
Rekordtief 2018: 25 cm
25 Mrd. t
Wasser fehlten den deutschen Vorräten im Frühsommer 2026 gegenüber dem langjährigen Mittel
Bodensee am 7. Oktober: rund 1 m unter dem Mittel
21 %
der Bäume sind ohne Schäden an der Krone, 35 Prozent zeigen eine deutliche Verlichtung
Bäume über 60 Jahre: 44 % deutlich verlichtet
4
Gletscher sind Deutschland geblieben, sie verloren von 2023 bis 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche
gletscherfrei voraussichtlich in den 2030er-Jahren
55 %
der Tagfalter und Widderchen sind ausgestorben, bestandsgefährdet oder extrem selten
Bundesamt für Naturschutz
11,6 °C
erreichte die Nordsee 2025 im Jahresmittel, den höchsten Wert seit Beginn der Messreihe 1969
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
über 25 cm
höher liegt der Meeresspiegel in Cuxhaven heute als im Jahr 1900
weltweit seit 1993: rund 11 cm
unter 1 %
Sauerstoffsättigung am Grund der Ostsee vor Rostock im September 2025, Fische starben
Algenblüten treten weiter massiv auf

Deutscher Wetterdienst; WMO; Landesamt für Umwelt Bayern und dpa; WSV PEGELONLINE; Bundesumweltministerium; Waldzustandserhebung 2025; Bayerische Akademie der Wissenschaften und Hochschule München; Bundesamt für Naturschutz; Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie; Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde.

Laut Waldzustandserhebung 2025 sind nur 21 Prozent der Bäume in Deutschland ohne Schäden an der Krone, 35 Prozent zeigen eine deutliche Kronenverlichtung, bei Bäumen über 60 Jahren sogar 44 Prozent.

In den Alpen verschwindet zugleich ein Stück Landschaft: Von einst fünf deutschen Gletschern sind vier übrig, und die vier haben zwischen 2023 und 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche verloren. Nach Einschätzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wird Deutschland im Laufe der 2030er-Jahre gletscherfrei sein.

Die Nordsee erreichte 2025 im Jahresmittel 11,6 Grad, den höchsten Wert seit Beginn der Messreihe des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie 1969. In Cuxhaven liegt der Meeresspiegel heute mehr als 25 Zentimeter über dem Stand von 1900. In der Ostsee fehlt Sauerstoff. Vor Rostock sank die Sauerstoffsättigung am Grund im September 2025 unter 1 Prozent, Fische starben. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde stellte im Februar 2026 fest, dass Algenblüten und Sauerstoffmangel nach wie vor massiv auftreten.

An Land lag der Indikator für Artenvielfalt und Landschaftsqualität des Umweltbundesamts 2023 bei 80 Prozent seines Zielwerts, die Teilindikatoren für Agrarland sowie für Küsten und Meere liegen noch weit davon entfernt. Bei Tagfaltern und Widderchen sind laut Bundesamt für Naturschutz 55 Prozent der Arten ausgestorben, bestandsgefährdet oder extrem selten.

Eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums beziffert die Schäden durch Extremwetter in Deutschland von 2000 bis 2021 auf mindestens 145 Milliarden Euro, bis 2050 drohen je nach Erwärmung 280 bis 900 Milliarden Euro.

Dass die Versicherer für 2025 nur rund 2 Milliarden Euro an Naturgefahrenschäden zählten, nannte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen „Glückssache“.

Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle für den Sommer 2026 bis Mitte September vorläufig auf rund 16.000.

MesswertStand 2025/2026VergleichQuelle
Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung2,5 GradWelt 1,43 Grad im Jahr 2025 (WMO)Deutscher Wetterdienst
Sommer 202619,6 Grad, rund 22 heiße Tagezweitwärmster nach 2003Deutscher Wetterdienst
Grundwasser Bayern, August 202681 % der Messstellen niedrig2025: 44 %Landesamt für Umwelt, dpa
Rhein, Pegel Kaubminus 6 cm am 1. Oktober 2026Rekordtief 2018: 25 cmWSV PEGELONLINE, dpa
Bäume ohne Kronenschaden21 % (2025)35 % deutlich geschädigtWaldzustandserhebung
Gletscher4 verbleibendgletscherfrei voraussichtlich in den 2030ernBayerische Akademie der Wissenschaften
Nordsee11,6 Grad im Jahresmittel 2025höchster Wert seit 1969BSH
Treibhausgase649 Mio. t (2025)minus 0,1 % zum VorjahrUmweltbundesamt
Deutschland in acht Messwerten: Die Erwärmung liegt über dem Weltdurchschnitt, Grundwasser und Rhein erreichen Tiefstände, die Emissionen stagnieren.
Auf den Punkt
  • Wärme: Deutschland ist 2,5 Grad wärmer als vor der Industrialisierung, der Sommer 2026 war der zweitwärmste seit 1881.
  • Wasser: Grundwasser, Rhein und Bodensee erreichten von August bis Oktober 2026 extreme Tiefstände.
  • Natur: Nur jeder fünfte Baum ist ohne Kronenschaden, die letzten Gletscher verschwinden im Laufe der 2030er-Jahre.

Was macht Hoffnung?

Solarpanel auf Platz 1 eines Podiums, Kohle auf Platz 2, vor weißem Hintergrund
Erneuerbare Energien erzeugten 2025 weltweit erstmals mehr Strom als Kohle, 33,8 gegenüber 33,0 Prozent.

Die Ozonschicht erholt sich, erneuerbare Energien erzeugten 2025 erstmals mehr Strom als Kohle, und die EU hat ihre Emissionen bis 2024 um 37 Prozent gegenüber 1990 gesenkt. Für eine Trendwende beim Klima reicht das Tempo aber nicht: Weltweit stiegen die CO2-Emissionen 2025 auf einen Rekord.

Nach dem Verbot der Fluorchlorkohlenwasserstoffe durch das Montrealer Protokoll sind fast 99 Prozent der verbotenen Stoffe aus dem Verkehr gezogen. Laut WMO erreicht die Ozonschicht über der Antarktis um 2066 wieder die Werte von 1980, über der Arktis um 2045 und über dem Rest der Welt schon um 2040.

Das Ozonloch über der Antarktis war 2025 eines der kleinsten seit 1992.

Nach dem Global Electricity Review der Energie-Denkfabrik Ember lieferten erneuerbare Energien 2025 weltweit 33,8 Prozent des Stroms, Kohle 33,0 Prozent. Die Stromerzeugung aus Solaranlagen wuchs gegenüber 2024 um 30 Prozent und deckte drei Viertel des zusätzlichen Strombedarfs, weltweit kamen 664 Gigawatt Solarleistung neu hinzu, so viel wie nie.

Die Europäische Union hat ihre Netto-Treibhausgasemissionen bis 2024 um 37 Prozent gegenüber 1990 gesenkt, Deutschland bis 2025 um 48 Prozent. Der Verlust tropischer Urwälder ging 2025 gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent zurück, und Grönland verlor 2025 weniger Eis als im Schnitt der Vorjahre.

Die Gegenrechnung fällt trotzdem ernüchternd aus: Weltweit erreichten die fossilen CO2-Emissionen 2025 einen neuen Rekord, das Restbudget für 1,5 Grad reichte ab Anfang 2026 nur gut drei Jahre. In Deutschland sanken die Emissionen 2025 gegenüber dem Vorjahr nur um 0,1 Prozent, Verkehr und Gebäude stießen sogar mehr aus.

Der Expertenrat für Klimafragen erwartet in seinem Prüfbericht vom Mai 2026, dass Deutschland sein Emissionsbudget bis 2030 um 60 bis 100 Millionen Tonnen überschreitet.

Was gelingt und was noch fehlt
Gegensteuern wirkt, wo Staaten und Märkte konsequent handeln. Schalten Sie um zwischen den Erfolgen und der Gegenrechnung.
2066
erreicht die Ozonschicht über der Antarktis wieder die Werte von 1980, über der Arktis schon um 2045
33,8 %
des Stroms weltweit kamen 2025 aus erneuerbaren Energien, erstmals mehr als aus Kohle (33,0 %)
664 GW
Solarleistung kamen 2025 weltweit neu hinzu, so viel wie nie in einem Jahr
−48 %
Treibhausgase netto in Deutschland bis 2025 gegenüber 1990, in der EU bis 2024 minus 37 Prozent
38,1 Mrd. t
CO2 aus Kohle, Öl und Gas im Jahr 2025, ein Rekord und 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr
−0,1 %
Treibhausgase in Deutschland 2025 gegenüber dem Vorjahr, Verkehr und Gebäude stießen sogar mehr aus
60 bis 100 Mio. t
überschreitet Deutschland sein Emissionsbudget bis 2030 nach Erwartung des Expertenrats für Klimafragen
1 Jahr
später will die EU-Kommission ihre Methanregeln für Öl- und Gasimporte greifen lassen

WMO, Ozon-Bewertung; Ember, Global Electricity Review; SolarPower Europe; Umweltbundesamt; Europäische Umweltagentur; Global Carbon Project; Expertenrat für Klimafragen, Prüfbericht Mai 2026; Ankündigung der EU-Kommission vom Oktober 2026.

Unsere Einschätzung: Die guten Nachrichten belegen, dass Politik und Technik Umweltprobleme lösen können, sobald der Wille da ist. Beim Klima fehlt dieser Wille im nötigen Umfang. Die Ozonschicht erholt sich, weil die Staaten die ozonzerstörenden FCKW verboten haben, und nicht, weil sie auf technischen Fortschritt gewartet haben.

Auf den Punkt

Solaranlagen deckten 2025 drei Viertel des zusätzlichen Strombedarfs. Nach Erwartung des Expertenrats überschreitet Deutschland sein Emissionsbudget bis 2030 trotzdem um 60 bis 100 Millionen Tonnen.

Was folgt daraus für Unternehmen und Haushalte?

Orangefarbener Rettungsring an einer weißen Wand mit einem Schild, auf dem „Jetzt“ steht
Anpassen und weniger verbrauchen: Für Betriebe beginnt die Anpassung bei Standort, Lieferkette und Versicherungsschutz.

Unternehmen und Haushalte stehen vor zwei Aufgaben: sich auf Hitze, Trockenheit und Extremwetter einstellen sowie den eigenen Verbrauch senken. Anpassung schützt Betrieb und Gesundheit, weniger Verbrauch setzt an der Ursache an.

Für Unternehmen beginnt die Anpassung bei den Standorten. Hitzetage verändern Arbeitszeiten, Kühlbedarf und die Belastbarkeit der Belegschaft. Trockenperioden stellen Betriebe mit hohem Wasserbedarf vor die Frage, wer im Engpass zuerst Wasser bekommt. Eine solche Rangfolge hat Umweltminister Schneider bereits ins Gespräch gebracht.

Niedrigwasser am Rhein verlangt nach Lagerpuffern und Lieferverträgen, die Transportausfälle einkalkulieren.

Weil im ersten Halbjahr 2026 weltweit rund 60 Prozent der Katastrophenschäden unversichert blieben, lohnt ein genauer Blick in die eigene Police, vor allem auf den Schutz gegen Elementarschäden wie Starkregen und Hochwasser.

Beim Verbrauch wirkt die Ernährung am stärksten. Nach Berechnungen von Joseph Poore und Thomas Nemecek, aufbereitet von Our World in Data, würde eine pflanzliche Ernährung der gesamten Weltbevölkerung die landwirtschaftlich genutzte Fläche von 4,1 auf 1 Milliarde Hektar verkleinern. Drei Viertel der Agrarfläche würden frei für Wälder, Moore und Artenvielfalt.

Die übrigen Hebel klingen schlicht: weniger kaufen, Geräte und Kleidung länger nutzen, Defektes reparieren lassen, öfter Bus, Bahn oder Rad statt Auto fahren sowie Ökostrom beziehen. Betriebe setzen an denselben Stellen an, mit langlebigen Produkten, Reparaturangeboten und einem Fuhrpark, der weniger Kilometer fährt.

Acht Hebel: Was haben Sie schon umgesetzt?
Haken Sie ab, was in Ihrem Betrieb oder Haushalt schon erledigt ist. Unter jedem Punkt steht der Beleg aus diesem Artikel. Ihre Auswahl wird weder gespeichert noch übertragen.
Anpassen
Verbrauch senken
von 8 Hebeln umgesetzt. Jede Tonne CO2, die nicht in die Luft gelangt, verringert Hitzetote, Ernteausfälle und Schäden.

DWD; Bundesumweltministerium; WSV PEGELONLINE; Munich Re; Poore und Nemecek, aufbereitet von Our World in Data; Ember; Kreislaufwirtschaftsgesetz; Umweltbundesamt.

Die Politik reagiert langsamer, als die Messwerte nahelegen. Im Oktober 2026 kündigte die EU-Kommission an, die Methanregeln für Öl- und Gasimporte erst ein Jahr später greifen zu lassen, um in der Energiekrise Kosten zu sparen. In Berlin will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sogar drei Jahre Aufschub, Umweltminister Schneider lehnt eine Verschiebung ab.

Unsere Haltung: Der Zustand der Erde ist schlecht, und er verschlechtert sich schneller als noch vor zehn Jahren. Einen Beleg dafür, dass sich die Kurven von allein umkehren, hat bisher niemand vorgelegt. Jedes vermiedene Zehntelgrad verringert Hitzetote, Ernteausfälle und Schäden, und deshalb zählt jede Tonne CO2, die nicht in die Luft gelangt, auch wenn das 1,5-Grad-Ziel kaum noch zu halten ist. Betriebe, die Standorte, Lieferketten und Produkte heute auf diese Lage einstellen, ersparen sich die teurere Anpassung unter Druck.

HebelWas er bewirktBeleg
Pflanzliche ErnährungAgrarfläche weltweit von 4,1 auf 1 Mrd. HektarPoore und Nemecek, Our World in Data
Erneuerbarer Stromersetzt Strom aus Kohle und GasEmber
Längere Nutzung, ReparaturVermeidung und Wiederverwendung vor RecyclingKreislaufwirtschaftsgesetz
Anpassung am StandortSchutz vor Hitze, Trockenheit und NiedrigwasserDWD, Munich Re
Versicherungsschutz prüfenschließt die eigene Versicherungslücke (weltweit 60 % im ersten Halbjahr 2026)Munich Re
Fünf Hebel für Unternehmen und Haushalte, mit ihrer Wirkung und dem jeweiligen Beleg.
Auf den Punkt
  • Anpassen: Hitze, Trockenheit und Niedrigwasser gehören in jede Standortplanung, ebenso in die Planung der Lieferketten.
  • Weniger verbrauchen: Pflanzliche Ernährung, längere Nutzung und weniger Autofahrten senken die eigene Umweltbelastung spürbar.
  • Absichern: Rund 60 Prozent der Katastrophenschäden waren im ersten Halbjahr 2026 nicht versichert, der Schutz gegen Elementarschäden gehört auf den Prüfstand.

Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum Zustand der Erde

Ein offenes, liniertes Notizbuch mit einem orangefarbenen QR-Code-Lesezeichen auf weißem Grund
Von CO2-Budget bis Zettajoule: Das Glossar erklärt die Fachbegriffe zum Zustand der Erde.

CO2-Budget

CO2-Budget heißt die Menge an Kohlendioxid, die die Menschheit noch ausstoßen kann, ohne eine Temperaturgrenze zu überschreiten, gerechnet mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Für 1,5 Grad blieben ab Anfang 2026 laut dem Team um Piers Forster noch 130 Milliarden Tonnen, gut drei Jahre beim heutigen Ausstoß.

El Niño

El Niño heißt die natürliche Erwärmung des östlichen tropischen Pazifiks, die alle paar Jahre auftritt und das Wetter weltweit verändert. Ein starker El Niño treibt die globale Temperatur zusätzlich nach oben. Für den Winter 2026/27 erwartet die NOAA ein starkes Ereignis.

Emissionslücke

Emissionslücke (englisch Emissions Gap) nennt das UN-Umweltprogramm den Abstand zwischen den zugesagten und den für die Klimaziele nötigen Emissionsminderungen. Laut Bericht 2025 steuert die Welt mit der derzeitigen Politik auf bis zu 2,8 Grad Erwärmung bis 2100 zu.

Kipppunkt

Kipppunkt heißt eine Schwelle, ab der ein Teil des Erdsystems in einen neuen Zustand übergeht, der sich kaum oder gar nicht umkehren lässt. Kippelemente mit solchen Schwellen sind etwa Eisschilde, Regenwälder und Korallenriffe. Laut dem Global Tipping Points Report 2025 haben Warmwasserriffe ihren Kipppunkt bereits überschritten.

Korallenbleiche

Korallenbleiche heißt die Reaktion von Korallen auf zu warmes Wasser: Die Korallen stoßen die Algen ab, von denen sie leben und die ihnen die Farbe geben. Hält der Hitzestress an, sterben die Korallen. Von 2023 bis 2025 standen 84 Prozent der weltweiten Rifffläche unter solchem Stress.

Kronenverlichtung

Kronenverlichtung bezeichnet den Anteil der Nadeln oder Blätter, die einem Baum im Vergleich zu einer voll belaubten Krone fehlen. Die jährliche Waldzustandserhebung nutzt den Wert als wichtigsten Gesundheitsindikator. 2025 zeigten 35 Prozent der Bäume in Deutschland eine deutliche Verlichtung.

Living Planet Index

Living Planet Index heißt der Index, mit dem der WWF und die Zoologische Gesellschaft London die Entwicklung beobachteter Wirbeltierbestände messen. Der Bericht 2026 stützt sich auf 35.803 Populationen von 5.790 Arten und zeigt im Schnitt einen Rückgang um 73 Prozent seit 1970.

Marine Hitzewelle

Marine Hitzewelle nennen Meeresforscher eine Phase, in der die Wassertemperatur über mehrere Tage ungewöhnlich hoch liegt, gemessen am langjährigen Mittel für diesen Ort und diese Jahreszeit. 2025 erlebten rund 90 Prozent der Meeresoberfläche mindestens eine solche Phase.

Ozeanversauerung

Ozeanversauerung heißt das Absinken des pH-Werts im Meer, ausgelöst durch Kohlendioxid, das das Wasser aus der Luft aufnimmt. Seit Beginn der Industrialisierung ist der Wert um rund 0,1 gesunken, der Säuregehalt um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Kalkbildende Tiere wie Korallen und Muscheln leiden darunter.

Planetare Belastungsgrenzen

Planetare Belastungsgrenzen beschreiben neun Bereiche des Erdsystems, etwa Klima, Artenvielfalt, Süßwasser und Meeresversauerung, in denen die Menschheit einen sicheren Spielraum hat. Nach der Prüfung des Potsdam-Instituts vom September 2025 sind sieben dieser Grenzen überschritten.

ppm

ppm (parts per million) heißt die Maßeinheit Teile pro Million, mit der die Konzentration von Kohlendioxid in der Luft angegeben wird. 427 ppm bedeuten, dass auf eine Million Luftteilchen 427 CO2-Moleküle kommen. Vor der Industrialisierung lag der Wert bei rund 280.

Rote Liste

Rote Liste heißt das Verzeichnis der Weltnaturschutzunion IUCN, das Tier-, Pflanzen- und Pilzarten nach ihrem Aussterberisiko einstuft. Nach der Aktualisierung vom Juli 2026 gelten 49.505 von 175.909 bewerteten Arten als bedroht. Für Deutschland führt das Bundesamt für Naturschutz eigene Listen.

Wärmeinhalt der Ozeane

Wärmeinhalt der Ozeane heißt die Energie, die im Meerwasser gespeichert ist, meist gemessen für die oberen 2.000 Meter. Der Wärmeinhalt gilt als verlässlichster Gradmesser der Erderwärmung, weil das Meer rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme aufnimmt. 2025 stellte der Wert zum neunten Mal in Folge einen Rekord auf.

Zettajoule

Zettajoule (ZJ) heißt eine Energieeinheit von einer Trilliarde Joule, also einer Eins mit 21 Nullen. In Zettajoule messen Ozeanografen, wie viel Wärme die Meere zusätzlich aufnehmen. 2025 nahmen die oberen 2.000 Meter rund 23 Zettajoule auf.

FAQ: Wie schlimm ist der Zustand der Erde wirklich?

Glas-Fieberthermometer mit orangefarbener Flüssigkeitssäule neben Miniatur-Staffelei mit dem Text „FAQ FIEBER-AKUTE-QUERELEN“
Antworten auf häufige Fragen zu Klimawandel, Artensterben und Meeresspiegel.

Ist der Klimawandel noch aufzuhalten?

Aufhalten lässt sich die Erwärmung erst mit netto null CO2-Emissionen weltweit. Bis dahin entscheidet jede Tonne, wie hoch die Temperatur steigt. Das CO2-Budget für 1,5 Grad reichte ab Anfang 2026 beim heutigen Ausstoß nur gut drei Jahre, doch jedes vermiedene Zehntelgrad verringert Hitzetote, Ernteausfälle und Schäden.

Wie warm ist die Erde heute im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung?

2024 lag die globale Temperatur laut Copernicus 1,60 Grad über dem vorindustriellen Niveau, 2025 laut WMO 1,43 Grad. Den menschengemachten Anteil beziffert das Forscherteam um Piers Forster für 2025 auf 1,37 Grad.

Was ist ein Kipppunkt im Klimasystem?

Ein Kipppunkt ist eine Schwelle, ab der ein Teil des Erdsystems in einen neuen Zustand übergeht, der sich kaum umkehren lässt. Als erster überschrittener Kipppunkt gilt seit dem Global Tipping Points Report 2025 die Hitzeschwelle der Warmwasser-Korallenriffe, jenseits derer die Riffe großflächig absterben.

Wie viele Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht?

Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN führt nach der Aktualisierung vom Juli 2026 genau 49.505 bedrohte Arten, 28 Prozent der 175.909 bewerteten. Besonders gefährdet sind Amphibien und Riffkorallen.

Steigt der Meeresspiegel auch an Nord- und Ostsee?

Ja. Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie ist der Meeresspiegel seit 1900 in Cuxhaven um mehr als 25 Zentimeter gestiegen, in Warnemünde um knapp 20 Zentimeter. Weltweit beschleunigt sich der Anstieg.

Was kann jeder Einzelne tun?

Den größten Hebel bietet die Ernährung: Eine pflanzliche Kost für alle Menschen würde laut Our World in Data drei Viertel der Agrarfläche freigeben. Weniger kaufen, Dinge länger nutzen, öfter Bus, Bahn oder Rad fahren sowie Ökostrom beziehen senken den eigenen CO2-Ausstoß zusätzlich.

Quellen

78 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 11.10.2026
  1. Stockholm Resilience Centre, Potsdam-Institut für KlimafolgenforschungSeven of nine planetary boundaries now breached24.09.2025
  2. Geophysical Research LettersFoster, Rahmstorf: Global Warming Has Accelerated Significantly2026
  3. American Geophysical UnionIn a first, researchers confirm global warming has accelerated in last decade09.03.2026
  4. Carbon BriefPace of global warming has nearly doubled since 2015, study says06.03.2026
  5. Copernicus Climate Change Service2024 first year to exceed 1.5 °C above pre-industrial level10.01.2025
  6. Copernicus Climate Change ServiceSurface air temperature for August 202610.09.2026
  7. Copernicus Climate Change ServiceRecord heat stress and low river flows marked Europe’s 2026 summer02.10.2026
  8. World Meteorological OrganizationEarth’s climate swings increasingly out of balance, State of the Global Climate 202523.03.2026
  9. NOAA Climate Prediction CenterENSO Diagnostic Discussion08.10.2026
  10. NOAA Global Monitoring LaboratoryTrends in Atmospheric Carbon Dioxide, Mauna Loa
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  14. UCAR, Advances in Atmospheric SciencesPan, Cheng et al.: Ocean Heat Content Sets Another Record in 202509.01.2026
  15. EosIn 2025, the ocean stored more heat than we’ve ever recorded09.01.2026
  16. NASARate of sea level rise doubled over 30 years, new study shows25.02.2025
  17. NOAA Coral Reef WatchFourth global coral bleaching event, status report02.06.2026
  18. NOAA NESDISWorld’s fourth mass coral bleaching event likely ended in 202502.06.2026
  19. National Oceanography CentreGlobal Tipping Points Report 2025 reveals first Earth system tipping point reached10.10.2025
  20. World Glacier Monitoring ServiceGlaciers in 2025
  21. Universität Zürich, GLAMOSGletscherbilanz 202601.10.2026
  22. National Snow and Ice Data CenterArctic sea ice has reached minimum extent for 202623.09.2026
  23. National Snow and Ice Data CenterAntarctic sea ice extent arrives near average minimum09.03.2026
  24. NOAAArctic Report Card 2025: Greenland Ice Sheet
  25. AP, Oregon Public BroadcastingCatastrophic floods kill over 390 in Nepal and Tibet27.08.2026
  26. Daily FTNepal, Tibet floods kill over 70031.08.2026
  27. Science AdvancesChandanpurkar et al.: Unprecedented continental drying, shrinking freshwater availability25.07.2025
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  31. IUCNThe IUCN Red List of Threatened Species
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  36. World Resources InstituteGlobal Forest Loss Shatters Records in 2024, Fueled by Massive Fires21.05.2025
  37. World Resources InstituteTropical Rainforest Loss Slowed in 2025, but Fire is a Growing Threat29.04.2026
  38. WeltgesundheitsorganisationClimate inaction is claiming millions of lives every year, warns new Lancet Countdown report29.10.2025
  39. ISGlobal62.700 muertes asociadas con el calor del verano de 202422.09.2025
  40. WeltgesundheitsorganisationAmbient (outdoor) air quality and health24.10.2024
  41. Munich ReLower losses, growing risks: natural disaster review for the first half of 202630.07.2026
  42. PBL Netherlands Environmental Assessment AgencyUNCCD Global Land Outlook 22022
  43. Deutscher WetterdienstKlimapressekonferenz 202631.03.2026
  44. Deutscher WetterdienstDeutschlandwetter im Jahr 202430.12.2024
  45. Deutscher WetterdienstDeutschlandwetter im Sommer 202631.08.2026
  46. Deutscher WetterdienstDeutscher Wetterdienst zur starken Trockenheit im Sommer 202606.08.2026
  47. inFranken, dpaWasserstände in Bayern kritisch: Grundwasser bleibt niedrig22.08.2026
  48. Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des BundesPEGELONLINE, Pegel Kaub
  49. Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des BundesPEGELONLINE, Pegel Konstanz
  50. wetter.netBodensee so tief wie nie im Oktober: Schiffe meiden Anleger02.10.2026
  51. Logistik Heute, dpaBinnenschifffahrt: Negative Pegelwerte, Rekordniedrigwasser des Rheins30.09.2026
  52. BundesumweltministeriumRede von Bundesumweltminister Carsten Schneider zu Zukunft Wasser05.10.2026
  53. UmweltbundesamtWasserressourcen und ihre Nutzung
  54. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und HeimatWaldzustandserhebung 202519.05.2026
  55. Bayerische Akademie der WissenschaftenSüdlicher Schneeferner verliert Gletscherstatus26.09.2022
  56. idw, Hochschule MünchenDeutschlands Gletscher schmelzen doppelt so schnell19.03.2026
  57. Öko-Test, dpaRekordschmelze: Deutschland wohl in 2030ern ohne Gletscher19.03.2026
  58. Bundesamt für Seeschifffahrt und HydrographieNordsee 2025 so warm wie nie07.01.2026
  59. Bundesamt für Seeschifffahrt und HydrographieMeerestemperaturen im Sommer 202621.09.2026
  60. Leibniz-Institut für Ostseeforschung WarnemündeSauerstoffmangel als Grund für das Fischsterben bei Rostock im September 2025
  61. Leibniz-Institut für Ostseeforschung WarnemündeWarum sich die überdüngte Ostsee so schwer erholt16.02.2026
  62. UmweltbundesamtIndikator: Artenvielfalt und Landschaftsqualität
  63. Bundesamt für NaturschutzRote Liste: Tagfalter zunehmend gefährdet11.12.2025
  64. BundesregierungDie Kosten des Klimawandels
  65. GDVGDV-Naturgefahrenbilanz 2025: Deutlich weniger Schäden durch Wetterextreme30.12.2025
  66. GDVNaturgefahren09.10.2026
  67. Robert Koch-InstitutWochenbericht Hitzemortalität24.09.2026
  68. World Meteorological OrganizationOzone layer recovery is on track09.01.2023
  69. World Meteorological OrganizationOzone Bulletin 202616.09.2026
  70. EmberGlobal Electricity Review 202621.04.2026
  71. SolarPower EuropeGlobal solar market hits new record of 664 GW installation in 202522.06.2026
  72. Europäische UmweltagenturTrends and projections: greenhouse gas emissions largely on track to 2030 targets06.11.2025
  73. UmweltbundesamtTreibhausgasdaten zeigen: Klimaschutz braucht neuen Schub14.03.2026
  74. Expertenrat für KlimafragenPrüfbericht 2026: Einhaltung des Emissionsbudgets bis 2030 nicht bestätigt18.05.2026
  75. Our World in DataRitchie: If the world adopted a plant-based diet, we would reduce global agricultural land use from 4 to 1 billion hectares04.03.2021
  76. Neue Westfälische, dpaBrüssel will Methan-Regeln wegen Energiekrise verschieben06.10.2026
  77. heise onlineEU-Methanverordnung: Von der Leyen kündigt ein Jahr Aufschub an07.10.2026
  78. Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse (Stichtag 09.10.2026)
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