
ChatGPT zeigt Werbung – und rudert zurück
OpenAI verärgert zahlende Nutzer mit versteckten Kaufvorschlägen für Target und Peloton. Nach massiver Kritik schaltet der KI-Anbieter die Funktion ab. Ein Warnschuss für alle, die auf werbefreie Premium-KI setzen.
Das Problem: Werbung im Premium-Abo
Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie stellen eine technische Frage und bekommen statt einer Antwort einen Kaufvorschlag. Genau das passierte ChatGPT Plus Abonnenten vergangene Woche. Mitten in Gesprächen über Windows BitLocker oder Podcasts erschienen plötzlich Promotions für Target und Peloton.
Die Nutzer hatten dafür weder gefragt noch einen Anlass gegeben. Das Besondere: Sie zahlen 20 $ monatlich für ein werbefreies Erlebnis.
OpenAIs widersprüchliche Reaktion
Die Kommunikation des Unternehmens war zunächst verwirrend. ChatGPT-Chef Nick Turley behauptete, es gebe „keine aktiven Werbetests“. Screenshots seien „entweder nicht echt oder keine Werbung“. Stunden später klang Chief Research Officer Mark Chen deutlich kleinlauter.
„Ich stimme zu, dass alles, was sich wie Werbung anfühlt, sorgfältig behandelt werden muss. Wir haben versagt“, schrieb Chen auf X. Das Unternehmen habe die Funktion abgeschaltet und arbeite an besseren Nutzerkontrollen.
Ich stimme zu, dass alles, was sich wie Werbung anfühlt, sorgfältig behandelt werden muss. Wir haben versagt
Mark Chen
Die technische Wahrheit
Was OpenAI als harmlose „App-Vorschläge“ bezeichnet, erzählt im Code eine andere Geschichte. Entwickler entdeckten in der Android-App Version 1.2025.329 eindeutige Werbe-Strings. Begriffe wie „ads feature“, „search ad“ und „search ads carousel“ lassen wenig Interpretationsspielraum.
Die Infrastruktur für Werbung steht offenbar bereit. Nur die Aktivierung wurde verschoben.
Der wirtschaftliche Druck dahinter
Die Zahlen erklären das Vorgehen. Von 800 Millionen wöchentlichen ChatGPT-Nutzern zahlen nur etwa 5 % für ein Abonnement. Bei geschätzten 12 Milliarden Dollar Jahresumsatz stehen bis 2029 rund 115 Milliarden Dollar an Kosten gegenüber. OpenAI braucht dringend neue Einnahmequellen.
Die Einstellung von Fidji Simo als CEO of Applications verstärkt diese Vermutung. Die ehemalige Instacart-Chefin und Facebook-Managerin gilt als Expertin für Werbefinanzierung.
News-O-Rama 🕺🏼:
- KI beendet die Ära der Stundensätze
- KI frisst Jobs: Tech-CEOs werden plötzlich ehrlich
- OpenAI in der Krise: Altman stoppt alle Projekte für ChatGPT
- Dieses KI-Hörgerät ist Statussymbol der Elite
- Teens weinen tagelang um ihre KI-Freunde
- Google rollt neues Core Update aus
- Kritische Mineralien: Die Achillesferse der Energiewende
Warum das Timing brisant ist
CEO Sam Altman hat intern „Code Red“ ausgerufen. Das Unternehmen priorisiert aktuell die Qualitätsverbesserung von ChatGPT gegenüber allen anderen Initiativen. Der Konkurrenzdruck durch Google und Anthropic wächst. Werbung hätte diesen Fokus untergraben.
Google testet bereits Anzeigen in seinem KI-Suchmodus. Microsoft bringt jahrelange Erfahrung mit werbegestützten Produkten mit. OpenAI steht vor der schwierigen Entscheidung zwischen Nutzervertrauen und Monetarisierung.
Was Entscheider jetzt beachten sollten
Für Unternehmen, die ChatGPT in Workflows integrieren, ist der Vorfall ein Warnsignal. Werbefreie Premium-Dienste sind nicht in Stein gemeißelt. Prüfen Sie Ihre Abhängigkeiten von einzelnen KI-Anbietern. Und behalten Sie die Nutzungsbedingungen im Blick. Die nächste Überraschung kommt möglicherweise ohne Vorwarnung.
Mehr #OpenAI News
Zum Newsletter anmelden
Kommen Sie wie über 6.000 andere Abonnenten in den Genuss des Dr. Web Newsletters. Als Dankeschön für Ihre Anmeldung erhalten Sie das große Dr. Web Icon-Set: 970 Icons im SVG-Format – kostenlos.







Schreiben Sie einen Kommentar