Alibaba führt laut Bloomberg erste Gespräche mit dem spanischen Solarkonzern Solaria über Strom für ein Rechenzentrum in Puertollano, rund 240 Kilometer südlich von Madrid. Die spanische Regierung will den Betreibern von Rechenzentren vorschreiben, 80 Prozent ihres Verbrauchs Stunde für Stunde mit Ökostrom aus neu gebauten Anlagen zu decken.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenUm bis zu 6,8 Prozent stieg die Solaria-Aktie am Freitag im Tagesverlauf, nachdem Bloomberg über ein mögliches Alibaba-Rechenzentrum in Spanien berichtet hatte. Zum Handelsschluss blieb ein Plus von gut einem Prozent. Die Gespräche stehen am Anfang, Alibaba verhandelt parallel mit weiteren Energieversorgern. Für den chinesischen Konzern steht mehr auf dem Spiel als ein Stromvertrag: Madrids Verordnungsentwurf regelt auch, wer in Spanien Rechenzentren betreiben darf.
Das Wichtigste in Kürze
- Alibaba spricht laut Bloomberg mit Solaria über Solarstrom für Puertollano, ein Vertrag steht aus.
- Spaniens Entwurf verlangt 80 Prozent Ökostrom in jeder Betriebsstunde, aus Anlagen, die höchstens 18 Monate vor dem Rechenzentrum ans Netz gingen.
- Betreiber müssen in der EU niedergelassen sein, Daten öffentlicher Stellen dürfen die EU nicht verlassen.
- Deutschland fordert ab 2027 zwar 100 Prozent Ökostrom, verlangt den Nachweis aber nur fürs ganze Jahr.
Warum braucht Alibaba neue Solarparks?

Das spanische Ministerium für ökologischen Wandel (MITECO) legte den Entwurf Ende August zur öffentlichen Anhörung vor.[1] Die Regeln gelten für Rechenzentren ab einem Megawatt Anschlussleistung. Mindestens 80 Prozent des Verbrauchs müssen in jeder Stunde durch Ökostrom aus derselben Stunde gedeckt sein. Jahresbilanzen und Herkunftsnachweise zählen nicht, und die Anlagen dürfen höchstens 18 Monate vor dem Rechenzentrum in Betrieb gegangen sein. Bei Verstößen droht der Verlust der Netzanschlussrechte.
Die 18-Monats-Frist erzwingt den Neubau. Ein Liefervertrag mit einem bestehenden Solarpark erfüllt die Regel nicht, Alibaba braucht frisch gebaute Anlagen, eigene oder die eines Partners. Nachts liefern Solarparks zudem keinen Strom, ein Rechenzentrum läuft aber rund um die Uhr. Der Betreiber muss deshalb Batteriespeicher einplanen oder Windstrom zukaufen. In den USA beliefert RWE Googles KI-Rechenzentren mit Solarstrom, und SMA Solar drängt in dieses Geschäft.
Was bedeutet die EU-Pflicht für einen chinesischen Cloud-Anbieter?
Bloomberg berichtet, Madrid wolle den Betrieb von Rechenzentren an Firmen mit Sitz in der EU binden. Der Entwurf selbst verlangt nur eine Niederlassung in der EU und schreibt vor, dass Daten öffentlicher Stellen die Union nicht verlassen.[1] Für Alibaba ist diese Hürde niedrig: Der Konzern baut seine Rechenzentren in Deutschland und Frankreich aus, binnen zwölf Monaten folgen erste Cloud-Regionen in den Niederlanden, Finnland und der Türkei.[2] Bis 2032 will Alibaba mehr als 20 Gigawatt Rechenzentrumsleistung betreiben.
Offen bleibt der Zugriff aus Peking. Chinas Nachrichtendienstgesetz von 2017 verpflichtet in Artikel 7 Organisationen und Bürger, die staatliche Geheimdienstarbeit zu unterstützen. Eine europäische Tochter ändert daran so wenig wie eine EU-Region bei US-Anbietern am CLOUD Act. Auch Fastmail räumt bei seiner EU-Datenregion in Amsterdam ein, dass am Ende der Firmensitz über den behördlichen Zugriff entscheidet.
Spanien will Netzanschlüsse für Rechenzentren nur noch gegen neue Wind- und Solarparks vergeben, und Alibaba sucht sich dafür schon einen Partner. Deutschlands Jahresbilanz mit Herkunftsnachweisen wirkt dagegen wie ein Rabatt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Spanien und Deutschland im Vergleich
Was heißt das für Rechenzentren in Deutschland?
Das deutsche Energieeffizienzgesetz verlangt von Rechenzentren ab Januar 2027 zwar 100 Prozent Ökostrom, lässt aber die Jahresbilanz genügen.[3] Neubauten ab Juli 2026 müssen eine Energieverbrauchseffektivität von höchstens 1,2 erreichen, Spanien setzt im Entwurf 1,15 an.
Fragen Sie Ihren Cloud-Anbieter gerne, welche Gesellschaft Ihre Daten verarbeitet und welchem Recht die Muttergesellschaft unterliegt, denn ein Serverstandort in Frankfurt sagt darüber nichts aus. Verlangen Sie für Ihren Nachhaltigkeitsbericht stündliche Ökostromnachweise statt Jahreszertifikaten. Europäische Alternativen zeigt unser Vergleich deutscher Hyperscaler, die größten Standorte im Land listet der Überblick über die zehn größten Rechenzentren Deutschlands.
Quellen
[2] Alibaba Group: „Alibaba Cloud’s 2026 Apsara Conference: Full-Stack AI Roadmap Along with Global Market Expansion Plan“
[3] Gesetze im Internet: § 11 Energieeffizienzgesetz, Klimaneutrale Rechenzentren
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