Aston Villa schlägt den SC Freiburg im Europa-League-Finale mit 3:0. Wirtschaftlich war die Partie schon vor dem Anpfiff entschieden: Kaderwert-Faktor 2,87, TV-Erlöse Villas über dem gesamten Freiburger Konzernumsatz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenIm Tüpras Stadyumu von Istanbul traf am Mittwochabend ein Bundesliga-Mittelständler auf einen Premier-League-Klub mit fast dreifachem Kaderwert. Das 3:0 für Aston Villa war nicht die einzige relevante Kennzahl des Abends. Hier die wirtschaftliche Standortbestimmung beider Klubs.
Das Wichtigste in Kürze
- Aston Villa: Kaderwert 547,5 Mio. €, allein TV-Erlöse 281 Mio. € (Saison 2024/25)
- SC Freiburg: Konzernumsatz 162,8 Mio. €, Kaderwert 191 Mio. €
- Kaderwert-Faktor 2,87 zwischen Villa und Freiburg
- Villa kassierte 2025 UEFA-Strafen wegen Squad-Cost-Verstoß und drosselte die Transferausgaben
Umsatz im Vergleich

Erlösstruktur. Der SC Freiburg meldete für die Saison 2024/25, eine Saison ohne Europapokal-Teilnahme, einen Gesamtumsatz von 162,8 Mio. € und einen Jahresüberschuss von 11,8 Mio. €. Aston Villa generierte im gleichen Geschäftsjahr allein aus Broadcasting-Einnahmen 241 Mio. £ (rund 281 Mio. €), dazu 91 Mio. £ (rund 106 Mio. €) im kommerziellen Bereich. Villas TV-Erlöse für sich genommen übersteigen den Freiburger Konzernumsatz um über 70 Prozent.
Eigentümer und Bilanz

Vereinsstruktur. Hinter Aston Villa steht V Sports, eine Holding der Milliardäre Nassef Sawiris und Wes Edens, ergänzt um die Beteiligungsgesellschaft Atairos. Der SC Freiburg ist ein eingetragener Verein. Die Bilanzsumme zum 30. Juni 2025 lag bei 197,9 Mio. €, das Eigenkapital bei 163,7 Mio. €. Diese Summe entspricht ungefähr dem Volumen, das Villa in einer einzigen Transferperiode bewegt, ohne dass es im Konzernabschluss auffällig würde.
Kaderwerte und Transferpolitik

Marktwert. Laut Transfermarkt kommt der Villa-Kader auf 547,5 Mio. €, der Freiburger auf 191 Mio. €, also Faktor 2,87. Morgan Rogers, einer der drei Torschützen, ist mit 80 Mio. € bewertet. Der teuerste Freiburger, Johan Manzambi, liegt bei 35 Mio. €. Seit 2019 hat Villa nach Transfermarkt-Daten rund 900 Mio. € in Spielerzugänge investiert und 550 Mio. € aus Verkäufen eingenommen, ein Netto-Saldo von minus 350 Mio. €.
Aston Villa hat in einer einzigen Transferperiode mehr Spielergehalt bewegt, als der SC Freiburg in zwei Jahren an Personalaufwand bilanziert. Das Finale war Premier League gegen Bundesliga im Reinformat.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
UEFA-Sanktionen und Personalkosten

Squad-Cost-Limit. Villas Investitionsdynamik ist in dieser Saison gedrosselt. Mit 71 Mio. £ Brutto-Ausgaben (rund 83 Mio. €) hatte der Klub 2025/26 das zweitniedrigste Transferbudget der Premier League, nur Fulham gab weniger aus. Hintergrund: Villa erfüllte zuvor weder die UEFA-Squad-Cost-Rule noch die Football-Earnings-Vorgabe und kassierte Bußgelder samt Listenmeldungs-Restriktion.
Bei den Personalkosten lag Freiburg zuletzt veröffentlicht (Saison 2022/23) bei rund 88 Mio. €. Villas Torwart Emiliano Martínez verdient laut Capology brutto 7,8 Mio. £ pro Jahr (rund 9 Mio. €), größenordnungsmäßig zehn Prozent des Freiburger Gesamt-Personalbudgets für einen einzelnen Spieler.
Was bleibt

Saison-Bilanz. Für Aston Villa ist es der erste Titel seit 30 Jahren (Ligapokal 1996) und die erste europäische Trophäe seit dem Europapokal der Landesmeister 1982. Trainer Unai Emery gewann seinen fünften Europa-League-Titel, drei zuvor mit Sevilla, einer mit Villarreal. Für Freiburg endet die Saison mit dem höchsten erwartbaren Umsatz der Vereinsgeschichte, getragen durch Europapokal-Prämien sowie höhere Zuschauer- und Vermarktungserlöse. Zwischen beiden Klubs liegt in den Zahlen eine ganze Liga. Auf dem Platz waren es drei Tore.