Einen Regenschirm reparieren zu lassen, ist in Deutschland zur Ausnahme geworden: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks zählte Ende 2025 noch zehn Schirmmacher-Betriebe. Im chinesischen Songxia stehen nach Angaben der Provinzregierung von Zhejiang mehr als 1.400 Schirmfabriken. Im Import kostete ein Schirm aus China 2025 durchschnittlich 1,76 Euro.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEine Böe genügt, und am guten Schirm steht eine Strebe quer. Spätestens dann stellt sich die Frage, ob Sie ihn zur Reparatur bringen oder einen neuen kaufen. Wir haben nachgesehen, warum die Rechnung beim billigen Schirm für den Neukauf spricht und was aus dem Handwerk wurde, das die andere Antwort möglich machte.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Regenschirm lässt sich meistens reparieren, solange der Bezug heil ist. Eine Hamburger Werkstatt verlangt für einen neuen Schieber 15 Euro, für ein neues Gestell ab 40 Euro.
- Der Schirmmacher ist fast ausgestorben: 1998 führten die Handwerkskammern 46 Betriebe, Ende 2025 noch zehn. Den Ausbildungsberuf hat eine Verordnung 2008 abgeschafft.
- Deutschland führte 2025 rund 39,6 Millionen Regenschirme ein, im Schnitt für 2,38 Euro pro Stück. Gut zwei Drittel kamen direkt aus China, das rund 82 Prozent des weltweiten Exportwerts von Schirmen liefert.
- Eine Ökobilanz für Regenschirme hat bisher niemand veröffentlicht. Die oft zitierte Milliarde weggeworfener Schirme pro Jahr stammt aus der Werbung eines italienischen Start-ups von 2013.
1 Wie viele Schirmmacher-Betriebe führten die Handwerkskammern Ende 2025 noch? Aufklappen ↓
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2 Woraus bestanden die Rippen eines Schirms, bevor Samuel Fox 1848 Stahlrippen herstellte? Aufklappen ↓
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3 Wie viel kostete ein aus China eingeführter Regenschirm 2025 im Schnitt? Aufklappen ↓
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4 Welcher Anteil der bearbeiteten Fundschirme ging 2025 in Tokio an den Eigentümer zurück? Aufklappen ↓
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5 Für welche Produkte gilt das EU-Recht auf Reparatur? Aufklappen ↓
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Was geht an einem Regenschirm kaputt, und was lässt sich reparieren?

Häufig bricht eine Strebe, eine Niete löst sich, oder der Schieber rastet nicht mehr ein. Solange der Bezug heil ist, lässt sich laut der Schirmmacherin Meike Vertein in den meisten Fällen alles reparieren. Stockschirme sind dabei dankbarer als Taschenschirme.
Ein Regenschirm besteht aus mehr Teilen, als sein schlichter Griff vermuten lässt. Oben am Stock sitzt die Krone, an der die Rippen hängen. Darunter gleitet der Schieber, an dem die Streben ansetzen. Jede Strebe drückt ihre Rippe nach außen, ein Gelenk mit einer Niete verbindet beide, und beim Langschirm hält eine Feder den Schieber oben, sobald der Schirm aufgespannt ist.
Was an dieser Mechanik kaputtgehen kann, zeigt die Reparaturplattform iFixit. Die Plattform führt für Regenschirme sieben Anleitungen, vom Austausch einer Niete über das Gelenk zwischen Strebe und Rippe bis zum Flicken eines Lochs im Bezug. Fünf der sieben Anleitungen stuft iFixit als einfach ein, die beiden übrigen als mittelschwer.
Gegenüber ZDFheute sagte Meike Vertein im April 2025: „Solange der Stoff heil ist, kann man in den meisten Fällen alles reparieren.“ Und weiter: „Das kostet meist nicht viel.“ Laut demselben Ratgeber halten gute Stockschirme etwa 30 Jahre, Taschenschirme wegen ihrer kompakteren Mechanik etwa acht. Der Standardbezug besteht aus Polyester mit einer PTFE-Beschichtung, die das Wasser abperlen lässt.
Der Berliner Schirmmacher Rolf Lippke bekommt 90 Prozent aller Schirme wieder hin, die auf seinem Tisch landen, berichtete 2020 das Porträtportal berlinfaces. Ein Stockschirm gelinge fast immer, ein Taschenschirm wie der Knirps sei schwieriger. Der Grund steckt im Teleskopschaft: Mehr Gelenke bedeuten mehr Teile, die brechen können.
| Schaden | Was die Werkstatt macht | Preis in Hamburg |
|---|---|---|
| Niete am Gelenk gelöst | Niete ersetzen | 5 €, jede weitere 3 € |
| Strebe oder Rippe gebrochen | Stange tauschen | 15 €, jede weitere 5 € |
| Schieber rastet nicht mehr ein | Schieber erneuern | 15 € |
| Krone gebrochen | Krone erneuern | 15 € |
| Feder am Langschirm defekt | Hand- oder Oberfeder tauschen | 15 € |
| Griff abgebrochen | Griff ersetzen | ab 8 € |
| Naht am Bezug offen | Naht schließen | ab 10 € |
| Gestell verbogen oder verrostet | Neues Gestell, Bezug wird übernommen | ab 40 € |
| Bezug gerissen | Neuer Bezug aus eigener Herstellung | ab 90 € |
Für kleine Schäden wie eine gelöste Niete oder einen abgerissenen Halteriemen brauchen Sie keine Werkstatt. In einem Repair Café reparieren Ehrenamtliche gemeinsam mit den Besuchern, die Arbeit kostet nichts außer einer freiwilligen Spende. Wie ein solcher Termin abläuft, beschreibt unser Beitrag über das Reparieren im Repair Café.
- Schwachstellen: Streben, Gelenke mit Nieten, Schieber und Feder brechen häufiger als der Stock.
- Grenze: Solange der Bezug heil ist, lässt sich der Schirm meistens retten.
- Bauform: Stockschirme halten laut ZDFheute etwa 30 Jahre, Taschenschirme etwa acht.
Wie wurde der Regenschirm zum Massenprodukt?

In drei Schritten: Ab 1848 ersetzte Samuel Fox das Fischbein im Gestell durch Stahl, ab 1932 verkaufte Bremshey in Solingen den zusammenschiebbaren Knirps, und ab den 1980er-Jahren drängten Billigimporte aus Fernost die deutschen Hersteller aus dem Markt.
Westminster Abbey erinnert an den Reisenden und Philanthropen Jonas Hanway als den ersten Mann, der in London mit einem Regenschirm unterwegs war. Hanway lebte von 1712 bis 1786. Zum Massenprodukt wurde der Schirm erst im 19. Jahrhundert, mit einem neuen Gestell.
Den Ausschlag gab ein Drahtzieher aus dem nordenglischen Stocksbridge. Samuel Fox begann 1848 mit massiven Stahlrippen. Bis dahin bestanden die Gestelle aus Fischbein, den Barten von Walen. 1851 entwickelte Fox das Paragon-Gestell mit Rippen aus U-förmig gebogenem Stahl, die der Konkurrenz weit überlegen waren. Die Londoner Firma James Smith & Sons, gegründet 1830, gehörte zu den ersten Schirmmachern, die Fox-Gestelle verbauten.
Mit dem Massenschirm kam das Flickgewerbe auf die Straße. Der Sozialreporter Henry Mayhew beschrieb 1851 Männer, die mit zerfledderten Schirmen unter dem Arm durch London zogen und „Umbrellas to mend“ riefen, Schirme zum Flicken. Die sogenannten mushroom-fakers reparierten den Schirm gleich beim Besitzer, nach Mayhew oft geschickt und ebenso oft gepfuscht.
Der zweite Schritt kam aus Deutschland. Hans Haupt, laut dem Deutschen Patent- und Markenamt ein Bergassessor aus Breslau, meldete schon 1916 einen „verkürzbaren Schirm mit fernrohrartig gegliederten Stockteilen“ an. Am 26. April 1930 folgte die Anmeldung, aus der 1934 das Patent DE 606 015 wurde. Die Marke Knirps hatte Haupt bereits 1928 eintragen lassen, auf den Markt brachte den ersten Knirps 1932 der Solinger Unternehmer Fritz Bremshey.
Ein zweiter Name kam nach dem Krieg hinzu. Ernst Doppler gründete 1946 einen kleinen Handwerksbetrieb im österreichischen Braunau am Inn, heute beschäftigt Doppler rund 360 Menschen, 200 davon in Braunau. Inzwischen sind die beiden Namen verbunden: 2004 übernahm Doppler laut TextilWirtschaft die Knirps-Lizenz für Deutschland und Österreich.
Stahlrippen statt Fischbein machten den Schirm ab 1851 zum Massenprodukt, der Knirps machte ihn ab 1932 handtaschentauglich. Repariert wurde er damals selbstverständlich, in London sogar direkt an der Haustür.
Warum ist der Beruf des Schirmmachers fast ausgestorben?

Weil die Reparatur teurer wurde als der neue Schirm. Schon 1997 stellte der Bundestag fest, dass Schirme fast nur noch industriell entstehen und selten repariert werden, und strich dem Handwerk 1998 die Meisterpflicht. Ende 2025 zählte der Zentralverband des Deutschen Handwerks noch zehn Betriebe.
Den Anfang vom Ende markiert der Hersteller des Knirps. Laut DPMA hielt Bremshey dem Preisdruck durch Billigimporte aus Fernost auf Dauer nicht stand und ging Anfang der 1980er-Jahre pleite, die Marke landete 2005 bei einem österreichischen Unternehmen. Rolf Lippkes Familie musste ihre Schirmfabrik im sächsischen Ebersbach 1990 schließen, ebenfalls wegen der Konkurrenz aus China.
Der Gesetzgeber zog wenige Jahre später die Konsequenz. In der Begründung zur Novelle der Handwerksordnung vom Dezember 1997 steht, die Tätigkeit bestehe „in nahezu ausschließlich industrieller Fertigungsweise“. Und weiter: „Selbst Reparaturleistungen und Neubespannungen von Schirmen mit Ausnahme von Schirmen für Garten und Terrasse werden kaum mehr durchgeführt.“ Seit 1998 steht der Schirmmacher deshalb in Anlage B der Handwerksordnung, als handwerksähnliches Gewerbe Nummer 55, für das niemand mehr einen Meisterbrief braucht.
Zehn Jahre später verschwand auch die Lehre. Die Zweite Verordnung über die Aufhebung der Anerkennung von Ausbildungsberufen vom 7. Mai 2008 besteht im Kern aus einem einzigen Satz: „Die Anerkennung folgender Ausbildungsberufe wird aufgehoben: 1. Schirmmacher, 2. Wagner.“ Seither lernt in Deutschland niemand mehr Schirmmacher als anerkannten Ausbildungsberuf, gestrichen zusammen mit dem Wagner, der hölzerne Wagen und Räder baute.
Die Reihe beginnt 1998, als das Gewerk von Anlage A in Anlage B der Handwerksordnung wechselte. Gezählt sind die Betriebe im Verzeichnis der Handwerkskammern.
Laut der Statistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks führten die Handwerkskammern Ende 1998 noch 46 Schirmmacher-Betriebe, 2010 noch 18, Ende 2025 zehn. Im Jahr 2025 kam kein einziger neuer Betrieb hinzu, einer meldete sich ab.
Rolf Lippke ist Schirmmacher in achter Generation, die Familientradition reicht bis 1882 zurück. Der taz sagte er 2015: „Es gibt in ganz Deutschland vielleicht noch 20 Schirmmacher.“ Über die Billigware urteilte er nüchtern: Bei einem Fünf-Euro-Schirm müsse er dem Kunden sagen, „dass sich die Reparatur echt nicht lohnt“. Eine Reparatur dort sei „reine Nostalgie“.
Wie groß die Nachfrage einmal war, zeigt eine Zahl aus Ostwestfalen. Dieter Burkhard vom Schirm Depot in Gütersloh, laut Neuer Westfälischer der letzte Schirmreparateur der Region, kam früher auf bis zu 2.500 Reparaturen im Monat. Eine Neubespannung kann bei Kappertz in Leverkusen fünf bis sechs Stunden dauern, mit bis zu 2.000 Nadelstichen.
Die Rechnung dahinter ist schlicht. Für eine Stunde zum Mindestlohn von 13,90 Euro bekommen Sie im Prospektangebot fünf neue Regenschirme. Fünf Stunden Neubespannung kosten zum Mindestlohn gerechnet allein an Lohn knapp 70 Euro, bevor Material, Miete und Marge dazukommen. Gegen dieses Verhältnis hat kein Handwerk eine Chance, egal wie gut seine Leute nähen.
| Gewerk | Betriebe 2000 | Betriebe 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Schirmmacher | 34 | 10 | −71 % |
| Schuhmacher | 5.113 | 1.410 | −72 % |
| Ausführung einfacher Schuhreparaturen | 1.020 | 585 | −43 % |
| Änderungsschneider | 16.313 | 9.754 | −40 % |
| Uhrmacher | 4.218 | 2.075 | −51 % |
| Maßschneider | 5.496 | 11.719 | +113 % |
- 1998: Der Schirmmacher verliert die Meisterpflicht, weil laut Bundestag kaum noch jemand Schirme repariert.
- 2008: Die Verordnung hebt den Ausbildungsberuf auf, zusammen mit dem Wagner.
- 2025: Zehn Betriebe sind übrig, vom Schuhmacher noch 1.410.
Wer stellt die Regenschirme der Welt her?

Vor allem China. Laut dem Observatory of Economic Complexity kamen 2024 rund 82 Prozent des weltweiten Exportwerts von Schirmen aus der Volksrepublik, nach chinesischer Zollmeldung 961 Millionen Stück. Zwei Orte in Zhejiang und Fujian beanspruchen zusammen mehr als die Hälfte der Weltproduktion.
Der erste heißt Songxia und liegt im Bezirk Shangyu der Stadt Shaoxing. Dort arbeiten nach Angaben der Provinzregierung von Zhejiang mehr als 1.400 Schirmfabriken, die über ein Drittel aller Schirme der Welt herstellen. Der Ort wirbt mit dem Slogan, dass von drei Schirmen weltweit einer aus Songxia stammt. Den Produktionswert der Schirmindustrie im Bezirk Shangyu bezifferte die Volkszeitung für 2025 auf über 15 Milliarden Yuan, rund 2 Milliarden Euro.
Der zweite Ort heißt Dongshi und gehört zur Stadt Jinjiang in Fujian. Laut China Daily stammt von dort jeder vierte Schirm der Welt, 2022 produzierten mehr als 470 Hersteller rund 560 Millionen Stück. Im Juni 2025 nannte dieselbe Zeitung für Dongshi nur noch 460 Millionen Schirme im Jahr, ohne den Unterschied zu erklären. Zusammengerechnet kämen Songxia und Dongshi auf rund 60 Prozent der Weltproduktion, geprüft hat diese Eigenangaben bisher niemand.
Gesichert ist der Preisdruck. Zhang Jiying, Händlerin im Großmarkt von Yiwu in Zhejiang, schilderte der Volkszeitung im Mai 2026 den Wettbewerb der vergangenen Jahre: Setze man einen Schirm mit 10 Yuan an, unterbiete ihn der Nächste mit 9 Yuan. Umgerechnet entspricht das rund 1,33 und 1,20 Euro. Einige Betriebe steuern inzwischen gegen und verkaufen maßgefertigte Premiumschirme in Europa für bis zu 2.000 Yuan, rund 270 Euro.
In Deutschland kommt dieser Preis an. Laut der Außenhandelsdatenbank Comext von Eurostat führte Deutschland 2025 rund 39,6 Millionen Regenschirme ein, im Wert von 94,2 Millionen Euro, also für durchschnittlich 2,38 Euro pro Stück. Gut zwei Drittel davon, 27,5 Millionen Schirme, kamen direkt aus China, zum Durchschnittspreis von 1,76 Euro. Zweitgrößter Lieferant waren die Niederlande, vor allem als Umschlagplatz, sodass der Anteil chinesischer Ware noch höher liegt.
Rechnerisch bekommt damit fast jeder zweite der rund 83 Millionen Einwohner jedes Jahr einen neuen Schirm, auch wenn ein Teil der Ware weiter ins Ausland geht. Nach den Handelsdaten des OEC war Deutschland 2024 hinter den USA und Japan der drittgrößte Importeur von Schirmen weltweit. Der Berliner Schirmmacher Rolf Lippke sagte schon 2015 der taz: „Es gibt keine deutsche Schirmindustrie mehr.“
China liefert rund 82 Prozent des weltweiten Exportwerts, Songxia und Dongshi beanspruchen zusammen rund 60 Prozent der Weltproduktion. Ein Regenschirm aus China kostete Deutschland 2025 im Import 1,76 Euro.
Wie schlecht ist die Umweltbilanz eines Regenschirms?

Genau beziffern kann die Umweltbilanz niemand, eine Ökobilanz für Regenschirme hat bisher keine Forschungsgruppe veröffentlicht. Fest steht: Ein kaputter Schirm gehört in Deutschland in den Restmüll, und aus dem holen die Anlagen allenfalls das Metall zurück.
Der Grund ist der Materialmix. Ein Schirm verbindet einen Bezug aus beschichtetem Polyester mit Rippen aus Stahl, Aluminium oder Glasfaser und einem Griff aus Kunststoff, Holz oder Metall. Die Abfallberatungen von Stuttgart und Düsseldorf schicken den Schirm in die Restmülltonne. Im Hohenlohekreis filtern Magnete und Wirbelströme das Metall erst nach der Verbrennung aus der Schlacke.
Wie viel Material dabei zusammenkommt, lässt sich aus der Handelsstatistik ableiten. Die 39,6 Millionen Regenschirme, die Deutschland 2025 einführte, wogen zusammen 13.354 Tonnen, im Schnitt also rund 340 Gramm pro Stück. Jede dieser Tonnen landet früher oder später im Abfall, die Frage ist nur, nach wie vielen Regentagen.
Eine Zahl geistert dafür durch fast jeden Beitrag zum Thema: Jedes Jahr landeten weltweit eine Milliarde Schirme im Müll. Ihre Spur führt zur Crowdfunding-Seite des italienischen Start-ups Ginkgo vom April 2013, das einen recycelbaren Schirm verkaufen wollte. Dort steht die Zahl ohne Quelle. Ginkgo rechnete obendrein vor, das Metall reiche jedes Jahr für 25 Eiffeltürme. Seither haben Wired, ein EU-Forschungsprojekt und der Hersteller Knirps die Milliarde weitergegeben, im Projektbericht des EU-Vorhabens wurden daraus sogar 1,5 Milliarden.
Unplausibel ist die Größenordnung trotzdem nicht. Laut UN Comtrade meldeten alle Exportländer zusammen 2024 rund 1,06 Milliarden ausgeführte Schirme, Gartenschirme eingeschlossen. Die Milliarde beschreibt also eher, wie viele Schirme die Welt jedes Jahr kauft, als wie viele nachweislich im Müll landen. Die einzige veröffentlichte CO₂-Zahl stammt vom japanischen Schirmverleiher iKasa: 692 Gramm pro Vinylschirm, die Methode hat das Unternehmen nicht offengelegt.
Dass Recycling auch beim Schirm funktionieren kann, zeigt die Bahngesellschaft JR West. Das Unternehmen sammelt im Großraum Kansai rund 9.000 vergessene Schirme im Monat, trennt Metall von Folie und kommt laut dem Fachmagazin MONOist auf eine Recyclingquote von rund 90 Prozent nach Gewicht. Den größeren Hebel haben trotzdem langlebige und reparierbare Produkte, das zeigt auch unsere Analyse, ob Recycling die Wegwerfgesellschaft beenden kann.
- Restmüll: Der kaputte Schirm wird verbrannt, zurück kommt allenfalls das Metall.
- 13.354 Tonnen: So viel wogen die Regenschirme, die Deutschland 2025 einführte.
- Eine Milliarde: Die Müllzahl stammt aus einer Werbekampagne von 2013 und ist nicht belegt.
Warum holt in Tokio kaum jemand seinen Schirm ab?

Weil der Schirm dort ein Verbrauchsgut ist. 2025 gaben Finder bei der Tokioter Polizei 331.882 Schirme ab, als verloren gemeldet wurden nur 9.154. An ihre Eigentümer gingen 4.671 Schirme zurück, gerade einmal 1,7 Prozent der bearbeiteten Fälle.
Japan zeigt, wohin der Wegwerfschirm führt. Nach einer Schätzung des Schirmverbands JUPA, die auf der Handelsstatistik des Finanzministeriums beruht, kaufen die Japaner jedes Jahr 120 bis 130 Millionen Schirme. Die Nippon Communications Foundation vermutete schon 2018, die Vinylschirme für eine einzige Münze aus dem Convenience Store hätten den Willen geschwächt, einen verlorenen Schirm im Fundbüro zurückzuholen.
Oft zitiert wird dazu die Zahl von 80 Millionen Vinylschirmen pro Jahr. Der Verband JUPA schreibt allerdings ausdrücklich, dass er zum Anteil der Vinylschirme keine Erhebungen führt. Die 80 Millionen stammen aus einer Arbeit des Designfachbereichs einer technischen Fachschule in Tokio, verbreitet hat sie der Schirmverleiher iKasa, und das japanische Umweltministerium hat sie übernommen.
Der Verbleib der Fundschirme ist genau dokumentiert. Von 275.406 bearbeiteten Schirmen bekamen 170.556 die Finder, 67.652 gingen an die Stadt Tokio, 32.527 wurden entsorgt. Zusätzlich verwahrten Bahnen und andere große Betreiber 103.774 Schirme, die nie bei der Polizei ankamen.
Gegen die Wegwerfkultur hat sich ein Leihsystem gebildet. Bei iKasa leihen Sie einen Schirm per App ab 140 Yen, rund 0,79 Euro, für weniger als eine Stunde. Im August 2026 zählte das Unternehmen rund 950.000 registrierte Nutzer und etwa 2.500 Ausleihstationen, kaputte Leihschirme werden repariert und wieder ausgegeben. Bis 2030 will iKasa den Einwegschirm abschaffen.
Das Handwerk ist auch in Japan selten geworden. Der Tokioter Schirmhändler Komiya Shoten zählt in der Hauptstadt nur noch ein gutes Dutzend Schirmmacher, seit sich in den 1970er-Jahren billige Importware ausbreitete. Der Hersteller Maehara Kōeishōten bildet wegen der Überalterung seiner Belegschaft seit einigen Jahren selbst junge Handwerker aus.
In Tokio landeten 2025 über 330.000 Schirme im Fundbüro, nur 1,7 Prozent der bearbeiteten fanden zurück zum Eigentümer. Der Leihdienst iKasa setzt dagegen auf Schirme, die repariert und wieder ausgegeben werden.
Wer repariert heute noch Regenschirme?

Eine Handvoll Fachgeschäfte und einige Hersteller. Doppler nennt für Reparaturen außerhalb der Gewährleistung vier Partnerwerkstätten in ganz Deutschland, Knirps repariert die eigenen Schirme auch nach Ablauf der fünfjährigen Garantie.
Die vier Adressen auf der Website von Doppler zeigen, wie dünn das Netz geworden ist: das Schirm Depot von Dieter Burkhard in Gütersloh, Rolf Lippke in Berlin-Steglitz, die Saß Schirmboutique in Düsseldorf und der Schirm-Reparatur-Service C. Böhme im oberfränkischen Creußen. Hinzu kommen einzelne Traditionsgeschäfte wie Schirmmoden Kappertz in Leverkusen, gegründet 1912, und Schirm Bursch in Köln, gegründet 1946.
Preise nennen die wenigsten Werkstätten öffentlich, die meisten wollen den Schaden erst sehen. Eine Ausnahme ist Schirm und Co in Hamburg, deren Preisliste die Tabelle im ersten Kapitel wiedergibt. Kappertz zieht eine klare Grenze: „Solange es sich nicht um ein sehr preiswertes Importprodukt handelt, lohnt sich in den meisten Fällen immer eine Reparatur.“ Brigitte Schirme in Wien sieht das ähnlich: Bei preisgünstigen Schirmen könne die Reparatur mehr kosten als ein neuer.
In Österreich sieht das Bild ähnlich aus. Die Schirmmanufaktur Kirchtag in der Salzburger Getreidegasse, gegründet 1903, unterhält eine eigene Reparaturwerkstatt, das Firmenverzeichnis der Wirtschaftskammer findet unter dem Stichwort Schirmmacher drei Betriebe, in Götzis, Braunau-Ranshofen und Linz.
Bei den Herstellern hängt die Reparatur an der Marke. Knirps verspricht fünf Jahre Garantie auf das ganze Sortiment und repariert auch danach in einer eigenen Werkstatt, Doppler prüft je nach Modell, Schaden und verfügbaren Ersatzteilen. Euroschirm und Fare bieten auf ihren Websites keinen Reparaturdienst über Garantie oder Gewährleistung hinaus an.
| Hersteller | Garantie | Reparatur nach der Garantie |
|---|---|---|
| Knirps | 5 Jahre auf das ganze Sortiment | Eigene Werkstatt, auch nach Ablauf der Garantie |
| Doppler | 3 Jahre, Manufaktur 5 Jahre | Prüfung nach Modell, Schaden und Ersatzteilen, vier Partnerwerkstätten |
| Euroschirm | 2 Jahre, freiwillig | Kein Angebot auf der Website |
| Fare | Gesetzliche Gewährleistung | Kein Angebot auf der Website |
| Davek | Lebenslang | Reparatur oder Ersatz kostenlos, nur der Versand kostet |
| Fox Umbrellas | Nach Herstellerbedingungen | Reparatur eigener Schirme, Preis nach Fotos |
| James Smith & Sons | Keine Angabe | Reparatur nur selbst hergestellter Schirme |
Den weitesten Schritt geht der US-Hersteller Davek. Er verspricht, jeden Schirm, der aus welchem Grund auch immer versagt, kostenlos zu reparieren oder zu ersetzen, nur der Versand kostet: „Forever.“ Das Modell Solo kostet in Großbritannien 115 Pfund, rund 136 Euro. Die Londoner Manufaktur Swaine Adeney Brigg verlangt für ihre klassischen Stockschirme 620 bis 850 Pfund, rund 730 bis 1.000 Euro, und bietet außerdem Wartung sowie Restaurierung an.
Ein Detail aus London erklärt, warum der Billigschirm auch beim Profi keine Chance hat. Fox Umbrellas, ein Londoner Schirmmacher seit 1868, schreibt, Massenschirme aus dem Ausland passten nur selten zu ihren eigenen Ersatzteilen. Fehlt das passende Teil, hilft auch die beste Werkstatt nicht weiter.
Deutschland importiert 39,6 Millionen Regenschirme im Jahr und leistet sich zehn Schirmmacher, die sie flicken könnten.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Uns fällt dabei eine Verschiebung auf. Früher reparierte der Schirmmacher an der Ecke die Schirme aller Marken, heute repariert der Hersteller seine eigenen. Die Reparatur ist damit zu einem Teil des Markenversprechens geworden, und der Schirm aus dem Prospekt hat schlicht keinen Absender mehr, an den Sie ihn schicken könnten.
- Werkstätten: Doppler verweist auf vier Partner in ganz Deutschland, dazu kommen einzelne Traditionsgeschäfte.
- Hersteller: Knirps repariert auch nach fünf Jahren Garantie, Davek ersetzt seine Schirme lebenslang.
- Billigschirm: Für Importware passen die Ersatzteile der Manufakturen oft nicht.
Warum gilt das Recht auf Reparatur nicht für Regenschirme?

Weil die EU-Richtlinie 2024/1799 nur Produkte erfasst, für die bereits europäische Vorgaben zur Reparierbarkeit gelten, von der Waschmaschine bis zum Smartphone. Für Regenschirme existiert keine solche Vorgabe, also muss kein Schirmhersteller Ersatzteile vorhalten oder eine Reparatur anbieten.
Die Liste im Anhang der Richtlinie nennt Waschmaschinen und Wäschetrockner, Geschirrspüler, Kühlgeräte, Staubsauger, elektronische Displays, Server und Datenspeicher, Smartphones und Tablets, Schweißgeräte sowie die Akkus leichter Verkehrsmittel. Deutschland hat die Vorgaben fristgerecht umgesetzt, laut dem Fachdienst EUWID gilt das Gesetz seit dem 23. Juli 2026. Die erste Lesung im Bundestag im Mai haben wir in unserem Bericht zum Recht auf Reparatur begleitet.
Ein Teil der Reform gilt allerdings auch für den Schirm. Wählen Sie bei einem Mangel innerhalb der Gewährleistung die Reparatur statt des Austauschs, verlängert sich die Gewährleistung um zwölf Monate. Für einen Markenschirm kann sich dieser Weg lohnen, beim Prospektschirm bleibt der Austausch der naheliegende Weg.
Auch die Förderprogramme der Länder gehen am Schirm vorbei. Der Reparaturbonus in Sachsen erstattet 50 Prozent, höchstens 200 Euro, aber nur für Elektro- und Elektronikgeräte, erst ab einer Rechnung von 115 Euro. Thüringen hat seinen Reparaturbonus ab 2026 gestrichen, obwohl dort zuletzt knapp 10.000 Anträge im Jahr eingingen. In Berlin ruht das Programm seit dem Antragsstopp im Juli 2025.
Am Willen der Bürger scheitert die Reparatur nicht. In der Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamts befürworteten 94 Prozent der Befragten ein Recht auf Reparatur, aber nur 36 Prozent wollten dafür höhere Preise zahlen. Das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen fand 2025, dass in Deutschland nur 41 Prozent der defekten Elektrogeräte repariert werden, der niedrigste Wert unter den sieben untersuchten Ländern. Frankreich kam auf 43 Prozent.
Bis zum 31. Juli 2029 muss die Bundesregierung der EU-Kommission mindestens eine Maßnahme zur Förderung der Reparatur melden. Die bisherigen Förderprogramme zielen auf Geräte mit Stecker. Der Regenschirm fällt durch alle Raster: zu billig für einen Bonus, zu simpel für eine Ökodesign-Verordnung und zu selten repariert, als dass jemand eine Statistik darüber führte.
Das Recht auf Reparatur gilt seit Juli 2026 für Waschmaschinen, Smartphones und weitere Geräte, nicht für Schirme. Wählen Käufer innerhalb der Gewährleistung die Reparatur, verlängert sich die Frist aber auch beim Schirm um zwölf Monate.
Wann lohnt sich die Reparatur eines Regenschirms?

Sobald der Schirm mehr gekostet hat als die Reparatur und der Bezug noch heil ist. Bei einem Prospektschirm für 2,50 Euro übersteigt schon eine einzige Niete aus der Hamburger Preisliste den Kaufpreis, bei einem Markenschirm für 60 Euro rechnet sich ein neuer Schieber für 15 Euro.
Die Preisspanne ist gewaltig. Ein Möbeldiscounter bot Anfang Oktober 2026 einen Regenschirm mit gut einem Meter Durchmesser für 2,50 Euro an, Euroschirm verlangt in seinem Shop 44,90 bis 169 Euro. Die unverbindliche Preisempfehlung für den Knirps Vision mit Bezug aus recyceltem Polyester liegt bei 59,99 Euro.
Reparaturpreise nach der Preisliste von Schirm und Co, Hamburg, Stand 2022. Einfuhrpreis nach Eurostat Comext, Prospektpreis nach DISCOUNTO.
Ein Rechenbeispiel macht das Dilemma sichtbar. Angenommen, der Prospektschirm hielte ein Jahr, dann kostete er 2,50 Euro pro Jahr. Ein Taschenschirm für 59,99 Euro, der die acht Jahre aus dem ZDFheute-Ratgeber erreicht und einmal einen neuen Schieber für 15 Euro braucht, käme auf gut 9 Euro im Jahr. Rein in Euro gewinnt der Billigschirm, solange er nicht schon nach dem ersten Herbststurm in der Tonne landet.
Die Rechnung kippt beim Stockschirm. Ein Modell für 90 Euro, das die 30 Jahre aus demselben Ratgeber erreicht und zwischendurch für 40 Euro ein neues Gestell bekommt, käme auf rund 4,30 Euro im Jahr. Außerdem zählen Vorteile, die in keiner Rechnung auftauchen: Ein Stockschirm lässt sich laut Rolf Lippke fast immer reparieren. Kappertz hat sogar einen Schirm gerettet, der sich nicht mehr öffnen ließ, weil eine Stange gebrochen und der Schieber zerfallen war. Auch der Bezug war an vielen Stellen gerissen, und die Werkstatt urteilt trotzdem: „Eine Reparatur hat sich gelohnt.“
Für die Praxis ergeben sich drei Regeln. Bewahren Sie Kassenbon und Garantieunterlagen auf, Fox Umbrellas rät sogar, den Karton für eine spätere Reparatur aufzuheben. Lassen Sie einen gebrochenen Schieber oder eine lose Niete richten, bevor der Bezug reißt, denn ein neuer Bezug kostet in Hamburg ab 90 Euro. Und kaufen Sie beim nächsten Mal lieber einen Schirm, dessen Hersteller eine Reparatur anbietet.
- Faustregel: Reparieren lohnt sich, sobald der Schirm deutlich mehr gekostet hat als das Ersatzteil.
- Stockschirm: Im Rechenbeispiel kommt er samt neuem Gestell auf rund 4,30 Euro im Jahr.
- Bezug: Ist der Stoff hin, kostet die Rettung ab 90 Euro und lohnt sich nur beim teuren Schirm.
Wie viel Schirm ist genug?

Genug ist ein Schirm, der hält und repariert wird. Ein guter Stockschirm kann 30 Jahre überdauern, ein neuer Schieber für 15 Euro verlängert sein Leben, und für die zehn verbliebenen Schirmmacher ist jeder reparierte Schirm ein Auftrag.
Der Schuhmacher hat überlebt, weil niemand rahmengenähte Lederschuhe für 2,50 Euro verkauft. Mit 1.410 Betrieben ist sein Handwerk geschrumpft, aber nicht verschwunden. Beim Schirm fehlt diese Untergrenze, und deshalb blieben vom Schirmmacher zehn Betriebe übrig.
Zurück als Lehrberuf kommt der Schirmmacher nicht, dafür reicht die Nachfrage nicht, und der Nachwuchs fehlt. Ganz verschwunden ist die Kundschaft allerdings nicht. Rolf Lippke erzählte 2015, aus ganz Deutschland kämen Pakete mit Reparaturen zu ihm, und zwar immer mehr, weil die Schirmmacher immer weniger würden.
Wir halten den Wegwerfschirm für ein schlechtes Geschäft, auch wenn er an der Kasse gewinnt. Er kostet weniger als eine Niete und landet beim ersten Defekt im Restmüll. Genug ist beim Regenschirm erreicht, sobald Sie einen besitzen, für den sich der Weg in die Werkstatt lohnt.
Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe rund um Schirm und Reparatur

Anlage B der Handwerksordnung
Anlage B der Handwerksordnung verzeichnet Gewerbe, für die kein Meisterbrief nötig ist. Abschnitt 1 nennt die zulassungsfreien Handwerke, Abschnitt 2 die handwerksähnlichen Gewerbe. Der Schirmmacher steht seit 1998 in Abschnitt 2 unter Nummer 55, zuvor war er ein Vollhandwerk mit Meisterpflicht.
Bezug
Bezug heißt das Tuch, das über das Gestell gespannt ist. Standard ist Polyester mit einer wasserabweisenden Beschichtung, hochwertige Modelle nutzen dichter gewebte Stoffe. Ein gerissener Bezug ist der teuerste Schaden, weil die Werkstatt ihn zuschneiden und in Handarbeit an jede Rippe nähen muss.
Fischbein
Fischbein nennt man die Barten von Bartenwalen, ein biegsames Hornmaterial. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts bestanden die Rippen von Regenschirmen daraus. Samuel Fox ersetzte das Material ab 1848 durch Stahl, was den Schirm haltbarer machte und den Weg zum Massenprodukt ebnete.
Gestell
Gestell bezeichnet das Gerippe des Schirms aus Stock, Krone, Rippen, Streben und Schieber. Hersteller fertigen das Gestell aus Stahl, Aluminium oder Glasfaser. Ein neues Gestell kostet in einer Hamburger Werkstatt ab 40 Euro, der alte Bezug lässt sich dabei oft weiterverwenden.
Handwerksähnliches Gewerbe
Handwerksähnliches Gewerbe ist eine Tätigkeit, die handwerklich ausgeübt wird, aber weder Meisterbrief noch Eintrag in die Handwerksrolle verlangt. Die Betriebe stehen in einem eigenen Verzeichnis der Handwerkskammer. Aus diesem Verzeichnis stammen die zehn Schirmmacher-Betriebe für Ende 2025.
Krone
Krone heißt das Bauteil oben am Stock, in dem alle Rippen zusammenlaufen. Bricht die Krone, hängen die Rippen lose, und der Schirm lässt sich nicht mehr aufspannen. Werkstätten tauschen das Teil einzeln, in Hamburg für 15 Euro.
Meisterpflicht
Meisterpflicht bedeutet, dass nur einen Betrieb führen darf, wer einen Meisterbrief oder eine gleichwertige Qualifikation besitzt. Die Pflicht gilt für die Handwerke der Anlage A. Der Schirmmacher verlor sie 1998, weil der Bundestag kaum noch Reparaturen und Nachwuchs sah.
Paragon-Gestell
Paragon-Gestell heißt das Schirmgestell, das Samuel Fox 1851 entwickelte. Seine Rippen bestehen aus Stahl mit U-förmigem Profil, das die Biegesteifigkeit erhöht. Fox lieferte die Gestelle unter anderem an die Londoner Schirmmacher James Smith & Sons.
PTFE-Beschichtung
PTFE-Beschichtung (Polytetrafluorethylen) lässt Wasser vom Schirmbezug abperlen. Der Kunststoff gehört zu den per- und polyfluorierten Chemikalien, die in der Umwelt kaum abgebaut werden. Einige Hersteller werben deshalb mit PFC-freien Bezügen.
Recht auf Reparatur
Recht auf Reparatur nennt sich die EU-Richtlinie 2024/1799, die Hersteller bestimmter Produkte zur Reparatur zu angemessenen Preisen verpflichtet. Erfasst sind Geräte wie Waschmaschinen, Staubsauger und Smartphones. Deutschland hat die Vorgaben zum 23. Juli 2026 umgesetzt, Regenschirme fallen nicht darunter.
Reparaturbonus
Reparaturbonus heißt ein Zuschuss einzelner Bundesländer zu den Kosten einer Reparatur. Sachsen erstattet die Hälfte, höchstens 200 Euro, für Elektro- und Elektronikgeräte ab einer Rechnung von 115 Euro. Thüringen hat seinen Bonus ab 2026 gestrichen, Berlin nimmt seit Juli 2025 keine Anträge mehr an.
rPET
rPET (recyceltes Polyethylenterephthalat) ist Polyester aus wiederverwerteten Kunststoffen, meist aus Getränkeflaschen. Knirps und Fare nähen daraus Schirmbezüge. Am Problem des Materialmixes ändert das wenig, der fertige Schirm landet trotzdem im Restmüll.
Schieber
Schieber heißt das bewegliche Teil am Stock, an dem die Streben ansetzen. Beim Aufspannen gleitet er nach oben und rastet ein, eine Feder hält ihn in Position. Ein gebrochener Schieber gehört zu den häufigsten Schäden, eine Hamburger Werkstatt tauscht ihn für 15 Euro.
Strebe
Strebe nennt man die kurze Metallstange zwischen Schieber und Rippe. Die Metallstange drückt die Rippe nach außen und spannt so den Bezug. Bei Wind biegt oder bricht die Strebe leicht, an ihrem Gelenk zur Rippe sitzt meist eine Niete.
Teleskopschaft
Teleskopschaft heißt der zusammenschiebbare Stock eines Taschenschirms. Hans Haupt meldete 1916 den ersten verkürzbaren Schirm an, der Knirps kam 1932 auf den Markt. Die zusätzlichen Gelenke machen Taschenschirme schwerer reparierbar als Stockschirme.
FAQ: Regenschirm reparieren: Die Niete kostet mehr als der Schirm

Kann man einen Regenschirm reparieren lassen?
Ja, solange der Bezug heil ist, lässt sich ein Regenschirm in den meisten Fällen reparieren. Werkstätten tauschen Nieten, Streben, Schieber, Krone, Feder, Griff oder das ganze Gestell. Stockschirme lassen sich leichter reparieren als Taschenschirme mit Teleskopschaft.
Was kostet die Reparatur eines Regenschirms?
Eine Hamburger Werkstatt verlangte nach ihrer Preisliste von 2022 für eine Niete 5 Euro, für Schieber, Krone oder Feder je 15 Euro und für ein neues Gestell ab 40 Euro. Ein neuer Bezug kostet ab 90 Euro.
Wo kann man einen Regenschirm reparieren lassen?
In spezialisierten Schirmgeschäften, beim Hersteller oder in einem Repair Café. Doppler nennt vier Partnerwerkstätten in Gütersloh, Berlin, Düsseldorf und Creußen, Knirps repariert die eigenen Schirme auch nach Ablauf der Garantie.
Wie lange hält ein guter Regenschirm?
Ein guter Stockschirm hält laut ZDFheute etwa 30 Jahre, ein Taschenschirm wegen seiner kompakteren Mechanik etwa acht Jahre. Voraussetzung ist, dass kleine Schäden rechtzeitig repariert werden.
Wie entsorgt man einen kaputten Regenschirm?
Über die Restmülltonne, so empfehlen das etwa die Abfallberatungen von Stuttgart und Düsseldorf. Wegen des Materialmixes aus Stoff, Metall und Kunststoff lässt sich ein Schirm nicht über die Wertstofftonne recyceln.
Kann man einen Regenschirm selbst reparieren?
Einfache Schäden ja. Die Plattform iFixit zeigt in Anleitungen, wie Sie eine Niete ersetzen, eine Rippe wieder am Bezug befestigen, ein Loch flicken oder den Griff tauschen. Für Gestell und Bezug lohnt der Weg in eine Werkstatt.
Quellen
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Zentralverband des Deutschen Handwerks | Betriebsbestand im Handwerk nach Berufen 2025, Anlage B1 | https://www.zdh-statistik.de/admin/show_betriebsstat.php?statistik=37&jahr=2025&halbjahr=0®ister%5B0%5D=®ister%5B1%5D=®ister%5B2%5D=B1®ister%5B3%5D=®ion%5B0%5D=Ost®ion%5B1%5D=West&meldungsart=bl&gruppe=kgr-0&percent=0&div=1&typ=tabelle | besucht am 08.10.2026
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