Der Silver Tsunami sieht aus wie das Elternhaus mit Ölheizung und Fenstern aus den Siebzigern, für das Sie nach der Beerdigung beim Nachlassgericht die Ausschlagung erklären. Geschenkt ist manchmal noch zu teuer. In Sachsen landen jedes Jahr rund 1.300 ausgeschlagene Erbschaften beim Freistaat, zu etwa jeder fünften gehört eine Immobilie.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBis 2035 ist jede vierte Person in Deutschland 67 Jahre oder älter, und viele dieser Menschen wohnen seit Jahrzehnten im eigenen Haus. Wir haben für alle 400 Kreise ausgewertet, wo die frei werdenden Häuser auf Käufer treffen und wo der Markt sie nicht mehr aufnimmt. Grundlage sind der Zensus 2022 und die Bevölkerungsprognose 2045 des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, verdichtet zu einem Index mit interaktiver Karte.
Das Wichtigste in Kürze
- In 9,9 Millionen Haushalten leben nur Menschen ab 65 Jahren, das sind 24,6 Prozent aller Haushalte. Viele davon wohnen im eigenen Ein- oder Zweifamilienhaus, das in den nächsten 20 bis 30 Jahren frei wird.
- In 81 von 400 Kreisen mit zusammen 10,3 Millionen Einwohnern trifft dieses Angebot auf schrumpfende Nachfrage, hohen Leerstand und niedrige Mieten. Am stärksten betroffen sind Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, im Westen das Fichtelgebirge, Pirmasens und der Harz.
- Großstädte und ihr Umland nehmen die Häuser problemlos auf. München, Frankfurt am Main und Münster liegen auf den letzten Plätzen des Index, Leipzig und Potsdam weit unten.
- Die Durchschnittspreise verdecken das Problem, denn ein unverkäufliches Haus taucht in keinem Preisindex auf. Langzeitleerstand und ausgeschlagene Erbschaften zeigen in den Brennpunkten schon heute, wo unsanierte Häuser keinen Käufer mehr finden.
1 In wie vielen Haushalten leben laut Zensus 2022 ausschließlich Menschen ab 65 Jahren? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
2 Welcher Kreis hat die höchste Leerstandsquote in Deutschland? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
3 Wie viel günstiger werden Häuser der Energieklasse H angeboten als Häuser der Klasse D? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
4 Wie viel Zeit haben Erben in der Regel, um eine Erbschaft auszuschlagen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
5 Welche Stadt liegt im Silver-Tsunami-Index auf dem letzten Platz? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Was bedeutet Silver Tsunami am Immobilienmarkt?

Silver Tsunami nennen Ökonomen die Welle von Häusern, die auf den Markt kommt, sobald die geburtenstarken Jahrgänge ins hohe Alter kommen, ins Pflegeheim ziehen oder sterben. In Deutschland betrifft das die Babyboomer der Jahrgänge 1954 bis 1969, fast 20 Millionen Menschen.
Der Begriff stammt aus den USA. Das Immobilienportal Zillow rechnete 2019 vor, dass dort bis 2037 rund 27 Prozent der selbst bewohnten Eigenheime frei werden, etwa 20 Millionen Häuser. Seither taucht der Silver Tsunami in jeder Debatte über alternde Gesellschaften auf. Das Bild der plötzlichen Flutwelle führt allerdings in die Irre, und zwar in Amerika wie in Deutschland.
Die deutschen Babyboomer sind gut erfasst. Das Institut der deutschen Wirtschaft zählt fast 20 Millionen Menschen der Jahrgänge 1954 bis 1969, rund 5 Millionen davon sind schon älter als 67. Bis 2036 gehen im Schnitt 1,3 Millionen Menschen pro Jahr in Rente, während nur rund 800.000 Jüngere ins Erwerbsleben nachrücken. Der Arbeitsmarkt spürt den Generationenwechsel sofort, der Wohnungsmarkt erst mit großer Verzögerung.
Der Grund heißt Remanenz. Ältere Menschen bleiben in der Wohnung, in der sie ihre Kinder großgezogen haben, auch wenn die Kinder längst ausgezogen sind. Nach Daten des Statistischen Bundesamts wohnen 78 Prozent der Eigentümerhaushalte ab 65 Jahren seit mindestens 1999 an derselben Adresse. Alleinlebende ab 65 haben im Schnitt 83 Quadratmeter für sich, gut ein Viertel davon sogar 100 Quadratmeter und mehr. Die Wohnfläche wird also nicht frei, wenn die Kinder gehen, sondern erst, wenn die Eltern gehen.
Reiner Braun, Vorstand des Forschungsinstituts empirica, hält die Rede vom Tsunami deshalb für schief. Erbschaften fallen nach seiner Einschätzung „verteilt über mindestens 35 Jahre“ an. Wir sehen das ähnlich: Die Welle kommt nicht über Nacht, sie steigt wie ein Pegel, Jahr für Jahr ein paar Zentimeter. Gefährlich wird der Pegel dort, wo der Damm schon niedrig ist, also in Regionen, aus denen die Jungen seit 30 Jahren wegziehen.
Für Deutschland heißt das: Die Welle trifft nicht jeden Ort gleich, sondern mit voller Wucht dort, wo kaum noch Käufer nachkommen. Die entscheidende Frage lautet deshalb, in welchen Kreisen die frei werdenden Häuser keine Käufer mehr finden. Genau das beantwortet unsere Karte weiter unten.
- Babyboomer: fast 20 Millionen Menschen der Jahrgänge 1954 bis 1969, rund 5 Millionen davon schon älter als 67.
- Remanenz: 78 Prozent der älteren Eigentümer wohnen seit mindestens 1999 an derselben Adresse, das Angebot kommt deshalb verzögert.
- Tempo: Die Häuser werden über drei bis vier Jahrzehnte frei, nicht in einer einzigen Welle.
Wie viele Häuser werden in Deutschland frei?

Der Zensus 2022 zählt 9,9 Millionen Haushalte, in denen ausschließlich Menschen ab 65 leben, und 13,5 Millionen Gebäude mit genau einer Wohnung, überwiegend Einfamilienhäuser. 61 Prozent aller Gebäude mit Wohnraum stammen aus der Zeit vor 1980.
Die Zahl der reinen Seniorenhaushalte ist der beste amtliche Anhaltspunkt für das künftige Angebot. Die Kennzahl umfasst Paare und Alleinlebende ab 65, Mieter wie Eigentümer. Bundesweit fällt darunter fast jeder vierte Haushalt, in Suhl, Dessau-Roßlau und dem Altenburger Land mehr als jeder dritte. Allein 6,1 Millionen Menschen ab 65 leben nach dem Zensus allein, ihr Anteil an allen Haushalten stieg von 12,5 Prozent im Jahr 2011 auf 15,1 Prozent.
Wie viele dieser Haushalte im eigenen Haus wohnen, weist die amtliche Statistik nicht direkt aus. Die Eigentümerquote erreicht laut Statistischem Bundesamt bei den 60- bis 69-Jährigen mit 60,1 Prozent ihren Höchstwert und sinkt danach. Im Westen liegt die Quote bei den über 70-Jährigen noch über 55 Prozent, im Osten bei den über 79-Jährigen im Schnitt 22 Prozentpunkte niedriger. Die Plattform Jacasa schätzt den Bestand in Babyboomer-Hand auf rund 4,8 Millionen selbst genutzte Immobilien, nutzt dafür allerdings die amerikanische Abgrenzung der Jahrgänge 1946 bis 1964.
Entscheidend ist der Zeitpunkt. Das Statistische Bundesamt zählte 2024 rund 6,1 Millionen Menschen ab 80 Jahren. In den nächsten fünf Jahren sinkt ihre Zahl zunächst leicht. Ab Mitte der 2030er-Jahre steigt die Zahl der Hochbetagten kräftig, auf 8,5 bis 9,8 Millionen Menschen im Jahr 2050. Erst dann treffen Pflegeheim, Umzug zu den Kindern und Erbfall die Babyboomer in großer Zahl.
Karten mit dunkelrotem Rand: Altbau und Langzeitleerstand. Rot markierte Jahre: Phasen mit besonders vielen frei werdenden Häusern.
Die Häuser selbst sind alt. Laut Gebäudereport der Deutschen Energie-Agentur entstanden rund 60 Prozent der Wohngebäude, bevor 1978 die erste Wärmeschutzverordnung in Kraft trat. Der Zensus zeigt dasselbe Bild: Von knapp 20 Millionen Gebäuden mit Wohnraum stammen 12,2 Millionen aus der Zeit bis 1979. Die typischen Babyboomer-Häuser aus den Sechziger- und Siebzigerjahren haben oft noch die erste Dämmung, eine Öl- oder Gasheizung und Fenster aus der Bauzeit.
Nicht jedes frei werdende Haus kommt auf den Markt. Ein Teil geht an Kinder, die selbst einziehen, ein Teil wird vermietet, ein Teil steht leer. Das Statistische Bundesamt meldet für 2025 übertragenes Grundvermögen im Wert von 51,6 Milliarden Euro durch Erbschaften und Schenkungen, gut 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Welchen Wert das Elternhaus als Vermögen für die eigene Rente hat, hängt allerdings stark vom Standort ab. Wir haben in einem eigenen Beitrag beschrieben, warum die Immobilie als Altersvorsorge oft eine teure Fata Morgana bleibt.
- Angebot: 9,9 Millionen Haushalte mit ausschließlich Menschen ab 65, das ist fast jeder vierte Haushalt.
- Zeitpunkt: Die Zahl der Menschen ab 80 steigt erst ab Mitte der 2030er-Jahre kräftig, auf bis zu 9,8 Millionen im Jahr 2050.
- Zustand: 61 Prozent der Gebäude mit Wohnraum stammen aus der Zeit vor 1980.
Wo trifft die Welle auf einen leeren Markt?

In 81 von 400 Kreisen trifft ein hoher Anteil reiner Seniorenhaushalte auf sinkende Einwohnerzahlen, hohen Leerstand und niedrige Mieten. Dort leben 10,3 Millionen Menschen. 36 dieser Kreise liegen in der höchsten Klasse unseres Index, 28 davon in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, fünf in Brandenburg und drei im Westen.
Für die Karte haben wir vier amtliche Kennzahlen je Kreis kombiniert. Der Anteil der Haushalte, in denen nur Menschen ab 65 leben, steht für das Angebot von morgen. Die Bevölkerungsprognose des BBSR für 2045 steht für die Nachfrage von morgen. Leerstandsquote und Nettokaltmiete aus dem Zensus 2022 zeigen, wie viel Spielraum der Markt heute schon hat. Alle vier Werte fließen gleich gewichtet in einen Index von 0 bis 100 ein.
Der Silver-Tsunami-Index verdichtet vier Werte zu einer Zahl von 0 bis 100: den Anteil der Haushalte, in denen nur Menschen ab 65 leben (Angebot von morgen), die Bevölkerungsprognose bis 2045 (Nachfrage von morgen), die Leerstandsquote und die Nettokaltmiete (Lage von heute). Alle vier Werte fließen als Standardabweichung vom Mittel der 400 Kreise gleich gewichtet ein. Der Index zeigt das Verhältnis von frei werdendem Wohnraum zur künftigen Nachfrage, keine Preisprognose.
Das Ergebnis zeigt eine klare Kante. In den 36 Kreisen der höchsten Klasse wohnen in 31 Prozent der Haushalte nur Menschen ab 65, die Einwohnerzahl sinkt laut BBSR bis 2045 im Schnitt um 18 Prozent, jede zehnte Wohnung steht schon leer, und die Kaltmiete liegt bei rund 5 Euro je Quadratmeter. In den 54 Kreisen der niedrigsten Klasse wachsen die Einwohnerzahlen um gut 6 Prozent, der Leerstand liegt bei 3 Prozent und die Miete bei knapp 9 Euro. Ein Haus aus den Siebzigern ist im ersten Fall ein Problem, im zweiten ein begehrtes Objekt.
| Rang | Kreis | Index | Haushalte nur ab 65 | Einwohner 2045 | Leerstand | Miete je m² |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Landkreis Altenburger Land | 100 | 34,0 % | −22,2 % | 14,6 % | 5,03 € |
| 2 | Vogtlandkreis | 97 | 33,5 % | −20,9 % | 12,8 % | 4,54 € |
| 3 | Erzgebirgskreis | 95 | 33,7 % | −21,6 % | 11,8 % | 4,65 € |
| 4 | Dessau-Roßlau | 92 | 34,5 % | −20,3 % | 12,5 % | 5,48 € |
| 5 | Landkreis Greiz | 92 | 32,7 % | −22,3 % | 11,4 % | 4,67 € |
| 6 | Landkreis Görlitz | 92 | 33,2 % | −19,4 % | 11,9 % | 4,70 € |
| 7 | Landkreis Zwickau | 92 | 32,8 % | −19,6 % | 12,8 % | 5,01 € |
| 8 | Landkreis Mansfeld-Südharz | 87 | 32,7 % | −24,7 % | 9,3 % | 5,07 € |
| 9 | Gera | 85 | 31,7 % | −18,0 % | 11,3 % | 5,13 € |
| 10 | Salzlandkreis | 85 | 31,0 % | −20,6 % | 10,6 % | 4,98 € |
| 11 | Suhl | 84 | 35,2 % | −14,6 % | 9,9 % | 5,29 € |
| 12 | Landkreis Mittelsachsen | 83 | 31,5 % | −17,6 % | 10,7 % | 5,05 € |
| 13 | Landkreis Oberspreewald-Lausitz | 83 | 31,4 % | −22,3 % | 9,1 % | 5,02 € |
| 14 | Burgenlandkreis | 82 | 30,8 % | −17,5 % | 10,8 % | 5,08 € |
| 15 | Kyffhäuserkreis | 82 | 29,8 % | −22,1 % | 10,0 % | 4,95 € |
Spitzenreiter ist das Altenburger Land in Thüringen. Dort steht mit 14,6 Prozent der höchste Anteil leerer Wohnungen in ganz Deutschland, und das BBSR rechnet bis 2045 mit 22 Prozent weniger Einwohnern. Dahinter folgen Vogtlandkreis, Erzgebirgskreis, Zwickau, Görlitz, Dessau-Roßlau und Greiz. Das Muster wiederholt sich von der Lausitz bis zum Thüringer Wald: Die Jungen zogen nach 1990 in den Westen oder in die Großstädte, die Eltern blieben im Haus. Heute ist im Altenburger Land jede sechste Person 75 Jahre oder älter, im Bundesschnitt jede neunte. Der Wegzug von damals bestimmt das Angebot von morgen.
Auffällig ist der doppelte Effekt. Kreise mit vielen reinen Seniorenhaushalten verlieren laut Prognose zugleich am meisten Einwohner, der statistische Zusammenhang zwischen beiden Werten ist mit einem Korrelationskoeffizienten von minus 0,71 sehr eng. Das Angebot wächst also genau dort, wo die Nachfrage schrumpft. Für 210 von 400 Kreisen sagt das BBSR bis 2045 weniger Einwohner voraus als 2022, für 52 davon ein Minus von mehr als zehn Prozent.
Die Ausnahmen im Osten bestätigen die Regel. Leipzig wächst laut Prognose bis 2045 um fast 11 Prozent, Potsdam ebenso, und beide Städte landen weit hinten im Index. Dresden und Jena liegen im Mittelfeld, ebenso die Kreise im Berliner Umland wie Havelland, Oberhavel und Dahme-Spreewald. Wer in Ostdeutschland ein Haus erbt, hat also kein Problem mit dem Osten, sondern mit der Entfernung zur nächsten wachsenden Stadt.
- Brennpunkt: 36 Kreise in der höchsten Klasse, mit im Schnitt 31 Prozent reinen Seniorenhaushalten, 10 Prozent Leerstand und minus 18 Prozent Einwohnern bis 2045.
- Doppeleffekt: Wo viele Seniorenhaushalte leben, sinkt auch die Einwohnerzahl am stärksten.
- Ausnahmen: Leipzig, Potsdam und das Berliner Umland nehmen frei werdende Häuser problemlos auf.
Ist der Westen vor dem Silver Tsunami sicher?

Nein. Im Fichtelgebirge, in Pirmasens, im Harz und im Weserbergland erreicht der Index Werte wie in Ostdeutschland. Der Landkreis Wunsiedel liegt bundesweit auf Platz 26, Pirmasens auf Platz 32. Die westdeutschen Brennpunkte sind kleiner und verstreuter, aber nicht weniger ernst.
Oberfranken ist der auffälligste Fall. Wunsiedel im Fichtelgebirge, der Landkreis Hof und die Stadt Hof waren Zentren der Porzellan- und Textilindustrie, die seit Jahrzehnten schrumpft. Das BBSR rechnet für den Landkreis Wunsiedel bis 2045 mit einem Minus von 14 Prozent. Die Nettokaltmiete liegt dort bei 4,52 Euro je Quadratmeter, im Landkreis Hof bei 4,48 Euro, dem niedrigsten Wert in ganz Deutschland.
| Kreis | Land | Index | Haushalte nur ab 65 | Einwohner 2045 | Leerstand | Miete je m² |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Landkreis Wunsiedel i.Fichtelgebirge | BY | 75 | 28,6 % | −14,0 % | 9,0 % | 4,52 € |
| Pirmasens | RP | 71 | 27,8 % | −7,2 % | 10,0 % | 4,62 € |
| Landkreis Hof | BY | 70 | 27,7 % | −10,2 % | 8,4 % | 4,48 € |
| Landkreis Holzminden | NI | 67 | 28,8 % | −6,7 % | 7,8 % | 4,56 € |
| Landkreis Goslar | NI | 66 | 29,7 % | −6,4 % | 8,8 % | 5,52 € |
| Hof | BY | 62 | 25,9 % | −10,3 % | 7,8 % | 5,05 € |
| Landkreis Lüchow-Dannenberg | NI | 62 | 32,0 % | −1,1 % | 5,3 % | 4,75 € |
| Landkreis Northeim | NI | 61 | 27,5 % | −7,7 % | 6,8 % | 5,03 € |
| Landkreis Kronach | BY | 60 | 26,0 % | −12,6 % | 6,7 % | 5,27 € |
| Landkreis Tirschenreuth | BY | 60 | 24,5 % | −9,4 % | 7,2 % | 4,57 € |
In Pirmasens steht jede zehnte Wohnung leer, die Schuhindustrie hinterließ eine Stadt mit zu vielen Häusern für zu wenige Bewohner. Mit 82 Prozent hat die Stadt einen der höchsten Anteile an Gebäuden mit Wohnraum aus der Zeit bis 1979. Im Harz fällt der Landkreis Goslar auf, in dem fast 30 Prozent der Haushalte nur aus Menschen ab 65 bestehen. Holzminden und Northeim im südlichen Niedersachsen, der Werra-Meißner-Kreis in Nordhessen und die Südwestpfalz vervollständigen das Bild.
Ein Sonderfall ist Lüchow-Dannenberg im Wendland. Dort bestehen 32 Prozent der Haushalte nur aus Menschen ab 65, so viele wie in den ostdeutschen Brennpunkten. Die Einwohnerzahl soll laut BBSR bis 2045 aber nur um 1 Prozent sinken, und der Leerstand liegt mit 5,3 Prozent nur einen Punkt über dem Bundesschnitt von 4,3 Prozent. Der Kreis zeigt, dass ein hoher Altersanteil allein noch keinen Überhang erzeugt. Erst sinkende Einwohnerzahlen machen aus dem Generationenwechsel ein Verkaufsproblem.
Verschärft wird die Lage im Westen ausgerechnet durch Neubau. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat für 2021 bis 2023 ausgerechnet, dass in 156 von 400 Kreisen mehr Wohnungen entstanden, als der Bedarf erforderte, rund 25.400 pro Jahr zu viel. Betroffen waren neben Ostdeutschland das Saarland, Nordhessen sowie das nördliche und östliche Bayern. Die Kölner Ökonomen warnen ausdrücklich vor hohen strukturellen Leerständen. Jedes neue Einfamilienhaus am Ortsrand einer schrumpfenden Gemeinde nimmt dem Babyboomer-Haus im Ortskern einen möglichen Käufer weg.
Im Westen ballen sich die Risiken in alten Industrieregionen abseits der Metropolen: Fichtelgebirge, Pirmasens, Harz und Weserbergland. Neubau am Ortsrand verschärft dort den Überhang, statt ihn zu lindern.
Warum lassen sich manche Häuser kaum noch verkaufen?

Drei Faktoren kommen zusammen: In schrumpfenden Kreisen fehlen junge Käufer, die Häuser sind alt und energetisch schwach, und neue Eigentümer müssen binnen zwei Jahren nachrüsten. Für unsanierte Häuser der Energieklasse H verlangen Verkäufer bereits 17 Prozent weniger als für vergleichbare Häuser der Klasse D.
Der erste Faktor ist die Nachfrage. Die Haushaltsprognose des BBSR erwartet bis 2045 bundesweit 1,3 Prozent mehr Haushalte, in den westdeutschen Flächenländern 2,7 Prozent mehr. In den ostdeutschen Flächenländern sinkt die Zahl der Haushalte dagegen um 8,4 Prozent. Weniger Haushalte heißt weniger Käufer und weniger Mieter für dieselbe Zahl an Wohnungen. In 34 von 96 Raumordnungsregionen ist die Zahl der Haushalte laut BBSR schon heute über ihren Höchststand hinaus.
Der zweite Faktor ist der Zustand. Das Portal immowelt hat 2026 die Angebotspreise des Vorjahres nach Energieklassen ausgewertet: Häuser der Klasse H werden 17 Prozent günstiger angeboten als Häuser der Klasse D, Klasse G 10 Prozent und Klasse F 7 Prozent günstiger. Häuser der Klasse A+ kosten 15 Prozent mehr. In den 36 Kreisen der höchsten Indexklasse stammen im Schnitt 70 Prozent der Gebäude mit Wohnraum aus der Zeit bis 1979. Der Abschlag für den Sanierungsbedarf trifft dort fast jedes Angebot.
Der dritte Faktor ist das Recht. Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz, das die Reform des bisherigen Gebäudeenergiegesetzes umsetzt. Wie lange die Debatte um die Reform des Heizungsgesetzes den Bau gebremst hat, haben wir bereits beschrieben. Für Erben und Käufer zählt eine Pflicht, die das neue Gesetz fortführt: Neue Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses, das der Voreigentümer am 1. Februar 2002 selbst bewohnte, müssen binnen zwei Jahren die oberste Geschossdecke dämmen und ungedämmte Heizungsrohre in unbeheizten Räumen isolieren. Ausgenommen sind Fälle, in denen sich der Aufwand nicht in angemessener Zeit amortisiert. Im Vergleich zu einer Vollsanierung kostet die Nachrüstpflicht wenig, in die Kaufkalkulation gehört sie trotzdem.
Zusammen ergibt das eine Abwärtsspirale. Ein Haus, das niemand kaufen will, bleibt leer. Leere Häuser verfallen schneller, und ein Ortskern mit drei leeren Häusern zieht keine jungen Familien an. Der Zensus 2022 zeigt das Ausmaß: Von 1,9 Millionen leeren Wohnungen standen über die Hälfte seit mindestens zwölf Monaten leer. In Sonneberg, dem Altenburger Land, dem Saale-Orla-Kreis, Tirschenreuth und Wunsiedel standen laut BBSR mehr als drei Viertel der leeren Wohnungen seit über einem Jahr leer.
Im Altenburger Land stehen 14,6 Prozent der Wohnungen leer, bevor die Babyboomer ihre Häuser überhaupt abgeben.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Am Ende der Spirale steht der Staat als unfreiwilliger Eigentümer. Das ZDF berichtete im Februar 2025 über einen Fall aus Gersdorf bei Chemnitz: Die Erben wollten das Elternhaus nicht haben und schlugen das Erbe aus. Das Haus fiel an den Freistaat Sachsen. Beim Flächenmanagement des Landes landen laut dem Bericht jährlich rund 1.300 solcher Fälle, mehr als in Nordrhein-Westfalen, und zu etwa jeder fünften ausgeschlagenen Erbschaft in Sachsen gehört eine Immobilie.
- Nachfrage: In den ostdeutschen Flächenländern sinkt die Zahl der Haushalte bis 2045 um 8,4 Prozent.
- Energieklasse: Häuser der Klasse H werden 17 Prozent günstiger angeboten als Häuser der Klasse D.
- Langzeitleerstand: In Sonneberg, Altenburg und Wunsiedel steht mehr als drei Viertel der leeren Wohnungen seit über einem Jahr leer.
Warum spüren München und Leipzig nichts von der Welle?

In wachsenden Städten ist die Nachfrage so groß, dass jedes frei werdende Haus sofort einen Käufer findet. München, Frankfurt am Main und Münster liegen auf den letzten Plätzen des Index. Dort verschärft die Remanenz sogar den Mangel, weil große Häuser jahrzehntelang von ein oder zwei Personen bewohnt werden.
München steht mit dem Indexwert 0 am unteren Ende der Skala. Die Stadt wächst laut BBSR bis 2045 um gut 9 Prozent, nur 2,4 Prozent der Wohnungen stehen leer, und die Nettokaltmiete lag schon 2022 bei 12,89 Euro je Quadratmeter. Ein frei werdendes Reihenhaus in Pasing löst dort keinen Preisdruck aus, sondern eine Bieterrunde. Ein ähnliches Bild zeigen Frankfurt am Main, Freiburg, Regensburg, Heidelberg und die Landkreise rund um München.
Leipzig zeigt, dass der Osten nicht einheitlich ist. Die Stadt soll bis 2045 um fast 11 Prozent wachsen, mehr als jede andere ostdeutsche Großstadt. Der Postbank Wohnatlas 2026 sieht Leipzig bei den Bestandswohnungen mit einem realen Preisplus von 1,9 Prozent pro Jahr bis 2035 bundesweit an der Spitze. Für Sachsen-Anhalt erwarten die Forscher des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts dagegen im Schnitt real 0,5 Prozent weniger pro Jahr, für Thüringen 0,2 Prozent weniger. Die Spaltung verläuft also zwischen Stadt und Land, nicht zwischen Ost und West.
Bundesweit zeigt die amtliche Preisstatistik bisher keinen Einbruch. Nach dem Häuserpreisindex des Statistischen Bundesamts kosteten Ein- und Zweifamilienhäuser in dünn besiedelten ländlichen Kreisen im zweiten Quartal 2026 nur 0,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, gegenüber dem Vorquartal sogar 1,9 Prozent mehr. Unsere Einschätzung: Der Durchschnitt beruhigt zu Unrecht. Ein bundesweiter Crash bleibt aus, in mehreren Dutzend Kreisen werden Häuser aber über Jahre schwer verkäuflich bleiben, und genau diese Brennpunkte verdeckt die Statistik.
Ein Grund für die stabilen Durchschnittspreise liegt in der Statistik selbst. Gezählt werden nur Häuser, die tatsächlich verkauft werden. Ein Haus, für das sich kein Käufer findet, taucht in keinem Preisindex auf. Das Objekt steht leer, wird vermietet oder vererbt. Die Ausschlagungen in Sachsen und der Langzeitleerstand im Zensus sind deshalb bessere Frühwarnzeichen als jeder Durchschnittspreis.
In München, Frankfurt, Leipzig und Potsdam verschärft die Alterung den Mangel, statt ihn zu lindern. Die amtlichen Preise auf dem Land stagnieren, unverkäufliche Häuser erfasst die Statistik aber gar nicht.
Was sollten Eigentümer und Erben jetzt tun?

Eigentümer und Erben in Kreisen mit hohem Index sollten früh entscheiden, statt auf steigende Preise zu warten. Ein Haus verliert mit jedem Jahr Leerstand an Wert, und die Konkurrenz durch weitere frei werdende Häuser nimmt ab Mitte der 2030er-Jahre zu.
Für ältere Eigentümer beginnt die Planung lange vor dem Erbfall. Ein Verkauf mit Anfang 70 dürfte in einem schrumpfenden Kreis oft mehr einbringen als ein Verkauf durch die Erben 15 Jahre später, sobald Dutzende vergleichbarer Häuser im selben Ort angeboten werden. Wir raten Eltern und Kindern, das Gespräch über das Elternhaus offen zu führen, bevor Pflegebedürftigkeit oder Tod den Zeitpunkt diktieren.
Für Erben gilt eine harte Frist. Das Bürgerliche Gesetzbuch lässt für die Ausschlagung einer Erbschaft sechs Wochen ab dem Zeitpunkt, an dem der Erbe vom Anfall und vom Grund der Berufung erfährt. Lässt ein Erbe diese Frist verstreichen, gilt die Erbschaft als angenommen, samt Haus, Schulden und Pflichten. Bei einem Haus in einem Kreis der höchsten Indexklasse lohnt deshalb eine schnelle Prüfung.
- Verkehrswert realistisch einschätzen lassen, am besten über den Gutachterausschuss des Kreises oder einen unabhängigen Sachverständigen statt über die Wunschzahl im Bekanntenkreis.
- Energieausweis und Zustand von Dach, Heizung und Fenstern prüfen, denn die Energieklasse entscheidet über bis zu 17 Prozent des Angebotspreises.
- Schulden und laufende Kosten des Nachlasses ermitteln, von der Grundsteuer bis zur Versicherung des leer stehenden Hauses.
- Nachrüstpflichten nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz einplanen, die binnen zwei Jahren nach dem Eigentümerwechsel fällig werden.
- Den Indexwert des eigenen Kreises in der Karte oben nachsehen und mit Verkaufsdauer und Leerstand im Ort abgleichen.
Vermieten statt verkaufen klingt naheliegend, rechnet sich in den Brennpunkten aber selten. Ein Rechenbeispiel: Angenommen, ein Haus mit 120 Quadratmetern ließe sich für 5 Euro je Quadratmeter vermieten, den Durchschnitt der 36 Kreise in der höchsten Indexklasse. Dann flössen 7.200 Euro Kaltmiete im Jahr. Müsste der Eigentümer vorher 100.000 Euro in Heizung, Dach und Fenster stecken, wären allein für die Sanierung fast 14 Jahre Miete nötig, ohne Instandhaltung, Leerstand oder Mietausfall.
Anders sieht die Rechnung im Speckgürtel einer wachsenden Stadt aus. Im Berliner Umland, rund um Leipzig oder Dresden finden auch ältere Häuser Mieter, und die Mieten liegen deutlich höher. Der Index hilft bei der Entscheidung: In Kreisen mit Werten unter 40 lohnt der Blick auf Vermietung und Sanierung, oberhalb von 70 begrenzen Eigentümer meist nur noch den Verlust.
- Frühzeitig: In schrumpfenden Kreisen dürfte ein Verkauf zu Lebzeiten oft mehr einbringen als ein Verkauf durch die Erben.
- Frist: Erben haben sechs Wochen ab Kenntnis, um eine Erbschaft auszuschlagen.
- Vermietung: Bei 5 Euro Kaltmiete je Quadratmeter refinanziert sich eine größere Sanierung kaum.
Wo liegen die Chancen für Käufer und Vermieter?

Für junge Familien öffnet der Silver Tsunami Chancen auf bezahlbares Eigentum, vor allem in Mittelzentren mit Bahnanschluss. Die KfW fördert den Kauf sanierungsbedürftiger Häuser seit August 2026 mit bis zu 180.000 Euro zinsgünstigem Kredit, wenn das Haus in Energieklasse F, G oder H liegt.
Das Bundesprogramm „Jung kauft Alt“ der KfW, Programmnummer 308, wurde zum 3. August 2026 deutlich aufgestockt. Familien mit einem Kind erhalten bis zu 140.000 Euro Kredit, mit zwei Kindern bis zu 160.000 Euro, ab drei Kindern bis zu 180.000 Euro. Der effektive Zins lag Ende Juli 2026 bei 0,53 Prozent für 35 Jahre Laufzeit und zehn Jahre Zinsbindung. Voraussetzung sind ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von höchstens 90.000 Euro bei einem Kind, plus 10.000 Euro je weiterem Kind, und eine Sanierung binnen 54 Monaten.
Einzelne Gemeinden fördern den Kauf alter Häuser zusätzlich. Vorreiter ist Hiddenhausen im Kreis Herford, das seit 2007 Familien unterstützt, die ein mindestens 25 Jahre altes Haus kaufen: mit bis zu 9.000 Euro über sechs Jahre und bis zu 1.500 Euro für ein Altbaugutachten. Ob die Wunschgemeinde ein ähnliches Programm aufgelegt hat, klärt ein Anruf im Rathaus vor dem Kauf.
Bund und Länder haben das Problem ebenfalls erkannt. Sachsen verdoppelte 2024 die Förderung für den Rückbau leer stehender Wohnungen auf bis zu 100 Euro je Quadratmeter beseitigter Wohnfläche. Das Bundesbauministerium sucht mit dem Programm „Gemeinsam gegen Leerstand“ bis zu 13 ländliche Modellregionen, die bis Ende 2029 jeweils bis zu 600.000 Euro erhalten. Gemessen an der Zahl der betroffenen Kreise bleibt das ein Pilotprojekt.
Für Kapitalanleger und Vermieter fällt das Urteil nüchterner aus. Ein billiges Haus im Altenburger Land oder im Fichtelgebirge ist nur dann ein gutes Geschäft, wenn sich dauerhaft Mieter finden, und genau das wird bei sinkenden Einwohnerzahlen schwieriger. Ob Kaufen oder Mieten die bessere Wahl ist, entscheidet in diesen Regionen vor allem der Standort. Wir halten Käufe in Kreisen mit Indexwerten über 70 nur für Selbstnutzer sinnvoll, die bleiben wollen, und für Anleger mit sehr hohem Preisabschlag.
Eine Forderung an die Kommunen gehört ans Ende. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat für 156 Kreise gezeigt, dass dort schon heute mehr Wohnungen entstehen als nötig. Gemeinden in diesen Kreisen sollten keine neuen Baugebiete auf der grünen Wiese mehr ausweisen, solange im Ortskern die Häuser der Babyboomer leer stehen. Jeder Euro für die Erschließung am Ortsrand fehlt bei der Förderung des Bestands.
- KfW 308: bis zu 180.000 Euro Kredit für Familien, die ein Haus der Klassen F bis H kaufen und sanieren.
- Kommunen: Gemeinden wie Hiddenhausen fördern den Kauf alter Häuser seit 2007 mit bis zu 9.000 Euro.
- Anleger: In Kreisen mit Indexwert über 70 lohnt der Kauf nur mit großem Preisabschlag.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum Silver Tsunami

Babyboomer
Babyboomer heißen in Deutschland die geburtenstarken Jahrgänge 1954 bis 1969. Den Höchststand erreichte der Babyboom 1964 mit 1,36 Millionen Geburten. Die Generation umfasst fast 20 Millionen Menschen und besitzt einen großen Teil der selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäuser, die in den kommenden Jahrzehnten frei werden.
Bevölkerungsprognose 2045
Die Bevölkerungsprognose 2045 des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) schätzt die Einwohnerzahl jedes Kreises bis 2045, auf Basis des Zensus 2022. Als Teil der Raumordnungsprognose fließt die Schätzung als Maß für die künftige Nachfrage in den Silver-Tsunami-Index ein.
Eigentümerquote
Die Eigentümerquote gibt den Anteil der Wohnungen an, die ihre Eigentümer selbst bewohnen. Laut Zensus 2022 liegt der Wert in Deutschland bei 44,3 Prozent. Bei den 60- bis 69-Jährigen erreicht der personenbezogene Wert mit 60,1 Prozent seinen Höchststand.
Energieeffizienzklasse
Die Energieeffizienzklasse im Energieausweis ordnet ein Gebäude nach seinem Energiebedarf von A+ bis H ein. Häuser der Klasse H werden laut immowelt 17 Prozent günstiger angeboten als Häuser der Klasse D, was den Wert unsanierter Babyboomer-Häuser deutlich drückt.
Erbausschlagung
Die Erbausschlagung ist die Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht, eine Erbschaft nicht anzunehmen. Die Frist beträgt nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch in der Regel sechs Wochen ab Kenntnis. Findet sich kein Erbe, fällt das Vermögen samt Immobilie an das Bundesland.
Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG)
Das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) löste am 29. Juli 2026 das bisherige Gebäudeenergiegesetz ab. Das Gesetz regelt die Anforderungen an Heizung und Dämmung. Neue Eigentümer älterer Ein- und Zweifamilienhäuser müssen danach binnen zwei Jahren oberste Geschossdecke und Leitungen dämmen.
Haushaltsprognose
Die Haushaltsprognose des BBSR schätzt die Zahl der privaten Haushalte bis 2045. Weil jeder Haushalt eine Wohnung braucht, ist die Haushaltszahl für den Wohnungsmarkt aussagekräftiger als die Einwohnerzahl. In den ostdeutschen Flächenländern sinkt die Zahl der Haushalte bis 2045 um 8,4 Prozent.
Jung kauft Alt
Jung kauft Alt heißt das KfW-Programm 308, das Familien mit Kindern zinsgünstige Kredite für den Kauf energetisch schwacher Bestandshäuser gewährt. Seit August 2026 sind bis zu 180.000 Euro möglich. Kommunale Zuschussprogramme wie in Hiddenhausen tragen denselben Namen.
Langzeitleerstand
Als Langzeitleerstand gelten Wohnungen, die seit mindestens zwölf Monaten unbewohnt sind. Laut Zensus 2022 traf das auf über die Hälfte der 1,9 Millionen leeren Wohnungen zu. Langzeitleerstand deutet auf fehlende Nachfrage oder einen Sanierungsstau hin, nicht auf einen normalen Mieterwechsel.
Leerstandsquote
Die Leerstandsquote beschreibt den Anteil leer stehender Wohnungen an allen bewohnten und leeren Wohnungen, ohne Ferienwohnungen. Bundesweit liegt sie laut Zensus 2022 bei 4,3 Prozent, im Altenburger Land bei 14,6 Prozent, dem höchsten Wert aller Kreise.
Remanenzeffekt
Der Remanenzeffekt beschreibt, dass Menschen in ihrer Wohnung bleiben, auch wenn der Haushalt kleiner wird, etwa nach dem Auszug der Kinder. Er verzögert das Angebot aus dem Babyboomer-Bestand um Jahrzehnte und erklärt, warum ältere Alleinlebende im Schnitt 83 Quadratmeter bewohnen.
Seniorenhaushalt
Ein Seniorenhaushalt ist im Zensus 2022 ein Haushalt, in dem ausschließlich Menschen ab 65 Jahren leben. Bundesweit trifft das auf 9,9 Millionen oder 24,6 Prozent aller Haushalte zu. Der Anteil dient im Index als Maß für das Angebot, das in den kommenden Jahrzehnten frei wird.
Silver Tsunami
Der Silver Tsunami ist ein Begriff aus den USA für die Welle von Häusern, die auf den Markt kommt, sobald die Babyboomer altern, umziehen oder sterben. Zillow erwartete 2019, dass bis 2037 mehr als 27 Prozent der selbst bewohnten Eigenheime in den USA frei werden.
Silver-Tsunami-Index
Der Silver-Tsunami-Index ist eine Berechnung von Dr. Web für alle 400 Kreise. Er kombiniert den Anteil reiner Seniorenhaushalte, die Bevölkerungsprognose 2045, die Leerstandsquote und die Nettokaltmiete zu einem Wert von 0 bis 100. Hohe Werte zeigen, wo frei werdende Häuser auf schwache Nachfrage treffen.
FAQ: Silver Tsunami: Wer kauft die Häuser der Babyboomer?

Wann kommen die Häuser der Babyboomer auf den Markt?
Die meisten Häuser der Babyboomer werden ab Mitte der 2030er-Jahre frei, wenn die Jahrgänge 1954 bis 1969 ins hohe Alter kommen. Der geburtenstärkste Jahrgang 1964 wird 2044 achtzig Jahre alt. Weil Ältere selten umziehen, verteilt sich das Angebot über mehrere Jahrzehnte.
Fallen die Immobilienpreise durch den Silver Tsunami?
Bundesweit zeigt die amtliche Statistik bisher keinen Preisrückgang durch die Alterung. Ein- und Zweifamilienhäuser in dünn besiedelten Kreisen kosteten im zweiten Quartal 2026 nur 0,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In schrumpfenden Kreisen mit hohem Leerstand dürften unsanierte Häuser aber schwer verkäuflich bleiben.
Muss ich ein geerbtes Haus sanieren?
Eine Vollsanierung schreibt das Gesetz nicht vor. Neue Eigentümer eines Ein- oder Zweifamilienhauses, das der Voreigentümer am 1. Februar 2002 selbst bewohnte, müssen nach dem Gebäudemodernisierungsgesetz aber binnen zwei Jahren die oberste Geschossdecke dämmen und ungedämmte Leitungen isolieren, sofern sich das amortisiert.
Lohnt sich die Vermietung eines geerbten Hauses auf dem Land?
In Kreisen mit sinkender Einwohnerzahl selten. Bei Kaltmieten um 5 Euro je Quadratmeter bringt ein Haus mit 120 Quadratmetern rund 7.200 Euro im Jahr, eine größere Sanierung refinanziert sich damit kaum. Im Umland wachsender Städte sieht die Rechnung deutlich besser aus.
Was passiert mit einem Haus, wenn alle Erben ausschlagen?
Schlagen alle Erben aus, erbt das Bundesland, in dem der Verstorbene zuletzt lebte. In Sachsen landen beim Flächenmanagement des Freistaats jährlich rund 1.300 ausgeschlagene Erbschaften, zu etwa jeder fünften gehört eine Immobilie.
Wie aktuell sind die Daten der Silver-Tsunami-Karte?
Die Karte nutzt die jüngsten amtlichen Kreisdaten: Haushalte, Leerstand und Mieten aus dem Zensus vom 15. Mai 2022 und die Bevölkerungsprognose 2045 des BBSR in der zensuskorrigierten Fassung von September 2025. Der nächste Zensus ist für 2031 geplant.
Quellen
Statistische Ämter des Bundes und der Länder | Zensus 2022, Regionaltabelle Haushalte und Familien | https://www.destatis.de/static/DE/zensus/gitterdaten/Regionaltabelle_Haushalte.xlsx | besucht am 04.10.2026
Statistische Ämter des Bundes und der Länder | Zensus 2022, Regionaltabelle Demografie | https://www.destatis.de/static/DE/zensus/gitterdaten/Regionaltabelle_Demografie.xlsx | besucht am 04.10.2026
Statistische Ämter des Bundes und der Länder | Zensus 2022, Regionaltabelle Gebäude und Wohnungen | https://www.destatis.de/static/DE/zensus/gitterdaten/Regionaltabelle_Gebaeude_Wohnungen.xlsx | besucht am 04.10.2026
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung | Die Bevölkerungsprognose 2045 des BBSR, Dashboard mit Tabellen zum Download (Stand 02.09.2025) | https://tableau.bbsr.bund.de/t/bbr/views/Raumordnungsprognose2045/Titel | besucht am 04.10.2026
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung | BBSR-Analysen KOMPAKT 08/2025: Haushaltsprognose 2045 | https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/analysen-kompakt/2025/ak-08-2025-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=2 | besucht am 04.10.2026
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung | Leerstand hält sich hartnäckig (01.08.2024) | https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/startseite/topmeldungen/leerstand-2022-regional.html | besucht am 04.10.2026
Bundesamt für Kartographie und Geodäsie | Verwaltungsgebiete 1:2.500.000 (VG2500), Stand 31.12.2025 | https://daten.gdz.bkg.bund.de/produkte/vg/vg2500/aktuell/ | besucht am 04.10.2026
Statistisches Bundesamt | Pressemitteilung Nr. 446 vom 11.12.2025: 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/12/PD25_446_12.html | besucht am 04.10.2026
Statistisches Bundesamt | Zensus 2022, Pressemitteilung Nr. 46 vom 04.07.2024: Leerstand | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zensus2022-Pressemitteilungen/PM_zenus2022_46.html | besucht am 04.10.2026
Statistisches Bundesamt | Zensus 2022, Pressemitteilung Nr. 48 vom 15.08.2024: Alleinlebende Seniorinnen und Senioren | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zensus2022-Pressemitteilungen/PM_zensus2022_48.html | besucht am 04.10.2026
Statistisches Bundesamt | Pressemitteilung Nr. N035 vom 14.06.2023: Wohnfläche und Wohndauer älterer Menschen | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/06/PD23_N035_12.html | besucht am 04.10.2026
Statistisches Bundesamt | WISTA 2/2026: Eigentumsquoten im Vergleich | https://www.destatis.de/DE/Methoden/WISTA-Wirtschaft-und-Statistik/2026/02/eigentumsquoten-vergleich-022026.pdf | besucht am 04.10.2026
Statistisches Bundesamt | Pressemitteilung Nr. 306 vom 26.08.2026: Erbschaft- und Schenkungsteuer 2025 | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_306_736.html | besucht am 04.10.2026
Statistisches Bundesamt | Pressemitteilung Nr. 336 vom 24.09.2026: Häuserpreisindex 2. Quartal 2026 | https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/09/PD26_336_61262.html | besucht am 04.10.2026
Statistisches Bundesamt | Geburten: Der Babyboom erreichte 1964 seinen Höchststand | https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/_inhalt.html | besucht am 04.10.2026
Institut der deutschen Wirtschaft | Babyboomer in Rente: Bis 2036 fehlen 4,3 Millionen Arbeitskräfte (15.06.2026) | https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/babyboomer-in-rente-bis-2036-fehlen-43-millionen-arbeitskraefte.html | besucht am 04.10.2026
Institut der deutschen Wirtschaft | IW-Report: Regionale Wohnungsbedarfe (03.10.2024) | https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2024/IW-Report_2024_Regionale-Wohnungsbedarfe.pdf | besucht am 04.10.2026
Deutsche Energie-Agentur | dena-Gebäudereport 2024 | https://www.dena.de/fileadmin/dena/Publikationen/PDFs/2023/dena-Gebaedereport_2024.pdf | besucht am 04.10.2026
immowelt | Gute Energiebilanz zahlt sich aus: bis zu 20 Prozent Preisaufschlag für effiziente Immobilien (19.03.2026) | https://www.immowelt.de/ueberuns/presse/pressemitteilungenkontakt/immoweltde/2026/gute-energiebilanz-zahlt-sich-aus-bis-zu-20-prozent-preisaufschlag-fuer-effiziente-immobilien/ | besucht am 04.10.2026
Postbank | Postbank Wohnatlas 2026: Hier gewinnen Eigentumswohnungen im Bestand an Wert (Mai 2026) | https://www.postbank.de/unternehmen/medien/meldungen/2026/mai/hier-gewinnen-eigentumswohnungen-im-bestand-an-wert.html | besucht am 04.10.2026
KfW | Pressemitteilung vom 30.07.2026: Jung kauft Alt mit höheren Kreditbeträgen | https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_903168.html | besucht am 04.10.2026
ZDFheute | Erbe ausschlagen: Wenn Immobilien an den Staat fallen (27.02.2025) | https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/erbe-ausschlagen-immobilien-sachsen-ostdeutschland-100.html | besucht am 04.10.2026
Berliner Zeitung | Babyboomer geben Millionen Häuser ab: Fallen jetzt im Osten die Immobilienpreise? (11.08.2026) | https://www.berliner-zeitung.de/article/babyboomer-geben-millionen-haeuser-ab-fallen-jetzt-im-osten-die-immobilienpreise-10277845 | besucht am 04.10.2026
Bundesingenieurkammer | Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) tritt in Kraft | https://bingk.de/gebaeudemodernisierungsgesetz-gmodg-tritt-in-kraft/ | besucht am 04.10.2026
Bundesministerium der Justiz | § 35 Gebäudemodernisierungsgesetz: Nachrüstung oberste Geschossdecke | https://www.gesetze-im-internet.de/geg/__35.html | besucht am 04.10.2026
Bundesministerium der Justiz | § 69 Gebäudemodernisierungsgesetz: Wärmedämmung von Leitungen | https://www.gesetze-im-internet.de/geg/__69.html | besucht am 04.10.2026
Bundesministerium der Justiz | § 1944 Bürgerliches Gesetzbuch: Ausschlagungsfrist | https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1944.html | besucht am 04.10.2026
Bundesministerium der Justiz | § 1936 Bürgerliches Gesetzbuch: Gesetzliches Erbrecht des Staates | https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1936.html | besucht am 04.10.2026
Gemeinde Hiddenhausen | Förderprogramm Jung kauft Alt | https://www.hiddenhausen.de/Hiddenhausen/Wohnen/Jung-kauft-Alt | besucht am 04.10.2026
Sächsische Staatsregierung | Kabinett beschließt höhere Förderung für den Rückbau leer stehender Wohnungen (04.06.2024) | https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1076306 | besucht am 04.10.2026
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen | Förderaufruf Gemeinsam gegen Leerstand (14.11.2025) | https://www.region-gestalten.bund.de/Region/DE/news/2511/F%C3%B6rderaufruf_GGL.html | besucht am 04.10.2026
Zillow | The Silver Tsunami and the Coming Boom of Available Homes (25.11.2019) | https://zillow.mediaroom.com/2019-11-25-The-Silver-Tsunami-and-the-Coming-Boom-of-Available-Homes | besucht am 04.10.2026
