Photoshop

Chili für die Augen: Scharfzeichnen mit Photoshop – So geht es richtig

30. April 2013
von

Die Scharfzeichnung eines Fotos sollte einer der letzten Arbeitsschritte sein – nach den allgemeinen Bildoptimierungen oder gar aufwändigen Montagen. So können wir uns darauf konzentrieren, unerwünschte Artefakte und Ränder zu vermeiden oder zumindest stark zu reduzieren. Bildrauschen sollte dabei nicht auch noch verstärkt werden. Wir stellen Ihnen alle Scharfzeichnungsfilter vor, zeigen Techniken und Arbeitsmethoden, um Fotomaterial hochwertig zu schärfen.

Vorbereitung

Damit das Originalfoto oder die Komposition mit zahlreichen Ebenen erhalten bleibt, bedarf es eines Schrittes der Vorbereitung:

a) bei einem Foto gehen Sie im Menü auf Ebene > Neu > Ebene durch Kopie oder Sie drücken das Tastenkürzel Strg+J, zum Kopieren der Ebene.

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Sexy woman | #111690434 | ©conrado

b) bei einer Komposition mit zahlreichen Ebenen gehen Sie im Menü auf Auswahl > Alles auswählen (oder Strg+A), dann auf Bearbeiten > Auf eine Ebene reduziert kopieren (oder Umschalt+Strg+C).

Bearbeiten > Einfügen (oder Strg+V) legt dann die kopierten Ebenen wie reduziert auf eine neue Ebene ab. Auch das Tastaturkürzel Umschalt+Strg+Alt+E kann da helfen.

Oder Sie erstellen eine neue, leere Ebene, halten die Alt-Taste gedrückt und gehen im Menü auf Ebene > Sichtbare auf eine Ebene reduzieren.

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Die so erstellten Ebenen können Sie unkompliziert schärfen, ohne Verluste der Ebenen oder der Bildqualität befürchten zu müssen. Sie könnten bei diesen Ebenen vor der Anwendung eines Filters im Menü noch auf Filter > Für Smartfilter konvertieren gehen, um die Ebene in ein Smartobjekt zu verwandeln, um also komplett nicht-destruktiv zu arbeiten. Die eingesetzten Filter bleiben so editierbar.

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Die Scharfzeichnungsfilter

Konturen Scharfzeichnen, Scharfzeichnen und Stärker Scharfzeichnen

Diese drei Scharfzeichnungsfilter haben gemein, dass sie uns kein Dialog-Fenster mit weiteren Einstellungsmöglichkeiten anbieten. In unterschiedlichen Schärfungsgraden wird die Bildschärfung durchgeführt, ohne die Umsetzung regeln zu können. Sie erreichen diese Filter über das Menü und Filter > Scharfzeichnungsfilter.

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Wie bei allen Filtern haben Sie aber zumindest die Möglichkeit, über das Menü und Bearbeiten > Verblassen die Stärke des Effektes prozentual zurück zu nehmen. Da die Schärfung auf einer eigenen Ebene vorgenommen wurde, könnten Sie die Stärke der Umsetzung natürlich auch über eine Reduzierung der Ebenendeckkraft im Ebenenbedienfeld steuern.

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Football player | #104291102 | ©Mike Orlov

Unscharf maskieren

Der Klassiker unter den Scharfzeichnungsfiltern ist wohl Unscharf maskieren. Ein empfehlenswerter Weg zum Einstellen des Filters führt von unten, Schwellenwert, nach oben, hin zur Stärke. Definieren Sie also zunächst den Schwellenwert, der den Unterschied zwischen den benachbarten Pixel prozentual regelt.

Gut zu wissen: Der Filter Unscharf maskieren erkennt nicht die Kanten im Bild, sondern Pixel, die sich um den festgelegten Schwellenwert von anderen Pixeln unterscheiden.

Sie legen also mit dem Regler Schwellenwert fest, ab welchem Grad der Unterscheidung die Schärfung zupacken soll. So können Sie etwa ausschließen, dass Rauschen in einfarbigen Flächen geschärft und damit unerwünscht verstärkt wird.

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Mit dem Radius legen Sie im Anschluss fest, bis zu welchem Umfang Pixel untersucht werden sollen, die über den Schwellenwert hinaus gehen, also von Photoshop erfasst werden sollen. Der Kanteneffekt wird verstärkt, wenn der Radius erhöht wird. Hellere Pixel werden heller, dunklere Pixel dunkler, wodurch sich der Kontrast verstärkt. Der Regler Stärke legt dann noch die generelle Stärke der Umsetzung in Prozenten fest.

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Gemsbok dual | #99331652 | ©Johan Swanepoel

Selektiver Scharfzeichner

Eine gute Alternative zum Filter Unscharf maskieren ist der Scharfzeichnungsfilter > Selektiver Scharfzeichner. Hier haben Sie die Wahl, ob Sie die einfache oder die erweiterte Ansicht nutzen möchten. Der Unterschied sind die Reiter Lichter und Tiefen, die dazu kommen. Immer regeln Sie die Stärke des Filters von 1% bis 500% und den Radius von 0,1 Pixel bis 64 Pixel.

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Unter Verringern können Sie grob die Art der Unschärfe festlegen. Oftmals ist das eine Gaußsche Weichzeichnung, aber auch eine Objektivunschärfe oder eine Bewegungsunschärfe können verringert werden. Nur bei der Bewegungsunschärfe aktiviert sich der Eintrag Winkel, um numerisch oder per Hand grob die Ausrichtung der Bewegung anzugeben. Wird Genauer aktiviert, so verstärkt sich die Umsetzung im Detail.

Die Reiter Tiefen und Lichter präsentieren Ihnen die gleichen Optionen zum Einstellen. Sie können damit die dunkelsten und hellsten Bereiche separat bearbeiten. Die Tonbreite regelt, wie stark die Schatten (oder die Lichter) erfasst werden.

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Auch den Radius können Sie hier noch einmal anpassen. Über Verblassen steuern Sie die Stärke der Umsetzung für die dunkelsten oder die hellsten Stellen im Dokument, wobei Sie den Effekt prozentual zurücknehmen können.

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Dancing girl | #71158252 | ©dpaint

Alternativen zu den Scharfzeichnungsfiltern

Hochpass-Schärfung

Kopieren Sie die Ebene, die geschärft werden soll, etwa über Strg+J oder dem Ziehen der Ebene auf das kleine Blatticon (Neue Ebene erstellen) im Ebenenbedienfeld. Nennen Sie diese Ebene durch einen Doppelklick auf den Namen in „Hochpass“ um und ändern Sie die Füllmethode von Normal auf Hartes Licht ab. Klicken Sie im Menü auf Filter > Sonstige Filter > Hochpass.

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Ändern Sie den Radius des Filters so ab, dass die Konturen des Bildes fein nachgezeichnet werden. Je stärker die Konturen zu sehen sind, desto stärker wird auch die Schärfung umgesetzt. Als Alternative zur Füllmethode Hartes Licht können Sie für eine weichere Umsetzung auch Weiches Licht verwenden.

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Auch die Kombination von zwei Schärfungen, einmal mit einem höheren Wert, welches das Bild grob schärft, und einmal mit einem kleineren Wert, um die Feinheiten zu verstärken, ist interessant. Gehen Sie im Menü auf Bild > Korrekturen > Sättigung verringern oder drücken Sie Umschalt+Strg+U auf der Tastatur, damit die Schärfungsebene keine Farben mehr enthält, welche das Ergebnis verfälschen könnten. Die Stärke der Umsetzung können Sie auch nachträglich noch über eine Reduzierung der Ebenendeckkraft steuern.

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Firefighter in action | #73391851 | ©gosphotodesign

LAB-basierte Schärfung

Jede Schärfung verstärkt den Kontrast an den Kanten. Leider werden dabei oftmals auch Farbverschiebungen erzeugt. Gerade bei sehr starken Schärfungen werden diese Halo-Effekte sichtbar. Viele Fotografen arbeiten im RGB-Farbraum, der auf den Kanälen Rot, Grün und Blau basiert. Ein Wechsel über Bild > Modus > Lab-Farbe bringt den Vorteil, dass sich die Kanäle in die zwei Farbkanäle a (Blau und Gelb) und b (Grün und Rot) und einen Helligkeits-Kanal aufteilen.

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Um also Farbverschiebungen zu vermeiden, wechseln Sie wie beschrieben in den Lab-Modus und von der Ebenen- in die Kanäleansicht. Klicken Sie den Kanal Helligkeit an und nehmen Sie darin etwa mit dem Filter Unscharf maskieren oder dem Selektiven Scharfzeichner die Schärfung vor.

Da der Helligkeits-Kanal nur die Formen definiert und keine Farbinformationen enthält, können keine Farbverschiebungen entstehen. Nach der Schärfung können Sie wieder in den RGB-Modus wechseln.

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Portrait of a sexy male model | #118672735 | ©CURAphotography

Thema: Luminanz

Eine weitere Option, um Farbverschiebungen abzuschwächen, führt nach einer Schärfung über einen der Scharfzeichnungsfilter über Bearbeiten > Verblassen. Ändern Sie einfach den Modus auf Luminanz ab. Sie könnten auch die Deckkraft reduzieren, falls die Schärfung noch zu stark ist.

Da Sie die Schärfung auf einer eigenen Ebene vornehmen sollten, können Sie auch statt Verblassen die Füllmethode der Ebene von Normal auf Luminanz ändern. Reduzieren Sie noch die Sättigung der Ebene über Bild > Korrekturen > Sättigung verringern oder drücken Sie Umschalt+Strg+U.

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Sexy fashionable lady with elephant | #113232268 | ©conrado

Leistungsstarke Mischoptionen

Um Schattenbereiche und/oder Lichter von der Schärfung auszuklammern, gibt es einen sehr einfachen Weg: Klicken Sie die Ebene (nicht den Ebenennamen) doppelt an. Es öffnet sich das Dialog-Fenster der Ebenenstile in der Ansicht Mischoptionen: Standard. Ändern Sie die Füllmethode von Normal auf Luminanz ab.

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Weiter unten bei Ausblenden: Grau und Diese Ebene ziehen Sie den schwarzen Regler für die Schattenbereiche oder den weißen Regler für die Lichter nach rechts bzw. nach links ein. Die Übergänge sind sehr hart, was aber schnell behoben ist. Ziehen Sie einfach die Regler mit gedrückter Alt-Taste auseinander. So sind weitaus weichere Übergange möglich.

Effektiv: Bildmaterial selektiv schärfen

Falls Sie noch genauer Arbeiten möchten, so erzeugen Sie gleich mehrere Schärfungsebenen und konzentrieren sich bei der Schärfung auf verschiedenste Bereiche. Denn natürlich ist eine allgemeine Schärfung über das ganze Bild nicht so hochwertig, wie eine gezielte Schärfung einzelner Bereiche. Und manche Bereiche sollen vielleicht auch gar nicht geschärft werden, weil Sie schon scharf genug sind oder eine Schärfung den gewünschten Effekt beim Betrachter abschwächen würde (etwa Bokeh-Effekte im Hintergrund).

An dem folgenden Beispiel können Sie sehr gut ablesen, das unterschiedliche Schärfebereiche (oder zu schärfende Bereiche) vorhanden sind. So könnten das Baustellenschild leicht, die Häuser im Hintergrund etwas stärker geschärft werden, wobei das linke Gebäude auch noch eine leichte Bewegungsunschärfe zeigt, die separat behandelt wird.

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Beautiful girl | #15110962 | ©Konstantin Sutyagin

Sorgen Sie also mit Hilfe einiger Ebenen für eine „inhaltsbasierte Schärfung“. Legen Sie dann in Masken fest, etwa über Ebene > Ebenenmaske > Alle ausblenden, dem Pinsel und weißer Vordergrundfarbe, wo sich die Schärfung im Bild auswirken soll.

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Zusätzlich könnten Sie noch eine Ebene für die Schärfung der Kanten und eine Ebene für die Schärfung der Flächen anlegen. Wechseln sie dazu von der Ebenen- in die Kanäleansicht und kopieren Sie einen kontrastreichen Kanal, indem Sie ihn auf das Blatticon Neuen Kanal erstellen ziehen.

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Wenden Sie den Filter > Stilisierungsfilter > Konturen finden an und nutzen Sie den Weichzeichnungsfilter > Gaußscher Weichzeichner mit einem recht kleinen Wert, um die Kanten etwas weicher zu gestalten. Sind die Flächen und die Kanten im Kanal noch nicht sauber getrennt, so gehen Sie im Menü auf Bild > Korrekturen > Tonwertkorrektur und ziehen die Regler für die Lichter und die Tiefen etwas zur Mitte hin.

Drücken Sie Strg+I, zum Invertieren der Maske, und klicken Sie die Maskenminiatur mit gedrückter Strg-Taste an. Eine Auswahl wurde geladen. Klicken Sie auf den Kanal RGB und wechsel Sie wieder zurück zur Ebenenansicht. Im Ebenenbedienfeld klicken Sie unten auf den Button Ebenenmaske hinzufügen.

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Die Auswahl wurde in eine Maske umgewandelt. Kopieren Sie die Ebene, etwa über Strg+J, und aktivieren Sie die Maske durch Anklicken. Drücken Sie Strg+I, zum Invertieren der Maske. Jetzt haben Sie mit den zwei Ebenen und deren Masken einmal alle Kanten und einmal alle Flächen im Bild freigestellt, die nun für sich geschärft werden können.

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Fazit

Besonders in Kombination der vorgestellten Techniken und Tricks können Sie also Fotos und Montagen/Kompositionen auf eine Ebene ablegen, entscheiden, mit welcher Technik Sie das Ergebnis schärfen wollen, den Grad der Schärfung jederzeit einstellen oder gar komplett zurück nehmen (einfach durch das Löschen der Schärfungsebene), haben keinerlei Probleme mit Farbverschiebungen, können Schattenbereiche oder Lichter gezielt von der Schärfung ausschließen oder gar dank Masken und zahlreichen Schärfungsebenen gezielt Bereich für Bereich schärfen.

(dpe)

Dirk Metzmacher ist der Herausgegeber des Photoshop-Weblogs, sowie Fachjournalist und Photoshop-Profi, dessen Tutorials seit über 12 Jahren Leser von Fachpublikationen wie Galileo Press, DigitalPhoto, Dr.Web, Print24, PSD-Tutorials oder Noupe von den Grundlagen zum Thema Photoshop bis hin zu professionellen Arbeitsweisen begleitet haben. Sein Twitter-Account und seine Facebookseite.

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9 Kommentare zu „Chili für die Augen: Scharfzeichnen mit Photoshop – So geht es richtig
  1. stooni am 30. April 2013 um 10:53

    Cool sieht super aus!

    Danke.

    —-stooni

  2. Bernd am 30. April 2013 um 11:20

    Super Artikel,
    nur leider werden die fett markierten Texte nicht im Firefox 20 auf dem Mac angezeigt…

    • Bernd am 30. April 2013 um 11:21

      huch, jetzt auf einmal doch, sorry

  3. SiGa am 1. Mai 2013 um 10:16

    Nützlicher, ausführlicher, detailierter Artikel – wertvolle Nachschlagequelle, danke!

  4. jens am 2. Mai 2013 um 14:02

    Vielen Dank. Habe mich schon oft gefragt wie viele Bilder zu ihrer “Schärfe” kommen. Das Naheliegendste kam mir dabei nie in den Sinn, dank dieses Artikels geht mir ein Licht auf ;)

  5. [...] ein geiler Dr.Web-Artikel (von mir, hört sich nach Eigenlob an und: Ja! ;-) ): Chili für die Augen: Scharfzeichnen mit Photoshop – So geht es richtig! Ich zitiere aus den Kommentaren: “Nützlicher, ausführlicher, detailierter Artikel [...]

  6. Bridgeman am 3. Mai 2013 um 15:43

    Sehr gut, Danke. Mehr davon! ;)

  7. [...]   Optional: Nach einer Schärfung über einen Filter gehen Sie im Hauptmenü auf Bearbeiten > Verblassen. Ändern Sie da den Modus auf Luminanz ab. Sie könnten auch die Deckkraft reduzieren, falls die Schärfung noch zu stark ist. Weitere Tricks zum Thema Schärfen lesen Sie im Artikel Chili für die Augen: Scharfzeichnen mit Photoshop – So geht es richtig. [...]

  8. Toedtmann am 28. Mai 2013 um 11:48

    Der Tip ueber Haare freistellen war super.
    Ich dachte erst es funktioniert nicht. Aber selbst die feinsten
    Haare wurden freigestellt.
    Es wäre schön, wenn noch einige weitere Kurse aufgeführt würden

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