Kork aus Portugals Eichenwäldern bringt den Waldbesitzern heute 28 Prozent weniger ein als vor zwei Jahren, rechnet ihr Verband UNAC vor. Mitte September notierte das portugiesische Agrarministerium 26 Euro für 15 Kilo Rinde. Die Korkenhersteller verkaufen ihre Stopfen im Schnitt dagegen noch immer teurer als 2021.

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Für Winzer, Weinhändler und Käufer von Korkböden, Dämmplatten oder Sandalen lohnt sich ein Blick auf die Lieferkette hinter dem Korken. Weltweit trinken die Menschen weniger Wein: Die Internationale Organisation für Rebe und Wein bezifferte den Konsum 2025 auf 208 Millionen Hektoliter, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Dieser Beitrag folgt dem Kork vom Schälen im Alentejo über die Korkschneider von Delmenhorst bis zur Frage, was der Preisverfall für Käufer in Deutschland bedeutet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Anlass: Der Preis für Rohkork ist in Portugal in zwei Jahren um 28 Prozent gefallen, im September 2026 lag die Notierung ein Fünftel unter dem Mittel der Jahre 2023 bis 2025.
  • Portugal dominiert: Das Land hat 34 Prozent der Korkeichenwälder, erntet fast die Hälfte des Korks und stellt rund 60 Prozent der weltweiten Korkexporte.
  • Der Korken finanziert den Wald: Stopfen machen mehr als 70 Prozent des Exportwerts aus, deshalb schlägt jeder Rückgang beim Weinkonsum direkt auf die Waldbesitzer durch.
  • Im Korken steckt wenig Rohstoff: Rechnerisch enthält ein Naturkorken Rinde für rund 2,6 Cent, am Ladenpreis einer Weinflasche macht das weniger als ein Prozent aus.

Bluff oder Wissen? Der Kork-Check

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1 Wie viele Jahre muss die Rinde einer portugiesischen Korkeiche mindestens nachwachsen, bevor sie wieder geschält werden darf? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Das portugiesische Schutzgesetz für Korkeichen von 2001 verbietet, Kork mit weniger als neun Jahren Wachstum zu ernten. Mehr dazu im ersten Kapitel.
2 Welcher Forscher verwendete 1665 beim Blick auf ein Stück Kork erstmals das Wort „cell“, also Zelle, für biologische Strukturen? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Robert Hooke beschrieb die Korkzellen in seinem Buch Micrographia. Das Geschichtskapitel erzählt, wie aus der Rinde ein Industrieprodukt wurde.
3 Wie viele Korken lassen sich im Schnitt aus einer Tonne Kork herstellen? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Der Marktführer Amorim rechnet mit durchschnittlich 66.700 Korken je Tonne. Was der Rohstoff in einem Korken kostet, zeigt das Preiskapitel.
4 Wie viel Kork verarbeitet Birkenstock jedes Jahr für seine Fußbetten? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Birkenstock nennt rund 2.000 Tonnen Kork im Jahr, zum großen Teil Stanzreste aus der Korkenproduktion. Mehr im Produktkapitel.
5 Welchen Anteil am Wert der portugiesischen Korkexporte haben Flaschenkorken? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Laut dem Branchenverband APCOR entfallen mehr als 70 Prozent des Exportwerts auf Stopfen. Das Kapitel zur Weltwirtschaft erklärt, warum der Wald am Wein hängt.

Was ist Kork und wie wächst die Rinde nach?

Kork ist die äußere Rinde der Korkeiche (Quercus suber), eines immergrünen Baums aus dem westlichen Mittelmeerraum. Eine Schicht teilungsfähiger Zellen unter der Rinde, das Phellogen, bildet jedes Jahr einen neuen Korkring und bleibt bei dieser Eiche ein Leben lang aktiv, deshalb wächst die Rinde nach dem Schälen nach.

Bei fast allen anderen Bäumen stellt diese Zellschicht ihre Arbeit nach kurzer Zeit ein. Die Korkeiche dagegen baut Jahr für Jahr ein Polster aus abgestorbenen, luftgefüllten Zellen auf, das den Stamm gegen Hitze und Waldbrände isoliert. Laut dem portugiesischen Branchenverband APCOR besteht die Zellwand zu 45 Prozent aus Suberin, einer wachsartigen Substanz, dazu kommen 27 Prozent Lignin und kleinere Anteile Polysaccharide, Wachse und Gerbstoffe.

Aus dieser Zusammensetzung ergeben sich die Eigenschaften, für die Winzer und Ingenieure den Stoff schätzen. Ein Kubikzentimeter enthält rund 40 Millionen Zellen, mehr als die Hälfte des Volumens ist Luft, die Dichte liegt bei etwa 200 Kilo je Kubikmeter. Kork schwimmt deshalb, federt nach dem Zusammendrücken zurück und lässt keine Flüssigkeit durch. Anders als Holz wächst der Rohstoff außen am Baum nach, und niemand muss eine Eiche fällen, um ihn zu ernten.

Bis zur ersten Ernte vergehen allerdings Jahrzehnte. Das portugiesische Schutzgesetz für Kork- und Steineichen von 2001 erlaubt die erste Schälung erst, sobald der Stamm in 1,30 Meter Höhe einen Umfang von 70 Zentimetern erreicht, nach APCOR im Alter von etwa 25 Jahren. Dieser Jungfernkork ist rissig und unregelmäßig, für Flaschenkorken taugt er nicht. Auch die zweite Ernte, die Secundeira, geht in Granulat und Pressprodukte.

ErnteAlter des BaumsVerwendung
Erste Schälung (Jungfernkork)ab etwa 25 Jahren, Stammumfang mindestens 70 cmGranulat, Dämmstoffe, Bodenbeläge
Zweite Schälung (Secundeira)frühestens neun Jahre späterGranulat, technische Korken
Ab der dritten Schälung (Amadia)ab etwa 43 JahrenNaturkorken, Scheiben für Sektkorken
Weitere Erntenalle neun Jahre, rund 15 Ernten je BaumlebenNaturkorken, Reste als Granulat
Vom Jungfernkork zum Flaschenkorken: So reift die Rinde. Quellen: Decreto-Lei 169/2001, APCOR

Zwischen zwei Ernten müssen mindestens neun Jahre liegen, so schreibt das Gesetz vor. Erst ab der dritten Schälung, dem sogenannten Amadia-Kork, liefert der Baum das gleichmäßige Material für Naturkorken, rein rechnerisch also mit gut 40 Jahren. Eine Korkeiche wird im Schnitt 200 Jahre alt und lässt sich in dieser Zeit rund 15-mal schälen. Die berühmteste steht in Águas de Moura südlich von Lissabon: Der 1783 gepflanzte Sobreiro Assobiador lieferte 1991 bei einer einzigen Ernte 1.200 Kilo Kork, Amorim beziffert den Ertrag auf mehr als 100.000 Korken. Der Baum wurde 2018 zum Europäischen Baum des Jahres gewählt.

Geschält wird zwischen Mitte Mai und Mitte August, solange der Baum im Saft steht und sich die Rinde sauber vom Stamm löst. Die Arbeit erfordert viel Geschick, weil jede Verletzung der Wachstumsschicht den Baum schädigt, APCOR bezeichnet sie als bestbezahlte Landarbeit der Welt. Die hohen Kosten dieser Handarbeit gehören zu den Gründen, warum Waldbesitzer bei schlechten Preisen auf die Ernte verzichten, wie die Marktbeobachter des portugiesischen Agrarministeriums 2025 festhielten.

Korkeichen wachsen auf rund 2,1 Millionen Hektar, fast ausschließlich im westlichen Mittelmeerraum. Portugal hat mit 720.000 Hektar gut ein Drittel der Fläche, dahinter folgen Spanien, Marokko und Algerien. Eine Lagerstätte, die sich erschöpft, kennt der Rohstoff nicht, der Engpass liegt in der Zeit: Was heute gepflanzt wird, liefert erst in vier Jahrzehnten Korkenqualität. Nach älteren FAO-Daten, die APCOR ausweist, erntet Portugal rund 85.000 Tonnen im Jahr. Die Menge schwankt aber mit dem Markt: 2025 schälten die Betriebe laut dem Branchenverband Filcork nur 3,5 Millionen Arrobas, rund 52.500 Tonnen. Zusammen mit Spanien lag die Ernte 15 Prozent unter dem Vorjahr.

Auf den Punkt

Kork wächst als Rinde nach, der Baum bleibt stehen und kann rund 15-mal geschält werden. Für Naturkorken taugt aber erst die dritte Ernte, eine neue Korkeiche braucht also gut 40 Jahre bis zum ersten Flaschenkorken.

Wer entdeckte den Kork und wie begann das Geschäft mit dem Korken?

Weißes Lichtmikroskop, Holzplättchen, Spielfigur, orange Tafel „ZELLE“ vor weißem Hintergrund
Robert Hooke sah 1665 im Kork winzige Kammern und nannte sie Zellen. So kam der Begriff in die Biologie.

Entdeckt hat den Kork niemand, schon die Römer nutzten die Rinde für Fassspunde, Fischernetze und Schuhsohlen. Zum Industrieprodukt wurde Kork im 18. Jahrhundert, als Winzer ihren Wein in Glasflaschen lagerten und Werkstätten in Katalonien und Portugal Korken in großen Mengen zuschnitten.

Der römische Gelehrte Plinius der Ältere beschrieb im ersten Jahrhundert, wofür seine Zeitgenossen die Rinde verwendeten: als Schwimmer für Ankertaue und Fischernetze, als Verschluss für Fässer und als Sohle für die Winterschuhe der Frauen. Mehr als anderthalb Jahrtausende später schnitt der englische Naturforscher Robert Hooke ein dünnes Scheibchen Kork und legte das Präparat unter sein Mikroskop.

Was Hooke dort sah, erinnerte ihn an die kleinen Kammern eines Klosters. In seinem Buch Micrographia verwendete er 1665 als Erster das Wort „cell“ für eine biologische Struktur, so beschreibt die Bodleian Library in Oxford den Moment. Der Begriff Zelle, heute Grundwort jeder Biologiestunde, stammt also aus der Betrachtung eines Korkstücks.

Die Industrie entstand an der katalanischen Küste. Sant Feliu de Guíxols spezialisierte sich ab der Mitte des 18. Jahrhunderts auf Korken, für 1784 verzeichnet das Stadtmuseum dort rund 50 Werkstätten mit fast 200 Korkschneidern. In Nordportugal wuchs das Geschäft mit dem Portwein, ein geübter Arbeiter schnitt von Hand etwa drei Korken in der Minute.

ZeitOrtEreignis
1. JahrhundertRömisches ReichPlinius beschreibt Kork für Netze, Fässer und Schuhsohlen
1665LondonRobert Hooke prägt beim Blick auf Kork das Wort „cell“
ab etwa 1750Sant Feliu de Guíxols, KatalonienKorkenwerkstätten entstehen, 1784 rund 50 Betriebe
1832Stickgras bei DelmenhorstGründung der Korkfabrik Tönnjes
1860PittsburghThomas Armstrong gründet eine Korkschneiderei
1863Staines, EnglandFrederick Walton patentiert Linoleum aus Leinöl und Korkmehl
1870Vila Nova de Gaia, PortugalGründung der Korkenfabrik Amorim
Stationen der Korkgeschichte. Quellen: Plinius, Bodleian Library, Museu d’Història de Sant Feliu de Guíxols, Weser Report, Armstrong World Industries, Grace’s Guide, Corticeira Amorim

Die bekannteste Geschichte rund um den Korken ist vermutlich erfunden. Dem Benediktinermönch Dom Pérignon wird nachgesagt, er habe den Korken für den Champagner eingeführt. Der Verband der Champagnerhäuser erzählt die Episode selbst ausdrücklich als Legende, belegen lässt sie sich nicht.

Gut belegt sind dagegen die Gründungen, die das Geschäft groß machten. 1870 gründete António Alves de Amorim am Kai von Vila Nova de Gaia gegenüber Porto eine kleine Korkenwerkstatt, aus der der heutige Weltmarktführer Corticeira Amorim hervorging. Zehn Jahre zuvor hatte Thomas Armstrong in Pittsburgh mit einem Gehilfen begonnen, Korken zu schneiden, und ab 1864 jeden Korken mit seinem Namen und einer Qualitätsgarantie versehen.

Aus den Abfällen der Korkenfabriken entstand ein zweites Massenprodukt. Der Brite Frederick Walton ließ 1863 einen Bodenbelag aus Korkmehl und oxidiertem Öl aus dem Samen von Flachs patentieren, das Linoleum. Korkmehl gab dem Belag Elastizität und Wärme, zugleich brachten die Reste der Korkenproduktion nun Geld.

Delmenhorst gilt nach alter Überlieferung als erste deutsche Stadt, in der Korken hergestellt wurden, 1832 entstand im Vorort Stickgras die Korkfabrik Tönnjes. Um 1890 beschäftigten die Gebrüder Lürßen dort bis zu 600 Korkschneider und holten die Rinde mit eigenen Schiffen aus Spanien und Portugal, berichtet der Weser Report. Später kamen in Delmenhorst die Linoleumwerke hinzu, die Kork als Füllstoff verarbeiteten.

Auf den Punkt

Mit der Weinflasche wurde der Korken im 18. Jahrhundert zum Massenprodukt, erst in Katalonien, dann in Portugal. Delmenhorst stieg früh ein, und aus den Abfällen entstand mit dem Linoleum ein zweiter Markt.

Wie hat Kork die Weltkarte verändert?

Eine Rotweinflasche mit einem Korken, einem 0%-Schild und einem Schild für alkoholfreie Zonen
Seit September 2025 ist Kork vom US-Basiszoll von 15 Prozent ausgenommen, für Portugals Exporteure ein Etappensieg.

Kork hat keine Grenzen verschoben, aber Kolonialherren angelockt und Kriegsplaner beschäftigt. Frankreich verteilte in Algerien Korkwälder an Konzessionäre, die USA fürchteten im Zweiten Weltkrieg um ihren Nachschub, und Portugals Diktatur machte Kork zum Staatsgeschäft.

Am deutlichsten griff eine Kolonialmacht in Algerien zu. Nach der französischen Eroberung vergab die Kolonialverwaltung zwischen 1848 und 1860 rund 152.000 Hektar staatlicher Korkeichenwälder als Konzession, zunächst für 16, später für 40 Jahre, 1862 verlängerte sie die Laufzeit auf 90 Jahre. Mit Dekreten von 1867 und 1870 gingen diese Flächen zu günstigen Bedingungen ins Privateigentum der Konzessionäre über, so die Studie des Forstwissenschaftlers Jean-Yves Puyo in der Zeitschrift Forêt Méditerranéenne.

Die Wälder litten unter der Ausbeutung und unter Feuer. Schon 1863 brannten 45.000 Hektar, und die Brände blieben ein Dauerproblem über die Unabhängigkeit hinaus: Zwischen 1985 und 2017 verlor Algerien etwa 228.000 Hektar Korkeichenwald. Vor 1960 erntete das Land rund 26.000 Tonnen Kork im Jahr, seit 2000 nur noch etwa 6.500 Tonnen, dokumentiert eine zweite Studie in derselben Zeitschrift. Aus einem der großen Korkländer wurde ein Randlieferant.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Kork für die USA zur Frage der nationalen Sicherheit. Das Land importierte 1940 fast die Hälfte der Weltproduktion, der Atlantik war durch deutsche U-Boote bedroht, und ein Brand bei Crown Cork & Seal in Baltimore verschärfte die Lage. Die Antwort hieß McManus Cork Project, eine landesweite Pflanzaktion für Korkeichen, wie die International Oak Society in Anlehnung an das Buch „Cork Wars“ von David A. Taylor schildert.

ZeitEingriffFolge
1848 bis 1870französische Konzessionen in Algerienrund 152.000 ha Korkwald gehen in Privatbesitz über
1936 bis 1972Junta Nacional da Cortiça im Estado NovoPortugals Staat lenkt die Korkwirtschaft
1940er-JahreMcManus Cork Project in den USAVersuch, Korkeichen im eigenen Land anzubauen
1985 bis 2017Waldbrände in Algerienrund 228.000 ha Korkeichen verbrannt
1. September 2025Zollabkommen zwischen EU und USAKork ist vom US-Basiszoll von 15 Prozent ausgenommen
Politische Eingriffe rund um Kork. Quellen: Forêt Méditerranéenne, Revista Portuguesa de História, International Oak Society, US Federal Register

In Portugal selbst machte die Diktatur des Estado Novo die Rinde zur Staatsangelegenheit. Von 1936 bis 1972 lenkte die Junta Nacional da Cortiça als Behörde des Ständestaats Erzeugung und Handel. Um 1952 lieferte Portugal laut der Welternährungsorganisation FAO etwa die Hälfte der Weltproduktion und rund 70 Prozent des Welthandels, eine Vormacht, die das Land mit rund 60 Prozent der Exporte bis heute behauptet.

Nach der Nelkenrevolution erreichte der politische Umbruch auch die Korkwälder im Süden. Bei der Agrarreform 1975 besetzten Landarbeiter rund 1,2 Millionen Hektar, fast eine Million davon im Alentejo, dem Hauptgebiet der portugiesischen Korkeichenwälder, wie das Lissabonner Instituto +Liberdade zusammengetragen hat.

Heute dreht sich der Streit um Zölle. Als die USA 2025 einen Basiszoll von 15 Prozent auf Waren aus der EU einführten, setzten die EU-Unterhändler in der gemeinsamen Erklärung vom 21. August eine Ausnahme für Kork durch, wirksam ab dem 1. September 2025. Einseitig bleibt die Abhängigkeit der Käufer: An Portugal führt für Einkäufer von Kork kaum ein Weg vorbei.

Korkländer und Abhängigkeiten
Sieben Länder teilen sich die Korkeiche, eines den Markt
Oben sehen Sie die Fläche der Korkeichenwälder, darunter die Erntemengen nach älteren FAO-Daten, die der Branchenverband APCOR ausweist, unten die wichtigsten Handelsströme.
Korkeichenwald nach Ländern
Portugal34 Prozent
720.000 ha
Spanien27 Prozent
574.000 ha
Marokko18 Prozent
383.000 ha
Algerien11 Prozent
230.000 ha
Tunesien, Frankreich, Italien
216.000 ha
Korkernte nach Ländern
Portugal46 Prozent
85.145 t
Spanien33 Prozent
61.504 t
Marokko
11.686 t
Algerien
9.915 t
Tunesien, Italien, Frankreich
18.323 t
Die wichtigsten Abhängigkeiten
Portugal→Welt
Rund 60 Prozent der weltweiten Korkexporte kommen aus Portugal.
Portugal→Frankreich, Italien, Spanien, USA
Die vier Länder sind dem Wert nach die wichtigsten Abnehmer portugiesischer Korkprodukte.
Portugal→Deutschland
Deutschland nahm 2023 dem Gewicht nach 12 Prozent der portugiesischen Korkexporte ab.
Welt→Portugal
Portugal kaufte von Januar bis Juli 2026 30.643 Tonnen Rohkork im Ausland zu.
EU→USA
Seit dem 1. September 2025 ist Kork vom US-Basiszoll von 15 Prozent ausgenommen.
Algerien→Randlage
Die Ernte fiel von rund 26.000 Tonnen vor 1960 auf etwa 6.500 Tonnen seit 2000.

Warum ist Kork für die Weltwirtschaft so wichtig?

Waage vergleicht ein Weinglas mit Korkenstapel vor weißem Hintergrund
Weltweit tranken die Menschen 2025 rund 208 Millionen Hektoliter Wein, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Korkmarkt ist klein, die Abhängigkeit groß: Portugal exportierte 2025 Korkprodukte für 1,1 Milliarden Euro, mehr als 70 Prozent davon als Flaschenkorken. Weil der Korken den Wert bestimmt, hängt ein ganzes Waldsystem im Süden Europas am Weinkonsum der Welt.

Die Größenordnung zeigen die Zahlen der portugiesischen Statistikbehörde INE, die APCOR auswertet. 2025 verließen 148.000 Tonnen Korkprodukte das Land, 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr, der Wert sank dagegen um 2,2 Prozent. Das bisherige Rekordjahr war 2023 mit 1,232 Milliarden Euro, seitdem gibt der Umsatz nach. Kork macht rund 1,5 Prozent aller portugiesischen Exporte aus, die Industrie beschäftigt 7.875 Menschen direkt.

Weltweit verlassen jedes Jahr rund 13 Milliarden Korken die Werke, schätzt Amorim. Der Konzern selbst verkaufte 2024 etwa 5,3 Milliarden Stück, sein Umsatz lag 2025 bei 861 Millionen Euro. Als größter Verarbeiter von Rohkork prägt der Konzern die Einkaufspreise im Wald mit.

KennzahlWertQuelle
Exporte Portugal 20251,1 Mrd. €, 148.000 tINE, APCOR
Anteil der Korken am Exportwertmehr als 70 %APCOR
Wichtigste Zielländer 2025 nach WertFrankreich, Italien, Spanien, USAAPCOR
Exporte Januar bis Juli 2026680,9 Mio. €, minus 2 %GPP/SIMA
Korken weltweit pro Jahrrund 13 Mrd. StückAmorim
Weinkonsum weltweit 2025208 Mio. hl, minus 2,7 %OIV
Der Korkmarkt in Zahlen. Quellen: INE und APCOR, GPP/SIMA, Corticeira Amorim, OIV

Eine Börse für Kork existiert nicht. Die Preise handeln Waldbesitzer und Verarbeiter direkt aus, meist in Euro je Arroba, der alten iberischen Gewichtseinheit von 15 Kilo. Das Marktinformationssystem SIMA des portugiesischen Agrarministeriums sammelt die Abschlüsse und veröffentlicht jede Woche eine Notierung für Amadia-Kork, der aufgestapelt am Waldrand verkauft wird.

Über den Preis entscheidet am Ende das Weinglas. Als Gründe für den sinkenden Weinkonsum nennt die OIV den Wandel der Trinkgewohnheiten in den reifen Märkten und die schwächere Kaufkraft der Verbraucher. Auch in Deutschland stehen die Keller voll, wie unser Beitrag über die Weintrauben des Jahrgangs 2026 zeigt. Weniger Flaschen bedeuten weniger Korken, und die Nachfrage nach Rinde sinkt mit.

Deutschland ist einer der großen Abnehmer. 2023 gingen dem Gewicht nach 12 Prozent der portugiesischen Korkexporte nach Deutschland, nur Spanien und Frankreich nahmen mehr. Die gesamten deutschen Korkimporte beliefen sich 2025 laut der UN-Handelsstatistik auf rund 97 Millionen Euro. Fiele Kork aus, stünde keine Branche still, doch Winzer, Sektkellereien und Hersteller von Korkböden müssten auf Alternativen ausweichen.

Auf den Punkt

Portugal verkauft Kork für rund 1,1 Milliarden Euro im Jahr, und der Korken bringt mehr als sieben von zehn Euro. Eine Börse gibt den Takt nicht vor, die Preise entstehen im direkten Handel, und der sinkende Weinkonsum drückt sie nach unten.

In welchen Produkten steckt Kork, und was verschwindet ohne ihn?

Spielzeugrakete mit Schild
Kork steckt nicht nur im Weinkorken: Amorim lieferte auch Hitzeschutz für die europäische Trägerrakete Ariane 5.

Kork steckt in Weinkorken und Sektkorken, in Bodenbelägen, Pinnwänden und Dämmplatten, im Fußbett von Sandalen, im Kern von Baseballs und im Hitzeschutz europäischer Raketen. Ersetzen lässt sich der Stoff fast überall, nur der Naturkorken selbst und einige Spezialprodukte verschwänden ohne ihn.

Der wichtigste Einsatz bleibt der Verschluss. Amorim kalkuliert mit durchschnittlich 66.700 Korken aus einer Tonne Kork, in jedem Stopfen stecken also rund 15 Gramm Rinde, Verschnitt eingerechnet. Naturkorken werden aus einem Stück aus der Rindenplatte gestanzt, technische Korken bestehen aus gepresstem Granulat, Sektkorken aus einem Granulatkörper mit aufgeklebten Naturkorkscheiben.

Aus den Stanzresten entsteht eine ganze Reihe weiterer Produkte. Birkenstock beziffert den eigenen Bedarf auf rund 2.000 Tonnen Kork im Jahr, zum großen Teil Reste aus der Korkenproduktion. Das Fußbett besteht aus Korkgranulat mit Naturlatex als Bindemittel, gebacken zwischen zwei Juteschichten. Die Marke „Fußbett“ meldete das Unternehmen bereits 1925 an.

ProduktWas vom Kork drinstecktErsatz bei Lieferausfall
Naturkorken für Weinein Stück Amadia-Kork, rund 15 g RindeSchraubverschluss, Kunststoff- oder Glasstopfen
Sekt- und ChampagnerkorkenGranulatkörper mit NaturkorkscheibenKunststoffstopfen oder Kronkorken
Fußbett von SandalenKorkgranulat mit NaturlatexKunststoffschäume, mit anderem Tragegefühl
Dämmplatte aus Backkorkexpandiertes Korkgranulat ohne BindemittelHolzfaser oder Mineralwolle
Bodenbelag, PinnwandKorkgranulat, gepresstVinyl, Linoleum, Filz
Hitzeschutz an RaketenKork-Verbundwerkstoffandere Hitzeschutzmaterialien, mit Neuentwicklung
Wo Kork steckt und wie ersetzbar er ist. Quellen: Corticeira Amorim, Birkenstock, Rawlings, Euronews

Einen Dämmstoff ganz ohne Klebstoff liefert der Backkork. Die Hersteller erhitzen Granulat aus dem Kork der oberen Äste im Autoklaven mit überhitztem Dampf auf 350 Grad, das korkeigene Suberin verklebt die Körner zu Blöcken. Amorim nennt einen Einsatzbereich von minus 180 bis plus 120 Grad und beziffert den Anteil der Biomasse an der Prozessenergie auf 93 Prozent. In der Altbausanierung gilt die Platte als Dämmung, die Feuchtigkeit verträgt.

Weniger bekannt ist der Einsatz in Hochtechnik und Sport. Amorim lieferte Kork-Verbundwerkstoffe für den Hitze- und Vibrationsschutz der Trägerrakete Ariane 5, auf der Referenzliste des Konzerns stehen außerdem die Vega und schon Apollo 11. Im offiziellen Ball der amerikanischen Baseball-Profiliga steckt ein gepolsterter Korkkern.

Ein Lieferausfall träfe diese Produkte sehr unterschiedlich. Für den Wein existieren seit Jahrzehnten Schraubverschlüsse und Kunststoffstopfen, Dämmplatten und Böden lassen sich aus anderen Stoffen fertigen. Verschwinden würden dagegen der Naturkorken und das Fußbett in seiner heutigen Form. Für Raumfahrt und Sport müssten Ingenieure neue Werkstoffe entwickeln und prüfen, was Jahre kosten kann.

Alltag voller Kork
Sechs Produkte, in denen die Rinde steckt
Helles Etikett: ersetzbar, mit Abstrichen. Orange gefülltes Etikett: ohne Kork verschwindet das Produkt in seiner heutigen Form.
Naturkorken
ein Stück Amadia-Kork, rund 15 Gramm Rinde
ohne Kork kein Naturkorken
Sektkorken
Granulatkörper mit Scheiben aus Naturkork
Kunststoff als Ersatz
Sandalen-Fußbett
Korkgranulat mit Naturlatex, rund 2.000 Tonnen im Jahr bei Birkenstock
Fußbett nur mit Kork
Dämmplatte aus Backkork
expandiertes Granulat, verklebt nur durch Suberin
Holzfaser als Ersatz
Korkboden
gepresstes Granulat, warm und schalldämmend
Vinyl oder Linoleum als Ersatz
Raketen-Hitzeschutz
Kork-Verbundwerkstoff, etwa für Ariane 5 und Vega
Neuentwicklung nötig
Fällt der Kork aus, lassen sich Weinflaschen weiter verschließen: mit Schraubverschluss oder Kunststoff. Verschwinden würden der Naturkorken und das Korkfußbett, für Raumfahrt und Sport müssten Hersteller auf andere Stoffe umstellen.

Wie setzt sich der Preis einer Flasche Wein mit Naturkorken zusammen?

Weinflasche mit Korken, weißem Anhänger und orangem 0,3% Etikett vor weißem Hintergrund
Am Ladenpreis einer Weinflasche für 7,99 Euro hat der Rohkork im Naturkorken einen Anteil von rund 0,3 Prozent.

Am Preis einer Weinflasche hat der Kork nur einen winzigen Anteil. In einem Naturkorken steckt Rinde für rund 2,6 Cent, der fertige Korken kostet kleine Abnehmer im Fachhandel 28 bis 50 Cent, und die gesamte Abfüllung samt Flasche und Verschluss macht bei einem deutschen Einstiegswein 89 Cent aus.

Die Rechnung beginnt im Wald. Beim aktuellen Preis von 26 Euro je Arroba kostet ein Kilo Rohkork 1,73 Euro, die rund 15 Gramm Rinde für einen Naturkorken also etwa 2,6 Cent. Vor zwei Jahren, vor dem Rückgang um 28 Prozent, lag der Wert noch bei rund 3,6 Cent. Selbst der drastische Preisverfall senkt die Rohstoffkosten je Korken damit um nur einen Cent.

Der Winzer zahlt ein Vielfaches davon. Ein Fachhändler für Kellereibedarf verlangt für Naturkorken der Klasse 1 in kleinen Gebinden 50 Cent je Stück, bei 1.000 Stück in kleinerem Format 28 Cent, Presskorken kosten dort 23 Cent. Zwischen der Rinde im Wald und dem Korken im Karton liegen Kochen, Trocknen, Stanzen, Sortieren, Waschen, Prüfen auf Fehltöne und der Transport nach Deutschland.

Wie klein der Posten am Ende ist, zeigt eine Kostenrechnung, die die Wirtschaftswoche 2023 für einen Einstiegswein eines deutschen Weinguts mit 15 Hektar veröffentlichte. Trauben kosten dort 1,24 Euro je Flasche, Kelterung und Gärung 1,50 Euro, Abfüllung mit Flasche, Verschluss und Etikett 0,89 Euro, Marketing und Vertrieb 1,41 Euro. Zusammen ergibt das 5,04 Euro Herstellungskosten ohne Umsatzsteuer und ohne Gewinn.

PostenBetragAnteil an 7,99 Euro
Trauben1,24 €15,5 %
Kelterung und Gärung1,50 €18,8 %
Abfüllung, Flasche, Verschluss0,89 €11,1 %
Marketing und Vertrieb1,41 €17,6 %
Gewinn des Weinguts und Handelsspanne1,67 €20,9 %
Umsatzsteuer (19 Prozent)1,28 €16,0 %
darin: Rohkork im Naturkorken0,026 €0,3 %
Rechenbeispiel: Ladenpreis 7,99 Euro, Kostenstruktur eines Einstiegsweins. Quellen: Wirtschaftswoche (2023), GPP/SIMA, Corticeira Amorim, eigene Berechnung

Ein Rechenbeispiel führt bis zum Regal. Angenommen, der Wein kostet im Laden 7,99 Euro. Davon gehen 1,28 Euro als Umsatzsteuer an den Staat, nach Abzug der Herstellungskosten bleiben 1,67 Euro für Gewinn des Weinguts und die Spanne des Handels. Der Waldbesitzer in Portugal erhielte in diesem Beispiel 0,3 Prozent des Ladenpreises, der Staat rund 50-mal so viel wie er. Den Löwenanteil teilen sich Weingut, Handel und Staat.

Der Rohstoffpreis und die Korkenpreise laufen zudem auseinander. Während der Einkaufspreis für Rohkork in zwei Jahren um 28 Prozent sank, fiel der Durchschnittspreis der exportierten Korken 2025 nur um 5 Prozent und liegt laut APCOR noch 13,5 Prozent über dem Wert von 2021. Der Preisrückgang im Wald kommt beim Winzer also nur zum kleinen Teil an, und beim Weintrinker erst recht nicht.

Auch der Dollar mischt mit. Amorim liefert Korken auch in die USA und nach Chile, im ersten Halbjahr 2026 kostete die Abwertung des Dollars den Konzern gut einen Prozentpunkt Umsatz. Am 28. September 2026 notierte der Euro laut Europäischer Zentralbank bei 1,14 Dollar, ein starker Euro verteuert portugiesische Korken für Kellereien in den USA, Chile oder Australien.

Preiszusammensetzung
Was in einer Flasche Wein für 7,99 Euro steckt
Rechenbeispiel auf Basis der Kostenstruktur eines deutschen Einstiegsweins. Die Balken zeigen den Anteil am Ladenpreis.
1,24 € · 15,5 %
Trauben
Anbau und Lese im eigenen Weinberg
1,50 € · 18,8 %
Kelterung und Gärung
Pressen, Vergären, Ausbau im Keller
0,89 € · 11,1 %
Abfüllung, Flasche, Verschluss
Glas, Etikett und Korken oder Schraubverschluss
1,41 € · 17,6 %
Marketing und Vertrieb
Messen, Versand, Kundenpflege
1,67 € · 20,9 %
Gewinn und Handelsspanne
Rest nach Kosten und Steuer
1,28 € · 16,0 %
Umsatzsteuer
19 Prozent auf den Nettopreis
0,026 € · 0,3 %
Rohkork im Naturkorken
Rund 15 Gramm Rinde zum Preis von 26 Euro je 15 Kilo, enthalten im Posten Abfüllung. So viel kommt beim Waldbesitzer in Portugal an.

Wer verdient an Kork und wer zahlt drauf?

Steinerne Wippe mit Korken-Marge-Stapel links und Baum rechts im Gleichgewicht
Der Preis für Rohkork fiel in zwei Jahren um 28 Prozent, die Korkenpreise blieben deutlich stabiler.

Am Kork verdienen vor allem die Verarbeiter, allen voran Corticeira Amorim, die vom billigeren Rohstoff profitieren. Die Rechnung zahlen die Waldbesitzer im Alentejo und in Spanien, deren Erlöse in zwei Jahren um 28 Prozent gefallen sind, und langfristig die Korkeichenwälder selbst.

Die Waldbesitzer benennen den Vorteil der Industrie offen. Der starke Rückgang des Einkaufspreises für den Rohstoff habe die Wirtschaftlichkeit der Industrie gestützt, erklärte die Waldbesitzervereinigung UNAC im März 2026, dürfe aber die Rentabilität der Erzeuger nicht weiter gefährden. Eduardo Oliveira e Sousa, Präsident der staatlichen Companhia das Lezírias, nannte im August drei Ursachen für den Preisverfall: den sinkenden Weinkonsum, die Technik, mit der Hersteller hochwertige Korken aus billigerem Kork fertigen, und die Konzentration in der verarbeitenden Industrie.

Auch der Marktführer spürt den Abschwung, aber an anderer Stelle. Corticeira Amorim verdiente im ersten Halbjahr 2026 mit 25,2 Millionen Euro knapp ein Drittel weniger als ein Jahr zuvor, der Umsatz sank um 5,8 Prozent auf 445,8 Millionen Euro. Belastet wurde das Ergebnis durch 14,7 Millionen Euro Sonderkosten, vor allem für den Umbau der Bodenbelagssparte. Die Zahl der Beschäftigten fiel von 4.640 auf 4.419.

Einen Ressourcenfluch kennt der Kork nicht. Der Begriff beschreibt Staaten, in denen Rohstoffrenten Korruption, Einseitigkeit und schwache Institutionen fördern. Verwandt ist die holländische Krankheit, benannt nach den Niederlanden der 1960er-Jahre, als Erdgasexporte den Gulden aufwerteten und die übrige Industrie verdrängten. Kork macht dagegen nur 1,5 Prozent der portugiesischen Exporte aus, und die Erlöse verteilen sich auf Tausende Waldbesitzer, Schäler und Fabriken.

MerkmalPortugalAlgerien
Korkeichenwald720.000 ha230.000 ha, einst rund 460.000 ha
Ernterund 85.000 t (ältere FAO-Daten)rund 6.500 t im Mittel seit 2000, vor 1960 etwa 26.000 t
Anteil an der Welternte (ältere FAO-Daten)46 %5 %
Hauptproblemfallende ErzeugerpreiseWaldbrände, Folgen der Kolonialnutzung
Zwei Korkländer im Vergleich. Quellen: APCOR, Forêt Méditerranéenne

Wie unterschiedlich zwei Korkländer abschneiden können, zeigt der Vergleich mit Algerien. Portugal hat die Veredelung im Land gehalten und verkauft Korken statt Rinde, Algerien hat unter Kolonialnutzung und Waldbränden einen Großteil seiner Ernte verloren. Denselben Baum nutzen beide Länder, den Ausschlag geben Waldschutz und eigene Verarbeitung.

Portugal verkauft Kork für mehr als eine Milliarde Euro im Jahr, doch der Waldbesitzer im Alentejo bekommt für die Rinde eines Korkens keine drei Cent. Solange Amorim und wenige andere Verarbeiter den Preis diktieren, trägt der Montado das größte Risiko der Weinflaute.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Die Korkbetriebe im Süden Portugals trifft der Preisverfall direkt. Die Companhia das Lezírias im Ribatejo schälte 2026 rund 780 Tonnen, nach Abzug der Produktionskosten stammen mehr als zehn Prozent der Jahreserträge des Staatsbetriebs aus der Rinde. Oliveira e Sousa warnt, der Montado könne in Gefahr geraten, weil Eigentümer bei sinkenden Einnahmen das Interesse an Pflege und Erhalt verlieren. Er fordert Hilfen nach dem Vorbild der EU-Agrarförderung.

Im Sommer 2025 verzichteten Waldbesitzer in Trás-os-Montes ganz auf die Ernte, weil der Preis zu niedrig und die Schälkosten zu hoch waren, notierte das Agrarministerium. Die Rinde wächst in solchen Jahren am Baum weiter, wird im Folgejahr geschält und drückt dann als zusätzliches Angebot auf den Preis, wie die SIMA-Notiz vom September 2026 zeigt.

Auf den Punkt

Der billigere Rohstoff stützt die Marge der Industrie, die Verluste landen bei den Waldbesitzern. Einen Ressourcenfluch löst Kork nicht aus, gefährdet ist vielmehr die Pflege eines Waldsystems, das sich vor allem über den Korkverkauf finanziert.

Wie mächtig ist die Kork-Lobby?

Die Kork-Lobby ist klein, aber erfolgreich: Der portugiesische Verband APCOR vertritt seit 1956 die Verarbeiter, die 80 Prozent der Produktion und 85 Prozent der Exporte stellen. Die Branche warb erfolgreich für die Ausnahme vom US-Basiszoll von 15 Prozent.

APCOR sitzt in Santa Maria de Lamas im Kreis Santa Maria da Feira südlich von Porto, wo auch Amorim zu Hause ist. Der Verband zählt mehr als 200 Mitgliedsunternehmen und finanziert seit Jahrzehnten internationale Werbung für den Naturkorken. Die International Cork Campaign der Jahre 2001 bis 2003 kostete 9 Millionen Euro, die Kampagne InterCork ab 2010 rund 21 Millionen Euro.

Die Branche argumentiert vor allem mit der Klimabilanz. APCOR nennt Studien, nach denen ein Hektar Montado bis zu 14,7 Tonnen Kohlendioxid im Jahr bindet. Amorim zitiert eine Ökobilanz von PricewaterhouseCoopers, laut der ein Kunststoffstopfen rund zehnmal und ein Schraubverschluss aus Aluminium rund 24-mal so viel Treibhausgas verursachen wie ein Korken. Die Studie entstand im Auftrag von Amorim, die Zahlen gehören deshalb in die Kategorie Branchenargument.

AkteurRolleZahl
APCOR, PortugalBranchenverband der Verarbeiterüber 200 Mitglieder, 85 % der Exporte
UNAC, PortugalVerband der Waldbesitzervertritt die Erzeugerseite
Deutscher Kork-Verband, HerfordImporteure und Verarbeiter in Deutschlandgegründet 1985, 12 Mitgliedsfirmen
Decreto-Lei 169/2001portugiesisches SchutzgesetzMindestabstand von neun Jahren zwischen zwei Ernten
Die Akteure im Korkgeschäft. Quellen: APCOR, Deutscher Kork-Verband, Diário da República

Politisch hat der Kork einen Vorteil, den wenige andere Rohstoffe genießen: Der Baum steht unter Schutz. Das Gesetz von 2001 regelt, wann, wie hoch und wie oft geschält werden darf, und verbietet die Ernte von Kork mit weniger als neun Jahren Wachstum. Ausnahmen kann die Forstbehörde genehmigen, etwa nach Bränden. Der Baumschutz sichert so zugleich das Angebot der Industrie.

Im Zollstreit mit den USA warb die Branche für eine Sonderregel. Im August 2025 nahmen EU und USA Kork in die Liste der Waren auf, für die nur der normale Meistbegünstigungszoll gilt. APCOR hatte die Ausnahme als entscheidend für die Exporte bezeichnet, 2025 sank der Wert der Lieferungen in die USA dennoch um 13 Prozent.

In Deutschland wirbt der Deutsche Kork-Verband mit Sitz in Herford für den Werkstoff, gegründet 1985 und mit zwölf Mitgliedsfirmen. Eine eigene Förderung für Kork kennt Deutschland nicht, weil keine Korkeichen wirtschaftlich angebaut werden. Der Verband setzt auf Umweltargumente statt auf Subventionen, und bei der Frage, wer die Waldpflege im Alentejo bezahlt, bleibt er still.

Auf den Punkt

APCOR hat für die Zollausnahme in den USA geworben und wirbt mit der Klimabilanz des Korkens, gestützt auf eine von Amorim beauftragte Studie. Für die fallenden Preise im Wald hat die Industrie-Lobby dagegen keine Antwort.

Wie kommt der Wein vom Korken los?

Siegertreppchen mit Sektkorken (Gold), Schraubverschluss (Silber) und Weinkorken (Bronze)
Der Naturkorken verliert Marktanteile an technische Korken aus Granulat und an den Schraubverschluss.

Schraubverschlüsse und Kunststoffstopfen haben dem Naturkorken längst große Marktanteile abgenommen, beim Schraubverschluss zuerst in Australien. Innerhalb der Korkbranche verdrängt zugleich der billigere technische Korken den Naturkorken, 2025 sank der Export von Naturkorken um 11 Prozent.

Den Anstoß gaben Winzer im australischen Clare Valley. Im Jahr 2000 stellten 13 Betriebe ihren Riesling gemeinsam auf den Schraubverschluss um, wie Wine Australia schildert. Die Winzer begründeten den Schritt mit dem Korkgeschmack, einem muffigen Fehlton durch die Verbindung Trichloranisol, kurz TCA. Anfang der 2000er-Jahre galten je nach Studie fünf bis acht Prozent der Flaschen als betroffen.

Die Korkindustrie hat auf den Vorwurf reagiert. Hersteller prüfen Korken heute einzeln auf TCA, und bei einem Weinwettbewerb 2008 und 2009 fand der Önologe Christian Butzke von der Purdue University unter 3.300 Weinen weniger als ein Prozent mit Korkfehler. Butzke räumte selbst ein, dass seine Erhebung nicht streng wissenschaftlich war, die Richtung aber ist klar: Das Qualitätsproblem ist kleiner geworden.

SektorAlternativeStand
Stillwein, jung getrunkenSchraubverschluss, Kunststoffstopfenweit verbreitet, in Australien seit 2000
Einfache Stillweinetechnischer Korken statt NaturkorkenNaturkorken verliert 2025 elf Prozent Exportmenge
SchaumweinKunststoffstopfen, Kronkorken bei der FlaschengärungSektkorken wachsen 2025 noch um fünf Prozent
Dämmung und BödenHolzfaser, Mineralwolle, VinylKork bleibt eine Nische
Recyclinggesammelte Korken als GranulatKorken für Kork seit 1991, NABU-Aktion seit 1994
Wo sich Kork ersetzen lässt. Quellen: Wine Australia, APCOR, Diakonie Kork, NABU

Die leise Verdrängung findet im eigenen Sortiment statt. 2025 exportierte Portugal elf Prozent weniger Naturkorken, gemessen an Menge und Wert, während Presskorken im Wert um sieben Prozent zulegten. Die Ersetzung durch technische Korken geschehe in den unteren Preissegmenten, schreiben die Branchenbeobachter. Für den Wald bedeutet der Trend weniger Nachfrage nach der teuren Amadia-Qualität.

Recycling verlängert das Leben des Rohstoffs. In Deutschland sammelt die Diakonie Kork in Kehl seit 1991 unter dem Namen „Korken für Kork“ gebrauchte Korken, die heute zu Presskork-Granulat für Dämmstoffe werden. Der NABU betreibt seit 1994 die KORKampagne mit rund 1.500 Sammelstellen und beziffert die bisherige Menge auf weit über 500 Tonnen Altkorken. Zu neuen Weinkorken wird recycelter Kork nie, betont Amorim, er landet in Böden, Dämmung und Sportartikeln.

Realistisch ist ein Umbau: Der Wein wird auch künftig mit Kork verschlossen, aber mit mehr Granulat und weniger Naturkorken. Die Hersteller bauen parallel Märkte jenseits des Weins aus, Amorim sucht Partner für Geschäfte außerhalb der Korken. Für die Waldbesitzer liegt die Chance in neuen Absatzmärkten wie Dämmung, Raumfahrt und Sport, die allerdings weniger einbringen als der Naturkorken.

Auf den Punkt

Der Schraubverschluss hat den Korken nicht abgelöst, die größte Konkurrenz kommt inzwischen aus der eigenen Branche: Technische Korken verdrängen den Naturkorken im unteren Preissegment. Gesammelte Altkorken gehen in Dämmung und Böden, nie zurück in die Flasche.

Was bedeutet der Preisverfall beim Kork für Deutschland?

Korkpinnwand mit Deutschlandflagge, orangefarbener Pin und Papierschild
Deutschland nimmt einen großen Teil der portugiesischen Korkexporte ab, 2023 waren es dem Gewicht nach 12 Prozent.

Für deutsche Weintrinker ändert der Preisverfall wenig, weil der Rohkork nur rund 2,6 Cent vom Flaschenpreis ausmacht. Spürbarer ist er für Winzer beim Einkauf der Korken, und der Absatzrückgang bei Amorim erreicht über den Umbau der Bodenbelagssparte auch die deutsche Tochter.

In der Woche vom 14. bis 20. September 2026 notierte das portugiesische Marktinformationssystem SIMA Amadia-Kork im Alentejo mit 26 Euro je Arroba, 20,6 Prozent unter dem Mittel der Jahre 2023 bis 2025. Als Grund nennen die Marktbeobachter schwache Nachfrage und ein Überangebot, weil Waldbesitzer im Alentejo die Ernte 2025 auf 2026 verschoben hatten. Gegenüber der Vorjahreswoche lag die Notierung zwar 15,6 Prozent höher, doch damals stammte der Wert aus einer anderen Anbauregion.

Für Verbraucher in Deutschland bleibt die Wirkung klein. Selbst eine Verdoppelung des Rohkorkpreises würde eine Flasche Wein rechnerisch um rund drei Cent verteuern, ein weiterer Preisverfall käme am Regal gar nicht an. Korkböden, Dämmplatten und Sandalen hängen stärker an Energie, Löhnen und Handel als am Preis der Rinde.

Amorim reagiert mit einem Umbau seiner deutschen Tochter. Der Konzern führt Deutschland im Zuge der Neuordnung der Bodenbelagssparte als Direktmarkt und hat die örtliche Gesellschaft verkleinert, Dienste wandern in die Zentrale nach Portugal, eine kleinere Mannschaft bleibt vor Ort. Die AMORIM Deutschland GmbH mit Sitz in Delmenhorst vertreibt die Korkböden des Konzerns in Deutschland und Österreich, in der Stadt, in der schon im 19. Jahrhundert Hunderte Korkschneider arbeiteten und nach der Überlieferung die deutsche Korkindustrie begann.

Aus Sicht der Redaktion liegt die eigentliche Gefahr im Zustand der Wälder in Portugal und Spanien, der Preis in Deutschland ist das kleinere Problem. Waldbesitzer, die zweimal hintereinander auf die Ernte verzichten, dürften auch weniger in Pflege und Nachpflanzung investieren. Winzer können kurzfristig bessere Korkenpreise aushandeln, riskieren aber langfristig, ihren Lieferanten zu verlieren: einen Wald, der 40 Jahre bis zur ersten Korkenqualität braucht und sich nicht wie eine Fabrik hochfahren lässt.

SzenarioAnnahmeFolge für deutsche Käufer
OptimistischWeinkonsum stabilisiert sich, Zollausnahme hält, Überhang aus 2025 ist abgebautRohkorkpreis erholt sich, Korkenpreise bleiben stabil
RealistischKonsum sinkt weiter leicht, technische Korken wachsenNaturkorken bleiben teuer, Presskorken werden günstiger, Weinpreise unverändert
PessimistischWaldbesitzer ernten dauerhaft weniger, Brände und Dürre schwächen den MontadoEngpässe bei hochwertigen Naturkorken in einigen Jahren, steigende Preise für Lagerweine
Drei Szenarien für die kommenden Monate und Jahre. Einschätzung der Redaktion auf Basis von GPP/SIMA, APCOR und OIV

Die Bundesregierung verfolgt beim Kork keine eigene Politik und braucht auch keine, solange Portugal und Spanien liefern. Handeln können Käufer und Weinbaubetriebe. Für die Praxis ergeben sich vier Empfehlungen:

  • Winzer verhandeln die Korkenpreise für 2027 neu, weil der Rohstoff billiger geworden ist, und fragen nach der Herkunft und der TCA-Prüfung der Charge
  • Weinhändler behandeln den Verschluss als Qualitätsmerkmal und nicht als Preisfrage, denn am Ladenpreis macht der Kork weniger als ein Prozent aus
  • Bauherren und Sanierer prüfen Backkork als Dämmstoff ohne Bindemittel, gerade in feuchten Altbauten
  • Verbraucher geben gebrauchte Korken bei Sammelstellen der Diakonie Kork oder des NABU ab, statt sie in den Restmüll zu werfen
Auf den Punkt

Am Weinregal in Deutschland schlägt der Preisverfall nicht durch, dafür ist der Rohkork im Korken zu billig. Die Lage des Marktführers zeigt sich im Umbau der Delmenhorster Tochter, das größere Risiko liegt auf lange Sicht im Wald, falls Waldbesitzer die Pflege aufgeben.

Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zu Kork

Aufgeschlagenes Buch aus Korkmaterial mit deutschem Text und orangefarbenem Lesezeichen
Von Amadia bis Suberin: Das Glossar erklärt die wichtigsten Fachbegriffe rund um Kork und Korkeiche.

Amadia

Amadia heißt der Kork ab der dritten Schälung einer Korkeiche. Erst diese Rinde ist gleichmäßig und dicht genug für Naturkorken. Die portugiesische Marktbeobachtung SIMA notiert den Preis für Amadia-Kork wöchentlich in Euro je Arroba.

Arroba

Arroba ist eine alte iberische Gewichtseinheit von 15 Kilo, in der Waldbesitzer und Verarbeiter in Portugal und Spanien bis heute Rohkork handeln. Die Preisnotiz des portugiesischen Agrarministeriums wird in Euro je 15 Kilo geführt.

Backkork

Backkork, auch Blähkork, ist expandiertes Korkgranulat, das unter überhitztem Dampf zu Blöcken verbacken wird. Das korkeigene Suberin wirkt dabei als Bindemittel. Backkork dient als Dämmstoff für Wände, Dächer und Böden und verträgt Temperaturen von minus 180 bis plus 120 Grad.

Jungfernkork

Jungfernkork ist die Rinde der ersten Schälung, die frühestens bei einem Stammumfang von 70 Zentimetern erlaubt ist. Das Material ist rissig und unregelmäßig und geht deshalb in Granulat, Dämmstoffe und Bodenbeläge, nicht in Flaschenkorken.

Korkeiche

Korkeiche (Quercus suber) nennt man die immergrüne Eiche des westlichen Mittelmeerraums, deren Rinde nach dem Schälen nachwächst. Die Bäume werden im Schnitt 200 Jahre alt und wachsen vor allem in Portugal, Spanien, Marokko und Algerien.

Korkgeschmack

Korkgeschmack bezeichnet einen muffigen Fehlton im Wein, den meist die Verbindung Trichloranisol auslöst. Früher galt ein spürbarer Teil der Flaschen als betroffen, heute prüfen Hersteller Korken einzeln, und Erhebungen finden deutlich weniger Fehler.

Montado

Montado heißt in Portugal die offene Landschaft aus Kork- und Steineichen mit Weiden und Ackerflächen darunter. In Spanien spricht man von Dehesa. Das System lebt wirtschaftlich vom Korkverkauf und bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.

Naturkorken

Naturkorken werden in einem Stück aus einer Korkplatte gestanzt, meist aus Amadia-Kork. Diese Verschlüsse gelten als hochwertigste Korkvariante und sind am teuersten. Ihr Export aus Portugal sank 2025 um elf Prozent.

Phellogen

Phellogen, auch Korkkambium, ist die Zellschicht unter der Rinde, die nach außen Korkzellen bildet. Bei der Korkeiche bleibt das Phellogen ein Leben lang aktiv. Aus diesem Grund wächst die Rinde nach jeder Schälung neu.

Presskorken

Presskorken, auch technische Korken, bestehen aus Korkgranulat, das mit einem Bindemittel zu einem Stopfen gepresst wird. Diese Verschlüsse sind günstiger als Naturkorken und gewinnen vor allem bei preiswerten Weinen Marktanteile.

Secundeira

Secundeira nennt man den Kork der zweiten Schälung, frühestens neun Jahre nach dem Jungfernkork. Das Material ist gleichmäßiger als die erste Rinde, taugt aber noch nicht für Naturkorken und wird überwiegend zu Granulat verarbeitet.

SIMA

SIMA ist das Marktinformationssystem des portugiesischen Agrarministeriums. Das System veröffentlicht wöchentlich Preisnotierungen für Agrarprodukte, darunter Amadia-Kork, sowie Handelsdaten zum Korksektor auf Basis der Statistikbehörde INE. Die Kork-Notierung erscheint während der Erntesaison.

Suberin

Suberin ist eine wachsartige Substanz, die fast die Hälfte der Korkzellwand ausmacht. Das Material macht Kork wasserabweisend und dicht. Beim Backkork verklebt Suberin die Granulatkörner ohne zusätzlichen Kleber, sobald heißer Dampf das Granulat aufbläht.

FAQ: Kork wird billiger, weil die Welt weniger Wein trinkt

Sektkorken mit orangefarbenem FAQ-Schild und einem braunen Miniatur-Gummistiefel
Häufige Fragen zu Kork: vom Schälen der Korkeiche bis zum Recycling alter Weinkorken.

Ist Kork Holz?

Nein, Kork ist kein Holz, sondern die äußere Rinde der Korkeiche. Eine Zellschicht unter der Rinde bildet jedes Jahr neue Korkzellen, deshalb lässt sich die Rinde abschälen, ohne den Baum zu fällen. Kork besteht zu fast der Hälfte aus Suberin, einer wachsartigen Substanz, und zu mehr als der Hälfte seines Volumens aus Luft.

Stirbt die Korkeiche, wenn man den Kork schält?

Nein, die Korkeiche überlebt das Schälen, weil nur die äußere Rinde abgenommen wird und darunter neuer Kork nachwächst. Voraussetzung ist sorgfältige Handarbeit, denn eine verletzte Wachstumsschicht schädigt den Baum. In Portugal darf eine Eiche frühestens nach neun Jahren erneut geschält werden.

Woher kommt der meiste Kork?

Der meiste Kork kommt aus Portugal, das rund 46 Prozent der Welternte liefert und 34 Prozent der Korkeichenwälder besitzt. Dahinter folgen Spanien mit etwa einem Drittel der Ernte sowie Marokko, Algerien, Tunesien, Italien und Frankreich. Portugal stellt zudem rund 60 Prozent der weltweiten Korkexporte.

Ist Kork nachhaltig?

Kork gilt als nachhaltiger Rohstoff, weil die Rinde nachwächst und ein Baum in seinem rund 200-jährigen Leben etwa 15-mal geschält werden kann. Der Branchenverband APCOR beziffert die CO2-Bindung eines Hektars Korkeichenwald auf bis zu 14,7 Tonnen im Jahr. Der Haken: Eine neu gepflanzte Eiche liefert erst nach gut 40 Jahren Korkenqualität.

Was kann man mit alten Weinkorken machen?

Alte Weinkorken lassen sich an Sammelstellen abgeben, etwa bei der Aktion Korken für Kork der Diakonie Kork oder der KORKampagne des NABU. Die Korken werden zu Granulat für Dämmstoffe, Böden und Sportartikel verarbeitet. Zu neuen Weinkorken wird recycelter Kork nicht.

Warum schmeckt Wein nach Kork?

Ein muffiger Korkgeschmack entsteht meist durch die Verbindung Trichloranisol, kurz TCA, die aus dem Korken in den Wein übergehen kann. Anfang der 2000er-Jahre galten je nach Studie fünf bis acht Prozent der Flaschen als betroffen. Heute prüfen Hersteller Korken einzeln, eine Erhebung von 2008 und 2009 fand weniger als ein Prozent Fehler.

Quellen

GPP/SIMA | Newsletter Cortiça, Semana 38, 14/09 a 20/09/2026 | https://www.agroportal.pt/wp-content/uploads/2026/09/cort_News38.pdf | besucht am 29.09.2026

GPP/SIMA | Newsletter Cortiça, Semana 38, 15/09 a 21/09/2025 | https://www.agroportal.pt/wp-content/uploads/2025/09/cort_News38.pdf | besucht am 29.09.2026

GPP/SIMA | Newsletter Cortiça, Semana 26/2024 | https://regsima.gpp.pt/regsima/static/pdf/2024/cort/cort_News26.pdf | besucht am 29.09.2026

ECO | Companhia das Lezírias alerta para queda do preço da cortiça que ameaça o setor | https://eco.sapo.pt/2026/08/03/companhia-das-lezirias-alerta-para-queda-do-preco-da-cortica-que-ameaca-o-setor/ | besucht am 29.09.2026

ECO | Lucro semestral da Corticeira Amorim tropeça 31,7% com reestruturação nos pavimentos | https://eco.sapo.pt/2026/07/29/lucro-semestral-da-corticeira-amorim-tropeca-317-com-reestruturacao-nos-pavimentos/ | besucht am 29.09.2026

Meteored Portugal (tempo.pt) | Exportações de cortiça atingiram 148 mil toneladas e valeram 1 100 milhões de euros em 2025 | https://www.tempo.pt/noticias/actualidade/exportacoes-de-cortica-atingiram-148-mil-toneladas-e-valeram-1-100-milhoes-de-euros-em-2025-eua-mantem-a-incerteza.html | besucht am 29.09.2026

OIV | State of the World Wine Sector in 2025, Pressemitteilung vom 12.05.2026 | https://www.oiv.int/sites/default/files/2026-05/OIV_EN_Press_release_State-of_the_World-Wine_Sector_1.pdf | besucht am 29.09.2026

APCOR | Cork oak | https://apcor.pt/en/cork-oak | besucht am 29.09.2026

APCOR | What it is | https://apcor.pt/en/what-it-is | besucht am 29.09.2026

APCOR | Montado | https://apcor.pt/en/montado | besucht am 29.09.2026

APCOR | Social and economic | https://apcor.pt/en/social-and-economic | besucht am 29.09.2026

APCOR | Transformation process | https://apcor.pt/en/transformation-process | besucht am 29.09.2026

APCOR | Presentation | https://apcor.pt/en/presentation | besucht am 29.09.2026

APCOR | Forest | https://apcor.pt/en/forest | besucht am 29.09.2026

Diário da República | Decreto-Lei n.º 169/2001 | https://diariodarepublica.pt/dr/legislacao-consolidada/decreto-lei/2001-167292655 | besucht am 29.09.2026

Câmara Municipal de Leiria | Decreto-Lei n.º 169/2001, konsolidierte Fassung | https://www.cm-leiria.pt/cmleiria/uploads/writer_file/document/9394/13__decreto_lei_n_o_169_2001_consolidado.pdf | besucht am 29.09.2026

Corticeira Amorim | Curiosities | https://www.amorim.com/en/cork/curiosities/?f_tema=109 | besucht am 29.09.2026

Corticeira Amorim | Curiosidades, Sobreiro Assobiador | https://www.amorim.com/pt/cortica/curiosidades/?f_tema=110 | besucht am 29.09.2026

Corticeira Amorim | Corporate Milestones | https://www.amorim.com/en/corticeira-amorim/corporate-milestones/ | besucht am 29.09.2026

Corticeira Amorim | Factsheet | https://www.amorim.com/en/investors/factsheet/ | besucht am 29.09.2026

Corticeira Amorim | About expanded insulation cork | https://www.amorim.com/xms/files/v1/Documentacao/About_expanded_insulation_baixa.pdf | besucht am 29.09.2026

Corticeira Amorim | Aerospace | https://www.amorim.com/en/business/cork-aplications/aerospace/39/ | besucht am 29.09.2026

Hipersuper | Corticeira Amorim relança a inovadora rolha Helix | https://www.hipersuper.pt/2025/12/04/corticeira-amorim-relanca-a-inovadora-rolha-helix | besucht am 29.09.2026

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World’s Top Exports | Top Cork Exporting Countries | https://www.worldstopexports.com/top-cork-exporting-countries/ | besucht am 29.09.2026

Trading Economics | Germany Imports of Cork and Articles of Cork (UN Comtrade) | https://tradingeconomics.com/germany/imports/cork-articles-cork | besucht am 29.09.2026

Wirtschaftswoche | Preisfrage: Die Ökonomie einer Flasche Wein | https://www.wiwo.de/unternehmen/preisfrage-die-oekonomie-einer-flasche-wein-/29427214.html | besucht am 29.09.2026

Fischer-Lahr | Naturkorken Klasse 1, 44×24 | https://www.fischer-lahr.de/Naturkorken-Klasse1-44×24-abgepackt-500-St | besucht am 29.09.2026

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Wine Australia | Riesling and revolution in Clare Valley | https://www.australianwine.com/experience/articles/riesling-and-revolution-in-clare-valley | besucht am 29.09.2026

Diakonie Kork | Korken für Kork | https://diakonie-kork.de/leistungen/dienstleistungen-und-services/korken-fuer-kork/ | besucht am 29.09.2026

NABU | KORKampagne | https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/aktionen-und-projekte/korkampagne/index.html | besucht am 29.09.2026

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