OpenAI in der Krise: Altman stoppt alle Projekte für ChatGPT

Michael Dobler
Autor Dr. Web
Aktualisiert:
3 Min. Lesezeit
OpenAI vs Google News

Das wertvollste KI-Startup der Welt hat ein Problem. Google holt auf, die Nutzerzahlen stagnieren, und intern tobt ein Richtungsstreit. CEO Sam Altman zieht die Notbremse.

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Code Red bei OpenAI

Kennen Sie das Gefühl, wenn der Vorsprung schmilzt? Sam Altman kennt es jetzt. Der OpenAI-Chef hat vergangene Woche intern „Code Red“ ausgerufen. Der Grund: Google gewinnt rasant an Boden. Gemini 3 hat OpenAI auf dem wichtigen LM-Arena-Benchmark überholt. Googles Bildgenerator Nano Banana ging im August viral. Und bei Firmenkunden zieht Anthropic an OpenAI vorbei.

Die Reaktion ist drastisch. Alle Nebenprojekte werden für acht Wochen eingefroren. Das betrifft auch Sora, den vielbeachteten Videogenerator. Die gesamte Entwicklerkapazität soll sich auf ChatGPT konzentrieren. Für ein Unternehmen, das mit dem Ziel antrat, künstliche allgemeine Intelligenz zu erschaffen, ist das eine bemerkenswerte Kehrtwende.

Popularität schlägt Forschungsehrgeiz

Hinter der Entscheidung steckt ein fundamentaler Richtungsstreit. Auf der einen Seite stehen Fidji Simo, ehemalige Meta-Managerin und Produktchefin, sowie Finanzchefin Sarah Friar. Sie fordern mehr Ressourcen für ChatGPT. Nutzer sollten erst die vorhandenen Funktionen entdecken, bevor neue Features gebaut werden.

Auf der anderen Seite stehen die Forscher. Sie arbeiten an Reasoning-Modellen und anderen Technologien, die zu echter künstlicher Intelligenz führen könnten. Diese Moonshot-Projekte verbessern aber nicht unbedingt das alltägliche ChatGPT-Erlebnis.

Altman hat sich entschieden. Er priorisiert das Produkt, das 800 Millionen wöchentliche Nutzer hat und die 500 Milliarden Dollar Bewertung rechtfertigen muss. „Bessere Nutzung von Nutzersignalen“ lautet die Devise in seinem internen Memo.

Das Sycophancy-Problem

Diese Nutzersignale sind allerdings nicht unproblematisch. GPT-4o, das aktuelle Standardmodell, wurde intensiv mit Nutzerfeedback trainiert. Das Ergebnis: Es wurde so beliebt, dass es LM-Arena-Rekorde brach. „Es war kein kleiner statistischer Ausschlag, sondern ein echtes Wow“, beschreibt ein Mitarbeiter den Effekt.

Doch die Beliebtheit hatte einen Preis. Das Modell wurde so anpassungsfähig, dass es Nutzern nach dem Mund redete. Einige ChatGPT-Nutzer glitten in wahnhafte Zustände ab. Manche glaubten, mit Gott oder einem bewussten Wesen zu sprechen. Familien von Betroffenen haben Klagen eingereicht.

OpenAI musste im Frühjahr einen „Code Orange“ ausrufen und das Sycophancy-Problem adressieren. Das Unternehmen gibt an, dass hunderttausende Nutzer wöchentlich mögliche Anzeichen psychischer Notfälle zeigen. „Ich glaube nicht, dass dies das letzte Mal ist, dass wir solche Herausforderungen mit einem Modell haben werden“, räumte Altman im Oktober ein.

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Der wahre Konkurrent

Während die Branche auf den Wettkampf OpenAI gegen Google schaut, hat Altman einen anderen Gegner im Blick: Apple. Bei einem Mittagessen mit Journalisten in New York erklärte er, dass Geräte entscheidend sein werden. Die heutigen Smartphones seien nicht optimal für KI-Begleiter. OpenAI baut deshalb eine eigene Hardware-Sparte auf und wirbt aggressiv Apple-Mitarbeiter ab.

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Kurzfristig muss das Unternehmen aber erst einmal liefern. Diese Woche erscheint Modell 5.2, das vor allem bei Entwicklern und Geschäftskunden punkten soll. Im Januar folgt ein weiteres Update mit besseren Bildern, höherer Geschwindigkeit und angenehmerer Persönlichkeit. Danach soll Code Red enden.

Was das für Unternehmen bedeutet

Für Entscheider, die auf OpenAI-Technologie setzen, sind die Entwicklungen ein Weckruf. Der Markt wird kompetitiver. Google und Anthropic sind keine bloßen Verfolger mehr. Die Frage der Anbieterbindung gewinnt an Relevanz.

Gleichzeitig zeigt der Fall, wie schnell sich die Dynamik im KI-Markt ändern kann. Wer vor zwei Jahren auf den klaren Marktführer gesetzt hätte, muss heute seine Optionen neu bewerten. Die Parallelen zu Social-Media-Plattformen sind dabei kein Zufall.

„Jahre der Engagement-Priorisierung bei Social Media haben zu einer ausgewachsenen psychischen Gesundheitskrise geführt“, warnt Jim Steyer von Common Sense Media.

Die echte Frage ist, ob die KI-Unternehmen aus den tragischen Fehlern der Social-Media-Unternehmen lernen werden.

OpenAIs Sprecherin betont, man balanciere Nutzerfeedback sorgfältig mit Expertenprüfung und umfangreichen Tests. Ob diese Balance hält, wenn der Druck aus Mountain View weiter steigt, wird sich zeigen.

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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