Arsen steckt als Galliumarsenid in Funkchips, Radaren und Satelliten-Solarzellen. Die Stiftung Warentest fand das Halbmetall zugleich in allen 40 getesteten Reisprodukten. Am 27. November 2026 endet Chinas Aussetzung seines Ausfuhrverbots für Galliumprodukte in die USA. Galliumarsenid steht seit 2023 auf Pekings Kontrollliste.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür Chipentwickler, Einkäufer in der Elektronikfertigung und Zulieferer der Rüstungsindustrie rückt damit ein Stoff in den Blick, den Kupferhütten sonst als lästigen Staub abscheiden. Dasselbe Halbmetall verseucht in Bangladesch das Grundwasser von Millionen Menschen. Dieser Beitrag folgt dem Arsen vom Hüttenrauch im Erzgebirge über die Gaswolken von Flandern bis in die Waferfabrik von Freiberg.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anlass: China setzt sein Exportverbot für Galliumprodukte in die USA nur bis zum 27. November 2026 aus, Galliumarsenid ist seit August 2023 lizenzpflichtig.
- Drei Länder liefern fast alles: Peru, China und Marokko stellten 2025 mehr als 95 Prozent des weltweiten Arsentrioxids her, die USA bezogen von 2021 bis 2024 95 Prozent ihres Arsenmetalls aus China.
- Billig, aber unersetzlich: Arsenmetall kostet rund 3,60 Euro je Kilogramm, für Radar- und Rüstungschips aus Galliumarsenid kennt die US-Geologiebehörde keinen gleichwertigen Ersatz.
- Kein Recycling: Die EU gewinnt aus Altprodukten kein Arsen zurück, die Rückgewinnung beschränkt sich auf Schrott aus der Chipfertigung.
Bluff oder Wissen? Der Arsen-Check
1 Welches Land stellte 2025 laut US-Geologiebehörde das meiste Arsentrioxid her? Aufklappen ↓
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2 In welchem Jahr stellte der britische Chemiker James Marsh seinen Arsennachweis vor? Aufklappen ↓
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3 Welcher Anteil der US-Importe von Arsenmetall kam von 2021 bis 2024 aus China? Aufklappen ↓
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4 Wofür verbraucht die EU laut ihrer Rohstoffstudie von 2023 das meiste Arsen? Aufklappen ↓
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5 Bis zu welchem Tag hat China sein Ausfuhrverbot für Galliumprodukte in die USA ausgesetzt? Aufklappen ↓
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Was ist Arsen und wie entsteht das Halbmetall?
Arsen ist ein Halbmetall mit der Ordnungszahl 33, das in der Natur fast nur in Erzen gebunden vorkommt, vor allem im Arsenkies. Gewonnen wird das Element als Nebenprodukt, wenn Hütten Kupfer, Gold, Blei oder Zink aus solchen Erzen schmelzen und der Arsenstaub aus den Abgasen fällt.
Das häufigste Arsenmineral heißt Arsenkies, die Bergleute im Erzgebirge nannten das silbrig glänzende Erz früher schlicht Giftkies. Daneben kennen Mineralogen das gelbe Auripigment und den roten Realgar, zwei Schwefelverbindungen, die schon in der Antike als Farbpigmente dienten. Eine eigene Arsenmine lohnt sich kaum irgendwo, weil das Element in den Lagerstätten fast immer mit wertvolleren Metallen vergesellschaftet ist.
Die US-Geologiebehörde USGS beschreibt in ihrem Rohstoffbericht vom Februar 2026 die typischen Quellen: Flugstaub aus Kupfer-, Gold- und Bleihütten, gerösteten Arsenkies sowie das Kupfermineral Enargit. Beim Rösten verdampft das Arsen und schlägt sich als weißes Pulver nieder, als Arsentrioxid. Dieses weiße Arsenik ist bis heute die Handelsform, aus der Chemiefirmen alle anderen Arsenprodukte herstellen.
Eine Ausnahme bildet Marokko. In der Mine Bou Azzer wird ein Kobalt-Arsen-Erz abgebaut, der Hüttenkomplex Guemassa bei Marrakesch gewinnt daraus neben Kobalt auch Arsentrioxid. In China lagerten Goldminen der Provinz Sichuan Auripigment und Realgar auf Halde, um das Arsen später zu verwerten.
Knapp ist Arsen geologisch nicht. Die USGS schätzt die Weltreserven auf mehr als das Zwanzigfache der Jahresproduktion, eine genaue Zahl veröffentlicht die Behörde mangels Daten nicht. Als Engpass gilt die Reinigung, denn Halbleiter verlangen Arsen mit sechs oder sieben Neunen, das nur wenige Raffinerien liefern.
| Qualität | Reinheit | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Arsentrioxid (weißes Arsenik) | technisch | Glas, Chemikalien, Holzschutz, Zinkhütten |
| Arsenmetall | mindestens 99 Prozent | Bleilegierungen für Batteriegitter und Schrot |
| Hochreines Arsen (6N) | 99,9999 Prozent | Galliumarsenid-Kristalle für Chips und Solarzellen |
| Ultrareines Arsen (7N und mehr) | bis 99,999995 Prozent | Molekularstrahlepitaxie für Hochfrequenz- und Laserchips |
Bei sechs Neunen, also 99,9999 Prozent, darf auf eine Million Teile Arsen höchstens ein Teil Fremdstoff kommen. Der japanische Hersteller Furukawa Denshi wirbt mit 99,999995 Prozent Reinheit und beansprucht die Hälfte des Weltmarkts für ultrareines Arsen.
Arsen fällt fast nur als Staub beim Schmelzen von Kupfer-, Gold- und Bleierzen an. Den Engpass bildet die Reinigung auf sechs oder sieben Neunen, die nur wenige Raffinerien beherrschen.
Wer entdeckte Arsen und wie begann das Geschäft mit dem Gift?

Arsenminerale kannten schon die Griechen, das Element selbst schreibt die Royal Society of Chemistry dem Gelehrten Albertus Magnus im 13. Jahrhundert zu. Zum Massenprodukt wurde Arsen im 19. Jahrhundert als grünes Farbpigment, später als Medikament und im Ersten Weltkrieg als Kampfstoff.
Der griechische Naturforscher Theophrastos beschrieb Auripigment und Realgar, ein ägyptischer Papyrus erwähnt Arsen beim Vergolden von Metallen. Weißes Arsenik fiel lange als Nebenprodukt der Kupferraffination an. Zum Giftklassiker wurde der Stoff am Hof Ludwigs XIV.: Die Giftmischerin Catherine Deshayes verkaufte dort ein Arsenpulver, das als „Poudre de succession“, also Erbschaftspulver, in die Geschichte einging.
Der Ruf als perfektes Mordgift hielt sich, bis der britische Chemiker James Marsh 1836 einen Nachweis entwickelte. Die Marsh-Probe wandelt Arsen in ein Gas um, das auf kaltem Glas einen schwarzen Spiegel hinterlässt. Den Anstoß gab ein Giftmordprozess von 1833, in dem der Angeklagte freigesprochen wurde und die Tat später gestand. 1840 überführte der Toxikologe Mathieu Orfila mit der Marsh-Probe die Giftmörderin Marie Lafarge, die ihren Ehemann vergiftet hatte.
Die großen Mengen flossen jedoch in die Farbe. Carl Wilhelm Scheele entdeckte 1775 ein arsenhaltiges Grün, ab etwa 1808 produzierte der Unternehmer Wilhelm Sattler in Schweinfurt eine verbesserte Variante, die als Schweinfurter Grün Tapeten, Kleider und Spielzeug färbte. 1844 beschrieb der Arzt Carl von Basedow, dass Schimmelpilze aus feuchten Tapeten giftige Arsenverbindungen freisetzen. Deutschland verbot das Pigment 1882 für Tapeten, Spielzeug und Stoffe.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 13. Jahrhundert | Albertus Magnus gilt als Entdecker des Elements |
| 1775 | Carl Wilhelm Scheele entdeckt ein arsenhaltiges Grün |
| 1836 | James Marsh entwickelt den Arsennachweis |
| 1847 | Muldenhütten bei Freiberg nimmt die Arsenikproduktion auf |
| 1882 | Deutschland verbietet Arsenfarben für Tapeten, Spielzeug und Stoffe |
| 1910 | Hoechst bringt Salvarsan auf den Markt |
Um Napoleons Tod ranken sich bis heute Gerüchte über eine grüne Tapete auf St. Helena. Italienische Physiker untersuchten 2008 Haare aus seiner Kindheit, aus dem Exil auf Elba und vom Todestag mit der Neutronenaktivierung. Alle Proben enthielten rund hundertmal mehr Arsen als die Haare heutiger Menschen, allerdings gleichbleibend über das ganze Leben. Die Forscher schlossen daraus auf die allgemeine Belastung der Epoche, nicht auf einen Giftmord.
Für die Rohstoffversorgung sorgten die Bergbaureviere Mitteleuropas. Über Rauchschäden der Hütten bei Freiberg klagten Anwohner schon um 1840, bis hin zum Massensterben von Bienen, und 1847 nahm Muldenhütten die Arsenikproduktion auf. Im schlesischen Reichenstein, dem heutigen Złoty Stok, lösten Arsenerze im 18. Jahrhundert das Gold als Hauptziel ab, das Bergwerk blieb bis 1961 in Betrieb.
Den Wandel vom Gift zur Arznei brachte Paul Ehrlich. Mit seinem japanischen Mitarbeiter Sahachiro Hata testete er Hunderte Arsenverbindungen gegen die Syphilis, die Substanz mit der Nummer 606 kam 1910 von den Farbwerken Hoechst als Salvarsan auf den Markt. Salvarsan gilt als erstes gezielt entwickeltes Chemotherapeutikum der Medizingeschichte.
Vom Erbschaftspulver über das Schweinfurter Grün bis zum Salvarsan diente Arsen jahrhundertelang als Gift, Farbstoff und Arznei. Mit Freiberg, Reichenstein, Schweinfurt und Frankfurt-Höchst lagen viele Schauplätze im deutschsprachigen Raum.
Wie hat Arsen die Weltkarte verändert?

Keine Grenze geht auf Arsen zurück, wohl aber prägte das Halbmetall Kriege mit und schuf Abhängigkeiten. Deutschland setzte arsenhaltige Kampfstoffe ab 1917 ein, heute bestimmen Peru, China und Marokko das Angebot, und Peking kontrolliert mit Galliumarsenid den wertvollsten Teil der Kette.
Der koloniale Zugriff lief über die Kupferhütten. Am 6. April 1900 gründeten Berliner Banken um die Disconto-Gesellschaft die Otavi Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft, die in Deutsch-Südwestafrika die Lagerstätte von Tsumeb erschloss. 1907 liefen dort die ersten Hochöfen für Kupfer und Blei, Arsen fiel als Beiprodukt mit an. Die Hütte im heutigen Namibia zählt bis heute zu den wenigen Anlagen weltweit, die stark arsenhaltiges Kupferkonzentrat verarbeiten können.
Im Ersten Weltkrieg wurde aus dem Nebenprodukt eine Waffe. In der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1917 verschoss die deutsche Armee bei Nieuport in Flandern erstmals Granaten mit Blaukreuz, gefüllt mit dem arsenhaltigen Reizstoff Clark I. Das Pulver durchdrang die Filter der Gasmasken und zwang die Soldaten, die Masken abzunehmen, bevor das tödliche Grünkreuz-Gas folgte. Die Historiker der Universität Stuttgart beschreiben Spätfolgen bei Veteranen, darunter Nerven- und Leberschäden sowie Tumoren.
Produziert wurden die Kampfstoffe auch in der Lüneburger Heide. In Munster entstanden während des Kriegs Versuchs- und Produktionsanlagen für arsenorganische Kampfstoffe, eine Explosion am 24. Oktober 1919 verseuchte das Gelände im Umkreis von drei Kilometern. Bis 1952 wurden im nahen Dethlinger Teich Kampfstoffe versenkt, viele davon Arsenverbindungen. Die Stadt Munster überwacht das Grundwasser seit 2010.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1917 | Erster Einsatz von Blaukreuz-Munition in Flandern |
| 1919 | Explosion in der Kampfstoffanlage Munster |
| 2011 | Schließung der Realgar-Minen in Shimen (Hunan) |
| 2023 | China macht Galliumarsenid-Exporte lizenzpflichtig |
| 2024 | Urteil gegen Peru im Fall La Oroya |
| 2025 | Chinas Importgrenze von 0,5 Prozent Arsen in Kupferkonzentrat bestätigt |
Im 20. Jahrhundert verlagerte sich die Produktion in die Förderländer der Kupfer- und Goldindustrie. Peru, China und Marokko stellten 2025 laut USGS zusammen mehr als 95 Prozent des Arsentrioxids her, Peru mit geschätzten 30.000 Tonnen vor China mit 24.000 Tonnen. Beim reinen Metall liegen die Gewichte anders: Von 2021 bis 2024 kamen 95 Prozent der US-Importe aus China, obwohl Peru mehr Rohstoff erzeugt.
Den Preis für die Förderung zahlen die Anwohner der Hütten. Im Fall der Metallhütte von La Oroya verurteilte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte am 22. März 2024 den Staat Peru, weil Anwohner jahrzehntelang Blei, Arsen und Cadmium eingeatmet hatten. Das Gericht erkannte 80 Opfer an, darunter 57 Kinder, und stellte erstmals eine Verletzung des Rechts auf gesunde Umwelt fest.
Auch China kennt diese Kosten. In Shimen in der Provinz Hunan bauten Minen seit den 1950er-Jahren Realgar ab, Chemiefabriken verarbeiteten das Erz, 2011 ließen die Behörden die Anlagen schließen. Dorfbewohner zählten laut einem Brief von 2010, über den Reuters berichtete, 157 Krebstote in zwei Jahrzehnten. Gleichzeitig nutzt Peking seine Marktmacht als Torwächter: Kupferkonzentrat mit mehr als 0,5 Prozent Arsen darf nach der Norm GB/T 20424-2025, gültig seit 1. September 2025, nicht nach China. Chinesische Hütten stellten nach Angaben von Fastmarkets schon 2019 rund die Hälfte der weltweiten Kupferschmelzkapazität, die Grenze entscheidet also mit darüber, welche Minen ihr Erz verkaufen können.
Am stärksten wirkt Chinas Kontrolle in der Weiterverarbeitung. Seit dem 1. August 2023 brauchen chinesische Exporteure für Galliumarsenid und Indium-Gallium-Arsenid eine Ausfuhrlizenz, am 3. Dezember 2024 verbot Peking die Lieferung von Gallium, Germanium und Antimon in die USA ganz. Am 9. November 2025 setzte das Handelsministerium dieses Ausfuhrverbot bis zum 27. November 2026 aus, die Lizenzpflicht und das Verbot für US-Militärkunden gelten weiter. Beim Metall Gallium setzt Peking denselben Hebel an.
Die USA führen Arsen auf ihrer Liste vom 7. November 2025 unter 60 kritischen Mineralien, obwohl der Entwurf die Streichung vorsah; wie das Verteidigungsministerium das durchsetzte, zeigt das Lobby-Kapitel. Die EU stuft Arsen seit 2023 ebenfalls als kritisch ein.
2024 wechselte zudem die Hütte von Tsumeb den Besitzer. Der kanadische Betreiber Dundee Precious Metals verkaufte die Anlage, eine der wenigen Adressen für arsenreiche Konzentrate, im September 2024 an eine Tochter des chinesischen Sinomine-Konzerns. Der Standort, an dem ein Berliner Kolonialunternehmen 1907 die ersten Hochöfen anblasen ließ, gehört damit heute einem chinesischen Eigentümer.
Warum ist Arsen für die Weltwirtschaft so wichtig?

Rund 61.000 Tonnen Weltproduktion im Jahr machen Arsen zum Nischenrohstoff. Die EU zählt das Halbmetall trotzdem zu den kritischen Rohstoffen, weil Zinkhütten, Glashersteller und Chipfertiger darauf angewiesen sind und wenige Länder das Angebot stellen.
Die USA, die ihren kompletten Bedarf einführen, importierten 2025 Arsenprodukte im Wert von rund 7,4 Millionen Euro. Eine eigene Börse hat der Markt nicht, Preise ermitteln Informationsdienste wie Argus Media und in China Shanghai Metals Market über Händlerumfragen.
| Land | Arsentrioxid 2025 (Tonnen, geschätzt) | Raffineriekapazität 2025 (Tonnen) |
|---|---|---|
| Peru | 30.000 | 37.000 |
| China | 24.000 | 30.000 |
| Marokko | 5.000 | 8.000 |
| Belgien | 1.000 | 1.500 |
| Russland | 500 | 4.000 |
| Welt | 61.000 | 81.000 |
Wofür Europa den Stoff braucht, hat die EU-Kommission in ihrer Rohstoffstudie von 2023 aufgeschlüsselt. Mit 69 Prozent fließt der größte Teil in die Zinkelektrolyse, wo Arsenverbindungen bei der Reinigung der Zinklauge helfen, in die Elektronik nur 1 Prozent. Die übrigen Branchen zeigt die Infografik im Preiskapitel.
Die kleinste Position ist wirtschaftlich die heikelste. Der Markt für Galliumarsenid-Wafer erreicht nach einer Schätzung von Mordor Intelligence 2026 rund 1,29 Milliarden Euro und soll bis 2031 auf rund 2,18 Milliarden Euro wachsen, getrieben von Mobilfunk, Satelliten und Rechenzentren. Auf den Raum Asien-Pazifik entfielen 2025 gut 60 Prozent dieses Marktes.
Die EU selbst ist nur teilweise auf Importe angewiesen. Die Kommission beziffert die Importabhängigkeit bei verarbeitetem Arsen auf 39 Prozent, 59 Prozent der EU-Versorgung stammen aus Belgien. Dort gewann Umicore nach dem jüngsten Länderbericht der USGS von 2019 Arsentrioxid im Werk Olen. Bei hochreinem Arsen und bei Galliumarsenid-Substraten sieht die Lage schlechter aus, weil Japan und China die Reinigung dominieren.
Deutschland fördert kein Arsen und stellt kein Arsentrioxid her. Die Nachfrage kommt aus der Halbleiterindustrie in Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg, aus der Glasindustrie und aus den Hütten. Weil Deutschland kein Arsen fördert und Altprodukte nicht recycelt werden, bleibt die Einfuhr die einzige Bezugsquelle.
Mit 61.000 Tonnen im Jahr ist der Arsenmarkt klein und hat keine Börse. Europas wichtigster Lieferant ist Belgien mit 59 Prozent, beim Metall hängt die US-Industrie an China.
In welchen Produkten steckt Arsen, und was verschwindet ohne das Halbmetall?

Galliumarsenid-Chips verstärken Funksignale in Smartphones, vermessen Gesichter und versorgen Satelliten mit Strom, als Legierungszusatz steckt Arsen in Autobatterien und als Hilfsstoff in Glas. Ohne Ersatz blieben vor allem Radar- und Rüstungschips.
Die meisten Verbraucher halten den Stoff täglich in der Hand. Im Smartphone verstärken Chips aus Galliumarsenid die Funksignale, und die kleinen Laser, die ein Gesicht für die Entsperrung vermessen, heißen VCSEL. ams OSRAM baut solche Oberflächenemitter auf Galliumarsenid-Substraten mit einem Wirkungsgrad von mehr als 45 Prozent.
Weniger bekannt ist der Einsatz im Auto. Arsenmetall härtet Blei, deshalb steckt der Stoff in den Gittern von Starterbatterien, in Auswuchtgewichten für Reifen und in Jagdschrot. Die USGS führt außerdem Lagerlegierungen auf, bei denen Arsen als Zusatz gegen Reibung dient.
| Produktkategorie | Beispiel | Arsenbasis |
|---|---|---|
| Mobilfunk | Leistungsverstärker im Smartphone | Galliumarsenid |
| Sensorik | Laser für Gesichtserkennung | VCSEL auf Galliumarsenid |
| Raumfahrt | Solarzellen von Satelliten | Mehrfachzellen aus III-V-Halbleitern |
| Verteidigung | Radar und elektronische Kampfführung | Galliumarsenid-MMICs |
| Auto | Blei-Säure-Batterie | Arsenmetall im Bleigitter |
| Bau | Holzmasten und Pfähle (USA) | Chrom-Kupfer-Arsen-Salz |
| Medizin | Medikament gegen Leukämie | Arsentrioxid |
Arsentrioxid rettet Leukämiekranken das Leben. Der Arzt Zhang Tingdong aus Harbin fand in den 1970er-Jahren heraus, dass der Stoff bei der akuten Promyelozytenleukämie, einer seltenen Form von Blutkrebs, besonders gut wirkt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA ließ das Präparat Trisenox im September 2000 zu, die EU folgte im März 2002.
In den USA verbreitet ist Holzschutz mit Arsensalz. Chromatiertes Kupferarsenat, kurz CCA, schützt Strommasten, Pfähle und Fundamente vor Fäulnis, sieben Unternehmen behandelten 2025 in den USA Holz mit dem Salz.
Wie leicht sich Arsen ersetzen lässt, hängt vom Produkt ab. Für Holzschutz und Kunstglas existieren erprobte Ersatzstoffe, die das Kapitel zum Ausstieg vorstellt.
Im Chip wird der Ersatz schwieriger. Einfache Leistungsverstärker in Mobiltelefonen lassen sich auch in Silizium-Technik bauen, und bei Funkbasisstationen verdrängt Galliumnitrid das Galliumarsenid bereits. Für viele Verteidigungsanwendungen kennt die USGS dagegen keinen wirksamen Ersatz. Ein Lieferausfall träfe also nicht zuerst das Smartphone, sondern das Radar im Kampfflugzeug und den Satelliten im Orbit.
Wie setzt sich der Preis des Arsens in einem Chip zusammen?

Der Rohstoff selbst ist billig: Arsenmetall mit 99 Prozent Reinheit kostete 2025 im US-Handel umgerechnet rund 3,59 Euro je Kilogramm. Teuer wird Arsen erst durch Reinigung und Kristallzucht, in einem Chip macht der Rohstoffanteil nur Cent-Beträge aus.
Am Anfang der Kette hat Arsen oft einen negativen Wert. Kupferhütten verlangen von Minen einen Strafabschlag, sobald das Konzentrat mehr Arsen enthält als ein vertraglich festgelegter Schwellenwert, weil sie den Staub abscheiden und sicher lagern müssen. Laut International Mining enthalten rund 30 Prozent der weltweiten Kupferkonzentrate mehr als 0,1 Prozent Arsen.
Aus diesem Abfall wird Handelsware. Die USGS notiert den Preis für Arsenmetall mit mindestens 99 Prozent Reinheit ab US-Lager nach Daten von Argus Media, und diese Preisreihe zeigt, wie schnell ein kleiner Markt schwankt. Zum aktuellen Kurs umgerechnet stieg der Kilopreis von 2,16 Euro im Jahr 2021 auf 3,98 Euro im Jahr 2023 und fiel bis 2025 auf 3,59 Euro.
| Jahr | Arsenmetall 99 %, US-Lager (Euro je Kilogramm) | US-Importe gesamt (Tonnen Arsengehalt) |
|---|---|---|
| 2021 | 2,16 | 5.560 |
| 2022 | 3,53 | 10.100 |
| 2023 | 3,98 | 6.430 |
| 2024 | 3,82 | 9.610 |
| 2025 (geschätzt) | 3,59 | 6.300 |
Der eigentliche Wert entsteht in wenigen Fabriken. Hochreines Arsen stammt aus einer Handvoll spezialisierter Raffinerien, anschließend verbinden Hersteller wie Freiberger Compound Materials das Arsen mit Gallium zu einem Kristall, den sie in dünne Scheiben sägen und polieren. Die Preise für 6N- und 7N-Arsen veröffentlichen die Informationsdienste nur für zahlende Abonnenten, frei zugängliche Notierungen fehlen.
Ein Rechenbeispiel macht den Anteil greifbar. Angenommen, ein Galliumarsenid-Wafer mit 150 Millimetern Durchmesser ist 0,65 Millimeter dick: Die Scheibe wöge rund 61 Gramm, gut die Hälfte davon, etwa 32 Gramm, wäre Arsen. Zum Preis von technischem Arsenmetall läge der Rohstoffwert damit bei rund elf Cent je Scheibe, und selbst ein Vielfaches davon für hochreine Ware bliebe gering gegenüber dem Preis des fertigen Wafers.
Die Hütte in Peru oder China verdient an Arsen wenig und muss den Rest als Giftabfall lagern. Reiniger in Japan, China oder Deutschland verkaufen Reinheit, Chiphersteller das Design des Bauteils.
Steigt der Arsenpreis, merkt der Käufer eines Smartphones davon nichts, weil der Rohstoff im Endpreis verschwindet. Spürbar wird ein Engpass erst über Lieferzeiten und Lizenzen, nicht über den Preis. Genau dort setzt Chinas Exportkontrolle an.
Der Dollarkurs verschiebt die Rechnung zusätzlich. Argus und die USGS notieren in US-Dollar je Pfund, deutsche Käufer zahlen in Euro. Zum EZB-Referenzkurs vom 29. September 2026 kostete ein US-Dollar 0,88 Euro. Jede Dollarschwäche verbilligt importiertes Arsen für europäische Abnehmer, an der Versorgungslage ändert der Wechselkurs nichts.
Wer verdient an Arsen und wer zahlt drauf?

Am Arsen verdienen die Reiniger und Chiphersteller, am wenigsten die Förderländer. Gesundheitlich leiden vor allem Anwohner von Hütten wie in La Oroya oder Tsumeb, dazu Menschen, deren Trinkwasser natürlich belastet ist.
Zu den Gewinnern zählen Unternehmen, die aus Arsen einen Hochtechnologie-Werkstoff machen. Der US-Konzern AXT, der seine Wafer über die Tochter Tongmei in China fertigt, setzte 2025 rund 77,8 Millionen Euro um und hält Beteiligungen an mehr als zehn chinesischen Rohstofffirmen, darunter Lieferanten von hochreinem Arsen. Als Wettbewerber nennt AXT unter anderem Sumitomo Electric, Freiberger, Umicore und Vital Materials.
Vital Materials zeigt, wie sich die Gewichte verschoben haben. Die chinesische Gruppe übernahm 2021 den Standort von PPM Pure Metals im niedersächsischen Langelsheim. Der Reinmetall-Hersteller hatte 2020 ein Schutzschirmverfahren beantragt und Arsen bis zur Reinheit 7N angeboten. Betreiber ist heute die Tochter Vital Pure Metal Solutions.
Einen Ressourcenfluch wie beim Öl löst Arsen nicht aus. Venezuela scheiterte am Umgang mit seinen Öleinnahmen, Norwegen legt sie in einem Staatsfonds an. Beim Arsen bleibt dagegen wenig Geld im Förderland, dafür lagert dort der Giftstaub. Die Holländische Krankheit, bei der ein Rohstoffboom die übrige Exportwirtschaft über eine starke Währung verdrängt, greift hier nicht, weil der Arsenumsatz dafür viel zu klein ist.
Wie verschieden Länder mit dem Rückstand umgehen, zeigt der Vergleich zwischen Schweden und Namibia. Der schwedische Bergbaukonzern Boliden lagert Arsen, Quecksilber und Cadmium aus seiner Hütte Rönnskär in einem Endlager 330 Meter unter der Erde, rund 300.000 Kubikmeter groß und für umgerechnet etwa 57 Millionen Euro gebaut. In Tsumeb fanden Umweltgruppen erhöhte Arsenwerte im Urin auch bei Menschen, die 60 Kilometer von der Hütte entfernt wohnen.
| Standort | Umgang mit Arsen | Folge |
|---|---|---|
| Rönnskär (Schweden) | Endlager 330 Meter unter Tage, Inbetriebnahme Ende 2021 | Rückstände dauerhaft eingeschlossen |
| Hamburg (Aurubis) | spezifische Arsenemissionen seit 1990 um 91 Prozent gesenkt | Zielwert an der Messstation Veddel meist eingehalten |
| La Oroya (Peru) | jahrzehntelange Emissionen von Blei, Arsen und Cadmium | Verurteilung Perus durch den Interamerikanischen Gerichtshof 2024 |
| Tsumeb (Namibia) | Verarbeitung arsenreicher Konzentrate, auch aus Bulgarien | erhöhte Arsenwerte bei Anwohnern bis 60 Kilometer entfernt |
Die größte Gruppe der Verlierer hat mit der Industrie nichts zu tun. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass mindestens 140 Millionen Menschen in 70 Ländern Wasser trinken, das den WHO-Leitwert von 10 Mikrogramm je Liter überschreitet. In Bangladesch löst sich das Arsen aus natürlichen Sedimenten und gelangt über Brunnen ins Trinkwasser, Forscher sprachen im Bulletin der WHO im Jahr 2000 von der größten Massenvergiftung der Geschichte.
Human Rights Watch bezifferte 2016 die Zahl der Menschen in Bangladesch, deren Wasser den nationalen Grenzwert von 50 Mikrogramm je Liter überschreitet, auf rund 20 Millionen. Eine von der Organisation zitierte Studie schätzt 43.000 Todesfälle im Jahr. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft anorganisches Arsen als krebserregend für den Menschen ein.
Europa behandelt Arsen als Giftmüll und Galliumarsenid als Chefsache, dabei stammen beide aus demselben Hüttenstaub. Solange außerhalb Asiens kaum ein Hersteller außer Freiberger in Sachsen Galliumarsenid-Wafer züchtet und die Recyclingquote bei null Prozent liegt, entscheidet Peking mit, wann deutsche Radare fertig werden.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Schweden schließt seinen Arsenstaub 330 Meter unter Tage ein, in Namibia finden Umweltgruppen erhöhte Arsenwerte bei Anwohnern bis 60 Kilometer von der Hütte entfernt. Wie teuer der Rückstand für Menschen wird, entscheidet der Umgang der Hütte damit, nicht der Rohstoffpreis.
Wie mächtig ist die Arsen-Lobby?

Eine Arsen-Lobby im Stil der Öl- oder Kohleindustrie existiert nicht. Einfluss nehmen Holzschutzhersteller, Hüttenkonzerne und das US-Verteidigungsministerium, das 2025 durchsetzte, dass Arsen auf der Liste kritischer Mineralien bleibt.
Direkte Subventionen für Arsen zahlt weder Deutschland noch die EU. Unterstützt wird der Stoff nur indirekt, über Programme für Halbleiter und kritische Rohstoffe. Der europäische Critical Raw Materials Act führt Arsen als kritischen Rohstoff, aber nicht als strategischen, und genau diese Unterscheidung zählt: Beschleunigte Genehmigungen und die Einstufung als strategisches Projekt stehen nur Vorhaben für strategische Rohstoffe offen.
Den klarsten Lobbyerfolg verbuchte das US-Verteidigungsministerium. Die USGS hatte im Entwurf vom August 2025 vorgeschlagen, Arsen von der Liste kritischer Mineralien zu nehmen. Das Ministerium verwies auf die Bedeutung für die nationale Sicherheit, und Arsen blieb auf der Liste vom 7. November 2025.
Den Holzschutz regelte Washington per Absprache statt per Gesetz. Die US-Hersteller zogen CCA für Privatanwendungen zum 31. Dezember 2003 zurück, eine freiwillige Vereinbarung mit der Umweltbehörde EPA. Für Strommasten, Pfähle und Fundamente bleibt CCA zugelassen.
In Europa hat die Chemikalienverordnung REACH die Verhandlungsmacht der Industrie begrenzt. Arsentrioxid und Arsenpentoxid stehen in Anhang XIV, dem Verzeichnis zulassungspflichtiger Stoffe, und seit dem Stichtag 21. Mai 2015 dürfen Unternehmen sie nur noch mit einer Einzelzulassung verwenden. Nach Schätzung eines Experten stellten daraufhin rund 80 Prozent der Glashütten in Murano um.
| Regel | Datum | Wirkung |
|---|---|---|
| Verbot von Schweinfurter Grün für Tapeten, Spielzeug und Stoffe (Deutsches Reich) | 1882 | Ende des Massenmarkts für Arsenfarben |
| Freiwilliger CCA-Ausstieg für Privatanwendungen (USA) | 31.12.2003 | CCA nur noch für Masten, Pfähle, Fundamente |
| REACH Anhang XIV für Arsentrioxid und Arsenpentoxid (EU) | 21.05.2015 | Verwendung nur mit Zulassung |
| Critical Raw Materials Act (EU) | 2024 | Arsen kritisch, nicht strategisch |
| Liste kritischer Mineralien (USA) | 07.11.2025 | Arsen bleibt auf Druck des Militärs gelistet |
Die Hüttenindustrie argumentiert mit Emissionsdaten. Aurubis meldet in seiner Umwelterklärung, die spezifischen Arsenemissionen am Standort Hamburg seit 1990 um 91 Prozent gesenkt zu haben. Der Zielwert von 6 Nanogramm je Kubikmeter Luft wurde an der Messstation Veddel 2018 dennoch erstmals seit zwölf Jahren leicht überschritten, 2019 lag der Wert wieder darunter.
Keine Lobby vermarktet Arsen als „grün“ oder „Brückentechnologie“, und niemand wirbt mit dem Stoff. Politischen Einfluss gewinnt Arsen vor allem als Vorprodukt der Rüstungselektronik, und dort reicht ein einziges Argument, die nationale Sicherheit.
Arsen hat keine eigene Lobby, politisches Gewicht bekommt der Stoff über die Rüstungselektronik. REACH und die freiwillige CCA-Vereinbarung in den USA haben den Verbrauch in Glas und Holzschutz zurückgedrängt.
Wie kommen wir von Arsen los?

Im Holzschutz und im Glas ist der Ausstieg weit fortgeschritten, in der Elektronik gelingt er nur in Teilen. Galliumnitrid und Silizium-Germanium ersetzen Galliumarsenid in einigen Funkanwendungen, für Radar und Satelliten bleibt der Stoff auf absehbare Zeit unverzichtbar.
Am schnellsten kommt der Holzschutz voran. Die USGS zählt sieben Gruppen von Ersatzmitteln auf, von Kupferazol bis Kupfernaphthenat, und dazu Materialien wie Beton, Stahl und Verbundwerkstoffe.
Die Glasmacher von Murano haben den Wechsel geschafft. Nach einem Forschungsprojekt, das laut dem Europäischen Gewerkschaftsinstitut ETUI rund 40.000 Euro kostete, fanden die Betriebe im Mai 2012 mit Ceroxid, Hochofenschlacke und Natriumsulfat einen Ersatz für Arsentrioxid als Läutermittel.
Offen bleibt der Fall der Zinkindustrie, die in Europa mit 69 Prozent den größten Teil verbraucht. Für diesen Sektor weist die EU-Studie keine Substitutionsquote aus, belastbare Zahlen zu umgestellten Zinkhütten haben wir nicht gefunden.
| Sektor | Ersatz | Stand |
|---|---|---|
| Holzschutz | Kupferazol, Kupfer-Quat, Beton, Stahl | in den USA für Privatanwendungen seit Ende 2003 umgesetzt |
| Kunstglas | Ceroxid, Hochofenschlacke, Natriumsulfat | in Murano rund 80 Prozent der Betriebe umgestellt |
| Zinkelektrolyse | keine Angaben in der EU-Studie | offen |
| Funkchips | Silizium, Galliumnitrid, Silizium-Germanium | teilweise umgesetzt |
| Radar und Satelliten | kein wirksamer Ersatz | Galliumarsenid bleibt |
In der Elektronik läuft die Verdrängung schrittweise. Galliumnitrid übernimmt Leistungsverstärker in Mobilfunk-Basisstationen, Silizium-Germanium ersetzt Galliumarsenid in manchen Transistoren, und für bestimmte Infrarotlaser bieten sich Bauteile aus Indiumphosphid an. Bei Solarzellen nennt die USGS Silizium als wichtigsten Konkurrenten, für Satelliten baut Azur Space in Heilbronn dagegen weiter Mehrfachzellen aus III-V-Halbleitern.
Die Ersatzstoffe verlagern die Abhängigkeit allerdings nur. Galliumnitrid braucht ebenfalls Gallium, das China fast vollständig kontrolliert, und Indiumphosphid ist nach Angaben des Marktforschers TrendForce selbst zum Engpass für die optische Vernetzung von KI-Rechenzentren geworden. Wer Arsen ersetzt, landet oft beim nächsten kritischen Metall.
Beim Recycling bleibt Arsen fast vollständig ungenutzt. Die Industrie gewinnt heute nur das Arsen aus Produktionsschrott der Galliumarsenid-Fertigung zurück, aus alten Leiterplatten, Relais und Schaltern holt niemand den Stoff heraus. Die EU-Studie beziffert die Recyclingquote für Altprodukte auf null Prozent. Bei einem Kilopreis von wenigen Euro lohnt sich die Rückgewinnung aus Elektroschrott wirtschaftlich nicht.
Realistisch ist ein Ausstieg nur in Holzschutz und Kunstglas. Die Radarsysteme von Kampfflugzeugen und die Solarzellen von Satelliten werden auch in zehn Jahren Galliumarsenid enthalten, weil kein anderes Material die gleiche Kombination aus Frequenz, Strahlungsfestigkeit und Wirkungsgrad bietet.
Holzschutz und Kunstglas kommen ohne Arsen aus, Radar- und Satellitenchips nicht. Ersatzstoffe wie Galliumnitrid und Indiumphosphid verschieben die Abhängigkeit oft zum nächsten kritischen Metall.
Was bedeutet Chinas Exportfrist für Deutschland?

Für Deutschland ändert der 27. November 2026 direkt wenig, mittelbar drohen strengere Endverbleibsprüfungen. Verbraucher spüren davon nichts, deutsche Hersteller von Radar-, Laser- und Raumfahrtchips hängen dagegen an Wafern und hochreinem Arsen aus wenigen Quellen.
Mit Freiberger Compound Materials steht einer der wenigen Hersteller von Galliumarsenid-Wafern außerhalb Asiens in Sachsen. Das Unternehmen gehört der israelischen Familiengruppe Federmann, beschäftigt rund 350 Menschen und beziffert seine Investitionen in den Standort auf mehr als 200 Millionen Euro. Freiberger züchtet Galliumarsenid-Kristalle mit zwei Verfahren und liefert damit eine Alternative zu chinesischen Substraten.
Die Kunden sitzen im Süden. United Monolithic Semiconductors in Ulm, 1996 von den Vorgängern der heutigen Konzerne Airbus und Thales gegründet, fertigt Galliumarsenid- und Galliumnitrid-Chips für Radare zu Land, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum. Azur Space in Heilbronn, seit 2021 Teil des kanadischen Konzerns 5N Plus, baut Mehrfachsolarzellen für Satelliten.
Direkt betroffen von Chinas Frist sind zunächst US-Käufer, denn das ausgesetzte Verbot richtet sich allein gegen die USA. Deutsche Unternehmen trifft die Lizenzpflicht, die seit August 2023 unverändert gilt. Der US-Waferhersteller AXT meldete für Ende 2025 Umsatzeinbußen, weil chinesische Exportgenehmigungen später kamen als erwartet.
Verbraucher in Deutschland begegnen Arsen an einer anderen Stelle, im Reis. Die Stiftung Warentest fand im April 2026 in allen 40 getesteten Produkten Arsen und bewertete nur vier davon mit „gut“. Die gesetzlichen Höchstwerte überschritt kein Produkt, die Tester rieten dennoch zu Reis höchstens ein- bis zweimal pro Woche. Wie das Korn zum Grundnahrungsmittel der halben Menschheit wurde, beschreibt unsere Stoffgeschichte zum Reis.
| Lebensmittel | EU-Höchstgehalt anorganisches Arsen (mg/kg) |
|---|---|
| Geschliffener Reis, nicht parboiled | 0,15 |
| Parboiled Reis und Naturreis | 0,25 |
| Reiswaffeln und Reiskräcker | 0,30 |
| Reis für Säuglings- und Kleinkindnahrung | 0,10 |
| Reisgetränke | 0,03 |
Beim Trinkwasser verschärft der Gesetzgeber den Grenzwert. Die deutsche Trinkwasserverordnung erlaubt bis zum 11. Januar 2028 höchstens 10 Mikrogramm Arsen je Liter, danach gilt für neue Anlagen ein Wert von 4 Mikrogramm und ab dem 12. Januar 2036 für alle Anlagen. In Regionen mit natürlich arsenhaltigem Grundwasser müssen Wasserversorger ihre Aufbereitung nachrüsten.
Für die kommenden Monate zeichnen sich drei Szenarien ab. Im optimistischen Fall verlängerte Peking die Aussetzung und vergäbe Lizenzen planbar. Im realistischen Fall bliebe das Verbot ausgesetzt, Peking säße über die Lizenzvergabe aber weiter am längeren Hebel und könnte Lieferungen an einzelne Kunden verzögern. Im pessimistischen Fall träte Chinas Exportverbot in die USA am 28. November wieder in Kraft, und europäische Abnehmer müssten mit strengeren Endverbleibsprüfungen rechnen, um nicht unter Umgehungsverdacht zu geraten.
Unternehmen sollten ihre Stücklisten jetzt auf Galliumarsenid-Substrate und Epitaxie-Wafer chinesischer Herkunft prüfen und für kritische Bauteile eine zweite Quelle bei Freiberger, Sumitomo Electric oder anderen qualifizieren. Die Qualifizierung eines neuen Wafer-Lieferanten verlangt Testserien, ein Lagerpuffer über den November hinaus bindet dagegen vor allem Kapital. Für Verbraucher rät die Stiftung Warentest, Reis in reichlich Wasser zu kochen und das Kochwasser abzugießen, weil dann ein Teil des Arsens ins Wasser übergeht.
- Einkauf: Stücklisten auf Galliumarsenid-Substrate chinesischer Herkunft prüfen und eine zweite Waferquelle qualifizieren, die Lizenzpflicht gilt unabhängig vom 27. November weiter.
- Industrie: Deutsche Hersteller von Radar-, Laser- und Raumfahrtchips hängen an wenigen Quellen für Wafer und hochreines Arsen.
- Verbraucher: Arsen erreicht Haushalte über Reis und Grundwasser, der Grenzwert für Trinkwasser sinkt 2028 für neue Anlagen und 2036 für alle Versorger auf 4 Mikrogramm je Liter.
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zu Arsen

Arsenkies
Arsenkies (Arsenopyrit) ist das häufigste Arsenmineral, eine Verbindung aus Eisen, Arsen und Schwefel. Bergleute im Erzgebirge nannten das silbrig glänzende Erz Giftkies. Beim Rösten gibt der Arsenkies sein Arsen als weißes Pulver ab.
Arsentrioxid
Arsentrioxid (As₂O₃), auch weißes Arsenik, ist die wichtigste Handelsform des Arsens. Die Verbindung fällt als Flugstaub in Metallhütten an und dient als Ausgangsstoff für Chemikalien, als Hilfsstoff in Glas und Zinkhütten sowie als Medikament gegen eine Form der Leukämie.
Auripigment
Auripigment ist ein goldgelbes Arsensulfid, das schon in der Antike als Farbpigment diente. Der Name bedeutet Goldfarbe. Zusammen mit dem roten Realgar gehört das Mineral zu den ältesten bekannten Arsenquellen.
Blaukreuz
Blaukreuz hieß im Ersten Weltkrieg die deutsche Munition mit arsenhaltigen Reizstoffen wie Clark I. Die Stoffe durchdrangen Gasmaskenfilter und zwangen Soldaten, die Maske abzunehmen. Erstmals eingesetzt wurde Blaukreuz im Juli 1917 in Flandern.
CCA
CCA (chromatiertes Kupferarsenat) ist ein Holzschutzsalz aus Chrom, Kupfer und Arsen. In den USA schützt CCA Strommasten und Pfähle, für private Anwendungen haben die Hersteller das Mittel Ende 2003 zurückgezogen.
Galliumarsenid
Galliumarsenid (GaAs) ist ein Halbleiter aus Gallium und Arsen. Elektronen bewegen sich darin schneller als in Silizium, deshalb nutzt die Industrie das Material für Funkchips, Laser, Radar und Solarzellen von Satelliten. China kontrolliert die Ausfuhr seit August 2023.
Halbmetall
Halbmetall nennen Chemiker Elemente, die Eigenschaften von Metallen und Nichtmetallen verbinden. Arsen leitet Strom schlechter als ein Metall, glänzt aber metallisch. Weitere Halbmetalle sind Silizium, Germanium und Antimon.
MMIC
MMIC (monolithisch integrierter Mikrowellenschaltkreis) ist ein Chip, der Hochfrequenzfunktionen wie Verstärken und Mischen auf einem einzigen Halbleiterstück vereint. Galliumarsenid-MMICs stecken in Radaren, Satelliten und Richtfunkanlagen.
Reinheit 6N
Reinheit 6N steht für sechs Neunen, also 99,9999 Prozent. Auf eine Million Teile kommt höchstens ein Teil Fremdstoff. Diese Stufe braucht die Halbleiterindustrie für Galliumarsenid-Kristalle, für Epitaxie-Anlagen liegt die Anforderung noch höher.
Strafabschlag
Strafabschlag heißt der Preisnachlass, den Kupferhütten einer Mine vom Konzentratpreis abziehen, wenn deren Konzentrat Störstoffe wie Arsen über einem Schwellenwert enthält. Der Abschlag deckt die Kosten für Abscheidung und Lagerung des Staubs.
VCSEL
VCSEL (oberflächenemittierender Laser mit vertikalem Resonator) ist ein kleiner Laser, der sein Licht senkrecht zur Chipoberfläche abgibt. VCSEL auf Galliumarsenid vermessen in Smartphones das Gesicht und in Autos die Umgebung.
Zinkelektrolyse
Zinkelektrolyse ist das Verfahren, mit dem Hütten Zink aus einer Lösung elektrisch abscheiden. Arsenverbindungen helfen bei der Reinigung dieser Lauge. Laut EU-Rohstoffstudie 2023 fließen 69 Prozent des in der EU genutzten Arsens in diesen Prozess.
FAQ: Arsen ist Gift im Reis und Rohstoff für Radarchips

Ist Arsen ein Metall?
Nein, Arsen ist ein Halbmetall mit der Ordnungszahl 33. Das Element glänzt metallisch, leitet Strom aber schlechter als ein Metall. Chemisch steht Arsen zwischen Phosphor und Antimon, weitere Halbmetalle sind Silizium und Germanium.
Wo kommt Arsen in der Natur vor?
Arsen kommt vor allem in Erzen vor, am häufigsten im Arsenkies, daneben im gelben Auripigment und im roten Realgar. Gewonnen wird das Element als Nebenprodukt beim Schmelzen von Kupfer-, Gold-, Blei- und Zinkerzen. Die größten Produzenten sind Peru, China und Marokko.
Wie gefährlich ist Arsen im Reis?
Arsen im Reis ist bei normalem Verzehr kein akutes Risiko, auf Dauer steigert häufiger Verzehr aber das Krebsrisiko. Die Stiftung Warentest fand im April 2026 in allen 40 getesteten Reisprodukten Arsen, kein Produkt überschritt die EU-Höchstgehalte. Die Tester raten zu Reis höchstens ein- bis zweimal pro Woche.
Wofür braucht man Arsen in Chips?
Hochreines Arsen bildet zusammen mit Gallium den Halbleiter Galliumarsenid. In Galliumarsenid bewegen sich Elektronen schneller als in Silizium, deshalb steckt das Material in Funkchips von Smartphones, in Lasern für die Gesichtserkennung, in Radaren und in Solarzellen von Satelliten.
Woher bezieht Europa sein Arsen?
Europa bezieht 59 Prozent seines verarbeiteten Arsens aus Belgien, der Rest verteilt sich auf mehrere Länder, darunter China. Die EU-Kommission beziffert die Importabhängigkeit auf 39 Prozent. Bei hochreinem Arsen und Galliumarsenid-Wafern dominieren Japan und China.
Warum ist Arsen ein kritischer Rohstoff?
Arsen gilt in der EU seit 2023 als kritischer Rohstoff, weil wenige Länder das Angebot kontrollieren und Industrie wie Rüstung auf das Halbmetall angewiesen sind. Auch die USA führen Arsen auf ihrer Liste kritischer Mineralien vom November 2025, weil das Verteidigungsministerium darauf bestand.
Quellen
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