Nirgends gedeiht so viel Flachs wie zwischen der Normandie und Flandern, 2026 steht die Pflanze dort auf 220.000 bis 230.000 Hektar, so viel Fläche wie nie, schätzt die Branchenallianz. Die Dürre im Juni und Juli hat die Röste der gerauften Halme auf den Feldern um rund vier Wochen verzögert, die Faserausbeute der Rekordernte kennt deshalb noch niemand. Gesponnen wird der größte Teil ohnehin nicht in Europa, sondern in China.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür Textileinkäufer, Möbel- und Bodenbelagshersteller und für jeden Käufer eines Leinenhemds hängt an diesem Herbst mehr, als der kleine Markt vermuten lässt. Der Durchschnittspreis für Langfaser fiel zwischen März 2024 und Januar 2025 von 9,00 auf 3,33 Euro je Kilo und stieg bis März 2026 wieder auf 5,89 Euro. Dieser Beitrag folgt dem Lein von einer georgischen Höhle über die schlesischen Weberdörfer und die Linoleumwerke von Delmenhorst bis zur Frage, was die verspätete Röste für deutsche Käufer bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anlass: Europa hat 2026 Flachs auf einer Rekordfläche geerntet, doch die Dürre verzögerte die Feldröste um rund vier Wochen, die Faserqualität steht erst mit dem Schwingen im Herbst fest.
- Europa baut an, China spinnt: Drei Viertel der weltweiten Langfaser stammen aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden, drei Viertel der chinesischen Flachsimporte kamen 2024 aus Frankreich.
- Preis auf Achterbahnfahrt: Langfaser kostete im März 2024 im Schnitt 9,00 Euro je Kilo, im Januar 2025 nur noch 3,33 Euro und im März 2026 wieder 5,89 Euro.
- Kein Ersatz beim Linoleum: Ohne Leinöl entsteht kein Linoleum, im Marmoleum von Forbo macht das Öl 19 Prozent der Masse aus.
Angeberwissen in fünf Fragen
1 Wie alt sind die ältesten bekannten Flachsfasern der Welt? Aufklappen ↓
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2 Welches Land kaufte 2024 dem Wert nach die meiste französische Flachsfaser? Aufklappen ↓
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3 Wie viel Leinöl steckt im Linoleumbelag Marmoleum von Forbo? Aufklappen ↓
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4 Welche Weber erhoben sich im Juni 1844 im schlesischen Weberaufstand? Aufklappen ↓
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5 Wie viele Hemden liefert ein Hektar europäischer Flachs rechnerisch? Aufklappen ↓
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Was ist Flachs und wie wird aus dem Halm eine Faser?
Flachs ist die Faserpflanze Lein (Linum usitatissimum), eine einjährige Kultur, die in rund 100 Tagen etwa einen Meter hoch wächst. Die Faser sitzt in Bündeln unter der Rinde des Stängels und löst sich erst, sobald Pilze und Bakterien auf dem Feld den pflanzlichen Leim zersetzen.
In Westeuropa säen die Landwirte im März und April, im Juni blüht das Feld blau. Ab Juli ziehen Spezialmaschinen die Pflanzen samt Wurzel aus dem Boden, statt sie zu mähen, weil jeder Schnitt die Faserlänge kürzen würde. Die gerauften Halme bleiben danach in langen Schwaden auf dem Acker liegen.
Dort beginnt die Tauröste, der heikelste Schritt der ganzen Kette. Mikroorganismen, vor allem Pilze, lösen das Pektin, das die Fasern mit dem holzigen Kern verklebt. Das Netzwerk flachs.de beschreibt als Ideal einen Wechsel feuchter und trockener Phasen alle sieben bis zehn Tage, der Vorgang zieht sich über mehrere Wochen. Regen und Tau treiben die Röste an, Trockenheit hält sie auf.
Nach der Röste pressen die Betriebe das Stroh zu Ballen und liefern an eine Schwingerei. Walzen brechen dort den holzigen Kern, Schlagwerke lösen die Bruchstücke, die sogenannten Schäben, aus der Faser. Übrig bleiben die wertvolle Langfaser für feine Garne und das kürzere Werg für Papier, Dämmstoffe und Verbundwerkstoffe.
| Schritt | Zeitraum | Ergebnis |
|---|---|---|
| Aussaat | März bis April (Winterlein im Herbst) | dichter Bestand, rund 100 Tage bis zur Reife |
| Raufen | ab Juli | Pflanzen mit Wurzel ausgezogen, Faserlänge bleibt erhalten |
| Tauröste | Juli bis September, mehrere Wochen | Pektin gelöst, Faser vom Holzkern trennbar |
| Schwingen | ab Spätsommer, ganzjährig aus dem Lager | Langfaser, Werg und Schäben |
| Hecheln und Spinnen | in der Spinnerei, überwiegend in China | Garn für Stoffe |
Wie viel Faser ein Feld hergibt, hängt stark vom Wetter ab. Aus der Ernte 2025 gewannen die Schwingereien laut der Alliance for European Flax-Linen & Hemp im Schnitt rund eine Tonne Langfaser je Hektar, bei 5,3 bis 6,0 Tonnen Stroh. Im schwachen Jahr 2023 brachte Sommerlein dagegen nur 400 bis 500 Kilo Langfaser je Hektar, gerade 12 bis 15 Prozent des Strohs.
Neben dem Faserlein existiert der Öllein, dieselbe Art in einer auf Samen gezüchteten Form. Seine Samen enthalten je nach Sorte 26 bis 45 Prozent Öl, wie eine finnische Studie von 2006 zeigt. Öllein wächst vor allem in Russland, Kasachstan, China und Kanada, der Faserlein konzentriert sich dagegen an der Kanalküste: Drei Viertel der weltweiten Langfaser stammen aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden.
Eine Lagerstätte, die sich erschöpft, kennt Flachs nicht, die Pflanze wächst jedes Jahr nach. Knapp ist der Boden, denn auf derselben Fläche steht Lein laut der Alliance nur alle sechs bis sieben Jahre. Mehr Flachs verlangt also mehr Äcker, und tatsächlich hat sich die westeuropäische Anbaufläche seit 2016 mehr als verdoppelt, auf rund 220.000 Hektar im Jahr 2026.
Flachs wird gerauft statt gemäht und röstet danach wochenlang auf dem Feld, bis Pilze die Faser vom Holz lösen. Über die Ausbeute entscheidet das Wetter: 2025 lieferte ein Hektar rund eine Tonne Langfaser, 2023 nur etwa die Hälfte davon.
Wer entdeckte den Flachs und wie begann der Leinenrausch?

Entdeckt hat den Flachs niemand, Menschen verarbeiten seine Faser seit mindestens 30.000 Jahren. In der georgischen Dzudzuana-Höhle fanden Forscher gesponnene, gefärbte und geknotete Fasern von wildem Lein, im alten Ägypten wurde Leinen zum Stoff der Priester und der Toten.
Ein Team um die georgische Forscherin Eliso Kvavadze beschrieb die Funde 2009 in der Fachzeitschrift Science. Die ältesten Siedlungsschichten der Höhle am Fuß des Kaukasus sind 32.000 bis 26.000 Jahre alt, aus ihnen stammen die Fasern. Das Tarkhan-Kleid im Londoner Petrie Museum gilt als ältestes erhaltenes gewebtes Kleidungsstück der Welt, ist ebenfalls aus Leinen und entstand in Ägypten zwischen 3482 und 3102 vor Christus.
Der griechische Geschichtsschreiber Herodot notierte im 5. Jahrhundert vor Christus, dass ägyptische Priester nur Kleidung aus Leinen trugen. Die Einbalsamierer wickelten die Verstorbenen in feine Leinenbinden, oft aus alter Kleidung zugeschnitten. Im Frankenreich legte Karl der Große um 800 im Capitulare de villis fest, dass seine Güter Flachs an die Werkstätten der Frauen liefern und in der Jahresabrechnung ausweisen.
Neun Jahrhunderte später machte Leinen Bielefeld reich. Am 10. Dezember 1678 erließ Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg eine Leggeordnung für die Grafschaft Ravensberg, und in Bielefeld öffnete eine Legge, eine amtliche Schau- und Prüfstelle für feines Leinen. Gut anderthalb Jahre später folgte Herford.
| Zeit | Ort | Ereignis |
|---|---|---|
| vor rund 30.000 Jahren | Dzudzuana-Höhle, Georgien | älteste bekannte gesponnene Flachsfasern |
| 3482 bis 3102 v. Chr. | Tarkhan, Ägypten | ältestes erhaltenes gewebtes Kleidungsstück, das Tarkhan-Kleid aus Leinen |
| um 800 | Frankenreich | Capitulare de villis regelt Flachslieferungen der Königsgüter |
| 1678 | Bielefeld | Leggeordnung, Bielefeld wird zur Leinenstadt |
| 1698 | Lisburn, Irland | Hugenotte Louis Crommelin baut die Ulster-Leinenindustrie auf |
| 1810 | Frankreich | Napoleon setzt eine Million Francs für eine Flachsspinnmaschine aus |
| 1844 | Schlesien | Weberaufstand in Peterswaldau und Langenbielau |
Noch größer war das Geschäft in Schlesien. In den 1780er-Jahren entfielen laut der Historikerin Anka Steffen rund vier von sechs Millionen Reichstalern des schlesischen Exports auf Leinen- und Schleierwaren. Aus dem Hirschberger Tal gingen 1785 fast 1,8 von 1,98 Millionen Reichstalern in den Überseehandel. Ein Brief von 1768 belegt den Weg über Frankreich an die afrikanische Küste, wo Händler die Stoffe im Sklavenhandel einsetzten.
Das Ende der Handspinnerei kam mit der Maschine. Die Spinnmaschinen von Arkwright, Hargreaves und Crompton verarbeiteten die kurze, gleichmäßige Faser der Baumwolle, die lange, steife Flachsfaser ließ sich dagegen schwer maschinell spinnen. 1810 setzte Napoleon eine Million Francs für die beste Flachsspinnmaschine aus. Philippe de Girard meldete wenige Wochen später Patente für das Trocken- und das Nassspinnen an, das Preisgeld erhielt er nie.
Girard ging 1825 nach Polen. Um seine Fabrik bei Warschau wuchs die Stadt Żyrardów, die seinen Namen bis heute führt. Die Industrie selbst fand ihr Zentrum in Nordirland. Den Grundstein legte der Hugenotte Louis Crommelin, der 1698 mit Webstühlen und rund 70 Landsleuten nach Lisburn kam. Um 1900 drehten sich allein in Belfast 900.000 Spindeln, mehr als in jedem anderen Land, schrieb die Chronistin Mary Lowry 1913.
In Deutschland endete die Handweberei im Elend. Beim Weberaufstand vom 4. bis 6. Juni 1844 in Peterswaldau und Langenbielau erhoben sich zwar Baumwollweber, doch die schlesischen Leinenweber lebten laut dem Deutschen Historischen Museum in noch größerer Armut. Preußisches Militär schoss in Langenbielau auf die Aufständischen, elf Menschen starben. Gerhart Hauptmann machte den Aufstand zum Drama „Die Weber“, die Berliner Polizei verbot die Aufführung 1892.
Leinen war über Jahrhunderte ein Exportschlager und machte Bielefeld, Schlesien und Belfast reich. Maschinen für Baumwolle beendeten das Handgewerbe, weil sich die lange Flachsfaser erst spät mechanisch spinnen ließ.
Wie hat Flachs die Weltkarte verändert?

Grenzen hat Flachs nicht verschoben, dafür Abhängigkeiten geschaffen: Europa liefert die Langfaser, China spinnt sie. Anbau und Verarbeitung liegen heute auf zwei Kontinenten, und diese Arbeitsteilung macht die Landwirte in der Normandie vom Einkauf chinesischer Spinnereien abhängig.
Wie politisch die Pflanze werden kann, zeigte das NS-Regime. 1933 wuchs Flachs in Deutschland nur noch auf etwa 5.000 Hektar, im Zuge der Autarkiepolitik und der sogenannten Erzeugungsschlacht stieg die Fläche bis 1937 auf rund 100.000 Hektar, wie Fritz Kalmbach in der Zeitschrift Schwäbische Heimat dokumentiert. Die heimische Faser sollte Importe ersetzen, die das Regime mit knappen Devisen bezahlen musste.
Die neuen Röstanstalten brauchten Arbeitskräfte. In der Flachsröste Lohhof bei München, die im Frühjahr 1938 den Betrieb aufgenommen hatte, mussten ab 1941 rund 200 jüdische Zwangsarbeiter aus München und 68 Frauen aus dem Ghetto Litzmannstadt Zwangsarbeit leisten. Eine örtliche Initiative erinnert heute mit einem Denkmal an die Opfer.
Nach dem Krieg verschwand der Lein fast ganz von deutschen Äckern. Laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) endete der Anbau 1957 in der Bundesrepublik und 1979 in der DDR, erst seit 1986 wächst Faserlein wieder in kleinem Umfang. In Belgien endete schon 1943 die Röste im Fluss Leie, dem das golden schimmernde Röstwasser den Beinamen „Golden River“ eingebracht hatte.
| Jahr | Eingriff | Folge |
|---|---|---|
| 1937 | NS-Autarkiepolitik | Flachsfläche in Deutschland steigt auf rund 100.000 Hektar |
| 1943 | Verbot der Flussröste in der Leie | Röstanlagen ersetzen den „Golden River“ |
| 1957 und 1979 | Anbauende in der Bundesrepublik und der DDR | Deutschland verliert die Flachsverarbeitung |
| 2009 | Fund der Gentech-Linie CDC Triffid | EU-Prüfprotokoll für kanadische Leinsamen bis Mai 2026 |
| Juli 2024 | höhere EU-Zölle auf Getreide und Ölsaaten aus Russland und Belarus | auch Leinsamen betroffen |
| September 2024 | Einkaufsstopp chinesischer Käufer | Faserpreis fällt bis Januar 2025 auf 3,33 Euro je Kilo |
Heute liegt die Macht beim Käufer. Die französische Agrarbehörde FranceAgriMer fasst die Arbeitsteilung in einem Satz zusammen: Der größte Teil des geschwungenen Flachses geht zum Spinnen nach China. Laut der UN-Handelsstatistik Comtrade kamen 2024 drei Viertel der chinesischen Flachsimporte aus Frankreich, ein weiterer großer Teil lief über belgische Händler.
Die Kehrseite erlebte die Branche im September 2024, als chinesische Käufer ihre Einkäufe stoppten, wie die Fachzeitung La France Agricole berichtete. Der Durchschnittspreis für Langfaser sank bis Januar 2025 auf 3,33 Euro je Kilo. Olivier Guillaume, früher Präsident des Spinnereikonzerns Safilin, beschreibt ein Ungleichgewicht, das niemand gesteuert habe: Zuvor waren die Spitzenpreise binnen knapp zwei Jahren von vier auf über zehn Euro je Kilo gestiegen.
Beim Öllein verteilen sich die Rollen anders. Russland erntete 2024 laut der Welternährungsorganisation FAO rund 1,18 Millionen Tonnen Leinsamen, fast 40 Prozent der Welternte, und lieferte 76 Prozent der chinesischen Importe. Seit Juli 2024 erhebt die EU auf Getreide und Ölsaaten aus Russland und Belarus deutlich höhere Zölle, Leinsamen eingeschlossen.
Kanada wiederum musste 17 Jahre mit einem Laborbefund leben. Im Juli 2009 fanden Prüfer in einer Lieferung Spuren der nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Leinlinie CDC Triffid. Ab 2009 durchliefen kanadische Leinsamen für die EU ein eigenes Prüfprotokoll, das erst am 1. Mai 2026 endete, nachdem 13 Jahre lang kein Test mehr positiv ausgefallen war.
Warum ist Flachs für die Weltwirtschaft so wichtig?

Flachs stellt weniger als 0,5 Prozent der weltweiten Textilfasern, doch an der Pflanze hängen Tausende Höfe an der Kanalküste, Spinnereien in China und Indien sowie die Linoleumindustrie. Europa produzierte 2025 rund 190.000 Tonnen Langfaser, so viel wie nie zuvor.
Das Zentrum des Anbaus liegt in Frankreich: Laut FranceAgriMer bauten 2024 rund 10.600 Betriebe Faserlein an, 33 Schwingereien verarbeiteten das Stroh. Mit 158.300 Hektar stellte Frankreich 88 Prozent der europäischen Fläche, in der Kampagne 2024/25 gewannen die Betriebe 135.000 Tonnen Langfaser. Belgien und die Niederlande folgen mit großem Abstand.
Ungewöhnlich ist die Lage des Jahres 2025: Rekordangebot und Rekordnachfrage fielen zusammen. Die Branchenallianz schätzt, dass rund 185.000 Tonnen Langfaser verkauft wurden, fast die gesamte Produktion. Im Dezember 2025 lag der Durchschnittspreis bei 5,49 Euro je Kilo, 37 Prozent über dem Vorjahreswert, im ersten Quartal 2026 stieg er um weitere 7,7 Prozent. Die Nachfrage nach Leinen wächst schneller, als neue Flächen und Schwinglinien liefern können.
Den Weg der Faser zeigt die Handelsstatistik. Frankreich exportierte 2024 Flachs für rund 897 Millionen Euro, knapp 500 Millionen davon gingen direkt nach China. Der Menge nach ging mehr als die Hälfte nach Belgien, wo Händler und Schwingereien die Ware sortieren und zu einem großen Teil weiterverkaufen. Chinas eigene Statistik weist für Faser französischen Ursprungs rund 845 Millionen Euro aus, weil sie auch die über Belgien gehandelten Partien Frankreich zurechnet. Indien kaufte 2024 insgesamt Flachsfaser für rund 275 Millionen Euro und gilt als wachsender zweiter Abnehmer.
| Ziel | Wert 2024 | Menge 2024 |
|---|---|---|
| China | 499 Mio. € | 72.793 t |
| Belgien | 223 Mio. € | 159.922 t |
| Indien | 66 Mio. € | 10.272 t |
| Alle Ziele zusammen | 897 Mio. € | 281.127 t |
Einen Terminmarkt wie für Baumwolle kennt der Flachshandel nicht. Schwingereien und Spinnereien handeln die Preise direkt aus, als Orientierung dient der Durchschnittspreis, den die Alliance für zertifizierte Langfaser veröffentlicht. Der kleine, undurchsichtige Markt erklärt die heftigen Ausschläge, denn wenige große Käufer in China bewegen mit ihren Aufträgen die ganze Kette.
Deutschland spielt in diesem Handel eine Nebenrolle. Leinenstoffe importierte die Bundesrepublik 2024 laut Comtrade für rund 22 Millionen Euro, 42 Prozent davon aus Italien. Bedeutender ist der Samen: 2024 kamen knapp 112.000 Tonnen Leinsamen für rund 83 Millionen Euro ins Land, die größten Mengen aus Russland, Kasachstan und Polen. Auf deutschen Feldern wuchs technisch genutzter Öllein 2023 laut FNR auf geschätzt 5.000 Hektar.
Frankreich stellt fast neun Zehntel der europäischen Flachsfläche, China kauft den größten Teil der Faser. Ohne Börse bestimmen wenige Großkäufer den Preis, und Deutschland taucht vor allem als Käufer von Leinsamen auf.
In welchen Produkten steckt Flachs, und was verschwindet ohne ihn?

Flachs steckt als Faser in Leinenhemden, Bettwäsche und Geschirrtüchern, als Leinöl in Farben, Firnis und Linoleum und als Verbundwerkstoff in Rennwagen. Ohne die Pflanze entstünde weder echtes Leinen noch Linoleum, für die übrigen Anwendungen existieren Ersatzstoffe mit Abstrichen.
Wie weit ein Hektar reicht, rechnet die Branchenallianz vor: 900 Kilo Garn, 3.750 Quadratmeter Stoff, 4.000 Hemden oder 450 Garnituren Bettwäsche. Alternativ lassen sich daraus 1.375 Stühle aus Flachs-Verbundwerkstoff fertigen. Von der Pflanze bleibt kaum etwas ungenutzt, das Werg geht in Papier und Dämmung, die Schäben in Spanplatten, Mulch und Tierstreu.
| Produkt | Was vom Lein drinsteckt | Ersatz bei Lieferausfall |
|---|---|---|
| Leinenhemd, Bettwäsche, Geschirrtuch | Langfaser | Baumwolle oder Viskose, mit anderem Griff und Kühleffekt |
| Linoleum | Leinöl als Bindemittel, 19 Prozent der Masse | keiner, ein PVC- oder Vinylboden ist ein anderes Produkt |
| Ölfarbe, Firnis, Holzöl | Leinöl | andere Bindemittel, mit veränderter Trocknung |
| Leinsamen und Speiseöl | Samen des Ölleins | andere Omega-3-Quellen |
| Karosserieteile im Motorsport | Flachsgewebe als Verbundwerkstoff | Kohle- oder Glasfaser |
| Dämmstoff, Spanplatte | Werg und Schäben | Holzfaser, Mineralwolle |
Das Produkt, das ohne Flachs schlicht nicht existiert, liegt unter vielen Schreibtischen. Der Brite Frederick Walton ließ sich 1860 ein Verfahren zur Oxidation von Leinöl patentieren, 1863 folgte das Patent für einen Bodenbelag, im selben Jahr eröffnete er in Staines die erste Linoleumfabrik. Der Name setzt sich aus den lateinischen Wörtern für Lein und Öl zusammen.
Wie viel Lein im Boden steckt, zeigt die Umweltproduktdeklaration von Forbo: Das Marmoleum besteht zu 19 Prozent aus Leinöl, zu 24 Prozent aus Holzmehl und zu 23 Prozent aus Kalkstein, dazu kommen Tallöl, Harz, Pigmente und ein Rücken aus Jutegewebe. Das oxidierte Leinöl bindet die Masse, ohne dieses Bindemittel entsteht kein Linoleum. Forbo fertigt im niederländischen Assendelft und in Schottland.
Deutschland hat eine eigene Linoleumgeschichte. In Delmenhorst begann 1882 die Produktion, die Deutschen Linoleum-Werke beschäftigten Ende der 1990er-Jahre in der Spitze 4.500 Menschen. Nach zwei Insolvenzen übernahm der französische Hersteller Gerflor 2018 das Werk mit 270 Beschäftigten. Delmenhorst gilt heute als letzter deutscher Linoleumstandort.
Leinöl steckt nicht nur im Bodenbelag. Natürliches Leinöl enthält knapp 60 Prozent Alpha-Linolensäure, eine Omega-3-Fettsäure, die das Öl in der Küche begehrt macht. Rund 70 Prozent des weltweit gepressten Leinöls gehen allerdings in technische Anwendungen wie Farben, Lacke und Rostschutz, zitiert die finnische Studie von 2006 frühere Erhebungen.
Die jüngste Anwendung kommt von der Rennstrecke. Porsche baute 2019 in den 718 Cayman GT4 Clubsport Türen und Heckflügel aus Naturfaser-Verbundwerkstoff ein, 2020 folgte ein ganzes Karosseriekit auf Basis von Flachsfaser. Entwickelt hat der Autobauer die Teile mit dem Schweizer Spezialisten Bcomp, dem Fraunhofer-Institut WKI und mit Förderung des Bundeslandwirtschaftsministeriums.
Ein Lieferausfall träfe die Produkte sehr unterschiedlich. Linoleum und echtes Leinen verschwänden, weil ihr Kern aus dem Lein besteht. Hemden, Farben und Karosserieteile ließen sich dagegen aus Baumwolle, anderen Bindemitteln oder Kohlefaser herstellen, mit Einbußen bei Tragegefühl, Ökobilanz oder Preis.
Wie setzt sich der Preis eines Leinenhemds zusammen?

Im Preis eines Leinenhemds für 49,99 Euro steckt Flachsfaser im Wert von rund 1,50 Euro. Fast acht Euro gehen als Mehrwertsteuer an den Staat, den großen Rest teilen sich Spinnerei, Weberei, Näherei, Transport und Handel.
Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung. Angenommen, ein Hektar liefert rund eine Tonne Langfaser wie 2025, und daraus entstehen die 4.000 Hemden, die die Branchenallianz je Hektar ansetzt. Auf jedes Hemd entfielen dann rund 250 Gramm Faser, Verluste beim Spinnen und Zuschnitt eingerechnet. Beim Durchschnittspreis vom März 2026 von 5,89 Euro je Kilo kostete diese Faser rund 1,47 Euro.
Leinenhemden bei der Modekette Mango kosteten im September 2026 zwischen 39,99 und 59,99 Euro. In einem Hemd für 49,99 Euro stecken 7,98 Euro Mehrwertsteuer. Der Staat verdient am einzelnen Hemd also mehr als fünfmal so viel wie Anbau und Schwingerei an der Faser.
| Faserpreis je Kilo | Zeitpunkt | Faserkosten je Hemd | Anteil an 49,99 Euro |
|---|---|---|---|
| 9,00 € | März 2024 | 2,25 € | 4,5 % |
| 3,33 € | Januar 2025 | 0,83 € | 1,7 % |
| 5,89 € | März 2026 | 1,47 € | 2,9 % |
Die übrigen gut 40 Euro verteilen sich auf Spinnen, Weben, Färben, Nähen, Fracht, Zoll, Ladenmiete und Marge. Eine belastbare Aufschlüsselung dieser Posten veröffentlicht weder die Branche noch ein großer Händler, auch die Fachplattform Fibre2Fashion beschränkt sich auf die Kostentreiber. An dieser Stelle bleibt die Blackbox des Preises verschlossen, und die Händler haben wenig Interesse, daran etwas zu ändern.
Die Tabelle erklärt, warum der Ladenpreis die Achterbahn der Faser kaum mitfährt. Selbst der Absturz von 9,00 auf 3,33 Euro je Kilo hätte ein Hemd um knapp 1,50 Euro billiger machen können, ein Hemd für 49,99 Euro kostete danach aber nicht 48,50 Euro. Die Preisstarrheit ist typisch für Waren mit kleinem Rohstoffanteil: Die Faserpreise steigen und fallen, der Ladenpreis orientiert sich an Preisschwellen.
Auch der Wechselkurs spielt mit. Die Alliance notiert den Faserpreis in Euro, der Welthandel mit Garnen und Textilien läuft dagegen überwiegend in US-Dollar. Am 25. September 2026 kostete ein Euro laut Europäischer Zentralbank 1,14 Dollar. Ein starker Euro verteuert die französische Faser für Spinnereien in China und Indien und verbilligt zugleich die fertige Importware für europäische Händler.
Wer verdient an Flachs und wer zahlt drauf?

Am Flachsboom verdienen vor allem die Landwirte und Schwingereien in Nordfrankreich und die Spinnereien in China. Draufgezahlt haben früher die Handweber in Schlesien, heute tragen die wenigen europäischen Spinnereien und die Käufer das Risiko der Preisschwankungen.
Für französische Betriebe hat sich Flachs zur lohnenden Kultur entwickelt. Bertrand Decock, Präsident des Branchenverbands Cipalin, bezifferte im Januar 2026 gegenüber La France Agricole das Flächenwachstum in zehn Jahren mit fast 130 Prozent und die französische Fläche 2025 auf 176.000 Hektar. Der Faserpreis lag damals bei rund 5,5 Euro je Kilo, weit über dem Tiefpunkt vom Januar 2025.
Die Verlierer sitzen eine Stufe weiter. Frankreich zählte laut FranceAgriMer 2024 nur zwei Flachsspinnereien. Eine davon, das 2022 eröffnete Werk von Safilin in Béthune, schloss am 22. September 2025, 23 Beschäftigte verloren ihre Stelle. Safilin spinnt weiter in Polen, in Nordfrankreich blieb eine Lücke, die neue Projekte erst füllen müssen.
| Akteur | Rolle | Lage 2026 |
|---|---|---|
| Landwirte in Frankreich, Belgien, Niederlanden | Anbau und Röste | Rekordfläche, Preise seit 2025 wieder steigend, Dürrerisiko bei der Röste |
| Schwingereien | Trennen von Faser und Holz | Strohvorräte aus 2024 und 2025, 19 neue Linien in zehn Jahren |
| Spinnereien in China | Garn für die Weltmode | größter Käufer, bestimmt über Einkaufspausen den Preis |
| Spinnereien in Frankreich | Rückverlagerung | zwei Werke 2024, eines davon 2025 geschlossen |
| Modehandel und Verbraucher | Endkunden | Faser macht nur wenige Prozent des Ladenpreises aus |
Einen Ressourcenfluch löst Flachs nicht aus. Der Begriff bezeichnet das Muster, dass Rohstoffrenten in einem Staat Korruption, wirtschaftliche Einseitigkeit und schwache Institutionen fördern. Verwandt ist die holländische Krankheit, benannt nach den Niederlanden der 1960er-Jahre, als Erdgasexporte den Gulden aufwerteten und die übrige Industrie verdrängten. Beim Flachs fehlt die Rente, die ein Staat abschöpfen könnte: Tausende Familienbetriebe teilen sich den Ertrag, und die Faser macht selbst in Frankreich nur einen kleinen Teil der Agrarexporte aus.
Europa erzeugt drei Viertel der weltweiten Langfaser und hat das Spinnen trotzdem fast vollständig an China abgegeben. Ein Einkaufsstopp chinesischer Spinnereien wie im September 2024 bewegt den Flachspreis in der Normandie deshalb stärker als jede Missernte.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die menschliche Seite zeigt sich auf dem Feld. Antoine Colboc bewirtschaftet in Montivilliers bei Le Havre 36 Hektar Flachs und wartete im Sommer 2026 wochenlang auf Regen, wie der Sender France 3 berichtete. Für Betriebe dieser Größe entscheidet die Röste über den Jahresertrag, denn ein Hektar schlecht gerösteter Flachs liefert deutlich weniger Langfaser und erzielt einen niedrigeren Preis.
Historisch zahlten die Weber den höchsten Preis. Die schlesischen Leinenweber verloren im 19. Jahrhundert gegen Maschinengarn und Baumwolle. Heute bezeichnet sich die Leinenweberei Hoffmann im sächsischen Neukirch als eine der letzten mechanischen Leinenwebereien Deutschlands, 1905 gegründet, 1972 verstaatlicht und 1994 reprivatisiert.
Den Ertrag des Booms teilen sich französische Höfe und chinesische Spinner, das Risiko liegt bei den wenigen Spinnereien in Europa. Einen Ressourcenfluch kennt der Flachs nicht, weil Tausende Familienbetriebe den Ertrag unter sich aufteilen und kein Staat eine Rente kassiert.
Wie mächtig ist die Flachs-Lobby?

Die Flachs-Lobby ist klein, aber straff organisiert: Die Alliance for European Flax-Linen & Hemp vertritt mehr als 10.000 Unternehmen in 16 Ländern und vergibt die Herkunftssiegel der Branche. Direkte Subventionen für Faserflachs zahlt Frankreich dagegen nicht mehr.
Die Alliance ging aus der Europäischen Konföderation für Flachs und Hanf hervor und besteht in ihrer Vorgängerform seit mehr als 70 Jahren. Ihre wichtigsten Werkzeuge sind zwei Siegel: Masters of Linen für Garne und Stoffe aus europäischer Faser besteht seit 1993, das Faser-Siegel European Flax seit 2012, das seit Januar 2025 Masters of Flax Fibre heißt. Die Siegel verwandeln eine Herkunft in ein Verkaufsargument, mit dem Modemarken werben.
Bei den Subventionen fällt ein Gefälle auf. Die EU förderte die Verarbeitung von Flachs und Hanf lange über eine eigene Beihilfe, geregelt in der Verordnung 1673/2000, heute ist diese Förderung in den entkoppelten Direktzahlungen aufgegangen. In der französischen Agrarförderung bekommt Hanf 2025 eine gekoppelte Zahlung von 97 Euro je Hektar, Faserlein dagegen keine.
| Förderinstrument | Begünstigter | Umfang |
|---|---|---|
| Gekoppelte Zahlung Frankreich 2025 | Hanf | 97 € je Hektar (Richtwert) |
| Gekoppelte Zahlung Frankreich 2025 | Faserlein | keine |
| Zuschuss für Spinnerei Linfini, Bretagne | Rückverlagerung der Spinnerei | 2,2 Mio. € bei 13 Mio. € Investition |
| Verarbeitungsbeihilfe der EU (VO 1673/2000) | Flachs- und Hanfverarbeiter | heute in entkoppelten Direktzahlungen aufgegangen |
Die Branche wirbt vor allem mit der Umwelt. Europäischer Flachs brauche keine Bewässerung, von Ausnahmefällen abgesehen, und wenig Dünger und Pflanzenschutz, betont die Alliance. Die Aussage stimmt für normale Jahre, doch die Alliance selbst lässt den Punkt bereits im Licht des Klimawandels untersuchen. Der Sommer 2026 zeigt die Achillesferse des Versprechens: Die Pflanze kommt mit wenig Wasser aus, die Röste auf dem Feld stockt dagegen ohne Regen.
Wie weit Versprechen und Wirklichkeit auseinanderliegen, zeigt die Spinnerei. Seit Jahren wirbt die Branche mit europäischer Herkunft, gesponnen wird trotzdem fast alles in China. Deutschland spielt beim Faserflachs praktisch keine Rolle mehr: Die FNR führt Faserpflanzen 2025 mit 3.250 Hektar, im Wesentlichen Hanf, spezielle Steuervergünstigungen oder Beihilfen für Faserflachs existieren nicht.
Die Branche setzt auf Siegel statt Subventionen: Masters of Linen macht europäische Herkunft zum Verkaufsargument. Gefördert wird in Frankreich eher der Hanf als der Flachs, und Deutschland ist aus dem Faserflachs praktisch ausgestiegen.
Wie kommt Europa von Chinas Spinnereien los?

Nur über eigene Spinnereien, und die entstehen langsam. Die neuen Werke in der Normandie und der Bretagne sollen zusammen gut 1.100 Tonnen Garn im Jahr liefern, gemessen an 190.000 Tonnen europäischer Langfaser ein Bruchteil von unter einem Prozent.
Die Genossenschaft NatUp eröffnete am 19. September 2022 in Saint-Martin-du-Tilleul im Département Eure ihre French Filature und schloss damit eine Lücke in der französischen Leinenkette. Die Anlage arbeitet im Nassspinnverfahren für feine Garne und ist auf 250 Tonnen im Jahr ausgelegt. Die früheren Spinnereien des Landes waren vor Jahrzehnten nach China abgewandert.
Größer plant Linfini in Pleyber-Christ im Finistère. Das Unternehmen investiert laut L’Usine Nouvelle 13 Millionen Euro, davon 2,2 Millionen aus öffentlichen Mitteln, und will bei voller Auslastung knapp 900 Tonnen Garn im Jahr spinnen, für Möbelstoffe, Haushaltswäsche und Verpackungen. Das Scheitern von Safilin in Béthune zeigt, wie schwer sich europäische Spinner gegen die Kostenvorteile der chinesischen Konkurrenz behaupten.
Ein Rechenbeispiel zeigt die Dimension. Angenommen, Europa wollte nur zehn Prozent seiner Langfaser selbst spinnen, also rund 19.000 Tonnen im Jahr. Bei rund 90 Prozent Garnausbeute ergäben sich gut 17.000 Tonnen Garn, genug für fast 20 Werke in der Größe von Linfini mit Investitionen von grob 250 Millionen Euro, bevor die erste Tonne Garn einen Käufer gefunden hätte. Ohne Modemarken, die europäisches Garn dauerhaft abnehmen, bliebe das eine Rechnung auf dem Papier.
| Sektor | Wo die Verarbeitung heute sitzt | Abhängigkeit von China |
|---|---|---|
| Bekleidung und Heimtextilien | Spinnen und Weben überwiegend in China, dazu Indien | hoch |
| Linoleum | Forbo in den Niederlanden und Schottland, Gerflor in Delmenhorst, Tarkett in Italien | gering, Leinsamen kommt aber vor allem aus Russland und Kasachstan |
| Verbundwerkstoffe | Europäische Spezialisten wie Bcomp in der Schweiz | gering |
| Dämmstoffe, Papier, Spanplatten | regionale Verwertung von Werg und Schäben | gering |
Am weitesten sind die technischen Anwendungen. Linoleumhersteller und Verbundwerkstoff-Spezialisten verarbeiten den Lein bereits in Europa, beim Linoleum liegt die Abhängigkeit eher beim Leinsamen aus Russland und Kasachstan. Als Letztes wird die Bekleidung unabhängig, weil dort das Garn in großen Mengen und zu niedrigen Preisen gebraucht wird.
Als heimische Alternative drängt sich der Hanf auf, der ebenfalls auf dem Feld röstet und sich ähnlich verarbeiten lässt. Der Markt für Hanftextilien existiere noch gar nicht und müsse erst entstehen, sagte Olivier Guillaume im Juli 2025 der Fachzeitung La France Agricole. Hanf entlastet also allenfalls langfristig, eine Abkürzung bietet die Faser nicht.
Mehr Spielraum verspricht die Kreislaufwirtschaft. Die EU zählte 2019 rund 12,6 Millionen Tonnen Textilabfall, nur ein Fünftel davon wurde getrennt gesammelt. Die geänderte Abfallrahmenrichtlinie ist seit dem 16. Oktober 2025 in Kraft und verlangt binnen 30 Monaten, also bis etwa April 2028, Systeme der Herstellerverantwortung für Textilien. Wer Kleidung verkauft, zahlt dann für Sammlung und Verwertung mit.
Frankreichs neue Spinnereien sollen zusammen auf gut 1.100 Tonnen Garn im Jahr kommen, weniger als ein Prozent der europäischen Langfaser. Linoleum und Verbundwerkstoffe hängen schon heute wenig von China ab, die Bekleidung bleibt am längsten gebunden.
Was bedeutet die Dürre-Ernte 2026 für Deutschland?

Kurzfristig wenig: Rekordfläche und Strohvorräte aus den Ernten 2024 und 2025 sichern die Versorgung, betont die Branchenallianz. Offen bleibt die Faserqualität der verspätet gerösteten Ernte, und mit ihr der Preis, den deutsche Textilhändler und Hersteller von Heimtextilien 2027 für Leinen zahlen.
Der Aufhänger dieses Beitrags lässt sich präzise datieren. Laut dem Bericht der Alliance vom 30. Juli 2026 war die Ernte im Juli abgeschlossen, die Dürre im Juni und Juli hatte den Anbauzyklus beschleunigt, Mitte Juli lag mehr als die Hälfte der Pflanzen gerauft auf den Feldern. Viele Regionen waren seit dem Spätfrühling ohne Regen geblieben, dazu kamen mehrere Hitzewellen. Die größte Sorge galt der Röstqualität.
Erst in der Woche ab dem 16. August fielen in der Normandie 30 bis 50 Millimeter Regen, berichtete France 3 am 24. August. Die Röste setzte damit rund vier Wochen später ein als 2025, ob die Dürre den Fasergehalt der Pflanzen gemindert hat, wollten die Landwirte vor dem Schwingen nicht beurteilen. Ihre Schätzung der verfügbaren Langfaser kündigt die Alliance für den Herbst an.
Für deutsche Verbraucher hält sich das Risiko in Grenzen. Selbst ein Anstieg des Faserpreises um die Hälfte würde ein Leinenhemd rechnerisch um rund 75 Cent verteuern, die Tabelle im Preiskapitel zeigt die Größenordnung. Mehr Gewicht hat der Rohstoffpreis bei Produkten, in denen die Faser einen größeren Teil des Preises ausmacht, etwa bei schwerer Bettwäsche, Tischwäsche und Möbelstoffen.
Unternehmen spüren die Lage stärker. Deutsche Importeure bezogen Leinenstoffe 2024 zu 42 Prozent aus Italien, die Faser dahinter stammt aber fast immer aus Frankreich und Belgien. Leinölmühlen und Farbenhersteller hängen dagegen am Leinsamen: Deutschland importierte 2024 gut 26.000 Tonnen aus Russland, und russische Ware fällt seit Juli 2024 unter die höheren EU-Zölle.
Die Bundesregierung verfolgt beim Flachs keine eigene Politik und braucht auch keine, solange die Versorgung aus den Nachbarländern läuft. Kritischer sehen wir die Lage beim Garn: Europa hat das Spinnen abgegeben, und ein Hersteller in Deutschland, der Leinen mit europäischer Herkunft verkaufen will, findet kaum noch Garn aus der EU. An dieser Stelle hilft keine Förderung für den Acker, sondern nur Nachfrage nach Garn aus Europa.
| Szenario | Annahme | Folge für deutsche Käufer |
|---|---|---|
| Optimistisch | Regen ab Mitte August rettet die Röste, Faserausbeute nahe am Normaljahr | Faserpreis stabil um 5,5 bis 6 Euro je Kilo, Leinen bleibt verfügbar |
| Realistisch | Qualität schwankt stark zwischen Regionen, Strohvorräte gleichen Lücken aus | moderate Preissteigerung bei hochwertigen Garnen, kaum Wirkung auf Hemdenpreise |
| Pessimistisch | schlechte Röste wie 2023, dazu steigende Nachfrage aus China und Indien | Faserpreis steigt Richtung der 9 Euro von 2024, Engpässe bei feinen Leinenstoffen ab 2027 |
Für die Praxis ergeben sich vier Empfehlungen:
- Einkäufer im Textilhandel sichern Leinenmengen für 2027 früh über Rahmenverträge und fragen Lieferanten nach dem Erntejahr der Faser
- Marken mit Nachhaltigkeitsanspruch prüfen das Siegel Masters of Linen, das die europäische Herkunft von Faser, Garn und Stoff belegt
- Verbraucher müssen wegen der Ernte kaum mit teurerem Leinen rechnen, die Faser macht am Hemd nur wenige Prozent aus
- Hersteller mit Leinöl im Rezept beobachten neben der Faser den Leinsamenmarkt, weil Zoll und Russland-Abhängigkeit dort stärker wirken als das Wetter in der Normandie
Die Dürre 2026 bedroht nicht die Menge, sondern die Qualität der Faser, und Strohvorräte aus zwei guten Jahren federn Qualitätsmängel ab. Für Deutschland liegt das größere Risiko beim fehlenden europäischen Garn und beim Leinsamen aus Russland.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zu Flachs

Faserlein
Faserlein heißt die hochwüchsige Form der Kulturpflanze Lein, die Züchter auf lange Stängel und hohen Faseranteil ausgerichtet haben. Aus ihr gewinnen Schwingereien die Langfaser für Leinen. Angebaut wird Faserlein vor allem an der Kanalküste in Frankreich, Belgien und den Niederlanden.
Hecheln
Hecheln bezeichnet das Kämmen der geschwungenen Faser durch immer feinere Nadelreihen. Der Arbeitsschritt ordnet die Langfasern parallel, trennt kurze Fasern ab und bereitet das Material auf das Spinnen vor. Heute findet das Hecheln meist in der Spinnerei statt.
Langfaser
Langfaser nennt die Branche die wertvollen, langen Faserbündel aus dem Flachsstängel. Aus ihr entstehen feine Garne für Kleidung und Wäsche. Die Alliance veröffentlicht für zertifizierte Langfaser einen Durchschnittspreis, der im März 2026 bei 5,89 Euro je Kilo lag.
Legge
Legge hieß die amtliche Schau- und Prüfstelle, in der Leinen vermessen, bewertet und gestempelt wurde. Die Bielefelder Legge entstand nach der Ordnung von 1678 und begründete den Ruf der Stadt als Zentrum für feines Leinen. Der Stempel garantierte Käufern eine geprüfte Qualität.
Leinöl
Leinöl wird aus den Samen des Leins gepresst und härtet an der Luft zu einem festen Film aus. Als trocknendes Öl dient Leinöl als Bindemittel für Ölfarben, Firnis und Linoleum. Speiseleinöl enthält viel Alpha-Linolensäure, eine Omega-3-Fettsäure.
Linoleum
Linoleum ist ein Bodenbelag aus oxidiertem Leinöl, Harzen, Holzmehl, Kalkstein und Pigmenten auf einem Trägergewebe aus Jute. Frederick Walton ließ das Verfahren in den 1860er-Jahren patentieren. In Deutschland stellt Gerflor in Delmenhorst Linoleum her.
Masters of Linen
Masters of Linen ist ein Herkunftssiegel der Alliance for European Flax-Linen & Hemp. Das Siegel garantiert, dass Faser, Garn und Stoff eines Produkts in Europa entstanden sind. Vergeben wird Masters of Linen seit 1993, das Schwestersiegel für die reine Faser heißt Masters of Flax Fibre.
Nassspinnen
Nassspinnen bezeichnet ein Verfahren, bei dem das Flachsvorgarn vor dem Verspinnen durch Wasser läuft. Das Wasser löst Reste des Pflanzenleims, sodass sich besonders feine, glatte Garne spinnen lassen. Philippe de Girard meldete das Verfahren 1810 zum Patent an.
Öllein
Öllein ist die auf Samen gezüchtete Form des Leins. Seine Samen enthalten je nach Sorte 26 bis 45 Prozent Öl. Die größten Erzeuger sind Russland, Kasachstan, China und Kanada, Deutschland importierte 2024 knapp 112.000 Tonnen Leinsamen.
Raufen
Raufen heißt das Ernten des Flachses durch Ausziehen der ganzen Pflanze samt Wurzel. Anders als beim Mähen bleibt so die volle Länge der Faser erhalten. Spezialmaschinen legen die gerauften Halme anschließend in Schwaden zum Rösten ab.
Schäben
Schäben sind die holzigen Bruchstücke aus dem Kern des Flachsstängels, die beim Schwingen anfallen. Die Industrie verarbeitet die Schäben zu Spanplatten, Tierstreu und Mulch oder verfeuert das Material. Auch die Reste der Pflanze finden so eine Verwendung.
Schwingerei
Schwingerei nennt man den Betrieb, der das geröstete Flachsstroh bricht und die Faser vom Holzkern trennt. Schwingereien liefern Langfaser, Werg und Schäben. In Frankreich arbeiteten 2024 laut FranceAgriMer 33 solche Betriebe.
Tauröste
Tauröste bezeichnet das Rösten des gerauften Flachses auf dem Feld. Pilze und Bakterien bauen dabei über mehrere Wochen das Pektin ab, das die Fasern an den Holzkern bindet. Die Röste braucht den Wechsel aus Feuchtigkeit und Trockenheit, deshalb verzögerte die Dürre 2026 den Vorgang.
Werg
Werg ist die kurze, wirre Faser, die beim Schwingen und Hecheln neben der Langfaser anfällt. Werg geht in gröbere Garne, Dämmstoffe, Spezialpapiere und Verbundwerkstoffe. Auf dem Markt erzielt Werg deutlich niedrigere Preise als Langfaser.
FAQ: Flachs: Europa baut an, China spinnt

Was ist der Unterschied zwischen Flachs und Leinen?
Flachs ist die Pflanze, Leinen der Stoff, der aus ihrer Faser gewebt wird. Aus dem Stängel des Faserleins gewinnen Schwingereien die Langfaser, Spinnereien machen daraus Garn und Webereien den Leinenstoff. Botanisch heißt die Pflanze Lein, ihre Samen kennen viele als Leinsamen.
Warum ist Leinen so teuer?
Leinen ist teurer als Baumwolle, weil Gewinnung und Verarbeitung aufwendig sind: Flachs wird gerauft, wochenlang auf dem Feld geröstet, geschwungen und gehechelt. Zudem stellt die Faser weniger als 0,5 Prozent der weltweiten Textilfasern. Die Faser selbst macht am Ladenpreis eines Hemds allerdings nur wenige Prozent aus.
Wird in Deutschland noch Flachs angebaut?
Kaum noch. Der Anbau endete 1957 in der Bundesrepublik und 1979 in der DDR, seit 1986 wächst Faserlein nur in sehr kleinem Umfang wieder. Häufiger ist Öllein für Leinöl, technisch genutzter Lein stand 2023 laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe auf geschätzt 5.000 Hektar.
Ist Linoleum aus Flachs?
Ja, Linoleum entsteht aus oxidiertem Leinöl, das aus den Samen des Leins gepresst wird. Im Marmoleum von Forbo macht Leinöl 19 Prozent der Masse aus, dazu kommen Holzmehl, Kalkstein, Harze, Pigmente und ein Rücken aus Jute. Ohne Leinöl lässt sich kein Linoleum herstellen.
Ist Leinen nachhaltiger als Baumwolle?
Europäischer Flachs kommt in normalen Jahren ohne Bewässerung aus und braucht wenig Dünger und Pflanzenschutz, darin liegt sein Vorteil. Von der Pflanze bleibt kaum etwas ungenutzt, vom Werg bis zu den Schäben. Die Dürre 2026 zeigt aber eine Schwäche: Ohne Regen stockt die Röste auf dem Feld, und die Faserqualität leidet.
Wo wird Leinen hergestellt?
Der Flachs wächst vor allem in Frankreich, Belgien und den Niederlanden, drei Viertel der weltweiten Langfaser kommen von dort. Gesponnen wird der größte Teil in China, zunehmend auch in Indien. In Europa arbeiten nur noch wenige Spinnereien, etwa die French Filature in der Normandie und die Werke von Safilin in Polen.
Quellen
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Alliance for European Flax-Linen & Hemp | Market figures flax & hemp 2023 | https://allianceflaxlinenhemp.eu/en/flax-linen-hemp-economic-observatory/market-figures-flax-hemp-2023 | besucht am 28.09.2026
Alliance for European Flax-Linen & Hemp | Flax growing and expertise | https://allianceflaxlinenhemp.eu/en/flax-growing-expertise | besucht am 28.09.2026
Alliance for European Flax-Linen & Hemp | European flax, environmentally responsible | https://allianceflaxlinenhemp.eu/en/european-flax-environmentally-responsible | besucht am 28.09.2026
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FranceAgriMer | Fiche filière Lin textile 2026 | https://www.franceagrimer.fr/sites/default/files/2026-02/22_FICHE_FILIERE_LIN_2026.pdf | besucht am 28.09.2026
La France Agricole | L’offre de lin textile reste sous-dimensionnée | https://www.lafranceagricole.fr/conjoncture-cultures/article/885445/l-offre-de-lin-textile-reste-sous-dimensionnee | besucht am 28.09.2026
La France Agricole | La sole de lin fibre a gagné près de 130 % en dix ans | https://www.lafranceagricole.fr/conjoncture-cultures/article/893275/la-sole-de-lin-fibre-a-gagne-pres-de-130-en-dix-ans | besucht am 28.09.2026
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Porsche Newsroom | Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport MR with natural-fibre composite body kit | https://newsroom.porsche.com/en/2020/motorsports/porsche-718-cayman-gt4-clubsport-mr-natural-fibre-composite-body-kit-22439.html | besucht am 28.09.2026
Mango | Leinenhemden für Herren | https://shop.mango.com/de/de/c/herren/hemden/leinen/04b93b56 | besucht am 28.09.2026
Fibre2Fashion | Flax & Linen Prices Explained for Buyers | https://www.fibre2fashion.com/market-intelligence/texpro-textile-and-apparel/textile-guide/11368/flax-linen-prices-explained-for-buyers | besucht am 28.09.2026
Action Agricole Picarde | Seule filature de lin dans les Hauts-de-France, Safilin jette l’éponge | https://www.action-agricole-picarde.com/seule-filature-de-lin-dans-les-hauts-de-france-safilin-jette-leponge | besucht am 28.09.2026
AD Normandie | NatUp Fibres inaugure sa French Filature | https://adnormandie.fr/natup-fibres-inaugure-sa-french-filature/ | besucht am 28.09.2026
L’Usine Nouvelle | Dans le Finistère, Linfini investit 13 millions d’euros dans une filature de lin à Pleyber-Christ | https://www.usinenouvelle.com/article/dans-le-finistere-linfini-investit-13-millions-d-euros-dans-une-filature-de-lin-a-pleyber-christ.N2220268 | besucht am 28.09.2026
Bretagne Économique | La filature de lin Linfini sera bâtie à Pleyber-Christ | https://www.bretagne-economique.com/actualites/la-filature-de-lin-linfini-va-naitre-de-la-friche-industrielle-de-pleyber-christ-29/ | besucht am 28.09.2026
Ministère de l’Agriculture, Telepac | Notice aides couplées végétales, PAC 2025 | https://www.telepac.agriculture.gouv.fr/telepac/pdf/tas/2025/Dossier-PAC-2025_notice_aides-couplees.pdf | besucht am 28.09.2026
Légifrance | Arrêté zu den gekoppelten pflanzlichen Beihilfen 2024 | https://www.legifrance.gouv.fr/jorf/id/JORFTEXT000051146347 | besucht am 28.09.2026
Europäische Kommission | Revised Waste Framework Directive enters into force | https://environment.ec.europa.eu/news/revised-waste-framework-directive-enters-force-2025-10-16_en | besucht am 28.09.2026
Leinenweberei Hoffmann | Über uns | https://leinenweberei-hoffmann.de/pages/ueberuns | besucht am 28.09.2026