Lisa Su und Jensen Huang sitzen künftig im Beirat der Wirtschaftsfakultät der Pekinger Tsinghua-Universität. Die School of Economics and Management (SEM) gab am 29. September die Berufung der AMD-Chefin, des Nvidia-Gründers und des Genfer Bankiers Marc Pictet bekannt.[1] Zur Jahrestagung am 13. und 14. Oktober in Peking empfängt die chinesische Staatsführung traditionell die angereisten Mitglieder.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIn der Vorwoche saßen Su und Huang beim Staatsbankett für Xi Jinping im Weißen Haus am Tisch von Donald Trump. Für die beiden wichtigsten Anbieter von KI-Beschleunigern bedeutet der Beiratssitz deshalb mehr als ein Ehrenamt: Ihr China-Geschäft hängt an Lizenzen aus Washington und an Kauferlaubnissen aus Peking.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Tsinghua SEM beruft Lisa Su (AMD), Jensen Huang (Nvidia) und Marc Pictet (Pictet-Gruppe) neu in ihren Beirat.
- Als Nachfolger kommt unter anderem BMW-Chef Milan Nedeljković hinzu.
- Den Vorsitz führt seit 2019 Apples Verwaltungsratschef Tim Cook, Ehrenvorsitzender ist Chinas früherer Vizepräsident Wang Qishan.
- Vorher reist Su laut Yonhap nach Seoul.
Was ist der Tsinghua-Beirat?

Den Beirat gründete die Fakultät im Oktober 2000 auf Betreiben des damaligen Premierministers Zhu Rongji, der zugleich ihr erster Dekan war. Vorsitzender ist seit 2019 Tim Cook, der Anfang September die Apple-Führung an John Ternus abgab und seither Executive Chairman ist. Nach Angaben der Hochschule zählt der Beirat 69 Mitglieder, überwiegend Konzernchefs.[2]
Vom gewöhnlichen Hochschulgremium unterscheidet sich der Beirat durch den Zugang zur Staatsführung. Laut Tsinghua treffen chinesische Spitzenpolitiker die Mitglieder bei jeder Jahrestagung. Xi Jinping empfing sie 2013 und 2017 persönlich und sprach 2020 per Video. Zusätzlich übernehmen fünf Manager die Sitze ihrer Unternehmen, darunter Milan Nedeljković (BMW) und Meg O’Neill (BP).
Warum suchen die Chip-Chefs die Nähe zu Peking?
Nvidia und AMD stecken in einer doppelten Abhängigkeit. Für ihre China-Varianten wie AMDs MI308 brauchen beide eine Exportlizenz der US-Regierung. Ob chinesische Konzerne die Chips kaufen dürfen, entscheidet wiederum Peking: Ende September stellte das Industrieministerium Alibaba und ByteDance eine Kauferlaubnis für Nvidias RTX Pro 5500 in Aussicht.
Beim Staatsbesuch Xi Jinpings vom 23. bis 25. September standen Exportkontrollen nach Angaben des US-Handelsbeauftragten nicht auf der Tagesordnung. Umso mehr zählen persönliche Kanäle. Huang hält die US-Exportpolitik öffentlich für kontraproduktiv und schilderte bereits, wie Nvidia den chinesischen Markt verlor.
Lisa Su pflegt ihre Kontakte in Asien parallel auf mehreren Ebenen. Laut Yonhap trifft die AMD-Chefin um den 8. Oktober in Seoul den Wissenschaftsminister Bae Kyung-hoon sowie die Chipentwickler FuriosaAI, Rebellions und Mobilint. Seit einer Absichtserklärung vom März gilt Samsung als bevorzugter Lieferant von HBM4-Speicher für AMDs Beschleuniger MI455X. Bestätigt hat AMD die Reise nicht.
Jensen Huang (Nvidia), Lisa Su (AMD) und Marc Pictet (Pictet-Gruppe, Genf)
Fünf Firmensitze neu besetzt: BMW, Walmart, Coca-Cola, General Atlantic und BP
Tim Cook (Apple) führt den Vorsitz seit 2019, Ehrenvorsitz Wang Qishan
69 Mitglieder, überwiegend Konzernchefs, dazu zwei Wirtschaftsnobelpreisträger
- Oktober 2000Gründung auf Betreiben von Premier Zhu Rongji
- 23. bis 25.09.Staatsbesuch Xi Jinpings in Washington, Su und Huang am Tisch von Trump
- 29.09.2026Tsinghua SEM gibt die Berufungen bekannt
- Um den 08.10.Su in Seoul, laut Yonhap, von AMD nicht bestätigt
- 13. und 14.10.27. Jahrestagung des Beirats in Peking
Ein Beiratssitz in Peking ersetzt keine Exportlizenz aus Washington. Su und Huang verschafft er aber einen Termin bei denen, die über die Kauferlaubnis entscheiden.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen im DACH-Raum?
Mit BMW-Chef Milan Nedeljković und Marc Pictet gehören zwei Manager aus dem deutschsprachigen Raum neu zum Gremium. Nedeljković führt BMW seit dem 14. Mai 2026. In China, dem wichtigsten Einzelmarkt des Konzerns, brachen die Auslieferungen im zweiten Quartal um mehr als 30 % ein.
Einkäufer von KI-Hardware können an der Berufung ablesen, wie politisch die Lieferkette geworden ist. Wohin welche Chips gehen, verhandeln Konzernchefs zunehmend direkt mit Regierungen in Washington, Peking und Seoul. Zwei Punkte gehören deshalb in die Beschaffungsplanung:
- Prüfen Sie, ob Ihre GPU-Kapazitäten bei Cloud-Anbietern an Lieferzusagen hängen, die sich mit einer Exportentscheidung verschieben können.
- Halten Sie bei Rechenzentrumsprojekten eine zweite Bezugsquelle offen, etwa AMD neben Nvidia.
Hintergründe liefern unsere Geschäftsmodell-Analysen zu AMD und Nvidia sowie das Themenarchiv Tech-Titanen.
FAQ: Lisa Su, Jensen Huang und der Tsinghua-Beirat
Welche Manager sitzen im Beirat der Tsinghua SEM?
Den Vorsitz hat seit 2019 Apples Executive Chairman Tim Cook, Ehrenvorsitzender ist Chinas früherer Vizepräsident Wang Qishan. Am 29. September 2026 kamen Nvidia-Chef Jensen Huang, AMD-Chefin Lisa Su und Marc Pictet neu hinzu. Nachfolger sind unter anderem BMW-Chef Milan Nedeljković und BP-Chefin Meg O’Neill.
Welche Aufgabe hat der Tsinghua-Beirat?
Der Beirat berät die Wirtschaftsfakultät der Tsinghua-Universität in Strategie, Lehre und Forschung. Er tagt einmal im Jahr, 2026 am 13. und 14. Oktober in Peking. Laut Hochschule treffen die Mitglieder bei jeder Tagung chinesische Spitzenpolitiker, Xi Jinping empfing sie 2013 und 2017 persönlich.
Dürfen Nvidia und AMD KI-Chips nach China liefern?
Nur eingeschränkt. Für China-Varianten wie AMDs MI308 brauchen beide Konzerne eine Exportlizenz der US-Regierung. Zusätzlich entscheidet Peking, ob chinesische Firmen die Chips kaufen dürfen. Ende September stellte Peking Alibaba und ByteDance eine Kauferlaubnis für Nvidias RTX Pro 5500 in Aussicht.
Welche Unternehmen aus dem DACH-Raum sind im Beirat vertreten?
Neu dabei sind BMW-Chef Milan Nedeljković, der BMW seit dem 14. Mai 2026 führt, und Marc Pictet von der Genfer Privatbank Pictet. Beide kamen mit der Mitteilung vom 29. September 2026 in das Gremium.
Quellen
[1] Tsinghua University School of Economics and Management, Mitteilung vom 29.09.2026, wiedergegeben von Sina Finance: „清华大学宣布:黄仁勋、苏姿丰共同加入“ (29.09.2026)
[2] Tsinghua University School of Economics and Management: „顾问委员会介绍“ (Vorstellung des Beirats)
Mehr Newshunger?
- Jensen Huang zur KI-Destillation: „Das nennt man Wettbewerb“
- AMD kauft World Labs: 7,1 Milliarden Euro für Fei-Fei Lis Weltmodelle
- Zuckerberg unterschreibt Trumps KI-Abkommen, nicht aber den EU-Kodex
- 83,7 Milliarden Euro in einem Quartal: Nvidia plant weiter ohne China
- Biren: Chinas KI-GPU-Bauer verzwanzigfacht den Umsatz, weil Nvidia fehlt
- Wer sind die 15 reichsten Tech-Milliardäre?
