Viele Messreihen zur Lage des Planeten zeigen seit 2015 ein höheres Tempo. Laut einer Studie von Grant Foster und Stefan Rahmstorf erwärmt sich die Erde inzwischen um rund 0,35 Grad pro Jahrzehnt, und 2025 stieß die Welt aus Kohle, Öl und Gas so viel CO2 aus wie nie, 38,1 Milliarden Tonnen. In Deutschland lassen sich die Folgen an Rhein-Pegeln, Hitzetagen und sinkendem Grundwasser ablesen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Erde hat kein Fieberthermometer, aber Tausende Messstationen, Satelliten und Bojen sowie regelmäßige Bestandszählungen. Ihre Daten liegen bei Dutzenden Instituten und stehen selten nebeneinander. Hier lesen Sie, wie Klima, Meere, Eis, Artenvielfalt und Gesundheit dastehen, was in Deutschland zu spüren ist und wo Fortschritte gelingen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sieben von neun planetaren Belastungsgrenzen sind überschritten. Die Erde erwärmt sich seit 2015 fast doppelt so schnell wie von 1970 bis 2015, das CO2-Budget für 1,5 Grad reichte ab Anfang 2026 nur gut drei Jahre.
- Die Meere speichern so viel Wärme wie nie, von 2023 bis 2025 standen 84 Prozent der weltweiten Rifffläche unter Hitzestress, Warmwasserriffe haben ihren Kipppunkt überschritten.
- Die beobachteten Wildtierbestände sind seit 1970 um 73 Prozent geschrumpft. Hitze tötet weltweit rund 546.000 Menschen pro Jahr.
- Deutschland ist 2,5 Grad wärmer als vor der Industrialisierung. Ozonschicht und Solarstrom zeigen, dass Gegensteuern wirkt, doch weltweit steigen die Emissionen weiter.
1 Wie viele der neun planetaren Belastungsgrenzen sind überschritten? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
2 Wo lag die CO2-Konzentration 2025 im Jahresmittel am Mauna Loa? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
3 Welcher Anteil der weltweiten Rifffläche stand von 2023 bis 2025 unter Hitzestress, der zur Korallenbleiche führt? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
4 Wie viel Prozent der Bäume in Deutschland zeigen keinen Kronenschaden? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
5 Aus welchen Quellen stammte 2025 weltweit erstmals mehr Strom als aus Kohle? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Wie misst man den Zustand der Erde?

Forschende messen den Zustand der Erde an neun planetaren Belastungsgrenzen und an langen Messreihen. Die Grenzen beschreiben den sicheren Spielraum der Menschheit bei Klima, Artenvielfalt, Wasser, Böden und Chemikalien. Nach der jüngsten Prüfung des Potsdam-Instituts sind sieben der neun Grenzen überschritten.
Ein internationales Forscherteam um Johan Rockström hat das Konzept 2009 am Stockholm Resilience Centre entwickelt, heute leitet Rockström das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Jede Grenze markiert den Rand des Bereichs, in dem die Erde so stabil bleibt wie seit dem Ende der letzten Eiszeit. Jenseits davon steigt das Risiko, dass Teile des Erdsystems kippen.
Im September 2025 kam die siebte Überschreitung hinzu, die Versauerung der Meere. Seitdem liegen nur noch die Ozonschicht und die Belastung der Luft mit Schwebteilchen im sicheren Bereich.
Überschritten sind die Grenzen für Klimawandel, Artenvielfalt, Landnutzung, Süßwasser, die Kreisläufe von Stickstoff und Phosphor, neuartige Stoffe wie Plastik und Chemikalien sowie die Ozeanversauerung. Ein Grenzwert allein sagt allerdings noch nicht, wie schnell sich die Lage verändert. Das Tempo zeigen erst die einzelnen Messreihen zu Temperatur, Kohlendioxid, Meeren, Eis, Tierbeständen, Wäldern und Gesundheit. Fast alle weisen auf eine Verschlechterung hin, mehrere mit wachsender Geschwindigkeit.
| Bereich | Messwert | Richtung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Temperatur | 1,60 Grad über vorindustriellem Niveau (2024) | steigt, seit 2015 fast doppelt so schnell | Copernicus, Foster und Rahmstorf |
| CO2 in der Luft | 427 ppm (2025), vorindustriell rund 280 | steigt | NOAA |
| Wärme im Ozean | Rekord zum neunten Mal in Folge (2025) | steigt | Cheng et al. |
| Meeresspiegel | rund 11 cm über dem Stand von 1993 | steigt, Rate fast verdoppelt | WMO |
| Gletscher | minus 408 Mrd. Tonnen Eis (2025) | schrumpfen | World Glacier Monitoring Service |
| Wildtierbestände | 73 % weniger als 1970 | sinken | WWF |
| Tropischer Urwald | 4,3 Mio. ha verloren (2025) | Verlust hoch, zuletzt rückläufig | World Resources Institute |
| Ozonschicht | Erholung bis etwa 2066 | erholt sich | WMO |
Planetary Health Check 2025 des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung; CO2-Werte der NOAA; WWF Living Planet Report 2026; IUCN, Juli 2026; Global Forest Watch; Science Advances; Landesamt für Umwelt Bayern; WMO; WHO.
Grenzwerte markieren die kritische Schwelle, Messreihen zeigen das Tempo: Sieben von acht Messreihen weisen auf eine Verschlechterung hin, nur die Ozonschicht erholt sich.
Wie schnell heizt sich die Erde auf?

Die Erde erwärmt sich heute fast doppelt so schnell wie vor 2015. Von 1970 bis 2015 stieg die globale Temperatur um rund 0,2 Grad pro Jahrzehnt, seit etwa 2015 steigt sie um rund 0,35 Grad. Die Jahre 2015 bis 2025 waren die elf wärmsten seit Beginn der Messungen.
Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut und der US-Statistiker Grant Foster haben die Beschleunigung im März 2026 in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters nachgewiesen. Die beiden haben aus fünf großen Temperaturreihen die natürlichen Schwankungen herausgerechnet, also El Niño, Vulkanausbrüche und den Sonnenzyklus. Übrig bleibt der menschengemachte Trend, und seine Beschleunigung ist mit über 98 Prozent Wahrscheinlichkeit statistisch gesichert.
2024 war mit 1,60 Grad über dem vorindustriellen Niveau das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, so der EU-Klimadienst Copernicus.
Die Weltwetterorganisation WMO beziffert die Erwärmung 2025 auf 1,43 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Im August 2026 lag die globale Temperatur 1,65 Grad darüber, gleichauf mit dem bisher heißesten Monat, dem Juli 2023. Im Pazifik baut sich ein starker El Niño auf, der nach der Prognose der US-Wetterbehörde NOAA vom 8. Oktober bis ins Frühjahr 2027 anhält und die Temperaturen zusätzlich nach oben treibt.
Hauptursache der Erwärmung ist das Kohlendioxid, das Wärme in der Atmosphäre festhält, und seine Konzentration steigt weiter.
An der Messstation Mauna Loa auf Hawaii lag der CO2-Gehalt der Luft 2025 im Jahresmittel bei 427 Teilchen pro Million, vor der Industrialisierung bei rund 280. Im weltweiten Mittel der NOAA stieg der Wert 2024 um 3,76 Teilchen pro Million, so stark wie nie in einem Jahr.
Die CO2-Emissionen aus Kohle, Öl und Gas erreichten 2025 nach dem Global Carbon Project mit 38,1 Milliarden Tonnen einen neuen Rekord, 1,1 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das Forscherteam um Piers Forster von der Universität Leeds beziffert den menschengemachten Anteil der Erwärmung für 2025 auf 1,37 Grad und das verbleibende CO2-Budget ab Anfang 2026 auf 130 Milliarden Tonnen, bei 50 Prozent Wahrscheinlichkeit. Beim heutigen Ausstoß wäre dieses Budget in gut drei Jahren aufgebraucht.
Mit der derzeitigen Politik steuert die Welt laut Emissions Gap Report 2025 des UN-Umweltprogramms auf bis zu 2,8 Grad Erwärmung bis 2100 zu. Bei voller Umsetzung aller Klimazusagen läge die Erwärmung bei 2,3 bis 2,5 Grad.
Schon bei der heutigen Erwärmung kostet der Klimawandel in Deutschland ganze Branchen Milliarden, von der Landwirtschaft bis zur Binnenschifffahrt.
Raten nach Foster und Rahmstorf (Geophysical Research Letters, März 2026), Werte je Datensatz nach Carbon Brief. CO2-Jahresmittel am Mauna Loa (NOAA). Restbudget bei 50 Prozent Wahrscheinlichkeit ab Anfang 2026 nach Forster et al. (2026).
Was passiert in den Meeren?

Die Meere speichern so viel Wärme wie nie zuvor gemessen; 2025 stellte der Wärmeinhalt zum neunten Mal in Folge einen Rekord auf. Der Meeresspiegel steigt fast doppelt so schnell wie in den 1990er-Jahren, und von 2023 bis 2025 standen 84 Prozent der weltweiten Rifffläche unter gefährlichem Hitzestress.
Rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme, die Treibhausgase zurückhalten, landen im Ozean. Ein Team um den chinesischen Ozeanografen Lijing Cheng misst den Wärmeinhalt der oberen 2.000 Meter jedes Jahr neu. 2025 stieg der Wärmeinhalt um 23 Zettajoule, ein Vielfaches des weltweiten Energieverbrauchs der Menschheit.
Laut WMO erlebten 2025 rund 90 Prozent der Meeresoberfläche mindestens eine marine Hitzewelle. Solche Hitzewellen setzen Fische, Muscheln und Seegras unter Stress, oft über Wochen.
Wärmeres Wasser dehnt sich aus, und Schmelzwasser von Gletschern und Eisschilden kommt hinzu. Der globale Meeresspiegel liegt inzwischen rund 11 Zentimeter über dem Stand von 1993. Von 1993 bis 2011 stieg der Pegel laut WMO um 2,65 Millimeter pro Jahr, seit 2012 steigt er um 4,75 Millimeter. Die NASA kommt mit eigener Rechnung zu einem noch deutlicheren Befund: Die jährliche Rate hat sich in 30 Jahren mehr als verdoppelt.
Am härtesten trifft die Hitze die Korallenriffe. Von Januar 2023 bis September 2025 standen nach Daten der NOAA 84,4 Prozent der weltweiten Rifffläche unter Hitzestress, der Korallen ausbleichen lässt. In mindestens 83 Ländern und Territorien bleichten Riffe massenhaft aus. Beim vorigen Ereignis von 2014 bis 2017 waren 68 Prozent betroffen. Der Global Tipping Points Report 2025, an dem über 160 Forschende aus 87 Institutionen mitgearbeitet haben, kommt zu einem drastischen Befund: Warmwasser-Korallenriffe haben ihren Kipppunkt überschritten. Die zentrale Schätzung für diesen Kipppunkt liegt bei 1,2 Grad Erwärmung, erreicht sind rund 1,4 Grad.
Zum ersten Mal ist damit ein Kipppunkt im Erdsystem überschritten. Die NOAA hält die jüngste Massenbleiche seit Mitte 2025 für beendet, die Schäden an den Riffen bleiben.
Zugleich wird das Meer saurer, weil das Wasser Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt. Der pH-Wert der Meeresoberfläche ist seit Beginn der Industrialisierung um rund 0,1 gesunken, der Säuregehalt hat um 30 bis 40 Prozent zugenommen. Muscheln, Schnecken und Korallen können ihre Kalkschalen oder -skelette schlechter bilden.
Erwärmung bereinigt um El Niño, Vulkane und Sonne nach Foster und Rahmstorf (Geophysical Research Letters, März 2026). Meeresspiegel nach WMO. Rifffläche unter Bleich-Hitzestress nach NOAA Coral Reef Watch, Massenbleichen 2014 bis 2017 und Januar 2023 bis September 2025. Balkenskalen je Zeile verschieden.
- Hitzewellen: 2025 erlebten rund 90 Prozent der Meeresoberfläche mindestens eine marine Hitzewelle.
- Säure: Der pH-Wert ist seit Beginn der Industrialisierung um rund 0,1 gesunken, der Säuregehalt um 30 bis 40 Prozent gestiegen.
- Korallen: Warmwasserriffe haben als erstes System der Erde ihren Kipppunkt überschritten.
Wie schnell schwindet das Eis?

In den Gebirgen schmilzt das Eis seit einigen Jahren in Rekordtempo, an den Polen schwanken die Werte. Die Gletscher der Welt verloren 2025 rund 408 Milliarden Tonnen Eis, die Schweizer Gletscher 2026 über 5 Prozent ihres Volumens. Das arktische Meereis erreichte 2025 das niedrigste Wintermaximum der Satellitenära.
Der World Glacier Monitoring Service in Zürich führt die weltweite Gletscherbilanz. 2025 war mit einem Verlust von 408 Milliarden Tonnen das sechstschlechteste Jahr seit Beginn der Messungen, das Schmelzwasser hob den Meeresspiegel um 1,1 Millimeter. Sechs der verlustreichsten Jahre seit Beginn der Messungen fielen in die vergangenen sieben Jahre.
Die Schweizer Gletscher verloren 2026 über 5 Prozent ihres Eises, in fünf Jahren fast ein Fünftel.
Die Zahlen stammen vom Schweizer Gletschermessnetz GLAMOS, das an der Universität Zürich angesiedelt ist. Nur das Rekordjahr 2022 brachte einen noch größeren Verlust. Am Allalin, am Clariden, am Großen Aletsch und am Rhonegletscher maßen die Glaziologen 2026 die stärkste Schmelze ihrer Messreihen.
Im August 2026 folgte auf einen Gletscherabbruch eine Flut in Nepal und Tibet. Bis Ende August meldete die nepalesische Polizei 734 Tote und 2.498 Vermisste. Ob die Erwärmung den Abbruch begünstigt hat, haben Forschende noch nicht untersucht.
Das arktische Meereis erreichte im März 2025 mit rund 14,19 Millionen Quadratkilometern das niedrigste Wintermaximum, das je gemessen wurde. Das Sommerminimum 2026 lag am 12. September bei 4,60 Millionen Quadratkilometern, Rang zehn der niedrigsten Werte.
Rund um die Antarktis schwankt das Meereis stärker als in der Arktis: Das Wintermaximum 2026 war das drittniedrigste der Messreihe, das Sommerminimum lag nahe am Durchschnitt.
Auch Grönland verliert weiter Eis, 2025 netto rund 129 Milliarden Tonnen, etwas weniger als im Schnitt der Vorjahre.
Nach einer Studie in der Fachzeitschrift Science Advances, die Satellitendaten von 2002 bis 2024 ausgewertet hat, tragen die Kontinente inzwischen mehr zum Anstieg des Meeresspiegels bei als die Eisschilde, weil Böden, Seen und Grundwasser austrocknen. Drei Viertel der Weltbevölkerung leben in Ländern, deren Süßwasservorräte schrumpfen.
World Glacier Monitoring Service; GLAMOS (Gletschermessnetz Schweiz); National Snow and Ice Data Center (Meereis); NOAA Arctic Report Card 2025 (Grönland).
Gebirgsgletscher verlieren seit einigen Jahren Eis in Rekordtempo, in der Schweiz verschwand in fünf Jahren fast ein Fünftel des Eises. An den Polen schwanken die Werte, der Trend zeigt nach unten.
Wie stark schrumpfen Tierbestände und Wälder?

Drastisch: Die beobachteten Bestände wild lebender Wirbeltiere sind seit 1970 im Schnitt um 73 Prozent geschrumpft, 28 Prozent aller bewerteten Arten gelten als bedroht. 2024 verlor die Welt so viel tropischen Urwald wie nie zuvor gemessen.
Der Living Planet Report des WWF, erschienen am 8. Oktober 2026, wertet 35.803 Populationen von 5.790 Wirbeltierarten aus. Zwischen 1970 und 2022 sanken die Bestände im Schnitt um 73 Prozent, bei Süßwasserarten um 85 Prozent. Am stärksten traf der Rückgang Lateinamerika und die Karibik mit 95 Prozent.
Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN führt seit Juli 2026 genau 49.505 bedrohte Arten, 28 Prozent der 175.909 bewerteten.
Bedroht sind 41 Prozent der Amphibien, 44 Prozent der Riffkorallen und 26 Prozent der Säugetiere. Bei 61 Prozent der Vogelarten schrumpfen nach der IUCN-Auswertung vom Oktober 2025 inzwischen die Bestände, 2016 lag der Anteil noch bei 44 Prozent.
Ein Team des israelischen Weizmann-Instituts hat in Nature Communications berechnet, wie der Mensch die Tierwelt umgebaut hat. Die Biomasse wilder Landsäugetiere ist seit 1850 von rund 50 auf 20 Millionen Tonnen gesunken, die der Meeressäuger um 70 Prozent. Nutztiere wiegen inzwischen rund 650 Millionen Tonnen, fünfmal so viel wie 1850, die Menschen selbst rund 420 Millionen Tonnen.
WWF Living Planet Report 2026; Hallmann et al. (PLOS ONE 2017); Greenspoon et al. (Nature Communications 2025), Biomasse als Frischmasse; Europäische Umweltagentur, Common Bird Index; IUCN-Aktualisierung vom Juli 2026; Global Forest Watch; IUCN-Auswertung zu Vögeln vom Oktober 2025.
In 63 deutschen Schutzgebieten ging die Biomasse fliegender Insekten von 1989 bis 2016 um 76 Prozent zurück, belegt durch die sogenannte Krefelder Studie. Der europäische Index der Agrarvögel liegt laut Europäischer Umweltagentur 41 Prozent unter dem Wert von 1990.
Andere Arten profitieren vom wärmeren Klima. Der Eichenprozessionsspinner etwa breitet sich in warmen, trockenen Jahren aus und kostet Kommunen Millionen.
2024 gingen nach Daten der Plattform Global Forest Watch 6,7 Millionen Hektar tropischer Primärwald verloren, so viel wie nie seit Beginn der Auswertung und fast doppelt so viel wie 2023. Rund die Hälfte fiel Bränden zum Opfer. 2025 sank der Verlust auf 4,3 Millionen Hektar, lag damit aber noch 46 Prozent über dem Wert von vor zehn Jahren.
Weltweit verschwanden 2025 insgesamt 25,5 Millionen Hektar Baumbestand, eine Fläche größer als Großbritannien, 42 Prozent davon durch Feuer.
- Nutztiere: Mit rund 650 Millionen Tonnen wiegen Nutztiere fünfmal so viel wie 1850, wilde Landsäugetiere nur noch rund 20 Millionen Tonnen.
- Insekten: In deutschen Schutzgebieten ging die Biomasse fliegender Insekten von 1989 bis 2016 um 76 Prozent zurück.
- Wälder: 2025 verschwanden 25,5 Millionen Hektar Baumbestand, 42 Prozent davon durch Feuer.
Was kostet die Krise an Menschenleben und Geld?

Die Krise kostet jedes Jahr Hunderttausende Leben und dreistellige Milliardenbeträge. Hitze tötet laut Lancet Countdown weltweit im Schnitt rund 546.000 Menschen jährlich. Naturkatastrophen verursachten allein im ersten Halbjahr 2026 Schäden von rund 100 Milliarden Euro.
Die Zahl der Hitzetoten stammt aus dem Lancet Countdown 2025, einer jährlichen Auswertung, an der über hundert Forschende mitarbeiten, und gilt für die Jahre 2012 bis 2021. Die Sterberate durch Hitze liegt laut Weltgesundheitsorganisation 23 Prozent über dem Wert der 1990er-Jahre.
Für Europa hat das Barcelona Institute for Global Health den Sommer 2024 ausgewertet. Zwischen Juni und September starben in 32 Ländern 62.775 Menschen an den Folgen der Hitze, in Deutschland 6.282.
Für 2026 meldet Copernicus in Westeuropa den wärmsten Sommer seit Beginn der Messungen, mit einer Rekordzahl von 41 Tagen starker Hitzebelastung.
Rhein, Donau, Po, Loire, Rhône und Seine führten so wenig Wasser wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen des europäischen Hochwasserwarnsystems EFAS im Jahr 1992, und in der EU brannte fast doppelt so viel Fläche wie im langjährigen Durchschnitt.
Zur Hitze kommt die verschmutzte Luft: Nach Schätzung der WHO sterben jedes Jahr 6,7 Millionen Menschen vorzeitig an Luftverschmutzung im Freien und in Innenräumen, die zu einem großen Teil aus denselben fossilen Brennstoffen stammt, die das Klima aufheizen.
Von rund 100 Milliarden Euro Katastrophenschäden im ersten Halbjahr 2026 waren nach Zahlen des Rückversicherers Munich Re nur rund 39 Milliarden versichert.
Für die Versicherungslücke von rund 60 Prozent kommen Haushalte, Unternehmen und Staaten selbst auf. Langfristig steht mehr auf dem Spiel als Gebäude und Ernten: Bis zu 40 Prozent der weltweiten Landfläche sind nach dem Global Land Outlook der UN-Wüstenkonvention bereits degradiert, also in ihrer Fruchtbarkeit geschädigt.
Lancet Countdown 2025 und WHO; WHO zur Luftqualität; Global Land Outlook der UN-Wüstenkonvention; Munich Re, Halbjahresbilanz 2026; Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal); Copernicus, Sommer 2026; Robert Koch-Institut; Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums.
Die Sterberate durch Hitze liegt 23 Prozent über dem Wert der 1990er-Jahre, und bis zu 40 Prozent der weltweiten Landfläche sind bereits degradiert.
Deutschland senkte seine Emissionen 2025 um ganze 0,1 Prozent, 2026 fiel der Rheinpegel Kaub unter null.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie steht Deutschland da?

Deutschland erwärmt sich schneller als der globale Durchschnitt. Seit Beginn der Industrialisierung ist das Land laut Deutschem Wetterdienst um 2,5 Grad wärmer geworden. Der Sommer 2026 war der zweitwärmste seit 1881, und Flüsse, Grundwasser und Wälder zeigen die Folgen.
Seit den 1970er-Jahren steigt die Temperatur in Deutschland um 0,41 Grad pro Jahrzehnt. Wärmstes Jahr war 2024 mit 10,9 Grad im Mittel, 2,7 Grad mehr als in der Vergleichsperiode 1961 bis 1990.
Der Sommer 2026 lag mit 19,6 Grad nur knapp hinter dem Rekordsommer 2003. Der DWD zählte rund 22 Tage mit mindestens 30 Grad, am 27. Juni maß die Station Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt 41,8 Grad, einen vorläufigen deutschen Rekord. In der Nacht darauf sank das Thermometer in Kubschütz in der Oberlausitz nicht unter 29,4 Grad, so warm war in Deutschland noch keine Nacht.
Die Hitze traf auf ein trockenes Land: Seit 1882 war die Zeit von November bis Juli nur zweimal trockener als 2025/26.
Im Süden waren die Böden trockener als in den Dürrejahren 2018 und 2022, der DWD sprach von einer „extremen Niedrigwasserlage in Flüssen und im Grundwasser“. In Bayern zeigten im August 81 Prozent der oberflächennahen Messstellen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände, im Vorjahr 44 Prozent.
Am Rhein fiel der Pegel Kaub Ende September erstmals unter null, am Bodensee meldete die Messstelle Konstanz am 7. Oktober nur noch 247 Zentimeter, rund einen Meter unter dem langjährigen Mittel für diese Jahreszeit.
Bundesumweltminister Carsten Schneider bezifferte das Defizit der deutschen Wasservorräte im Frühsommer auf 25 Milliarden Tonnen gegenüber dem langjährigen Mittel. Am 5. Oktober sagte der Minister in Berlin: „Wenn Wasser knapp ist, kann es nicht sein, dass die Grundbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger mit Großverbrauchern wie Rechenzentren konkurrieren müssen.“ Ob Deutschland insgesamt zu wenig Wasser hat, ist umstritten. Im Jahresmittel entnimmt das Land nur rund ein Zehntel seines Wasserdargebots, wie der Dr.-Web-Beitrag zur Wasserstrategie für Deutschland zeigt. Knapp wird das Wasser regional und in Trockenphasen, und genau diese Phasen werden häufiger.
Deutscher Wetterdienst; WMO; Landesamt für Umwelt Bayern und dpa; WSV PEGELONLINE; Bundesumweltministerium; Waldzustandserhebung 2025; Bayerische Akademie der Wissenschaften und Hochschule München; Bundesamt für Naturschutz; Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie; Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde.
Laut Waldzustandserhebung 2025 sind nur 21 Prozent der Bäume in Deutschland ohne Schäden an der Krone, 35 Prozent zeigen eine deutliche Kronenverlichtung, bei Bäumen über 60 Jahren sogar 44 Prozent.
In den Alpen verschwindet zugleich ein Stück Landschaft: Von einst fünf deutschen Gletschern sind vier übrig, und die vier haben zwischen 2023 und 2025 mehr als ein Viertel ihrer Fläche verloren. Nach Einschätzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wird Deutschland im Laufe der 2030er-Jahre gletscherfrei sein.
Die Nordsee erreichte 2025 im Jahresmittel 11,6 Grad, den höchsten Wert seit Beginn der Messreihe des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie 1969. In Cuxhaven liegt der Meeresspiegel heute mehr als 25 Zentimeter über dem Stand von 1900. In der Ostsee fehlt Sauerstoff. Vor Rostock sank die Sauerstoffsättigung am Grund im September 2025 unter 1 Prozent, Fische starben. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde stellte im Februar 2026 fest, dass Algenblüten und Sauerstoffmangel nach wie vor massiv auftreten.
An Land lag der Indikator für Artenvielfalt und Landschaftsqualität des Umweltbundesamts 2023 bei 80 Prozent seines Zielwerts, die Teilindikatoren für Agrarland sowie für Küsten und Meere liegen noch weit davon entfernt. Bei Tagfaltern und Widderchen sind laut Bundesamt für Naturschutz 55 Prozent der Arten ausgestorben, bestandsgefährdet oder extrem selten.
Eine Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums beziffert die Schäden durch Extremwetter in Deutschland von 2000 bis 2021 auf mindestens 145 Milliarden Euro, bis 2050 drohen je nach Erwärmung 280 bis 900 Milliarden Euro.
Dass die Versicherer für 2025 nur rund 2 Milliarden Euro an Naturgefahrenschäden zählten, nannte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen „Glückssache“.
Das Robert Koch-Institut schätzt die Zahl der hitzebedingten Sterbefälle für den Sommer 2026 bis Mitte September vorläufig auf rund 16.000.
| Messwert | Stand 2025/2026 | Vergleich | Quelle |
|---|---|---|---|
| Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung | 2,5 Grad | Welt 1,43 Grad im Jahr 2025 (WMO) | Deutscher Wetterdienst |
| Sommer 2026 | 19,6 Grad, rund 22 heiße Tage | zweitwärmster nach 2003 | Deutscher Wetterdienst |
| Grundwasser Bayern, August 2026 | 81 % der Messstellen niedrig | 2025: 44 % | Landesamt für Umwelt, dpa |
| Rhein, Pegel Kaub | minus 6 cm am 1. Oktober 2026 | Rekordtief 2018: 25 cm | WSV PEGELONLINE, dpa |
| Bäume ohne Kronenschaden | 21 % (2025) | 35 % deutlich geschädigt | Waldzustandserhebung |
| Gletscher | 4 verbleibend | gletscherfrei voraussichtlich in den 2030ern | Bayerische Akademie der Wissenschaften |
| Nordsee | 11,6 Grad im Jahresmittel 2025 | höchster Wert seit 1969 | BSH |
| Treibhausgase | 649 Mio. t (2025) | minus 0,1 % zum Vorjahr | Umweltbundesamt |
- Wärme: Deutschland ist 2,5 Grad wärmer als vor der Industrialisierung, der Sommer 2026 war der zweitwärmste seit 1881.
- Wasser: Grundwasser, Rhein und Bodensee erreichten von August bis Oktober 2026 extreme Tiefstände.
- Natur: Nur jeder fünfte Baum ist ohne Kronenschaden, die letzten Gletscher verschwinden im Laufe der 2030er-Jahre.
Was macht Hoffnung?

Die Ozonschicht erholt sich, erneuerbare Energien erzeugten 2025 erstmals mehr Strom als Kohle, und die EU hat ihre Emissionen bis 2024 um 37 Prozent gegenüber 1990 gesenkt. Für eine Trendwende beim Klima reicht das Tempo aber nicht: Weltweit stiegen die CO2-Emissionen 2025 auf einen Rekord.
Nach dem Verbot der Fluorchlorkohlenwasserstoffe durch das Montrealer Protokoll sind fast 99 Prozent der verbotenen Stoffe aus dem Verkehr gezogen. Laut WMO erreicht die Ozonschicht über der Antarktis um 2066 wieder die Werte von 1980, über der Arktis um 2045 und über dem Rest der Welt schon um 2040.
Das Ozonloch über der Antarktis war 2025 eines der kleinsten seit 1992.
Nach dem Global Electricity Review der Energie-Denkfabrik Ember lieferten erneuerbare Energien 2025 weltweit 33,8 Prozent des Stroms, Kohle 33,0 Prozent. Die Stromerzeugung aus Solaranlagen wuchs gegenüber 2024 um 30 Prozent und deckte drei Viertel des zusätzlichen Strombedarfs, weltweit kamen 664 Gigawatt Solarleistung neu hinzu, so viel wie nie.
Die Europäische Union hat ihre Netto-Treibhausgasemissionen bis 2024 um 37 Prozent gegenüber 1990 gesenkt, Deutschland bis 2025 um 48 Prozent. Der Verlust tropischer Urwälder ging 2025 gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozent zurück, und Grönland verlor 2025 weniger Eis als im Schnitt der Vorjahre.
Die Gegenrechnung fällt trotzdem ernüchternd aus: Weltweit erreichten die fossilen CO2-Emissionen 2025 einen neuen Rekord, das Restbudget für 1,5 Grad reichte ab Anfang 2026 nur gut drei Jahre. In Deutschland sanken die Emissionen 2025 gegenüber dem Vorjahr nur um 0,1 Prozent, Verkehr und Gebäude stießen sogar mehr aus.
Der Expertenrat für Klimafragen erwartet in seinem Prüfbericht vom Mai 2026, dass Deutschland sein Emissionsbudget bis 2030 um 60 bis 100 Millionen Tonnen überschreitet.
WMO, Ozon-Bewertung; Ember, Global Electricity Review; SolarPower Europe; Umweltbundesamt; Europäische Umweltagentur; Global Carbon Project; Expertenrat für Klimafragen, Prüfbericht Mai 2026; Ankündigung der EU-Kommission vom Oktober 2026.
Unsere Einschätzung: Die guten Nachrichten belegen, dass Politik und Technik Umweltprobleme lösen können, sobald der Wille da ist. Beim Klima fehlt dieser Wille im nötigen Umfang. Die Ozonschicht erholt sich, weil die Staaten die ozonzerstörenden FCKW verboten haben, und nicht, weil sie auf technischen Fortschritt gewartet haben.
Solaranlagen deckten 2025 drei Viertel des zusätzlichen Strombedarfs. Nach Erwartung des Expertenrats überschreitet Deutschland sein Emissionsbudget bis 2030 trotzdem um 60 bis 100 Millionen Tonnen.
Was folgt daraus für Unternehmen und Haushalte?

Unternehmen und Haushalte stehen vor zwei Aufgaben: sich auf Hitze, Trockenheit und Extremwetter einstellen sowie den eigenen Verbrauch senken. Anpassung schützt Betrieb und Gesundheit, weniger Verbrauch setzt an der Ursache an.
Für Unternehmen beginnt die Anpassung bei den Standorten. Hitzetage verändern Arbeitszeiten, Kühlbedarf und die Belastbarkeit der Belegschaft. Trockenperioden stellen Betriebe mit hohem Wasserbedarf vor die Frage, wer im Engpass zuerst Wasser bekommt. Eine solche Rangfolge hat Umweltminister Schneider bereits ins Gespräch gebracht.
Niedrigwasser am Rhein verlangt nach Lagerpuffern und Lieferverträgen, die Transportausfälle einkalkulieren.
Weil im ersten Halbjahr 2026 weltweit rund 60 Prozent der Katastrophenschäden unversichert blieben, lohnt ein genauer Blick in die eigene Police, vor allem auf den Schutz gegen Elementarschäden wie Starkregen und Hochwasser.
Beim Verbrauch wirkt die Ernährung am stärksten. Nach Berechnungen von Joseph Poore und Thomas Nemecek, aufbereitet von Our World in Data, würde eine pflanzliche Ernährung der gesamten Weltbevölkerung die landwirtschaftlich genutzte Fläche von 4,1 auf 1 Milliarde Hektar verkleinern. Drei Viertel der Agrarfläche würden frei für Wälder, Moore und Artenvielfalt.
Die übrigen Hebel klingen schlicht: weniger kaufen, Geräte und Kleidung länger nutzen, Defektes reparieren lassen, öfter Bus, Bahn oder Rad statt Auto fahren sowie Ökostrom beziehen. Betriebe setzen an denselben Stellen an, mit langlebigen Produkten, Reparaturangeboten und einem Fuhrpark, der weniger Kilometer fährt.
DWD; Bundesumweltministerium; WSV PEGELONLINE; Munich Re; Poore und Nemecek, aufbereitet von Our World in Data; Ember; Kreislaufwirtschaftsgesetz; Umweltbundesamt.
Die Politik reagiert langsamer, als die Messwerte nahelegen. Im Oktober 2026 kündigte die EU-Kommission an, die Methanregeln für Öl- und Gasimporte erst ein Jahr später greifen zu lassen, um in der Energiekrise Kosten zu sparen. In Berlin will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sogar drei Jahre Aufschub, Umweltminister Schneider lehnt eine Verschiebung ab.
Unsere Haltung: Der Zustand der Erde ist schlecht, und er verschlechtert sich schneller als noch vor zehn Jahren. Einen Beleg dafür, dass sich die Kurven von allein umkehren, hat bisher niemand vorgelegt. Jedes vermiedene Zehntelgrad verringert Hitzetote, Ernteausfälle und Schäden, und deshalb zählt jede Tonne CO2, die nicht in die Luft gelangt, auch wenn das 1,5-Grad-Ziel kaum noch zu halten ist. Betriebe, die Standorte, Lieferketten und Produkte heute auf diese Lage einstellen, ersparen sich die teurere Anpassung unter Druck.
| Hebel | Was er bewirkt | Beleg |
|---|---|---|
| Pflanzliche Ernährung | Agrarfläche weltweit von 4,1 auf 1 Mrd. Hektar | Poore und Nemecek, Our World in Data |
| Erneuerbarer Strom | ersetzt Strom aus Kohle und Gas | Ember |
| Längere Nutzung, Reparatur | Vermeidung und Wiederverwendung vor Recycling | Kreislaufwirtschaftsgesetz |
| Anpassung am Standort | Schutz vor Hitze, Trockenheit und Niedrigwasser | DWD, Munich Re |
| Versicherungsschutz prüfen | schließt die eigene Versicherungslücke (weltweit 60 % im ersten Halbjahr 2026) | Munich Re |
- Anpassen: Hitze, Trockenheit und Niedrigwasser gehören in jede Standortplanung, ebenso in die Planung der Lieferketten.
- Weniger verbrauchen: Pflanzliche Ernährung, längere Nutzung und weniger Autofahrten senken die eigene Umweltbelastung spürbar.
- Absichern: Rund 60 Prozent der Katastrophenschäden waren im ersten Halbjahr 2026 nicht versichert, der Schutz gegen Elementarschäden gehört auf den Prüfstand.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum Zustand der Erde

CO2-Budget
CO2-Budget heißt die Menge an Kohlendioxid, die die Menschheit noch ausstoßen kann, ohne eine Temperaturgrenze zu überschreiten, gerechnet mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit. Für 1,5 Grad blieben ab Anfang 2026 laut dem Team um Piers Forster noch 130 Milliarden Tonnen, gut drei Jahre beim heutigen Ausstoß.
El Niño
El Niño heißt die natürliche Erwärmung des östlichen tropischen Pazifiks, die alle paar Jahre auftritt und das Wetter weltweit verändert. Ein starker El Niño treibt die globale Temperatur zusätzlich nach oben. Für den Winter 2026/27 erwartet die NOAA ein starkes Ereignis.
Emissionslücke
Emissionslücke (englisch Emissions Gap) nennt das UN-Umweltprogramm den Abstand zwischen den zugesagten und den für die Klimaziele nötigen Emissionsminderungen. Laut Bericht 2025 steuert die Welt mit der derzeitigen Politik auf bis zu 2,8 Grad Erwärmung bis 2100 zu.
Kipppunkt
Kipppunkt heißt eine Schwelle, ab der ein Teil des Erdsystems in einen neuen Zustand übergeht, der sich kaum oder gar nicht umkehren lässt. Kippelemente mit solchen Schwellen sind etwa Eisschilde, Regenwälder und Korallenriffe. Laut dem Global Tipping Points Report 2025 haben Warmwasserriffe ihren Kipppunkt bereits überschritten.
Korallenbleiche
Korallenbleiche heißt die Reaktion von Korallen auf zu warmes Wasser: Die Korallen stoßen die Algen ab, von denen sie leben und die ihnen die Farbe geben. Hält der Hitzestress an, sterben die Korallen. Von 2023 bis 2025 standen 84 Prozent der weltweiten Rifffläche unter solchem Stress.
Kronenverlichtung
Kronenverlichtung bezeichnet den Anteil der Nadeln oder Blätter, die einem Baum im Vergleich zu einer voll belaubten Krone fehlen. Die jährliche Waldzustandserhebung nutzt den Wert als wichtigsten Gesundheitsindikator. 2025 zeigten 35 Prozent der Bäume in Deutschland eine deutliche Verlichtung.
Living Planet Index
Living Planet Index heißt der Index, mit dem der WWF und die Zoologische Gesellschaft London die Entwicklung beobachteter Wirbeltierbestände messen. Der Bericht 2026 stützt sich auf 35.803 Populationen von 5.790 Arten und zeigt im Schnitt einen Rückgang um 73 Prozent seit 1970.
Marine Hitzewelle
Marine Hitzewelle nennen Meeresforscher eine Phase, in der die Wassertemperatur über mehrere Tage ungewöhnlich hoch liegt, gemessen am langjährigen Mittel für diesen Ort und diese Jahreszeit. 2025 erlebten rund 90 Prozent der Meeresoberfläche mindestens eine solche Phase.
Ozeanversauerung
Ozeanversauerung heißt das Absinken des pH-Werts im Meer, ausgelöst durch Kohlendioxid, das das Wasser aus der Luft aufnimmt. Seit Beginn der Industrialisierung ist der Wert um rund 0,1 gesunken, der Säuregehalt um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Kalkbildende Tiere wie Korallen und Muscheln leiden darunter.
Planetare Belastungsgrenzen
Planetare Belastungsgrenzen beschreiben neun Bereiche des Erdsystems, etwa Klima, Artenvielfalt, Süßwasser und Meeresversauerung, in denen die Menschheit einen sicheren Spielraum hat. Nach der Prüfung des Potsdam-Instituts vom September 2025 sind sieben dieser Grenzen überschritten.
ppm
ppm (parts per million) heißt die Maßeinheit Teile pro Million, mit der die Konzentration von Kohlendioxid in der Luft angegeben wird. 427 ppm bedeuten, dass auf eine Million Luftteilchen 427 CO2-Moleküle kommen. Vor der Industrialisierung lag der Wert bei rund 280.
Rote Liste
Rote Liste heißt das Verzeichnis der Weltnaturschutzunion IUCN, das Tier-, Pflanzen- und Pilzarten nach ihrem Aussterberisiko einstuft. Nach der Aktualisierung vom Juli 2026 gelten 49.505 von 175.909 bewerteten Arten als bedroht. Für Deutschland führt das Bundesamt für Naturschutz eigene Listen.
Wärmeinhalt der Ozeane
Wärmeinhalt der Ozeane heißt die Energie, die im Meerwasser gespeichert ist, meist gemessen für die oberen 2.000 Meter. Der Wärmeinhalt gilt als verlässlichster Gradmesser der Erderwärmung, weil das Meer rund 90 Prozent der zusätzlichen Wärme aufnimmt. 2025 stellte der Wert zum neunten Mal in Folge einen Rekord auf.
Zettajoule
Zettajoule (ZJ) heißt eine Energieeinheit von einer Trilliarde Joule, also einer Eins mit 21 Nullen. In Zettajoule messen Ozeanografen, wie viel Wärme die Meere zusätzlich aufnehmen. 2025 nahmen die oberen 2.000 Meter rund 23 Zettajoule auf.
FAQ: Wie schlimm ist der Zustand der Erde wirklich?

Ist der Klimawandel noch aufzuhalten?
Aufhalten lässt sich die Erwärmung erst mit netto null CO2-Emissionen weltweit. Bis dahin entscheidet jede Tonne, wie hoch die Temperatur steigt. Das CO2-Budget für 1,5 Grad reichte ab Anfang 2026 beim heutigen Ausstoß nur gut drei Jahre, doch jedes vermiedene Zehntelgrad verringert Hitzetote, Ernteausfälle und Schäden.
Wie warm ist die Erde heute im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung?
2024 lag die globale Temperatur laut Copernicus 1,60 Grad über dem vorindustriellen Niveau, 2025 laut WMO 1,43 Grad. Den menschengemachten Anteil beziffert das Forscherteam um Piers Forster für 2025 auf 1,37 Grad.
Was ist ein Kipppunkt im Klimasystem?
Ein Kipppunkt ist eine Schwelle, ab der ein Teil des Erdsystems in einen neuen Zustand übergeht, der sich kaum umkehren lässt. Als erster überschrittener Kipppunkt gilt seit dem Global Tipping Points Report 2025 die Hitzeschwelle der Warmwasser-Korallenriffe, jenseits derer die Riffe großflächig absterben.
Wie viele Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht?
Die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN führt nach der Aktualisierung vom Juli 2026 genau 49.505 bedrohte Arten, 28 Prozent der 175.909 bewerteten. Besonders gefährdet sind Amphibien und Riffkorallen.
Steigt der Meeresspiegel auch an Nord- und Ostsee?
Ja. Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie ist der Meeresspiegel seit 1900 in Cuxhaven um mehr als 25 Zentimeter gestiegen, in Warnemünde um knapp 20 Zentimeter. Weltweit beschleunigt sich der Anstieg.
Was kann jeder Einzelne tun?
Den größten Hebel bietet die Ernährung: Eine pflanzliche Kost für alle Menschen würde laut Our World in Data drei Viertel der Agrarfläche freigeben. Weniger kaufen, Dinge länger nutzen, öfter Bus, Bahn oder Rad fahren sowie Ökostrom beziehen senken den eigenen CO2-Ausstoß zusätzlich.
Quellen
78 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 11.10.2026
- Stockholm Resilience Centre, Potsdam-Institut für KlimafolgenforschungSeven of nine planetary boundaries now breached
- Geophysical Research LettersFoster, Rahmstorf: Global Warming Has Accelerated Significantly
- American Geophysical UnionIn a first, researchers confirm global warming has accelerated in last decade
- Carbon BriefPace of global warming has nearly doubled since 2015, study says
- Copernicus Climate Change Service2024 first year to exceed 1.5 °C above pre-industrial level
- Copernicus Climate Change ServiceSurface air temperature for August 2026
- Copernicus Climate Change ServiceRecord heat stress and low river flows marked Europe’s 2026 summer
- World Meteorological OrganizationEarth’s climate swings increasingly out of balance, State of the Global Climate 2025
- NOAA Climate Prediction CenterENSO Diagnostic Discussion
- NOAA Global Monitoring LaboratoryTrends in Atmospheric Carbon Dioxide, Mauna Loa
- Global Carbon ProjectFossil fuel CO2 emissions hit record high in 2025
- Earth System Science DataForster et al.: Indicators of Global Climate Change 2025
- PBL Netherlands Environmental Assessment AgencyUNEP Emissions Gap Report 2025
- UCAR, Advances in Atmospheric SciencesPan, Cheng et al.: Ocean Heat Content Sets Another Record in 2025
- EosIn 2025, the ocean stored more heat than we’ve ever recorded
- NASARate of sea level rise doubled over 30 years, new study shows
- NOAA Coral Reef WatchFourth global coral bleaching event, status report
- NOAA NESDISWorld’s fourth mass coral bleaching event likely ended in 2025
- National Oceanography CentreGlobal Tipping Points Report 2025 reveals first Earth system tipping point reached
- World Glacier Monitoring ServiceGlaciers in 2025
- Universität Zürich, GLAMOSGletscherbilanz 2026
- National Snow and Ice Data CenterArctic sea ice has reached minimum extent for 2026
- National Snow and Ice Data CenterAntarctic sea ice extent arrives near average minimum
- NOAAArctic Report Card 2025: Greenland Ice Sheet
- AP, Oregon Public BroadcastingCatastrophic floods kill over 390 in Nepal and Tibet
- Daily FTNepal, Tibet floods kill over 700
- Science AdvancesChandanpurkar et al.: Unprecedented continental drying, shrinking freshwater availability
- WWFLiving Planet Report 2026
- WWF DeutschlandLiving Planet Report 2026
- IUCNFrom desert frog to deep-sea molluscs, remarkable species at risk
- IUCNThe IUCN Red List of Threatened Species
- IUCNArctic seals threatened by climate change, birds decline globally
- Nature CommunicationsGreenspoon et al.: The global biomass of mammals since 1850
- PLOS ONEHallmann et al.: More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass
- Europäische UmweltagenturCommon bird index in Europe
- World Resources InstituteGlobal Forest Loss Shatters Records in 2024, Fueled by Massive Fires
- World Resources InstituteTropical Rainforest Loss Slowed in 2025, but Fire is a Growing Threat
- WeltgesundheitsorganisationClimate inaction is claiming millions of lives every year, warns new Lancet Countdown report
- ISGlobal62.700 muertes asociadas con el calor del verano de 2024
- WeltgesundheitsorganisationAmbient (outdoor) air quality and health
- Munich ReLower losses, growing risks: natural disaster review for the first half of 2026
- PBL Netherlands Environmental Assessment AgencyUNCCD Global Land Outlook 2
- Deutscher WetterdienstKlimapressekonferenz 2026
- Deutscher WetterdienstDeutschlandwetter im Jahr 2024
- Deutscher WetterdienstDeutschlandwetter im Sommer 2026
- Deutscher WetterdienstDeutscher Wetterdienst zur starken Trockenheit im Sommer 2026
- inFranken, dpaWasserstände in Bayern kritisch: Grundwasser bleibt niedrig
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des BundesPEGELONLINE, Pegel Kaub
- Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des BundesPEGELONLINE, Pegel Konstanz
- wetter.netBodensee so tief wie nie im Oktober: Schiffe meiden Anleger
- Logistik Heute, dpaBinnenschifffahrt: Negative Pegelwerte, Rekordniedrigwasser des Rheins
- BundesumweltministeriumRede von Bundesumweltminister Carsten Schneider zu Zukunft Wasser
- UmweltbundesamtWasserressourcen und ihre Nutzung
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und HeimatWaldzustandserhebung 2025
- Bayerische Akademie der WissenschaftenSüdlicher Schneeferner verliert Gletscherstatus
- idw, Hochschule MünchenDeutschlands Gletscher schmelzen doppelt so schnell
- Öko-Test, dpaRekordschmelze: Deutschland wohl in 2030ern ohne Gletscher
- Bundesamt für Seeschifffahrt und HydrographieNordsee 2025 so warm wie nie
- Bundesamt für Seeschifffahrt und HydrographieMeerestemperaturen im Sommer 2026
- Leibniz-Institut für Ostseeforschung WarnemündeSauerstoffmangel als Grund für das Fischsterben bei Rostock im September 2025
- Leibniz-Institut für Ostseeforschung WarnemündeWarum sich die überdüngte Ostsee so schwer erholt
- UmweltbundesamtIndikator: Artenvielfalt und Landschaftsqualität
- Bundesamt für NaturschutzRote Liste: Tagfalter zunehmend gefährdet
- BundesregierungDie Kosten des Klimawandels
- GDVGDV-Naturgefahrenbilanz 2025: Deutlich weniger Schäden durch Wetterextreme
- GDVNaturgefahren
- Robert Koch-InstitutWochenbericht Hitzemortalität
- World Meteorological OrganizationOzone layer recovery is on track
- World Meteorological OrganizationOzone Bulletin 2026
- EmberGlobal Electricity Review 2026
- SolarPower EuropeGlobal solar market hits new record of 664 GW installation in 2025
- Europäische UmweltagenturTrends and projections: greenhouse gas emissions largely on track to 2030 targets
- UmweltbundesamtTreibhausgasdaten zeigen: Klimaschutz braucht neuen Schub
- Expertenrat für KlimafragenPrüfbericht 2026: Einhaltung des Emissionsbudgets bis 2030 nicht bestätigt
- Our World in DataRitchie: If the world adopted a plant-based diet, we would reduce global agricultural land use from 4 to 1 billion hectares
- Neue Westfälische, dpaBrüssel will Methan-Regeln wegen Energiekrise verschieben
- heise onlineEU-Methanverordnung: Von der Leyen kündigt ein Jahr Aufschub an
- Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse (Stichtag 09.10.2026)
