Microsofts neues KI-Modell für schnelle Ja-Nein-Entscheidungen beruht auf Alibabas offenem Modell Qwen3.5-9B. Eine Million Eingabe-Token kostet in der Cloud-Plattform Foundry umgerechnet knapp 4 Cent. Unternehmen, die ihre KI-Agenten über Schwellenwerte steuern, sollten diese Werte nach dem angekündigten Wechsel der Basis neu prüfen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Wir haben Qwen3.5-9B für schnelle Entscheidungen in einem einzigen Durchgang nachtrainiert“, schreibt Achint Srivastava, Vice President im Büro des Technikchefs von Microsoft, über Microsoft-Decision-1.[1] Seit dem 9. Oktober bietet der Konzern das Modell als Vorschau in Foundry an.[2] Acht Tage vorher hatte Cloudflare ein ähnliches Modell gestartet, ebenfalls auf Qwen-Basis.
Das Wichtigste in Kürze
- Microsoft-Decision-1 vergibt für fest vorgegebene Antworten Wahrscheinlichkeiten und schreibt keinen Fließtext.
- Basis ist Alibabas Qwen3.5-9B, später will Microsoft auf eigene MAI-Modelle und auf OpenAI umstellen.
- Eine Million Eingabe-Token kostet rund 3,7 Cent, die Ausgabe berechnet Microsoft nicht.
- Nach einem Wechsel der Basis können sich die Wahrscheinlichkeiten verschieben, Betreiber müssen ihre Schwellenwerte dann neu testen.
Was entscheidet Microsoft-Decision-1?

Statt eine Antwort Wort für Wort zu formulieren, liest das Modell die Eingabe einmal und vergibt für jede vorgegebene Option eine Wahrscheinlichkeit.[1] Gedacht ist das Werkzeug für die vielen kleinen Weichen in KI-Anwendungen: Welches Team bekommt ein Ticket? Darf ein Agent ohne Rückfrage handeln? Nach Microsofts Ziel soll eine Prognose mit 90 Prozent in neun von zehn Fällen stimmen.[1]
Microsoft meldet für Decision-1 in 36 Benchmarks mit fast 150.000 Fragen die höchste Trefferquote im Vergleichsfeld. Im Median antwortet das Modell demnach 35-mal schneller als OpenAIs GPT-6 Sol.[1] Die Tests hat der Konzern selbst durchgeführt. Eine Million Eingabe-Token kostet rund 3,7 Cent zum EZB-Kurs vom 9. Oktober 2026, Ausgabe-Token sind kostenlos.[1] Buchbar ist das Modell in einer US- und einer EU-Datenzone.[2]
Warum setzt Microsoft auf ein chinesisches Basismodell?
Qwen3.5-9B steht unter der Apache-2.0-Lizenz, die kommerzielle Nutzung und eigene Weiterentwicklungen ohne Gebühr erlaubt.[3] Cloudflare hat sein Entscheidungsmodell Clef ebenfalls auf Qwen aufgebaut, die große Version auf Qwen3.8-27B. Bei Coding-Modellen griff Cognition für SWE-1.7 zu Kimi K2.7 von Moonshot. Mit über 700 Millionen Downloads bei Hugging Face ist Qwen die meistgenutzte offene Modellfamilie.
Eigene Modelle hat Microsoft seit der Build im Juni, damals stellte der Konzern sieben MAI-Modelle vor. Auf diese Familie und auf OpenAI soll Decision-1 bald umziehen.[1]
Microsoft verkauft Qwen unter eigenem Namen. Die Kalibrierung gilt nur bis zum angekündigten Basiswechsel.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zwei Entscheidungsmodelle auf Qwen-Basis
Was ändert der angekündigte Basiswechsel für Unternehmen?
Die Wahrscheinlichkeiten eines Entscheidungsmodells hängen vom Basismodell ab. Tauscht Microsoft Qwen gegen MAI oder ein OpenAI-Modell, entsteht ein neues Modell mit eigener Kalibrierung, auch wenn der Name bleibt. Ein Schwellenwert, ab dem ein Agent ohne menschliche Freigabe handelt, greift danach womöglich zu früh oder zu spät.
Unternehmen in der DACH-Region sollten deshalb die eingesetzte Modellversion vertraglich festhalten und vor jedem Update die eigenen Testfälle erneut durchlaufen lassen. Für Entscheidungen über personenbezogene Daten steht die EU-Datenzone bereit. Auch die Lizenz der Basis verdient einen Blick: Für das nächste große Qwen-Modell plant Alibaba laut Reuters, von den größten Anwendern einen Anteil am Umsatz zu verlangen. Welche Sprachmodelle sich für den Firmeneinsatz eignen, ordnet der LLM-Ratgeber von Dr. Web ein.
Quellen
[1] Microsoft Command Line: „Introducing Microsoft-Decision-1, our model for fast decision-making“, 9. Oktober 2026
[2] Microsoft Foundry Blog: „Introducing Microsoft-Decision-1 in Microsoft Foundry for decision and classification workloads“, 9. Oktober 2026
[3] Hugging Face: Modellkarte Qwen3.5-9B von Alibabas Qwen-Team, Lizenz Apache 2.0
Mehr Newshunger?
- Kimi K3 in OpenAI Codex: Firmen bezahlen Chinas KI aus ihrem OpenAI-Budget
- XekRung: Alibabas kleines Sicherheitsmodell steht an der Spitze der CyberGym-Rangliste
- Alibaba nimmt Qwen 4 ins Training und plant Modelle mit bis zu 10 Billionen Parametern
- Chinesische KI-Modelle: Warum das Silicon Valley heimlich umsteigt
- Chinesische Open-Weight-KI: Das Weiße Haus verzichtet auf die eigene Sicherheitsprüfung
- Fast 200 Startups warnen die US-Regierung vor einem Verbot chinesischer Open-Weight-KI
