Ein Crawl über 657.607 Kurzlinks aus den Jahren 2009 bis 2014 fand im August 2026 nur noch 23,3 Prozent davon erreichbar. Die Hälfte scheiterte schon an der Domain, nicht an der einzelnen Seite. Für Redaktionen und Website-Betreiber verschiebt das die Aufgabe: Belege sichern schlägt Weiterleitungen pflegen.

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Der Linkverfall lässt sich selten so genau vermessen wie an diesem Datensatz. Ein wiederhergestelltes Backup des mazedonischen Kurzlink-Dienstes 0.mk enthielt 657.958 Adressen aus den Jahren 2009 bis 2014, davon blieben 655.178 prüfbar.[1] Im August 2026 lieferten 76,7 Prozent davon keine ladende Seite mehr.

Das Wichtigste in Kürze

  • 76,7 Prozent von 655.178 geprüften Altlinks laden nicht mehr, nur 23,32 Prozent antworten überhaupt mit 2xx oder 3xx.
  • 51,24 Prozent scheitern an DNS, Timeout oder TLS. Die Domain existiert nicht mehr, und dagegen hilft keine Weiterleitung auf dem eigenen Server.
  • Von 133.605 geprüften Hostnamen liefern 98.778 keine einzige ladende Adresse.
  • Das Pew Research Center maß 2024 dieselbe Bewegung: 38 Prozent der 2013 vorhandenen Webseiten waren im Oktober 2023 verschwunden.

Warum hilft ein sauberes Weiterleitungs-Konzept gegen Linkverfall kaum?

Eine Holzkartei mit Namenskarten und kleiner Figur davor auf weißem Hintergrund
Mehrheit defekter Links scheitert auf DNS-, Timeout- oder TLS-Ebene statt durch HTTP-Fehler. Erloschene Domains lassen sich nicht umleiten

Die Mehrheit der toten Links stirbt eine Etage tiefer als im Content-Management-System. 51,24 Prozent der geprüften Ziele scheiterten an DNS-Auflösung, Timeout oder TLS, nur 25,44 Prozent gaben einen HTTP-Fehler zurück.[1] Ein 404 lässt sich umleiten, eine erloschene Domain nicht. Auf Hostname-Ebene fällt der Befund noch härter aus: Von 133.605 Hostnamen lieferten 98.778 keine einzige ladende Adresse.

Den Schaden tragen deshalb zuerst die ausgehenden Links im eigenen Archiv. Tote Ziele in Evergreen-Artikeln kosten Lesevertrauen und machen jede Quellenangabe unprüfbar, ein Punkt, den die SEO-Grundlagen seit Jahren als laufende Pflege führen.

Was beweist eine ladende Seite über ihren Inhalt?

Eine ladende Seite belegt zunächst nur, dass jemand die Domain hält. Parkseiten voller Werbung, Login-Wände und Hinweise auf entfernte Inhalte zählen im Crawl als Treffer.[1] PureVolume beantwortet 633 von 653 geprüften Adressen, der ursprüngliche Musikdienst existiert trotzdem nicht mehr. Google Code lädt oder leitet bei 628 von 754 Adressen weiter, meist ins eigene Archiv.

Das zentralisierte Web hält besser durch als das kleine Web. Unter den Überlebenden dominieren YouTube, Wikipedia und Google-Dienste, während persönliche Blogs, Foren, Fotohoster und Lokalzeitungen im Ausfall-Set stehen.[1] Genau diese kleinen Quellen tragen in Fachtexten oft die Beweislast.

Eine Weiterleitung rettet die eigene URL, nicht die fremde Quelle dahinter. Redaktionen, die 2019 auf ein Fachpapier verlinkt haben, brauchen 2026 eine eigene Kopie des Belegs statt Vertrauen in einen fremden Server.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Linkverfall in Zahlen: Was von 655.178 Altlinks übrig blieb

Ein Crawl im August 2026 prüfte Links, die zwischen 2009 und 2014 entstanden sind.

76,7 %
der geprüften Altlinks lieferten keine ladende Seite mehr
98.778
von 133.605 Hostnamen antworten auf keiner einzigen Adresse
21,3 %
der 492.620 geprüften Einzeladressen laden noch

Woran die Links scheitern

Netzwerkschicht: DNS, Timeout, TLS
51,24 %
HTTP-Fehler: 4xx und 5xx
25,44 %
Geladen: 2xx und 3xx
23,32 %

Zwei ältere Messungen zum Vergleich

38 %
der 2013 vorhandenen Webseiten waren im Oktober 2023 verschwunden. Pew Research Center, Mai 2024
66,5 %
der Links auf über zwei Millionen Domains sind seit 2013 tot. Ahrefs, Februar 2024

Was bedeutet der Linkverfall für Betreiber im deutschsprachigen Raum?

Die gesetzliche Archivpflicht deckt die eigene Veröffentlichung ab, nicht die fremden Belege im eigenen Text. § 14 Abs. 3 des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek verlangt von Ablieferungspflichtigen ein Exemplar jeder Netzpublikation, Absatz 4 setzt dafür eine Woche ab Veröffentlichung an.[4] Die zitierten Fremdquellen bleiben davon unberührt.

Das Muster ist gut belegt. Das Pew Research Center fand 2024 in 54 Prozent der untersuchten Wikipedia-Artikel mindestens einen toten Beleg im Quellenverzeichnis,[2] Ahrefs zählte über zwei Millionen Domains hinweg 66,5 Prozent tote Links seit 2013.[3] Ein Beleg, der ins Leere führt, taugt weder für den Leser noch für die Zitierbarkeit in KI-Antworten, die der Ratgeber zur Generative Engine Optimization und der AEO-Leitfaden ausführlich behandeln.

  • Ausgehende Links in Evergreen-Artikeln quartalsweise prüfen und tote Ziele durch eine Archivfassung ersetzen.
  • Jede zitierte Primärquelle direkt beim Setzen des Links im Internet Archive sichern, statt später danach zu suchen.
  • Eigene Domains und Subdomains nach einem Relaunch weiterlaufen lassen, weil ein aufgegebener Hostname jede Weiterleitung aushebelt.

Die passende Routine lässt sich mit vorhandenen Werkzeugen planen. Der SEO-Tools-Vergleich ordnet die gängigen Programme ein, ein Termin im Redaktionskalender erledigt den Rest.

Quellen

[1] 0.mk: „Where did the old web go? We followed 657,607 links to find out.“

[2] Pew Research Center: „When Online Content Disappears“

[3] Ahrefs: „At Least 66.5% of Links to Sites in the Last 9 Years Are Dead“

[4] Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek: § 14 DNBG, Ablieferungspflicht

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