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Dennis Knake 9. September 2010

Nach dem Super-GAU: Datenrettung unter Windows

Davor sind sogar Profis nicht gefeit: Schnell mal in der Eile einen Knopf zu viel gedrückt und schon ist es passiert: Die Speicherkarte mit den gerade geschossenen Fotos ist wieder leer oder der Ordner mit der wichtigen Firmenkorrespondenz im Datennirvana verschwunden. Die ultimative Katastrophe? Nicht unbedingt. Mit kostenlos erhältlichen Tools zur Datenrettung können gelöschte Dateien im Idealfall schnell und unkompliziert wieder hergestellt werden – wenn man zuvor einige einfache Regeln bei der Datensicherung beachtet hat.

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Datenrettung ist eine kostspielige Angelegenheit. Ein ganzer Wirtschaftszweig hat sich auf das Wiederherstellen digital gespeicherter Informationen spezialisiert. Egal, ob die Festplatte einfach nur gelöscht wurde oder gar einem Brand zum Opfer gefallen ist: Für viel Geld stellen Profis aus jedem noch so ramponierten Datenträger wieder lesbare Dateien her. Aber nicht in jedem Fall muss man diesen kostspieligen Weg beschreiten, manchmal helfen auch kostenlose Tools aus dem Internet.

Gelöscht ist nicht gleich gelöscht

Um zu verstehen, wie einmal gelöschte Daten wiederhergestellt werden können, muss man verstehen, wie diese Dateien auf dem Datenträger gesichert sind: Wenn wir uns als Anwender Dateien am Computer anzeigen lassen, so sehen wir eigentlich nur die Auflistung aus dem Inhaltsverzeichnis des Datenträgers.

Hier sind neben dem Dateinamen für den Anwender unsichtbar auch die Informationen hinterlegt, die dem Betriebssystem mitteilen, an welcher physischen Stelle auf dem Datenträger die eigentliche Datei gespeichert ist. Löschen wir als Anwender nun eine Datei, so wird diese nicht wirklich gelöscht, sondern lediglich der entsprechende Platz auf dem Speichermedium zum Überschreiben frei gegeben. Doch solange das noch nicht geschehen ist, kann die alte Datei wiederhergestellt werden.

Qualität der ursprünglichen Sicherung ist entscheidend

An dieser Stelle setzen Datenrettungstools an: Sie suchen nach freigegebenen Indexeinträgen oder, falls diese durch versehentliches Formatieren des Datenträgers auch nicht mehr vorhanden sind, durchforsten sie den gesamten Datenträger Sektor für Sektor nach verwaisten Dateien.

Der Erfolg hängt aber unter anderem davon ab, wie zusammenhängend eine Datei auf den Datenträger gesichert wurde. Ob also der physische Speicherort über die gesamte Dateilänge hinaus nicht unterbrochen, man sagt, fragmentiert ist. Je fragmentierter eine Datei ist, desto schwieriger wird es, die einzelnen Puzzleteile wieder sinnvoll zusammen zu fügen.

Je nach verwendetem Dateisystem hat man bei der Wiederherstellung bessere oder schlechtere Karten. Bei NTFS (New Technology File System) wird der komplette Speicherbereich einer Datei in den Index, den Master File Table (MFT) geschrieben, bei FAT (File Allocation Table) hingegen steht in der Zuordnungstabelle nur, an welcher Stelle die Datei beginnt, bei fragmentierten Daten hat man daher mit FAT schlechtere Karten.


Vereinfachte Darstellung eines Dateisystems auf einem Datenträger – oben zusammenhängende Speicherplatzungbelegung, unten fragmentierte Daten.

Im Inhaltsverzeichnis (der gelbe Bereich in der obigen Abbildung) stehen die Speicherinformationen der Datei. Beim oberen Beispiel weiß das Betriebssystem also, dass datei1.jpg die Sektoren 4-13 durchgehend belegt. Löscht man nun diese Datei, wird lediglich der entsprechende Bereich zum Überschreiben freigegeben, die Datei ist aber weiterhin vorhanden. Erst, wenn der Bereich durch neue Daten überschrieben wird, ist es für eine Rettung zu spät.

Im zweiten Beispiel wird es schon schwieriger. Eine Datei kann auch fragmentiert, das heißt über mehrere Sektoren hinweg verteilt, gespeichert worden sein. Je mehr Schreib- und Löschvorgänge auf einem Datenträger vorgenommen werden, desto höher ist die Rate der Fragmentierung, da neue Daten in gerade freien Sektoren abgelegt werden. Das FAT-Dateisystem merkt sich aber lediglich den Beginn einer Datei. Nur bei NTFS weiss das Betriebssystem, über welche Sektoren verteilt die Datei gesichert wurde.

PC Inspector File Recovery

Wenn also keine mechanischen Schäden am Datenträger vorliegen, kann das kostenlos erhältliche PC Inspector File Recovery von Convar helfen. Mit einer einfachen Benutzerführung lassen sich – auch wenn der Datenträger formatiert wurde – 25 häufig verwendete Dateitypen aus dem Bereich Text, Audio, Video oder Grafik wiederherstellen. Darunter gängige Dateiformate wie .doc, .xls, .pdf, .bmp, .jpg, .tif, .avi, .mp3 oder .mov.

Die Version 4.0 unterstützt die Dateisysteme FAT und NTFS. Sollte der Bootsektor (Master Boot Record) des Datenträgers zerstört worden sein, kann das Programm die Laufwerke auch dann durchsuchen, obwohl das Betriebssystem den Datenträger gar nicht mehr erkennt.

Nach dem Start von PC Inspector Recovery haben Sie drei Möglichkeiten der Datenrettung:

  1. Haben Sie versehentlich eine Datei gelöscht und diese auch aus dem Papierkorb entfernt, so wählen Sie „Gelöschte Dateien wiederherstellen“. Da der Indexeintrag in der Zuordnungstabelle des Datenträgers noch existieren sollte, kann die Datei meist unkompliziert wieder hervorgezaubert werden.
  2. Wenn Sie zu voreilig eine Formatierung des Datenträgers vorgenommen haben, dann ist auch die Zuordnungstabelle gelöscht und es bleibt Ihnen keine andere Wahl, den Datenträger Sektor für Sektor nach den verlorenen Dateien zu durchsuchen. Wählen Sie also „Finde verlorene Dateien“. In einem nächsten Fenster müssen Sie dann die Spannbeitre der zu durchsuchenden Sektoren bestimmen. Da dieser Scanvorgang mitunter viele Stunden in Anspruch nehmen kann, können Sie die Zeit verkürzen, wenn Sie wissen, in welchem Bereich auf der Festplatte die Dateien liegen.
  3. Ist auch noch der Master Boot Sektor der Festplatte beschädigt, also der Bereich der dem Betriebssystem die Partitionierung der Festplatte mitteilt, wählen Sie im Startbildschirm Finde verlorenes Laufwerk aus, da das Speichermedium vom Betriebssystem selbst nicht mehr aufrufbar ist.

Erkennt der PC Inspector Dateien zur Wiederherstellung, können diese sofort auf einem anderen Datenträger gesichert werden. Im besten Falle ist die Datei gleich wieder nutzbar, unter Umständen fehlt der erste Buchstabe des Dateinamens, den man aber selbst wieder hinzufügen kann. Im ungünstigen Fall erkennt das Programm zwar Daten, kann diese aber nicht mehr sinnvoll zusammensetzen oder erkennt den Dateityp nicht mehr wieder.

Weitere kostenlose Datenrettungstools

Für die Datenrettung aus versehentlich gelöschten Speicherkarten bietet Convar zusätzlich noch das kostenlose Tool PC Smart Recovery an. Unterstützt wird hier die vollautomatische Wiederherstellung von gängigen Bild- und Videodateien.

Weitere kostenlose Programme sind unter anderem PhotoRec von Christophe Grenier. Obwohl es der Name nicht vermuten lässt, erkennt das Programm mehr als nur Bilddateien. Insgesamt rund 130 verschiedene Dateitypen. Lediglich die Kommadozeilen-Steuerung ist etwas unbequem.

Recuva von Piriform hingegen bietet wieder eine komfortable Benutzeroberfläche und erkennt ebenfalls recht zuverlässig gängige Text, Bild, Audio- und Videoformate.

Tipps für den Ernstfall

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, stellen Sie sofort sicher, dass auf dem betreffenden Datenträger keinerlei weitere Schreibvorgänge mehr ausgeführt werden.

  • Handelt es sich um die Systemfestplatte so ziehen Sie notfalls den Netzstecker um zu verhindern, dass das Betriebssystem gelöschte Daten durch Standard-Schreibvorgänge überschreibt. Rettungsversuche dann unbedingt mit einem alternativen Betriebssystem von einem anderen Datenträger aus durchführen.
  • Schreiben Sie auch selbst keine weiteren Dateien mehr auf dem betroffenen Datenträger. Dazu gehört auch, kein Datenrettungsprogramm auf dem Laufwerk zu installieren, auf dem Sie gerade Daten verloren haben.

Tipps zur Datensicherung

Um böse Überraschungen bei der Datenwiederherstellung zu vermeiden, sollten Sie schon bei der Sicherung ihrer Daten folgende Grundregeln beachten:

  • Ein NTFS-Dateisystem ist für die Wiederherstellung von Daten besser geeignet als FAT. Richten Sie unter Windows nach Möglichkeit also das NTFS-Format auf Ihrem Datenträger ein.
  • Speichern Sie sensible Daten niemals auf dem Systemlaufwerk. Da das Betriebssystem ständig Schreib- und Lesevorgänge ausführt, ist die Chance groß, dass einmal gelöschte Dateien schnell für immer zerstört werden. Sensible Daten gehören auf einen exlusiven Datenträger.
  • Defragmentieren Sie den Datenträger regelmäßig, vor allem wenn Sie das FAT-Dateisystem verwenden. So stellen Sie sicher, dass die Dateien „am Stück“ gespeichert werden und diese im Falle eines Datenverlustes leichter wieder auffindbar sind.
  • Wichtige Daten gehören immer doppelt gesichert. Sichere und günstige Methode: Eine zusätzliche externe Festplatte, die sie bei Nichtgebrauch in einem sicheren Metallbehältnis geschützt vor Stößen, Staub und Magnetfeldern aufbewahren.

(mm), ™

Dennis Knake

Dennis Knake schreibt seit Beginn seiner journalistischen Laufbahn 1996 für verschiedene Online- und Printmedien und ist sozusagen seit den frühen Tagen des World Wide Web mit dabei. Sein privates Blog betreibt er seit 2005 und ist auch sonst im Internet "gut unterwegs". Heute ist er neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als PR-Manager bei der QSC AG auch als freier Autor für den DATA BECKER Verlag tätig.

8 Kommentare

  1. Hallo,

    ich habe bisher zweimal Probleme gehabt.

    Das erste mal habe ich ausversehen die falsche Festplatte formatiert. Testdisk hat das Problem gelöst ohne Datenverlust. Die Festplatte läuft noch heute, nach mehreren Jahren.

    Das zweite Mal war die Platine mit der Elektronik der Festplatte kaputt. Ich habe durch Zufall eine Festplatte aus der selben Serien noch bekommen. Platine getauscht Daten Daten gerettet.
    In so einen Fall hilft auch kein Datenrettungsprogramm.

    nohope

  2. Danke für die Programm Info. Hatte zwar schon eine ähnliche Software die leider nichts gebracht hat, nun hat es geklappt.

  3. @Flo: Richtig, das Akronym „GAU“ bezeichnet den größten anzunehmenden Unfall. In der Sicherheitstechnik also der Unfall, den ein System maximal verkraften muss. Tritt dann ein Unfall ein, der diese größte berücksichtigte Situation überschreitet, ist ein Super-GAU eingetreten.
    Als Super-GAU wird daher ein Unfall bezeichnet, bei dem stärkere Belastungen auftreten, als bei dem schlimmsten Störfall, für den ein System ausgelegt ist.

    Der Begriff „super“ ist übrigens aus dem lateinischischen und bedeutet soviel wie „mehr“ oder „über“.

  4. „Dennis Knake schreibt seit Beginn seiner journalistischen Laufbahn 1996 […]“ und schreibt dann Super-GAU. Seit wann gibt es denn einen Superlativ vom größt anzunehmenden Unfall? Groß, größer, am größten…super am größten.

    Verleumde nicht Deine journalistischen Wurzeln und sieh es nicht als Kritik an Deinem Artikel. :-)

  5. Ein wirklich guter Artikel zu diesem Thema!

    Ich durfte mich vor fünf Jahren, als mir meine Systemfestplatte nach einem Blitzeinschlag im Haus abgeraucht ist, auch mal näher mit dem Thema der Datenrettung auseinandersetzen. Seit diesem Malheur steht bei mir ein Network Attached Storage (NAS) in der Abstellkammer, welches zwei große Festplatten auf Raid 1 beherbergt. Seit der Anschaffung durfte ich mich erst einmal über die Meldung „Degraded“ erfreuen und tauschte im laufenden Betrieb einfach die defekte Festplatte gegen eine neue aus. Zwar dauerte die Spiegelung der zweiten- noch intakten Festplatte auf die neue Festplatte im NAS eine Weile, aber das nimmt man gerne in Kauf.

    Ich möchte allerdings noch erwähnen das ein Raid keine direkte Backup-Lösung im engeren Sinne darstellt, da das Raid nicht die inkrementelle Datensicherung ersetzt bzw. ersetzen sollte. Ich sichere zusätzlich bestimmte Daten vom Netbook, Laptop und PC (KeePass-DB/E-Mails/Spielstände/Entwicklungsumgebungen etc.) in festgelegten Zyklen neben dem NAS auch auf eine externe Festplatte, und hoffe somit das Thema Datenrettung nie wieder aufgreifen zu müssen.

    cheers

    • Ja, da kann man gar nicht genug darauf hinweisen, dass RAID rein gar nichts mit einem Backup zu tun hat, sondern lediglich für eine höhere Verfügbarkeit der Daten sorgt (natürlich steigt dadurch auch ein wenig die Datensicherheit) in dem man nicht erst das Backup bemühen muss wenn ein kleiner Fehler auftritt. Schlägt der Blitz nicht nur in den Rechner ein, sondern auch in’s NAS sind die Daten trotzdem futsch. Da hilft dann wirklich nur das Backup das für weniger wichtige Daten im Schrank liegt (eine ständig angesteckte Backup-Platte ist natürlich auch kein richtiges Backup). Wenn es wichtiger ist kann es auch in’s Schließfach wandern oder günstiger: bei Verwandten oder Freunden deponieren.

  6. Danke für die Erklärungen am Anfang des Artikels, gut zusammengefasst.
    Als ich den Titel las, hab ich aber eher gedacht es geht um die interne Datenwiederherstellung von Windows (Vista/7).
    Die ist doch recht gut. Wobei mir immernoch nicht klar ist wie sie funktioniert.
    Zum einen gibt es eine stetige Sicherung von Daten (sofern aktiviert), welche man über Rechtsklick auf Ordner oder Datei wiederherstellen kann und das Windows Backup auf einen externen Datenträger.
    Wie die beiden miteinander kooperieren und ob überhaupt, weiss ich nicht.
    Ich weiss nur das dass Windows Backup etwas buggy ist und in der deutschen Version einige Stolpersteine bereitlegte.
    Fehlermeldung beim Einrichten, welche temporär mit Umschaltung der Sprachzonen(?) behoben werden konnte (Fehler beim interpretieren von Komma als Dezimaltrennzeichen)
    Und das automatische Löschen von alten Versionen um Speicherplatz freizugeben funktioniert auch nicht richtig.
    Wenn MS das noch hinbekommen würde, hätte man glaub ich ein ähnlich gutes Tool wie Timemaschine auf dem Mac.

    Aber darum gings hier nicht wirklich. Vielleicht wäre die Windowsinterne Backupstrategie aber mal einen Artikel wert?
    Grüße m.

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